Karfreitag der Kirche

Joseph Ratzinger als Papst Benedikt mit Familie Bush. Bild: Pixabay
Joseph Ratzinger macht erneut die „68er“ verantwortlich für sexualisierte Klerikergewalt. Seine Ursachenforschung ist weder fromm, noch sachgerecht. In einem seriösen Diskurs sind auch die Historiker herausgefordert

Peter Bürger | TELEPOLIS

In der zweiten Hälfte dieses Beitrags soll es konkret wie nur eben möglich zugehen. Denn am Karfreitag wird kein ewiges platonisches Schauspiel – abgehoben von der Welt – zelebriert. Die Dramatik von Golgotha besteht aus blutigem Ernst. Der verachtete und zu Tode gefolterte Mensch aus „Fleisch und Blut“ ist der Ernstfall.

Jesus von Nazareth wollte Menschen dazu verführen, die eigene Schönheit zu entdecken und ohne Angst den aufrechten Gang einzuüben. Ein solcher Botschafter stört, und man darf ihn nicht am Leben lassen. Das System der Kreuzes-Aufrichter nährt sich nämlich aus der Anbetung der Macht und es sinnt auf nichts anderes, als dass Menschen Macht über Menschen ausüben.

Während die Fundamentalisten in allen Religionen zur Verteidigung des „Allmächtigen“ aufrufen, lautet der Ruf des Karfreitags: „Schützt den verwundbaren Menschen, beendet den Kult von Macht und Gewalt!“

Wie schön klingt den Getauften seit Kindertagen die Kunde von einem Raum, in dem Jesus endlich Gehör findet und eine Gemeinschaft von Menschen wahr wird, die nicht nach den Gesetzen der sattsam bekannten Selbsterhaltungskollektive dieser Welt funktioniert.

Die platonische Kirchenlehre soll den Abgrund verdecken

Doch die Verhältnisse im verfassten Kirchengefüge, das sich einst als „perfekte Gesellschaft“ präsentieren wollte, sie sind nicht so. Sehr bald nach der konstantinischen Wende ließ die Theologenpolizei der Staatsbischöfe Menschen verbrennen. Die Kreuzes-Aufrichter waren somit ins kirchliche System eingeschleust, wie der hl. Martin von Tours mit Bitternis erkennen musste.

Kein Verbrechen wäre zu nennen, das nicht im Laufe einer zweitausendjährigen Geschichte auch von einem Inhaber des päpstlichen Stuhles oder anderen Bischöfen und Geistlichen begangen worden wäre. Aus gutem Grund wird die Kirche in keinem rechtgläubigen Katechismus als Anbetungsobjekt aufgeführt.

Die sexualisierte Klerikergewalt offenbart auf besonders drastische Weise, dass der Kult der Macht Eingang in die Gemeinde Jesu gefunden hat. Wie kann es sein, dass mit guter Kunde beauftragte Botschafter Kinder, Jugendliche und andere Schutzbefohlene seelisch ermorden – oder Schwestern zu sexuellen Sklavendiensten zwingen? In historischer und globaler Perspektive ist erst die Spitze eines Eisberges ansichtig geworden. Doch schon dies hat eine schier unaufhaltsame Pulverisierung der Kirche in Gang gesetzt.

Die bekümmerten und nachdenklichen Frommen bekennen mit Blick auf die Scheinsicherheiten des überkommenen Kirchengefüges: „Ad nihilum redactus sum. – Zu nichts bin ich geworden …“. Die fundamentalistischen Anhänger einer platonischen Kirchenlehre wollen hingegen einen bequemen Weg gehen. Sie betäuben die eigene Angst und proklamieren, die feindselige Welt habe der Kirche die Schande ins Nest gesetzt.

Man muss nur befreit von den „Achtundsechzigern“ zurückkehren zur reinen Lehre – wie 2010 Augsburgs Bischof Walter Mixa – und genügend Exorzisten beauftragen. Dann wird alles wieder gut.

Horizont pädosexueller Verbrechen: „Physiognomie der 68er Revolution“?

Ein Täterbischof in Florida führte schon 2002 seine eigenen Verbrechen entschuldigend auf ein bestimmtes „Klima der 70-er Jahre“ zurück. In einem längeren kirchenpolitischen Text für die aktuelle Ausgabe des bayerischen „Klerusblatt“ hat der Theologe Joseph Ratzinger auf eben dieser Linie vor allem die „68er Revolution“ für den Abgrund pädosexueller Klerikerverbrechen verantwortlich gemacht, der Sache nach aber auch seine alte These erneuert, der zufolge eine Akzeptanz von Homosexualität einem „Ausstieg aus der gesamten moralischen Geschichte“ (!) gleichkommt.

