Archiv der Kategorie: Christentum

Brasilianische Apostel – keine Abtreibung bei Hirnschädigung

abtreibung

Die katholischen Bischöfe in Brasilien haben sich laut Medienberichten gegen eine Freigabe von Abtreibungen bei einer Mikrozephalie-Diagnose ausgesprochen. Damit stellten sie sich gegen entsprechende Empfehlungen der Weltgesundheitsorganisation WHO, berichtet die brasilianische Tageszeitung «Estado» (Donnerstag).

kath.net

«Mikrozephalie gibt es in Brasilien seit Jahren. Nun nutzt man die gegenwärtige Situation aus, um das Thema Abtreibung wieder auf die Tagesordnung zu bringen», zitiert die Zeitung den Generalsekretär der Bischofskonferenz, Weihbischof Leonardo Steiner. «Abtreibungen leisten einer Eugenik und der Auswahl perfekter Menschen Vorschub», so Steiner.

Seit September wurden in Brasilien 404 Säuglinge mit der Hirnschädigung diagnostiziert; rund 3.500 weitere Fälle werden derzeit noch untersucht. Experten sehen es als sehr wahrscheinlich an, dass die rasante Zunahme von Mikrozephalie durch das Zika-Virus verursacht wird.

weiterlesen

Papst und Moskauer Patriarch wollen Christen wiedervereinen

Foto: POOL/AFP Historisches Treffen zwischen Papst Franziskus (r.) und Kyrill I.
Zum ersten Mal seit der Kirchenspaltung vor fast 1000 Jahren haben sich die Oberhäupter der Katholiken und der russischen Orthodoxie getroffen: Mit einer Umarmung beendeten Papst Franziskus und Patriarch Kyrill I. am Freitag auf Kuba die 1054 ausgebrochene Eiszeit. Im Anschluss riefen sie zur Rückkehr zur “von Gott gewollten Einheit” auf – und schickten einen dringenden Appell an die Staatengemeinschaft, in der Golfregion verfolgte Christen zu schützen.

DIE WELT

Die Einheit aller Christen müsse wiederhergestellt werden, erklärten die beiden Kirchenoberhäupter nach ihrem historischen Gespräch am Flughafen der kubanischen Hauptstadt Havanna. “Wir sind von Schmerz erfüllt über den Verlust der Einheit, ein Ergebnis menschlicher Schwäche und Sünde.” Ihr Treffen sei ein Signal der Hoffnung auf Wiedererlangung der Einheit. “Endlich treffen wir uns. Wir sind Brüder”, hatte Franziskus Kyrill zuvor begrüßt. “Es ist klar, dass dieses Treffen von Gott gewollt ist.”

Die Begegnung der Oberhäupter beider Kirchen, die 1,3 Milliarden Christen vertreten, war seit Jahrzehnten vorbereitet worden, das kommunistisch-atheistische Kuba wurde gezielt dafür ausgewählt. Die steigende Gewalt gegen Christen in der Golfregion und in Nordafrika in den vergangenen Jahren verliehen dem Treffen besondere Dringlichkeit. “In vielen Ländern werden ganze Familien, Dörfer und Städte unserer christlichen Brüder und Schwestern ausgelöscht”, hieß es in der gemeinsamen Erklärung. Die Staatengemeinschaft müsse “dringend handeln”, um die weitere Vertreibung von Christen aus dem Mittleren Osten zu stoppen.

weiterlesen

Gottesknecht Oppermann

Thomas Oppermann. Bild. dpa

Die Frage „Konsequente Trennung von Staat und Kirche – eine zeitgemäße Forderung?“ hat der Göttinger SPD-Bundestagsabgeordnete Thomas Oppermann am Donnerstag erörtert. Er sprach zum Abschluss der Vortragsreihe „Kirche – Staat – Politik: Perspektiven auf ein komplexes Verhältnis“ an der Universität Göttingen.

