Katholische Kirche in Italien : Empörung über ersten Missbrauchsbericht


Angesichts von Zahlenspielereien sprechen Opferorganisationen von einem „Witz“. Meinen es Italiens Bischöfe ernst mit der Aufarbeitung?

Matthias Rüb | Frankfurter Allgemeine Zeitung

Themenbild. Bild: bb

Italien ist ein Nachzügler bei der Aufarbeitung sexualisierter Gewalt in der katholischen Kirche. Während in Aus­tralien, Kanada und den USA, in Argentinien und Chile, in Deutschland und Österreich, in Frankreich, Spanien und Portugal seit Jahren und Jahrzehnten über Missbrauch in der Kirche berichtet und gestritten wird, herrschte in Italien bis zuletzt dröhnendes Schweigen. Als ob es im „Mutterland“ der Weltkirche keine übergriffigen und gewalttätigen Priester gegeben hätte, keinen Missbrauch in katholischen Bildungs- und Sozialeinrichtungen – und auch keine Bischöfe, die Straftaten und Missstände vertuscht hätten.

Das hartnäckige Verschweigen war für die Opfer unerträglich geworden und führte zu einer anhaltenden Erosion der Glaubwürdigkeit der Italienischen Bi­schofskonferenz (CEI) und der katholischen Kirche insgesamt. Schwer lastete die Sache auch auf Papst Franziskus, der als Bischof von Rom zugleich Primas der Katholiken Italiens ist.

Während die Ku­rie, geführt und auch gedrängt vom Papst, im Vatikan allerlei Vorkehrungen traf und Institutionen schuf, um in der Weltkirche künftigen Missbrauch zu verhindern und bereits verübten aufzuar­beiten, ließ es der gleiche Papst geschehen, dass die CEI auf Verschleppen und Verdrängen setzte.

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