15.000 Norweger verlassen innerhalb von vier Tagen die Kirche

Foto: look/ORIGINAL zu : O:\\BILDER\\B_FERT Eine einsam gelegene Kirche im norwegischen Duoddar Sion nördlich von Alta. 15.000 Menschen weniger finden seit dem 15. August in die lutherische Volkskirche
Es scheint, als hätten 15.000 Mitglieder der lutherischen Volkskirche nur auf den richtigen Anlass gewartet, selbige zu verlassen. Der Grund für den Verlust ist eine technische Neuerung.

DIE WELT

Norwegens lutherische Volkskirche hat nach eigenen Angaben innerhalb von vier Tagen mehr als 15.000 Kirchenmitglieder durch Austritt verloren. Grund ist ein neues Onlineportal der Kirche, mit dem man vom heimischen Computer aus die Kirche verlassen oder sich als Mitglied registrieren lassen konnte.

Als das System am 15. August gestartet sei, hätten gleich am ersten Tag mehr als 10.000 Menschen die Kirche verlassen, teilte die Volkskirche in Oslo mit. Zugleich seien innerhalb von vier Tagen aber auch 549 Menschen aus anderen Kirchen dazugekommen oder in die Volkskirche zurückgekehrt.

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Austria: Kirche greift manchmal in Personalfragen der Unis ein

Bild: (c) Die Presse (Fabry)
Das Konkordat schränkt die Autonomie der Unis ein. Seit 2002 wurden eine Berufung verweigert und ein Professor abberufen, der nach einer Scheidung erneut geheiratet hatte.

Die Presse.com

Die katholische Kirche greift selten, aber doch in die personelle Autonomie der Unis ein. Das zeigt die Beantwortung einer parlamentarischen Anfrage der Grünen Sigrid Maurer durch Wissenschaftsminister Reinhold Mitterlehner (ÖVP). Seit 2002 wurde einmal die Zustimmung zur Berufung eines Professors verweigert. Außerdem wurde ein Professor abberufen – weil er nach seiner Scheidung erneut heiratete.

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CSU will neues Doppelpassgesetz wieder abschaffen

Der Doppelpass © Fotomontage MiGAZIN
Die CSU will sich mit der doppelten Staatsbürgerschaft für bestimmte Migrantengruppen nicht anfreunden. CSU-Generalsekretär Scheuer wirbt dafür, zur alten Regelung zurückzukehren. SPD, Grüne und Linke wiederum sind für weitere Liberalisierungen.
 

MiGAZIN

Die CSU will das von der großen Koalition liberalisierte Einwanderungsrecht wieder einkassieren. „Der Doppelpass wird immer mehr zum Regelfall, das wollen wir nicht, daher müssen wir zum alten Staatsbürgerschaftsrecht zurück“, sagte Generalsekretär Andreas Scheuer der Rheinischen Post. Landesgruppenchefin Gerda Hasselfeldt bezeichnete die doppelte Staatsangehörigkeit als „Angebot, sich nicht festlegen zu müssen“. Die SPD wies den Vorstoß der CSU zurück.

Scheuer erklärte, nur Einwanderer, die lange in Deutschland lebten, sich gut integriert hätten und sich eindeutig zu den Werten und Prinzipien bekennen würden, könnten die deutsche Staatsbürgerschaft erhalten. „Der deutsche Pass ist kein Ramschartikel, den man als Zweitpass mal noch so mitnimmt“, sagte er. Forderungen der Grünen, jedem in Deutschland geborenen Kind automatisch den deutschen Pass zu geben, seien „völlig daneben“. Der thüringische Ministerpräsident Bodo Ramelow (Linke) hatte sich kürzlich dafür ausgesprochen, in Deutschland zur Welt gekommenen Kindern von Flüchtlingen automatisch die deutsche Staatsbürgerschaft zu verleihen. SPD und Grüne unterstützten den Vorschlag.

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Öffentliche Kunst: Die Tyrannei der Beleidigten

© Ullstein Steinrelief des Anstoßes: Die „Judensau“ an der Wittenberger Stadtkirche. Wieder einmal wird die Entfernung des infamen mittelalterlichen Bildwerks gefordert.
Im Namen politischer Korrektheit fordern Kritiker die Beseitigung irritierender Kunstwerke aus dem öffentlichen Raum. Was nicht in unser Weltbild passt, gilt zunehmend als unzumutbar, wie an einem Fall in Wittenberg zu sehen ist.