Von Marie Varela|Göttinger Tageblatt

Bis in den Keller der Theologicums am Platz der Göttinger Sieben ist Thomas Oppermann während seines Jura-Studiums an der Georgia Augusta nie vorgedrungen. Nun bezog er dort in seinem Seminarraum Stellung zu einem immer dringlicher erscheinenden Thema. Ist eine Trennung von Kirche und Staat nach dem französischen Vorbild des Laizismus eventuell eine Notwendigkeit angesichts der rasanten Veränderungen in Bezug auf Religionszugehörigkeit in Deutschland? Oppermann erkennt an, dass Forderungen wie diese nur zu verständlich sind.

Die Zahl der Kirchenmitglieder sinke jedes Jahr drastisch. In Deutschland lebten mittlerweile 4 Millionen Muslime und zahlreiche Anhänger anderer Religionen. So steige der Pluralisierungsdruck und die zentrale Frage sei: „Wie wollen wir es halten mit der Religion in Deutschland?“ Er selbst halte es allerdings für falsch, Religion als reine Privatsache zu behandeln. Und dies auch als Mitglied der SPD und deren historisch bedingt lange Zeit schwierigen Verhältnisses zur Religion.

weiterlesen

US-Gericht entscheidet für Gewissensfreiheit für Standesbeamte

Themenbild.
Themenbild.
Die Standesbeamte Kim Davis darf nicht gezwungen werden Ehelizenzen für homosexuelle Paare auszustellen, wenn dies gegen ihr Gewissen verstößt. Das hat ein Bundesgericht entschieden.

kath.net

Die Standesbeamte Kim Davis muss keine Ehelizenzen an gleichgeschlechtliche Paare ausstellen. Ein Bundesrichter im US-Bundesstaat Kentucky hat eine entsprechende Klage der Bürgerrechtsorganisation ACLU (American Civil Liberties Union) abgewiesen.
Davis ist praktizierende Christin und hat sich aus Gewissensgründen geweigert, homosexuellen Paaren Ehelizenzen auszustellen. Dies würde den Geboten ihres Glaubens widersprechen, hat sie argumentiert. Für ihre Standhaftigkeit musste sie im September 2015 einige Tage in Beugehaft verbringen. Kath.net hat berichtet.

Als sie aus der Beugehaft entlassen worden ist, hat sie neue Formulare für die Ehelizenzen erstellt, auf der ihr Name nicht aufscheint. Sie selbst hat homosexuellen Paaren weiterhin keine Lizenzen ausgestellt, sondern dies ihren Mitarbeitern überlassen.

weiterlesen

Ostwestfalen: 50-Euro-Scheine mit christlicher Botschaft

Ein Unbekannter verschenkt dutzende 50-Euro-Scheine. Die Beschenkten fragen sich, warum © Jens Büttner/DPA
Im Briefkasten, im Einkaufswagen, an der Frontscheibe des Autos: Die Bewohner einer Gemeinde in Ostwestfalen fanden in den letzten Tagen immer wieder Kuverts mit Geldscheinen. Der Absender ist anonym – und hinterließ merkwürdige Nachrichten.

stern.de

Was kann dahinter stecken, wenn ein Unbekannter fremden Menschen Geld schenkt? Diese Frage stellen sich zur Zeit dutzende Bewohner des Städtchens Bünde bei Bielefeld. Fast alle Mieter der Wohnresidenz “Elseaue” hätten in ihrem Briefkasten je ein Kuvert mit einem 50-Euro-Schein gefunden, berichtet das “Westfalen-Blatt”. Dazu habe jeder der Beschenkten eine Karte mit einer christlichen Botschaft erhalten.

