Archiv der Kategorie: Christentum

Kann ein Krieg „heilig“ sein?

Bild: Frankfurter Rundschau

In den heiligen Schriften wird sehr viel über Krieg berichtet. Logisch ist das nicht.


Von Markus Tiedemann|Frankfurter Rundschau

Krieg ist nun wirklich eine scheußliche Sache. Krieg bedeutet die erste Regel menschlichen Zusammenlebens außer Kraft zu setzen: das Tötungsverbot. Ohne das Tötungsverbot macht es gar keinen Sinn, sich in Gemeinschaften zusammenzuschließen. Daher ist es so sehr schwer, einen Krieg als gerecht oder gar gut zu bezeichnen.

Umso trauriger ist es, dass in den heiligen Schriften sehr viel über Krieg berichtet wird.

Die Thora und das Alte Testament erzählen davon, dass Gott das Volk Israel ins gelobte Land geführt hat. Dort sollten die Israeliten leben und sich vermehren. Allerdings war dieses Land nicht leer. Vielmehr war geplant, die dort lebenden Völker zu vertreiben oder zu ermorden. Der sogenannte Bann zwischen dem Volk Israel und dem Gott Jahwe besagt leider genau das.

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Leitmedien berichten über Homorechte statt über gekreuzigte Kinder!

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Wo, meine Damen und Herren vom „Spiegel“, bleibt Ihr Aufschrei über das Leid der Massakrierten? Der Kulturkampf gegen das Christentum und gegen die Kirche ist Ihnen wohl wichtiger als die grauenvoll Getöteten.


Von Michael Schneider-Flagmeyer|kath.net

Die mörderischen Horden des IS zerstören auch wesentliche Kulturgüter der Menschheit. Jetzt ist wohl das Weltkulturerbe Palmyra an der Reihe. Die Aufregung und Empörung darüber ist in den deutschen Feuilletons groß. Aber die Empörung über die bestialische Ermordung von Abertausenden Christen, Jesiden, Kurden und nicht willfährigen Muslimen spielt in unseren Leitmedien kaum eine Rolle. Man hat sich wohl damit abgefunden, dass der ganze Westen zuschaut und vor allem die Amerikaner, Briten und Franzosen die eine besondere Verantwortung im Irak und auch in Syrien haben, letztere aufgrund ihrer ehemaligen Kolonialpolitik mit ihrer willkürlichen Grenzziehung. Das Ganze zeigt, was den Verantwortlichen in Politik und Medien in der westlichen Welt der Mensch als Geschöpf Gottes noch wert ist. Dieselben hier genannten Verantwortlichen überbieten sich aber, bei jeder Gelegenheit über Mitmenschlichkeit, Menschenrechte und Antidiskriminierung zu schwadronieren.

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Kurienerzbischof Marcelo Sanchez Sorondo: (menschengemachter) Klimawandel schuld an Abtreibung

Marcelo Sánchez Sorondo, Bild: wikimedia.org/CC BY-SA 3.0

Msgr. Marcelo Sánchez Sorondo, ein argentinischer Kurienerzbischof, ist Kanzler der Päpstlichen Akademie der Sozialwissenschaften. Die Akademie geriet jüngst wegen der Durchführung einer internationalen Konferenz zum Klimawandel und nachhaltiger Entwicklung in die Kritik.


Katholisches Magazin für Kirche und Kultur

Kritisiert wurde vor allem die Anwesenheit von UNO-Generalsekretär Ban Ki-moon, der von Papst Franziskus empfangen wurde und anschließend die Eröffnungsrede der Konferenz hielt, und von UNSDNS-Direktor Jeffrey Sachs (UN Sustainable Development Solutions Network), der Hauptreferent der Konferenz war. Beide sind bekannte Neo-Malthusianer, die es geradezu als Pflicht betrachten, die Weltbevölkerung zu dezimieren. Rund um die Konferenz und die angekündigte Öko-Enzyklika von Papst Franziskus wurden Fragen laut, ob sich die Katholische Kirche der Klimadoktrin, der Weltbevölkerungsdoktrin und der Abtreibungsdoktrin der UNO beugt.

In einem Interview der amerikanischen Internetseite C-Fam versuchte Erzbischof Sánchez Sorondo die Päpstliche Akademie gegen die Kritik an der Konferenz zu verteidigen. In Wirklichkeit bestätigte der ranghohe argentinische Kurienvertreter, daß Sorgen und Kritik durchaus berechtigt sind.

