Peter Sloterdijk ist einer der letzten deutschen Großintellektuellen. Anlässlich seines 75. spricht er über die großen Themen unserer Gegenwart: die Ukraine, die Klimakrise, und über die Farbe Grau.
Moderation: Simone Miller | Deutschlandfunk Kultur

Zehntausende Seiten Text hat er verfasst, einige seiner Werke gehören zu den meistverkauften Philosophie-Büchern des 20. Jahrhunderts und es gibt kaum eine Debatte der letzten Jahrzehnte, an der er sich nicht beteiligt hat: Von Gentechnik und Steuersystemen bis Corona und Klimawandel. Peter Sloterdijk ist zweifelsohne einer der wichtigsten Intellektuellen dieses Landes. Nun feiert der Philosoph seinen 75. Geburtstag – und ist so arbeitswütig wie eh und je.
In seinem jüngsten Buch „Wer noch kein Grau gedacht hat“ erkundet Sloterdijk die Bedeutung der Farbe Grau – unter anderem als Gegenstand der Philosophie, der Literatur und der politischen Farbenlehre.
Von Rot zu Grau
Grau ist für Sloterdijk unter anderem das Erbe der Sowjetunion – als Ergebnis einer „Rot-Grau-Verschiebung“ vom Hoffen auf den „Menschheitsmorgen“ zu Diktatur und Staatsterror. In Putins Politik imperialer Ausdehnung sieht er nun das „nationalrussische“ Nachspiel dieses Niedergangs:
„All das gehört zu dieser großen Grautendenz, die in unsere eigene Zeit hineinreicht. Wir haben das Sowjetgrau ins 21. Jahrhundert mit hinübergeschleppt. Wenn Rot im Spiel ist, dann eigentlich nur noch im Sinne des blutigen Massakers. Aber nicht mehr im Sinne einer Symbolfarbe, die einen Fortschritt für die Menschheit kodieren sollte.“