Missbrauch in der Kirche: Ein Kinofilm, der den Tabubruch wagt

Regisseur Wojciech Smarzowski spricht vor der Polen-Premiere seines Spielfilm «Kler» (übersetzt: Klerus). Bild: Stach Leszczynski/PAP/dp
Sexueller Missbrauch durch katholische Priester war in Polen bislang nicht thematisiert. Ein Kinofilm bricht nun das Schweigen und empört viele Geistliche.

Von Gerhard Gnauck | Frankfurter Allgemeine Zeitung

Ein Tabu ist gebrochen, ein Land ist in Aufruhr. Die Debatte über Fälle von sexuellem Missbrauch in der katholischen Kirche zieht in Polen immer weitere Kreise. Mit seinen fast 90 Prozent Katholiken galt das Land bisher als eine der treuesten Töchter der römisch-katholischen Kirche.

Diese Institution war – als Polen geteilt war, dann unter deutscher und sowjetischer Besatzung und schließlich in gut vier Jahrzehnten Kommunismus – die oberste Autorität, Wahrer der nationalen Identität und bis 1989 sogar eine Trutzburg, in deren Mauern frei diskutiert werden konnte. Wahrer der Identität: In dieser Rolle sehen viele Geistliche ihre Kirche auch heute.

Auch die nationalkonservative Regierungspartei PiS sieht die Kirche in dieser Funktion. Umgekehrt kann die PiS auf die wohlwollende Unterstützung eines großen Teils der kirchlichen Hierarchie zählen.

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US-Hexen verfluchen neuen US-Richter Kavanaugh

Image: Matt Anderson/Friendly Atheist

P. Gary Thomas, der Exorzist der Diözese von San José in Kalifornien, hat vor einem Hexen-Treffen in New York gewarnt – Für Thomas ist dieses Treffen ein „dämonischer Akt“

kath.net

P. Gary Thomas, der Exorzist der Diözese von San José in Kalifornien, hat am Wochenende vor einem Hexen-Treffen in New York, welches am vergangenen Samstag stattfand, gewarnt. „Sie sind dabei, das Böse auf den Höchstrichter herabzurufen.“ Bei dem Treffen haben die Hexen einen Fluch über den neuen US-Höchstrichter Brett Kavanaugh  ausgesprochen. Für Thomas ist dieses Treffen ein „dämonischer Akt“. Solche Flüche können laut dem Priester einen direkten Einfluss auf Menschen ausüben, vor allem, wenn sie offen für das Böse sind. Bei Menschen, die aber in der Gnade stehen, haben diese wenig oder keinen Effekt.

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Saudis sollen Kritiker mit bezahlten Online-Mobbern und McKinsey-Daten bekämpft haben

Bild: CC0
Der New York Times zufolge spionierte ein heimlicher Doppelmitarbeiter bei Twitter für das Wahhabitenkönigreich

Peter Mühlbauer | TELEPOLIS

Den Informationen der New York Times nach hat das Wahhabitenkönigreich Saudi-Arabien den Kronprinzkritiker Jamal Khashoggi nicht nur mit den am Samstag eingeräumten letalen Methoden bekämpft (vgl. Khashoggi: Korrekturen, Lügen und eine Leiche, die verschwunden ist), sondern auch mit bezahlten Online-Mobbern. Diese Online-Mobber wurden dem Bericht nach nicht nur gegen, sondern auch gegen andere Abweichler sowie zur Festigung der öffentlichen Meinung eingesetzt.

Der Zeitung zufolge hatte der jetzt im Zuge der Khashoggi-Affäre entlassene Kronprinzenberater Saud al-Kahtani seit 2010 auf Twitter Beschäftigungsangebote platzieren lassen, die damit warben, das Hobby zum Beruf zu machen und mit dem Versenden von Tweets 10.000 saudische Rial zu verdienen – umgerechnet etwa 2.350 Euro. Dass es sich dabei um Arbeit handelt, die den in der Richtlinie Nr. 1/76 zur Entwicklung und Bearbeitung Operativer Vorgänge (OV) beschriebenen „Zersetzungsmaßnahmen“ der DDR-Staatssicherheit ähnelt, habe man Bewerbern erst verraten, nachdem diese ihre bürgerliche Identität preisgegeben hatten.

