EZB und Bundesregierung: Fehler bei der Inflationsbekämpfung


Blinde Flecken der Entlastungspakete und des Abwehrschirms. Der mit dem Steuergeld finanzierte „Wumms“ heizt die Inflation an. Löhne und Gehälter können nicht mehr mithalten.

Alexander Horn | TELEPOLIS

Bild von moerschy auf Pixabay

Die gute Nachricht zuerst: Der Verbraucherpreisanstieg legte im November eine Pause ein. Gegenüber dem Vormonat sanken einige Preise sogar. Vor allem Heizöl und Kraftstoffe wurden billiger, um 9,8 beziehungsweise 5,3 Prozent. Nun liegt die Verbraucherpreisinflation nach einer ersten Prognose des Statistischen Bundesamtes bei 10,0 Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat, im Oktober lag sie noch bei 10,4 Prozent.

Von Entwarnung könne jedoch keine Rede sein, so Jörg Krämer, Chefvolkswirt der Commerzbank. Im Einklang mit den Prognosen der Bundesbank und der führenden Wirtschaftsforschungsinstitute in Deutschland rechne er nämlich „bis Anfang nächsten Jahres mit zweistelligen Inflationsraten“.1

Dass es im November einen leichten Rückgang der Inflationsrate gab, liegt an einem statistischen Effekt: Im November letzten Jahres machte die Inflationsrate gegenüber dem Vormonat einen Sprung und legte von 4,5 auf 5,2 Prozent zu, so dass die Inflation in diesem November im Vergleich zur bereits gestiegenen Inflation im November letzten Jahres etwas niedriger ausfällt.

Demnach sind die Verbraucherpreise in den vergangenen zwei Jahren bis November 2022 um 15,2 Prozent gestiegen, im Oktober lag der Preisanstieg mit 14,9 Prozent noch etwas niedriger.

Sinkende Reallöhne

Nun zur schlechten Nachricht: Die anhaltend hohe Inflation in Deutschland beschert den Erwerbstätigen seit einem Jahr kontinuierlich steigende Reallohnverluste, wie das Statistische Bundesamt nun ebenfalls meldet.

Im 3. Quartal 2022 sind die realen Verdienste gegenüber dem Vorjahresquartal um 5,7 Prozent gesunken. Da jedoch auch in den beiden vorangegangen Jahren Reallohnverluste entstanden waren, haben die Erwerbstätigen seit dem dritten Quartal 2019 nun einen Kaufkraftverlust von sieben Prozent erlitten.

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