Umstrittene Glocke aus NS-Zeit bleibt hängen

Die mit einer umstrittenen Inschrift aus der Zeit des Nationalsozialismus versehene Glocke im Turm der protestantischen Friedenskirche im saarländischen Homburg bleibt hängen.

evangelisch.de

Der Vorstand der Friedenskirchengemeinde Homburg-Beeden habe diesen Beschluss nach eingehenden Beratungen einstimmig gefasst, teilte die Gemeinde am Mittwoch mit. Die Glocke ist den Angaben zufolge mit dem Zusatz „Gegossen im Jahr der Saarbefreiung 1935“ versehen. Eine Namenswidmung oder ein nationalsozialistisches Symbol befinde sich nicht auf der Glocke.

Die drei 1935 gegossenen Glocken der Friedenskirche tragen laut Gemeinde die Aufschrift „Friede“, „Freude“ und „Freiheit“. Dies bringe die Hoffnung der damaligen saarländischen Bevölkerung zum Ausdruck, die mit dem Ergebnis der Volksabstimmung verbunden war und von der Bevölkerung als Befreiung empfunden worden sei, hieß es.

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Fall Kardinal McCarrick: Missbrauch war lange bekannt

Mehrere Bischöfe wussten über die Missbrauchsfälle offenbar jahrelang Bescheid, ohne dass es Konsequenzen für McCarrick gegeben hat. Die New York Times veröffentlichte neue Details.

kath.net

Die New York Times hat neue Details über die Fälle sexuellen Missbrauchs an Priestern und Seminaristen veröffentlicht, die offenbar von Theodore Kardinal McCarrick, dem ehemaligen Erzbischof von Washington D.C., verübt worden sind. Die Zeitung schreibt auch von Berichten an Bischöfe und den Vatikan über das Fehlverhalten McCarricks, die ohne Folge geblieben sind.

Boniface Ramsey, ein Professor an der Seton Hall University von 1986 bis 1996, sagte gegenüber der New York Times, er melde das Verhalten McCarricks seit dreißig Jahren ohne irgendetwas zu erreichen. Er habe den damaligen päpstlichen Nuntius Gabriel Montalvo und auf dessen Veranlassung hin auch den Vatikan über das Fehlverhalten von Erzbischof McCarrick informiert, als dieser zum Erzbischof von Washington ernannt worden war.

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„Höchst unangemessen“ – Dodo Marx kritisiert Dodo Seehofer

Kardinal Reinhard Marx hält Nationalismus und Katholizismus für nicht vereinbar Quelle: pa/Rolf Vennenbe/Rolf Vennenbernd
Kardinal Marx hat kein Verständnis dafür, dass Seehofer die Abschiebung von 69 Afghanen mit seinem Geburtstag in Verbindung bringt. Auch Söder kritisiert der katholische Theologe – und warnt die CSU vor einem Rechtskurs.

DIE WELT

Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Reinhard Marx, hat CSU-Chef Horst Seehofer und Bayerns Ministerpräsidenten Markus Söder (CSU) für ihre Wortwahl kritisiert. Dass Bundesinnenminister Seehofer seinen 69. Geburtstag mit 69 Abschiebungen am selben Tag in Verbindung gebracht hatte, bezeichnete der Münchner Erzbischof in der „Zeit“ als „höchst unangemessen“.

Seehofer hatte bei der Vorstellung seines Masterplans Migration am 10. Juli vor Journalisten gesagt: „Ausgerechnet an meinem 69. Geburtstag sind 69 – das war von mir nicht so bestellt – Personen nach Afghanistan zurückgeführt worden.“ Gemeinsam mit einem augenscheinlich amüsiert wirkenden Gesichtsausdruck des Ministers sorgte die Äußerung für Empörung.

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Christlich-jüdische Kritik an „Communio“-Artikel Benedikts XVI.

Bild: bb
Der Deutsche Koordinierungsrat der Gesellschaften für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit (GCJZ) hat sich besorgt über die Zukunft des katholisch-jüdischen Dialogs geäußert. „Irritation und Verunsicherung greifen um sich“, heißt es in einer Mitteilung vom Dienstag.

kathpress

Anlass sei ein Artikel des emeritierten Papstes Benedikt XVI. zum Verhältnis von Judentum und Christentum, in dem dieser theologische Fundamente des christlich-jüdischen Dialoges hinterfrage. Der Beitrag ist mit dem Namen „Joseph Ratzinger/Benedikt XVI.“ gekennzeichnet und unter dem Titel „Gnade und Berufung ohne Reue“ in der Zeitschrift „Communio“ veröffentlicht. Kritiker bemängelten, Benedikt XVI. formuliere darin die „christliche Identität auf Kosten der jüdischen“.

