Zieht beim kirchlichen Nein zur Frauenweihe heute noch das Argument der Tradition? Für Theologin Julia Knop ganz und gar nicht. Religionsphilosophin Hanna-Barbara Gerl-Falkovitz dagegen mag die Kirchenregeln genau so, wie sie sind.

Die Erfurter Theologin Julia Knop spricht sich für die Zulassung von Frauen zum Priesteramt in der katholischen Kirche aus. Die Frauenweihe sei heute weniger eine Sach- als eine Machtfrage, schreibt sie in einem Gastkommentar in den Zeitungen der Verlagsgruppe Bistumspresse (Sonntag) in Osnabrück. „Es besteht weithin Konsens, dass das offizielle Nein zur Frauenordination viel bessere Argumente bräuchte. Aber daran, ob sich ein Bischof für oder gegen die Frauenordination positioniert, bemisst sich sein Gehorsam zur kirchlichen Lehre“, so die Dogmatikerin.
Knop widerspricht dem Argument der Tradition, auf das sich die Kirche unter anderem bei diesem Thema beruft. Die Frage der Frauenweihe stelle sich heute anders als früher, nämlich unter dem Gesichtspunkt der Gleichberechtigung. „Das päpstliche Nein zur Frauenordination ist darum kein schlichtes Ja zur Tradition, sondern ein explizites Nein zur kirchlichen Weiterentwicklung in Sachen Geschlechtergerechtigkeit.“ Die Position des katholischen Lehramts überzeugt nach Ansicht der Theologin immer weniger Gläubige.