Kirchliche Strukturen begünstigen Täter

Der katholische Pastoraltheologe Wolfgang Beck fordert unabhängige Instanzen, die den Missbrauch fördernde kirchliche Strukturen durchleuchten sollen. „Es gibt in der katholischen Kirche Strukturen, die solches Leid und den Schutz von Tätern begünstigen“, sagte Beck im Wort zum Sonntag in der ARD mit Blick auf den massenhaften körperlichen und sexuellen Missbrauch bei den Regensburger Domspatzen und in anderen kirchlichen Einrichtungen.

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„Solch ein Gemenge lässt sich wohl nur austrocknen“ mit unabhängigen Instanzen, die alle Amtsstrukturen durchleuchteten, sagte Beck, der bis 2015 Pfarrer in Hannover war und jetzt an der theologischen Hochschule Sankt Georgen in Frankfurt und am Priesterseminar in Hildesheim lehrt.

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Von italienischen Soldaten und Domspatzen

In der Samstagsausgabe des „Osservatore Romano“, der amtlichen Tageszeitung des apostolischen Stuhls, setzt man sich mit dem Abschlussbericht des Sonderermittlers, zur Gewalt bei den Regensburger Domspatzen, auseinander.

Die Autorin des Artikels,Lucetta Scaraffia, Historikerin und Mitglied des nationalen italienischen Bioethik-Komitees schreibt

„Die Angewohnheit, die katholische Kirche als Quelle aller Übel zu bezeichnen, ist schon Teil der Alltagserfahrung und bereitet die öffentliche Meinung darauf vor, das für normal zu halten“

Es gäbe eine extreme Strenge gegenüber der Institution Kirche. Als Beispiel für das Gesagte führt Scaraffia uns in das Jahr 1980. Das italienische Militär wurde durch einen Skandal, Aufnahmerituale in einer römischen Kaserne mit sexueller Gewalt, erschüttert. Ein kürzlich publizierter Bericht hatte keine öffentliche Empörung ausgelöst.

Unstrittig ist, solche Aktionen kommen vor, nicht nur in der italienischen sondern auch in der deutschen Armee. Die Konsequenzen sind aber andere. Mit Bekanntwerden derartiger Vorfälle wird in der Regel die zuständige Staatsanwaltschaft eingeschaltet, welche die Sachverhalte hinsichtlich ihrer strafrechtlichen Relevanz prüft. Selbst wenn die strafrechtliche Relevanz nicht gegeben sein sollte kommen immer noch disziplinarrechtliche und personelle Konsequenzen zum tragen. Vorgesetzte, die Ereignisse solcher Art vertuschen helfen sind die längste Zeit Vorgesetzte gewesen.

Und nun zu den Domspatzen, ein Zusammenhang zwischen den Ereignissen in der italienischen Armee und den Domspatzen gibt es nicht und ist wohl auch nicht die Intention der Autorin, es ist der unredliche Versuch die katholische Kirche weiß zu waschen. Gewalt bei den Domspatzen, einschließlich des sexuellen Missbrauchs ging von kirchlichen Würdenträgern aus. Priestern, die im dreistufigen Weihesakrament der katholischen Kirche zwischen Diakon und Bischof stehen. In der Nachfolge der Apostel ist die Aufgabe des Priesters die Verkündigung des Evangeliums und die Spendung der Sakramente, insbesondere die Leitung der Eucharistiefeier. Der Priester handelt dabei „in persona Christi“. Die Weihe verleiht also eine besondere Verbundenheit mit Christus.  Der erste Unterschied zwischen den Vorkommnissen in der italienischen Armee und den Domspatzen liegt im Alter der Beteiligten, Soldaten sind in der Regel volljährig, die Chorknaben des Bistums Regensburg waren Kinder, Jugendliche, die der Gewalt eines Würdenträgers ausgesetzt waren. Handelte der Priester, Chorleiter im Namen Jesu um seine cholerischen Neurosen zu pflegen und ist „Kinder ficken“ ebenso sanktioniert? Erwachsenen ist schnell klar, das die Antwort nein lautet, bei Kindern sind solche Kenntnisse nicht unbedingt gegeben. Ein Stühle werfender Apostolischer Protonotar, der zu päpstlichen Familie gehört, noch dazu  Träger des Großen Verdienstkreuzes des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland ist eine Respektsperson, in Deutschland spricht man solche Leute mit „Hochwürdigster Herr Prälat“ an, solcher Firlefanz vergangener Zeiten würde mir nicht über die Lippen kommen, es gibt ja immer noch Zeitgenossen die sich in der Vergangenheit wohl fühlen.