Der Verfasser bleibt in seinem absurden Artikel meilenweit hinter Erkenntnissen zurück, die er in seinen Amtszeiten als Glaubenspräfekt und Bischof von Rom zum Gesamtkomplex der sexualisierten Gewalt erlangen musste. Die Stellungnahmen von Gewaltopfern, diffamierten Moraltheologen, kopfschüttelnden „Systematikern“, bekümmerten Laienvertretern und zornigen Publizisten sind in einem Dossier des „Münsteraner Forums“ und im Archiv von katholisch.de nachzulesen.

Die Quintessenz des Klerusblatt-Artikels lautet, ganz im Sinne von Kardinal Gerhard Ludwig Müller: „Wir sind die Kirche und wir sind das Opfer!“

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20 Jahre nach erster Sitzung: Ist der Reichstag bald zu klein?

Bild: tagesschau.de
20 Jahre nach dem Umzug nach Berlin sitzen im Bundestag viel mehr Abgeordnete als ursprünglich vorgesehen. Alle Versuche, das Parlament zu verkleinern, sind gescheitert. Am Pranger steht die Union.

Von Dominik Lauck | tagesschau.de

Als am 19. April 1999 der Bundestag seine erste Debatte im renovierten Reichstag abhielt, da stritten die Parteien über den Namen für das Gebäude. Man einigte sich auf einen Kompromiss: Nicht Reichstag, nicht Bundestag – bis heute heißt es offiziell „Plenarbereich Reichstagsgebäude“. 20 Jahre später sitzen hier so viele Abgeordnete wie nie zuvor. Zwar sind sich alle Parteien einig, dass der aufgeblähte Bundestag verkleinert werden muss – seit Jahren können sie sich aber auf keine Lösung verständigen.

Wegen des komplizierten Wahlrechts sitzen statt der vorgesehenen 598 derzeit 709 Parlamentarier im Bundestag. Die höhere Zahl kommt durch Überhang- und Ausgleichsmandate zustande.

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Bei einer bedrohten Papageienart in Neuseeland gibt es eine Rekordzahl von Küken

Das ist «Hoki», ein Kakapo, dessen Bilder in einem Video über soziale Netzwerke verbreitet wurden. (Bild: Department of Conservation New Zealand / Reuters)
Der flugunfähige «Kakapo» stand schon kurz vor dem Aussterben. Doch jetzt gibt es gute Nachrichten: In diesem Jahr sind bereits mehr als 70 Küken geschlüpft.

Neue Zürcher Zeitung

In der ungewöhnlich langen Brutsaison des Jahres 2019 ist eine Rekordzahl von Küken des bedrohten flugunfähigen Kakapo geschlüpft. Das hebt die Anzahl der seltenen, in Neuseeland heimischen Papageien dramatisch an. Gemäss der neuseeländischen Umweltbehörde kamen mehr als 70 Küken zur Welt. Es wird zwar nicht damit gerechnet, dass alle von ihnen das Erwachsenenalter erreichen, doch die gegenwärtige Population von 147 adulten Vögeln dürfte deutlich zunehmen.

Die Vögel brüten nur alle zwei bis vier Jahre. Dann nämlich, wenn die einheimischen Rimu-Harzeiben Früchte tragen. Es wurde erwartet, dass die diesjährige Fruchtsaison eine Rekordlänge erreichen wird.

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Claussen: Kirchen zur Rückgabe von Kulturgütern bereit

In Kirchen und Missionswerken ist die Bereitschaft zur Rückgabe von Kulturgütern aus der Kolonialzeit nach Einschätzung des EKD-Kulturbeauftragten Johann Hinrich Claussen groß.

evangelisch.de

Restitution sei hier kein neues Thema, habe aber durch die öffentliche Diskussion neue Dringlichkeit gewonnen, sagte Claussen dem Evangelischen Pressedienst (epd). Kunst-, Kult- und Alltagsgegenstände aus den ehemaligen deutschen Kolonien sind nicht nur in staatlichen Völkerkundemuseen, sondern auch in Missions-Sammlungen zu finden, etwa im Wuppertaler „Museum Auf der Hardt“.

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Seehofers Geheimdienstgesetz: Die Abrissbirne für die Grundrechte

Der Plan von Innenminister Seehofer, die Geheimdienste etwa mit Staatstrojanern aufzurüsten, atmet Orwellschen Geist, analysiert Stefan Krempl.

