Iran rechtfertigt das Attentat auf Salman Rushdie, Indien schweigt


In einer ersten Reaktion auf den Anschlag hat Teheran dem britisch-indischen Autor selbst die Schuld für die Tat gegeben. Die meisten anderen muslimischen Staaten äussern sich nicht dazu. Auch sein Heimatland Indien hält sich auffallend zurück.

Ulrich von Schwerin, Andrea Spalinger | Neue Zürcher Zeitung

Mit seinem Roman «Die Satanischen Verse» hat Salman Rushdie 1988 eine Kontroverse ausgelöst, die bis heute ihre Kreise zieht. David Levenson / Getty

Drei Tage nach dem Attentat auf Salman Rushdie hat das iranische Regime die Tat gerechtfertigt. Der Schriftsteller und seine Unterstützer seien allein für den Anschlag verantwortlich, sagte ein Sprecher des Aussenministeriums in Teheran am Montag in einer ersten offiziellen Reaktion Irans auf den Angriff in New York, bei dem der 75-Jährige am Freitag schwer verletzt worden war. Indem Rushdie den Islam beleidigt und die roten Linien von anderthalb Milliarden Muslimen übertreten habe, habe er die Wut der Menschen auf sich gezogen.

Der Sprecher dementierte gleichzeitig aber kategorisch jede Verbindung Irans zu dem Täter. Es war das erste Mal, dass sich ein Vertreter des Regimes zu dem Mordversuch an dem britisch-indischen Autor äusserte. Die regimenahe Presse in Iran hatte die Tat bereits am Samstag begrüsst und den Täter gefeiert. Einige Zeitungen zogen eine direkte Verbindung zu der Fatwa des iranischen Revolutionsführers Ayatollah Khomeiny, der im Februar 1989 die Muslime zur Ermordung des Autors der «Satanischen Verse» und seiner Verleger aufgerufen hatte.

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