Identitätspolitik und Aufklärung: Wie universelle Werte begründen


Sind universelle Werte wie die Menschenrechte nur ein Deckmantel für imperialistische Interessen? Der Philosoph Omri Boehm meint: Die Kritik an der Aufklärung hat ihre Berechtigung, aber auf Universalismus können wir trotzdem nicht verzichten.

Omri Boehm im Gespräch mit Catherine Newmark | Deutschlandfunk Kultur

Kant 1791 nach dem Berliner Maler Gottlieb Doebler ursprünglich in der Freimaurerloge Zum Todtenkopf und Phoenix in Königsberg, hier die zweite Ausführung für Johann Gottfried Kiesewetter. Bild: wikimedia.org/PD

Menschen- und Bürgerrechte, die Garantie, dass alle Menschen, ungeachtet ihrer Herkunft, Anspruch auf Gleichbehandlung und individuelle Freiheit haben: Solche universellen Werte gelten als zentrale Errungenschaften der Philosophie der Aufklärung.

Bis heute bilden sie ein wichtiges Fundament von Verfassungen und Rechtssystemen demokratischer Staaten und sind in der UN-Menschenrechtserklärung von 1948 verankert.

Nichts als Identitätspolitik für die Kolonialmächte?

Doch im Zuge von Debatten über Identität und die Anerkennung diskriminierter Gruppen gerät dieses Erbe der Aufklärung zunehmend in die Kritik. Progressive linke Bewegungen erheben den Vorwurf, dass die Rede von universellen Werten von Anfang an scheinheilig gewesen sei.

Denn politisch ging die Aufklärung mit Rassismus und Kolonialismus einher. Ihre allgemeinen Werte galten nicht für alle. Insofern habe die Aufklärung selbst „Identitätspolitik“ betrieben – allerdings für weiße, westliche Männer, zugunsten der Kolonialmächte.

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