Wie Staaten Oppositionelle im Ausland jagen


Nicht nur die Mafia entführt Menschen, auch Staaten verschleppen Oppositionelle aus dem Ausland, um sie in Haft und unter Kontrolle zu bringen. Drei Staaten brechen dabei besonders oft das Völkerrecht.

Michel Penke | Deutsche Welle

Die Türkei, China und Russland sind jene Staaten, die besonders oft Oppositionelle im Ausland verfolgen, bedrohen und entführen

Die einzige Spur, die man noch von ihm fand, war sein Auto, die Türen offen, die Reifen platt. Orhan Inandı, Direktor einer Schule im kirgisischen Bischkek, war 2020 verschwunden. Zeugen gab es nicht. 

Eine Ermittlergruppe wurde eingesetzt, Indizien ausgewertet, selbst der kirgisische Präsident schaltete sich ein.  

Wochen später war klar: Inandı war entführt worden. Nicht von Banditen oder der Mafia – der türkische Geheimdienst MİT hatte ihn ergriffen und illegal außer Landes gebracht, weil er politische Gegner des türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdoğan unterstützt haben soll. Inandı ist damit einer der jüngsten Fälle staatlicher Entführung. 

Von Mord bis Mobbing  

Tatsächlich haben laut Zahlen des US-Think-Tanks Freedom House mindestens 31 Staaten seit 2014 das Völkerrecht gebrochen, indem sie Bürger im Ausland verfolgten – mit unterschiedlichen Methoden: Neben illegalen Entführungen setzen Verfolgerstaaten oft auf die Kooperation des Landes, in dem sich Oppositionelle aufhalten, und drängen sie zur Deportation. Daneben stehen noch Attentate und nicht-tödliche Angriffe sowie Einschüchterungen auf der Liste. Hinzu kommen Menschen, die für immer spurlos verschwinden. „Regime können Exilanten leichter erreichen als je zuvor“, sagt Freedom-House-Expertin Isabel Linzer, „auch in Form von Spionageprogrammen, durch Überwachung und Einschüchterung in sozialen Medien“. 

weiterlesen