Organspende : Nein geht auch

Besser mit Organspendeausweis! Bild: dpa
Zwang? Manipulation? Der vorgeschlagene Systemwechsel in der Organspende würde zu nichts verpflichten, außer zur Pflicht, sich endlich zu erklären – auch sich selbst zuliebe.

Von Joachim Müller-Jung | Frankfurter Allgemeine Zeitung

Wer spendet, hilft Menschen in Not. Wer nicht spendet, hilft sich selbst mit einer Notlüge. Das ist, nicht immer, aber jetzt wieder sehr sichtbar, ein Dilemma der Organspende. Der Gesundheitsminister will die Organspende neu regeln, weil bisher schlichtweg jeder Versuch, die Zahl der Spenderorgane zu erhöhen, gescheitert und sie so erbärmlich niedrig ist wie nie zuvor. Nicht mit Spenderzwang, nicht durch Manipulation soll die Wende geschafft werden, wie sich mancheiner einredet, auch nicht durch eine „Lizenz zur Zwangsausschlachtung“, wie die von Jens Spahn favorisierte Widerspruchslösung schmutzig genug tituliert wurde, sondern durch einen regulären Gesetzesvorschlag und eine reguläre rechtsstaatliche Debatte um Ethik und Selbstbestimmung.

Künftig soll also jeder Organspender sein, sofern er, sie oder die Angehörigen dem nicht widersprechen. Ein Nein geht auch.

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Hilfe gegen krankhaften Hunger?

Nonstop Hunger: Viele übergewichtige Menschen könnten ständig essen. © Skynesher/ istock
Ständiger Appetit adé: Ein aus der chinesischen Medizin bekannter Wirkstoff könnte dicken Menschen beim Abnehmen helfen. Das legt nun zumindest eine Studie mit Mäusen nahe. Demnach führte die Gabe der Substanz Celastrol bei den Nagern zu einem deutlich veränderten Essverhalten – sie fraßen weniger und verloren an Gewicht. Offenbar verbessert das Mittel die Wirkung des Sättigungshormons Leptin, die bei Übergewichtigen häufig gestört ist.

scinexx

Starkes Übergewicht ist weltweit ein zunehmendes Problem: Die Zahl der Dicken und Fettleibigen erreicht immer wieder neue Rekordwerte. Schätzungsweise ein Drittel aller Menschen ist inzwischen von Übergewicht betroffen – und damit von einem erhöhten Risiko für Diabetes, Herz-Kreislauf-Erkrankungen und viele weitere Leiden.

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Kirchenasyl: Staatsanwaltschaft leitet Verfahren gegen Hunsrück-Pfarrer ein

Justitia Skulptur (CC-by-nc-sa/3.0 by Luc Viatour)

Weil sie Geflüchteten Asyl in ihrer Gemeinde angeboten haben, droht ihnen nun der Prozess: Die Staatsanwaltschaft in Bad Kreuznach hat Strafverfahren gegen mehrere Pfarrer eingeleitet.

DOMRADIO.DE

Im Streit um neun Fälle von Kirchenasyl im Rhein-Hunsrück-Kreis hat die Staatsanwaltschaft in Bad Kreuznach Strafverfahren gegen mehrere Pfarrer eingeleitet. Der Pfarrer von Rheinböllen, Wolfgang Jöst, sowie seine Kollegen aus Büchenbeuren und Kirchberg sagten dem Evangelischen Pressedienst (epd) am Dienstag, dass ihnen in Schreiben der Ermittlungsbehörde Beihilfe zum illegalen Aufenthalt vorgeworfen werde. Möglicherweise gibt es weitere Beschuldigte.

Die Staatsanwaltschaft wollte dazu am Dienstag keine Angaben machen und verwies auf eine für diesen Mittwoch geplante Presseerklärung. Anlass für die Ermittlungen gegen die Pfarrer waren Strafanzeigen des Landrats von Simmern, Marlon Bröhr (CDU).

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Der höchsten Statue der Welt fehlt nur noch der Kopf

Indische Arbeiter bauen an der Statue of Unity in Kevadiya, etwa 200 Kilometer von Ahmedabad entfernt. (Bild: Ajit Solanki / AP)
Bald blickt die Statue von Sardar Vallabhbhai Patel mit einer Höhe von 182 Metern auf Gujarat herab. Der Bau des Denkmals verschlingt in Indien, wo ein Drittel der Bevölkerung in Armut lebt, über 400 Millionen Dollar.

