Physiknobelpreis: Sie wollten die Quantentheorie verstehen – und haben die Welt verändert


Die diesjährige Auszeichnung geht an Alain Aspect, John Clauser und Anton Zeilinger, die den Grundstein zur zweiten Quantenrevolution gelegt haben. Dabei war das gar nicht ihre Absicht.

Christian Speicher | Neue Zürcher Zeitung

Ein Quantencomputer von IBM. Florian Gaertner / Photothek / Imago

«Shut up and calculate». Diesen Ratschlag erhielten Studenten, wenn sie zu fragen wagten, wie die Quantentheorie zu interpretieren sei. Statt sich in philosophischen Spitzfindigkeiten zu verlieren, so die Empfehlung, sollte man lieber die Rechenregeln dieser Theorie anwenden, die in den 1920er Jahren zur Beschreibung von Atomen entwickelt worden war.

Zum Glück gab es immer wieder Physiker, die sich nicht an diesen Ratschlag gehalten haben. Zu ihnen gehören die diesjährigen Physiknobelpreisträger Alain Aspect, John F. Clauser und Anton Zeilinger. Die drei haben durch ihre Experimente entscheidend dazu beigetragen, die philosophischen Grundlagen der Quantentheorie besser zu verstehen. Gleichzeitig haben sie den Grundstein für Anwendungen wie den Quantencomputer, die Quantenverschlüsselung oder das Quanteninternet gelegt. Hätten die drei sich aufs Rechnen beschränkt, stünden wir heute nicht an der Schwelle zu einer zweiten Quantenrevolution, die unsere Gesellschaft noch stärker umkrempeln könnte als die Erfindung des Lasers und des Transistors.

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