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Antijudaismus: Das Märchen vom christlich-jüdischen Abendland

“do warden die iuden…mit gepürlicher peen des tods gestraft”: Pogrome in einer Darstellung der Schedel’schen Weltchronik aus dem Jahr 1493 Foto: commons.wikimedia.org

Eine Studie von David Nirenberg zeigt: Das Christentum war stets vom Kampf gegen die “Judaisierung” des Abendlandes geprägt. Dürfen wir unsere Kultur überhaupt noch “christlich-jüdisch” nennen?


Von Alan Posener|DIE WELT

Als Hannah Arendt 1933 aus Deutschland floh, widmete die Schülerin Martin Heideggers ihren ersten Essay dem Antisemitismus. Wie in ihrer späteren Arbeit über den Totalitarismus kritisierte die jüdische Denkerin die Vorstellung, der Antisemitismus sei etwas völlig Irrationales. Die Juden müssten sich fragen, warum sie von den Nazis als “Sündenböcke” auserwählt wurden. Ihre “Verhaftung” für die Ideologie, der sie zum Opfer fielen, lag – so Arendt – in den “speziellen Funktionen”, die sie im Kapitalismus ausübten: “Alle ökonomischen Statistiken beweisen, dass die deutschen Juden nicht zum deutschen Volk gehörten, höchstens zu seiner Bourgeoisie.”

Nun, die Statistiken, die Arendt heranzog, waren oft den Werken nationalsozialistischer Ökonomen entnommen. Aber selbst wenn es stimmte, wovon auch Theodor Adorno und Max Horkheimer bei ihren Erklärungsversuchen für den Antisemitismus ausgingen, dass Juden vor allem in der “Zirkulationssphäre” des Kapitals tätig waren: Wieso wurden nur sie zu Sündenböcken, und nicht die “Bourgeoisie” oder das “Finanzkapital” insgesamt?

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Experten: Religionen werden im Nahen Osten für Kriege missbraucht

Bild: nationalreview.com

Bild: nationalreview.com

Mit Glaubenskonflikten werden im Nahen Osten Experten zufolge immer wieder wirtschaftliche und politische Kriegsgründe verschleiert.


evangelisch.de

“Die Religionen werden benutzt, um die Kriege dort zu legitimieren”, sagte der langjährige Nahost-Korrespondent Jörg Armbruster am Mittwochabend in Hannover. “Menschen lassen sich durch Glaubenskonflikte einfach leichter gegeneinander aufwiegeln als durch politische Einflusszonen und wirtschaftliche Interessen”, sagte der frühere Leiter des ARD-Studios Kairo. Er sprach bei einer Podiumsdiskussion der evangelischen Hanns-Lilje-Stiftung über die Christenverfolgung in der Region.

So werde etwa der innerislamische Gegensatz zwischen Sunniten und Schiiten bei den Konflikten im Irak, in Syrien und im Jemen vorgeschoben. Tatsächlich gehe es bei all diesen Kämpfen jedoch um den machtpolitischen Konflikt zwischen Saudi-Arabien und dem Iran, erläuterte Armbruster. Beide Regionalmächte konkurrierten um die Kontrolle wichtiger Öltransport-Routen wie die Straße von Hormus und um die geopolitische Vormachtstellung im gesamten Nahen Osten.

Erika Steinbach hetzt gegen die Homo-Ehe

Getty Images

Erika Steinbach ist bekannt als eine der letzten prominenten Konservativen innerhalb der CDU. Deshalb wundert es auch nicht, dass sich die Politikerin aus Hessen gegen die Homo-Ehe sträubt. Und wie es sich für eine echte Konservative gehört, ist es für sie nicht weiter relevant, ob sich die gesellschaftlichen Realitäten geändert haben oder nicht.


Von Sebastian Christ|The Huffington Post

Es gibt beispielsweise nur noch ganz wenige Journalisten in Deutschland, die tatsächlich glauben, dass heterosexuelle Lebensgemeinschaften den „besonderen Schutz des Staates“ genießen sollten. Einer davon ist Ralf Schuler, und er arbeitet bei der „Bild“-Zeitung.