Zweitens die katholische Kirche, die unfähig ist den Missbrauchsskandal aufzuarbeiten, sich aber tagtäglich neu als moralische Instanz generiert, hat versagt. Die angeblich verkündete Liebe des Gottessohns entpuppt sich bei geweihten Priestern als Deckmantel für Choleriker und und sexuellen Fantasien, die man mit Kindern und Jugendlichen auslebt. Das Versagen ist institutionell und trennt die Kirche von Gewalt im weltlichen Leben. Die Kirche selbst beansprucht für sich naturrechtlich über der Welt zustehen. Politische Konsequenzen muss sie dennoch nicht befürchten, die Politik schweigt und alle Entscheidungsträger der Kirche gehen zur Beichte und sind mit ihrem Gott wieder im Reinen.
Es darf weiter verarscht werden.

 

Spiritualisierter Reichtum

Peter Brown Der Schatz im Himmel Aus dem Englischen von Michael Bayer und Karin Schuler Verlag: Klett-Cotta, Stuttgart 2017 ISBN: 9783608948493

Bereits in der Antike klaffte die Schere zwischen Arm und Reich weit auseinander. Jesus‘ überliefertes Gleichnis, wonach eher ein Kamel durch ein Nadelöhr geht als dass ein Reicher in das Reich Gottes gelangt, gibt Zeugnis davon. Ausgehend von diesem berühmten Wort bei Lukas 18,18-27 spürt der emeritierte Althistoriker Peter Brown der Frage nach, wie es die Christen in der Spätantike mit Wohlstand und Reichtum hielten.

Von Theodor Kissel | Spektrum.de

„Der Schatz im Himmel“ (englischer Originaltitel „Through the Eye of a Needle – Wealth, the Fall of Rome, and the Making of Christianity in the West, 350-550 AD“) erzählt auf mehr als 900 Seiten die Geschichte der ebenso „heidnisch“ wie christlich geprägten Welt des Römischen Reichs. Chronologisch zwischen 350 und 550 n. Chr. und geografisch auf den Bereich des westlichen Mittelmeerraumes bezogen, zeigt Brown auf, wie die ursprünglich der Armut verpflichtete Kirche zu Beginn des 5. Jahrhunderts zu einer wohlhabenden Institution wurde.

Money makes the world go round

Das Buch verwebt zwei Handlungsstränge. Der erste handelt von der ambivalenten Rolle des Christentums als einer Religion, die einerseits in der antiken Welt wurzelte und andererseits, als dominierende Religion im Westen des Römischen Reichs, maßgeblich zum Wandel der Antike beitrug. Der zweite Strang handelt vom Zusammenbruch der Zentralgewalt im 5. Jahrhundert und der Christianisierung Europas.

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Kanzleramt zieht Schließung der Roten Flora in Erwägung – Türkei ist demokratisch

Kanzleramtsminister Peter Altmaier Quelle: AP/Markus Schreiber
Kanzleramtsminister Peter Altmaier kündigt eine juristische Aufarbeitung der G-20-Krawalle in Hamburg an. Er denke auch über Konsequenzen für das Linksautonome Zentrum – der Roten Flora – nach. Eine Schließung würde im Bereich des Denkbaren liegen.

DIE WELT

Kanzleramtsminister Peter Altmaier (CDU) hat vor einer allzu pauschalen Verurteilung der Türkei gewarnt. „In der Region ist die Türkei eines der demokratischsten Länder“, sagte der CDU-Politiker der „Bild am Sonntag“. Erläuternd fügte er hinzu: „Und damit meine ich gar nicht Herrn Erdogan, sondern das Land und die türkische Gesellschaft insgesamt.“

Präsident Recep Tayyip Erdogan habe beispielsweise die Volksabstimmung über die Verfassungsänderung „nicht mit 90 Prozent gewonnen wie in Diktaturen üblich, sondern mit 51 Prozent“, gab Altmaier zu bedenken.

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Russlands Justiz stellt Zeugen Jehovas auf gleiche Stufe wie IS

Themenbild.