Aktuell soll die saudische Zentrale für staatliches Online-Mobbing mehrere Hundert Personen beschäftigen, deren Aufgabe es auch ist, in Sozialen Medien nach Kritikern des Kronprinzen und des Landes zu suchen. Dazu hat man angeblich sogar einen heimlichen Doppelmitarbeiter bei Twitter selbst untergebracht, der Informationen zur identifikation und andere persönliche Daten liefert. Ausgeschlossen ist das nicht: Immerhin zählt der saudische Prinz Walid bin Talal zu den wichtigsten Investoren des Unternehmens, an dem er seit 2011 einen „strategischen Anteil“ hält. Twitter antwortet bislang auf Bitten nach einer Stellungnahme dazu ebenso wenig wie saudische Stellen.

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Die Kirche wächst – nur nicht in Europa

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Zum Weltmissionssonntag hat der vatikanische Pressedienst Fides statistische Eckdaten zur katholischen Weltkirche präsentiert. Demnach ist die Zahl der Katholiken im Jahr 2016 weltweit angestiegen. Eine Ausnahme bildet nur Europa.

katholisch.de

Die Zahl der Katholiken ist im Jahr 2016 weltweit um rund 14 Millionen auf 1,299 Milliarden angestiegen. Das berichtete der vatikanische Pressedienst Fides am Sonntag anlässlich des Weltmissionssonntags. Der Anteil der Katholiken an der Weltbevölkerung ging trotz dieses Zuwachses auf 17,67 Prozent zurück.

Der Anstieg bei der absoluten Zahl der Katholiken habe in allen Kontinenten außer Europa stattgefunden, so Fides weiter. Während in Afrika, Amerika, Asien und Ozeanien ein Zuwachs an katholischen Gläubigen verzeichnet werden konnte, sank die Zahl der Katholiken in Europa gegen den Trend um 240.000.

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Björn Höcke und die gute alte BRD

© dpa, FR
Bemerkenswert, aber kaum bemerkt: Wie sich Björn Höcke einmal nicht versprochen hat, von seiner AfD-Anhängerschar aber ignoriert wurde.

Von Claus Leggewie | Frankfurter Rundschau

Jüngst in Arnstadt hat der mit einem knapp verfehlten SED-Ergebnis zum thüringischen AfD-Spitzenkandidaten gekrönte Björn Höcke einen bemerkenswerten, aber wenig bemerkten Spruch getan. Er hat nicht nur die bekannte Platte von der „Flutung des Landes mit Millionen Kulturfremder“ abgenudelt, sondern sich auch zu der Aussage verstiegen, er wolle „seine alte Bundesrepublik zurück“. Ich traute meinen Ohren nicht: Da verkündet ein Wessi, er wolle das Ancien Regime zurück und entlässt die ihm ergeben zujubelnden Ossis quasi in die alte DDR, die bekanntlich nicht zur guten BRD gehörte.

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Rasantes Insektensterben auch im Regenwaldschutzgebieten

Regenwald El Yunque. Bild: Sajyasingh/CC BY-SA-4.0
Für den dramatischen Rückgang von Arthropoden und deren Fressfeinden in Regenwäldern machen Biologen die Klimaerwärmung verantwortlich.

Florian Rötzer | TELEPOLIS

Seit Jahrzehnten kann erneut ein Massenaussterben beobachtet werden. Das erste Massenaussterben wurde bereits von Lebewesen im Präkambrium verursacht. Cyanobakterien reicherten erstmals die Atmosphäre mit Sauerstoff an, was zum Aussterben des Großteils des anaeroben Lebens, aber durch den Abbau von Methan auch zu einer Eiszeit führte. Man könnte auch von einer ersten kreativen Zerstörung sprechen, denn dadurch konnte sich neue Lebensformen entwickeln. Durch Eis- und Warmzeiten kam es immer wieder zu Massenaussterben, verursacht oft durch Vulkanismus oder auch einen Asteroideneinschlag wie dies für das Massenaussterben an der Kreide-Paläogen-Grenze vor 66 Millionen Jahren vermutet wird. Das Massenaussterben jetzt geht jedoch völlig auf den Menschen zurück, der mit großer Geschwindigkeit und einem explosiven Bevölkerungswachstum die Erdoberfläche umgestaltet.