Der Koordinierungsrat, der 83 Gesellschaften für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit in Deutschland vertritt, betonte: „Die Zukunft des christlich-jüdischen Dialoges gerät im Zweifelsfall ins Wanken angesichts dieser eingehend kritischen Hinterfragung seines theologischen Fundaments.“ Das Präsidium des Rates sei „sehr irritiert“ und halte klärende Gespräche für unumgänglich.

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Meister, Gurus und Heilige – über Autorität und Anleitung im Glauben

Die Evangelische Akademie zu Berlin und das Berliner Forum der Religionen hatten sich für den Abend des 3. Juli einiges vorgenommen. Die Einladung der beiden Veranstalter kündigte an, die Facetten einer Meister-Schüler-Beziehung zu beleuchten und zudem mögliche Machtausübungen oder gar Unterdrückungen in einer Meister-Schüler-Beziehung mit einem interreligiös besetzten Podium zu diskutieren.

Hanna Fülling | EZW

In der Durchführung zeigte sich, dass sich damit ein hoher Anspruch verbindet, der nur teilweise eingelöst werden konnte. So nahm die, in einem solchen Rahmen natürlich grundsätzlich notwendige, Vorstellung und Verständigung über das jeweilige Verständnis der Meister-Schüler-Beziehung so viel Raum ein, dass mögliche Konflikte, die aus einer hierarchisch strukturierten Bindung des Schülers an einen Meister resultieren können, in der Diskussion leider eher zu kurz kamen.

Die Veranstaltung, zu der sich rund 80 Personen in der Französischen Friedrichstadtkirche am Berliner Gendarmenmarkt versammelten, wurde durch einen Impulsvortrag von der Religionswissenschaftlerin Almut-Barbara Renger eröffnet. Sie entwickelte Überlegungen zur Begriffs- und Ideengeschichte der Meister-Schüler-Beziehung. Dabei erläuterte sie, dass sich das deutsche Wort „Meister“ vom Lateinischen „magister“ ableitet und über das Adverb „magis“ (mehr, stärker) auf das Adjektiv „magnus“ (groß, weit) zurückgeht. Ein Meister wird von seiner Begriffsgeschichte her somit als jemand verstanden, der mehr und größer ist. Unter Rückgriff auf den Soziologen Max Weber deutete Renger dieses „mehr“ als eine außeralltägliche Befähigung, die Weber als Charisma beschreibt.

Auf Grundlage dieser Definition diskutierten Feride Funda G.- Gençaslan (Vorsitzende bei Der Wahre Mensch e.V., Das Sufi-Zentrum Rabbaniyya), Schwester Hannelore Husemann (Franziskanerin und Leiterin des Hospizdienstes TAUWerk) sowie Gerald Seifert (von der japanisch-buddhistischen Organisation Soka Gakkai International-Deutschland) das Meister-Schüler-Verhältnis mit den Moderatoren Eva Harasta und Michael Bäumer sowie mit Frau Renger und dem Publikum. Als eine Gemeinsamkeit der drei Religionsrepräsentanten kristallisierte sich zu Beginn der Diskussion ihr Selbstverständnis als „Schüler“ heraus. Wesentliche Unterschiede wurden jedoch beim Verständnis des Meisters deutlich.

Schwester Hannelore Husemann erläutert, dass sie Jesus Christus als den einzigen Meister betrachtet und versuche, diesen Glauben in ihrem Alltag lebendig zu machen. Gehorsam versteht sie als das genaue Hinhören, um zu erkennen, wo ihr Einsatz gefragt ist. „Charisma“ möchte Schwester Hannelore Husemann nicht als exklusives Merkmal ihres Meisters verstanden wissen, sondern als eine Eigenschaft in jedem Menschen, die zur Geltung gebracht werden müsse.

Feride Funda G.- Gençaslan hebt hingegen hervor, wie wichtig die physische Präsenz des Meisters für ihre Spiritualität ist, da sie durch Spiegelung zu Selbsterkenntnissen gelangen kann. Theologisch grenzt sie den Meister, von Gott und dem Prophetentum ab und erläutert, dass mit dem Ende des Prophetentums durch Mohammed die Zeit der Meister begonnen habe.

Für Gerald Seifert erweist sich die Nähe zum Meister als bedeutend, weil der Meister nicht zweifle bzw. verstehe, seinen Zweifel produktiv zu nutzen. Der Meister bewege sich vornehmlich in Wahrheit und Mitgefühl und ermutige seine Schüler, ihm auf diesem Weg zu folgen. Seifert betrachtet das Meister-Schüler-Verhältnis nicht als ein hierarchisches, da sich Meister und Schüler auf Augenhöhe begegneten.