Berichten zufolge ist der Hauptgrund für das Verbot die von den Mitgliedern praktizierte Ablehnung des Wehrdienstes.

kath.net

Das Oberste Gericht Russlands hat die Berufung der Zeugen Jehovas gegen ihr Verbot abgelehnt. Der Einspruch der Glaubensgemeinschaft sei zurückgewiesen worden, teilte das Gericht am Montag mit. Wie das Portal „Newsweek“ am Dienstag berichtete, bestätigte das Gericht das „Zeugen“-Verbotsurteil von April, dem zufolge es sich bei der Religionsgesellschaft (in Österreich als solche seit 2009 gesetzlich anerkannt) um eine „extremistische Vereinigung“ handle. Die Mitglieder stehen damit auf der gleichen Stufe wie der „Islamische Staat“ (IS). Die Zeugen Jehovas kündigten den Gang zum Europäischen Menschenrechtsgerichtshof (EGMR) an. „Wir sind noch nicht am Ende“, sagte ihr Anwalt Viktor Jenkow.

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Missbrauchsskandal bei den Regensburger Domspatzen: Die sündige Kirche

Der Eingang zum Gymnasium der Regensburger Domspatzen. (dpa/Armin Weigel)
Der öffentliche Druck zu den Missbräuchen in der katholischen Kirche müssten, anhalten, kommentierte Joachim Frank im Dlf: Ansonsten würden diejenigen, die immer noch nichts verstanden hätten, wieder Oberwasser bekommen – wie etwa der ehemalige Präfekt der Glaubenskongregation Gerhard Müller.

Von Joachim Frank | Deutschlandfunk

Destruktiv, zerstörerisch war die katholische Kirche lange genug. Die Seelen ungezählter Kinder und Jugendlicher hat sie zerstört. Nein, nicht die Kirche als Ganzes. Wohl aber all jene Priester, Ordensleute, Seelsorger, die sich an Schutzbefohlenen vergingen, sie schlugen, misshandelten, sexuell missbrauchten.

Und die Kirchenoberen, die wegschauten, abwiegelten, sich um die Täter sorgten, noch mehr aber um die heilige Kirche. Das alles hatte System: Institutionenschutz vor Opferschutz. Schon deshalb ist es falsch und gefährlich, die Vergehen auf Einzelfälle und individuelles moralisches Versagen zu reduzieren.

Der am Dienstag vorgelegte Abschlussbericht zu den jahrzehntelangen Misshandlungen bei den Regensburger Domspatzen gibt erneut Zeugnis vom ganzen Ausmaß der Verwüstung im Raum der Kirche. Der Bericht ist besonders erschütternd, weil so viele Sänger des weltberühmten Chors zu Opfern wurden. 550 waren es über die Jahrzehnte.

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Are Liberal Christians The Most Dishonest Christians?

After the critique of Christian theology got underway in earnest in the West—beginning with Cherbury, Blount, and Toland in the seventeenth century; continuing with Voltaire, D’Holbach, Gibbon, Hume, Paine, Collins, Turner, and numerous others in the eighteenth century; continuing with Feuerbach, Shelly, Eliot, Schopenhauer, Nietzsche, Stanton, Bradlaugh, Ingersoll,

By J. H. McKenna, Ph.D | Humanist Plus

Robertson, and many others of the nineteenth century; and following up in the twentieth century with Twain, Freud, Russell, Kaufmann, Martin, and numerous others—some very smart (but intellectually dishonest) Christian theologians made a decision to dodge critiques by revising theology. This became known as revisionist or liberal theology, a tactic Sigmund Freud labeled ‘intellectual misdemeanor.’ Here’s the very latest USA tort language regarding the crime:

Perpetrators retain ancient theological terms while utterly redefining those terms and claiming that new definitions are not radically new versions of the terms but are linearly connected to ancient concepts.

That’s now a misdemeanor in any night court in America, with a $50 fine and 15 hours of community service. To show how the perps operate, let’s look at several ideas, beginning with the topper-most of the popper-most idea, God.

Liberal revisionist:  ‘God? Certainly I believe in God! But let me tell you what I mean by that.’

What follows by way of explanation and definition will be something you have never heard before in your life. It might be elegant—and even credible. But it is NOT linked in any linear way to the ancient idea of ‘God.’ It is really a radical break, a new idea.

‘God,’ the term, is retained but redefined out of all proportion to three thousand years of understanding about the concept of God. God is no longer the great personality of the Bible but is remade so as to escape the charge of anthropomorphism. God is converted into something like the Tao, a formless force that, while being analogous to what we experience as personality in human beings, is not a ‘person’ at all.