Neue Zürcher Zeitung

Das Wort Koloss trifft in diesem Fall zu. Die im Bau befindliche Statue of Unity wird nach ihrer Fertigstellung doppelt so hoch aufragen wie die Freiheitsstatue in New York City. Die 2013 begonnenen Arbeiten am Abbild von Sardar Patel dürften laut BBC bis Ende Oktober abgeschlossen sein. Bilder der vergangenen Woche zeigen, dass der Statue einzig noch der Kopf fehlt.

Eine teure Statue für das arme Indien

Die Kosten für die Bronzestatue stiessen in Indien auf heftige Kritik. Sie belaufen sich insgesamt auf beinahe 30 Milliarden Rupien (430 Millionen Dollar). Laut der Deutschen Presse-Agentur bezichtigten Kritiker die Regierung der Verschwendung – ein Drittel der Menschen auf dem Subkontinent lebt in Armut.

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Keine christliche Verpflichtung zur Organspende

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) hat vorgeschlagen, die Voraussetzungen für eine Organentnahme zu lockern und damit eine kontroverse ethische Debatte entfacht. Künftig solle jeder automatisch ein Spender sein, solange er oder seine Angehörigen nicht ausdrücklich widersprechen, sagte Spahn.

EKD

Nur mit der Widerspruchslösung könne die Organspende zum Normalfall werden. In Deutschland gilt bislang die sogenannte Entscheidungslösung, so dass eine Entnahme nur möglich ist, wenn eine Zustimmung vorliegt.

Die Widerspruchslösung stelle zwar einen Eingriff des Staates in die Freiheit des Einzelnen dar, sagte Spahn der „Bild“-Zeitung“. Doch seien alle bisherigen Versuche der Politik, die stark sinkende Zahl der Organspender wieder zu erhöhen, ohne Erfolg geblieben. „Deshalb brauchen wir eine breite gesellschaftliche Debatte über die Widerspruchslösung“, sagte der Minister.

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Russische Energomasch liefert Triebwerke für US-Raketen

foto: afp/gemignani Eine Rakete des Typs Antares vor dem Start ins Weltall: die russische Firma Energomasch hat mit der amerikanischen Orbital ATK einen Vertrag über die Lieferung von weiteren vier Raketentriebwerken unterzeichnet.
Die Grundsatzvereinbarung ist unterzeichnet, über die Summe des Raketendeals schweigen sich die Vertragspartner aus

André Ballin | derStandard.at

Unbeeindruckt von den Sanktionen schließen Amerikaner und Russen einen brisanten Raketendeal ab: Der US-amerikanische Rüstungs- und Raumfahrtkonzern Orbital ATK kauft der russischen Staatsholding Energomasch vier Raketentriebwerke vom Typ RD-181 ab. RD-181 ist die Exportvariante des für den Start von Sojus-Weltraumraketen genutzten Flüssigkeitsantriebs RD-193. Energomasch soll die Triebwerke bis 2021 liefern.

Über die Summe, die im Rahmen des Geschäfts fließen wird, vereinbarten beide Seiten Stillschweigen, allerdings hat Energomasch schon bisher Triebwerke geliefert, die RD-181 werden ebenfalls für die Raumfahrt verwendet und dienen als erste Zündstufe bei den mittelschweren Antares-Trägerraketen, mit denen die USA die Internationale Raumstation (ISS) versorgen. Der erste Vertrag, den beide Seiten abgeschlossen haben, ging über 20 Raketen und war eine Milliarde Dollar wert, dementsprechend dürfte der Folgeauftrag mindestens 200 Millionen Dollar kosten.

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Nackt-Skandal an Lourdes-Grotte – Strafverfahren!