Darauf hätten die Worte “from Jesus with…” mit einem Herz gestanden, zusammen mit dem Bibelspruch “Der Herr ist mir erschienen von ferne: Ich habe dich je und je geliebt, darum habe ich dich zu mir gezogen aus lauter Güte. Jeremia 31,3”. Einigen Beschenkten kam der Briefumschlag dem Bericht zufolge merkwürdig vor – sie verständigten daraufhin die Polizei.

weiterlesen

56 Jahre nach der Tat: Priester für Mord an Schönheitskönigin verhaftet

Bild: stern.de
1960 wird in Texas eine junge Schönheitskönigin erwürgt aufgefunden. Der mysteriöse Mordfall schockiert die USA – bleibt aber über Jahrzehnte unaufgeklärt. Jetzt hat die Polizei einen Priester verhaftet.

stern.de

Vor 56 Jahren wird Irene Garza im texanischen Örtchen McAllen ermordet. Der Fall schockiert das ganze Land und gilt lange als einer der am längsten unaufgeklärten Morde der US-Geschichte. Umso erstaunlicher die Meldung der Polizei von Texas: Laut eines Berichts der “New York Times” wurde nun ein seit Jahren Tatverdächtiger verhaftet – der 83-jährige John Feit.

Feit war damals junger Priester der Gemeinde und lebt heute zurückgezogen in Scottsdale, Arizona. Nach seiner Verhaftung wurde er in ein Gefängnis in Phoenix überstellt. Die ganze Sache ergebe aber keinen Sinn, erklärte Feit vor Gericht – schließlich sei das Verbrechen bereits 1960 verübt worden. “Es gibt keine Verjährung für diese Art von Verbrechen”, erwiderte Paula Williams, Vorsitzende des Gerichts.

weiterlesen

Christentum: Die gewaltbereite friedliebende Gesellschaft

Die eigene Wahrheit wurde bei den Kreuzzügen mit Gewalt durchgesetzt. Foto: imago/United Archives
Woher rührt das apokalyptische Denken, das die derzeitige Debatte um die Flüchtlinge bestimmt? Historiker beleuchten aktuell die nachhaltig wirkende Gewaltgeschichte des Christentums.

Von Dirk Pilz|Frankfurter Rundschau

Die sogenannte Flüchtlingskrise, die Lage der Nation, die Merkel’sche Politik – viele Kommentare dazu derzeit mit schrillen Katastrophentönen. Als gäbe es nur das große Entweder-Oder. Entweder das Abendland verbarrikadiert sich oder Europa geht unter. Entweder Sieg oder Niederlage. Woher rührt dieses apokalyptische Denken? Und woher die wachsende Bereitschaft zur Gewalt dabei? Wer in der Flüchtlingsfrage nach Obergrenzen ruft, fordert implizit immer den Einsatz von Gewalt. Und diese Forderung erfreut sich wachsender Zustimmung – in einer Gesellschaft, die sich für friedliebend hält. Wie kann das sein?

Um solche Widersprüche zu verstehen, müssen wir zu den Anfängen des Christentums zurück, sagt der französische Historiker Philippe Buc. Er tut es in seinem Buch „Heiliger Krieg“ auf erschreckend erhellende Weise und spricht dabei von religiösen Konzepten, die „den Weg in die Moderne überstanden haben, indem sie sich in Ideen und Ideologien verwandelten, die ohne das Übernatürliche und Gott auskamen, aber vergleichbare Strukturen beibehielten“. Es sind Ideen wie jene, dass man um des Guten und Richtigen willen Opfer bringen müsse, dass die größte Gefahr von vermeintlichen Verrätern dieses Guten und Richtigen ausgehe, dass die eigene Freiheit auch mit Gewalt verteidigt werden dürfe.

weiterlesen

Minderjährige sollen nur in Härtefällen Eltern nachholen dürfen

Bundeskanzleramt, Bild: BB
Bundeskanzleramt, Bild: BB
Nun scheint der Weg für das Asylpaket II endgültig frei: Nachdem der Kabinettsbeschluss von der SPD noch einmal infrage gestellt worden war, fanden die Minister de Maizière und Maas eine Kompromissformel im Konflikt um den Familiennachzug.

