Sexueller Missbrauch in der Kirche? In Polen ist die Frage schon ein Angriff


In Polen ist der Katholizismus so etwas wie eine Staatsreligion, Papst Johannes Paul II ein Nationalheld. Schon allein die Frage, was er von sexuellem Missbrauch innerhalb der Kirche wusste, gilt besonders im PiS-Milieu als unpatriotisch. Und wird zum Kulturkampf umgedeutet.

Thomas Schmid | WELT

Foto: Jan Egesborg/Surrend Johannes Paul II. und die Sexualmoral der katholischen Kirche stehen hier in der Kritik. Das Werk ist eine Auftragsarbeit für das Karikatur-Museum in Kassel

Der Katholizismus ist eine majestätische Religion. Den Namen hat sie von dem griechischen Wort katholikós. Es bedeutet: das Ganze betreffend, allgemeingültig, allumfassend. Damit war ein religiöser und lange auch weltlicher Machtanspruch angemeldet. Der katholische Glaube sollte der universell gültige sein.

Das hat auch dazu geführt, dass die religiösen Praktiken der katholischen Kirche weltweit nahezu identisch sind. Es sind aber auch die Schattenseiten des Katholizismus weltweit verbreitet. Etwa der sexuelle Missbrauch, verübt von Angehörigen des katholischen Klerus, Priestern und anderen.

Dass der Missbrauch die Kirche in Misskredit gebracht hat, ist heute nicht mehr zu leugnen. Und die Kirche hat, wenn auch zögernd und Ausflüchte suchend, begonnen, sich damit ernsthaft auseinanderzusetzen, wenn auch nicht überall mit gleicher Intensität.

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