Archiv der Kategorie: Christentum

Radikaler Erzpriester Tschaplin: Putins Gotteskrieger

Erzpriester Wsewolod Tschaplin hetzt gegen Homosexuelle und Abtreibung. Damit ist er in Russland zum Medienstar geworden. Sein Wort hat Gewicht, auch im Kreml. Nun wirbt der Kirchenmann öffentlich für einen baldigen Krieg.


Von Pavel Lokshin|SpON

Wsewolod Tschaplin (links auf dem Bild) am 9. September 2012 vor der Christ-Erlöser-Kathedrale in Moskau. Bild: wikimedia.org/CC BY-SA 3.0

Ob TV-Sendungen, Radio-Shows oder Zeitungsinterview: Kein Geistlicher ist in Russland so präsent wie Erzpriester Wsewolod Tschaplin. Der 47-Jährige kümmert sich um die Öffentlichkeitsarbeit des Moskauer Patriarchats. Und er sucht selbst gern und oft die Öffentlichkeit. Mit strengem Bariton kanzelt er in Talkshows Atheisten und Kirchenkritiker ab. In seiner Radiosendung wettert er gegen Abtreibungen. Vergewaltigungen hält er für die Folge “unkeuscher” Kleidung der Opfer. Den Kreationismus preist er und empfiehlt ihn als Schulstoff. Tschaplin steht damit für den konservativen gesellschaftlichen Kurs, den der Kreml seit Wladimir Putins Rückkehr 2012 verfolgt. Interims-Präsident Dmitrij Medwedew (2008 bis 2012) sprach in seiner Zeit als Kreml-Chef noch von Modernisierung, Innovation und gesellschaftlicher Offenheit. Er hofierte Moskaus Bürgertum und ließ sich bei einem Besuch in Kalifornien vom damaligen Apple-Chef Steve Jobs ein iPhone schenken.

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Wsewolod Tschaplin: Orthodoxer Erzpriester im göttlichen Kriegswahn

Riss in der Nato: CSU will Patriot-Raketen aus der Türkei abziehen

Florian Hahn, CSU, Bild: csu.de
Der CSU-Militärexperte Florian Hahn fordert den Abzug der deutschen Patriot-Raketen aus der Türkei. Wegen der “Attacken gegen die Kurden” ist die CSU der Auffassung, dass Deutschland und die Türkei “immer weniger gemeinsame Ziele verfolgen”. Damit geht erstmals ein kleiner Riss durch die Nato: Diese hatte erst am Montag beschlossen, das Nato-Mitglied Türkei zu unterstützen.


Deutsch Türkische Nachrichten

Angesichts des türkischen Vorgehens gegen Kurden im Nordirak fordert der CSU-Verteidigungsexperte Florian Hahn einen Abzug der deutschen Bundeswehrsoldaten aus der Türkei. Es habe sich gezeigt, dass der Einsatz der Nato-Luftabwehrsysteme Patriot für den Schutz der Türkei nicht mehr notwendig sei, erklärte der sicherheitspolitische Sprecher der CSU-Landsgruppe im Bundestag am Mittwoch. Die Stationierung sei bisher ein “symbolisches Zeichen unserer Bündnistreue” gewesen, sagte Hahn. “Angesichts der aktuellen Entwicklungen müssen wir diesen Einsatz grundsätzlich überdenken.”

Die Bundeswehr hat etwa 100 Kilometer von der syrischen Grenze eine ihrer Patriot-Einheiten in der Türkei stationiert, um das Land vor Angriffen aus dem Nachbarland zu schützen.

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Forum deutscher Katholiken trifft sich im «wahren» Glauben

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Katholiken sind nicht gleich Katholiken. Und manche fühlen sich katholischer als andere. Dazu gehören vermutlich viele der Gläubigen, die sich vor 15 Jahren im Forum Deutscher Katholiken zusammengeschlossen haben. Sie versammeln sich Jahr für Jahr zum Kongress «Freude am Glauben».


Von Andreas Otto|kath.net

Auch jetzt wieder: von Freitag bis Sonntag in Fulda, wo das Treffen schon zum neunten Mal stattfindet. Hier wollen sie ihr Verständnis von Kirche pflegen. Und das durchaus in Abgrenzung etwa zu Katholikentagen, zum Zentralkomitee der deutschen Katholiken (ZdK) oder zu Initiativen wie «Wir sind Kirche».

