Wegen Querelen um seine Kompetenzen hat Patriarch Louis Raphael Sako seinen Rückzug aus seinem Amtssitz in Bagdad angekündigt. Das könnte weitreichende Folgen für die Zukunft der Christen im Irak haben. Droht nun ein Religionskrieg?

DOMRADIO.DE: Wie angespannt ist die Situation für Christinnen und Christen im Irak aktuell?
Matthias Kopp (Pressesprecher der Deutschen Bischofskonferenz): Die Situation ist sehr heikel, weil es einen schweren Konflikt zwischen dem amtierenden irakischen Staatspräsidenten Abdul Latif Raschid und dem Patriarch Louis Raphael Sako gibt. Das wirkt sich auch auf die anderen christlichen Konfessionen aus, weil Patriarch Sako nach wie vor unangefochten das Sprachrohr für alle christlichen Konfessionen im Irak ist.
Wir haben die chaldäische Kirche, der er vorsteht, wir haben die assyrische Kirche, die syrisch-katholische und die syrisch-orthodoxe Kirche, aber Sako ist die führende Person.
Der Konflikt liegt darin, dass der Präsident vor einigen Tagen ein Sonderdekret aus dem Jahr 2013 aufgehoben hat, das Patriarch Sako weite Möglichkeiten und auch die Befugnis zur Verwaltung chaldäischer Stiftungsgelder einräumt.
Das ist ein schwelender Konflikt. Das hat dazu geführt, dass es jetzt zu einer Eskalation kommt. Der Hintergrund ist, dass es eine christliche Milizenbrigade gibt, die sehr umstritten ist und die versucht hat, gegen Kardinal Sako zu polemisieren.