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Elektron: Und es ist doch rund!

Sollte es Teilchen und Prozesse jenseits des Standardmodells geben, müsste sich dies in der Form der Elektrons widerspiegeln. © Nicolle R. Fuller/ NSF
Rückschlag für „alternative Physik“: Die bisher genaueste Vermessung des Elektrons spricht gegen die Existenz einer Physik jenseits des Standardmodells. Denn die Ladung des Elektrons ist fast exakt kugelförmig – wie vom Standardmodell vorhergesagt. Dieses Messergebnis widerspricht damit alternativen Theorien wie der Supersymmetrie, nach der es noch unentdeckte schwere Elementarteilchen geben muss. „Offenbar müssen wir nun ernstlich umdenken“, konstatieren die Forscher im Fachmagazin „Nature“.
Sollte es Teilchen und Prozesse jenseits des Standardmodells geben, müsste sich dies in der Form der Elektrons widerspiegeln.

scinexx

Es ist wie verhext: Einerseits beschreibt das Standardmodell der Teilchenphysik viele Phänomene des Kosmos und der Physik verblüffend gut – und immer wieder wird es durch Experimente und Messungen bestätigt. Andererseits jedoch klaffen in diesem Modell gewaltige Lücken. So kann es beispielsweise nicht erklären, woraus die Dunkle Materie besteht, warum die Materie nach dem Urknall über die Antimaterie dominierte oder wie die Gravitation ins Teilchenschema passt.

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Zu Besuch beim LIGO: Observatorien für Gravitationswellen

Nahaufnahme der Betonabdeckung der metallischen Vakuumröhren von LIGO, in denen ein Lasersignal hin und zurück reflektiert wird. Bild: Raúl Rojas
Mit der Messung von Gravitationswellen im Jahr 2015 ist eine neue Art der Astronomie entstanden, die es uns vielleicht erlauben wird, hinter den Schleier der kosmischen Hintergrundstrahlung zu blicken.

Raúl Rojas | TELEPOLIS

Einige der größten astronomischen Observatorien der Welt fangen heute nicht Licht bzw. Radiosignale aus dem All ein, sondern Gravitationswellen. Zwei davon sind die LIGO-Zwillinge (Laser-Interferometer Gravitational-Wave Observatory), die jeweils in den US-Bundesstaaten Washington und Louisiana installiert wurden. Beide Instrumente arbeiten als Team. Jedes Observatorium benutzt zwei 4 km lange orthogonale Rohre – die Observatorien sind aber 3000 km voneinander getrennt.

Mittlerweile nahm in Italien das Observatorium Advanced Virgo im August 2017 den Betrieb auf. Damit kann man die Messungen an drei unterschiedlichen Orten der Welt vornehmen und abgleichen, um das Rauschen von den Signalen besser trennen zu können. Abb. 1 und Abb. 2 zeigen das Observatorium in Washington State, das ich vor kurzem besucht habe. Dort wurde 2015 eine Gravitationswelle detektiert, die durch die Kollision von zwei Schwarzen Löchern vor 1,3 Milliarden Jahren erzeugt wurde.

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Luzia», das älteste menschliche Skelett Südamerikas, hat den Brand im brasilianischen Nationalmuseum doch überstanden

Der Schädel und die Rekonstruktion des Gesichts von «Luzia», einer Frau, die vor 11 500 Jahren in Brasilien lebte. (Bild: Museu Nacional Brasil via AP)
Eines der spektakulärsten Ausstellungsstücke im Nationalmuseum von Rio de Janeiro hat den Grossbrand Anfang September offenbar doch überstanden.

Neue Zürcher Zeitung

Der mit 11 500 Jahren älteste menschliche Schädel Südamerikas, genannt «Luzia», sei fast vollständig erhalten, erklärten brasilianische Wissenschafter bei einer Medienkonferenz am Freitag. Auch Fragmente ihres Oberschenkelknochens seien in dem ausgebrannten Gebäude gefunden worden. Zwar hätten die Skelettteile «Schäden» davongetragen, die Wissenschafter seien aber insgesamt «sehr optimistisch», sagte Professorin Claudia Rodrigues, die die Trümmer durchsucht hat.