© Bild: Screenshot Youtube/katholisch.de
Lourdes ist ein Ort der Ruhe und Besinnung, doch am Freitag sorgte eine junge Frau an der Erscheinungsgrotte für helle Aufregung unter den Pilgern: Sie zeigte sich so, wie Gott sie schuf.

katholisch.de

Da werden manche Pilger sicher zweimal hingesehen haben: In Lourdes hat sich eine Performance-Künstlerin öffentlich entblößt. So wie Gott sie schuf, zeigte sich Deborah de Robertis in der Erscheinungsgrotte, berichtete die Zeitung „Luxemburger Wort“ am Dienstag. Die provokante Aktion fand bereits am Freitag während einer eucharistischen Prozession statt. Sofort waren Helfer zur Stelle und legten der nur mit einem blauen Kopftuch bekleideten Luxemburgerin eine Decke um. Die 34-Jährige verharrte jedoch weiterhin in Gebetshaltung mit gefalteten Händen und weigerte sich, die Grotte zu verlassen. Sie musste weggetragen werden.

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Mikroplastic befindet sich bereits in allen Bereichen der Umwelt – nicht nur im Wasser

In Deutschland gelangen laut einer Untersuchung pro Jahr rund 330 000 Tonnen sogenanntes Mikroplastic in die Umwelt. Das Fraunhofer Institut für Umwelt-, Sicherheits- und Energietechnik in Oberhausen hat für 51 Quellen die freigesetzten Mengen errechnet.

Neue Zürcher Zeitung

Der grösste Verursacher ist demnach der Abrieb von Autoreifen. Rund ein Drittel der Mikroplastic-Emissionen entfallen gemäss der Studie darauf. Weitere Hauptquellen seien die Abfallentsorgung, der Abrieb von Fahrbahndecken oder Freisetzungen auf Baustellen. «Wir können davon ausgehen, dass sich Mikroplastic bereits in allen Bereichen der Umwelt befindet», sagte die Ko-Autorin der Studie, Leandra Hamann.

Als Mikroplastic werden Plasticpartikel bezeichnet, die fünf Millimeter und kleiner sind.

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Hier wurde Wissen aus 200 Jahren an einem Tag vernichtet

Das Skelett des 13 Meter langen Maxakalisaurus topai war in dem Museum beherbergt Quelle: AFP/Getty Images
Es ist ein Super-GAU für die weltweite Forschung: In Rio de Janeiro hat ein Feuer das Museu Nacional niedergebrannt. 20 Millionen Objekte gingen verloren, ihr Wert ist unschätzbar. Dabei hätte der Schaden verhindert werden können.

Von Caroline Ring | DIE WELT

Am Tag danach sieht es fast friedlich aus. Der Rauch von vergangener Nacht hat sich verzogen, der Himmel strahlt wieder blau über dem Königspalast von Rio de Janeiro. Noch im Juni hatte das Haus sein 200-jähriges Jubiläum gefeiert. Nun ist das alte Gebäude nur noch eine Ruine. Ein verheerendes Feuer hat es in der Nacht zu Montag innerhalb weniger Stunden vollkommen zerstört.

Noch kilometerweit waren die meterhohen Flammen über der Stadt zu sehen gewesen. 80 Feuerwehrleute versuchten, den Brand unter Kontrolle zu bringen. Vergeblich. Sie waren um 19.30 Uhr zu dem Gebäude gerufen worden, nur vier Sicherheitsleute hatten zu der Zeit noch in dem Haus Dienst. Sie konnten sich in Sicherheit bringen, und auch sonst kam kein Mensch bei dem Feuer zu schaden.

Doch an die 20 Millionen wissenschaftliche Objekte sind nun für immer verloren. Das Nationalmuseum von Brasilien beherbergte die älteste und eine der bedeutendsten wissenschaftlichen Sammlungen des Landes, darunter einmalige naturwissenschaftliche und kulturhistorische Objekte. Besonders wichtig sind die 12.000 Jahre alten und damit ältesten menschlichen Fossilien Südamerikas, genannt „Luzia“.

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„Helm ab – zum Gebet“: Mohamed und Azeez dienen als Bundeswehrsoldaten im Wachbataillon

Soldaten (Symbolfoto) © 30th MED @ flickr.com (CC 1.0), bearb. MiG
Inwieweit der Islam zu Deutschland gehört, ist in der Politik eine immer wiederkehrende Diskussion. Die Bundeswehr hat derzeit etwa 1.600 Muslime in ihren Reihen – zwei von ihnen sind Mohamed und Azeez, die im Wachbataillon in Berlin dienen.