Zitat aus seinem jüngsten Kommentar: „Andere Lebensformen sind anders. Wir sollten uns in unseren Unterschieden respektieren, nicht durch oberflächliche Gleichmacherei. Wer alle Autos Mercedes nennt, schadet dem Mercedes und hilft den anderen nicht.“

Steinbach und die Homo-Ehe

Anders ausgedrückt: Schuler glaubt, dass die heterosexuelle Ehe eine gepflegte Luxuskarosse aus der hellen Vorstadt ist, und die Homo-Ehe ein klappriger Kleinwagen aus dem düsteren Schwulenviertel.

Erika Steinbachs Reaktion? „Hervorragender Kommentar“, ließ sie ihre Twitter-Follower wissen.

Thomas Maschke, einem offen schwul lebenden Mitarbeiter der Grünen-Fraktion im Bundestag, sah das ein wenig anders. Seine Antwort kann so für sich stehen bleiben. Sie legt die gesamte Ignoranz bloß, die viele CDU-Politiker haben, wenn es um die Anerkennung anderer Lebensentwürfe geht.

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Vatikan: Intoleranz und Diskriminierung im Internet bekämpfen – dann fangt mal an

Paul Tighe – AFP

Der Heilige Stuhl wendet sich gegen einen Missbrauch des Internets zu Zwecken der Ausbeutung und Herabwürdigung von Menschen. Über das Netz werde heute in vielfältiger Weise Diskriminierung und Gewalt gefördert, sagte der Sekretär des Päpstlichen Rates für Soziale Kommunikationsmittel an diesem Mittwoch beim Weltgipfel zur Informationsgesellschaft in Genf.


Radio Vatikan

Deshalb lade der Heilige Stuhl „alle dazu ein, das Verbreiten von Worten und Bildern zu vermeiden, die Menschen herabwürdigen, Hass und Intoleranz fördern, die Würde und Intimität der menschlichen Sexualität verletzten oder die Schwachen und Verletzlichen ausbeuten“, so Paul Tighe. Die Tagung widmet sich den Chancen und Risiken der Informationsgesellschaft. Der Vatikan hatte bereits mehrfach zum Kampf gegen Pornografie im Internet aufgerufen.

Neue Medien können aus Sicht des Vatikans eine wichtige Rolle in der Lösung globaler Problem spielen. Viele der größten Zukunftsbedrohungen vom Klimawandel bis Nahrungsmittelkrisen und von Krieg und Terrorismus bis hin zu Kriminalität seien nur im Dialog und durch gemeinsame Strategien zu bewältigen, so Tighe. Digitale Netzwerke besäßen ein Potenzial zur Förderung der Solidarität unter den Menschen.

 

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Burschenschaften: Sexistisch, national, rassistisch und religiös

Rechte Burschenschaftler prägen das Bild der Studentenverbindungen. (Foto: Stephan Rumpf)

  • An diesem Donnerstag findet das jährliche Treffen der Deutschen Burschenschaft statt. Mitglieder anderer Studentenverbindungen befürchten, dass es wieder zu rechtsextremen Äußerungen kommen könnte.
  • Obwohl der Dachverband Deutsche Burschenschaft nur einen kleinen Teil der Studentenverbindungen vertritt, prägt er das Image der Organisationen.
  • Gegner, wie zum Beispiel der Dachverband der Asten, kritisieren die Verbindungen als sexistisch und rassistisch. Sie fordern die Auflösung aller Studentenverbindungen.


Von Johann Osel|Süddeutsche.de

Neulich haben sie ihm die Mütze vom Kopf geklaut, mitten in Heidelberg. Da war Richard Dören mit Brüdern seiner Studentenverbindung auf dem Weg zu einem Gottesdienst. Ein Radfahrer, berichtet er, dann ein überraschender Schlag von hinten, und die schwarz-orangefarbene Kopfbedeckung war weg. Dören, ein Schlaks Anfang zwanzig, erzählt den Vorfall im prächtigen Königssaal des Heidelberger Schlosses, dort trifft sich der Cartellverband (CV) der katholischen Studentenverbindungen, zu dem seine Heidelberger Ferdinandea gehört. Und da hört man auch Sachen, die den radelnden Mützendieb wie eine Lappalie erscheinen lassen: Farbbeutelattacken auf Verbindungshäuser, Pöbeleien und Angriffe, einmal sollen bei einem Treffen die Auto-Nummernschilder der Teilnehmer im Netz veröffentlicht worden sein. Aufforderung: Bitte demolieren! Antifaschisten sind da oft wenig zimperlich.

