Die Magie Nelson Mandelas, die lange viele in Südafrika verzaubert hat, ist verschwunden. Der Freiheitskämpfer und Friedensstifter ist ein Idol von gestern.
Johannes Dieterich | Frankfurter Rundschau

Vergangenen Dienstag wäre Nelson Mandela 105 Jahre alt geworden. Anständige Südafrikaner:innen feierten den Geburtstag ihres Idols wie jedes Jahr mit guten Taten – doch das Ritual der 68 Minuten Dienst am Nächsten (nach den 68 Jahren des politischen Engagements Nelson Mandelas) ist seelenlos geworden. „Madibas Magic“ – der Zauber, der Gefängniswärter, Fußballteams, ein ganzes Land verwandelte – ist verpufft.
Cyril Ramaphosa suchte den Geist Madibas nach seinem Amtsantritt noch einmal wachzurütteln – und scheiterte kläglich. Weder lassen sich die „Comrades“ vom Afrikanischen Nationalkongress unter Hinweis auf Mandelas Selbstlosigkeit bei ihrer Selbstbereicherung stören. Noch rücken enttäuschte Südafrikaner:innen unter Hinweis auf Mandelas Versöhnungsbereitschaft von ihrer Überzeugung ab, dass der alte Mann die Revolution verraten und das Land in den Händen der Weißen belassen hat. Höchstens unter Letzteren wird Madibas Ruf noch hochgehalten: Doch auch nur als Maßstab, an dem alle Nachfolger kläglich versagten. Was Mandela heute tun würde, weiß keiner: Zu sehr ist seine Person mit der Zeit der Befreiung verbunden. Ein Idol von gestern.