In diesem Jahr stehen wichtige Wahlen an. Hier die aktuelle Gesamtrangliste zu den Landtagswahlen (Abschluss 2023).
Walter Mohr, Frank Püschel | Overton

Vor einer größeren Wahl in Deutschland gibt es meist einen beträchtlichen Medienrummel. In den letzten beiden Wochen davor jagt eine Umfrage die nächste und wird ausgiebig, aber nicht immer sachkundig, kommentiert, wobei Wahlbörsen und Expertenprognosen kaum Beachtung finden.
Nicht selten wird ein Kopf-an-Kopf-Rennen herbeigeschrieben, wie zuletzt bei der Landtagswahl im Juni 2021 in Sachsen-Anhalt, die wegen des Herdentriebs der Prognoseinstitute mit einem kollektiven Versagen endete. Danach gab es zwar eine kurze Kritik, man wandte sich jedoch schnell wieder der bevorstehenden Bundestagswahl zu, die eine neue Rekordflut an Umfragen und Prognosen produzierte.
Wir beurteilen die Voraussagen zu jeder einzelnen Landtagswahl in einem entsprechenden Qualitätsbericht und stellen danach auch noch eine Gesamtrangliste für die Institute zusammen, die sich hinreichend oft an den aktuellen Wahlen in den 16 Bundesländern beteiligt haben.
Jetzt feiern wir ein kleines Jubiläum, weil diese Gesamtrangliste zum 20. Mal erstellt wird. Dabei werden sieben Kriterien verwendet, die miteinander und dem Endergebnis hoch korreliert sind. Speziell handelt es sich um vier Fehlerkriterien, die für jedes Institut isoliert berechnet werden. Hinzu kommen noch drei weitere Kenngrößen. Mit diesen lässt sich die Interaktion zwischen den Konkurrenten abbilden. Die zugehörigen Definitionen sind im Anhang zu finden. Zu den sieben Kriterien werden jeweils Einzelranglisten erstellt und für jedes Institut die Summe und der Durchschnitt der zugehörigen Einzelränge gebildet, die die Basis der Tabelle ist.
Bisher gab es nur vier verschiedene Spitzenreiter. Mit elf Siegen dominiert eindeutig das Umfrageinstitut Forschungsgruppe Wahlen (FGW), das mit dem ZDF zusammenarbeitet. In fünf Fällen gewann das umstrittene, anonyme Institut prognos, das insbesondere 2019 eine außergewöhnliche Serie von sehr guten Ergebnissen geliefert hat. Drei Erfolge konnte unser Institut Prognosys verbuchen, und zwar zweimal mit der Modellprognose Prognosys-Master-Vote und einmal mit unserer nicht mehr aktiven PESM-Wahlbörse. Jetzt steht erstmalig das relativ junge Umfrageinstitut Wahlkreisprognose vorn. Allerdings profitiert es davon, dass es nicht wie die Konkurrenten an den beiden Wahlen in Brandenburg und Sachsen mit jeweils sehr schlechten Prognoseergebnissen beteiligt war. Würde man z.B. diese beiden Wahlen eliminieren, so würden die Wahlbörse Wahlfieber und FGW die Rangliste anführen.
Wir veröffentlichen jedoch immer die neueste Gesamtrangliste (PDF) mit allen verfügbaren Resultaten. Auch wenn es, wie in diesem Fall eine unterschiedliche Anzahl von Teilnahmen gibt. Durch die vorgenommene Durchschnittsbildung wird dieser nicht vermeidbare Schwachpunkt weitestgehend abgemildert.