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Astrophysikalischer Kreationismus

Expansion des Universums und Entwicklungsstadien als Modell (Bild: NASA / WMAP Science Team, Public Domain)

Expansion des Universums und Entwicklungsstadien als Modell (Bild: NASA / WMAP Science Team, Public Domain)

Der kanadische Astrophysiker und Theologe Hugh Ross (White Rock/Provinz British Columbia) hält den Streit von Christen über die Dauer der Schöpfung Gottes für überflüssig. Einerseits gibt es Christen, die den biblischen Bericht über die Erschaffung der Welt in sechs Tagen wörtlich so deuten, dass es sich um Tage von jeweils 24 Stunden gehandelt habe.


kath.net

Sie gelten als Vertreter einer „jungen Erde“. Andere – die Repräsentanten einer „alten Erde“ – verstehen unter den Tagen einen Zeitraum von unbestimmter Dauer, so dass die Schöpfung auch Tausende oder Millionen Jahren gedauert haben kann. Das würde mit den Erkenntnissen der Naturwissenschaft übereinstimmen. Ross vertritt unter anderem in seinem jetzt erweiterten Buch „A Matter of Days“ (Eine Sache von Tagen) die Ansicht, dass es zwischen der Bibel und der Naturwissenschaft keine Konflikte wegen des Alters des Universums geben müsse. Schon gar nicht sollten sich Christen wegen unterschiedlichen Auffassungen in dieser Frage gegenseitig den Glauben absprechen.

„Ein Tag“ kann vieles bedeuten

Ross ist überzeugt, dass die Bibel „wahre und vertrauenswürdige“ Berichte über die Schöpfung enthält. Das hebräische Wort für Tag könne aber unterschiedliche Bedeutungen haben: ein Teil des hellen Tages, der gesamte helle Tag, die Zeit von Abend zu Abend und eine nicht näher bestimmte lange, aber endliche Zeit.

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Wenn parteinahe Stiftungen islamische Strukturen schaffen

Die CDU nahe Konrad Adenauer Stiftung © MiG

Muslimisches Forum Deutschland. Unter diesem Namen wollen “Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens” der “Mehrzahl der in Deutschland lebenden und bisher nicht vertretenen Muslime Gehör verschaffen”. Initiiert wurde das Forum von der CDU nahen Konrad-Adenauer-Stiftung.


Von Canan Topçu|MiGAZIN

Die Idee für das Ende April in Berlin gegründete Forum stammt von dem Psychologen und Islamismus-Experten Ahmad Mansour. Angeschlossen haben sich ihm bisher 15 Personen, “die beruflich, biographisch und privat mit dem Themenspektrum des Islams befasst sind”. Ein Motiv zum Mitmachen lautet, die Deutungshoheit über den Islam in Deutschland nicht den etablierten islamischen Verbänden zu überlassen.

Gründungsmitglieder sind prominente Muslime wie die Islamwissenschaftlerin Lamya Kaddor und der Theologe Mouhanad Khorchide, aber auch weniger bekannte Personen. Nicht alle Erstunterzeichner des Netzwerks sind Muslime, die Journalistin Düzen Tekkal etwa ist Jezidin.

Eben diese Zusammensetzung wirft bei Kritikern die Frage auf, warum Nicht-Muslime in einem Gremium mitwirken, das sich auf politischer Ebene an Diskussionen etwa über islamische Theologie und die religiöse Praxis von Muslimen beteiligen möchte. Die Forumsmitglieder haben darüber intensiv diskutiert und sich bewusst dafür entschieden, auch Nicht-Muslime aufzunehmen, da das Thema Islam ein “gesamtgesellschaftliches” sei. “An der Deutschen Islamkonferenz, vom Bundesinnenminister ins Leben gerufen, nehmen ja auch nicht nur Muslime teil”, heißt es dazu aus dem Forum.

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Pietro Parolin zur Homo-Ehe: Lauter als der Papst

Premierminister des Papstes – aber auch dessen Sprachrohr? Pietro Parolin (Foto: dpa)

Pietro Parolin nennt das irische Ja zur Homo-Ehe “eine Niederlage für die Menschheit”. Nun fragen sich viele, ob da nur der Staatssekretär des Vatikans redet – oder etwa auch der Papst?