Die Forums-Katholiken sehen sich als Bewahrer des rechten Glaubens. Ihr Kriterium dafür ist die volle Identifikation mit dem katholischen Katechismus, vor allem mit der Lehre über Ehe, Familie und Sexualmoral. Sex vor der Ehe, künstliche Verhütung, eine zweite Ehe, praktizierte Homosexualität oder gar ein Segen für gleichgeschlechtliche Paare, wie ihn das ZdK jüngst vorschlug – das alles geht für das Forum gar nicht. Auf Ablehnung stößt auch die Königsteiner Erklärung von 1968, in der die deutschen Bischöfe nach dem Nein der Enzyklika «Humanae vitae» zur Pille Eheleuten einen Gewissensspielraum bei der Entscheidung über Verhütungsmethoden einräumten.

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Missbrauchsprozess: Priester will Wiederaufnahme

Ein niederösterreichischer Ordenspriester, dem sexuelle Übergriffe gegen den erwachsenen Sohn einer befreundeten Familie vorgeworfen werden, strengt laut Medienberichten vom Mittwoch die Wiederaufnahme seines Prozesses an, um seine Unschuld beweisen zu können.


kathweb

missbrauch_katholDer Geistliche – er ist parallel zum laufenden Justizverfahren gemäß den Bestimmungen der Österreichischen Bischofskonferenz und der Superiorenkonferenz der Orden kirchlicherseits dienstfrei gestellt und exklaustriert – war am Dienstag am Landesgericht Wiener Neustadt zu drei Jahren und vier Monaten Haft verurteilt worden. Der Schuldspruch ist aber noch nicht rechtskräftig.

Bereits 2013 war der Priester wegen Vergewaltigung und geschlechtlicher Nötigung am Landesgericht zu vier Jahren Haft verurteilt worden. Der Oberste Gerichtshof (OGH) kippte danach Teile des Ersturteils und verwies die Causa an das Wiener Neustädter Gericht zurück, um die neue Strafhöhe zu klären. Jetzt bekam der Priester sechs Monate weniger Haft als beim ersten Urteil.

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Vatikan beendet Kooperation mit Stiftung von Bergbau-Milliardär

Der Vatikan hat sich aus einem vom australischen Milliardär und Minenbetreiber Andrew Forrest finanzierten Netzwerk gegen Menschenhandel und Zwangsarbeit zurückgezogen.


kathweb

John Andrew Henry Forrest. Bild: wikimedia.org/CC BY 2.0

“Wir wollen uns nicht instrumentalisieren lassen”, sagte der vatikanische Bischof Marcelo Sanchez Sorondo nach einem Bericht des Internetportals “Vatican insider” vom Mittwoch. Ein Geschäftsmann habe das gute Recht Geld zu machen. Dafür dürfe er jedoch nicht den Papst benutzen, so der Kanzler der Päpstlichen Akademien für die Sozialwissenschaften und die Wissenschaften. Deshalb sei man schon vor einiger Zeit aus dem interreligiösen “Global Freedom Network” ausgetreten.

Forrest hat sein Vermögen als Betreiber von Eisenerzminen im Nordwesten Australiens verdient. Vor einigen Jahren gründete er die “Walk-Free”-Stiftung zum Kampf gegen Menschenhandel und Zwangsarbeit.

Der Vatikan hatte im März 2014 mit dieser Stiftung die Schaffung des “Global Freedom Network” vereinbart. Im Dezember unterzeichnete der Papst im Rahmen dieser Zusammenarbeit mit prominenten Vertretern von Islam, Buddhismus, Hinduismus und Judentum im Vatikan eine viel beachtete gemeinsame Erklärung dazu. Der Argentinier Sorondo war im Leitungsgremium des interreligiösen Netzwerks.

