Vor einem Jahr hat der Supreme Court in den USA das verfassungsrechtlich garantierte Recht auf Abtreibung aufgehoben – mit teils gravierenden Folgen für ungewollt Schwangere, wenn sie im falschen Bundesstaat leben.
Ines Eisele | Deutsche Welle

Das Grundsatzurteil „Roe v. Wade“ räumte Frauen in den USA 1973 das Recht ein, bis zur 24. Schwangerschaftswoche selbst über eine Abtreibung bestimmen zu können. Doch im Juni vergangenen Jahres kippte der Supreme Court – seit der Präsidentschaft von Donald Trump mehrheitlich konservativ besetzt – die Regelung. Das Oberste Gericht des Landes spielte die Zuständigkeit in dieser Frage an die 50 Bundesstaaten zurück – ein Schock für all diejenigen, die das Recht auf einen Schwangerschaftsabbruch (prinzipiell) befürworten. Und das ist Umfragen zufolge
konstant eine Mehrheit der US-Amerikaner.
Zwar hatte auch schon zuvor ein jahrzehntelanger Kulturkampf getobt, hatten liberal und konservativ regierte US-Bundesstaaten „Roe v. Wade“ unterschiedlich ausgelegt, so dass ein Flickenteppich mit unterschiedlichen Abtreibungsregeln entstanden war. Doch die Aufhebung des grundsätzlichen Rechts auf einen Schwangerschaftsabbruch hat zu einer noch stärkeren Polarisierung geführt – und noch striktere Abtreibungsrestriktionen bis hin zu tatsächlichen Verboten ermöglicht.