Merz und die Frage, wer zuletzt cancelt


Der CDU-Chef kritisiert gerne eine vermeintliche „Cancel Culture“, also das Absagen von Veranstaltungen. Und löst nun selbst eine wahre Cancel-Kaskade aus.

Benedikt Peters | Süddeutsche Zeitung

CDU-Chef Friedrich Merz hält „Cancel Culture“ für die größte Bedrohung für die Meinungsfreiheit.(Foto: imago)

Man muss gewiss nicht alles teilen, was die Welt so druckt, aber vor einer Woche, das muss mal gesagt werden, ist ihr ein prophetisches Meisterstück geglückt. „Cancel Culture schwappt nach Europa“, so stand es in der Zeitung, darunter ein Interview mit CDU-Chef Friedrich Merz.

Kurzer Exkurs: Cancel Culture bezeichnet die Tendenz, Menschen, denen diskriminierende oder rassistische Haltungen vorgeworfen werden, nicht mehr zu Veranstaltungen einzuladen oder Podien mit solchen Teilnehmern abzusagen. Viele halten das für richtig, aber natürlich gibt es auch Kritiker. Sie finden, das „Canceln“ (Absagen) ufere aus, und zu ihnen zählt offensichtlich auch der CDU-Chef: Es sei die „größte Bedrohung für die Meinungsfreiheit“, klagte er in der Welt und richte sich inzwischen gegen „völlig legitime Meinungen“.

weiterlesen