Von Arnold Bartetzky | Frankfurter Allgemeine

Seit mehr als sieben Jahrhunderten prangt ein bösartiges Schmähbild an der Wittenberger Stadtkirche St.Marien. Es zeigt eine Sau, an deren Zitzen Menschenkinder säugen, die mit ihren Spitzhüten als Juden gekennzeichnet sind. Hinter dem Tier hockt ein Rabbiner und hebt dessen Schwanz und Hinterbein, um in den Anus zu schauen. Die besondere Perfidie der Darstellung von Juden im intimen Kontakt mit einer Sau besteht darin, dass das Schwein im Judentum als unrein gilt. Das Steinrelief sollte die Juden demütigen und zugleich Christen gegen sie aufhetzen. Die Wittenberger „Judensau“ ist ein drastisches Zeugnis des mittelalterlichen Antisemitismus, der sich immer wieder in Pogromen entlud. Martin Luther, der in der Stadtkirche predigte, steigerte den Bekanntheitsgrad der Darstellung, indem er sie in einer seiner Schmähschriften zum Ausgangspunkt für die Verhöhnung des jüdischen Glaubens nahm.

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Polizei räumt Kirchenasyl in Münster

Ein Kirchenasyl in Münster ist offenbar gewaltsam geräumt worden.
 

evangelisch.de

Am Dienstagmorgen sei ein 31-jähriger Flüchtling aus Ghana, dem in im örtlichen  Kapuzinerkloster seit Juli Kirchenasyl gewährt wurde, von der Polizei abgeführt worden, erklärte Julia Lis vom Netzwerk Kirchenasyl Münster. Dabei sei auch Gewalt angewendet worden. „Die Räumung eines Kirchenasyls in Nordrhein-Westfalen ist ein ungeheuerlicher und in dieser Form einmaliger Vorgang“, kritisierte Lis.

Die Polizei bestätigte den Einsatz und eine Auseinandersetzung mit dem Ghanaer sowie die Verwendung von Handschellen. Ein Kollege sei von dem Mann gebissen worden und sei den weiteren Tag dienstunfähig, sagte ein Sprecher der Polizei Münster dem Evangelischen Pressedienst (epd). Verantwortlich für die Abschiebung sei die Ausländerbehörde, betonte der Polizeisprecher. Die Polizei sei lediglich für den Vollzug hinzugezogen worden.

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Christen-Moralisten warnen vor „Abtreibungsautomatismus“

Ist das Baby behindert? Mit Ultraschall-Untersuchungen allein lässt sich das nicht herausfinden.Foto: picture alliance / dpa
Müssen Krankenkassen neue Schwangerschaftstests bezahlen, die gezielt nach Behinderungen suchen? Die Zuständigen wollen das nicht alleine entscheiden.

Von Rainer Woratschka | DER TAGESSPIEGEL

Gewöhnlich lassen sich gesetzliche Krankenversicherer, Ärzte und Kliniken nur ungern in ihre Entscheidungen hineinreden, was als Kassenleistung bezahlt wird und was nicht. Doch bei der Frage, ob ein neuer Schwangerschaftstest zum Leistungskatalog gehören soll, rufen sie im Gemeinsamen Bundesausschuss nun nach dem Gesetzgeber.

Die Angelegenheit berühre „fundamentale ethische Grundfragen unserer Werteordnung“, die man nicht allein mit wissenschaftlich-technischen Prüfkompetenzen beantworten dürfe, lautet die Begründung. Das Parlament sei „gefordert, hier Grenzen und Bedingungen zu definieren“.

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Ist der Ruf erst ruiniert, regiert sich’s völlig ungeniert

Im Gespräch: CDU-Landeschef Thomas Strobl (l.) und Baden-Württembergs Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne).Foto: dpa
Geheime Nebenabsprachen von Grün-Schwarz in Baden-Württemberg: Man könnte das einen Skandal nennen – früher zumindest hätten die Grünen das getan.

