Freiburger Betroffene vermissen bei Zollitsch Verantwortungsübernahme


Das Freiburger Missbrauchsgutachten lässt weiter auf sich warten. Eine Erklärung des Alterzbischofs Robert Zollitsch stößt unterdessen beim Betroffenenbeirat des Erzbistums auf Protest und Unverständnis: Die Mitglieder fordern Handeln statt Worte.

katholisch.de

Robert Zollitsch
Robert Zollitsch (CC-by-sa/3.0/de by Schwarzwälder)

Der Betroffenenbeirat in der Erzdiözese Freiburg vermisst beim ehemaligen Freiburger Erzbischof Robert Zollitsch eine Übernahme von Verantwortung. In einem offenen Antwortbrief auf die Anfang Oktober durch Zollitsch veröffentlichte Erklärung zu seiner Rolle bei der Vertuschung und Aufarbeitung von Missbrauch schildert der Beirat Reaktionen von Betroffenen auf die Erklärung und stellt Forderungen. Viele Betroffene hätten die auch als Videobotschaft veröffentlichte Erklärung wie eine „bedrohliche Machtdemonstration“ empfunden, schreibt die Sprecherin des Betroffenenbeirats, Julia Sander, in dem Brief. „Sie haben Ihre Version der Wahrheit im Internet platziert, ohne die Möglichkeit eines Dialoges“, so Sander. Damit wiederhole sich in den Biographien von Betroffenen etwas: „Als Kinder und Jugendliche haben wir schon einmal erlebt, dass mächtige Kirchenvertreter definieren, was die Wahrheit ist, und unsere Perspektive weder gehört, noch ernst genommen wurde.“

Zollitsch, der von 1983 an bis zu seiner Wahl zum Freiburger Erzbischof 2003 Personalreferent der Erzdiözese war, hatte die Betroffenen um Verzeihung gebeten. „Was soll aus Ihrer Sicht die Grundlage für das Verzeihen sein?“, fragt Sander. Es sei zwar gut und richtig, um Verzeihung zu bitten. „Sie werden verstehen, dass sich die Verletzten auf der Straße verhöhnt fühlen, wenn Sie um Verzeihung bitten, bevor Sie die Unfallstelle geräumt und Erste Hilfe geleistet haben. Die Unfallopfer müssen Hilfe und Unterstützung erfahren, Zeit bekommen um zu genesen“, erläutert die Betroffenensprecherin. Das sei bis heute nicht geschehen. Es reiche auch nicht aus, der persönlichen Verantwortung im Erzbistum die eigenen Verdienste auf Ebene der Bischofskonferenz gegenüberzustellen. Zollitsch war von 2008 bis 2014 Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz. In seine Amtszeit fielen das Bekanntwerden von Missbrauch am Berliner Jesuitengymnasium Canisius-Kolleg und erste Bemühungen der Kirche um Aufarbeitung.

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