Eine Herzreliquie von Carlo Acutis ist sich gerade auf Tournee. Der Mainzer Theologe Oliver Wintzek hält das für anachronistisch und makaber. Zudem kritisiert er, dass mit der Verehrung eine bestimmte Art des Katholischen idealisiert werden soll.

Der katholische Theologe Oliver Wintzek hält die Verehrung menschlicher Überreste als Reliquien für anachronistisch. Dass derzeit ein Teil des Herzens des sogenannten Internet-Apostels Carlo Acutis durch Deutschland toure, scheine doch sehr aus der Zeit gefallen und auch makaber, sagte Wintzek dem Evangelischen Pressedienst (epd). Es gebe Menschen, die das anspreche und die sich davon emotional berühren ließen. Aber für Menschen mit kritisch aufgeklärtem Geist mute diese Verehrung seltsam an. Man müsse unterscheiden zwischen der Verehrung von Heiligen als inspirierende Vorbilder und der Verehrung von Reliquien.
Anfang Juli hatte der Vatikan bekannt gegeben, dass der erst 2006 im Alter von 15 Jahren gestorbene Italiener Carlo Acutis heiliggesprochen wird. Acutis, der an Leukämie starb, ist der Erste aus der Generation der „Millennials“, der heiliggesprochen wird. Der in London geborene Acutis galt als Computergenie und war am Aufbau religiöser Internetseiten beteiligt. Daher wurde er von italienischen Medien als „Influencer Gottes“ bezeichnet. Acutis legte etwa eine Liste eucharistischer Wunder an, die inzwischen auf einer Internetseite und in Ausstellungen der Öffentlichkeit zugänglich ist.