Von Stephan-Andreas Casdorff | DER TAGESSPIEGEL

Mauschelei, die Zweite. Grün-Schwarz in Baden-Württemberg und die Nebenabreden zum Koalitionsvertrag, diesmal: Einsparungen. In den kommenden Jahren sollen tausende Stellen abgebaut werden, für hunderte Millionen Euro im Jahr. Dazu ist an Einschnitte für Beamte und Kommunen gedacht. Und die Grunderwerbssteuer könnte außerdem angehoben werden.

Das alles ist bisher geheim gehalten worden. Jetzt ist die Empörung groß. Man kann das einen Skandal nennen. Hätten die Grünen auch früher so genannt. Heute ist es anders. Wer Böses dabei denkt – den ereilt ein langer Verteidigungsbrief. Der kann auch gar nicht lang genug sein, um den Ruf der beiden Koalitionäre zu retten. Allerdings: Ist der Ruf erst ruiniert, regiert sich’s völlig ungeniert.

Bullshistic: Bischofskonferenz warnt vor Tests auf Down-Syndrom

Die Deutsche Bischofskonferenz warnt laut einem Zeitungsbericht vor der routinemäßigen Einführung neuer Bluttests zur Früherkennung eines Down-Syndroms.

evangelisch.de

Alle empirischen Forschungen zeigten, dass der Test „als reines Selektionsinstrument wirkt, das einen Abtreibungsautomatismus in Gang setzt“, erklärte der Bischof der Diözese Rottenburg-Stuttgart, Gebhard Fürst, in einem Brief an den Gemeinsamen Bundesausschuss der Ärzte und Krankenkassen, über den die Zeitung „Die Welt“ (Dienstagsausgabe) berichtete. Der Bundesausschuss hatte in der vergangenen Woche ein Prüfverfahren zur Übernahme der Bluttests in den Leistungskatalog der Krankenkassen eingeleitet.

Demnach sollen die Tests auf Trisomie 21, 18 und 13 bei Risikoschwangerschaften eingesetzt werden. Auf Antrag wird der Bluttest bereits heute von den Kassen finanziert, wenn eine Risikoschwangerschaft gegeben ist. Laut Fürst verstößt die Selektion menschlichen Lebens nach genetischen Kriterien gegen die „unbedingte Pflicht, die Würde des Menschen zu achten.“

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Schwäbische Politiker bremsen Salafisten aus

Dank der Raffinesse schwäbischer Kommunalpolitiker dürfen sich Salafisten in Fellbach nicht niederlassen. Der Gemeinderat änderte den Bebauungsplan und schob der Missionierung einen Riegel vor.

DIE WELT

Salafisten sind in Fellbach bei Stuttgart daran gehindert worden, ein Missionierungszentrum aufzubauen. Nach einer Warnung des Landeskriminalamts (LKA) blockierte die Stadt die Ansiedlung des Zentrums im Fellbacher Ortsteil Oeffingen vor eineinhalb Jahren mit der Änderung des Bebauungsplans. Das sagte ein Sprecher der Stadt. Das Landeskriminalamt wollte sich nicht zu dem Vorfall äußern.

„Der Gemeinderat ist eingeschritten und hat durch eine Änderung des Bebauungsplans religiöse Versammlungen in dem betroffenen Teil des Gewerbegebiets untersagt und so die Ansiedlung verhindert“, sagte Sprecher Arnold Marhoffer. Der „Spiegel“ hatte am Wochenende zuerst über den Fall berichtet.

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Dummenfang mit christlichen Fußball-Profis

jesus_schaukel

Regisseur Kadel gegenüber dem Kölner „Express“: Er sei von „katholisch.de“ gefragt worden, „wer von den sieben Spielern des Films denn katholisch wäre“. Als er keine Katholiken nannte, kam „die trockene Absage“ – „katholisch.de“ vermutet PR-Aktion