Allmächtiger!: Käßmann warnt vor Missbrauch Gottes im Gebet

Für die Vernichtung der IS-Terroristen zu beten wäre nach Ansicht von Margot Käßmann “ein Missbrauch Gottes für eigene oder nationale oder ideologische Ziele”. Auch das Gebet, jemanden “auf den rechten Pfad” zurückfinden zu lassen, lehnte die evangelische Theologin ab.


evangelisch.de

Margot-KässmannDer “einzig gangbare Weg zu Zukunft und Frieden” sei hingegen die radikale Botschaft Jesu, für seine Verfolger zu bitten, sagte die Reformationsbotschafterin der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) der “Zeit”-Beilage “Christ und Welt”. Dieses Kontrastprogramm Jesu sei jedoch “schwer zu ertragen und kaum umzusetzen”, räumte Käßmann ein.

Auch Gebete, die Gott darum bitten, jemanden “auf den rechten Pfad” zurückfinden zu lassen, lehnte die evangelische Theologin ab. Solche Gebete seien “letzten Endes arrogant und allzu selbstgewiss”, sagte Käßmann. Sie plädierte dafür, Gott dafür zu danken, dass er Vielfalt erschaffen habe.

Trump will Sarah Palin in sein Team holen

Donald Trump fände es toll, wenn Sarah Palin bei einem Wahlsieg sein Regierungsteam verstärken würde. Die beiden Außenseiter der Republikaner hätten viel gemeinsam, sagte „The Donald“ in einem Interview.


Frankfurter Allgemeine

Dinosaur-PalinDonald Trump, der Kandidat der Republikaner für den Präsidentschaftswahlkampf im nächsten Jahr werden will, schmückt sich gerne mit seinem Außenseiter-Status. Außerdem ist der amerikanische Immobilienmogul überzeugt, dass nur er die notwendigen Qualifikationen habe, um die Vereinigten Staaten zu führen. Doch nun scheint er die Unterstützung eines anderen Außenseiters der Republikaner zu suchen: Sarah Palin.

In einer Radiosendung namens „The Palin Update“ sagte Trump auf die Frage, ob er als Präsident Palin um Rat fragen oder ihr sogar einen Posten anbieten würde: „Das wäre toll. Sie ist jemand, der weiß, was passiert. Sie ist eine ungewöhnliche Person. Ich denke die Leute wissen das, und sie hat eine Anhängerschaft, die unglaublich ist“, fuhr Trump fort. Palin habe eine Stärke, welche die anderen Kandidaten nicht hätten. Die anderen Bewerber seien „schwach“ und „ineffektiv“. Menschen mit Palins Stärke gebe es nicht mehr oft, so Trump.

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Bundestags-Sperrliste zensierte CDU.tv – nicht wegen Pornos

Im Bundestag sind bis zu 100.000 Webseiten dank der neuen Sperrliste der Bundesregierung nicht mehr zugänglich. Wir haben uns gefragt, wie die Sperrwarnungen wohl aussehen und haben diesen Screenshot zugeschickt bekommen:


Von Markus Beckedahl|Netzpolitik.org

Bild:netzpolitik.org

In den vergangenen Tagen ist zumindest die Sperrung der Seite cdu.tv aufgehoben worden. Jetzt können wir verstehen, warum das BSI die Sperrliste wegen Gefährdung der inneren und äußeren Sicherheit nicht raus geben will. Wer weiß, was sonst noch alles gesperrt wird.

Pfingstkirche USA: Religiotie weggemendelt

Ein sogenannter Snake Handler während eines Gottesdienstes (Symbolbild). Bild: Reuters
Er glaubte, was in der Bibel steht, und starb: Während eines religiösen Rituals im Gottesdienst ist ein Mann von einer Schlange gebissen worden. Die Treue zum Evangelium wurde ihm dabei zum Verhängnis.


DIE WELT

Im US-Bundesstaat Kentucky hat sich ein Mann in einem evangelikalen Gottesdienst einen tödlichen Schlangenbiss zugezogen. Der 60-Jährige hatte in der Mossy Simpson Pentecostal Church in Jenson mit einer Klapperschlange hantiert, nach dem Bibelwort: “Wenn sie Schlangen anfassen oder tödliches Gift trinken, wird es ihnen nicht schaden” (Markus 16,18).

Nach dem Unfall verweigerte er laut dem Regionalsender WKYT eine medizinische Behandlung, gemäß der zweiten Vershälfte “… und die Kranken, denen sie die Hände auflegen, werden gesund werden”. Vier Stunden später starb er.