MiGAZIN

Die Koalition hat sich im Streit um die Aussetzung des Familiennachzugs bei minderjährigen Flüchtlingen geeinigt. Wie Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) und Bundesjustizminister Heiko Maas (SPD) am Donnerstag in Berlin mitteilten, soll es bei der bereits vom Kabinett verabschiedeten Regelung bleiben, wonach auch Kinder und Jugendliche mit subsidiärem Schutz grundsätzlich für zwei Jahre ihre Eltern nicht nachholen dürfen. In Härtefällen soll es aber Ausnahmen geben. „Wir haben eine vernünftige Lösung gefunden – ohne die Beschlüsse der Koalition zu ändern“, sagte Maas.

Die SPD wollte zunächst eine komplette Ausnahme für Minderjährige bei der Beschränkung des Nachzugs erreichen. Der Kompromiss sieht humanitäre Entscheidungen durch die Prüfung von Einzelfällen vor. Entscheiden soll darüber das Auswärtige Amt im Einvernehmen mit dem Bundesinnenministerium.

weiterlesen

Der Patriarch, der Papst und ein Handschlag nach 1000 Jahren

Kyrill I. – Foto: Maxim Shemetov/REUTERS
Wer ist Kyrill I., der am Freitag auf Kuba Papst Franziskus trifft? Ein kleines Porträt des russisch-orthodoxen Patriarchen.

Von Claudia Keller|DER TAGESSPIEGEL

Der Patriarch residiert wie ein Großfürst, fährt Maybach und soll über ein Vermögen von vier Milliarden Dollar verfügen. Welch Gegensatz zum bescheiden auftretenden Papst Franziskus! Und doch ist diesen beiden christlichen Oberhäuptern gelungen, was ihre Vorgänger über 1000 Jahre nicht erreicht haben: sich so weit zu verständigen, dass ein öffentliches Treffen möglich ist.

Am Freitag wollen sie im Flughafen von Havanna eine Erklärung unterzeichnen. Es ist ein großer Schritt, um das Schisma zu überwinden, das die Christen seit 1054 spaltet.

Damals hatten sich die lateinisch geprägten Christen in Rom und die griechischen in Konstantinopel auseinandergelebt, feierten die Gottesdienste unterschiedlich und waren sich theologisch fremd geworden. Doch Papst Leo IX. wollte seine Vorherrschaft auf den Osten ausdehnen. Der dortige Patriarch sah sich als gleichrangiges Oberhaupt und lehnte Machtstreben und Vorrangstellung des Papstes als Häresie ab. Es kam zur gegenseitigen Exkommunikation.

weiterlesen

Jewish groups press Cruz to explain controversial backer

Republican Presidential candidate Ted Cruz speaks at Exeter Town Hall January 20, 2016 in Exeter, New Hampshire. (Darren McCollester/Getty Images/AFP)
Republican hopeful touts endorsement of Mike Bickle, who seeks to convert the Jews and says God sent Hitler to hunt them

By Eric Cortellessa|The Times of Israel

American Jewish groups have demanded that presidential hopeful Ted Cruz clarify his position on his provocative endorsement from an evangelical leader whose views on Jews are highly controversial.

The Texas senator has been touting the backing of Mike Bickle, a man who seeks to convert Jews to Christianity, who predicts there will be another era of concentration camps, and who has said that Hitler was sent by God to hunt Jews.

“It is profoundly troubling that Sen. Ted Cruz proudly trumpeted the endorsement of such a controversial figure who holds such offensive views,” the National Jewish Democratic Council, a lobbying group committed to promoting Jewish values and interests within the Democratic party, said in a statement.

“We call on Sen. Cruz to clarify his position and explain why he chose to highlight someone who is ‘notorious for having said that God sent Hitler to hunt Jews for not accepting Jesus as the messiah.’”

read more

Kommen Transsexuelle in der Bibel vor?

Bisher haben Kirche und Theologie kaum etwas zum Thema Transsexualität zu sagen. Es mag daran liegen, dass darüber wenig in der Bibel steht. Doch es gibt einige Stellen, die man zu dem Thema heranziehen kann.