kath.net

„Und vorne hilft der liebe Gott“. So heißt der neueste Film David Kadels über christliche Fußballpromis in Deutschland. Der Christ ist TV-Moderator, Kabarettist, Autor („Fußball-Bibel“), Journalist und – last not least – Motivationscoach u.a. für Fußball-Profis und die Deutsche Leichtathletik-Nationalmannschaft. Kadel erhielt von Internetportal „katholisch.de“ erst eine Anfrage und dann eine Ablehnung, er machte dies gegenüber der Kölner Tageszeitung „Express“ öffentlich. „Ich habe mich gefreut, als ich per email die Anfrage erhielt, über meinen Film zu berichten“, sagte Kadel, „doch sofort kam die Frage, wer von den sieben Spielern des Films denn katholisch wäre. Als ich antwortete, dass es allesamt Christen seien, aber keiner katholisch ist, kam die Frage zu meiner Person. Ich bin evangelisch und erhielt schließlich die trockene Absage, dass es dadurch leider unmöglich sei über diesen christlichen Film zu berichten!“
Mit einem letzten Vorstoß, so berichtete der „Express“ weiter, habe Kadel „die Macher des Portals zu überzeugen“ versucht, „dass viele katholische Fußball-Fans sicher Freude an den Bekenntnissen von Kloppo und Co. hätten“ doch er habe als Antwort nur erhalten: „Kein Interesse“.

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Diözesen schaffen neue Aufsicht für Zusatzversorgungskasse

Bild: tilly
Bild: tilly
Neu beschlossene Organe sollen künftig die Katholische Zusatzversorgungskasse (KZVK) mit Sitz in Köln kontrollieren.
 

evangelisch.de

Die Vollversammlung des Verbandes der Diözesen Deutschlands (VDD) habe am Montag eine umfassende Neuordnung der Organ- und Aufsichtsstruktur der KZVK beschlossen, teilte der Dachverband in Bonn mit. Kern der Reform ist das Einsetzen eines neunköpfigen Aufsichtrates und einer Vertreterversammlung.

Der Aufsichtsrat übernehme unter anderem die Überwachung und Begleitung der Geschäftsführung, hieß es. Die Vertreterversammlung wird besetzt mit Delegierten der Träger, Beteiligten und Versicherten und soll etwa über Satzungsänderungen entscheiden. Auch die Höhe der Beiträge werde hier geregelt. Außerdem wurde ein externes Aufsichtsgremium durch den Dachverband geschaffen, womit die Aufsicht über die Kasse durch den VDD erweitert wird.

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Rio Reiser und die Religion

Rio Reiser, der eigentlich Ralph Christian Möbius hieß, auf einem Bild aus den späten 80er-Jahren. (Imago Stock & People)
So wenig der vor 20 Jahren verstorbene Rio Reiser auch mit der Amtskirche anfangen konnte, so stark sei sein Interesse für Religion gewesen, sagt sein Biograph Hannes Eyber. Der Sänger habe jeden Tag in der Badewanne die Bibel gelesen.
 

Hannes Eyber im Gespräch mit Philipp Gessler | Deutschlandradio Kultur

Philipp Gessler: Gestern vor 20 Jahren starb auf einem Hof in Schleswig-Holstein, im nordfriesischen Fresenhagen, Rio Reiser mit gerade einmal 46 Jahren. Reiser, mit bürgerlichem Namen Ralph Christian Möbius, war einer der bedeutendsten Liedermacher deutscher Sprache in den 70er- bis 90er-Jahren des vergangenen Jahrhunderts, eine Ikone der linken Szene, gerade in Berlin, vor allem im alternativen Kreuzberg. Nicht besonders bekannt ist Rio Reisers religiöse oder spirituelle Seite, obwohl sie einen in seinen Liedtexten manchmal geradezu anspringt. Über diesen Aspekt habe ich mit Hannes Eyber gesprochen. Eyber war ein Freund Rio Reisers und hat mit ihm seine Autobiographie „König von Deutschland“ geschrieben. Meine erste Frage an Eyber war, ob er noch häufig an seinen alten Freund Rio denke.

Hannes Eyber: Ja, also, ich meine, das war schon eine sehr intensive Zeit, und als ich da die Nachricht bekam, dass er gestorben ist, das hat mich nicht nur beeindruckt, sondern sehr traurig gemacht. Eigentlich war er so eine Art Lebensgefährte, was mein eigenes Leben betraf.

Ein sexueller Leidensweg

Gessler: Darf ich Sie direkt fragen – Lebensgefährte auch im Sinne von …

Eyber: Nicht in erotischer Art. Also da waren wir grundverschieden, aber ich hatte dadurch, dass wir eine sehr intensive Nähe hatten, so habe ich seinen sexuellen Leidensweg doch wahrgenommen und mitbekommen.

Gessler: Aber es war ja nicht nur ein Leidensweg. Er hatte ja Freunde.