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Limburger Staatsanwaltschaft bekräftigt ihre Rechtsauffassung

War es richtig von der Staatsanwaltschaft in Limburg, kein Ermittlungsverfahren gegen den früheren Bischof Franz-Peter Tebartz-van Elst einzuleiten? Die Behörde wehrt sich jetzt gegen die Kritik aus den letzten Tagen.


kath.net

justiz_grossDie Limburger Staatsanwaltschaft hält ihre Entscheidung weiterhin für richtig, kein förmliches Ermittlungsverfahren gegen den früheren Limburger Bischof Franz-Peter Tebartz-van Elst einzuleiten. Auch wenn es in den letzten Tagen von verschiedenen Seiten Kritik an der nun ein Jahr zurückliegenden Entscheidung gegeben habe, habe sich an der damaligen Rechtsauffassung nichts geändert, betonte ein Sprecher der Behörde am Dienstag auf Anfrage.

Die Staatsanwaltschaft hatte seinerzeit über mehrere Strafanzeigen zu entscheiden, in denen der Vorwurf der Untreue erhoben worden war im Zusammenhang mit dem umstrittenen rund 31 Millionen teuren Bau des bischöflichen Wohn- und Dienstsitzes auf dem Limburger Domberg.

Die Behörde hatte das Verfahren eingestellt und in der Begründung ausgeführt, dass zwar etliche Verstöße gegen innerkirchliches Recht festgestellt worden seien, dass diese jedoch nicht zu einer möglichen Strafbarkeit führten. Bei innerkirchlichen Entscheidungen und Verhaltensweisen komme eine Strafbarkeit nur dann in Betracht, wenn außerkirchliche Belange strafrechtlich relevant berührt würden. Das sei zum Beispiel dann der Fall, wenn Handlungen gegen die körperliche Integrität, das Leben, die sexuelle Selbstbestimmung oder auch Diebstahlsdelikte vorlägen.

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Warum die Deutschen mit der Vielfalt fremdeln

Die Deutschen entsandten keine Schiffe, um die Welt zu entdecken. Sie erlebten nicht, wie bereichernd Ein­flüsse aus Übersee sind. Kein Wunder, dass ihre Identität starre, ja weltabgewandte Züge hat. Dabei ist die deutsche Seele kosmopolitischer, als viele glauben


Von Anjana Shrivastava|Cicero

Die fehlende Kolonialisierungserfahrung habe aus Deutschland eine kulturelle Insel gemacht, sagt Anjana Shrivastava Illustration für Cicero: Martin Haake

Zu Beginn der neunziger Jahre, als in Berlin die letzten Reste der Mauer geschliffen und in alle Welt verscherbelt worden waren, als Philosophen über das Ende der Geschichte sinnierten und Politiker eine neue globale Ordnung absteckten, erschien in der Zeitschrift The New Yorker ein erhellender Cartoon. Ein Wanderer stieg einen Berg hinauf, um dort einen weisen Einsiedler über die Zukunft zu befragen. Als er wieder herunterkam, machte er ein frustriertes Gesicht. „What did he say?“, fragten seine Freunde. „Er hat viel erzählt“, antwortete der Wanderer: „But it was all in German“ – es war alles auf Deutsch.

Der Cartoonist ahnte damals zweierlei. Erstens: Die Deutschen werden bald wieder sehr wichtig sein. Und zweitens: Sie haben Probleme, sich anderen mitzuteilen. Wollen sie das überhaupt? „Die deutsche Innerlichkeit will ihren Schlafrock und ihre Ruh“, ätzte der Brandenburger Dichter Gottfried Benn im Jahre 1930 über seine Landsleute. Die Weltabgewandtheit zählt zu den dominierenden nationalen Wesensarten.

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Islamischer Staat in Polen

Der polnische Inlandsgeheimdienst ABW soll drei Tschetschenen festgenommen haben, nachdem sie aus dem Kampfgebiet in Syrien oder dem Irak nach Polen kamen, so ein Bericht des Nachrichtensenders TVN24 vom Dienstag. Die Verdächtigen sollen von Polen aus die Kämpfer des IS-Staates zumindest logistisch und finanziell unterstützt haben.