Von Stefan Krempl | heise online

Der Referentenentwurf für ein „Gesetz zur Harmonisierung des Verfassungsschutzrechts“ aus dem von Horst Seehofer geführten Bundesinnenministerium hätte das Licht der Welt nie erblicken dürfen. Es handelt sich um ein monströses Vorhaben unter dem Deckmantel, doch „nur“ überbordende Überwachungspraktiken des Bundesnachrichtendiensts (BND) zu legalisieren. Und wenn die auf fragwürdige Weise gewonnenen Daten schon mal da sind, kann man sie nach Logik der Verfasser auch gleich mit schier allen austauschen, die angeblich irgendwie etwas mit „Sicherheit“ zu tun haben.

Dabei stapelt die Mannschaft des CSU-Politikers unverhohlen einen Angriff aufs Grundgesetz auf den anderen und rüttelt so an den Fundamenten der liberalen Demokratie und des Rechtsstaats. In einem Haus, zu dessen Aufgabenbereich nicht nur die öffentliche Sicherheit, sondern auch der Schutz der Verfassung gehört, hätte dies eigentlich dem ein oder anderen Juristen auffallen müssen.

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Das Rätsel um das „Turiner Grabtuch“: Wen zeigt das Gesicht?

Das Turiner Grabtuch © Erika Rebmann (KNA)
In der Bibel heißt es, dass die Apostel das Grabtuch Jesu im leeren Grab vorfanden. Die Wissenschaft entdeckte in dem als „Grabtuch von Turin“ bekannten Leinen Hinweise, die auf die Passion Christi hindeuten. Aber es gibt auch Zweifler.

DOMRADIO.DE

Das Johannesevangelium ist bekannt für seine genauen Detailangaben. Das trifft auch für die Erzählung von der Entdeckung des leeren Grabes am Ostermorgen zu. Johannes berichtet interessanterweise sogar von einem Wettlauf zwischen dem Apostel Petrus und einem weiteren Apostel. Letzterer kommt zuerst an das Grab, überlässt Petrus aber dann den Vortritt:

„Da kam auch Simon Petrus, der ihm gefolgt war, und ging in das Grab hinein. Er sah die Leinenbinden liegen und das Schweißtuch, das auf dem Haupt Jesu gelegen hatte; es lag aber nicht bei den Leinenbinden, sondern zusammengebunden daneben an einer besonderen Stelle.“ (Johannes 20,6+7)

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South Africa hit by deadly Easter church collapse

KZN EMS/ Arrive Alive Image caption Labour Minister Mildred Oliphant was planning to attend the Good Friday service at the church
At least 13 people have died and many were injured when a wall collapsed in South Africa at the start of an Easter service at a Pentecostal church.

BBC NEWS

Emergency services said that 29 people were rushed to hospital after the collapse in the coastal province of KwaZulu-Natal.

Local officials have blamed the tragedy on heavy rainfall in the area around eMpangeni on Thursday night.

Local reports said some people had been sleeping when the brick wall fell.

The wall at the front of the Pentecostal Holiness Church collapsed at the start of what had been planned as a weekend-long service to commemorate the Christian festival of Easter.

On Friday, a special prayer service was held in a large tent in front of the church, reports the eNCA TV station.

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Merkur: Innerer Kern ist doch fest

Der metalische Kern des Planeten Merkur ist nicht komplett flüssig, sondern im Zentrum fest – wie bei der Erde. © NASA/Johns Hopkins University APL/ Carnegie Institution, Antonio Genova
Blick ins Innere: Bisher war unklar, ob der Eisenkern des Planeten Merkur nur flüssig oder doch teilweise fest ist. Jetzt haben Auswertungen von Schwerefeld- und Rotationsdaten Klarheit geschaffen. Demnach besitzt der Merkur einen festen inneren Kern – ähnlich wie die Erde. Sein Innenkern macht sogar rund die Hälfte des gesamten Kerns aus, bei der Erde ist es nur rund ein Drittel, wie die Forscher berichten.

scinexx

Der innerste Planet des Sonnensystems ist ein echter Sonderling. Denn der Merkur ist kleiner, dichter und älter als alle anderen Planeten im Sonnensystem. Zudem rotiert der Planet ungewöhnlich schnell und er scheint bis heute zu schrumpfen, wie aktive Faltensysteme auf seiner Oberfläche belegen. Merkwürdig auch: Der metallische Kern des Merkur nimmt fast 85 Prozent seines Volumens ein – das ist mehr als bei jedem anderen Gesteinsplaneten. Einige Forscher vermuten, dass eine große Kollision in der planetaren Frühzeit die Ursache dafür sein könnte.

