Von Fußball-, zu Pandemie-, Kreml- und Militärexperten


Wer entscheidet eigentlich derzeit über Wahrung und Wiederherstellung des Friedens oder eine potenziell verheerende Eskalation. Eine Glosse

Herbert Wulf | TELEPOLIS

Schwedische Militärexperten diskutieren Nato-Beitritt, hier in St. Petersburg, 2018. Bild: Kora27, CC BY-SA 4.0

Man hört derzeit allenthalben von ihnen oder liest ihre Analysen und Schlussfolgerungen in den Medien: Selbsternannte Militärexperten haben das Sagen und erklären uns, was „schwere Waffen“, „Flugverbotszonen“, „Flugabwehrkanonen“, „Flaggschiffe“ und anderes sind.

Seit 1979 mussten wir uns mit derartigen Fragen nicht mehr beschäftigen. Damals, als die Nato ihren Doppelbeschluss zur Stationierung von atomaren Mittelstreckenraketen und gleichzeitigen Verhandlungen mit dem damaligen Warschauer Pakt verkündete, wussten plötzlich viele Menschen, dass die Rakete Pershing II nur sieben Minuten Flugzeit bis Moskau benötigte

Die wirklichen Experten erklärten uns den Unterschied zwischen hochangereichertem Uran und Plutonium, dass man beides für die Herstellung von Atomwaffen verwenden kann. Erbsenzähler nannte man damals diejenigen, die genau belegen konnten, wie viele sowjetische Panzer, vor allem T-72, die auch heute von der ukrainischen Armee eingesetzt werden, nur darauf warteten, im Fulda-Gap vorzustoßen.

Jetzt, mit dem russischen Krieg in der Ukraine, beginnen wir Deutschen wieder, uns für die technischen Details von leichten und schweren Waffen, von Defensiv- oder Angriffswaffen zu interessieren. Was heißt „interessieren“? Das wissen wir natürlich!

Vor gut zwei Jahren, zu Beginn der Covid-19 Pandemie, verwandelten sich mindestens 41 Millionen Trainer der deutschen Fußballmannschaft – so die Zahl der männlichen Erwachsenen im Land – in Virologen und Epidemiologen. Vorbei waren die guten alten Zeiten, in denen an den Stammtischen über die Aufstellung der Fußballnationalmannschaft oder über die verfehlte „Pressing-Strategie“ des Joachim Löw gestritten werden konnte.

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