Die unendliche Lüge


Vor 20 Jahren legte der US-amerikanische Boston Globe, für das Erzbistum Boston, den Missbrauchsskandal in der katholischen Kirche der USA offen. Man sprach von einem „Watergate-Skandal“ für die katholische Kirche.

Das Kreuz mit den Religionen

Verfilmt von Tom McCarthy in Spotlight, so nannte sich auch das Recherche-Team der Globe, gewinnt der Film mehrere „Oscars“. Für die katholische Kirche in den USA begannen ungemütliche Zeiten, Opfer meldeten sich, Zivilklagen, Schadenersatzansprüche, hunderte von Millionen Dollar, als Teil einer Wiedergutmachung, insofern man überhaupt von wieder gut machen sprechen kann, führten dazu, dass Erz-und Bistümer Insolvenz anmelden mussten um die Schadenersatzansprüche einigermaßen unter Kontrolle halten zu können. Eine schockierend hohe Anzahl von Geistlichen, allein im Erzbistum Boston, ein System von Vertuschung, Unwahrheiten usw. wurde vom Rechercheteam aufgedeckt. Seit dem ist die Fluktuation heiliger Männer auf kirchlichen Thronen nicht rückläufig. Im Gegenteil, Irland, Australien, nicht zuletzt Frankreich legten die krimineller Energie geistiger Täter und die institutionelle Verschleierung der Straftaten offen.

In Deutschland nun schwelgte das Episkopat scheinbar in den eitlen, sich selbst beweihräucherten Vorstellungen alles sei in Ordnung. Bis der Jesuitenpater Mertes, Direktor des katholischen Canisius-Kollegs in Berlin, den Skandal im Lande zum Rollen brachte. Chronologisch ist das nicht richtig. Bereits 2002, also gemeinhin vor rund 20 Jahren, rollt der Skandal durch die Amtsstuben deutscher Gerichtsbarkeit. In den Bistümern Mainz, Paderborn, Regensburg, Würzburg und Essen wurden Missbrauchsfälle enthüllt. Der seinerzeitige Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Karl Lehmann, der mit dem Kardinalshut seine kritische Einschätzung seiner Kirche verloren hatte, mahnte Augenmaß an. Im Mainzer Bistum wurde Lehmann durch den Fall des Rüsselsheimer Pfarrers Norbert Emig aufgeschreckt. Der Personalchef des Bistums war seit 1999 über eine Tat besagten Priesters informiert.

Seither geht das Heulsusen-Gejammere geweihter Männer durch die Medien. Schockierend, Scham, reumütig, situative Verbesserung. Worthülsen, Vakuum-leer allemal.

Eine besondere Form der Verschleierung kriminellen Tuns ist in der Meisner-Truppe des Erzbistums Köln zu finden, also Woelki, Heße, Koch, alles wohlbestallte Ziehsöhne des katholischen Reaktionärs Meisner. Der römischen Spukgestalt den Rücktritt vom bischöflichen Posten anzubieten ist die Delegierung von Verantwortung, ist das nicht Bereitsein persönliche Verantwortung zu übernehmen, andere, in dem Falle der Papst, sollen entscheiden. Öl ins Feuer all jener, die Verantwortung bei ihrem Himmelsdaddy suchen und meinen sich selbst davon stehlen zu kennen. Öl ins Feuer auch für die Politik, die sich auf den Himmel beruft und ihn beschwört, hochbezahlte Deppenkultur.

Sedierte Justiz, wie z.B. Richter, Staatsanwälte, bei denen man sich die Frage stellen muss, inwieweit die Zwangstaufe ein posttraumatisches Erleben manifestiert hat, in der Hoffnung, die Kirche kennt den Weg in den Himmel bzw. hat den Schlüssel dafür.

Die katholische Kirche in Deutschland wird mit ihren Funktionären, öffentlichen Vertretern das Problem des Missbrauchs nicht aufarbeiten können. All diese Kleriker sind Teil des Problems und nicht die Lösung. Dazu bedarf es professioneller Lösungen, Kriminalisten, engagierte Staatsanwälte und eine Justiz die bereit und willens ist geltendes Recht praktisch umzusetzen. Der Missbrauchsskandal muss aus Opferperspektive auf geklärt werden, ohne Rücksicht auf die Farbe der Knöpfe an einem Paffenornat.

Es bleibt eine Frage zu beantworten, warum reden wir nur über die katholische Kirche? Warum nicht über die Evangelische gleich mit? Als regelmäßiger Konsument religiöser, christlicher Inhalte erkenne ich Auffälligkeiten. Das mediale Auftreten beider Kirchen ist signifikant unterschiedlich. Die Medienplattformen der katholischen Kirche geben durchaus kritischen Stimmen und Inhalten einen Platz. Das ist gut. Die Plattformen der evangelischen Kirche in Deutschland haben sich jedweder Debatte zur Missbrauchsaufarbeitung verschlossen, was natürlich nicht heißt, süffisant über die Skandale der katholischen Kirche zu berichten. Die EKD versteckt sich hinter ihrer föderalen Struktur, wir sind nicht veranwtortlich, wir haben keine Mittel und Möglichkeiten diesbezüglich Einfluss zu nehmen. Da klingen die Evangelen wie ein gut-katholischer Erz-Apostel aus dem Rheinland. Beide Kirchen in Deutschland leben von Voraussetzungen die sie nicht gewillt sind anzuerkennen und einzuhalten.

Die christliche Religion fing mit einem Traum an und endete mit einem Mord.

Thomas Paine

Vielleicht sollte die Gesellschaft darüber nachdenken, den Kirchen den Status einer Körperschaft des öffentlichen Rechts zu entziehen. Ein hoheitlicher Akt, wie seinerzeit die Vergabe. Angesichts religiös korrumpierter Politiker steht das nicht zu befürchten.

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