Almut-Barbara Renger bilanziert, dass sich im religiösen Feld weniger eine Säkularisierung, sondern vielmehr eine Individualisierung von Religion und Spiritualität ereigne. Diese komme auch dadurch zum Ausdruck, dass Meister immer häufiger als Coach, als Berater und Dienstleister betrachtet würden. Diese religionssoziologische Deutung evoziert unter den Diskutanten die Frage nach dem „Guruhopping“, also dem Wechsel der Meister. Mit diesem Begriff kann sich jedoch keiner der Diskutanten identifizieren. Feride Funda G.- Gençaslan erzählt, dass sie bereits mit 14 Jahren ihren Meister gefunden und seither nie an ihrer Zugehörigkeit zu ihm gezweifelt habe. Gerald Seifert schildert, dass er zunächst große Vorbehalte gehabt habe, sich einem Meister anzuschließen und zwar, weil er fürchtete, dies könne ihn einschränken. Er habe aber für sich erkannt, dass sein Meister darum bemüht sei, seine Schüler fordernd zu schützen und sich in ihren Dienst zu stellen.

Die starke Verbindung zum Meister wurde in der Veranstaltung durch die Frage herausgefordert, wie Schüler mit Fehlern und Verfehlungen ihrer Meister umgehen. Schwester Hannelore Husemann bezieht sich in ihrer Antwort nicht auf Jesus, sondern auf Franziskus, der selbst um seine Zweifel und seien Gebrochenheit gewusst habe und keine Perfektion für sich beanspruche. Er habe in seiner Gebrochenheit versucht, sein Leben in die Liebe Gottes zu stellen. Diesem Vorbild folgt auch die Franziskanerin in dem Bewusstsein, dass jeder Mensch Anteile von einem Heiligen, aber auch von einem Sünder in sich trage.

Diese Auffassung findet sich zudem bei Feride Funda G.- Gençaslan. Sie erläutert, dass auch ein Meister kein perfekter Mensch sei. Heil und Unheil seien jedoch beides Aspekte der einen göttlichen Einheit. Vor diesem Hintergrund können Fehler innerhalb des göttlichen Plans als Wegweiser zu mehr Weisheit interpretiert werden.

Gerald Seifert weist hingegen darauf hin, dass zwar auch ein Meister alle Lebenszustände erfahre, die ein Mensch haben kann, dass er sich aber primär in Mitgefühl und Wahrheit bewege. Bei schweren Fehlern oder gar dem Missbrauch eines Meisters verliere dieser die Meisterschaft. Ein Meister müsse an seinen Handlungen gemessen werden. Allerdings müssten solche Fehler oder Missbräuche eindeutig bewiesen werden.

In der Diskussion über geistliche Autorität und Anleitung in verschiedenen religiösen Traditionen wurde somit versucht, die Komplexität und die Ambivalenzen von Meister-Schüler-Beziehungen interreligiös zu beleuchten und auch die Anfälligkeit für „Machtausübung oder gar Unterdrückung“ zu thematisieren – wie es in der Einladung hieß. Dass dies jedoch nur teilweise gelang und vor allem der letzte Punkt in der Diskussion recht kurz und oberflächlich abgehandelt wurde, kann auf das Veranstaltungsformat selbst zurückgeführt werden. Denn es scheint die Möglichkeiten einer anderthalbstündigen Abendveranstaltung zu überschreiten, ein solch komplexes Phänomen wie die Meister-Schüler-Beziehung sowohl interreligiös vergleichend auszuleuchten als auch kritisch zu erörtern.

Wird eine solche Veranstaltungen aber als Möglichkeit des interreligiösen Austauschs und der Verständigung zwischen Vertretern verschiedener religiöser und spiritueller Traditionen betrachtet, erfüllen sie eine wichtige Funktion für das gesellschaftliche Zusammenleben und zeigen zugleich, dass der interreligiöse Dialog auch in einer Stadt wie Berlin eine wichtige Stimme in der Zivilgesellschaft ist. Eine nächste Gelegenheit diese Stimme zu vernehmen und an dem interreligiösen Austausch zu partizipieren, bietet das zweite Interreligiöse Abendforum, das am 18. September stattfindet und sich Friedensbegriffen aus verschiedenen religiösen Traditionen (Baptismus, Hinduismus, Baha’i) widmet.

AfD in Bayern will Staatskirchenverträge kündigen

© Bild: Jörg Hackemann/Fotolia.com
Das AfD-Programm für die Landtagswahl in Bayern widmet sich ausführlich den Kirchen. Die Partei stellt weitreichende religionspolitische Forderungen und bezeichnet die Kirchen als „besondere Lobbygruppe“.

katholisch.de

Die AfD Bayern hat in ihr Programm zur Landtagswahl im Oktober weitreichende religionspolitische Forderungen aufgenommen. So tritt die Partei für eine strikte Trennung von Staat und Religion nach französischem Vorbild ein. „Die AfD will keine staatliche Förderung von Religionsgemeinschaften“, heißt es in dem am Montag im Internet veröffentlichten 100 Seiten starken Programm. Die Staatskirchenverträge mit der katholischen und evangelischen Kirche müssten „unverzüglich“ gekündigt werden.