Von Oliver Meiler|Süddeutsche.de

Wenn einer wie Pietro Parolin einmal redet, lohnt es sich, genau hinzuhören. Der Staatssekretär des Vatikans, gewissermaßen Papst Franziskus’ Premierminister, ist ein Mann weniger, bedacht gewählter Worte. Das hat viel mit dem Werdegang des Kardinals aus Vicenza zu tun: Der Norditaliener war lange Zeit Diplomat des Kirchenstaats, verhandelte mit barocken Potentaten und harten Regimes. Seine Dialogfähigkeit gilt als sprichwörtlich, als seine herausragendste Tugend gar.

Und so lässt nun eine Stellungnahme des Vorsitzenden der Kurie besonders aufhorchen: Bei einer Preisverleihung im Palazzo della Cancelleria, einem päpstlichen Palast in Rom, reagierte Parolin erstmals auf das deutliche irische Ja zur Homo-Ehe – drei Tage nach der Volksabstimmung. Es war also genügend Zeit verstrichen fürs Kalibrieren der Worte. “Ich war sehr traurig über das Ergebnis”, sagte Parolin, “und ich denke, dass das nicht nur eine Niederlage für die christlichen Prinzipien ist, sondern eine Niederlage für die Menschheit.”

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Evangelikale in Brasilien: Rinder, Bibel und Gewehrkugeln

Themenbild

Evangelikale Politiker wollen traditionelle Familienwerte in Brasilien stärken. Gemeinsam mit der Null-Toleranz-Fraktion und den Agrariern nutzen die Religiösen den Rechtsruck im Parlament.


Von Andreas Behn|evangelisch.de

Parlamentspräsident Eduardo Cunha nimmt kein Blatt vor den Mund. Die “Schwulen-Ideologie“ müsse in Brasilien zurückgedrängt und traditionelle Familienwerte endlich wieder aufgewertet werden. Der stramm rechte Politiker nutzt seine Machtposition, um seit Jahresbeginn eine moralische Wende in Brasilien einzuleiten. Abtreibung soll grundsätzlich verboten werden, ein neues Statut soll ausschließlich die Beziehung von Mann und Frau als Familie definieren. Was andere als Komik bezeichnen würden, will Cunha allen Ernstes in Gesetzesform gießen: Eine sogenannte “Hetero-Phobie“ soll unter Strafe gestellt und ein “Tag des Hetero-Stolzes” ähnlichen Initiativen der Schwulenbewegung entgegengestellt werden.

Cunha, aktives Mitglied der Pfingstkirche “Assembleia de Deus”, symbolisiert den Rechtsruck im brasilianischen Kongress und den zunehmenden Einfluss evangelikaler Politiker. Obwohl er der PMDB, einer Koalitionspartei der Regierung angehört, betreibt er offen Oppositionspolitik gegen die Mitte-Links-Präsidentin Dilma Rousseff. Im vergangenen Oktober war Rousseff für eine zweite Amtszeit gewählt worden, doch machen ihr die Dissidenten an der eigenen Basis das Regieren schwer.

Die parteiübergreifende Fraktion der Evangelikalen stellt mittlerweile 75 Abgeordnete, das sind fast 15 Prozent der Parlamentssitze. Um Mehrheiten für konservative Gesetzesvorlagen zu zimmern, haben sich die Religiösen mit anderen Gruppen zusammengetan, die ebenfalls durch den Rechtsruck bei den Kongresswahlen Ende vergangenen Jahres gestärkt wurden. Zum einen die “Null-Toleranz-Fraktion”, die vor allem aus ehemaligen Polizisten und Soldaten besteht. Zum anderen die Agrarfraktion, die die Interessen der Großgrundbesitzer vertritt – gegen Kleinbauern und Indigene, die um ihre Landtitel kämpfen.

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Sexualkunde: Christliche Lehrer kritisieren Ministerientext

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Klar gegen ein Inkrafttreten des vom Unterrichtsministerium präsentierten Erlasses zur schulischen Sexualkunde hat sich der Verband “Christliche Lehrerschaft Österreichs” (CLÖ) ausgesprochen: Der neue Erlass sei im Vorfeld nicht kommuniziert worden, schränke Elternrechte bei der Sexualerziehung massiv ein und lasse “ideologische Vorstellungen von Erziehung” erkennen. Er könne deshalb “in der aktuellen Form nicht befolgt werden”, hieß es am Mittwoch in einer Aussendung der Bundesleitung der CLÖ, dem eigenen Angaben zufolge österreichweit 23.000 Lehrer angehören.