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Drewermann: Wiedereintritt in Kirche unter keinen Umständen denkbar

Bild: © KNA: Katharina Ebel
„Er tut mir leid“: Eugen Drewermann hegt nach eigenen Worten keinen Groll gegen Benedikt XVI. Ein Wiedereintritt in die katholische Kirche sei für ihn jedoch unter keinen Umständen denkbar, so der Theologe.

katholisch.de

Der Theologe Eugen Drewermann sieht für sich keinen Weg mehr zurück in die katholische Kirche. Ein Wiedereintritt sei unter keinen Umständen denkbar, sagte Drewermann dem „Badischen Tagblatt“ (Samstag). „Jesus hat nicht einmal das Christentum gegründet und ganz sicher keine Kirche“, erklärte er.

Gegen Joseph Ratzinger, der vor seiner Zeit als Papst Benedikt XVI. (2005-2013) die vatikanische Glaubenskongregation geleitet hatte, hegt Drewermann nach eigenen Worten keinen Groll. „Er tut mir leid“, sagte der Publizist, dem 1991 die kirchliche Lehrerlaubnis entzogen worden war und der kurz darauf vom Priesteramt suspendiert wurde. Ratzinger stecke in der „Theologie eines Dogmatikers, aus der er nicht herauskommt – mit Zwang und Unfreiheit, Monopolisierung des Wahrheitsanspruchs Roms“.

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Karfreitag, Himmelfahrt und Co: Feiertage abschaffen!

Bild: © jozsitoeroe – stock.adobe.com
An Tagen wie dem heutigen Karfreitag flammt regelmäßig Kritik daran auf, dass manche kirchliche Feste arbeitsfreie Feiertage sind. Unser Autor Philipp Spahn hat eine radikale Empfehlung für die Kirchen: Würden diese Feiertage abgeschafft, wäre das gut für den Glauben.

Von Philipp Spahn | katholisch.de

Heute ist Karfreitag. Und mit dem stillen Feiertag, das war so sicher, wie das Amen in der Kirche, sind auch die Diskussionen über das karfreitägliche Tanzverbot wieder aufgeflammt. Nicht, dass das partielle Verbot, das Tanzbein zu schwingen, an anderen christlichen Feiertagen, die zugleich arbeitsfrei sind, ein Problem darstellte. An Heiligabend zum Beispiel, an dem zeitweise immerhin in zehn Bundesländern ein Tanzverbot gilt, interessiert sich so gut wie niemand dafür. Und auch an gesetzlichen Feiertagen ohne christliche Bezüge stört sich niemand daran, dass nicht getanzt werden darf. Am Volkstrauertag beispielsweise schränken alle Bundesländer die beliebte Freizeitbeschäftigung des Tanzes stundenweise ein. Aber nur am Karfreitag, da regt sich hörbarer Widerspruch, da muss Tanzen bis in die Puppen sein.

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Warum sind Depressionen so verbreitet?

Der Autor Johann Hari kennt Depressionen aus eigener Erfahrung. (Bild: Alamy)
Der britische Sozialwissenschafter Johann Hari sucht weltweit nach den Ursachen und Begleitumständen von Depressionen. Was er dabei herausfindet, dürfte nicht nur Betroffene interessieren. Eine Buchbesprechung.

Nicola von Lutterotti | Neue Zürcher Zeitung

Der Absatz von Antidepressiva hat in den vergangenen zwei Jahrzehnten weltweit stark zugenommen, auch in der Schweiz. So sind nach Angaben der Stiftung Sucht Schweiz 2017 hierzulande rund 3,6 Millionen Packungen der Stimmungsaufheller verkauft worden – doppelt so viele wie zwanzig Jahre zuvor. Dass es um den seelischen Zustand vieler Zeitgenossen nicht gut bestellt ist, legen auch die Daten des Schweizerischen Gesundheitsobservatoriums nahe. Demnach leiden rund 30 Prozent der Erwachsenen und Jugendlichen an leichten bis schweren Depressionen. Dabei wird meist unterschätzt, wie unerbittlich diese affektive Störung jeden Bereich des täglichen Lebens durchdringt. Es gibt kein anderes Leiden, das die Lebensqualität so vieler Personen so nachhaltig vermindert.

Woher aber kommt es, dass Depressionen so verbreitet sind? Und warum fühlen sich viele Betroffene trotz Behandlung mit Antidepressiva weiterhin niedergeschlagen? Auf der Suche nach Antworten vertieft sich der britische Sozialwissenschafter Johann Hari, selbst seit frühester Kindheit depressiv, in die einschlägige Fachliteratur, befragt Experten aus aller Welt und spricht mit Betroffenen der unterschiedlichsten Kulturkreise. Welche Erkenntnisse er dabei erzielt, schildert er in seinem kürzlich erschienen Buch «Der Welt nicht mehr verbunden». Ob seine Einsichten und Lösungsvorschläge anderen Betroffenen helfen, sei dahingestellt. Dennoch sind sie ausgesprochen lesenswert. Das gilt nicht zuletzt für all jene, die, wenngleich nicht depressiv, so doch aus scheinbar unerklärlichen Gründen unglücklich sind.

