Lügen über deutsche Bibliotheken


Angeblich rufen Bibliotheken in Sachsen und Hamburg dazu auf, Bücher zu verheizen. Wer hat ein Interesse an solchen grotesken Lügen?

Tilman Spreckelsen | Frankfurter Allgemeine Zeitung

Im Lesesaal der Sächsischen Landesbibliothek – Staats- und Universitätsbibliothek Dresden Bild: dpa

Dass es in Kriegen rasch der Wahrheit an den Kragen geht, ist bis zum Überdruss bekannt. Daran, dass dafür Trollarmeen in Marsch gesetzt werden, haben wir uns mittlerweile ge­wöhnt, selbst wenn wir das zunächst oft gar nicht mitbekommen. Weil diese Truppen aber auch in Zeiten durchs Internet marschieren, in denen kein einziger Schuss fällt, wird man sich fragen müssen, ob in den letzten Jahren an dieser Front eigentlich jemals Frieden herrschte oder ob all die Lügen und Manipulationen im Vorfeld von Präsidentenwahlen oder Volksabstimmungen nicht schon im Licht eines militärischen Kräftemessens gesehen werden müssen.

Entsetzen über die Lügen in den sozialen Medien

Nun, mitten im Krieg, schlägt der Deutsche Bibliotheksverband Alarm: Der Verein ist „entsetzt über die Verbreitung von Falschinformationen zum Um­gang mit Büchern“ in zwei großen deutschen Einrichtungen. Demnach kursierte auf Internet-Plattformen wie TikTok, Telegram oder Twitter das Foto eines gefälschten Aushangs der Sächsischen Landesbibliothek Dresden unter der wunderlichen Überschrift „Schreibberatung“. Darin wird „aufgrund der voraussichtlichen Heizungskürzungen im Herbst und Winter“ um Bücherspenden gebeten, damit die Werke russischer Autoren „für die Heizung in der Bibliothek verwendet werden“ können – es bleibt der Phantasie der Fälscher überlassen, wie das in einem modernen Heizsystem genau geschehen soll.

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