Certainly revisionists believe in God, but the word ‘God’ means something very different in the revisionist’s mouth.

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Geschichten vom Aussteigen: Ein Atheist in der Kirche

Foto: Friedemann Vetter
Florian Chefai war mal überzeugt, von einem göttlichen Wesen behütet zu sein. Heute ist er Vorsitzender eines atheistischen Vereins. Und geht häufiger in die Kirche als früher.

Von Adrian Froschauer | volksfreund.de

Da schleppt man einen Atheisten in die Kirche, und dann das: „Kommen Sie, ich zeige Ihnen den Kreuzgang, der ist wunderschön“, sagt Florian Chefai und eilt durch den Trierer Dom. Er erklärt, dass in der Orgel ein kleiner Teufel versteckt ist, der eine verstimmte Panflöte spielt. Dass man von einem bestimmten Punkt im Innenhof einen perfekten Blick auf mehrere verschiedene Baustile gleichzeitig hat. Dass eine Statue am Portal der Liebfrauenkirche das Judentum verkörpert: Augenbinde, schiefe Krone, die zehn Gebote rutschen aus der Hand, christlicher Antijudaismus, sehr problematisch. Chefai ist ein echter Kirchenexperte. Dabei kann er mit der Kirche gar nichts anfangen.

Als Kind ist Chefai ganz selbstverständlich davon überzeugt, dass es irgendwo ein höheres Wesen gibt, einen gutmütigen, allmächtigen Lenker. Ein Ausstieg aus der Religionsgemeinschaft steht gar nicht zur Debatte. Das Elternhaus im saarländischen Neunkirchen: „klassische Arbeiterfamilie“, sagt Chefai, nicht besonders gläubig, nicht besonders ungläubig. Man ist katholisch, weil man eben katholisch ist. Doch der junge Chefai ist fasziniert von den kirchlichen Prunkbauten, von den rätselhaften Riten, von den „großen Geschichten“, die er im Kommunionsunterricht hört.

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EKD-Kulturbeauftragter: NS-Relikte in Kirchen nicht verschweigen

Der Kulturbeauftragte der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Johann Hinrich Claussen, empfiehlt, Relikte aus der NS-Zeit in kirchlichen Räumen nicht zu verschweigen. „Kirchengemeinden tun gut daran, offen, klar und deutlich dieses Thema anzusprechen“, sagte Claussen dem Evangelischen Pressedienst (epd).

evangelisch.de

Im Streit über eine Adolf Hitler gewidmete Glocke im Turm der protestantischen Jakobskirche in Herxheim am Berg in Rheinland-Pfalz sei es sinnvoll, mit einer Plakette oder auf der Internetseite auf deren belastete Geschichte hinzuweisen.

Wenn es nicht möglich sei, einen Gegenstand mit NS-Vergangenheit aus kirchlichen Räumen zu entfernen, müsse man über ihn selbstkritisch und distanziert informieren, sagte der 53-jährige evangelisch-lutherische Theologe. Die evangelische Kirche werde ihre Scham darüber, mit dem Hitler-Regime verstrickt gewesen zu sein, nicht dadurch los, dass sie Objekte wie die Herxheimer Glocke verstecke. Kirchengemeinden und Kommunen sollten „keine Furcht davor haben“, Verantwortung auch für ihr fragwürdiges Erbe zu übernehmen.

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Die Basis der Kirche bröckelt leise

Gläubige im Dom St. Petri in Bautzen (Sachsen). (Foto: dpa)
  • Die Austrittszahlen in der evangelischen und der katholischen Kirche sind im vergangenen Jahr gesunken.
  • Dennoch treten immer noch weit mehr Menschen aus der Kirche aus als vor knapp zehn Jahren.
  • Durch den kleinen Babyboom in Deutschland gab es jedoch mehr Taufen, und auch die Einnahmen durch die Kirchensteuer liegen auf einem Rekordhoch.

Von Matthias Drobinski | Süddeutsche.de

Man kann die Zahlen positiv sehen: Das kirchliche Leben in Deutschland habe sich „im vergangenen Jahr als weitgehend stabil erwiesen“, erklärt erfreut die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD). Die evangelische und die katholische Kirche haben ihre Daten zum kirchlichen Leben veröffentlicht, im zweiten Jahr in ökumenischer Verbundenheit am gleichen Tag.

