„Died suddenly“: Legendenbildung von Corona-Impfgegnern und reale Übersterblichkeit


„Plötzlich verstorben“: Eine Pseudo-Dokumentation aus den USA kommt zur Unzeit: In Deutschland wird gerade über einen deutlichen Anstieg der Sterbefallzahlen gerätselt. Die Krebshilfe warnte im Frühjahr 2021 vor den Folgen von OP-Verschiebungen.

Claudia Wangerin | TELEPOLIS

coronavirus sars-cov-2
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Wenn Regierende, Behörden, Wissenschaft und etablierte Medien keine Erklärung für eine beunruhigende Entwicklung liefern, entsteht logischerweise ein „Markt“ für alles, was unter dem Sammelbegriff „Verschwörungstheorien“ belächelt oder bekämpft wird – egal, ob es vollkommen abwegig ist oder ob es dafür reale Anhaltspunkte gibt, denen dringend nachgegangen werden sollte.

Beunruhigte Menschen, die nicht mit ihrem täglichen Existenzkampf oder durch „Brot und Spiele“ ausgelastet sind, machen sich selbst auf die Suche nach Erklärungen, die nicht oder nur mit einer als quälend empfundenen zeitlichen Verzögerung aus anerkannt seriösen Quellen geliefert werden.

So wird natürlich auch über die Gründe der Übersterblichkeit in Deutschland im Oktober spekuliert – eine Todesursachenstatistik liegt noch nicht vor; und überzeugte Impfgegner nutzen die Gelegenheit für ein beherztes „Ich hab‘s euch ja gesagt“.

Nun ist es völlig normal, dass noch keine Todesursachenstatistik für den Monat Oktober des laufenden Jahres vorliegt – es wäre auch kein Anlass für aufgeregte Spekulationen, die über die klassische Impfgegner-Szene hinausgehen, wenn nicht bekannt wäre, dass die Sterbefallzahlen um rund 19 Prozent über dem mittleren Wert der Vorjahre lagen, wie das Statistische Bundesamt Mitte November mitteilte.

In den ersten zwölf Monaten der Corona-Pandemie von März 2020 bis Februar 2021 hatten die Übersterblichkeit „nur“ um 7,5 Prozent über dem Wert des Jahres davor gelegen. Dies war auch noch nahezu ausschließlich mit Todesfällen im Zusammenhang mit dem Virus erklärbar. „Momentan ist es viel schwieriger“, sagte Sebastian Klüsener, Forschungsdirektor am Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung (BiB), vor wenigen Tagen der ARD-tagesschau.

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