Von Jens Mattern|TELEPOLIS

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Die Verhaftung habe schon im Frühjahr stattgefunden. Insgesamt würden derzeit von dem Dienst 200 Personen wegen Verdacht auf Verbindung mit dem IS observiert. Die meisten von ihnen sind Tschetschenen, aber einige polnische Konvertiten. Ein Zentrum der IS-Aktivitäten soll die ostpolnische Stadt Bialystok sein, dort sollen Tschetschenen versucht haben, für eine Mitarbeit des Islamischen Staats zu werben. “Ist Polen etwa auch ein Ziel terroristischer Anschläge?”, fragte ein TVN24-Journalist den Terror-Exporten Grzeogorz Cieslak. Dieser konnte nicht für Entwarnung sorgen – das Land gebe durch die enge Partnerschaft mit den USA und die Nato-Mitgliedschaft durchaus ein Ziel ab. Zudem wären die ersten Ziele islamischer Terroristen, die USA, Israel und Großbritannien, in ihren Grenzen besser geschützt.

Marek Biernacki, Minister für Geheimdienstkoordination, versuchte hingegen die Gemüter zu beruhigen, die Wahrscheinlichkeit für einen terroristischen Anschlag in Polen sei gering.

An der Weichsel leben kaum Muslime, Schätzungen belaufen sich auf bis zu 25.000 Personen. Dabei hat der Islam in dem sonst katholischen Polen durchaus Tradition – eine Minderheit der Tartaren siedelt seit dem 16. Jahrhundert im östlichen Teil des Landes.

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Kirchenpfleger auf der Flucht

Mit diesem Plakat fahndet das BKA nach dem Kirchenpfleger und seiner mutmaßlichen Komplizin. (Foto: BKA
Der 44-Jährige soll aus der Kasse einer Kirchengemeinde in Hof 1,4 Millionen Euro abgezweigt haben. Er hat sich mit seiner Komplizin wohl nach Argentinien abgesetzt. Nun sucht die Polizei mit einem Kopfgeld nach den beiden.


Von Olaf Przybilla|Süddeutsche.de

Pfarrer Holger Fiedler holt tief Luft, dann sagt er: “Der Mensch in seiner Tiefe ist interessant.” Fiedler hat den Kirchenpfleger Erwin Kaus noch kennengelernt, vor fünf Jahren war das, da war Fiedler noch gar nicht Pfarrer in der katholischen Hofer Sankt-Marien-Gemeinde. Aber Kaus kannte man einfach. Die mit ihm zu tun hatten, berichten von einem leutseligen, eloquenten und vertrauenswürdigen Mann, von dem die Rede ging, der verstehe etwas von Geld. Bis der Kirchenpfleger plötzlich weg war, 2012 war das.

Allein die Kirchenstiftung in Hof soll der heute 44-Jährige um etwa 1,4 Millionen Euro betrogen haben. Auf der Fahndungsliste des Bundeskriminalamts steht Erwin Kaus inzwischen, außerdem sind nun 5000 Dollar für denjenigen ausgelobt worden, der Hinweise liefern kann, um ihn zu fassen.

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«Die Kirche kann diesen Fragen nicht mehr aus dem Weg gehen»

REUTERS/Yves Herman
REUTERS/Yves Herman
Die Theologin Eva-Maria Faber befasst sich mit Wiederverheirateten und Homosexuellen. Das beschäftigt auch die Weltbischofssynode im Herbst.


Mit Eva-Maria Faber sprach Michael Meier|Tages Anzeiger

Der Reformwillen der Bischofssynode wird daran gemessen, ob sie Wiederverheiratete zur Kommunion zulässt. Zeigt das nicht, wie weit weg die Kirche von den Menschen ist?
Die Kirche, das sind doch zuerst die Menschen selbst und alle, die mit ihnen auf dem Weg sind. In der seelsorgerlichen Praxis ist es selbstverständlich, dass man Menschen begleiten muss und nicht einfach Normen anwenden kann. Das Kirchenrecht kennt übriges kein Sak­ramentenverbot für Wiederverheiratete. Das ist nur eine Auslegung des Kirchenrechts. Solange es aber so ausgelegt wird, muss man darüber nachdenken. Man sollte auch kirchlicherseits merken, dass das Leben komplizierter ist, als das Ideal es will. In diesem Sinne möchten Wiederverheiratete so etwas wie eine Anerkennung. Und es gibt auch theologische Gründe, warum die «offizielle» Kirche ihre Haltung überdenken sollte.