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Darwin Award: Die dümmsten Tode der Welt

Bild: tag24.de
Im Jahr 1994 hat eine besonders morbide Internetgemeinschaft den „Darwin Award“ ins Leben gerufen. „Ausgezeichnet“ werden Menschen, die aus außerordentlicher Dummheit aus dem Leben schieden und denen es deshalb nicht mehr möglich ist, ihre Gene zu verbreiten. Benannt wurde der Preis nach Charles Darwin (1809-1882), Vater der Evolutionstheorie und Entdecker der natürlichen Auslese. Hier eine kleine Auswahl aus Preisträgern und Nominierten.

Von Juliane Weigt | TAG24

Der kanadische Rechtsanwalt Garry Hoy versuchte 1993 die Stärke der Fensterscheiben eines Wolkenkratzers in Toronto zu demonstrieren. Er warf sich mit voller Wucht gegen das Glas – das dann zerbrach. Garry Hoy stürzte 24 Stockwerke tief in den sicheren Tod. In einem Zeitungsinterview beteuerte sein Chef später, Garry sei einer seiner intelligentesten Mitarbeiter gewesen…

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Are Black Holes Actually Dark Energy Stars?

Bild: NASA/public domain
What does the supermassive black hole at the center of the Milky Way look like? Early next year, we might find out. The Event Horizon Telescope—really a virtual telescope with an effective diameter of the Earth—has been pointing at Sagittarius A* for the last several years. Most researchers in the astrophysics community expect that its images, taken from telescopes all over the Earth, will show the telltale signs of a black hole: a bright swirl of light, produced by a disc of gases trapped in the black hole’s orbit, surrounding a black shadow at the center—the event horizon. This encloses the region of space where the black-hole singularity’s gravitational pull is too strong for light to escape.

By Jesse Stone | NAUTILUS

But George Chapline, a physicist at the Lawrence Livermore National Laboratory, doesn’t expect to see a black hole. He doesn’t believe they’re real. In 2005, he told Nature that “it’s a near certainty that black holes don’t exist” and—building on previous work he’d done with physics Nobel laureate Robert Laughlin—introduced an alternative model that he dubbed “dark energy stars.” Dark energy is a term physicists use to describe a peculiar kind of energy that appears to permeate the entire universe. It expands the fabric of spacetime itself, even as gravity attempts to bring objects closer together. Chapline believes that the immense energies in a collapsing star cause its protons and neutrons to decay into a gas of photons and other elementary particles, along with what he refers to as “droplets of vacuum energy.” These form a “condensed” phase of spacetime—much like a gas under enough pressure transitions to liquid—that has a much higher density of dark energy than the spacetime surrounding the star. This provides the pressure necessary to hold gravity at bay and prevent a singularity from forming. Without a singularity in spacetime, there is no black hole.

The idea has found no support in the astrophysical community—over the last decade, Chapline’s papers on this topic have garnered only single-digit citations. His most popular paper in particle physics, by contrast, has been cited over 600 times. But Chapline suspects his days of wandering in the scientific wilderness may soon be over. He believes that the Event Horizon Telescope will offer evidence that dark energy stars are real.

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Missing Link: Trons Tod – Eine weitere Spurensuche nach 20 Jahren

(Bild: pixabay.com)
Vor 20 Jahren wurde in einem Berliner Park die Leiche eines jungen Hackers gefunden. Um den Tod von „Tron“ ranken sich bis heute viele Gerüchte.

Von Detlef Borchers | heise online

Für die einen war „Tron“ eine Lichtgestalt, die ein neues Zeitalter einläutete und seine Jünger in ein Tronland mit einem Tron-Cryptofon und einer Tron-Währung führte. Für die anderen war er ein Student, der seinen Mitstudenten „in Zehnerpotenzen“ überlegen war. Für eine andere Gruppe war er die Nemesis schlechthin, drohte er doch, mit seinen Hacks das gesamte Pay-TV-Business in der Orkus zu versenken. Natürlich kann man auch die Wkipedia konsultieren und findet eine weitere, seltsam klingende Lesart: „Trons früher Tod verhinderte die Weiterentwicklung des Cryptophons zum Cryptron, das zum kommerziellen Massenprodukt für die Nutzung im Internet werden sollte.“ Eine Spurensuche.