kathweb

Der neue Erlass stelle eine “Entmündigung des privaten Eltern- und Erzieherrechts” dar und könne als “erster Schritt zu einer zwangsweise verstaatlichten Kindererziehung” gesehen werden, hieß es seitens der Christlichen Lehrerschaft. Versucht werde weiters, das Bild der klassischen Familie sukzessive aufzulösen und Absichten eines Gender-Mainstreamings umzusetzen, dessen Vertreter das biologische Geschlecht wie auch natürliche Geschlechterrollen abschaffen wollten. Problematisch sei auch, in der Vermittlung auf eine Zerstörung des Schamgefühls abzuzielen: Als Folgen drohten “Enthemmung auf allen anderen Gebieten, eine Brutalität und Missachtung der Persönlichkeit des Mitmenschen”, zitierte die CLÖ Sigmund Freud.

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Deutsche Polizei und Zusammenarbeit mit ägyptischen Islamisten

Präsident al-Sisi, Bild: businessinsider.com/bearb.:BB

Präsident al-Sisi, Bild: businessinsider.com/bearb.:BB

Ägyptische Polizisten beim DFB-Pokalfinale, Geheimdienstler zu Besuch beim Bundeskriminalamt und ein Expertenaustausch zur “Terrorismusbekämpfung” – die Bundesregierung will ihre Kooperation der Sicherheitskräfte mit Ägypten ausbauen. Daran gibt es im Vorfeld des Besuchs von Staatschef Al Sisi in Berlin massive Kritik.


Von Elisa Simantke, Mohamed Amjahid und Martin Gehlen|DER TAGESSPIEGEL

Eine Woche vor dem Staatsbesuch von Präsident Abdel Fattah al Sisi in Berlin wächst die Kritik an der Zusammenarbeit von deutschen und ägyptischen Sicherheitsdiensten, die die Bundesregierung trotz schwerer Menschenrechtsverstöße und haarsträubender Polizeiwillkür am Nil ausbauen will. Vertreter der Oppositionsparteien und Verteidigungsexperten kritisierten die Pläne als ein falsches Signal in der jetzigen Situation.

Was wird kritisiert?

Der menschenrechtspolitische Sprecher der Grünen, Tom Königs, sagte dem Tagesspiegel, die deutsche Außenpolitik müsse darauf abzielen, die Menschenrechtsverletzungen in Ägypten zu stoppen. „In Verbindung mit diesem Ziel kann die punktuelle Unterstützung ägyptischer Sicherheitskräfte sinnvoll sein, sofern sie der Rückkehr zum Rechtsstaat dient. Davon ist im Fall von Ägypten erstmal noch nicht auszugehen“, sagte Königs. „Deshalb halte ich eine Kooperation mit den ägyptischen Sicherheitsbehörden gegenwärtig für nicht sinnvoll.“ Verteidigungsexperte Otfried Nassauer kritisierte: „Eine solche Kooperation ist immer ein zweischneidiges Schwert. Die Politik macht sich selbst etwas vor, wenn sie glaubt, solche autokratischen Regime hätten ein ernsthaftes Interesse an Deeskalationsstrategien.“
Es gebe von Seiten des ägyptischen Regimes keinen echten Willen, den Polizeiapparat zu reformieren, argumentierte auch die grüne Bundestagsabgeordnete Franziska Brantner bei einem Besuch in Kairo. Stattdessen befinde sich die Polizei auf einem Rachefeldzug gegen Andersdenkende. Der Abgeordnete der Linken, Andrej Hunko, forderte, „die geplanten Kooperationen deutscher Polizeibehörden und Geheimdienste zu annullieren“

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Schwachsinn: Sachsen eröffnet gesamten Lutherweg

Bild:sachsen-anhalt-tourismus.de

Der Lutherweg gilt als das wichtigste touristische Projekt in Vorbereitung auf das Reformationsjubiläum 2017. Mit der Eröffnung der sächsischen Strecke ist nun auch das gesamte mitteldeutsche Wegenetz komplett.


evangelisch.de

Ein weiterer Schritt auf dem Weg zum Reformationsjubiläum 2017 ist getan: Am Mittwoch wurde der letzte Abschnitt des sächsischen Pilgerpfades auf den Spuren des Reformators Martin Luther (1483-1546) und seiner Weggefährten in Döbeln eröffnet. Auf rund 550 Kilometern Länge können Wanderfreunde nun insgesamt 27 Orte der Reformation in Sachsen entdecken. Zugleich ist mit der Eröffnung des sächsischen Lutherweges das insgesamt rund 2.000 Kilometer lange Wegenetz in Mitteldeutschland komplett.