Nach dem Willen der AfD soll der Staat nicht länger führende christliche Geistliche besolden. Diese Praxis beruht vor allem auf staatlichen Enteignungen der Kirche im 19. Jahrhundert. Diese sogenannten Staatsleistungen müssten umgehend abgelöst werden, so die AfD. Das fordert auch die Linkspartei. Staatliche Zuwendungen soll es nach der AfD künftig nur noch im bisherigen Umfang für die Pflege sakraler Baudenkmäler „als Bestandteil der Kulturgeschichte im Freistaat“ geben.

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Die orthodoxe Welt fürchtet das nächste große Schisma

Seit fast 1.000 Jahren gehen die Kirchen in West und Ost getrennte Wege. Nun droht erneut ein Schisma von solch epochalen Ausmaßen. Der Ökumenische Patriarch von Konstantinopel muss über die Eigenständigkeit der ukrainischen Kirche befinden. Doch Moskau ist dagegen

katholisch.de

Bartholomaios I., Ökumenischer Patriarch von Konstantinopel, ist dieser Tage nicht zu beneiden. Das Ehrenoberhaupt der Orthodoxie hat eine Entscheidung zu treffen, die im besten Fall für Ärger unter einigen Millionen von Gläubigen sorgt, im schlimmsten Fall sogar ein weltweites Schisma auslöst: Die ukrainisch-orthodoxe Kirche des Kiewer Patriarchats möchte unabhängig werden. Seit April liegt im Fener, dem Amtssitz des Patriarchen im heutigen Istanbul, ein entsprechender Antrag auf dem Tisch. Nun hat Bartholomaios I. eine Entscheidung von enormer gesellschaftlicher, möglicherweise sogar weltpolitischer Bedeutung zu fällen.

Neu ist diese Frage nicht. Sie stellt sich spätestens seit dem Jahr 1992, als der damalige Metropolit von Kiew, Filaret Denyssenko, seiner russisch-orthodoxen Kirche den Rücken kehrte und eine rivalisierende Glaubensgemeinschaft ins Leben rief. Anlass für die Gründung dieser „ukrainisch-orthodoxen Kirche des Kiewer Patriarchats“ war die Bestrebung ukrainischer Kirchenführer, nach der staatlichen Unabhängigkeit auch die kirchliche zu erhalten.

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EKD dient sich häufig dem Zeitgeist an und verspielt so ihre Zukunft

Evangelischer Theologe Udo Schnelle: EKD erwecke Eindruck, dass es Aufnahmepflicht ohne Grenzen gebe. Es gebe aber kein unbegrenztes Helfen, Grenzenlosigkeit bedeute die Außerkraftsetzung von Regeln – Kritik auch an Positionen zu Homo-Ehe und Islam

kath.net

Die evangelischen Kirchen dienen sich häufig dem Zeitgeist an und verspielen so ihre Zukunft. Diese Ansicht vertritt der Theologieprofessor Udo Schnelle in einem Beitrag für die Evangelische Nachrichtenagentur „idea“. Der Bibel-Theologe aus Erlangen ist Autor mehrerer theologischer Standardwerke und sieht die evangelische Kirche in der politischen Ethik, die sich aus Ideen aus dem rot-grünen Politik-Spektrum bediene. Eine dieser Leitideen sei der „globale Universalismus, wonach jeder für jeden und für alles in der Welt Verantwortung habe“. Dieser führe zu einer Art „Intensiv-Ethik, die permanent fordert und sich moralisch unendlich überlegen fühlt“. Ein Beispiel dafür sei die Flüchtlingsfrage. Die EKD erwecke den Eindruck, dass es eine Aufnahmepflicht ohne Grenzen gebe. Es gebe jedoch kein unbegrenztes Helfen. Grenzenlosigkeit bedeute die Außerkraftsetzung von Regeln. Ohne Begrenzung sei keine Integration möglich. Auch theologisch sei die Forderung der Grenzenlosigkeit falsch. Jesu Christi Aussagen zur Nächsten- und Feindesliebe bezögen sich auf die individuelle Alltagsethik und nicht auf globale Prozesse des 21. Jahrhunderts.

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Markus Söder erfindet sich neu – doch wer glaubt ihm noch?

