Katastrophe mit TÜV-Siegel


Vor drei Jahren starben nach einem Dammbruch in Brasilien 270 Menschen. Zuvor hatte der TÜV Süd bescheinigt, das Bauwerk sei sicher. Mehr als tausend Hinterbliebene klagen nun gegen das Unternehmen. Auch strafrechtliche Ermittlungen laufen. 

Hasso Suliak | Legal Tribune Online

Teile der durch den Dammbruch zerstörten Brücke. Der Damm an der Mine Córrego do Feijão brach am 25. Januar 2019.  Foto: picture alliance/dpa | Rodney Costa

Als am 25. Januar 2019 das Rückhaltebecken der Eisenerzmine Corrégo do Feijão des Rohstoffgiganten Vale nahe der Stadt Brumadinho im brasilianischen Bundesstaat Minas Gerais brach, wälzten sich 13 Millionen Kubikmeter Schlamm mit einer Geschwindigkeit von teilweise mehr als 100 Stundenkilometer durch das Tal.  Die Lawine begrub 270 Menschen. Unzählige Tiere starben, Wälder, Flüsse und weitere Gemeinden wurden verwüstet. 

Seither tobt der juristische Streit um Verantwortlichkeiten und die Entschädigungen für Gemeinden, Hinterbliebene und Opfer. Am Pranger steht dabei nicht nur der weltweit agierende Bergbaukonzern Vale, sondern auch der in München ansässige TÜV Süd. Dessen brasilianische Tochterfirma TSB hatte einige Monate vor dem Dammbruch dem Bergbaukonzern Vale die Sicherheit des Dammes bescheinigt – angeblich entgegen gravierender Bedenken. Dem für das Projekt in Deutschland verantwortlichen TÜV-Süd-Manager Chris-Peter M. wird in diesem Kontext vorgeworfen, den kritischen Sicherheitszustand des Dammes gekannt, ihn aber dennoch als sicher durchgewunken zu haben. Nicht zuletzt auch, so der Vorwurf von Hinterbliebenenvertretern und Gewerkschaften, um dem TÜV damit künftige Geschäfte mit dem weltweit agierenden Vale-Konzern zu ermöglichen. 

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