Am 22. Oktober 1998, einem Donnerstag, fand ein Spaziergänger mit seinem Hund in einem kleinen Park im Süden Berlins die Leiche eines jungen Mannes, der sich offenbar mit einem Gürtel erhängt hatte. Die alarmierte Polizei sicherte den Fundort, rief ein Bestattungsunternehmen und nahm die Ermittlungen auf. Schnell stellte sich heraus, dass der Tote ein gewisser Boris F. war, der bereits seit Samstag, den 17. Oktober von seiner Mutter als vermisst gemeldet wurde.

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Der Mord an Khashoggi macht Schluss mit den westlichen Illusionen über Saudiarabien

Die Ermordung des saudischen Journalisten Jamal Khashoggi nimmt den westlichen Alliierten des Königreichs alle Vorwände für ein gutes Gewissen. Die Kooperation mit dem Kronprinzen Mohammed fördert kein Reformregime, sondern eine brutale Diktatur. Das war seit Jahrzehnten so und dürfte auch so bleiben.

Peter Rásonyi | Neue Zürcher Zeitung

Nach drei Wochen des Lügens hat das saudische Königshaus seine eigene Version der finsteren Vorkommnisse im eigenen Konsulat in Istanbul vorgelegt. Kaum jemand in der westlichen Welt schenkt ihm Glauben. Viel zu schlecht passen die Behauptungen mit den bisher bekannten Fakten zusammen. Allzu offensichtlich ist der Zweck dieser Erzählung, der Weltöffentlichkeit mit der Benennung von 18 «Verantwortlichen» einen Sündenbock für die abscheuliche Ermordung des saudischen Journalisten Jamal Khashoggi vorzusetzen. Das soll den Verdacht des Auftragsmordes vom Königshaus ablenken und es den bisherigen Alliierten erlauben, weiterhin mit König Salman und dem jungen Kronprinzen Mohammed zusammenzuarbeiten.

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Nigeria: 55 Tote bei Kämpfen zwischen Muslimen und Christen

Bild: © natanaelginting/Fotolia.com
Wieder ist es in Nigeria zu Gewalt zwischen Muslimen und Christen gekommen. Aus einer „Meinungsverschiedenheit“ wurde schnell ein religiös aufgeladener Konflikt, so die Regierung zu den Todesfällen. Dabei ging es zunächst um einen einfachen Gegenstand.

katholisch.de

Bei blutigen Zusammenstößen zwischen Muslimen und Christen sind in Nigeria 55 Menschen ums Leben gekommen. Den Kämpfen sei ein Streit um eine Schubkarre vorausgegangen, sagte am Sonntag ein Regierungsvertreter aus der Ortschaft Kasuwan Magani im Bundesstaat Kaduna, der nicht namentlich genannt werden wollte. „Aus der Meinungsverschiedenheit wurde wegen jahrelanger Spannungen schnell ein religiöser Konflikt zwischen Christen und Muslimen.

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Warum das Kinderkopftuchverbot richtig wäre

Themenbild
Das von Terres des Femmes geforderte Kopftuchverbot für minderjährige Mädchen wird derzeit kontrovers diskutiert. Kritiker argumentieren mit der durch das Verbot eingeschränkten Religionsfreiheit der Kinder und einem bevormundenden Staat, der dem Individuum seine Freiheiten nimmt.

Von Felix Kruppa | Richard-Dawkins-Foundation

Dabei vergessen sie die Rechte des Kindes und begünstigen eine ethnisch-religiöse Spaltung der Gesellschaft in moralisch und rechtlich voneinander isolierte Räume, die Minderheiten eher schwächt als stärkt und langfristig den sozialen Frieden gefährden kann.

Selbst- oder Fremdbestimmung?