Markus Söder bei seiner Regierungserklärung. Inzwischen mahnt der bayerische Ministerpräsident im Landtag einen respektvollen Umgangston an. (Foto: Lino Mirgeler/dpa)
Ausgerechnet der Ministerpräsident mahnt einen guten Stil in der Debatte an. Dabei ist er selbst einer der großen Zündler.

Von Katja Auer | Süddeutsche Zeitung

Am Mittwochabend hat sich Ministerpräsident Markus Söder im Landtag ans Rednerpult gestellt und einen respektvollen Umgangston angemahnt. „Wir sind doch das Hohe Haus und keine Theaterbühne“, sagte er. Ausgerechnet Söder. Da gibt einer den Feuerwehrmann, der die ganze Zeit mitgezündelt hat. Der einer der Hauptakteure war im Asylstreit. Der Seehofers Irrlichtern mit Ausdrücken wie „Asyltourismus“ flankierte und so nicht nur zuließ, sondern befeuerte, dass die Kluft im Land tiefer wird und das Vertrauen in die Politik schwindet. Diesen Begriff werde er nicht mehr verwenden, sagte Söder nun, das sollte wohl Einsicht demonstrieren. Zugleich forderte er einen neuen Stil.

Freilich geht es im Landtag manchmal zu wie im Kasperltheater, wenn die Abgeordneten sich anplärren und beschimpfen und den Rednern ins Wort fallen.

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Linkspolitikerin will Staatsleistungen an Kirchen ablösen

© Bild: dpa/Michael Kappeler
Im vergangenen Jahr scheiterte die Linke mit ihren Forderungen im Finanzausschuss des Bundestags. Jetzt will die religionspolitische Sprecherin der Fraktion das Thema erneut angehen – mit konkreten Vorschlägen.

katholisch.de

Die religionspolitische Sprecherin der Linksfraktion im Bundestag, Christine Buchholz, hat sich für eine Ablösung der Staatsleistungen an die Kirchen ausgesprochen. 2019 werde dieser Verfassungsauftrag 100 Jahre alt, sagte die Politikerin in einem Interview der Wochenzeitung „Die Tagespost“ (Donnerstag). Sie habe den Eindruck, in den Kirchen gebe es „durchaus Bereitschaft zu einer offenen Diskussion“. Buchholz schlug dazu die Bildung einer Kommission mit Vertretern von Kirchen und Weltanschauungsgemeinschaften vor. In ihr sollten staatliche und zivilgesellschaftliche Akteure gemeinsam praktische Wege finden.

Als Staatsleistungen im engeren Sinne werden historisch begründete Zahlungen an die Kirchen in Deutschland bezeichnet, zu denen sich der Staat 1803 im Gegenzug für eingezogene Kirchengüter verpflichtete. Daher zahlt der Staat bis heute Gehälter unter anderem für Bischöfe und Domherren.

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USA: Priester wegen Lebensschutzaktion in Abtreibungsklinik verurteilt

Justitia Skulptur (CC-by-nc-sa/3.0 by Luc Viatour)

Stephen Imbarrato musste sieben Tage ins Gefängnis, weil er in einer Abtreibungsklinik Frauen dazu ermutigt hatte, sich für ihr Baby zu entscheiden.

kath.net

Sieben Tage im Gefängnis seien „ein kleines Opfer, um eine stärkere Stimme für die Babys zu bekommen“, sagte Stephen Imbarrato, bevor er eine siebentägige Haftstrafe antrat.

Imbarrato wurde verurteilt, weil er gemeinsam mit zwei weiteren Lebensschützern im Wartezimmer einer Abtreibungsklinik in Washington D.C. rote Rosen verteilt und Frauen dazu ermutigt hatte, sich für ihr Baby zu entscheiden. Er wurde wegen Hausfriedensbruch verurteilt.

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Politischer Offenbarungseid: Grünen-Politiker fordert lautstarke Kirche gegen Flüchtlingspolitik

Sven Giegold 2010. Bild: wikipedia.org/CC BY-SA 3.0 Kaihsu Tai

Die Konturen der künftigen europäischen Flüchtlingspolitik bleiben unscharf. Der eingeschlagene Weg deutet in Richtung Abschottung Europas. Was die Kirchen wiederum lautstärker auf den Plan rufen sollte, meint der EU-Abgeordnete Giegold.

DOMRADIO.DE

DOMRADIO.DE: Sie haben zusammen mit Mitgliedern des Präsidiums des Deutschen Evangelischen Kirchentags eine Petition zur Flüchtlingspolitik gestartet. Sie fordern die Kirchen dazu auf, klar für Flüchtlinge und gegen die Politik der Abschottung einzutreten. Was wollen Sie mit dieser Petition erreichen?

