Das unsichtbare Schwein


Die älteste bisher gefundene figürliche Zeichnung von Menschenhand zeigt – nein, keinen Menschen, sondern ein Schwein. Gefunden in einer Höhle auf der indonesischen Insel Sulawesi und neu datiert auf ein Alter von mindestens 45.500 Jahren. So lange mindestens beschäftigen sich die Menschen mit dem Schwein. Aber erst in jüngster Zeit haben sie aus dem meistgegessenen Tier eine Industrie gemacht.

Florian Schwinn | Krass & Konkret

Zeichnungen an einer Höhlenwand auf Sulawesi. Die ältesten uns bekannten figürlichen Darstellungen von Menschenhand zeigen Schweine. | Bild: Oktaviana (CC BY-SA 4.0)

Zwei aktuelle Bücher beschäftigen sich mit dem, was wir aus dem Schwein gemacht haben, nachdem wir es vor rund zehntausend Jahren zu uns nahmen und aus Sus scrofa, dem Wildschwein, Sus scrofa domesticus wurde, das Hausschwein. Wobei: das Leben, das unsere Hausschweine heute führen müssen, das muten wir ihnen erst in jüngster Zeit zu. Wie es dazu kam und wie wir und die Schweine da wieder rauskommen, darum geht es in beiden Büchern auf sehr unterschiedliche Weise. Lesestoff zur aktuellen Diskussion über Tierhaltung und Fleischverzicht.

Saugut – und ein wenig wie wir

Der norwegische Historiker und Journalist Kristoffer Hatteland Endresen geht es ganz persönlich an. Ein Zeitungsartikel macht ihn via Facebook darauf aufmerksam, dass in seiner Heimat an der Südwestküste Norwegens mehr Schweine als Menschen leben. Die erste Reaktion auf diese Nachricht ist Staunen „Das kann doch nicht sein. Warum hatte ich dort nie ein Schwein gesehen? Zwar stamme ich aus der urbanen Gegend um Stavanger, doch war ich mein Leben lang durch Jæren gefahren und gewandert. In meiner Erinnerung war die Landschaft durch viele Tiere geprägt, doch Schweine gehörten nicht dazu. Ich kannte sie nur aus Tiergärten oder Besuchshöfen, ein wirkliches Schwein, das in die Statistik der industriellen Fleischproduktion eingeht, hatte ich nie zu Gesicht bekommen.“ Die zweite Reaktion auf die Nachricht von der schweinischen Überzahl in seiner Heimat ist journalistische Neugier: Jetzt will der Autor Schweine sehen, wirkliche Schweine.

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