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Tanzverbot oder nicht? : „Dieser Staat ist nicht getauft“

Das Tanzverbot ist in Deutschland seit Jahren ein Streitthema. Bild: dpa
Ist das Tanzverbot am Karfreitag noch zeitgemäß oder nicht? Diese Frage sorgt für heftige Debatten – auch in der Politik. FAZ.NET hat bei den Fraktionen im Bundestag nachgefragt.

Von Carlotta Roch | Frankfurter Allgemeine Zeitung

Jedes Jahr entbrennt die Debatte aufs Neue: Tanzverbot am Karfreitag – ja oder nein? Die einen finden, das solle jeder für sich selbst entscheiden und argumentieren mit der bestehenden säkularen Trennung von Staat und Kirche in Deutschland. Andere hingegen bestehen auf die Einhaltung dieser Regelung an dem christlichen Feiertag. Im Zusammenhang mit Ostern ist der Karfreitag für das Christentum einer der bedeutendsten Feiertage. Besonders in der katholischen Kirche ist der Karfreitag heilig, er gilt als strenger Fast- und Abstinenztag.

Am Donnerstag fachte der Juso-Vorsitzende Kevin Kühnert die Debatte neu an und forderte, das Tanzverbot an Karfreitagen abzuschaffen. Die Entscheidung, an Karfreitag feiern zu gehen, müsse jedem selbst überlassen werden, sagte Kühnert dem Redaktionsnetzwerk Deutschland. Er selbst würde keine Party in einer Kirche anmelden, doch „wer an dem Tag in die Disko gehen will, sollte das auch tun können“.

Wie stehen die Parteien im Bundestag dazu? FAZ.NET hat bei den Fraktionen nachgefragt.

CDU/CSU

Von der Unionsfraktion war am Donnerstag für FAZ.NET kein Politiker für eine Stellungnahme erreichbar. Der Essener CDU-Bundestagsabgeordnete Matthias Hauer sprach sich auf Twitter aber gegen eine Aufhebung des Tanzverbots aus. „Wenn [der Juso-Vorsitzende Kevin Kühnert] Disco am #Karfreitag fordert, dann würde das heißen: vorher auch arbeiten gehen. Nur weil #Christen dann dem Tag dem Sterben Jesu Christi gedenken, ist er nämlich überhaupt erst ein #Feiertag. #Tanzverbot“, schrieb Hauer.

Auch der Frankfurter Bürgermeister und Kirchendezernent Uwe Becker (CDU) warb für die Einhaltung der Karfreitagsruhe. „An einigen wenigen Tagen im Jahr auf lautes Feiern zu verzichten, stellt keine besondere Einschränkung dar. Es ist vielmehr eine wichtige Geste, die von Respekt gegenüber den Mitmenschen zeugt und das friedliche Zusammenleben in unserer Stadt fördert“, sagte Becker am Mittwoch. Der Karfreitag sei als christlicher Feiertag dem Gedenken an das Leiden und die Kreuzigung Jesu Christi gewidmet. „Dies verträgt sich nicht mit lautem und ausgelassenem Feiern“, erklärte Becker.

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„Kernkraft ist klimasmart“

AKW Oskarshamn. Bild: Anchor2009/CC BY-SA-3.0
In Schweden wächst die Zustimmung zur Atomkraft als grüne oder „grüngewaschene“ Energie

Jens Mattern | TELEPOLIS

Die Osterferien nutzt Schwedens bekannteste Klimaaktivistin zum Werben für ihre Sache: Am Dienstag trat die Schülerin Greta Thunberg im Europäischen Parlament in Straßburg als Rednerin auf, tags darauf empfing sie der Heilige Vater in Rom, ein Treffen mit dem italienischen Senat ist geplant, Schülerstreik in Rom und vielleicht folgt ein Auftritt im Houses of Parliament in London.

Dies wird Fans beflügeln und Gegner zum Spott anstacheln. Weniger im europäischen Fokus scheint jedoch zu stehen, was derzeit in Gretas Herkunftsland Schweden in Sachen Energiefragen passiert.

Dort gibt es einen Atomkraft-Hype, der sich nach Willen der bürgerlichen Parteien auch auf Europa ausdehnen soll. Wobei man das Wort „Kärnkraft“ (Übersetzung Kernkraft) nutzt – wie die Befürworter in Deutschland, die seit den 1960er Jahren das Wort „Atom“ vermeiden, um die Nähe zur Atombombe nicht anklingen zu lassen.

