Glyphosat: Neuer Rückschlag für Bayer vor US-Gericht


Noch hofft der Konzern, der Supreme Court könnte seine Entscheidung kippen. Dank des Pestizid-Geschäftes fährt er auch während des Ukraine-Krieges hohe Gewinne ein

Susanne Aigner | TELEPOLIS

Glyphosat ist nicht der einzige Inhaltsstoff in Pflanzenschutzmitteln, der bedenklich ist. (Foto: Flickr/ Roundup, Monsanto by Mike Mozart CC BY 2.0)

Im Rechtsstreit um mögliche Krebsrisiken beim Einsatz des Unkrautvernichtungsmittels Glyphosat hat der Agrarchemie- und Pharmakonzern Bayer erneut einen herben Rückschlag erlitten. Noch im August hatte der Leverkusener Bayer-Konzern beim obersten Bundesgericht der USA einen Antrag auf Überprüfung eines Urteils gegen die Konzerntochter Monsanto eingereicht. Nun jedoch riet die Generalstaatsanwältin, die die Regierung vor dem Supreme Court vertritt, dem Gericht davon ab, die Klage des US-Amerikaners Edwin Hardeman abzuweisen.

Jahrzehntelang hatte der über siebzigjährige Rentner aus Nordkalifornien das Unkrautvernichtungsmittel Roundup auf seinem Grundstück verwendet. Als man 2015 bei ihm Lymphdrüsenkrebs diagnostizierte, machte er die glyphosathaltigen Produkte des von Bayer übernommenen US-Herstellers Monsanto für seine Krebserkrankung verantwortlich und verklagte das Unternehmen auf Schadenersatz.

Nach Einschätzung der Internationalen Krebsforschungsagentur der Weltgesundheitsorganisation (WHO) vom selbem Jahr gilt Glyphosat als „wahrscheinlich krebserregend“. Das glyphosathaltige Pflanzenschutzmittel Roundup, das heute in mehr als 160 Ländern verkauft wird, war in den 1970er-Jahren von Monsanto auf den Markt gebracht worden. Allein in den USA wird das Mittel von Millionen Farmern und Grundstücksbesitzern genutzt.

Nach einem Gerichtsprozess war Bayer bereits 2019 zu 25 Millionen Dollar Schadenersatz verurteilt worden. Diesem erstinstanzlichen Urteil war ein Berufungsgericht im Mai dieses Jahres gefolgt. Noch im vergangenen Jahr hatte Bayer gehofft, dass ein Urteil zu seinen Gunsten die Rechtsstreitigkeiten zu Glyphosat in den USA weitgehend beenden würde.

Zulassungsbehörden weltweit bewerteten den Unkrautvernichter bei sachgemäßer Anwendung als sicher, argumentieren Konzernsprecher. So habe die EPA mehrfach festgestellt, dass „glyphosatbasierte Herbizide nicht krebserregend“ seien. Eine Krebswarnung im Hinblick auf diese Produkte sei irreführend.

Schadenersatzansprüche wegen angeblich mangelhafter Warnungen vor Krebsrisiken würden nach staatlichem Recht nicht bestehen, wenn sie mit Bundesrecht kollidieren. Auch habe die Zulassung von Experten als Zeugen der Klägerseite beim Prozess nicht den bundesrechtlichen Standards entsprochen. Dem widersprachen Regierung und Staatsanwaltschaft.

Die Genehmigung des Unkrautvernichters durch die US-Umweltschutzbehörde EPA ohne Warnung vor bestimmten chronischen Risiken hebe nicht die Verpflichtung auf, entsprechende Warnhinweise zu geben, erklärte Generalstaatsanwältin Elizabeth Prelongar in einer Stellungnahme. Zwar ist der Ausgang des aktuellen Verfahrens rechtlich nicht bindend für weitere Klagen in den USA. Doch das Verfahren könnte Signalwirkung auf weitere US-Klagen haben.

Zehntausende weitere Klagen belasten den Bayer-Konzern

Schon als Bayer im September 2016 Monsanto mit 63 Milliarden Dollar kaufte, gestaltete sich die Übernahme schwierig. Mit 53 Milliarden Euro war die Marktkapitalisierung im September 2021 niedriger als der Preis, den Bayer einst für Monsanto gezahlt hat. Der Aktienkurs sank um 50 Prozent.

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