Von Anne Kampf|evangelisch.de

Genau zwei Bibelstellen wurden von den Theologen bei der Konferenz “Transsexualität. Eine gesellschaftliche Herausforderung im Gespräch zwischen Theologie und Neurowissenschaften” Anfang Februar in Frankfurt zitiert: 1. Mose 1,27 und Galater 3,28. Die Biologin Joan Roughgarden steuerte noch Apostelgeschichte 8,26-40 und andere Verse über Eunuchen bei. In Bezug auf die Geschlechtsangleichung schlug ein Teilnehmer außerdem das Motiv der “neuen  Kreatur” aus den neutestamentlichen Briefen vor. Doch der Reihe nach.

“Gott schuf den Menschen zu seinem Bilde, zum Bilde Gottes schuf er ihn; und schuf sie als Mann und Frau”, so steht es in 1. Mose 1,27, richtiger übersetzt: “männlich und weiblich”. Wie können Menschen, die homo-, bi- inter- oder eben transsexuell veranlagt sind, dieses binäre Modell “männlich und weiblich” verstehen und auf sich beziehen? Der hessen-nassauische Kirchenpräsident Volker Jung sagte dazu: “Die Zweigeschlechtlichkeit von Mann und Frau ist eine besondere Gabe Gottes. Sie ist aber nicht das einzige Schöpfungsgemäße, gegenüber dem andere geschlechtliche Orientierung als defizitär zu beurteilen wäre.” Der evangelische Theologe Dirk Evers von der Universität Halle-Wittenberg ergänzte: “In der wechselseitigen Bezogenheit und seiner sexuellen Diversität entspricht der Mensch seinem Schöpfer.” Nicht nötig, dass ein Mensch sich eindeutig als Mann oder Frau einordnet, um der Schöpfungsordnung zu entsprechen.

weiterlesen

Sex-und Machtspiele: In der “Kloake” Avignon feierten die Päpste Orgien

Johannes XXII.. Bild: wikimedia.org/PD
Mit Johannes XXII. begann 1316 die “Babylonische Gefangenschaft” der Päpste in Avignon. Für mehr als 60 Jahre dämmerte die Kurie in Gelagen und Machtspielen dahin, Auftakt zum Großen Schisma.

Von Berthold Seewald|DIE WELT

Jacques Duèse war alles andere als ein begnadeter Theologe. Dafür kannte sich der kränkliche und kleinwüchsige Mann aus dem französischen Midi umso besser in Juristerei und Politik aus, was ihm 1310 den Bischofshut von Avignon eintrug. Sechs Jahre später, vor 700 Jahren, krönten die Kardinäle diese bemerkenswerte Karriere mit der Wahl zum Papst. Da war Duèse 72 Jahre alt. Als Johannes XXII. saß er 18 Jahre auf dem Stuhl Petri, länger als viele seiner Vorgänger und Nachfolger. “Mit ihm kam eine der unwürdigsten Persönlichkeiten auf den päpstlichen Thron”, urteilt der Kirchenhistoriker und Vatikanspezialist Georg Denzler.

Als gewiefter Jurist widerrief Johannes mit seiner Bulle “Quia nonnunquam” die Lehre, dass Jesus und seine Jünger kein Eigentum besessen hätten, und machte sich umgehend daran, als Stellvertreter Christi mit entsprechendem Beispiel voranzugehen. Er unterwarf kirchliche Ämter und Pfründe mit einem raffinierten Steuersystem, das ihn zum reichsten Herrscher des Abendlandes machte, setzte dem Nepotismus neue Maßstäbe, indem er fünf Verwandte zu Kardinälen ernannte, und weigerte sich, Rom zu besuchen. Statt dessen residierte er in seinem Palast in Avignon, das er damit für mehr als 60 Jahre zum Zentrum der abendländischen Christenheit machte.