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NRW-Grüne wollen Zahlungen an Kirchen zum Wahlkampfthema machen

Bild: tilly
Bild: tilly
Die nordrhein-westfälischen Grünen haben ihre Forderung nach einer Beendigung der sogenannten Staatsleistungen erneuert, die der Staat den Kirchen als Entschädigung für frühere Enteignungen jährlich zahlt.
 

evangelisch.de

Dieser Punkt solle in die Wahlprogramme für die Bundes- und die Landtagswahl im kommenden Jahr aufgenommen werden, sagte der Grünen-Landesvorsitzende Sven Lehmann dem „Kölner Stadt-Anzeiger“ (Montagsausgabe). Zur Begründung erklärte er: „Jedes Jahr zahlen die Steuerzahler in Deutschland über 500 Millionen Euro an die beiden großen Kirchen, ohne dass diese dafür eine Leistung erbringen müssen.“

Die Haushalte der Kirchen seien auf das Geld nicht angewiesen, und die zahlungspflichtigen Bundesländer könnten es für soziale Zwecke gut gebrauchen, sagte Lehmann. Im März hatte sich bereits eine Kommission der Grünen für eine zügige Ablösung der Staatsleistungen ausgesprochen. Sie fordert die Einsetzung einer Expertenkommission durch die Bundesregierung, die Gesetzesvorschläge erarbeiten soll.

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Der Ablass war eine gute Idee

© Getty Lucas Cranach hat mit seinen Holzschnitten wie diesem aus dem Jahr 1527 entscheidend zur Popularität Luthers beigetragen.
2017 wird die Reformation 500 Jahre alt. Ist die Bundesrepublik heute protestantisch? Hätte Luther getwittert? Und war er selbst je Protestant? Fragen an den Luther-Biografen Willi Winkler.

 

Interview Tobias Rüther | Frankfurter Allgemeine

Ein Buch über Martin Luther. Fünfhundert Jahre Reformationsgeschichte, ein Berg von Material. Wie und wo fängt man da nur an?

Mit Größenwahn. Eigentlich wollte ich eine Geschichte der Renaissance schreiben, aber dann wurde ein Luther-Buch daraus. Die kleindeutsche Lösung sozusagen.

Das Panorama Ihres Buchs wird trotzdem immer größer. Oft verschwindet Luther seitenweise daraus.

Ich fand es interessant, die Zeit zu rekonstruieren, in die wie in einem Wandteppich plötzlich Luther hineingewebt wird. Als ich fertig war, dachte ich: Ich habe noch viel zu wenig gemacht. Wie geht es zum Beispiel zum Dreißigjährigen Krieg weiter? Der ja eine mittelbare Folge der Reformation ist. Bei Luther geht die Geschichte friedlich aus, er wird nicht geköpft und nicht verbrannt – aber dann kommt das Massensterben, das Schlachten. Der Dreißigjährige Krieg war ja kein Religionskrieg, es ging um die Vorherrschaft in Europa.

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Evangelikale in Brasilien: Wie aggressive Predigten Gewalt säen

Der brasilianische Kongress. Dort haben evangelikale Parlamentarier immer mehr Macht. Das zeigte sich auch bei der Abstimmung über die Amtsenthebung gegen Präsidentin Dilma Rousseff. (picture alliance / dpa / Cadu Gomes)
In Brasilien sind evangelikale Strömungen schon länger auf dem Vormarsch. Doch jetzt herrscht in manchen Predigten eine hohe Aggressivität gegenüber dem traditionellen afrobrasilianischen Kult. Sie wird für die steigende Gewalt gegen deren Anhänger verantwortlich gemacht.

Von Ole Schulz | Deutschlandradio Kultur

„Mit der Hilfe von Gott, meiner Familie und aller Evangelikalen im Land, sage ich Tschau zur `Liebsten´ Dilma und der PT, der Partei der Finsternis! Und ich stimme mit Ja zum Impeachment gegen Dilma!“

Mitte April im brasilianischen Kongress. Der konservative evangelikale Pastor und Parlamentarier Marcos Feliciano beim umstrittenen Amtsenthebungsverfahren gegen Präsidentin Dilma Rousseff. Dass die Opposition die Abstimmung gegen die Arbeiterpartei deutlich gewinnt, liegt auch an den vielen Evangelikalen im Kongress.