Auch Sachsen sei neben Sachsen-Anhalt und Thüringen ein “Mutterland der Reformation”, sagte Sachsens stellvertretender Ministerpräsident Martin Dulig (SPD). Mit dem Lutherweg könnten nicht nur Orte besucht werden, “von denen aus die Reformation ihren Weg in die Welt angetreten” habe. Das Projekt diene zudem der regionalen Belebung und werde Gäste aus Nah und Fern anlocken. Die spirituelle Wanderung ohne eindeutiges Ziel sei zudem für jeden eine “Einladung zum Nachdenken”, sagte Dulig.

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If You’ve Wondered Why So Many Politicians Deny Climate Change, Science Has Your Answer

Sen. James Inhofe, R-Okla., one of the Senate’s most high-profile deniers of climate science. CREDIT: AP Photo/J. Scott Applewhite

Scientists have known for a long time what’s causing current climate change. What’s been less clear is why so many U.S. politicians aren’t listening.
Sure, there’s been falsely balanced media coverage of climate science. And there are both financial and ideological incentives to deny that carbon emissions are causing the phenomenon.


By Emily Atkin|ClimateProgress

But according to new research published in Nature Climate Change, there’s at least one statistically proven reason why more than 56 percent of Congressional Republicans deny climate change: echo chambers.

The term “echo chambers” traditionally refers to situations where people surround themselves with information they want to hear, and block out the rest. We’ve known for a while that these present themselves in climate politics; A 2014 study suggested that the reason Americans haven’t fully accepted the scientific consensus on climate change is because of echo chambers like Fox News, where conservative viewers are “exposed only to content consistent with their opinions, while shielded from dissenting views.”

The study published Monday, however, looked at how echo chambers specifically affected members of Congress and the people who influenced them during the 2010 debate over cap-and-trade. And what it found was that the presence of echo chambers only impeded scientific debate when they appeared on the side that denied the science of human-caused climate change. That’s because those echo chambers relied on significantly fewer pieces of peer-reviewed science to make their claims that carbon emissions were not worth limiting.

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Mittelmeer: “Jedes Kriegsschiff wird einen Warnschuss abgeben”

Bild: Noborder Network/CC-BY-4.0

Alexander Graf von Lambsdorff über den Kampf gegen Schlepperbanden, alte Souveränitätsgedanken sowie den Streit um eine EU-Quote für Flüchtlinge


Von Manuel Schumann|TELEPOLIS

Mit welchen drei Adjektiven würde Sie die Flüchtlingspolitik der EU-Staaten der vergangenen Jahre auf den Punkt bringen?

von Lambsdorff: (überlegt) Zögerlich, halbherzig, verantwortungslos.

Seit Jahresbeginn sind im Mittelmeer 30 Mal mehr Flüchtlinge gestorben als im gleichen Zeitraum 2014. Die EU hat kürzlich angekündigt, das Geld für die Seenotrettung zu verdreifachen und verstärkt gegen Schlepper vorzugehen – unter anderem sollen deren Boote zerstört werden. Betreiben die Staaten Symbolpolitik?

von Lambsdorff: Leider ja. Auch Bundesinnenminister de Maizière betont ja bei jeder sich bietenden Gelegenheit vollmundig, die Schlepperbanden bekämpfen zu wollen. Was fehlt, sind konkrete Bilanzen und Erfolge. Der politische Wille, gegen diese Kriminalität vorzugehen, muss steigen und es muss dann organisatorisch auch umgesetzt werden. Der Haushalt von Frontex beispielsweise ist mit 90 Millionen Euro geradezu lächerlich klein – das deutsche Innenministerium, nur einmal zum Vergleich, hat einen Haushalt von sechs Milliarden, also 6000 Millionen Euro.

Militärisch gegen Schleuserboote vorgehen – wie genau muss man sich das vorstellen?

von Lambsdorff: Es gibt die berühmte Redensart “Einen Schuss vor den Bug geben”. Klar ist: Jedes Kriegsschiff wird zunächst einen Warnschuss abgeben, selbstverständlich nachdem die Besatzung sich versichert hat, dass sich auf dem Schlepperboot keine Flüchtlinge mehr befinden.