Tatsächlich sind die Austrittszahlen beider Kirchen gesunken: Verließen 2015 noch 210 000 Menschen die evangelische Kirche, waren es ein Jahr später nur noch 190 000. Bei den Katholiken gab es 2015 noch 182 000 Austritte und 2016 noch 162 000. 21,9 Millionen Menschen gehören nun der evangelischen Kirche an, 23,6 Millionen der katholischen; rechnet man noch die ungefähr drei Millionen freikirchlichen, orthodoxen und sonstigen Christen hinzu, sind 58,3 Prozent der in Deutschland lebenden Menschen Christen. Dass Deutschland einem „Prozess forcierter Entchristlichung“ ausgesetzt sei, wie Kardinal Gerhard Ludwig Müller in der italienischen Zeitung Il Foglio klagte, lässt sich mit diesen Zahlen nicht belegen.

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Münchner Theologe beklagt Personenkult um Luther

Im Jahr des Reformationsjubiläums dreht sich alles nur um Martin Luther und der Reformationsgedanke wird vollkommen vernachlässigt? Die Theologen Lauster und Gundlach beziehen Stellung

evangelisch.de

Einen Personenkult um den Reformator Martin Luther hat der Münchner Theologieprofessor Jörg Lauster beklagt. Dieser Personenkult in der evangelischen Kirche komme auch dadurch zum Ausdruck, dass ein Bild Luthers das Symbol für das gesamte Reformationsjubiläum geworden sei, sagte Lauster dem Evangelischen Pressedienst (epd). Dabei sei der Reformator den Menschen heute „in vielem erschreckend fremd“. Der Grund für den Personenkult sei, dass die evangelisch-lutherische Kirche als einzige Kirche den „Namen eines Menschen“ als Bezeichnung führt. Deshalb gab Lauster zu bedenken, ob die evangelischen Kirchen zum Reformationsjubiläum nicht auf den Zusatz „lutherisch“ hätten verzichten sollen.

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„Frauen sind in der katholischen Kirche schon weit gekommen“

Frauen in der katholischen Kirche – es gibt kleine Schritte nach vorne (picture-alliance / dpa / Riccardo De Luca)
Die Juraprofessorin Charlotte Kreuter-Kirchhof setzt sich dafür ein, dass mehr Frauen in kirchliche Führungspositionen kommen. „Wir haben an den Universitäten sehr viele hochqualifizierte Frauen“, sagte sie im Dlf, „da muss die Kirche zugreifen und sagen: Euch brauchen wir!“

Charlotte Kreuter-Kirchhof im Gespräch mit Christiane Florin | Deutschlandfunk

Christiane Florin: Morgen steht Maria von Magdala im Heiligenkalender, besser bekannt als Maria Magdalena. Jahrhundertelang galt sie als DIE Sünderin, zu Unrecht, wie man heute weiß. Im vergangenen Jahr hat Papst Franziskus sie in den Stand einer Apostelin der Apostel erhoben und ihren Tag, den 22. Juli, zum gebotenen Festtag aufgewertet. Im Jenseits macht die Gleichstellung von Mann und Frau Fortschritte. Im Diesseits – nun ja. Der Vorsitzende der deutschen Bischofskonferenz, Reinhard Marx, sagte kürzlich, es müsse mehr Frauen in kirchlichen Leitungspositionen geben.

Damit der fromme Wunsch Wirklichkeit wird, muss noch eine zweite Heilige eingreifen: Hildegard von Bingen. Ein Verein, nach ihr benannt, will etwas dafür tun, dass mehr Frauen in kirchliche Führungspositionen kommen. Er bietet ein spezielles Mentoring-Programm für angehende Chefinnen an, die ersten Absolventinnen gibt es seit wenigen Wochen. Charlotte Kräuter-Kirchof ist stellvertretende Vorsitzende des Hildegardis-Vereins, im Hauptberuf hat sie einen Lehrstuhl für Öffentliches Recht an der Universität Düsseldorf. Frau Kreuter-Kirchhof, was machen katholische Frauen bisher falsch, warum brauchen die besondere Hilfe?

Charlotte Kreuter-Kirchhof: Die machen gar nichts falsch, sondern im Moment ist es so, dass wir mit unserem Mentoring-Programm des Hildegardis-Vereins versuchen, Frauen zu ermutigen, Führungspositionen in der Kirche anzustreben. Und dass gleichzeitig die Kirche sozusagen die Arme öffnet und sagt: Wir wollen diese Frauen und wir wollen diese Frauen in Führungspositionen begleiten. Dass es im Moment noch nicht genauso viele Frauen wie Männer in Führungspositionen in der katholischen Kirche gibt, ist ehrlich gesagt kein rein kirchliches Phänomen, sondern das erleben wir ja in vielen Bereichen der Gesellschaft. Da machen wir uns auf den Weg, um Frauen Mut zu machen und zu sagen: Übernimm Verantwortung.

