Transidentität im Islam: Religiöse Traditionen des „dritten Geschlechts“


Transidente Menschen bilden in manchen asiatischen Ländern eigene religiöse Gemeinschaften innerhalb des Islam. Die Religionswissenschaftlerin Leyla Jagiella kennt diese Traditionen gut. Als muslimische trans Frau ist sie selbst in sie eingetaucht.

Leyla Jagiella im Gespräch mit Julia Ley | Deutschlandfunk Kultur

Ein Fest für die Göttin Renuka in Indien: Transidente Menschen der Hijra-Community spielen bei dieser Zeremonie eine zentrale Rolle. ©imago / ZUMA Press / Abhijeet Gurjar

Julia Ley: Leyla Jagiella ist Religionswissenschaftlerin und Ethnologin. Sie hat schon in sehr jungen Jahren den Islam angenommen und sie hat sich – nachdem ihr bei der Geburt das männliche Geschlecht zugewiesen wurde – mit 19 Jahren entschieden, offen als Frau zu leben. Darüber, wie sie es schafft, ihr Muslimisch-Sein und ihr Trans-Sein zusammenzubringen – und warum sie dafür erst nach Pakistan reisen musste, spreche ich jetzt mir ihr.

Als Teenager und trans Frau in der Kleinstadt

Frau Jagiella, vor wenigen Monaten ist Ihr erstes Buch erschienen, darin schildern Sie Ihren Weg als trans Frau und Muslimin. Sie sind in einer Kleinstadt in Deutschland aufgewachsen und dort auch zur Schule gegangen. Nehmen Sie uns doch noch mal einmal mit in diese Zeit. Wie war das, in den 90er-Jahren, als Teenager in Deutschland mit einer Transidentität aufzuwachsen?

Leyla Jagiella: Es war so schwer wie an vielen anderen Orten auch. Es war vor allem damals auch so, dass es nicht so diese große Präsenz des Themas Trans gab, die es ja mittlerweile glücklicherweise gibt, in unserer Medienwelt. Ich sage immer, das war so die Nachmittags-Talkshow, -Freakshow eigentlich. Da gab es irgendwie so ein paar exotische Individuen, aber das war es auch.

Wenn ich mir auch manchmal heute noch Presseberichte von damals anschaue, bin ich immer sehr schockiert, wie wenig Wissen da war. Ich hatte in meinem Umfeld nichts, wo ich da irgendwie anknüpfen konnte. Insbesondere, da ich in einer sehr ländlichen Region aufgewachsen bin, in einer Kleinstadt, da war das alles noch einmal besonders schwierig.

weiterlesen