Sven Giegold (EU-Abgeordneter der Grünen und Mitglied im Präsidium des Deutschen Evangelischen Kirchentags): Die Petition wendet sich an die Regierungen in der Europäischen Union. Wie Sie ja völlig zu Recht beschrieben haben, hat sich das öffentliche Klima sehr verändert. Ich würde sogar sagen, wir haben es mit einer Entzivilisierung der Politik zu tun. Denn das Recht auf Asyl ist nichts wert, wenn man keinen Antrag mehr stellen kann und die Politik, die die Mitgliedsländer bei ihrem letzten Ratstreffen beschlossen haben, ist die Abschottung Europas. Den Versuch gibt es schon lange.

Aber bisher gab es noch Wege durch das Netz. Diejenigen, die jetzt helfen, um durch dieses Netz hindurch zu kommen, nämlich die Flüchtlingsretter auf dem Mittelmeer, werden kriminalisiert und schärfstens kritisiert. Das ist ein Zustand, der für uns unerträglich ist und auch nicht den Werten entspricht, auf denen Europa gegründet ist.

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Kirche: „Hexenjagd“ auf Mutter-Teresa-Schwestern

© Bild: KNA
Haben die Missionarinnen der Nächstenliebe Kinder verkauft? Das ist der schlimme Vorwurf gegen die indischen Mutter-Teresa-Schwestern. Die Kirche sieht darin eine Kampagne der Hindunationalisten.

katholisch.de

Die Kirche im indischen Bundesstaat Jharkhand weist Vorwürfe gegen Schwestern der Missionarinnen der Nächstenliebe zurück. „Die Regierung greift unsere Einrichtungen an, um uns zu diffamieren“, klagt der Weihbischof von Ranchi, Telesphore Bilung, gegenüber UCAnews. Der Orden sehe sich einer „Hexenjagd“ seitens der hindunationalistischen Regierung ausgesetzt. Den Schwestern wird unter anderem vorgeworfen, Kinder an kinderlose Paare verkauft zu haben.

Jharkhand wird von der hindunationalistischen Indischen Volkspartei (BJP) regiert. „Wir wissen von Hausdurchsuchungen in verschiedenen Teilen des Bundesstaates. Mit diesen Einsätzen versucht die Regierung zu beweisen, dass Christen und ihre Einrichtungen an illegalen Aktivitäten beteiligt sind“, so Bilung weiter.

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Wie Katholiken und Protestanten einander nerven

Bringt den Katholiken Seehofer zur Weißglut: die kühle protestantische Frau aus dem Norden (AFP / John MACDOUGALL)
In der Politik seien katholische Männer auf ausdauernde Protestantinnen oft zornig, weil alles an ihnen abprallt, meint Religionsphilosophin Gesine Palmer. Der schönste Versuch einer Demütigung wirke lächerlich, wenn die Gemeinte sich nicht getroffen fühlt.

Von Gesine Palmer | Deutschlandfunk Kultur

Wenn man nicht so genau weiß, was von einer Sache zu halten sei, ist ein gutes Vorurteil immer noch besser als gar kein Argument.

Einst, als die Bundesrepublik Deutschland in einem so selig provinziellen Schlummer lag, dass nicht nur die Jugend mehr Welt herbeisehnte, halfen Vorurteile vorzugsweise im Umgang mit anderen Deutschen. Wenn damals die besorgten Eltern vor religiösen Mischehen warnten, meinten sie das Wagnis einer Ehe zwischen einem Katholiken und einer Protestantin. Wer das später noch für ein ernstes Problem halten wollte, machte sich lächerlich. Dachte ich. Bis vor ein paar Wochen. Dass ich mir jetzt nicht mehr so sicher bin, hat auch mit Politik zu tun.

Fangen wir mit den Vorurteilen an über katholische Männer und protestantische Frauen. An sich streben in der Politik beide nach Macht, wie alle Welt, und sie teilen auch das Ideal: Wer Macht hat, gebrauche sie mit Demut und möglichst unprätentiös. Aber wenn es ums Detail geht, verhalten sich der Katholik und die Protestantin doch sehr unterschiedlich.

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Moralkritik:“Die politische Einmischung der Kirche halte ich für verfehlt“

Ein riesiger Geschäftsmann ermahnt einen Miniatur-Geschäftsmann mit ausgestrecktem Zeigefinger, über dem kleinen Mann schweben Pfeile. (imago/Ikon Images)
„Im Moralapostolat“ heißt das Buch von Horst G. Herrmann. Darin kritisiert er eine „Zivilreligion der Schuld- und Willkommenskultur“. Diese habe mit der Reformation begonnen. „Angela Merkel ist genau so ein Sturkopf wie Luther“, sagte er im Dlf.

