Polen: Vergiftetes Wasser, verlorenes Vertrauen


Fischsterben in der Oder: Polnische Regierung unter Druck.

Jens Mattern | TELEPOLIS

Fischsterben in der Oder. Bild (13.August 2022): Hanno Böck / CC0 1.0

„Ich könnte vor Wut schreien“, so Polens Premierminister Mateusz Morawiecki angesichts der ökologischen Katastrophe in der Oder. Zwischen Kattowitz und Stettin sollen bereits 28 Tonnen verendeter Fische aus dem Fluss geborgen worden sein. Die Ursache ist noch nicht geklärt.

Unklar ist auch, ob sich Morawieckis Wut nicht auch gegen eigenes Versagen oder das seiner Regierungsmitarbeiter richtet.

Nach eigenen Angaben erfuhr der Nationalkonservative erst am 9. oder 10. August von den Zuständen. Doch schon am 26. Juli berichteten polnische Fischer im Raum der niederschlesischen Stadt Olawa (Ohlau) den Behörden über verendete Fische.

Skandal lange ausgeblendet

Die staatlich kontrollierten Medien der nationalkonservativen Regierung hielten sich lange mit der Berichterstattung zurück.

Verschleppt hätten auch die Behörden die Angelegenheit, so Vorwürfe von Fischern, Ökologen und der polnischen Opposition. Auch die Internationale Kommission zum Schutz der Oder gegen Verunreinigung, die aus tschechischen, polnischen und deutschen Mitwirkenden besteht, soll nach polnischen Medienberichten nicht von Warschau benachrichtigt worden sein.

Erst vergangene Woche reagierten Regierungsvertreter mit Statements, wobei zu Anfang die Situation heruntergespielt wurde. Nun will der Staat als Akteur gesehen werden.

Das Verteidigungsministerium in Warschau hat das Militär sowie die Nationalgarde mit der Reinigung des Flusses betraut, zudem seien sie „in Bereitschaft für andere Aufgaben“. Mittlerweile sind zwei Funktionäre aus den Umweltbehörden auf Geheiß aus Warschau entlassen worden.

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