Große Zahlen und kleine Echsen


Neuentdeckte Reptilienarten lassen ahnen, was schon verloren ist. Nicht Schlangen aber machten eine Insel berühmt, sondern ein Mittelfinger. Die Kolumne.

Manfred Niekisch | Frankfurter Rundschau

Ein winziges, männliches Chamäleon sitzt auf einem Finger. Ein internationales Forscherteam hat auf Madagaskar diese winzig kleine Chamäleonart entdeckt. Sie trägt den Namen Brookesia nana. ©Frank Glaw/dpa

Die Zahlen steigen unaufhörlich. Und das ist gut so. Inzwischen ist die Zahl der Kriechtierarten bei weltweit über 10 700 angelangt, wie die Deutsche Gesellschaft für Herpetologie und Terrarienkunde (DGHT) mitteilt. Statistisch gesehen wurde im Jahr 2021 rund alle eineinhalb Tage eine neue Art von Schildkröten, Echsen und Schlangen entdeckt.

Mit gerade einmal zwei neu beschriebenen Arten tragen die Schildkröten nur wenig zu diesem Zuwachs bei, Schlangen und Echsen stellen den weitaus größten Anteil. Nur bei den Krokodilen gibt es offenbar nichts Neues zu entdecken. Man darf davon ausgehen, dass inzwischen alle Arten der Panzerechsen wissenschaftlich beschrieben sind. Sie sind zu auffällig und zu groß, um übersehen zu werden.

Ganz anders verhält es sich bei der im echten Sinne des Wortes kleinsten Sensation unter den Neuentdeckungen, einem Chamäleon aus Madagaskar. Das im Verhältnis zum männlichen Tier noch eher große Weibchen misst ganze 19 Millimeter, das Männchen ist 6 Millimeter kleiner.

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