Christiane Florin im Gespräch mit Horst G. Herrmann | Deutschlandfunk

Christiane Florin: In „Tag für Tag“ beschäftigen wir uns in lockerer Folge mit dem Verhältnis von Moral und Glauben. Es ist gerade in Mode, Moral gleichzusetzen mit  Moralismus und Hypermoral, mit Überheblichkeit und Selbstgerechtigkeit, Moral ist zum Schimpfwort geworden. Vor kurzem landete ein Buch auf meinem Schreibtisch mit dem Titel „Im Moralapostolat“. Darin legt der Autor Horst Herrmann eine heiße Spur von der Reformation bis zur, Ökumene der Moralisten, wie er es nennt, von Luther bis Heinrich Bedford-Strohm und Angela Merkel. Der wortwitzige Stil des Buches hat meine Neugier geweckt, der Inhalt meinen Widerspruchsgeist. Gestern war Horst Herrmann bei uns im Studio zum Interview. Er nennt sich selbst einen freien Beobachter und Philosophen. Ich wollte zunächst von ihm wissen, was ist ein Moralapostel ist.

Horst G. Herrmann: Ich könnte jetzt antworten, ein Moralapostel ist jemand, der Moral verabsolutiert. Also jemand, der Moral verabsolutiert, wird in meiner Einschätzung mit dem Begriff der Tugend nicht viel anfangen können, weil man Tugenden nicht so gut verabsolutieren kann. Klugheit, Besonnenheit, Tapferkeit, die sperren sich so ein bisschen gegen das Verabsolutieren. Die klassische tugendethische Frage: Was soll ich tun?, stellt sich eigentlich für einen Moralapostel nicht so. Ich denke einmal, ein Moralapostel würde sich, wenn er sich überhaupt eine Frage stellt, die Frage stellen, was muss ich tun. Moralapostel, finde ich, lieben auch so einen Satz wie: „Es kann nicht sein, dass… „. Ich finde, er ist unnachsichtig, ungnädig, er ist auch ressentimentbeladen.

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Nato will Trump auf antirussischen Kurs fixieren

Bild:Weißes Haus
Nach der vorbereiteten Abschlusserklärung sollen die Folgen von Trumps von Angst begleitetem Treffen mit Putin zugunsten der transatlantischen Einheit minimiert werden

Florian Rötzer | TELEPOLIS

Angeblich liegt die vorbereitete Abschlusserklärung für den heute beginnenden Nato-Gipfel der Süddeutschen Zeitung vor. Danach wollen die Nato-Mitglieder dem dauernden Quängeln von US-Präsident Trump entgegenkommen und die schon 2014 beschlossene Erhöhung der Rüstungsausgaben auf 2 Prozent vom BIP nun umsetzen. Aber dafür soll wohl auch Trump in den transatlantischen Bahnen gehalten werden.

Angst geht um vor dem Nato-Gipfel, dass dem Verteidigungsbündnis, das immer mehr zum Interventionsbündnis wurde, der Spaltpilz von innen droht. Seit spätestens 2002, als die USA den Aufbau des Raketenabwehrschilds an den Grenzen zu Russland beschlossen hatte, köchelte die Nato den Konflikt mit Russland hoch. Noch einmal deutlich angeschoben hatte den Konflikt der Regierungssturz in der Ukraine und in der Folge die Übernahme der Krim mit einem umstrittenen Volksentscheid durch Russland sowie die Unterstützung der Separatisten in der Ostukraine, in die Kiew in einen Antiterrorkrieg gezogen war, als es zunächst noch Anti-Kiew-Proteste ist Stil der Maidan-Bewegung gab.

Gegen den gemeinsamen Feind und mit der Unterstützung der Ukraine konnte die transatlantische Einheit selbst über den Brexit und die türkischen Aktionen hinweg gewahrt werden. Nicht die Türkei aber soll der Nato, die sich auch als Wertegemeinschaft sehen will, gefährlich werden, sondern die USA unter Donald Trump. Der fordert nicht nur, dass alle Nato-Staaten mehr Geld für das Militär ausgeben müssen und am besten seinem Vorbild folgen sollen, den Militärhaushalt um 10 Prozent anzuheben.

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Erzapostel Schicks Gebote für Biker

© Bild: Pressestelle/Hendrik Steffen
In der Sommerluft auf dem Motorrad über die Landstraße gleiten: das kann für eingefleischte Biker ein himmlisches Vergnügen sein – wenn sie sich an diese Regeln von Erzbischof Ludwig Schick halten.

katholisch.de

Motorräder gehören auf die Landstraße wie das Amen in die Kirche. Und natürlich gibt es im Volk Gottes auch viele Biker. Im Erzbistum Bamberg kommen sie besonders auf ihre Kosten: Zwischen Taubertal, Fränkischer Schweiz und dem zauberhaften Gottesgarten am Obermain können sie auf unzähligen Kilometern zugleich ihre Maschinen und die Schönheit der Schöpfung genießen.

