Huber: Kirche darf nicht auf »Twitter-Falle reinfallen«

Der Berliner Altbischof und frühere Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Wolfgang Huber, hat davor gewarnt, sich in der Kirche zu stark an Trends und Moden zu orientieren.

DER SONNTAG

Die Kirche müsse sich zwar beständig erneuern, dabei aber Tradition und Zukunft miteinander verbinden, sagte Huber am Donnerstagabend bei einer Diskussion im Dom zu Brandenburg an der Havel. Die Kirche dürfe nicht »auf diese Twitter-Falle reinfallen« und denken, sie sei »beständig neu«, wenn sie sich digitalen Trends anschließe.

Kirche, darunter auch das evangelische Domstift Brandenburg, müsse ein Ort sein, an dem sich Menschen begegnen und sich nicht »durch twittern aus dem Weg gehen«, sagte Huber.

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Donald Trump und der Kampf um die Mauer

© afp, FR Donald Trump kämpft um seine Mauer – auf Kosten der Wirtschaft.]/caption]

Der Streit um Donald Trumps Mauer an der Grenze zu Mexiko beherrscht die Schlagzeilen in den USA. Der Präsident wirbt auf allen Kanälen für sein Prestigeprojekt. Ein Überblick über die wichtigsten Fakten.

Frankfurter Rundschau

Donald Trump gibt sich eisern. Der US-Präsident hat seinen Anhängern eine Mauer an der Grenze zu Mexiko versprochen – und er kämpft mit allen Mitteln darum, sie auch bauen zu können. Seit fast drei Wochen stehen in den USA deswegen Teile des Regierungsgeschäfts still, der „Shutdown“ könnte der längste in der Geschichte der USA werden. An diesem Donnerstag besucht der Republikaner die Grenze in Texas. Mehr als fünf Milliarden US-Dollar verlangt er vom Kongress – aber was genau hat er damit eigentlich vor? Und welche Sperranlagen stehen an der Grenze schon? Wichtige Fragen und Antworten im Überblick:

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Neue Wende im Fall Schwarz: Päpstlicher Visitator Lackner ruft Apostel Elbs zu Hilfe

Archivbild: Der Feldkircher Diözesanbischof Benno Elbs bei seiner Bischofsweihe 2013 – APA/DIETMAR STIPLOVSEK[/caption>

Ein weiterer Bischof wird die Vorwürfe gegen den nach St. Pölten strafversetzen Amtsbruder Alois Schwarz untersuchen. Salzburgs Erzbischof Franz Lackner will mit dem Vorarlberger Bischof Benno Elbs in die Kärntner Diözese reisen. Elbs ist ausgebildeter Psychotherapeut.

Dietmar Neuwirth | Die Presse.com

Neue Wende in dem an Wendungen nicht gerade armen Fall Alois Schwarz. Nun soll ein weiterer Bischof in die Ermittlungen gegen den früheren Kärntner Bischof eingeschaltet werden. Wie die „Presse“ exklusiv erfährt, hat sich der vom Papst knapp vor Weihnachten als Visitator ernannte Salzburger Metropolit Franz Lackner zu diesem höchst ungewöhnlichen Schritt entschlossen: Er hat um Unterstützung durch den Vorarlberger Amtsbruder Benno Elbs gebeten.

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„Der monotheistische Gottesglaube ist die Grundform des Ideologischen“

Bild:TP
Im Zuge der Zunahme und Verschärfung der gesellschaftlichen und sozialen Widersprüche im Kapitalismus kommt es zu einer Renaissance religiös-irrationaler Bewegungen und Elemente, die nach dem Zeitalter der Aufklärung bereits als ad acta gelegt galten.

Reinhard Jellen | TELEPOLIS

Hartmut Krauss zeigt in seinem Buch Die Marxsche Theorie und ihre Bedeutung für eine herrschaftskritische Gesellschafts- und Subjektwissenschaft, wie diese Phänomene mit Rückgriff auf Marx grundlegend erklärt und dementsprechend kritisiert werden können.

Herr Krauss, wie zentral waren für Marx Ideologie- und Religionskritik?

