Stellare Nachwehen: Der Riesenstern Beteigeuze durchlebt noch immer die Folgen einer gewaltigen Plasma-Eruption vor drei Jahren – des stärksten je bei einem Stern beobachteten Massenauswurfs. Bis heute vibriert das Innere des Rote Überriesen von dem Absprengen eines riesigen Stücks seiner Oberfläche, die „Wunde“ ist noch immer kühler als der Rest des Sterns. Gleichzeitig ist der „Herzschlag“ von Beteigeuze verstummt – ein langsames Pulsieren, das Astronomen seit 200 Jahren beobachtet haben.

Der Rote Überriese Beteigeuze ist am Himmel kaum zu übersehen: Er bildet den rechten Schulterstern des Orion. Weil sich der Stern dem Ende seines Lebenszyklus und damit einer Supernova-Explosion nähert, hat er sich bereits zu der enormen Größe von mehr als tausend Sonnenradien aufgebläht. Würde er im Zentrum des Sonnensystems stehen, läge seine Oberfläche auf Höhe der Jupiter-Umlaufbahn.
Entsprechend groß war die Aufmerksamkeit der Astronomen, als sie Ende 2019 eine ungewöhnliche Abdunklung des Roten Überriesen beobachteten: Beteigeuze hatte innerhalb eines Jahres zwei Drittel seiner Leuchtkraft verloren und sich stellenweise stark abgekühlt. Es war zunächst unklar, ob diese Veränderungen nur vorübergehend oder aber Vorboten einer Supernova sind. Erst im Sommer 2020 zeigten weitere Beobachtungen, dass die Verdunklung von einer riesigen Staubwolke herrührte, die bei einem Plasma-Ausbruch ins All hinausgeschleudert worden war.