Alles zur Rettung des Klimas

„Kernkraft ist klimasmart“, „Kernkraft ausbauen für ein grüneres Schweden“ – mit solchen Beiträgen in schwedischen Zeitungen werben derzeit die Politiker und Kandidaten der bürgerlichen oppositionellen Parteien „Moderaten“ und „Christdemokraten“ für Straßburg vor der Europawahl. Und dabei geht es nicht nur um Schweden. Da Deutschland den Ausstieg aus der Atomenergie umsetzen will und somit für noch mehr Kohleemissionen sorgen werde, müsse das restliche Europa auf die nukleare Energie setzen. Die konservativ-liberalen Moderaten fordern, dass das Budget der EU für Atomenergie auf 4,2 Milliarden Euro verdoppelt wird – zur Rettung des Klimas.

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Forscher entdecken Überreste eines riesigen prähistorischen Raubtiers – in einer Museumsschublade

Künstlerische Rekonstruktion von Simbakubwa kutokaafrika. (Bild: Mauricio Anton)
Sie streiften vor Millionen Jahren, lange vor Löwen oder Tigern, durch Afrika, Asien, Europa und Nordamerika und jagten die frühesten Verwandten von Elefanten und Nashörnern. Nun haben Forscher einen neuen, riesigen Vertreter dieser urzeitlichen Raubtiere identifiziert.

Stephanie Kusma | Neue Zürcher Zeitung

«Wir sahen eine Reihe gigantischer, fleischfressender Zähne»: So beschreibt der Paläontologe Matthew Borth laut einer Mitteilung der Ohio University den Anblick, der sich ihm bot, als er eine Schublade im kenyanischen Nationalmuseum öffnete. Die 22 Millionen Jahre alten Knochenreste – Teile des Kiefers mit Zähnen und wenige Fussknochen – stammen aus der Fundstelle Meswa Bridge in Kenya und wurden in den späten 1970er bis frühen 1980er Jahren entdeckt.

Reiche Fundstelle

Die Ausgräber damals bargen Fossilien einer ganzen Reihe von Arten, waren selbst aber besonders an Primaten interessiert. Die Raubtier-Fragmente blieben deshalb unbeschrieben, bis Borth sie fand. Sein Interesse weckten sie nicht nur, weil verschiedene Zahnmerkmale darauf hindeuteten, dass sie zu einer bis anhin unbekannten Art gehörten. Sie sind auch vollständiger und besser erhalten als viele andere Fossilien aus ihrer Tiergruppe, wie Borth erklärt.

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Die Kirche und die Intellektuellen

Den Kirchen gelingt es immer weniger, ein intellektuell anspruchsvolles Publikum anzusprechen und zu überzeugen.(Bild: Joerg Sarbach / AP)
Viele Intellektuelle fühlen sich in der Kirche kaum mehr verstanden und kehren ihr den Rücken. Und diejenigen, die gelegentlich einen Gottesdienst besuchen, sehen sich nicht ernst genommen. Sie bringen die Auslegung des Evangeliums in den Predigten nicht mit ihren intellektuellen Ansprüchen zusammen.

Béatrice Acklin Zimmermann | Neue Zürcher Zeitung

Auf meine Frage, wie er sich das erkläre, dass die Kirchen überall dort, wo am Karfreitag die Matthäus-Passion gespielt werde, zum Bersten voll seien, während sie in den Gottesdiensten grösstenteils leer blieben und es doch in beiden Fällen um die Passion Christi gehe, meinte der niederländische Dirigent und Bach-Spezialist Ton Koopmann: «Ich sehe einen wesentlichen Grund darin, dass die intellektuellen Erwartungen, die man immer noch mit den Predigten verbindet, oftmals sehr unbefriedigt bleiben und die Worte vieler Prediger weder unseren Kopf noch unser Herz erreichen.»

Koopman vermisst in den meisten Predigten eine intellektuell verantwortete Rechenschaft über den christlichen Glauben, die auch von dem im vergangenen Jahr verstorbenen Philosophen Robert Spaemann immer wieder angemahnt worden war. Spaemann, der sich als Intellektueller mit christlicher Verortung und scharfsinniger Kritiker des Zeitgeistes in den öffentlichen Diskurs einbrachte, konstatierte einen zunehmenden intellektuellen Substanzverlust in der Kirche.