Hartmut Krauss: Marx sagt selbst unter dem Eindruck von Feuerbachs „Wesen des Christentums“, dass die Kritik der Religion die Voraussetzung aller Kritik ist. Dabei ist natürlich mitbedacht, dass das Religiöse und insbesondere der monotheistische Gottesglaube die Grundform des Ideologischen im Sinne falschen Bewusstseins darstellt (religiöse Selbstentfremdung) und zugleich als zentrale Legitimationsinstanz vormoderner Herrschaftsverhältnisse wirkt. Insofern fallen Religions- und Ideologiekritik zusammen. Marx verdeutlicht diesen grundlegenden Sachverhalt anhand der „sozialen Prinzipien des Christentums“:

„Die sozialen Prinzipien des Christentums haben die antike Sklaverei gerechtfertigt, die mittelalterliche Leibeigenschaft verherrlicht und verstehen sich ebenfalls im Notfall dazu, die Unterdrückung des Proletariats, wenn auch mit etwas jämmerlicher Miene, zu verteidigen. Die sozialen Prinzipien des Christentums predigen die Notwendigkeit einer herrschenden und einer unterdrückten Klasse und haben für die letztere nur den frommen Wunsch, die erstere möge wohltätig sein.“

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Die Caritas, der politische Arm der katholischen Kirche

Caritas-Präsident Michael Landau. – APA/HERBERT NEUBAUER
Wer selbst politisch agiert, darf auch nach politischen Maßstäben gemessen werden. Es kommt allerdings auf den Ton an.

Oliver Pink | Die Presse.com

„Profitgier“ hat FPÖ-Klubchef Johann Gudenus der Caritas am Heiligen Abend unterstellt, FPÖ-Generalsekretär Christian Hafenecker legte während der Weihnachtsfeiertage nach, sprach von der „Asylindustrie“, die die Caritas bediene. ÖVP-Staatssekretärin Karoline Edtstadler rief beide Seiten zur Mäßigung auf – und wurde dann heftig dafür kritisiert, dass sie die Angreifer (die FPÖ) mit den Angegriffenen (der Caritas) gleichsetze.

Allerdings: Begonnen hat diesmal die Caritas. Am 23. Dezember beklagte Caritas-Präsident Michael Landau das „Empathiedefizit der Regierung“. Wichtiger als neuer Stil sei guter Stil. „Mit Sorge beobachten wir einen Klimawandel in unserem Land.“ Der Ton werde rauer, das Klima kälter. „Ich habe den Eindruck, hier ist der gesellschaftliche Wertekompass ein Stück weit abhandengekommen oder verrutscht.“

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Theologe Ulf Schlüter: Christentum wird bald Minderheit sein

Der Theologische Vizepräsident der Evangelischen Kirche von Westfalen, Ulf Schlüter, hat die christlichen Kirchen aufgerufen, ihre Kräfte zu bündeln und Synergien zu nutzen, um ihrem Auftrag in der Gesellschaft gerecht zu werden.

evangelisch.de

Im nächsten Jahrzehnt wird das Christentum Minderheit sein in dieser Gesellschaft“, sagte er am Montag vor der Landessynode der rheinischen Kirche in Bad Neuenahr.

Kirchengemeinden, Kirchenkreise und Landeskirchen müssten das Denken in Pfründen, Provinzen, Fürstentümern, Königreichen und Kirchenstaaten beharrlich und zügig überwinden. „Wir haben einen gemeinsamen Auftrag: das Evangelium zu kommunizieren, zum Vertrauen zu rufen, in Wort und Tat der Welt und dem Menschen heute zum Wohl und zum Heil zu dienen“, betonte Schlüter. Kirche dürfe niemals selbstgenügsam sein.

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«Luther fälschte sein Geburtsdatum – für ein besseres Horoskop»

Die Astrologie existiert seit 3000 Jahren – ihre Geschichte ist entsprechend bewegt: Einige Religionen haben sie bekämpft, bei anderen ist sie integraler Bestandteil der Tradition. Welches Verhältnis Religion und Astrologie haben, weiss Religionswissenschaftler Kocku von Stuckrad.

Interview Olivia Röllin |SRF

SRF: Astrologie ist für einige Leute auch eine Orientierungshilfe. Hat Astrologie religiöse Züge?

