Wie russisches Öl heimlich in die EU gelangt


Russisches Öl gelangt per Tankschiff heimlich in die Häfen der EU. Windige Geschäftemacher und Inhaber von Öl-Schiffen profitieren von der Debatte über Öl-Embargos.

Sven Christian Schulz | Frankfurter Rundschau

Klein gegen Übermächtig: Greenpeace legt sich mit einem riesenhaften russischen Frachter an. ©AFP

Während die Europäische Union noch über ein Ölembargo streitet, hat der große Wandel in der Ölbranche längst begonnen. Aus Angst vor möglichen Sanktionen und unter dem Druck der Öffentlichkeit haben führende Ölhändler wie Shell, BP und Total schon angekündigt, ihre Handelsbeziehungen mit Russland massiv einzuschränken oder ganz einzustellen. Deutschland will bis Jahresende vollständig auf Öl aus Russland verzichten.

Doch offenbar gelangt russisches Öl wieder häufiger heimlich nach Europa. EU-Mitgliedsstaaten haben im April durchschnittlich 1,6 Millionen Barrel Öl pro Tag aus Russland eingekauft. Das berichtete das „Wall Street Journal“ (WSJ), das die Daten eines Transparenzportals für den Rohölhandel ausgewertet hat. Dort lassen sich die Tanker verfolgen.

Auffällig ist, dass aus Russlands Häfen nun immer öfter Öltanker mit „unbekanntem Ziel“ auf das offene Meer fahren. Sie haben offiziell also keine festgelegte Route, wenn sie den Hafen verlassen. Das ist vor Beginn des Krieges nur sehr selten vorgekommen. Nun sollen allein im April mehr als 11,1 Millionen Barrel russisches Öl auf diese Weise exportiert worden sein.

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