„Die evangelikalen Parlamentarier bilden inzwischen eine eigene Fraktion. Ihren Einfluss hat man beim Impeachment gesehen. Und durch ihre politische Macht ist es ihnen gelungen, Genehmigungen für Radio- und Fernsehstationen zu erhalten. Sie haben eine große Medienmacht.“

So Ivanir dos Santos. Er ist der Vorsitzende der „Kommission zur Bekämpfung von religiöser Intoleranz“, einer nichtstaatlichen Organisation. Laut dos Santos hat sich das gesellschaftliche Klima in Brasilien mit dem Vordringen der Evangelikalen in Politik und Medien verhärtet.

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Gotteswahn olympisch: „100% Jesus“ – Neymars Stirnband wird zum Streitfall

Im Grunde hatte Neymar Jesus ohnehin wahrhaftig bei sich: Gabriel Jesus heißt sein Mitspieler, der hier (li.) mit ihm feiert. (Foto: Getty Images)
Die Regeln bei Olympia sind klar: Das IOC verbietet religiöse Botschaften im Wettkampf – dass Neymar Brasiliens Fußball-Gold missionarisch feiert, könnte ein Nachspiel haben.

Von René Hofmann | Süddeutsche.de

Wenn sich das Internationale Olympische Komitee (IOC) an seine Regeln hält, muss es die brasilianische Olympia-Mannschaft wegen des Verhaltens von Fußball-Profi Neymar mindestens rügen. Der 24-Jährige, der im Finale gegen Deutschland den entscheidenden Elfmeter im Finale verwandelte und der Gastgeber-Nation so die ersehnte Gold-Medaille in dem Wettbewerb sicherte, streifte sich zur Siegerehrung ein weißes Stirnband über, auf dem vorne in dunkler Schrift deutlich zu lesen war: „100% Jesus“. Anschließend lief Neymar mit dem Band auf dem Kopf eine Ehrenrunde und posierte mit einem Kind für Fotos.

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Die Religion wird nicht aus Deutschland verschwinden

Hat die Religion in Deutschland noch Zukunft? (Foto: dpa)
Zwölf Millionen Mitglieder haben die Kirchen in Deutschland innerhalb einer Generation verloren. An der christlichen Prägung des Landes wird das nichts ändern.

Von Matthias Drobinski | Süddeutsche.de

Es müsste den christlichen Kirchen eigentlich gutgehen in Deutschland, in ganz Westeuropa. Die Katholiken können sich über einen Papst Franziskus freuen, dem die Herzen zufliegen, weit über seine Kirche hinaus, bescheiden, väterlich und kapitalismuskritisch, wie er ist. Die Protestanten stehen vorm großen Reformationsjubiläum, das am 31. Oktober losgeht; es wird viel öffentliche Aufmerksamkeit bringen und die Erkenntnis, dass es insgesamt doch sehr gut war, dass es die Reformation gab und nun die evangelische Kirche gibt. In der Flüchtlingskrise haben sich beide Kirchen als Anwälte der Heimatlosen und Schwachen profiliert, ihre Sozialarbeit wird geschätzt. Und jetzt, wo so heftig über den Islam und seine künftige Rolle im Land debattiert wird, müsste doch eigentlich die Besinnung auf ihre christlichen Wurzeln viele dazu bringen, dass sie mal wieder in die Kirche gehen und sich sagen: Hier ist es gut, hier mache ich mit.

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Spooky: Italienischer Imam postet Bild badender katholischer Nonnen

Bild: FB/IzzedinElzir
Bild: FB/IzzedinElzir
Europa diskutiert die Frage, ob muslimische Frauen am Strand Burkini tragen dürfen. Ein italienischer Imam bringt eine andere Gruppe mit Ganzkörper-Badekleidung ins Spiel – und löst Proteste aus.

DIE WELT

Ein italienischer Imam hat inmitten der Debatte über ein Burkini-Verbot in Frankreich mit einem Foto badender Nonnen für Wirbel gesorgt. Der Florentiner Imam Izzedin Elzir veröffentlichte am Mittwoch kommentarlos ein Foto auf seiner Facebook-Seite, das eine Gruppe von acht bekleideten Nonnen zeigt, die am Strand in den Wellen spielen.

