Komplizen der Täter


Kardinal Marx sagt kein Wort zu den Vorwürfen gegen Ex-Papst Benedikt. Das muss er nachholen.

Linda Gerner | taz

War das der noch dröhnendere Paukenschlag, den die katholische Kirche brauchte? Sprengt das Wissen um die „Bilanz des Schreckens“, wie Anwalt Ulrich Wastl das Gutachten zum Missbrauch im Erzbistum München und Freising nannte, endlich das System der Vertuschung und des Wegschauens?

Das Vokabular nach der Vorstellung des Gutachtens war ähnlich wie nach den vorherigen fünf Studien zu sexueller Gewalt in katholischen Bistümern: Erneuerung, unfassbares Leid, mehr Transparenz. In der Zivilgesellschaft reichten die bereits bekannt gewordenen Fälle systematischer Vertuschung von sexualisierter Gewalt längst, um das Vertrauen in die katholische Kirche zu verlieren. Zahlreiche Kirchenaustritte waren die Folge.

Doch dieses Mal hat das Gutachten aus München noch mehr Gewicht. Schwere Vorwürfe gegen den emeritierten Papst Benedikt stehen im Raum. Er soll in seiner Funktion als Erzbischof von München von 1977 bis 1982 in mindestens vier Fällen nichts gegen Kleriker unternommen haben, die der Gewalt gegenüber Minderjährigen beschuldigt wurden.

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