Minderjährige stehen in Deutschland unter einem besonderen rechtlichen Schutz. Staatlich kann und muss zum Wohle der Kinder durchgesetzt werden, dass sie ihre Grundrechte wahrnehmen können. Bei Kindern unter 14 Jahren wird von einer fehlenden Religionsmündigkeit gesprochen. Das ist bei allen Religionen gleichermaßen zu berücksichtigen und müsste weitreichende Änderungen im Bildungssystem mit sich bringen, z.B. eine freie Wahl des Religionsunterrichts erst mit dem 14. Lebensjahr oder einen gemeinsamen Ethikunterricht.

Das Kopftuch ist in Bezug auf die fehlende Religionsmündigkeit allerdings kritischer zu sehen, weil es eine sexualisierende und politische Dimension impliziert, die junge Mädchen noch nicht überblicken können. Als Symbol des politischen und reaktionären Islams, das das Mädchen oder die Frau als religiös, rein und Verfügungsmasse des Mannes markieren soll, wird das Selbstbestimmungsrecht des Mädchens auf eine eine (auch religiöse) persönliche Entfaltung konterkariert. Darüber hinaus entspricht die Sexualisierung des Mädchens, bewirkt durch die Verdeckung ihrer (vermeintlichen) Reize gemäß religiöser Vorgabe, um sie vor den lüsternen Blicken der Männer zu schützen, nicht den emanzipatorischen Errungenschaften einer modernen Gesellschaft. Der Staat sollte folglich seine besondere Fürsorgepflicht notfalls auch gegen die religiös-fundamentalistischen Erziehungsvorstellungen von muslimischen Eltern durchsetzen, um das Kind vor dieser Form der Sexualisierung und der Einschränkung von Religionsfreiheit und Selbstbestimmung zu schützen. Mindestens bis zum vierzehnten Lebensjahr, dem Erreichen der religiösen Selbstbestimmung also, sollten Kinder nicht durch ein oktroyiertes Kopftuch in ihrem Selbstbestimmungsrecht beschnitten werden.

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Rüstung nach Saudi-Arabien?

Saudi Arabien ist der zweitbeste Kunde der deutschen Rüstungsindustrie. Bis Ende September erteilte die Bundesregierung Exportgenehmigungen im Wert von 416,4 Millionen Euro. Diese Praxis ist jetzt umstrittener denn je.

DOMRADIO.DE

Angesichts der von Saudi-Arabien eingestandenen Tötung des Journalisten Jamal Khashoggi fordern mehrere Politiker einen Stopp aller Rüstungsexporte. Darüber zeichnet sich ein Streit innerhalb der Bundesregierung ab. „Solange diese Untersuchungen andauern, solange wir nicht wissen, was da geschehen ist, gibt es keine Grundlage, auf der positive Entscheidungen für Rüstungsexporte nach Saudi-Arabien zu treffen sind“, sagte Bundesaußenminister Heiko Maas (SPD) am Samstag in den „Tagesthemen“.

Das CDU-geführte Bundeswirtschaftsministerium reagierte zurückhaltend. „Die deutsche Rüstungsexportpolitik ist schon jetzt sehr restriktiv, insbesondere gegenüber Staaten, die unmittelbar am Jemen-Konflikt beteiligt sind“, sagte eine Sprecherin des Ministeriums am Sonntag den Zeitungen der Funke Mediengruppe.

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Die religiöse Praxis des Schächtens

AP/PETER DEJONG
Hitzigen Diskussionen über das Schächten, das rituelle Schlachten von Tieren, sind in den vergangenen Monaten gleich in mehreren Ländern Europas entbrannt. In Österreich wurde im Sommer über eine Eindämmung des Schächtens – aus Tierschutzgründen, wie es hieß – debattiert, in Italien liegen derzeit zwei konkrete Gesetzesvorschläge zu einem kompletten Verbot dieser religiösen Praxis auf dem Tisch. Auch in Belgien hat das Schächten die Gerichte beschäftigt, was eine strengere Regelung zur Folge hatte.

Ö1

Halal Fleisch ist gefragt auf einem Markt im 15. Wiener Bezirk. Verschiedene Stücke vom Rind und vom Kalb, Hühnerfüße und Lammköpfe werden hier feilgeboten, für 2 Euro pro Stück. Für die Suppe eignen sich die gut, sagt der Fleischer, die Zunge sei auch sehr zu empfehlen.