weiterlesen

Kinderfickersekte erwägt Weltgebetstag für Missbrauchsopfer

missbrauch_kathol

Auch eigene Bußliturgie, Transparenz-Workshops und Universitätskurs unter den Vorschlägen der vatikanischen Kinderschutzkommission

kath.net

Die vatikanische Kinderschutzkommission will Papst Franziskus die Einführung eines Weltgebetstags für Missbrauchsopfer vorschlagen. Darüber hinaus könne über eine Bußliturgie nachgedacht werden, wie aus einer am Montag veröffentlichten Presseerklärung des vatikanischen Gremiums hervorgeht. Sechs Arbeitsgruppen hatten sich in der Vorwoche in Rom zu einer Bestandsaufnahme getroffen und mögliche Richtlinien und Vorschläge für die Zukunft erarbeitet, die dem Papst präsentiert werden sollen.
Vorgeschlagen wurden auch Workshops zu rechtlichen Aspekten sowie zu mehr Transparenz bei den Verfahren, die unter Beteiligung externer Berater noch dieses Jahr stattfinden sollen. Das Gremium kündigte zudem den Start eines Universitäts-Kurses zum Schutz von Minderjährigen an der Gregoriana in der kommenden Woche an.

weiterlesen

Der Protestantismus schrumpft stärker als der Katholizismus

Image: Louis Berk/CC BY-ND 2.0
Image: Louis Berk/CC BY-ND 2.0
Bevölkerungsanteil der Evangelischen jetzt in allen Bundesländern unter 50 Prozent
 

kath.net

Der landeskirchliche Protestantismus in Deutschland hat zwischen 2004 und 2014 stärker an Boden verloren als der Katholizismus. Während der Bevölkerungsanteil der evangelischen Kirchenmitglieder um 3,2 Prozentpunkte auf 27,9 Prozent zurückging, gab es auf katholischer Seite ein Minus von zwei Prozentpunkten auf 29,5 Prozent. Das zeigt ein Zehn-Jahres-Vergleich der entsprechenden Statistiken der EKD. Sie hatte jüngst in Hannover die neuesten Kirchenmitgliederzahlen (Stand 31. Dezember 2014) veröffentlicht. Demnach stehen 22,6 Millionen Evangelische 23,9 Millionen Katholiken gegenüber. Der Bevölkerungsanteil der Mitglieder beider Großkirchen liegt damit bei 57,4 Prozent. 2004 betrug er noch 62,6 Prozent.
Besonders stark fallen die Mitgliederverluste der evangelischen Kirche im Norden Deutschlands aus. Am größten war der prozentuale Rückgang in Schleswig-Holstein, wo 2004 noch die deutliche Bevölkerungsmehrheit (56,3 Prozent) evangelisch war. Jetzt liegt der Anteil bei 49,2 Prozent. Auch in Niedersachsen sind inzwischen weniger als die Hälfte der Bürger Protestanten (46,9 Prozent) – ein Minus von 5,1 Prozentpunkten. Ähnlich stark sind die Verluste in den nördlichen Stadtstaaten Bremen (37,4 Prozent/–6,7) und Hamburg (27,9 Prozent/–4,3). Sachsen-Anhalt: Im Stammland der Reformation nur noch 13 Prozent Protestanten Die prozentual wenigsten Protestanten leben in der ehemaligen DDR, wo die jahrzehntelange atheistische Erziehung durch das SED-Regime die Entkirchlichung vorangetrieben hat.

weiterlesen

Strafender Gott als kulturelle Triebkraft?

Sorgte erst der Glaube an einen strengen Gott für Kooperation in den frühen Gesellschaften? © Darko Kuslan / freeimages
Religion als Sozialkitt? Der Glaube an eine allwissende, strafende Gottheit könnte unseren Vorfahren die Bildung erster Zivilisationen erleichtert haben. Denn diese religiöse Überzeugung fördert die Kooperation mit Unbekannten gleichen Glaubens, wie ein Experiment mit Menschen aus acht verschiedenen Kulturen belegt. Der Glaube könnte damit den Übergang von Familienclans zu großen, komplexen Gesellschaften gefördert haben, wie Forscher im Fachmagazin “Nature” berichten.