Kocku von Stuckrad: Seit ihrer Entstehung hat die Astrologie immer auch religiöse Züge gehabt. Im alten Babylonien waren es die Priester, die die Bewegungen der Sterne interpretieren mussten. Denn diese deuteten auf den Willen der Göttinnen und Götter hin, die sich in «ihren» Sternen manifestierten. Auch in Griechenland und Rom waren die Sterne mit der Götterwelt verbunden. Dies kann man an Namen wie Jupiter oder Venus erkennen.

Und wie ist das heute?

Heute sehen das die meisten Leute entspannter. Es gibt auch viele Christen, die Astrologie betreiben. Im gesamten Bereich von heutiger Spiritualität und psychologischer Astrologie könnte man sagen: Astrologie hat in dem Sinne religiöse Züge, dass sie den Menschen in einen grösseren, metaphysischen Gesamtzusammenhang einbindet.

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Missbrauchsopfer kritisieren Entschädigungs-Entwurf

Ein Mann betet auf den Knien während eines Gottesdienstes zum Gedenken an die Opfer von Missbrauch durch Kirchenmitglieder © Fabrice Caterini-Inediz (KNA)
Der Eckige Tisch hat Kritik am Entwurf für ein neues Opferentschädigungsgesetz geübt. Für die Opfer sexueller Gewalt durch das Versagen der katholischen Kirche bringe der Gesetzentwurf „eigentlich nichts oder sogar Verschlechterungen“.

DOMRADIO.DE

Das sagte der Sprecher Matthias Katsch der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA) am Sonntag. Das sei enttäuschend.

Der Entwurf zeige, dass eine Lösung in der Entschädigungsfrage bei den Opfern der Katholischen Kirche gefunden werden müsse. „Denn auf den Staat können wir uns dabei nicht verlassen“, so Katsch. Zur Initiative Eckiger Tisch haben sich Missbrauchsopfer aus vom Jesuitenorden geführten Schulen zusammengeschlossen.

„Kultur des Missbrauchs“

Auch der Missbrauchsbeauftragte der Bundesregierung, Johannes-Wilhelm Rörig, hatte den Entwurf kritisiert.

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Debatte um Rückgabe von Kolonial-Kulturgütern intensiviert sich: Museen als Raubkunstpaläste?

Raubkunst aus Benin © Daniel Bockwoldt (dpa)
Die Diskussion um Objekte aus deutscher Kolonialzeit verstärkt sich. Immer mehr Politiker und Museumsexperten fordern eine Rückgabe. Doch damit allein ist es nicht getan.

DOMRADIO.DE

Diese Bibel hat einen langen Weg zurückgelegt: 1866 wurde das Neue Testament in der Sprache des namibischen Volks Nama in Berlin gedruckt. Später gelangte es in den Besitz von Hendrik Witbooi, einem Anführer des Widerstands gegen die deutschen Kolonialherren. 1893 erbeutete die deutsche Schutztruppe die sogenannte Witbooi-Bibel. 1902 schließlich wurde sie dem Stuttgarter Lindenmuseum geschenkt.

Schon bald geht die Reise zurück: Im Februar will Baden-Württemberg das Buch zusammen mit einer Lederpeitsche Witboois der namibischen Regierung zurückerstatten.

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Bischöfe: Ausländische Priester keine Dauerlösung

Bild: © Fotolia.com/gregorydean
Der katholischen Kirche in Deutschland fehlen Priester. Deshalb greifen die meisten Bistümer auf ausländische Geistliche zurück – auch Osnabrück und Hildesheim. Doch deren Bischöfe sehen darin kein Zukunftsmodell.

katholisch.de

Die niedersächsischen Bistümer Hildesheim und Osnabrück sehen im Einsatz ausländischer Priester kein Zukunftsmodell für die katholische Kirche in Deutschland. Künftig müssten stattdessen mehr Frauen und Männer in Teams den Glauben weitergeben, sagte der Hildesheimer Bischof Heiner Wilmer auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur. „Wir brauchen vor Ort Kleingruppen, die Verantwortung übernehmen.“ Lediglich für Zeiten des Übergangs könnten ausländische Priester eine Hilfe sein, meint der Osnabrücker Bischof Franz-Josef Bode.

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Brasilien: Ein katholisches Land soll evangelikal werden

Brasilien steht am Scheideweg: Politisch links oder rechts? © Leo Correa (dpa)
„Gott wird das Schicksal dieses Volkes zum Besseren lenken“: Seinen Wahlsieg verdankt Jair Bolsonaro nicht zuletzt den Pfingstkirchen. Sie wollen das katholisch geprägte Brasilien nun mithilfe ihres Günstlings grundlegend umgestalten.