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Luther-Bibel soll wieder nach Luther klingen

Die Lutherbibel soll wieder mehr nach Martin Luther klingen. Dafür haben sich rund 70 Experten etliche Male zusammengesetzt – und bringen den “Dämon” und den “Hurer” wieder zurück in die Schrift.


Von Matthias Drobinski|Süddeutsche.de

luther_1Der Hirsch muss nicht mehr lechzen, er darf wieder schreien: “Wie der Hirsch schreit nach frischem Wasser, so schreit meine Seele, Gott, zu dir!”, soll es künftig in Psalm 42 heißen. Und der Sturm auf dem See Genezareth, den Jesus stillte, wird wieder zum Beben werden. Schließlich schrieb auch Martin Luther vom Beben, das Jesu Jünger zu Tode ängstigte.

Als vor mehr als 30 Jahren Theologen, Sprach- und Altertumswissenschaftler die Lutherbibel neu übersetzten, wählten sie das Wort “Sturm” – es erschien ihnen verständlicher als das Beben. Sie störten sich auch an der Wortwiederholung “schreien” im hebräischen Urtext des Psalms. Und so lechzt in der 1984 erschienenen Ausgabe der Lutherbibel der Hirsch nach Wasser. “Das war ein Fehler”, sagt Christoph Kähler, der ehemalige Thüringische Landesbischof. Er leitet eine Arbeitsgruppe, die zum Reformationsjubiläum 2017 die Revision der Revision herausbringen soll: Die Lutherbibel soll wieder nach Martin Luther klingen. Sie soll die Sprachkraft des Reformators vermitteln, der 1545 auf der Wartburg die Bibel ins Deutsche übertrug.

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Seelsorge auf dem Wacken-Festival

Image: wacken.com
Wenn am Mittwoch (29. Juli) 75.000 Heavy-Metal-Fans in das kleine schleswig-holsteinische Dorf Wacken pilgern, sind auch 20 Seelsorger dabei. Abwechselnd im Schichtdienst stehen sie vier Tage lang rund um die Uhr für Gespräche bereit.


evangelisch.de

Manche Besucher hätten den ganzen Tag über Spaß bei den Konzerten, sagt Diakon Björn Hattenbach (37). “Aber abends stellt am fest, man ist ganz allein unter 80.000 Besuchern.” Björn Hattenbach ist Diplom-Sozialpädagoge aus Neumünster und bereits zum fünften Mal dabei. Es sei eine besondere Stimmung auf dem Festival, weiß er aus den vergangenen Jahren. “Die Leute haben Urlaub und Partylaune.”

Durch die Musik würden viele Emotionen hochkommen, dazu kämen häufig Alkohol und Drogen. “Da brechen Sachen auf, mit denen sie gar nicht gerechnet haben.” Dann können sie sich bei Björn Hattenbach und seine Kollegen Rat holen. “Die Gespräche sollen helfen zu strukturieren, was ist da eigentlich los.”

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Der Streit um die Modernität der Kirche muss neu ausgetragen werden

Image: Louis Berk/CC BY-ND 2.0
Image: Louis Berk/CC BY-ND 2.0
Plädoyer für eine Radikalisierung der Moderne unter katholischen Vorzeichen


Von Dr. Martin Hähnel|kath.net

Die jüngst veröffentlichten Zahlen, die von einem Höchststand bei den Kirchenaustritten sprechen, entfachen mal wieder die alte Diskussion, welchen Platz die Katholische Kirche in der modernen Gesellschaft eigentlich einnimmt bzw. einnehmen soll.

Ungeachtet der Tatsache, dass diese Frage schon falsch gestellt ist, begegnen wir in diesem Zusammenhang immer wieder Aussagen, die von der quasi angeborenen Fortschrittsfeindlichkeit und Rückständigkeit der Katholischen Kirche sprechen, die unter anderem dazu geführt habe, dass die Kirche nicht mehr zeitgemäß sei und sich aus diesem Grund immer mehr Menschen von ihr abwenden mussten. Dieser Vorwurf wird inzwischen so inflationär gebraucht, dass ihn ein vernünftiger Mensch nicht mehr ernst nehmen kann.

