„Kirche verträgt kein Altersheim von Päpsten“


Weil der Papst gesundheitlich angeschlagen ist, kursierten Rücktrittsgerüchte. Das hat Franziskus nun dementiert. Der Vatikanexperte Ulrich Nersinger findet solche Rücktritte grundsätzlich problematisch, nicht nur im Fall Franziskus.

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©Andrew Medichini ( dpa )

DOMRADIO.DE: War das klug von Franziskus, so eine öffentliche Erklärung abzugeben, dass er dementiert, er werde zurücktreten?

Ulrich Nersinger (Vatikanexperte): Ich denke schon. Also ich sehe da deutliche Parallelen auch zu einer weltlichen Autorität. Wenn ich das Thronjubiläum von Königin Elisabeth II. betrachte, sehe ich Ähnlichkeiten. Auch die Königin sieht sich in ihr Amt von Gott berufen. Sie ist der festen Überzeugung, dass auch nur Gott sie abberufen kann. So sieht das Franziskus in seinem Falle auch. Wenn er das klipp und klar sagt, weil er ja bestimmt auch die ganzen Gerüchte mitbekommen hat, finde ich das sehr gut.

DOMRADIO.DE: Hat dann Benedikt XVI. mit seinem Rücktritt doch mehr angerichtet, als zunächst vermutet?

Nersinger: Ich will nicht über den Altpapst urteilen. Ich habe immer gesagt, dass ich die Entscheidung nicht besonders klug und richtig finde. Aber es ist natürlich seine Entscheidung. Als Papst war er der Souverän und konnte frei entscheiden, was er macht. Aber ich denke, es hat sich in den letzten Jahren gezeigt, dass die Entscheidung nicht die klügste war. Denn wir haben jetzt immer die Rede von zwei Päpsten. Wenn der Jetztige auch noch noch zurücktritt: Die Kirche verträgt kein Altersheim von Päpsten im Vatikan.

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