DOMRADIO.DE

Der erste Auftritt des neu gewählten brasilianischen Präsidenten galt Ende Oktober der Pfingstkirche „Vitoria em Cristo“ (Sieg mit Christus) in Rio de Janeiro. „Gott wird das Schicksal dieses Volkes zum Besseren lenken. Armut, Gewalt, Arbeitslosigkeit, Korruption – all diese Erscheinungen der Hölle, weg mit euch, im Namen Jesu!“ Mit diesen Worten sprang Pastor Silas Malafaia wie ein Teufelsaustreiber neben Jair Messias Bolsonaro hin und her.

Seinen Wahlsieg hat der Ex-Fallschirmjäger Bolsonaro evangelikalen Gruppen wie dieser zu verdanken. Unter Katholiken, mit 60 Prozent die Mehrheit in Brasilien, lag sein linker Widersacher Fernando Haddad gleichauf. Die Pfingstkirchen repräsentieren nur 30 Prozent, sind aber politisch aktiver. Ihre Anhänger trommelten leidenschaftlich gegen die „korrupte Linke“ – und für den „Messias“.

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Dodo Müller: Keine Verbindung zwischen Missbrauch und Zölibat

Gerhard L. Müller links im Bild
Laut der Missbrauchsstudie werden Priester weitaus häufiger des Missbrauchs beschuldigt als Diakone. Kardinal Gerhard Ludwig Müller wehrt sich dennoch gegen den Schluss, dass zölibatär lebende Priester besonders zu Sexualverbrechen neigten.

katholisch.de

Kardinal Gerhard Ludwig Müller, der ehemalige Präfekt der Glaubenskongregation, sieht keine Verbindung zwischen der vorgeschriebenen Ehelosigkeit katholischer Priester und dem vielfachen sexuellen Missbrauch von Minderjährigen. „Es ist eine diskriminierende Unterstellung, dass Menschen, die freiwillig dem Ruf Jesu in diese Lebensform folgen, besonders disponiert zu Sexualverbrechen wären“, so Müller gegenüber der Deutschen Presse-Agentur.

„Den abscheulichen sexuellen Missbrauch von Heranwachsenden zu benutzen, um eine im Evangelium Christi begründete Lebensform zu bekämpfen, nur weil sie dem rein innerweltlichen Denken unverständlich und anstößig erscheint, ist nichts anderes als menschenverachtende Ideologie.“ Durch die Aufhebung des Zölibats würde keine einzige Straftat verhindert, so Müller in dem per Mail geführten Interview.

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Syrien: Trump will über türkische Pufferzone verhandeln

Foto (2017): Weißes Haus / gemeinfrei
Laut Aussagen des republikanischen Senators Lindsay Graham will der US-Präsident den Abzug der US-Truppen aus Syrien erst umsetzen, wenn bestimmte Bedingungen erfüllt sind.

Thomas Pany | TELEPOLIS

Trumps „Schock-Ankündigung“ (AFP) des Rückzugs der US-Truppen aus Syrien hat ihre Gegner überrascht, wie sich etwa am Rücktritt des Verteidigungsministers Mattis und des Sondergesandten Brett McGurk zeigte, der engen Kontakt zu den Kurden hatte, die in den SDF (Syrische Demokratische Kräfte) bislang die Bodentruppen für die US-Interessen in Syrien stellen.

Als prominenter politischer Kritiker der Entscheidung unter den Republikanern wurde heute auch in deutschen Medien der Senator von South Carolina und angeblich enge Vertraute des US-Präsidenten, Lindsey Graham, hervorgehoben. Die Tagesschau übertitelte ihren Bericht dazu mit der Frage „Überdenkt Trump Abzug aus Syrien?“

Zu erfahren ist dort wie auch in anderen Berichten großer deutscher Medien (etwa hier und hier), dass sich Graham nach einem gemeinsamen Essen mit Trump öffentlich hinter den Präsidenten stellte. Der habe ihm Dinge über Syrien gesagt, die Graham „zuvor nicht wusste“, so Graham gegenüber CBS. Nun fühle er sich sicherer, was die Ziele in Syrien anbelangt.

