Kriegsgefahr in der Ägäis: Nato-Staat droht Nato-Staat


Der türkische Präsident Erdogan ist auf Krawall gebürstet. Er macht Griechenland die Zwölf-Meilen-Zone an den Küsten sowie Ägäisinseln streitig. Die Rhetorik wird immer heftiger und erinnert an den Ukraine-Konflikt.

Wassilis Aswestopoulos | TELEPOLIS

Auch mit Bündnispartnern kann man eine Feindschaft pflegen, heißt aktuell die türkische Devise. Symbolbild: Marek Studzinski auf Pixabay (Public Domain)

„Niemand kann den Horizont der Türkei auf 780.000 Quadratkilometer begrenzen“ – dieses eindeutig imperialistische Zitat des türkischen Staatspräsidenten Recep Tayyip Erdogan wird von der Kommunikationsdirektion der Republik Türkei verbreitet. Es vergeht kein Tag, an dem es in den griechischen Medien keine Diskussion über türkische Provokationen gibt.

Der verbale Dauerbeschuss hat Folgen. „Wenn die Türken uns anrühren, ziehen wir in den Krieg“, erklärt der Staatssekretär im Bildungsministerium und Staatsrechtsprofessor Angelos Syrigos.

„Er (Erdogan) hat keinen schwachen und bald scheidenden Premierminister gegen sich, gegen ihn steht das gesamte griechische Volk“, beschwört Oppositionsführer Alexis Tsipras und wischt die unüberbrückbaren Differenzen zu Premier Kyriakos Mitsotakis angesichts der Kriegsgefahr in der Ägäis beiseite.

Tsipras vergisst aber nicht zu erwähnen, dass unter seiner Regierung 2019 bei der EU gegenüber der Türkei die Androhung von Sanktionen wegen der aggressiven Rhetorik gegen den Griechen erreicht wurde, heute aber in Brüssel nicht mehr über Sanktionen diskutiert wird.

Die Türkei droht ihrem Nato-Partner Griechenland bereits seit Jahren mit dem Casus Belli, sollten die Hellenen in der Ägäis – wie international üblich – die Zwölf-Meilen-Zone rund um ihre Küsten zum Hoheitsgebiet erklären. In den vergangenen Monaten sind weitere Forderungen der Türkei dazu gekommen. So zweifelt die türkische Regierung offen an den Hoheitsrechten der Griechen über die Ägäisinseln. Sollten diese nicht demilitarisiert werden, droht die Türkei mit einer Invasion.

Erinnerungen an Putins Rhetorik gegenüber der Ukraine

Der türkische Außenminister Mevlüt Cavusoglu äußert sich zur türkischen Taktik in einer Art und Weise, die sehr an Wladimir Putins Rhetorik gegenüber der Ukraine erinnert. Cavusoglu begründet die Konzentration von Landungstruppen auf türkischer Seite mit der Präsenz griechischen Militärs auf den Inseln. Er wirft den USA vor, sie würden Griechenland gegen die Türkei unterstützen. Cavusoglu weitet den Konflikt mit Griechenland auf Zypern aus:

„Außerdem haben sie (die USA) ihr Waffenembargo gegen Südzypern aufgehoben. Deshalb werden auch wir als Garantieland – so es Allah erlaubt – der „Türkischen Republik Nordzypern“ die notwendige Unterstützung zukommen lassen, um unsere eigenen Interessen und unsere Sicherheit sowohl in der Ägäis als auch auf Zypern zu gewährleisten, aber auch um die Rechte der türkischen Zyprioten zu schützen, werden wir entschlossen die notwendigen Schritte unternehmen.
Mevlüt Cavusoglu

Im türkischen Fernsehen werden bereits Verbote der Tagesausflüge von der Türkei auf griechische Inseln diskutiert. In die täglichen verbalen Angriffe Erdogans auf Griechenland fließt auch immer öfter Kritik an den USA ein. Die Türkei betrachtet die US-Militärbasen in Griechenland als Bedrohung und wirft Griechenland vor, es würde sich zum Büttel der USA machen.

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