Von Mey Dudin | MiGAZIN

Es ist ein sonniger Vormittag in Berlin, als die Soldaten der Protokollkompanie des Wachbataillons den großen Zapfenstreich proben. Der verdiente Inspekteur der Luftwaffe tritt in den Ruhestand und soll mit militärischen Ehren verabschiedet werden. „Helm ab – zum Gebet!“, ruft der Kommandierende. Bei der eigentlichen Zeremonie folgt daraufhin das Musikstück „Ich bete an die Macht der Liebe“ und alle Anwesenden gehen in sich. Bei der Probe wird das nur angedeutet. Einer der Soldaten auf dem Exerzierplatz der Julius-Leber-Kaserne ist Shervan Mohamed, 20 Jahre alt – und Muslim. Dass Soldaten auch mal Gebete sprechen, zum christlichen Gott, das stört ihn nicht. „In meiner Familie wird der Islam locker gelebt“, sagt er.

In der Julius-Leber-Kaserne, die nach einem deutschen Widerstandskämpfer benannt ist, sind 1.000 Soldaten des Wachbataillons untergebracht. Hier leistet Shervan Mohamed seinen Dienst. Wenn selbst Politiker immer noch diskutieren müssen, wie der Islam eigentlich zu Deutschland passt – wie ist es dann erst bei der Bundeswehr? Muslim sein in der deutschen Armee, im Ernstfall zur Waffe greifen und das Land verteidigen, geht das? Shervan Mohamed kennt solche Fragen. „Feindseligkeiten“, sagt er, „habe ich deswegen nie erlebt.“

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China: Neues Influenza-Virus entdeckt

Mit H7N4 könnte ein weiteres Influenza-Virus den Sprung auf den Menschen geschafft haben. © Science China Press
Vom Vogel zum Menschen: Ein neues Influenza-Virus ist in China erstmals von Gefügel auf den Menschen übergesprungen. Das Virus des Typs H7N4 besitzt Mutationen, durch die es an Zellen der menschlichen Atemwege binden kann. Dadurch kann es schwere Lungenentzündungen und Lungenschäden auslösen, wie Forscher berichten. Übertrage wurde dieses Influenza-Virus offenbar von Wildvögeln auf Hausgeflügel und über dieses auf den Menschen.

scinexx

Ob 1918, 1957 oder 1968: Viele Grippe-Pandemien der Vergangenheit haben ihren Ursprung in Vögeln. In ihnen entwickeln sich immer wieder Influenza-Viren, die durch Mutation und Rekombination die Fähigkeit erlangen, Menschen zu befallen. In den letzten Jahren geschieht dieser Artsprung besonders häufig in China, wo Mensch und Geflügel eng zusammenleben. So infizierten die Virenstämme H10N8, H6N1 und H7N9 immer wieder auch Menschen, einige drohten sogar Pandemie-Potenzial zu entwickeln.

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Ethikratsvorsitzender hält Widerspruchslösung für „Organabgabepflicht“

Bild: Deutscher Ethikrat
Der Sozialethiker Peter Dabrock hat das Plädoyer von Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) für eine Widerspruchslösung bei der Organspende scharf kritisiert.

evangelisch.de

Solch eine Regelung würde einen „fundamentalen Paradigmenwechsel“ darstellen, sagte der Vorsitzende des Deutschen Ethikrats am Montag dem Evangelischen Pressedienst (epd) in Berlin. Die bisherige Organspenderegelung habe den Charakter von Freiwilligkeit und wohltätiger Solidarität mit Schwerkranken. Mit der Regelung, bei der jeder Spender sein soll, solange er nicht widerspricht, müsste man von „Organabgabepflicht“ statt von „Organspende“ sprechen, sagte Dabrock.

Spahn hatte der „Bild“-Zeitung (Montag) gesagt, dass nur mit der Widerspruchslösung die Organspende zum Normalfall werden könne. Jeder Deutsche würde damit automatisch ein Spender sein, sofern er oder seine Angehörigen nicht ausdrücklich widersprechen. In Deutschland gilt bislang die sogenannte Entscheidungslösung, so dass eine Entnahme nur möglich ist, wenn eine Zustimmung vorliegt.

