Die Türkei fordert von Schweden die Auslieferung des geflüchteten Journalisten Kenes. Dieser ist damit zum Faustpfand im Ringen um den NATO-Beitritt Schwedens geworden. Wer ist der Mann, den Erdogan unbedingt vor Gericht sehen will?
Christian Stichler | tagesschau

Es ist der 8. November. Bülent Kenes sitzt mit seiner Familie beim Abendessen, zuhause in Åkersberga, einem Vorort nordöstlich von Stockholm. Der Tisch ist gedeckt. Im Fernsehen läuft die Pressekonferenz des türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan anlässlich des Antrittsbesuchs des neuen schwedischen Ministerpräsidenten Ulf Kristersson.
Die Pressekonferenz ist fast schon vorbei, da stellt ein türkischer Journalist noch eine letzte Frage. Dann sagt Erdogan diesen einen Satz.
Ich werde nun von einer Person in Schweden den Namen nennen: Bülent Kenes, ein Terrorist. Nur ein Beispiel. Aber es ist für uns sehr wichtig, dass er an die Türkei ausgeliefert wird.
Für die Familie ein Schock
Damit ist ausgesprochen, was Kenes schon länger wusste. Sein Name steht auf einer Liste, die Erdogan der schwedischen Regierung überreicht hat. Mehr als 70 Personen, von denen der türkische Präsident die Auslieferung fordert.
Seinen Namen während der Pressekonferenz zu hören, sei für seine Frau und ihre beiden Kinder ein „Schock“ gewesen, erzählt Kenes – für ihn selbst aber nicht. Denn, erläuterte der Journalist in einem Interview mit dem schwedischen Fernsehen: „Ich erwarte nichts und alles von einem Despoten wie Erdogan.“