Gebt doch dem Söder, was er will!


Bayerns Ministerpräsident drängt den Bund, das Atomgesetz so zu ändern. Länder sollen Atomkraftwerke in Eigenregie weiter betreiben können. Dafür gibt gute Gründe. Ein Kommentar.

Nick Reimer | TELEPOLIS

Kernkraftwerk Isar. Bild: E.ON Kernkraft GmbH, CC BY-SA 3.0

Viele Versuche hat er bislang unternommen, jetzt hat er es endlich geschafft: Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) darf sich rühmen, den Titel als größter Populist im deutschen Sprachraum errungen zu haben. Er will das Atomgesetz so ändern lassen, dass Bayern das Atomkraftwerk Isar 2 quasi in Eigenregie weiter betreiben darf.

Söder sagte der Bild am Sonntag: „Bayern fordert vom Bund eine eigene Länderzuständigkeit für den Weiterbetrieb der Kernkraft. Solange die Krise nicht beendet und der Übergang zu den Erneuerbaren nicht gelungen ist, müssen wir bis zum Ende des Jahrzehnts jede Form von Energie nutzen.“

Geben wir gedanklich Söders Wunsch ein paar Minuten nach, geben wir ihm seine Länderzuständigkeit: Wie könnte Bayern das gerade abgeschaltete Atomkraftwerk Isar 2 weiter betreiben?

Es gibt seit diesem Montag keine Brennstäbe mehr, die Energie liefern könnten. Ins Söderische übersetzt: „Der Tank ist leer!“ Natürlich kann man neue Brennstäbe bestellen, aber die gibt es eben nicht wie Sprit an der Tankstelle: Die Energiequelle eines jeden einzelnen Atomkraftwerk muss gesondert angefertigt werden – und das dauert zwölf bis 18 Monate.

So lange müsste Isar 2 „eingemottet“, sprich betriebsbereit, gehalten werden, wofür es eine Belegschaft geben muss, die das Kraftwerk wartet. Seit diesem Montag gibt es diese Belegschaft aber nicht mehr wie bisher. Vom Pförtner bis zum Ingenieur: Ja, man könnte solche Leute wieder einstellen, aber dazu bräuchte es einen Arbeitgeber, eine Firma, die die Leute auch bezahlt.

Preussen Elektra, der Besitzer von Isar 2, hat jedenfalls abgewinkt, der Konzern hat mit Spezialfirmen und Mitarbeitern Verträge abgeschlossen, um den letzten Reaktorblock in Bayern zu demontieren. „Nach Erhalt der erforderlichen Genehmigung“ soll im nächsten Jahr der Rückbau beginnen.

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