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These Anonymous Twitter Accounts Are the Real Intellectual Dark Web — and They’re Calling Out Right-Wing Media

Photo Credit: Image by Shutterstock, Copyright (c) Glebstock

There’s an ideological war raging in the U.S. That’s what Commentary magazine’s John Podhoretz said in a recent podcast, anyways. And he’s not wrong. It might not be a conflict as epic as the Second World War. It’s not being fought on a battlefield or in research labs. But it is consuming much of the discourse in 2018, especially on Twitter.

By Taylor Link | Alternet/Salon

Much of the battles involving the left appear to be partisan infighting: liberals pushing back against the dramatic shift to the left; Democratic Socialists assailing the liberal establishment. Conservatives, meanwhile, have seemingly abandoned any constructive introspection. „Owning the libs“ has become their only battlecry.

The rise of President Donald Trump should have precipitated an ideological insurrection. But the most popular movement to come out of the right post-2016 was the Intellectual Dark Web (IDW), a quasi-informal group of political commentators and professors who’ve gained traction for its hostility towards American liberalism. Bari Weiss, a conservative op-ed writer at The New York Times, introduced the IDW in a column earlier this year. In the piece, she elevated personalities such as Jordan Peterson, Dave Rubin, Candace Owens and Charlie Kirk, to name a few. They were grouped together not because of an ideology they shared, but because of an ideology they all rejected. The IDW criticizes most, if not all, policies and social movements that have arisen from America’s liberal trajectory. Feminism, affirmative action, subsidized health care, Black Lives Matter, wealth distribution, immigration, all have come under fire by the IDW. Their main antagonist may be the „mainstream liberal media,“ which they vilify for propping up progressive causes. Because of this, conservative media has welcomed these new voices into the tent, even though some whitewash racism and anti-LGBTQ bigotry.

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Ein Kurztrip in den Verschwörungssumpf

Für manche Menschen eine unheilvolle Bedrohung: Flugzeuge am Himmel Bild: dpa
Christian Alt und Christian Schiffer wollen Menschen von ihren Aluhüten befreien – flanieren dabei eher unbedarft zwischen Verschwörungstheorien.

Von Cornelius Dieckmann | Frankfurter Allgemeine Zeitung

Das Autorenduo Christian Alt und Christian Schiffer plant einen Kurztrip in den Sumpf der Verschwörungstheorien – im Idealfall, ohne sich allzu sehr schmutzig zu machen. Dass dieser Plan naiv ist, räumen sie in der für das Buch charakteristischen selbstironischen Art anfangs gleich selbst ein: „Wir lesen uns Verschwörungswissen auf Wikipedia an, das wir dann dazu nutzen, um das Kartenhaus der irren Theorien mit einem gezielten Schlag zu Fall zu bringen.“

Denn je weiter sie auf das konspirationistische Terrain vordringen, desto deutlicher sehen sie, dass Menschen mit von Grund auf alternativen Weltbildern sich nicht von ein paar schnell gelieferten Fakten (die sie ja nicht als solche anerkennen) umstimmen lassen. Und dass – so die zentrale Einsicht des Buches – ein Ausflug in das „Land der Verschwörungstheorien“ kein spaßiges Kurzabenteuer ist.

Leider ist der Erzählton durchgehend süffisant gehalten („die krassesten Oberverschwörer ever“) und dadurch meist weniger auf präzise Prosa aus als auf clevere Punchlines.

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Der Papst kann zu Vigano nicht schweigen

Papst Franziskus während einer Synode zum Thema Familie© Max Rossi/Reuters/Bearb.BB
Der ehemalige Botschafter des Papstes in den USA wirft dem Papst – und indirekt zahlreichen Kurienmitarbeitern – in einem elfseitigen Papier vor, jahrelang Hinweise auf sexuelle Übergriffe von US-Kardinal Theodore McCarrick ignoriert zu haben, obwohl schon Benedikt XVI. diesem deshalb die Ordre gegeben habe, nicht mehr öffentlich aufzutreten.

Benjamin Leven | katholisch.de

In den letzten Tagen ist von vielen auf „Ungereimtheiten“ in den Aussagen von Erzbischof Carlo Maria Viganò hingewiesen worden, auf dessen eigene „Leichen im Keller“ und auf seine offensichtlich konservative kirchenpolitische Agenda.