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Kölner Pfarrer: „Fromme Floskeln gefährden Glaubwürdigkeit der Kirche“

Thomas Frings ist Pfarrer in der Innenstadt Foto: Thomas Frings
Thomas Frings, geboren 1960, ist Priester des Bistums Münster. 2015 legte er sein Amt als Pfarrer in einer Münsteraner City-Pfarrei nieder und begründete den Schritt unter anderem in dem Bestseller „Aus, Amen, Ende? So kann ich nicht mehr Pfarrer sein“. Nach einer Auszeit in einem niederländischen Kloster kam er ins Erzbistum Köln, wo er seit 2018 in der Großpfarrei Innenstadt wirkt.

Von Joachim Frank | Kölner Stadt-Anzeiger

Herr Frings, wie kompliziert ist Ostern für einen Pfarrer?

Ich weiß ja, was kommt. Das ist das Gute an unseren Feiertagen. Die Kar- und Ostertage sind allerdings schon eine Herausforderung: besonders im Ablauf, anspruchsvoll im Inhalt.

Weil es um so etwas Unglaubliches geht wie die Auferstehung von den Toten? Erlebt hat so etwas ja noch niemand.

Mir wird immer deutlicher, dass genau das unsere Antwort im Glauben ist. Karfreitag ist den Menschen heute als „Feiertag“ immer schwerer zu vermitteln. Es geht an diesem Tag darum, dass jemand stirbt. „Ja gut“, sagen die Leute, „das müssen wir alle. Sollen doch die Christen machen, was sie wollen, aber warum müssen alle anderen sich danach richten?“ Das ist in der Tat nicht ohne Weiteres erklärbar. Mit dem Osterfest ist es etwas anderes. Alles im Leben, was uns Menschen nicht logisch ist, kleiden wir in die Form des Festes. Bestes Beispiel: Hochzeit. Ein großes Fest, weil das, was gefeiert wird, nicht „vernünftig“ ist. Es geht um etwas, was uns selbst übersteigt.

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Wann ist tot tot?

Grafik:TP
Während in Deutschland die Organspende zum Normalfall erklärt werden soll, wird in der Schweiz der Hirntod als Kriterium für den eingetretenen Tod angezweifelt

Christoph Jehle | TELEPOLIS

In Deutschland geht man zumeist davon aus, dass der Mensch mit dem Eintreten des Hirntodes sein Leben ausgehaucht hat, ein Bild, das im Übrigen aus dem Alten Testament stammt und als Geweihter Atem/Heiliger Geist die christliche Theologie bis heute beeinflusst, hatte doch der aus Lehm geformte Adam sein Leben erst durch das Einhauchen des göttlichen Atems erhalten. Mit dem Hirntod hat man in der europäischen Kultur den Tod eines Menschen definiert, auch wenn es heute möglich ist, viele lebenswichtige Körperfunktionen mit externen Mitteln anzusteuern, so dass sogar eine hirntote Frau ein gesundes Kind zur Welt bringen kann

In Deutschland will man auf der Basis der Definition des Hirntods jetzt die Entnahme von Organen zum Zwecke der Transplantation erleichtern, indem man auf die mit einem Testament vergleichbaren Einwilligung zu Organentnahme verzichten, die Organspende zum Normalfall erklären und für ihre jeweilige Ablehnung eine aktive Erklärung fordern will. Diese Widerspruchsregelung hat einigen Widerspruch herausgefordert. Dagegen gibt es in der Schweiz eine Ärzteinitiative, welche dafür plädiert, die Organentnahme bei Hirntoten zu verbieten.

Die erste Herztransplantation gelang dem südafrikanischem Chirurgen Christiaan Barnard am 3. Dezember 1967 im Groote-Schuur-Krankenhaus in Kapstadt. Zwar überlebte der 53 Jahre alte, aus Litauen stammende Gemüsehändler Louis Washkansky die Operation nur um 18 Tage, dies galt jedoch damals als großer Erfolg der Transplantationsmedizin. Das Herz stammte von der 25-jährigen Bankangestellten Denise Ann Darvall, die bei einem Verkehrsunfall tödliche Hirnverletzungen erlitten hatte.

Ihr Vater gab die Zustimmung für die Entnahme des Herzens. Das war damals vergleichsweise unbürokratisch möglich. Inzwischen lässt sich die Abstoßung eines transplantierten Organs besser vermeiden und somit hat sich die Lebenserwartung der Menschen, welchen ein Organ eingepflanzt wird, deutlich erhöht. Und mit der Operationsroutine nahm auch die Zahl der Transplantationen zu, was manchen Organempfängern ein neues Leben nicht nur versprochen, sondern auch ganz praktisch ermöglicht hat. Und wer Menschen kennt, deren Weiterleben von einem gespendeten Organ abhing, kann einschätzen, welche Bedeutung die Organspende für diese Menschen hat.

