Rette sie, wer kann – nein! Lasst sie untergehen


Neue Enthüllungen zeigen: Die Kirche schafft es nicht, den Missbrauchsskandal zu bewältigen – die Politik ist gefragt.

Evelyn Finger | ZEIT ONLINE

Themenbild. Bild: bb

In Frankreich hat kürzlich ein Bischof beschlossen, seinen Bischofssitz zu verkaufen, um das Geld einem Entschädigungsfonds für Missbrauchsopfer zu spenden. Das war mal eine beherzte Demutsgeste. Mit seiner symbolischen Selbstentmachtung reagierte Dominique Blanchet, dessen kleine Diözese Créteil zum Erzbistum Paris gehört, auf die Schreckenszahl von über 300.000 Minderjährigen, die seit den 1950er-Jahren in Frankreichs katholischer Kirche missbraucht worden sein sollen. Zu dieser Schätzung kam eine Kommission unter Vorsitz eines früheren Richters Ende 2021. Und wieder war die Frage: Was schuldet die Kirche den Opfern?

Leider ist Blanchets Bischofshaus nur ein paar Hunderttausend Euro wert. Was aber wäre, wenn Reinhard Marx, Herr über das mächtige Erzbistum München und Freising, wo einst auch Joseph Ratzinger Erzbischof war, dem Beispiel des Franzosen folgte? Im Bistum wird derzeit der Freisinger Domberg für 215 Millionen Euro renoviert, und der Amtssitz von Marx ist ein prächtiges Barockpalais. Nun steht die Verscherbelung des Palais Holnstein nicht zu befürchten, zumal es seit 200 Jahren in Staatsbesitz ist.

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