Frank Schwabe ist neuer Religionsfreiheitsbeauftragter der Bundesregierung. Im Interview erklärt er, wo er auf der Welt Konflikte in diesem Zusammenhang sieht. Er blickt dabei auch auf die Lage in Deutschland – und äußert sich zum Muezzinruf.
Birgit Wilke | katholisch.de

Der neue Beauftragte der Bundesregierung für die weltweite Religions- und Weltanschauungsfreiheit, Frank Schwabe (SPD), will als erstes indigene Gruppen in Lateinamerika besuchen. Was er dort genau vorhat und warum ihm in seinem Amt auch die Weltanschauungsgemeinschaften wichtig sind, erklärte er in einem Interview der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA) in Berlin.
Frage: Herr Schwabe, als neuer Religionsfreiheitsbeauftragter haben Sie in Ihrer Amtsbezeichnung auch die Weltanschauungsgemeinschaften mit aufgenommen. War Ihnen das ein besonderes Anliegen?
Schwabe: Manche Akteure glauben, meine Aufgabe sei es, Religionen oder sogar eine bestimmte Religion in der Welt durchzusetzen. Das ist natürlich nicht der Fall. Stattdessen geht es um die Freiheit von Menschen, eine Religion auszuüben und auch konvertieren zu können. Oder eben auch zu sagen, ‚wir glauben an keinen Gott‘ oder ‚wir leben nach einer anderen umfassenden Idee‘.
Frage: Vor allem die Union hat sich in der vergangenen Legislaturperiode für die Schaffung des Amtes eingesetzt. Viele Ihrer Parteikollegen fanden es überflüssig. Nach der Regierungsbildung war es zunächst auch nicht klar, ob es dieses Amt, das beim Entwicklungsministerium angesiedelt ist, weitergeben soll…
Schwabe: Die Idee kam von der Union. Aber ich war vor vier Jahren selbst dabei, als die SPD der Einrichtung des Amtes zustimmte. Bundesentwicklungsministerin Svenja Schulze (SPD) hat sich in dieser Legislatur klar für die Beibehaltung ausgesprochen. Grundsätzlich hätten es auch andere Menschenrechte wie etwa das Recht auf Meinungsfreiheit verdient, mit einem eigenen Beauftragten gewürdigt zu werden. Dieses Amt ist aber eben schon da und ganz zweifellos handelt es sich um ein zentrales traditionelles, aber zugleich auch sehr modernes Menschenrecht.