Festgenommene „Reichsbürger“: Fleisch vom Fleische der „BRD GmbH“


Dafür, dass sie die Bundesrepublik nicht als Staat anerkennen, haben Beschuldigte teils auffällig staatstragende Berufe. Einige hatten legal Zugang zu Waffen. Was angekündigte „Konsequenzen“ bedeuten.

Claudia Wangerin | TELEPOLIS

Bis dato Richterin: Die Beschuldigte Birgit Malsack-Winkemann sollte laut Bundesanwaltschaft nach dem Putsch Justizministerin werden. Foto: Rafael P. D. Suppmann / CC-BY-SA 4.0

Zweierlei sorgte am Tag der Razzia gegen die „Reichsbürger“-Truppe „Patriotische Union“ für Gesprächsstoff: Die teils auffallend staatstragenden beruflichen Hintergründe der Beschuldigten und der Fakt, dass manche Medien lange vorab informiert und teilweise live dabei waren, als am Mittwochmorgen die Polizei zu den Hausdurchsuchungen anrückte.

Insgesamt gibt es laut Bundesanwaltschaft 52 Beschuldigte in elf Bundesländern, die den bewaffneten Umsturz angestrebt haben sollen. „Nach den bisherigen Ermittlungen besteht zudem der Verdacht, dass einzelne Mitglieder der Vereinigung konkrete Vorbereitungen getroffen haben, mit einer kleinen bewaffneten Gruppe gewaltsam in den Deutschen Bundestag einzudringen“, erklärte die Anklagebehörde am Mittwoch.

Insgesamt 3000 Beamte sollen bei den Razzien mit Schwerpunkt in Berlin, Thüringen und Hessen im Einsatz gewesen sein, um Beweise zu sichern und 25 mutmaßliche Möchtegern-Putschisten festzunehmen. Darunter die Berliner Richterin und ehemalige AfD-Bundestagsabgeordnete Birgit Malsack-Winkemann, der ehemalige Bundeswehr-Kommandeur Rüdiger von Pescatore und der 71-jährige Adelsspross Heinrich XIII. Prinz Reuß, der als Hauptbeschuldigter gilt und nach bisherigen Ermittlungen das neue Staatsoberhaupt werden wollte.

Während dieses Vorhaben in den Sozialen Netzwerken auch für Spott und Erheiterung sorgt, beunruhigt es doch, wie viele der Beschuldigten aus den bewaffneten Organen der von „Reichsbürgern“ nicht als Staat anerkannten „BRD GmbH“ kommen.

Ein weiteres Mitglied der Gruppe, Michael F., soll erst im April seinen Job als Kriminalhauptkommissar in Hannover verloren haben. Nach Angaben des Militärischen Abschirmdienstes (MAD) wurde auch ein Angehöriger des Kommandos Spezialkräfte (KSK) festgenommen. Gegen mehrere Reservisten werde ermittelt, hieß es am Mittwoch.

Den Festgenommenen wird laut Bundesanwaltschaft Mitgliedschaft beziehungsweise Unterstützung einer terroristischen Vereinigung vorgeworfen. Waffen sollen sie teilweise legal besessen haben. Der zuletzt als Immobilienunternehmer in Frankfurt am Main tätige „Prinz“ und der Ex-Bundeswehr-Kommandeur werden als Rädelsführer verdächtigt.

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