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Kirche in Dortmund hält trotz rechter Drohungen an Kirchenasyl fest

Justitia Skulptur (CC-by-nc-sa/3.0 by Luc Viatour)

Der evangelische Kirchenkreis Dortmund hat eine eigene Strategie für ein erfolgreiches Kirchenasyl trotz rechtsextremer Drohungen entwickelt. „Wir gehen in Dortmund einen eigenen Mittelweg“, sagte Pfarrer Friedrich Stiller, der in dem Kirchenkreis für die Erstberatung Kirchenasyl zuständig ist, dem Evangelischen Pressedienst (epd).

Jana Hoffmann | evangelisch.de

Wegen Drohungen aus der Dortmunder Neonazi-Szene werde die Öffentlichkeit zwar darüber informiert, dass es ein Kirchenasyl im Kirchenkreis gebe. Der Name der Gemeinde werde aber nicht genannt.

Die Evangelische Christuskirchengemeinde in Lütgendortmund hatte seit Februar 2018 einer irakischen Familie Kirchenasyl gewährt. Die konkreten Umstände veröffentlichte der Kirchenkreis erst, nachdem das Kirchenasyl abgeschlossen war. Nach Stillers Worten ist Kirchenasyl grundsätzlich öffentlich gedacht. „Wir wollen ja, dass Menschen sich mit den Geflüchteten solidarisieren, und auf die dahinterliegende Problemlage aufmerksam machen“, sagte der Pfarrer, der auch Sprecher des Dortmunder Arbeitskreises Christen gegen Rechtsextremismus ist. In der Ruhrgebietsstadt sei das aber wegen der rechtsextremen Bedrohungslage nicht möglich.

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Seehofers „Masterplan Migration“ stößt auf Kritik

Am Dienstag präsentierte Innenminister Seehofer seinen „Masterplan Migration“. Die angestrebten Verschärfungen des Asylrechts stoßen bei Organisationen auf Widerstand. Seehofer opfere die letzte Humanität im Asylrecht, kritisierte auch die Linke.

evangelisch.de

Mit der Unterstützung von Herkunftsländern und Verschärfungen im deutschen Asylrecht will Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) die Zuwanderung nach Deutschland regulieren. Am Dienstag präsentierte Seehofer in Berlin seinen „Masterplan Migration“. 63 Punkte enthält das Papier, darunter Pläne für Einschränkungen von Sozialleistungen für Flüchtlinge und ein schärferes Vorgehen gegen Ausreisepflichtige, etwa durch Ausweitung der Abschiebehaft. Der Plan stieß auf ein geteiltes Echo. Hilfsorganisationen kritisierten die geplanten Verschärfungen. Die für die nationalen Maßnahmen notwendige Unterstützung der SPD blieb zunächst fraglich.

23 Seiten hat der „Masterplan“. Unter anderem geht es um die Verbesserung der Situation in Herkunfts- und Transitstaaten, um Flucht zu verhindern, sowie Regelungen auf Ebene der Europäischen Union. Der Fokus liegt aber auf nationalen Maßnahmen. Bereits ab Punkt 26 geht es um den Schutz der deutschen Grenzen, Qualität in Asylverfahren, Mitwirkungspflichten von Asylsuchenden, die geplanten Anker-Zentren und mögliche Kürzungen der Sozialleistungen. Anderthalb Seiten beschäftigten sich mit dem Themenfeld Integration, drei mit dem Thema Rückkehr und Abschiebung.

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EuGH: Zeugen Jehovas müssen Datenschutz beachten

© Bild: picture alliance / dpa / Matthias Balk
Wenn die Zeugen Jehovas an die Tür klopfen, dürfen sie danach nicht beliebig persönliche Daten notieren: Auch bei der Mission an Haustüren greift der Datenschutz, hat der Europäische Gerichtshof nun entschieden.

katholisch.de

Auch die Mitglieder der „Zeugen Jehovas“ müssen sich an den Datenschutz halten. Daten, die von Mitgliedern der Religionsgemeinschaft bei Haustürbesuchen erhoben werden, dürfen nur in Übereinstimmung mit dem europäischen Datenschutzrecht verarbeitet werden. Das hat der Europäische Gerichtshof (EuGH) heute in einem Urteil entschieden.

Bei der Haustürmission notieren die „Zeugen Jehovas“ neben Namen und Adressen auch Gesprächsinhalte mit besonders sensiblen Informationen wie religiöse Überzeugungen und Familienverhältnisse, um bei weiteren Besuchen darauf zurückgreifen zu können.

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