Als Begründung nannte Graham, dass der Präsident versprochen habe, den IS zu zerstören – und zwar „auf Dauer“, wie Graham dann auf seinem Twitterkonto erklärte. Als zweiten essentiellen Punkt führte er an, dass Trump den Abzug so plane, dass Iran nicht die Lücke füllen werde, und drittens, dass „unsere kurdischen Verbündeten geschützt werden“. Trump sei im Gespräch mit „unseren Kommandeuren und Verbündeten, um sicherzustellen, dass alle drei Ziele erfüllt sind, wenn der Rückzug umgesetzt wird“, so Graham.

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Theologin: Genmanipulierte Babys sind ein Skandal

Die Theologin Elisabeth Gräb-Schmidt hat die Geburt der mutmaßlich ersten genmanipulierten Babys als „skandalöses Vorgehen und nicht hinnehmbar“ kritisiert.

evangelisch.de

Die Nachricht eines chinesischen Forschers über die Veränderung des Erbguts von Zwillingsmädchen zeige, dass es allgemeine ethische Leitlinien brauche, die für alle Wissenschaftler verbindlich sind, sagte die Direktorin des Instituts für Ethik an der Evangelisch-Theologischen Fakultät der Universität Tübingen dem Evangelischen Pressedienst (epd).

Zwar berge die Gentechnologie enorme Potenziale, und die Wissenschaft erhoffe sich davon Heilungschancen beispielsweise bei Krankheiten wie Parkinson und Mukoviszidose, erklärte Gräb-Schmidt, die dem Rat der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) und dem Deutschen Ethikrat angehört.

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US-Richter setzt Urteil aus „Obamacare“ bleibt in Kraft

Bild: tagesschau.de
Das Gesundheitssystem von Ex-Präsident Obama bleibt weiterhin in Kraft. Der US-Richter, der „Obamacare“ für verfassungswidrig erklärte, hat sein Urteil ausgesetzt. Begründung: Er wolle keine Unsicherheit erzeugen.

tagesschau.de

Das von einem Richter im US-Bundesstaat Texas für verfassungswidrig erklärte Gesundheitssystem „Obamacare“ bleibt bis zur Berufungsentscheidung in Kraft. Richter Reed O’Connor hat sein eigenes Urteil gegen die Gesundheitsreform von Ex-Präsident Barack Obama ausgesetzt.

Zwar stehe er nach wie vor zu seinem Standpunkt, dass das gesamte Gesetz verfassungswidrig sei, schrieb O’Connor. Doch viele gewöhnliche Amerikaner wären „mit großer Ungewissheit“ konfrontiert, wenn sein Beschluss sofort umgesetzt würde. Das bedeutet, dass „Obamacare“ für die Dauer der Rechtsstreitigkeiten in Kraft bleibt. Das Berufungsverfahren wird voraussichtlich mindestens ein Jahr dauern.

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Dodo Marx: Müssen Kirchenlehre weiterentwickeln

Quelle: http://www.bgland24.de

Versagen und die Unfähigkeit, auf Missstände angemessen zu reagieren, bescheinigt Kardinal Reinhard Marx der Kirche für 2018. Zu einer wahren Erneuerung gehöre auch der Blick auf den Zeitgeist, denn die Tradition der Kirche sei nichts Abgeschlossenes.

katholisch.de

Der Münchner Kardinal Reinhard Marx hat zum Jahreswechsel eine Erneuerung von Kirche und Gesellschaft angemahnt. Für die Kirche sei diese Notwendigkeit „gerade in den letzten Jahren und Monaten deutlich geworden angesichts des Versagens und der Unfähigkeit, auf Herausforderungen und Missstände angemessen zu reagieren“, sagte der Erzbischof von München und Freising laut Manuskript in seiner Silvesterpredigt im Münchner Liebfrauendom. „Das gilt gerade für uns als Verantwortliche in der Kirche und besonders im Blick auf das ungeheure Geschehen des sexuellen Missbrauchs, das im Kern ein Missbrauch geistlicher Macht war und ist.“

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Die unheilige Allianz von Politik und Religion: Netanyahu verstört mit seiner Kritik am Jüdischen Museum in Berlin

Im Fluchtpunkt der Politik: Jüdisches Museum Berlin. (Bild: Jens Ziehe)

Der israelische Ministerpräsident Benjamin Netanyahu greift das Jüdische Museum in Berlin an. Seine Kritik kommt zur rechten Zeit. Aber ist «Welcome to Jerusalem» wirklich eine Schau für Islam-Versteher?