Das Foto löste eine Welle von Kommentaren aus, die Facebook dazu brachten, die Seite vorübergehend zu sperren. Der Imam schrieb später zur Erklärung, er wollte „jenen antworten, die sagen, dass unsere westlichen Werte anders sind im Hinblick auf die Art sich zu kleiden und den Körper zu bedecken“.

Dem Sender Sky Tg24 sagte Elzir, er habe mit dem Foto der Nonnen darauf hinweisen wollen, dass ein Teil der westlichem Werte dem Christentum entstammt und dass es auch im Christentum Menschen gebe, die sich in der Öffentlichkeit fast vollständig verhüllen.

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Archion: Kirchenbücher im Internet

Screenshot: bb
Screenshot: bb
Sie sind eine der wichtigsten Fundgruben für Ahnenforscher in Deutschland: Kirchenbücher enthalten seit dem 16. Jahrhundert akribisch notiert Namen und Daten zu Personen. Ein kirchliches Projekt stellt diese Bücher online.

Von Marcus Mockler | evangelisch.de

Die Vorfahren der meisten Deutschen sind in Kirchenbüchern verewigt. Taufen, Trauungen und Todesfälle finden sich dort präzise notiert. „Wir können jeden Evangelischen namentlich benennen“, sagt Harald Müller-Baur, Geschäftsführer der Kirchenbuchportal GmbH in Stuttgart. Ähnlich sehe es bei den Katholiken aus. Sein Unternehmen hat es sich zur Aufgabe gesetzt, alle Kirchenbücher nach und nach im Internet verfügbar zu machen. Damit funktioniert Ahnenforschung auch vom heimischen Sofa aus.

Wer seinen Urgroßeltern und weiteren Menschen in der Ahnengalerie nachspüren will, braucht neben einem Internetanschluss zwei Informationen: einen möglichst genauen Namen sowie den Ort, in dessen Kirchenbuch dieser Name wahrscheinlich festgehalten ist. Denn bislang sind die Kirchenbücher lediglich als Fotos eingescannt und müssen am Bildschirm durchgeblättert werden. Eine Volltextsuche funktioniert nicht, man kann den Namen nicht im Kirchenbuchportal Archion „googlen“.

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Berliner Erklärung: „Gebot zum offenen Gesicht“

Mit einer Burka verschleierte Frau in Afghanistan. Bild: AfghanistanMatters/CC BY 2.0
Zwei Wahlen stehen an, in Mecklenburg-Vorpommern und in Berlin, die Bundestagswahl ist auch nicht mehr so fern, die Union braucht ein Zugpferd. Der Vertrauensverlust in die Regierungskompetenz ist erdrutschartig: Nur 24 Prozent halten die Union für geeignet, „das Land auf Kurs zu bringen“. Ein Erfolg der AfD lauert und die SPD zeigt mehr außenpolitische Kompetenz (weswegen Steinmeier als „Putinversteher“ in die Schmuddelecke gedrängt wird).

Von Thomas Pany | TELEPOLIS

Also setzt man in der Union auf Innere Sicherheit, um dort mit vertrauensbildenden Maßnahmen zu punkten. Wichtiger wäre, sich die Arbeitsverhältnisse und den sozialen Wandel als Thema vorzuknöpfen, aber die Union setzt erstmal auf leichte Symbolkost.

Aufmerksamkeit ist bei der Burka-Debatte garantiert. Wenn de Maizière Sätze sagt wie: „Wir lehnen einhellig die Burka ab, sie passt nicht zu unserem weltoffenen Land.“ Oder Mecklenburg-Vorpommerns Innenminister Lorenz Caffier (CDU) Sätze sagt wie: „Die Vollverschleierung beeinträchtigt den gesellschaftlichen Zusammenhalt und leistet der Entwicklung von Parallelgesellschaften Vorschub.“ Dann gibt es „kein Knatsch nirgends“.

Der Knatsch wurde auch dadurch vermieden, dass sich die Unions-Innenminister für ein Teilverbot der Vollverschleierung aussprachen. Das Verbot soll an bestimmten Orten gelten und in „Situationen, in denen Menschen identifizierbar sein müssen“.

Genannt werden der gesamte öffentliche Dienst, Kindertagesstätten, Schulen, Universitäten, Gerichte, für Richter, Schöffen und Zeugen, Meldeämter, Standesämter und eben Pass-und Verkehrskontrollen, Demonstrationen und der Straßenverkehr.

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