Nach Angaben der Islamischen Glaubensgemeinschaft sind sechs österreichische Schlacht-Betriebe halal-zertifiziert. Es gebe durchaus kleinere Betriebe, in denen Muslime für Muslime schächten, so Enis Buzar, Halal-Beauftragte der Islamischen Glaubensgemeinschaft Österreich. Doch meistens sei es so, dass Schlachthöfe, die schächten, auch sozusagen normal schlachten. In diesen Großbetrieben werde meist maschinell rituell geschlachtet.

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Wirbel um Ditib

Ein Abgeordneter hinterfragt die finanzielle Unterstützung des Moscheeverbands Ditib in den Kommunen im Kreis Offenbach.

Von Annette Schlegl | Frankfurter Rundschau

In Hessen gibt es Vorbehalte gegen den Moscheeverband Ditib. Das Kultusministerium befürchtet zu viel Nähe zu Erdogan und hegt Zweifel an der Unabhängigkeit der türkisch-islamischen Religionsgemeinschaft. Landtagsabgeordneter Hartmut Honka (CDU) hat sich deshalb aktuell bei den Bürgermeistern in seinem Wahlkreis erkundigt, ob und wie Ditib-Moscheen und -Vereine finanziell unterstützt werden. Doch vor allem Dieter Zimmer, SPD-Bürgermeister in Honkas Heimatgemeinde Dreieich, bricht im Gespräch mit der FR eine Lanze für die türkisch-islamische Gemeinde in seiner Stadt.

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Irgendwann wird der grösste Medienclown zum Präsidenten

Der Medienwissenschafter Neil Postman hat vor mehr als dreissig Jahren den Aufstieg eines Donald Trump prophezeit und das Unterhaltungsspektakel vorausgesehen, das heute Wirklichkeit ist. Eine Würdigung.

Bernhard Pörksen | Neue Zürcher Zeitung

Donald Trump zuzuschauen, ihn anzusehen, wie er seine Regierung unter dem Gelächter des Publikums vor der Uno als eine der erfolgreichsten aller Zeiten lobt, Journalisten als Feinde des amerikanischen Volkes verhöhnt oder mit dem nordkoreanischen Diktator Kim Jong Un den angeblich absolut perfekten Deal aushandelt oder mal eben mit der Schlagkraft seiner Atomraketen prahlt, ist ein bisschen wie Kartoffelchips essen. Es wird einem garantiert schlecht, aber man kann doch nicht aufhören. Und es stellt sich stets die Frage: Wie ist der Mann nur ins Oval Office gekommen? Und warum ist er immer noch da? Vermag ihm kein Skandal zu schaden, keine Blamage etwas anzuhaben?

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Anonyme Facebook-Werbekampagne soll UK-Abgeordnete zu Brexit-Ablehnung nötigen

(Bild: dpa, Tobias Hase/Symbolbild)
Eine Facebook-Kampagne soll mit massenhaften E-Mails Einfluss auf Parlamentsabgeordnete genommen haben, damit diese die Brexit-Verhandlungen torpedieren.

Von Tilman Wittenhorst | heise online

In Großbritannien soll eine anonyme Werbekampagne auf Facebook Wähler dazu aufgefordert haben, dem für sie zuständigen Parlamentsabgeordneten eine vorformulierte E-Mail zu schicken, in der dieser dazu gedrängt wird, den von Premierministerin Theresa May ausgehandelten Brexit-Deal zu torpedieren. Die Online-Werbung sei auf die jeweiligen Wahlkreise zugeschnitten und habe nach Schätzungen womöglich bis zu 10 Millionen Menschen erreicht, berichtet der Guardian.

Diese auch als Micro-Targeting bekannte gezielte Werbung war von der Londoner Agentur 89up entdeckt worden. Der Link führe zu einer für den Wahlkreis des Besuchers individualisierten Webseite mit Namen und Bild des jeweiligen Abgeordneten. Ein weiterer Klick dort öffne das Mail-Programm mit einer vorformulierten E-Mail an den Politiker.

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