Wie kann man Gott finden?


Da Gott sich vor uns versteckt, wie die Gläubigen sagen, will er nicht gefunden werden. Sonst wäre es ja sinnlos, sich zu verstecken. Vor allem aber versteckt sich Gott hinter den Ausreden der Gläubigen.

Volker Dittmar | Richard-Dawkins-Foundation

Foto: Pixabay.com / pixel2013

Zudem müsste man wissen, was Gott ist, zumindest in wesentlichen Teilen. Denn wenn man nicht wenigstens ungefähr weiß, was ein Baum ist, könnte man jahrhundertelang durch einen Wald irren, ohne je einen Baum zu finden. Da sich die Gläubigen entweder weigern, Gott zu definieren, oder diese Definitionen in sich logisch widersprüchlich sind, oder vage und ungenügend, ist es unmöglich, Gott zu finden. Die Weigerung einer Definition geht einher mit den angesprochenen faulen Ausreden: Angeblich macht man sich Gott verfügbar, wenn man ihn definiert. Das ist Quatsch, man macht sich ein schwarzes Loch nicht verfügbar, wenn man es definiert, vielmehr ist das die Voraussetzung dafür, es überhaupt finden zu können. Oder es wird das Bildnisverbot der Bibel angeführt, dass sich aber ausdrücklich nur auf tönerne Figuren (oder Statuen) bezieht, nicht auf gedankliche Vorstellungen. Denn dann wäre die Bibel ein einziger Verstoß gegen das Gebot, sich kein Bild machen zu dürfen.

Zudem fallen die meisten Gläubigen damit auf, dass der Gott, von dem sie erzählen, wenig oder nichts mit ihrer eigenen Vorstellung von Gott zu tun hat — wobei sie manchmal ja sogar behaupten, sie machten sich keine Vorstellung von Gott. Das kann aber nur ein Atheist. Wie wenig das, was Gläubige über Gott erzählen, mit dem übereinstimmt, was sie glauben, hat Pascal Boyer gezeigt, in: Boyer, Pascal, und Ulrich Enderwitz. 2009. Und Mensch schuf Gott. Stuttgart: Klett-Cotta.

Wenn Gläubige erzählen, wie man Gott findet, betreiben sie im Grunde genommen eine Art Innenschau: Gott ist Teil ihrer Gedankenwelt. Ob er mehr ist als das können sie nicht sagen. Der Gott der Einbildung ist für Gläubige nicht von einem „echten“ Gott zu unterscheiden, sie haben dafür keine Kriterien, sondern sie gefallen sich darin, diese Kriterien entweder zu verwischen oder gleich ganz auszulöschen. Gott wird sorgfältig gegen jede mögliche Erfahrung abgeschirmt, es gibt keine Tatsache der Welt, die gegen Gott sprechen kann, daher kann auch keine Tatsache der Welt für ihn sprechen.

Gott ist mehr so eine Art Gefühl, das vor allem durch Wunschvorstellungen angetrieben wird. Wenn man wissen will, an welchen Gott jemand glaubt, muss man nur herausfinden, was sich der Betreffende wünscht. Sein Gott ist eine Art idealisiertes Selbst. Deswegen kam Feuerbach auf die Idee, dass man Religion zur Gänze durch Anthropologie ersetzen kann. Die einzige Antwort, die Theologen auf Feuerbach gefunden haben, ist: Auch wenn Gott eine Projektion des Menschen ist, so heißt dies aber noch lange nicht, dass er nicht existiert. Aber das Problem ist, dass diese Projektion auf menschlichen Wünschen beruht, und man wünscht sich nur, was nicht ist. Andernfalls würde man sich wünschen, dass die Dinge so bleiben, wie sie sind — man wünscht sich ansonsten nur das, von dem man weiß, dass es keine Tatsache ist (das alles so bleibt, wie es ist, ist auch keine Tatsache). D. h., der Glauben an Gott beruht letztlich darauf, dass man weiß, dass es keinen Gott gibt!

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