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FDP-Vize Suding attackiert Vatikan wegen Homo-Ehe: “Völlig absurd und weltfremd”

dpa

Keine Frage, dem Vatikan missfiel das Ergebnis der irischen Volksabstimmung über die Homo-Ehe. “Ich glaube, man kann nicht nur von einer Niederlage der christlichen Prinzipien, sondern von einer Niederlage für die Menschheit sprechen”, zitierte Radio Vatikan Kardinal-Staatssekretär Pietro Parolin.


Von Jan David Sutthoff|The Huffington Post

Ein Zitat, dass man so nicht stehen lassen kann. Die stellvertretende FDP-Bundesvorsitzende Katja Suding übt heftige Kritik: “Die Äußerungen aus dem Vatikan sind völlig absurd und zeugen von Weltfremdheit”, sagte Suding der Huffington Post.

“Christliche Werte wie Fürsorge, Vertrauen, Respekt und Partnerschaft sind keine Frage der sexuellen Orientierung. Es bleibt zu hoffen, dass die katholische Kirche nach dem Referendum in Irland umdenkt und sich der gesellschaftlichen Realität öffnet.“

“Solche Prozesse brauchen Zeit”

Das ist ein großer Wunsch. Grünen-Chef Cem Özdemir hat im HuffPost-Interview gesagt: “Solche Prozesse brauchen in einer Institution mit 2000 Jahren Geschichte eben leider Zeit.”

Das ist eine sehr diplomatische Bewertung der Dinge. Aber im Kern ist sie leider wahr.

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Witze mit Auschwitz: Im Land der Missverständnisse

Noch so ein dauermissverstandener Autor: Martin Walser.

Warum Witze mit Auschwitz keine sind. Und warum man für sie in Deutschland dennoch jede Menge Follower bekommt.


Von Sonja Vogel|taz.de

„Vergasen sollte man diese Mistviecher. Wisst ihr noch, wie die Juden nach Auschwitz transportiert wurden? Man sollte die Zugführer alle dorthin bringen.“ So hatte in der vergangenen Woche Julien Sewering auf seinem YouTube-Kanal den Streik der GDL kommentiert. Für jene, die das überhaupt nicht lustig fanden, erklärte er: War nicht wortwörtlich so gemeint, sondern „schwarzer Humor“. Offensichtlich kommt eine ganze Generation ohne Humor aus, denn der Typ hat 1,2 Millionen AbonnentInnen.

Vor Jahren habe ich mal ein Praktikum bei einem Magazin gemacht. Dort gab es eine Regel: Auschwitz wird nicht getrennt. Heraus kommt nämlich ein Ausch-Witz – und der ist immer schlecht. Man tut gut daran, sich nach dieser Regel zu richten. Der Witz über Auschwitz nämlich, genauso wie das Wortspiel mit „Vergasen“ (etwa das NPD-Plakat „Gas geben“), ist ohne doppelten Boden, ohne subtile Verstellung: primitiv, brutal, antisemitisch. Nicht witzig. Simple as that.

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Argumente gegen Homo-Ehe sind lachhaft

cartoon-herzDie Iren haben mit ihrer Entscheidung, die Ehe für Homosexuelle zu öffnen, die Diskussion in Deutschland zu dem Thema befeuert. Doch die große Koalition will sich aus der Verantwortung stehlen. Ein Kommentar.


Von Björn Seeling|DER TAGESSPIEGEL

Eigentlich ist das, was hier jetzt folgt, völlig überflüssig. Denn es gibt kein einziges nachvollziehbares Argument, warum die Ehe nicht für Lesben und Schwule zu öffnen ist. Es wird niemandem etwas weggenommen, dafür aber vielen etwas gegeben. Das müssen sich wohl insgeheim auch CDU-Konservative eingestanden haben. Denn sie wehren sich, offenbar verwirrt durch die Entscheidung im katholischen Irland, mit dem lachhaften Argument gegen die Homo-Ehe, dass man sich an den Koalitionsvertrag der großen Koalition im Bund halten müsse: In dem sei nichts dazu vereinbart worden.

Peinlich ist, wie die SPD dagegenhält. Sie barmt, dass mit der CDU bei dem Thema nichts zu machen und bastelt pro forma ein bürokratisches Konstrukt, das die eingetragene Lebenspartnerschaft von einer Homo-Ehe light in eine Homo-Ehe medium wandeln soll, aber im Grunde die Diskriminierung von gleichgeschlechtlichen Partnerschaften fortschreibt.

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