Florin: Was bezeichnen Sie als Führungspositionen in der katholischen Kirche?

Kreuter-Kirchhof:  Da muss man einen weiten Begriff nehmen. „Führungsposition“ ist für mich vor allen Dingen eine Gestaltungsmöglichkeit. Ein Bereich, in dem man selber Akzente setzen kann, Ziele mitbestimmen kann. Dann aber natürlich auch Personalverantwortung: dass man für andere Menschen Verantwortung übernimmt und mit einem Team gemeinsam den Weg bestimmt. Das gilt wohl in der katholischen Kirche, das gilt aber auch darüber hinaus in anderen Bereichen.

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Dodo Gloria von Thurn und Taxis relativiert Missbrauchsskandal

Bild. Süddeutsche.de

Gloria von Thurn und Taxis hat den Missbrauchsskandal bei den Regensburger Domspatzen relativiert. Auf die Frage, ob die Institution der Domspatzen den Missbrauch ermöglicht habe, sagte sie: „Das ist totaler Schmarrn.“ Die Opfervertreter reagieren mit Fassungslosigkeit.

Von Guido Fromm, Andreas Schrank | BR24

Am Rande der Regensburger Schlossfestspiele äußerte Gloria von Thurn und Taxis sich zum Skandal bei den Domspatzen – hier Auszüge aus dem Abschlussbericht – und sagte dem Bayerischen Rundfunk, dass auch sie als Kind geschlagen wurde. Die 57-Jährige relativierte dies zugleich mit einem Verweis auf andere Zeiten: „In meiner Jugend war Schläge ein ganz normales pädagogisches Mittel, um mit frechen Kindern, wie ich eines war, fertig zu werden.“ Gloria betonte auch, sie fände es unfair, heutige Maßstäbe auf frühere Dekaden anzuwenden. „Das geht nicht. Die Welt hat sich verändert.“

„Sexuellen Missbrauch gibt es überall“

Beim Thema sexueller Missbrauch wies sie darauf hin, dass dieser in vielen Bereichen geschehe. Es sei Aufgabe der Eltern, ihre Kinder darauf hinzuweisen. Auf die Frage, ob die Institution den Missbrauch ermöglicht habe, reagierte Gloria von Thurn und Taxis empört:

„Das ist totaler Schmarrn. Das ist einfach richtig gemein. In jeder Schule, in jedem Sportverein gibt es dieses Phänomen und das wird es auch immer geben. Man geht gerne auf die Kirche los und das ist ein gefundenes Fressen.“Gloria von Thurn und Taxis

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Kirchenaustritte 2016: 162.093 Katholiken, 190.000 Protestanten

Bild: tilly
Verantwortliche und Interessierte warten jedes Jahr mit Spannung auf die aktuellen Zahlen des kirchlichen Lebens. Am Freitag wurde die Statistik vorgestellt – und dürfte zumindest teilweise für Erleichterung sorgen. Katholisch.de präsentiert die wichtigsten Zahlen für 2016.

katholisch.de

Im zweiten Jahr in Folge ist die Zahl der Austritte aus der katholischen Kirche zurückgegangen. 2016 erklärten insgesamt 162.093 Menschen in Deutschland ihren Austritt, wie die Deutsche Bischofskonferenz (DBK) am Freitag in Bonn bekanntgab. Das entspricht einem Rückgang von ungefähr 10 Prozent gegenüber dem Vorjahr(2015: 181.925). Im Vergleich zum „Rekordjahr“ 2014 ist die Zahl der Kirchenaustritt gar um ein Viertel zurückgegangen. Fast unverändert war die Zahlen bei den Wiedereintritten (6.461; 2015: 6.474). Den größten Anteil der 2.574 Eingetretenen(2015: 2.685) stellten ehemals protestantische Konvertiten.

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Neonazi-Marine auf großer Fahrt

Das Schiff „Vos Hestia“ der NGO „Save the Children“ im Mittelmeer. Foto: rtr
Identitäre wollen im Mittelmeer Seenotretter sabotieren und Flüchtlingsboote blockieren. Argumentativ kommen ihnen konservative Politiker ungewollt zu Hilfe.

