Der Chef ist gegangen, der Wahlkampf war ein Desaster: Die einst staatstragende Partei der Républicains muss wieder einmal entscheiden, ob sie sich aufgeben will oder weiterkämpft. Für eine mögliche Regierungsbildung kann das ausschlaggebend sein.
Nina Belz | Neue Zürcher Zeitung

Die Zeichen standen auf Untergang. In den Wochen vor der Parlamentswahl in Frankreich hat sich die konservative Partei zerstritten, gespalten und ihren Chef verloren. Éric Ciotti lief mit einer Gruppe von rund sechzig Mitstreitern zur extremen Rechten von Marine Le Pen über. Die einzigen wirklichen Schlagzeilen, die die Partei machte, drehten sich dann um das bis heute misslungene Verfahren zum Parteiausschluss ihres abtrünnigen Chefs.
Weiterkämpfen oder sich aufgeben?
Umso überraschender ist das Wahlergebnis: Die Républicains haben in der Assemblée nationale zwar 22 Sitze verloren, doch mit 39 Abgeordneten sind sie immer noch genug zur Bildung einer Fraktion. Mit Verbündeten zusammen kommen sie auf 55 Abgeordnete – erschreckend wenige für das politische Lager, das fünf von acht Staatspräsidenten der Fünften Republik stellte. Doch schon in der vergangenen Legislatur hatte diese relativ kleine Gruppe überproportional viel Macht. Ihr Stimmverhalten entschied nicht selten darüber, ob das Präsidentenlager – das allein nur über eine relative Mehrheit verfügte – die Zustimmung für ein Gesetzesvorhaben finden konnte.