Die Pille gegen Fundamentalisten


In den USA ist die Abtreibungsdebatte neu entbrannt. Befürchtet wird, dass das Grundsatzurteil des Obersten Gerichtshofs im Fall »Roe v. Wade« gekippt werden könnte.

Emanuel Bergmann | jungle.world

»Tritt mich nicht mit Füßen«. Protest gegen die befürchtete Einschränkung des Abtreibungsrechts in Austin, Texas, 3. Mai Bild: picture alliance / ZUMAPRESS.com / Mario Cantu

Der öffentliche Aufschrei war enorm. Am 2. Mai veröffentlichte das US-Magazin Politico den Entwurf des Richters Samuel Alito für eine Urteilsbegründung des Obersten Gerichtshofs, dem zufolge die Grundsatzentscheidung aufzuheben sei, die der Oberste Gerichtshof 1973 im Fall »Roe v. Wade« zum US-Abtreibungsrecht getroffen hatte. Einen Tag später bestätigte das Gericht die Authentizität des Entwurfs. In mehreren Städten der USA demonstrierten Menschen gegen befürchtete Einschränkungen des Rechts auf Abtreibung. »Wie können sie es wagen, einer Frau zu sagen, was sie mit ihrem Körper tun kann und was nicht?«, empörte sich auch Vizepräsidentin Kamala Harris über den veröffentlichen Entwurf der Urteilsbegründung der Richter.

Im Zentrum der Abtreibungsdebatte steht ein angebliches moralisches Dilemma: Die Grundsatzentscheidung des Obersten Gerichtshofs im Fall »Roe v. Wade« garantiert seit 49 Jahren jeder schwangeren US-Bürgerin das Recht, über einen Abbruch zu entscheiden. Doch das, so sehen es Abtreibungsgegnerinnen und -gegner, stehe im Widerspruch zum Recht des »ungeborenen Kindes« auf Leben. Ab wann also sollte ein Schwangerschaftsabbruch verboten werden, wenn überhaupt? Und wem obliegt diese Entscheidung?

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