Von Melanie Reinsch | Frankfurter Rundschau

Vorm Himmelsblau flattert eine gelbe Fahne, am Horizont die Silhouette eines Tankers. Gemacht wurde das Foto auf der „C-Star“, einem Schiff, das Aktivisten der rechtsextremen „Identitären Bewegung“ gehört. Am Mittwoch haben die Kulturrassisten das Bild mit der Unterschrift „Auf dem Weg“ via Twitter verbreitet. Alles ganz harmlos? Dahinter steckt aber eine geschmacklose und gefährliche Idee.

Denn der Weg der „C-Star“ soll sie vor die libysche Küste führen, wo die Rechten dann eine selbstverordnete Mission mit Namen „Defend Europe“ starten wollen, „Europa verteidigen.“ Das steht auch auf den Hemden der Schiffsbesatzung.

Die Identitären wollen „Europa verteidigen“, indem sie Flüchtlingsboote auf dem Meer stoppen und die libysche Küstenwache alarmieren, damit die dann die Trawler, Pinassen und Schlauchboote aufbringt und die Migranten zurückschickt. Sie wollen zudem die vielen aktiven Hilfsorganisationen stören, wenn diese Geflüchtete aus Seenot retten.

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Abkehr von Kirchen hat tiefwurzelnde Gründe

Bild: tilly
Der stetige Mitgliederschwund der Kirchen in Deutschland hat aus Sicht des Religionssoziologen Detlef Pollack tiefer gehende Gründe als akuter Ärger über die Kirchensteuer oder Skandale.

Westfälische Nachrichten

«Die Kirchensteuer ist über Jahrzehnte eines der wichtigsten Motive, aus der Kirche auszutreten. Aber das kann man nicht isoliert sehen. Die Kirchensteuer wird von vielen als Belastung angesehen, weil sie sich schon komplett von der Kirche entfremdet haben», sagte Pollack der Deutschen Presse-Agentur. «Es ist der Tropfen, der das Fass zum Überlaufen bringt.» Auf einen Kirchenaustritt hätten aber vor allem langfristige Faktoren Einfluss.

«Der entscheidende Punkt ist, dass Eltern ihre Kinder heute viel weniger religiös erziehen und taufen lassen. Der wesentliche Abbruch erfolgt zwischen den Generationen», sagte Pollack. Es gebe für viele Menschen heute schlicht Wichtigeres als Religion. Für die Kirchen sei es wichtig, «die Kontaktflächen zur Gesellschaft» aufrechtzuerhalten – sei es bei der Hilfe in Katastrophenfällen oder bei der Flüchtlingsarbeit.

Katholische und Evangelische Kirche veröffentlichen am Freitag (12 Uhr) Zahlen zu Austritten und zur Mitgliederentwicklung. 2015 war die Zahl der Katholiken und Protestanten in Deutschland im Vergleich zum Vorjahr um über eine halbe Million auf rund 46 Millionen gesunken.

Experte: Zulässigkeit gentechnisch veränderter Jesus-Kekse klären

Jesus-Keks. Themenbild

Generalsekretär des Liturgischen Instituts, Freilinger: Vatikanische Richtlinie über eucharistisches Brot hat ethisch unbedenkliche Zulassung gentechnisch veränderter Organismen im Blick

kath.net

Aus den jüngsten vatikanischen Richtlinien kann keine volle Erlaubnis zur Verwendung von „gentechnisch veränderten Organismen“ (GVO) für Brot und Wein bei der Eucharistie abgeleitet werden. Das hat der Generalsekretär des Österreichischen Liturgischen Institutes, Christoph Freilinger, betont. Eine völlige Freigabe von genmanipuliertem Weizen oder gentechnisch veränderten Weintrauben für die Messfeier läge wohl nicht im Kompetenzbereich der vatikanischen Gottesdienstkongregation und erscheine zudem unter Papst Franziskus kaum denkbar. „Aber hier wäre durchaus noch eine ausdrückliche und eindeutige Klärung wünschenswert“, so der Theologe in einem aktuellen Beitrag in der Rubrik „mein.STAND.PUNKT“ auf der Internetseite „katholisch.at“.