Dennoch bleibt die Frage, ob es denn im Kern zutrifft, was Viganò behauptet. Es ist in gewisser Weise wie bei einem Mafia-Aussteiger. Der hat vorher Leute erschossen. Seine Motive sind nicht ganz edel. Er will gewisse Personen schonen und andere fallen sehen. Natürlich wäre seine Aussage glaubwürdiger, wenn er auch eigene Schuld eingestehen würde. Trotzdem darf man die Vorwürfe nicht leichtfertig abtun. Nicht zuletzt, weil bereits mehrere Fälle dokumentiert sind, in denen der Papst gegen die von ihm verkündete Null-Toleranz-Politik verstoßen hat. Er hat bei Personen, die sexuelle Übergriffe begangen oder diese vertuscht haben, Warnungen übergangen. Der bekannteste Fall ist der chilenische Bischof Juan Barros.

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Metoo: Kummerkasten von Mittelstandsfrauen oder neues feministisches Kampffeld?

Grafik: TP
Es handelt sich nicht um ein Mittelschichtsproblem, gerade Frauen mit wenig oder geringem Einkommen sind am stärksten auch von der sexuellen Unterdrückung betroffen

Peter Nowak | TELEPOLIS

„Welchen politischen Stellenwert hat eigentlich gesellschaftliche Liberalität – Feminismus, Antirassismus, LGBTI-Rechte, das gesamte Paket? Wo ist das auf der politischen Skala einzuordnen?“ Diese Frage stellte die Publizistin und Kulturwissenschaftlerin Isolde Charim kürzlich in der Taz. Dort stellt sie fest, dass diese Werte nicht nur von der politischen Rechten, sondern auch von Teilen der Linken infrage gestellt würden.

Von linker Seite sehen sich aber die unterschiedlichen Phänomene, die wir unter gesellschaftlicher Liberalisierung zusammenfassen, auch massiven Angriffen ausgesetzt. Da werden sie als „Feigenblatt“ des neoliberalen Kapitalismus bezeichnet, hinter dem die wahren Ausbeutungsverhältnisse nur umso ungenierter betrieben werden. Als „Herrschaftsideologie einer globalisierten Klasse“. Als Klassenkampf der „neuen Mittelschichten“ gegen „die da unten“. Die Liste ließe sich fortsetzen. Klar ist, dass diese Kritik auch die Antriebsenergie jener ist, die nun #aufstehen wollen.

Isolde Charim

Nun sind unter den Zielen, der von Charim angesprochenen Aufstehen-Bewegung tatsächlich keine explizit feministischen Ziele benannt. Nicht einmal die aktuell vieldiskutierte Abschaffung des Paragraphen 219 , der jede Werbung für Abtreibungen verbietet und die Ärzte, die diese Dienstleistung anbieten, kriminalisiert, wird dort erwähnt. Das ist eine kritikwürdige Leerstelle, ebenso, wenn statt Kampf gegen Rassismus der politisch falsche Begriff Fremdenhass genannt wird.

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Missbrauchsopfer: Kirchen fehlt Aufklärungswille

Bild: WAZ

Missbrauchsopfer haben sich in einem Offenen Brief an die Bischöfe und Gemeinden der Kirchen in Deutschland gewandt. Sie beklagen: Noch immer sei der Selbstschutz-Reflex stärker als die Unterstützung der Opfer.

katholisch.de

Opfer von sexuellem Missbrauch werfen den beiden großen Kirchen in Deutschland mangelnden Willen zur Aufklärung der Fälle vor. Die Betroffenen seien auch in Deutschland immer noch „Bittsteller, die abgewehrt und mit heimlichen Zahlungen abgespeist werden, damit die Geschehnisse anschließend wieder mit dem Mantel des Schweigens verhüllt werden können“, heißt es in einem Offenen Brief von Missbrauchsopfern, der am Montag verbreitet wurde. „Schöne Worte, ‚Scham und Trauer‘ oder päpstliche Briefe helfen nicht weiter“. Nötig sei „die aktive und proaktive Mitarbeit der Gemeinden und aktuellen Priester, Diakone und engagierten Laien“, so das Schreiben.

