Erdoğans Statthalter in Köln


Der neue Imam der Kölner Ditib-Zentralmoschee war zuvor in der Türkei in einer Moschee tätig, die zum Areal des Palasts von Staats­präsident Recep Tayyip Erdoğan gehört. Einmal mehr zeigt sich, dass die Ditib der verlängerte Arm Erdoğans ist. Die Personalie könnte auch den Ausgang des türkischen Wahlkampfs im kommenden Jahr beeinflussen.

Alex Feuerherdt | jungle.world

Gott ist groß, der Fernsehturm ist größer. Die Ditib-Zentralmoschee im Kölner Stadtteil Ehrenfeld, September 2018
Bild: picture alliance / Geisler-Fotopress | Christoph Hardt

Seit Anfang Juli hat die Zentralmoschee der Türkisch-Islamischen Union der Anstalt für Religion (Ditib) im Kölner Stadtteil Ehrenfeld einen weiteren Imam: Zu den drei anderen Vorbetern gesellte sich Adem Kemaneci, 40 Jahre alt, Vater von zwei Kindern.

Der Zugang ist ein prominenter, denn Kemaneci war zuvor als Imam in der Beştepe Millet Camii tätig. Diese Moschee befindet sich in der türkischen Hauptstadt Ankara – und gehört dort zum Areal des Präsidentenpalasts von Recep Tayyip Erdoğan. Sie ist also kein gewöhnliches Gebetshaus, Erdoğan selbst eröffnete sie im Juli 2015. Die Moschee habe in den vergangenen Jahren stets eine sehr wichtige Rolle für den Präsidenten gespielt, denn dort »fanden zu bestimmten nationalen oder religiösen Feiertagen politische In­szenierungen statt«, sagte Eren Güvercin, freier Journalist und Mitglied der ­Islamkonferenz, dem Kölner Sender Domradio im Interview. Für diese In­szenierungen habe Kemaneci »mit seiner schönen Stimme, mit der er auch sehr schön den Koran rezitieren kann, die notwendige Kulisse für Erdoğan abgegeben, um dem Volk auch zu si­gnalisieren, dass Erdoğan nicht nur ein starker politischer Führer ist, sondern auch einen religiösen Anspruch hat«.

Rund 1,4 Millionen türkische Staats­bürger, die in Deutschland leben, sind in der Türkei wahlberechtigt.

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