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Erstes Molekül des Universums nachgewiesen

Spektrum des Heliumhydrid-Ions HeH+, das nun im Planetarischen Nebel NGC 7027 erstmals nachgewiesen worden ist. © William B. Latter (SIRTF Science Center/Caltech) und NASA/ESA; Spektrum: Rolf Güsten/MPIfR, Nature
Chemischer Urknall: Die allererste Molekülbindung in unserem Universum entstand zwischen Helium und einem Wasserstoffkern. Jetzt haben Astronomen dieses Heliumhydrid-Ion (HeH+) zum ersten Mal im Weltall nachgewiesen. Mithilfe des Flugzeug-Teleskops SOFIA spürten sie es in einem 3.000 Lichtjahre entfernten planetarischen Nebel auf. Nach jahrzehntelanger Suche ist damit bestätigt, dass dieses primordiale Ion im Kosmos entstehen kann und bis heute existiert, wie die Forscher im Fachmagazin „Nature“ berichten.

scinexx

Am Anfang war der Wasserstoff: Rund 380.000 Jahre nach dem Urknall bildeten sich die ersten neutralen Atome – die Elemente Wasserstoff, Helium und Lithium. Wenig später durchlebte das junge Universum einen weiteren bahnbrechenden Wandel: Die erste chemische Bindung entstand. Neutrale Heliumatome reagierten dabei mit Protonen des Wasserstoffs und formten Heliumhydrid-Ionen (HeH+).

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In Begleitung des Imams aus Christchurch: Ein Mann auf fragwürdiger Mission in Berlin

Abdul-Wached Nijasow (rechts) zusammen mit Gamal Fouda, dem Imam aus Christchurch, Anfang April im Abgeordnetenhaus.Foto: Georg Ismar
Wurde der Imam aus Christchurch in Berlin benutzt, um einem islamistischen Verein die Türen zu öffnen? Sicherheitskreise vermuten eine Nähe zur Muslimbruderschaft.

Von Frank Jansen, Georg Ismar | DER TAGESSPIEGEL

Abdul-Wached Nijasow hat eine wichtige Botschaft mit nach Berlin gebracht: „Wir sind hier auf einer Solidaritätsmission.“ In dem Manifest habe sich der Attentäter von Christchurch sehr stark auf Europa bezogen, daher habe man den Imam der Moschee eingeladen, sagt der Vorsitzende des European Muslim Forums am 5. April im Berliner Abgeordnetenhaus. Gemeint ist der Terroranschlag eines rechtsextremen Fanatikers in Neuseeland. Neben Nijasow sitzt Gamal Fouda, er ist der Imam der Al-Noor-Moschee, eines der beiden Ziele des Anschlags vom 15. März mit 50 Toten. Fouda predigte gerade, als das Massaker begann. Er ist nun mit der Spitze des European Muslim Forum (EMF) hier, um als Botschafter gegen den Terror aufzutreten.

Nun stellt sich die Frage: Ist der Imam instrumentalisiert worden, um einen zweifelhaften Verein bekannt zu machen? Der russische Staatsbürger und Vereinsgründer Nijasow, Fouda, und weitere Begleiter diskutieren in Berlin eine Stunde mit SPD-Fraktionschef Raed Saleh. Auch der Religionsbeauftragte der Bundesregierung, Markus Grübel, trifft den Imam und Nijasow in Berlin. Ebenso der frühere SPD-Kanzlerkandidat Martin Schulz.

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HIV: Vielversprechender Antikörper getestet

Mikroskop-Aufnahme einer mit HIV infizierten T-Zelle © NIAID
Neue Hoffnung für HIV-Patienten: Forscher haben einen weiteren Antikörper gegen HIV getestet – mit vielversprechenden Ergebnissen. So blockierte der Wirkstoff im Körper von Betroffenen erfolgreich die Vermehrung der gefährlichen Erreger. Anders als gängige antivirale Medikamente musste er dabei nicht täglich, sondern nur wöchentlich oder sogar nur alle zwei Wochen verabreicht werden. Außerdem scheint das Mittel mit einem geringen Risiko für Resistenzen einherzugehen, wie das Team berichtet.

scinexx

Rund 37 Millionen Menschen sind weltweit mit dem Aids-Erreger infiziert – allein 90.000 davon in Deutschland. Ein Heilmittel für die tödliche Virusinfektion gibt es bislang zwar nicht. Dank antiviraler Medikamente können Betroffene heute aber ein weitgehend normales Leben führen. Zudem zeichnet sich zunehmend ab, dass auch Antikörper die HI-Viren wirksam in Schach halten könnten. So ist Forschern unter anderem bei Rhesusaffen bereits eine langfristige Hemmung der Erreger mit einer solchen Therapie gelungen.

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