Hinzu kommt, dass sich Fortschrittsfeindlichkeit und Rückständigkeit gerade auch und eher unbemerkt außerhalb des katholischen Umfeldes manifestieren, wo noch immer an Prinzipien festgehalten wird, deren Gültigkeit schon längst falsifiziert worden ist.

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Paartherapeutin Henning: “Kirche muss etwas zu Sex sagen”

toutlecine.com
Nach Ansicht der Paartherapeutin Ann-Marlene Henning darf die Kirche zum Thema Sexualität nicht schweigen.


evangelisch.de

“Die Kirche muss etwas dazu sagen”, sagte Henning, die die ZDF-Aufklärungssendung “Make love” moderiert, der Onlineausgabe des evangelischen Magazins “chrismon”. Die Menschen erwarteten hier Orientierung von der Kirche. Im vergangenen Jahr hatte die Evangelische Kirche in Deutschland die Arbeit an einem Papier zur Sexualethik gestoppt.

Henning warnte dabei jedoch vor einer zu strengen Moral der Kirche. “Wenn die Haltung der Kirche zu streng ist und der Mensch deswegen nur eine doppelte Moral entwickelt, muss sie lockerer werden”, sagte die dänische Psychologin. Sie sei aus der evangelischen Kirche ausgetreten, weil sie ihr “zu freudlos, zu ruhig, zu ernst ist”. Henning betonte: “Ich glaube nicht, dass Gott so ist.”

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Australien: Missbrauchs-Vertuschung bei Zeugen Jehovas

Die Zeugen Jehovas in Australien haben die systematische Vernichtung von Dokumenten über den sexuellen Missbrauch Minderjähriger eingeräumt.


Radio Vatikan

Themenbild.
Themenbild.

Man habe vermeiden wollen, dass die Aufzeichnungen „in falsche Hände fallen“, sagte ein Leitungsverantwortlicher der Religionsgemeinschaft, Max Horley, laut australischen Medien am Montag vor dem staatlichen Untersuchungsausschuss zur Aufklärung des Umgangs mit Missbrauchsfällen.

Seit 1950 seien den Zeugen Jehovas 1.006 Fälle von Kindesmissbrauch bekanntgeworden. Alle diese Fälle seien intern behandelt worden, statt sie bei der Polizei anzuzeigen, so Horley. Man sei sich damals nicht bewusst gewesen, dass es sich um ein „kriminelles Vergehen“ handle. Schon zuvor waren in der Kommission Vorwürfe laut geworden, die Zeugen Jehovas hätten wiederholt übergriffige Verantwortungsträger in andere Positionen verschoben, um Missbrauch zu vertuschen.

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USA: Satanisten enthüllen Denkmal in Detroit

Die Organisation Satanic Temple hat Samstagnacht eine Baphomet-Skulptur im US-amerikanischen Detroit enthüllt. Der Tempel hatte lange versucht, das Denkmal nahe dem Zehn-Gebote-Denkmals in Oklahoma zu platzieren.


religion.ORF.at

Image: Matt Anderson/Friendly Atheist
Image: Matt Anderson/Friendly Atheist

Aufgrund der geplanten Demonstrationen gegen das Denkmal hatte die Gruppe die Enthüllung bis zum letzten Moment geheim gehalten, berichtete die britische Zeitung „Guardian“ am Sonntag (Onlineausgabe). Per E-Mail informierten die Satanisten erst kurz vor der Enthüllung des rund drei Meter hohen Denkmals Anhänger, die sich zuvor schriftlich anmelden mussten.

Teufel mit Flügeln

Der Satanic Temple präsentierte die Statue – sie soll rund eine Tonne wiegen -kurz vor Mitternacht bei einem Industriegebäude in der Nähe des Detroit-Flusses. Unterstützer jubelten: „Heil Satan“, Hunderte Anhänger waren anwesend, einige posierten für Fotos mit der Baphomet genannten Figur.

Die umstrittene Statue besteht aus einem geflügelten Baphomet mit einem menschlichen Körper und dem Kopf einer Ziege – eine Kunstfigur, die von Satanisten als Abbildung für den Teufel verwendet wird. Rechts und links neben dem Baphomet stehen ein Bub und ein Mädchen, die den Teufel anbeten.

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