Der Vorschlag des Kassenärzte-Chefs stößt auf Ablehnung. Vorerst hat er keine Aussicht auf Umsetzung. Aber ein großes Problem für Akutpatienten besteht weiter.
Claudia Wangerin | TELEPOLIS

Mit diesem Vorstoß hat sich der Chef der Kassenärztlichen Bundesvereinigung, Andreas Gassen nicht viele Freunde gemacht: „Wer weiterhin direkt in die Notaufnahme geht, ohne vorher die Leitstelle anzurufen, muss gegebenenfalls eine Notfallgebühr entrichten, denn das kostet die Solidargemeinschaft unterm Strich mehr Geld und bindet unnötig medizinische Ressourcen“, sagte Gassen diese Woche dem Redaktionsnetzwerk Deutschland. „Wer noch selbst in eine Notaufnahme gehen kann, ist oft kein echter medizinischer Notfall“, meint er.
Manche der Betroffenen haben dann allerdings schon Taxigeld investiert, weil sie das eben nicht konnten – und andererseits nicht sicher waren, ob es als „Missbrauch“ gelten könnte, einen Krankenwagen zu rufen, wenn man noch selbst telefonieren und aufstehen kann.
Manche werden auch von Freunden oder Angehörigen gebracht. Hinzu kommt, dass manche Arztpraxen mit vollem Terminkalender selbst die Notaufnahme als Alternative benennen, wenn Anrufer sagen, dass es wirklich dringend sei.
Nach Gassens Meinung sollen Patienten in solchen Fällen vor dem Gang in die Notaufnahme noch eine Leitstelle oder den ärztlichen Bereitschaftsdienst anrufen, um eine erste telefonische Einschätzung zu bekommen – oder eben eine Art Strafgebühr für die Notaufnahme zahlen.
Die Deutsche Stiftung Patientenschutz kritisierte dies umgehend – auch Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) erteilte dem Vorstoß eine Absage. Es werde intensiv über die Neustrukturierung der Notfallversorgung diskutiert, über eine Gebühr jedoch nicht, stellte Lauterbach am Mittwoch in Berlin klar. Der Vorschlag habe keine Aussicht auf Umsetzung.