scinexx

Glaube und Religion sind nicht nur Privatsache, sie beeinflussen auch, wie wir mit anderen umgehen und prägen damit unsere Gesellschaften. Gleichzeitig beeinflusst die Umwelt, welches Gottesbild in einer Kultur dominiert. Ob umgekehrt der Glaube vielleicht auch eine Triebkraft bei der Entstehung der ersten Zivilisationen war, darüber spekulieren Forscher schon seit längerem.

weiterlesen

Experten? fordern islamischen Religionsunterricht an deutschen Schulen

Bild: Reuters
Bild: Reuters
Experten fordern islamischen Religionsunterricht an deutschen Schulen: Er sei wichtig für die Identität und Integration muslimischer Kinder

Von Claudia Steiner|Magazin Schule online

„Assalamu aleykom“, das sind die ersten Worte von Lehrerin Amina Ben Halima zu Beginn der Stunde. Ein schönes Motto für den Islamunterricht im Modellversuch einer 6. Klasse der bayerischen Mittelschule Ridlerstraße in München – diese Worte bedeuten nämlich „Der Friede Allahs sei mit dir“. „Wa aleikum assalam – Gott sei mit dir“, antworten die Schüler der 6. Klasse ihrer tunesischstämmigen Lehrerin, die nun auf Deutsch antwortet: „Friede sei mit euch.“

Mit diesem festen Ritual beginnt Ben Halima ihren Unterricht. Die Schüler, beziehungsweise deren Eltern, stammen aus der Türkei, Bosnien, Albanien, Afghanistan, Tunesien und anderen muslimisch geprägten Ländern. An der Wand des Klassenzimmers hängen Fahnen und Poster zu islamischen Festen, Feiertagen und Regeln. „Wir haben an unserer Schule einen Migrationsanteil von mehr als 90 Prozent“, erzählt die Münchner Direktorin Eva Gaßner. Der größte Anteil der Schüler der Mittelschule geht in den Ethikunterricht, gefolgt vom Islamunterricht. Erst an dritter Stelle kommt katholische Religion.

weiterlesen

Frauen und Christen flüchten aus den Unterkünften

In Flüchtlingsunterkünften kommt es immer wieder zu gewaltsamen Auseinandersetzungen zwischen ethnischen oder religiösen Gruppen. In Stuttgart bekommen nun 30 Christen eine eigene Unterkunft. Quelle: Die Welt
In Flüchtlingsheimen kommt es oft zu schweren Konflikten zwischen verschiedenen Gruppen. Frauen, Christen und Homosexuelle werden besonders oft attackiert – und nun zum Teil gesondert untergebracht.

Von Hannelore Crolly, Marcel Leubecher|DIE WELT

Zerrissene Bibeln und Beschimpfungen, abgerissene Kreuze und sogar Schläge ins Gesicht: Die Klagen über Gewalt in Flüchtlingsheimen reißen nicht ab. Besonders betroffen von der angespannten Stimmung in vielen beengten Massenunterkünften sind Frauen, Homosexuelle und religiöse Minderheiten. Weil sich in Stuttgart die Berichte christlicher Flüchtlinge über Schikanen durch muslimische Mitbewohner häuften, kommt die Stadt nun Forderungen entgegen, einem Teil dieser Migranten eine neue Unterkunft im Stadtteil Neugereut anzubieten.

Ein Helferkreis, der sich hauptsächlich um assyrische Christen aus Syrien und dem Irak kümmert, hatte diese drastische wie umstrittene Maßnahme gefordert, auch der Zentralrat Orientalischer Christen appellierte in einer von fast 17.000 Personen unterzeichneten Online-Petition an die Stadt: “Bitte ermöglichen Sie die gemeinsame Unterbringung vertriebener Christen in Stuttgart-Neugereut und bewahren Sie diese dadurch vor weiterer Bedrängnis und Verfolgung, der sie bei dezentraler Unterbringung immer wieder ausgesetzt sind.”

weiterlesen

Augsburg: Petry darf wieder mitspielen

AfD-Chefin Frauke Petry darf wieder im Augsburger Rathaus sprechen © Tobias Schwartz/AFP
Seit Tagen schaukelt sich der Streit zwischen dem Augsburger Oberbürgermeister Gribl und der AfD hoch. Nun hat AfD-Chefin Frauke Petry einen juristischen Sieg errungen: Sie darf im Rathaus reden.