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Christ hat vermutlich seine Tochter getötet, weil sie konvertieren wollte

Die 17-jährige Henriette Karra soll von ihrem Vater erstochen wurden sein Quelle: Screenshot Die Welt
Weil seine Tochter für ihren Freund zum Islam übertreten wollte, fühlte sich ein christlicher Israeli offenbar so gedemütigt, dass er seine Tochter erstach. Die Anklageschrift offenbart die Details des Familiendramas.

DIE WELT

Es geht um verletzte Gefühle, um Schande und offenbar auch um Religion: In Israel soll ein Vater seine Tochter getötet haben. Der christliche Israeli soll nicht damit einverstanden gewesen sein, dass die 17-Jährige mit einem Muslim zusammen war und für ihn zum Islam konvertieren wollte. Nun wurde Anklage gegen ihn erhoben.

Seit etwa einem Jahr hatte Henriette Kara eine Beziehung mit einem arabischen Israeli. In den Augen ihrer christlichen Familie war die Beziehung zu dem Muslim eine Schande. Das berichtet die „Washington Post“. Karas Freund saß im Gefängnis. Als ihr Vater am 13. Juni erfuhr, dass er freikommen und seine Tochter zum Islam konvertieren wolle, soll er sie erstochen haben.

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Die katholische Theologie wechselt an die Humboldt-Universität

Bibelforschung. Könnte die katholische Theologie in Berlin noch mehr als vier Professuren bekommen?FOTO: IMAGO/EPD/JENS SCHULZE
DFG-Präsident Peter Strohschneider: „Denken Sie groß.“ Eine Fakultät mit Protestanten scheint momentan ausgeschlossen.

Von Claudia Keller | DER TAGESSPIEGEL

Die Kirchen stehen gesellschaftlich so sehr unter Rechtfertigungszwang, dass sie sich bisweilen selbst nichts mehr zutrauen. Zum Beispiel in Berlin in der Debatte um die Zukunft der Theologien. Da braucht es Mutmacher von außen. Am Dienstagabend versammelte die Katholische Akademie namhafte Wissenschaftler aus ganz Deutschland, um über die Zukunft vor allem der katholischen Theologie in Berlin zu diskutieren. „Denken Sie groß“, forderte Peter Strohschneider, der Präsident der Deutschen Forschungsgemeinschaft, Erzbischof Heiner Koch auf.

„Die Theologien werden gebraucht“, sagte auch der Politikwissenschaftler Klaus Dicke aus Jena. Kunsthistoriker, Kultur- und Literaturwissenschaftler berichteten, dass sie ihre Studenten in theologische Grundkurse schicken, damit sie erfahren, „was das mit dem Lamm Gottes auf sich hat“. Auch Maria Bering, die bis vor kurzem in der Berliner Bildungsverwaltung für die Hochschulen zuständig war, wies nachdrücklich darauf hin, dass der Senat die Theologien „unter dem Dach der Humboldt-Universität“ stärken wolle.

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Biologistischer Populismus und die verankerte Inzuchthemmung

„Kinder benötigen ihre biologischen Eltern, um sich optimal entwickeln zu können. An erster Stelle steht das Wohl der Schutzbefohlenen; der Eltern-Egoismus darf nicht dominieren.“ Gastkommentar in Reaktion auf Pressevorwürfe.

Von Ulrich Kutschera | kath.net

Der HNA-Artikel „Staatlich geförderte Pädophilie: Kasseler Professor wettert gegen Homo-Ehe“ vom 17.07.2017 ist unsachlich und einseitig. Er soll daher durch den folgenden Kommentar ergänzt werden. Im kritisierten kath.net-Interviewwerden drei Sachverhalte thematisiert: Der Zusammenhang der neudeutschen Universal-Ehe mit der Gender-Ideologie (A), die biologischen Grundlagen des Mensch-Seins (B) sowie die Pädophilie (C).

A. Die Offenlegung der Tatsache, dass die „Ehe für alle“ eine Ausgeburt der von dem US-Psychologen John Money (1921–2006) begründeten Geschlechter-Ideologie ist, wird im Fachbuch „Das Gender-Paradoxon“ (1) ausführlich thematisiert. In diesem Text wird auch dargelegt, dass der kinderlose Urvater der „Frau-gleich-Mann-Glaubenslehre“, der sich selbst über sein verfehltes Baby-Kastrationsexperiment widerlegt hat, die Pädophilie befürwortete. Money beschimpfte die Kritiker seiner Gender-Irrlehre als „rechtsradikale Rassisten“ – wie es noch heute seine radikalfeministischen Nachfolger(innen) tun.

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