Ihr Leben war ein Fest. Doch dann hatten sie genug


Drei Geschwister unterstützen den Wunsch der betagten Eltern, ihr Leben gemeinsam zu beenden. Ein knappes Jahr später bilanzieren sie: War das richtig? Ihr Leben war ein Fest. Doch dann hatten sie genug

Eva Schläfer | Frankfurter Allgemeine Zeitung

Illustrationen: ASUKA GRÜN

Am 5. Juli 2021 gegen 19 Uhr verwandelte sich die sonst eher ruhige Heidelberger Poststraße binnen Minuten in einen gewaltigen Einsatzort. Vor einem Mehrfamilienhaus fuhren Polizei-, Feuerwehr- und Rettungswagen mit Blaulicht und Sirene vor. Schwerbepackte Sanitäter stürmten durch das Treppenhaus, hinein in eine Maisonettewohnung im vierten Stock. Kurz darauf trafen Kripobeamte ein; zeitweise drängten sich mehr als 20 Personen in der Wohnung. Eine Szene wie aus einem Film.  

Ausgelöst worden war dieser Großeinsatz durch einen Anruf bei der 110. Der Anrufer meldete zwei tote Personen, einen assistierten Doppelsuizid. Er und seine beiden Schwestern befänden sich bei den Toten. Es handele sich um ihre Mutter und ihren Vater.  

Etwa zwei Stunden zuvor waren Cyn­thia, 85 Jahre, und Rolf Rackles, 90 Jahre, Hand in Hand aus dem Leben geschieden. Sie nahmen dafür die Unterstützung eines Sterbehilfevereins in Anspruch. Die größte und ausdauerndste Unterstützung bei der Umsetzung ihres Wunsches erhielten sie jedoch von ihren drei Kindern: Mark Rackles, geboren 1966, Melanie Vogt, Jahrgang 1968, und der fünf Jahre jüngeren Jennifer Safy. Sie hatten sich über Jahre mit den Plänen der Eltern auseinandergesetzt. Melanie war bis zum letzten Atemzug an deren Seite.  

weiterlesen