stern.de

Das Hausverbot für AfD-Chefin Frauke Petry im Augsburger Rathaus ist nach einer Entscheidung des dortigen Verwaltungsgerichts rechtswidrig. Das Gericht gab am Mittwoch einem Eilantrag der Parteivorsitzenden statt. Petry will am Freitagabend beim Neujahrsempfang der beiden Augsburger AfD-Stadträte im historischen Rathaus sprechen.

Nach Ansicht der Richter ist es üblich, dass die Stadtverwaltung den Fraktionen und Wählergruppen Repräsentationsräume im Rathaus zur Verfügung stellt. Dies gelte “insbesondere auch zur Abhaltung von Neujahrsempfängen unter Teilnahme überörtlicher politischer Prominenz”, begründete Gerichtssprecher Stefan Eiblmaier die Entscheidung.

weiterlesen

Kirchenvertreter kritisieren ‘Alternative für Deutschland’ scharf

Bild: Ziko van Dijk (CC BY SA 3.0)
Bild: Ziko van Dijk (CC BY SA 3.0)
Mitvorsitzender Meuthen weist Vorwürfe zurück: Die Kirche sollte genau zuhören

kath.net

Kirchenvertreter haben die Partei „Alternative für Deutschland“ (AfD) scharf kritisiert. Vor allem ein Vorschlag der AfD-Parteivorsitzenden, Frauke Petry (Leipzig), stieß auf Empörung. Petry hatte im „Mannheimer Morgen“ verlangt, es müsse verhindert werden, dass weiter so viele unregistrierte Flüchtlinge über Österreich einreisen könnten. Die Polizei müsse dafür „notfalls auch von der Schusswaffe Gebrauch machen“, sagte sie. „Kein Polizist will auf einen Flüchtling schießen. Ich will das auch nicht. Aber zur Ultima Ratio gehört der Einsatz von Waffengewalt.“ Nach der Kritik relativierte Petry ihre Aussage und warf den Medien vor, ihre Worte in einem Interview „verkürzt und völlig sinnentstellt“ wiedergegeben zu haben.
Kardinal Marx: AfD-Äußerungen sind „inakzeptabel und menschenfeindlich“

Der Vorsitzende der (katholischen) Bischofskonferenz, Kardinal Reinhard Marx (München), nannte Petrys Äußerungen „inakzeptabel und menschenfeindlich“. Marx wörtlich: „Parteien, die so etwas äußern, sind keine Alternative für Deutschland.“ Ähnlich äußerte sich der Kirchenpräsident der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau, Volker Jung (Darmstadt). Gegenüber der „Allgemeinen Zeitung Mainz“ sagte er im Blick auf die Partei: „Was von der AfD kommt und von Pegida, ist katastrophal, menschenverachtend.“ Pegida steht für „Patriotische Europäer gegen die Islamisierung des Abendlandes“.

weiterlesen

Merkel rief Papst nicht an

Papst Franziskus und Angela Merkel bei ihrem Besuch im Vatikan im Februar 2015 – REUTERS
Das angebliche Telefonat zwischen Bundeskanzlerin Angela Merkel und Papst Franziskus über den Zustand Europas hat es nicht gegeben.

Radio Vatikan

Sowohl Regierungssprecher Steffen Seibert als auch Vatikansprecher Federico Lombardi dementieren diese Meldung. Seibert sagte wörtlich: „Die Bundeskanzlerin kann sich an einen Anruf beim Papst nicht erinnern. Ansonsten schätzt sie jede Begegnung mit ihm außerordentlich.“ Die Mailänder Zeitung „Corriere della Sera“ hatte unter Berufung auf den Papst berichtet, die deutsche Bundeskanzlerin habe diesen angerufen, weil sie sich über Äußerungen von ihm über Europa geärgert haben soll.