Die Unterzeichner fordern eine zentrale und öffentliche Dokumentation von Missbrauchsfällen sowie die Einsetzung unabhängiger Kommissionen zu deren Aufarbeitung. Die Kirchengemeinden müssten Missbrauchsfälle auf ihrer Internetseite veröffentlichen, zusammen mit den Kontaktdaten einer unabhängigen Stelle, an die sich weitere Opfer wenden könnten. Zudem müssten die bereits anerkannten Opfer im Beisein von unabhängigen Mediatoren erneut gehört werden.

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Mittelalter im Gerichtssaal: Malaysia bestraft lesbisches Paar mit Stockschlägen

Justitia Skulptur (CC-by-nc-sa/3.0 by Luc Viatour)

Das Urteil wurde vom obersten muslimischen Religionsrichter des Bundesstaates gefällt. In Malaysia sind homosexuelle Handlungen per Gesetz verboten.

stern.de

In  Malaysia ist ein lesbisches Paar mit Stockschlägen bestraft worden. Die beiden Frauen im Alter von 22 und 23 Jahren bekamen am Montag in einem Gerichtssaal hinter geschlossenen Türen jeweils sechs Schläge mit einem Bambusstock verpasst. Die Bestrafung wurde nach einem Bericht des Online-Nachrichtenportals „Star Online“ vom obersten muslimischen Religionsrichter des Bundesstaates Terengganu überwacht. Zudem müssen die Frauen umgerechnet noch jeweils knapp 700 Euro Strafe zahlen.

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Forschungsprojekt über religiöse Radikalisierung

Ein auf zwei Jahre angelegtes Forschungsprojekt der Universitäten Bielefeld und Osnabrück untersucht die Rolle der Religiosität bei der Radikalisierung junger Muslime.

Dr. Michael Utsch | EZW

Im Projekt werden die umstrittenen Fragen diskutiert, ob junge Muslime aufgrund ihrer religiösen Orientierung besonders empfänglich für radikale Botschaften sind, ob Radikalisierungsprozesse mit einer „richtigen“ religiösen Unterweisung unterbunden werden können und ob Moscheegemeinden mit ihrer Bildungsarbeit aktuell ein Korrektiv bilden.

Gefördert wird das Vorhaben mit 397.000 Euro vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ). Die Förderung schließt an ein Projekt über junge Menschen im gewaltbereiten Islamismus an, fokussiert jetzt aber den Einfluss religiöser Bindungen und Orientierungen und den Prozess der Radikalisierung. Keinesfalls könne Radikalisierung pauschal auf einen Generalfaktor Religion zurückgeführt werden, so die Forscher. Deshalb wird die Religiosität der Befragten differenziert nach inhaltlichen und persönlichkeitsspezifischen Dimensionen untersucht.

Das Forschungsprojekt des Instituts für Islamische Theologie (Universität Osnabrück) und des Instituts für interdisziplinäre Konflikt- und Gewaltforschung (Universität Bielefeld) untersucht den Faktor Religion in Radikalisierungsprozessen junger Menschen aus einer islamwissenschaftlichen, theologischen, erziehungswissenschaftlichen und sozialpsychologischen Perspektive. Auf die Ergebnisse darf man gespannt sein.

Religion gehört nicht ins Klassenzimmer

Themenbild.

Im vergangenen Sommer ergab die Befragung von Lehrern an 21 Berliner Schulen, dass „Antisemitismus und Salafismus von Schülern mit türkischem und arabischem Hintergrund zum Schulalltag gehören“.

Von Götz Aly | Berliner Zeitung

Jetzt machte diese Zeitung publik, wie eine Grundschülerin in Tempelhof von muslimisch erzogenen Mitschülern gemobbt und bedroht wurde, weil sie ungläubig sei; zudem wurde sie als „Jude“ beschimpft. Der Schulleiter bagatellisierte den Angriff als „Streitigkeit“.

Schulsenatorin Sandra Scheeres (SPD) findet das gewiss nicht schön, aber besonders entschieden reagiert sie auf solche – in Berlin häufigen – Vorfälle nicht. Sehr viel wichtiger nimmt sie Broschüren über die Vielzahl sexueller Varianten zum Gebrauch für Kitakinder („Murat spielt Prinzessin“ usw.). Ich wünsche mir, die Berliner SPD würde sich auf dem wichtigen Feld der öffentlichen Erziehung und Schulbildung besser präsentieren.

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