Immer wieder werden Ordensfrauen Opfer von Missbrauch in der Kirche. Die Theologin Doris Reisinger sieht die Gründe für ihre besondere Gefährdung tief im Denken der Kirche verwurzelt: Es brauche eine fundamentale Gleichheit von Frauen und Männern.

Die Theologin Doris Reisinger hält einen tiefgreifenden Wandel im Umgang der Kirche mit Frauen für notwendig, um angemessen auf den Missbrauch insbesondere von Ordensfrauen reagieren zu können. In einem Beitrag für den US-amerikanischen „National Catholic Reporter“ (Dienstag) weist die Missbrauchsforscherin darauf hin, dass Ordensfrauen aufgrund ihrer umfassenden Abhängigkeit von ihren Gemeinschaften und der männlichen kirchlichen Hierarchie besonders anfällig für Missbrauch und dessen Vertuschung sind. „Ordensfrauen müssen einen kanonischen Status erhalten, der es ihnen erlaubt, sich auch gegen Vorgesetzte und Kleriker wirksam zu verteidigen, und die zutiefst sexistische und frauenfeindliche Kultur in der katholischen Kirche muss einer Kultur des wahren Respekts für Frauen weichen“, so Reisinger.
Solange die Kirche von einem System beherrscht werde, in dem Frauen und Männer, Kleriker und Laien ungleich seien, könnten entsprechende Änderungen aber nicht erreicht werden, betont die Theologin: „Im Moment scheint diese Art von Gleichheit mehr als utopisch.“