Daniel Haas | Neue Zürcher Zeitung

Ausstellungsbesuch? Gerne doch. Hauptsache, es dauert nicht zu lang und das Café serviert guten Espresso. Mit dieser Haltung konnte man bis anhin auch ins Jüdische Museum in Berlin gehen, aber damit ist jetzt Schluss: Benjamin Netanyahu hat das Haus scharf kritisiert und damit den Deutschen einen Gefallen getan. Der kulturell indifferente Konsum funktioniert hier nicht mehr. Es heisst jetzt: Aufwachen. Stellung beziehen. Denn die Institution wird zum Anlass einer Debatte, die weit über kulturhistorische Aspekte hinausgeht. Im Zentrum steht eine Frage, die alle betrifft: Wie bekämpfen wir Intoleranz?

Konkret geht es um die Ausstellung «Welcome to Jerusalem». Sie läuft bereits seit einem Jahr und wurde von allen möglichen Lagern kritisiert: israelischen Intellektuellen, deutschen Politikern, deutschen Journalisten. Der Tenor der Vorwürfe: Die Schau präsentiere zwar Jerusalem als Ort, an dem «die drei grossen monotheistischen Religionen tief verwurzelt sind», wie Museumsdirektor Peter Schäfer in seinem Grusswort zur Eröffnung schrieb. Sie praktiziere aber eine ideologische Bevormundung des Betrachters zugunsten der Palästinenser. Diese würden tendenziell als Opfer der israelischen Besatzer gesehen, während die Juden streckenweise als extremistische Sektierer erschienen.

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Katholische Kirche: Dienst am Menschen sieht anders aus

Der Papst will mit einem groß angelegten Sondergipfel in Rom den Missbrauchsskandal aufklären und die Kirche weiter öffnen – aber sie ist und bleibt eine welt- und lebensfremde Institution, kommentiert Catrin Stövesand. Viele Priester hätten nur qua Amt ein Publikum, stünden aber nicht mit diesem im Kontakt.

Von Catrin Stövesand | Deutschlandfunk

Papst Franziskus hat nach Rom zitiert. Seit fünf Jahren ist er das Oberhaupt der katholischen Kirche. Nun macht er den Missbrauchsskandal zur Chefsache. Endlich soll über die Ursachen der zahlreichen Fälle von sexuellem Missbrauch gesprochen werden, über die Rolle, die der Zölibat dabei spielen kann und über Prävention. Der Termin im Februar wird im Fokus der weltweiten Berichterstattung stehen.
Natürlich gab es für den Papst in den vergangenen Jahren etliche andere Baustellen zu bearbeiten: die Kurie reformieren, den Pomp und die Abgehobenheit im Vatikan reduzieren, die Liste ist lang. Die Liste von Dingen, die die katholische Kirche zu der welt- und lebensfremden Institution gemacht hat, die sie schon seit sehr langer Zeit ist. Deren Vertreter scheinbar über dem Gesetz stehen, ob es nun um kriminelle Seilschaften der Vatikanbank geht oder um den Priester, der sich an Kindern vergeht. Der Herr Pfarrer darf das.
Nein, er darf das nicht.

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Carsten Frerk: Moscheesteuer ist Schnapsidee

Ein Mann betet in einer Moschee. (dpa)
Ist eine Moscheesteuer für Muslime – wie derzeit diskutiert – wirklich eine gute Lösung, um eine Radikalisierung zu verhindern? Der Journalist und Kirchenkritiker Carsten Frerk hält eine solche Steuer für „eine Schnapsidee“.

Carsten Frerk im Gespräch mit Ute Welty | Deutschlandfunk Kultur

Ute Welty: Die Radikalisierung in deutschen Moscheen verhindern – das ist die Idee hinter einer Moscheesteuer. Milliarden sollen in den vergangenen Jahren vor allem von Saudi-Arabien investiert worden sein, um die Verbreitung eines fundamentalistischen Islams zu bewerben. Als Vorbild für die Moscheesteuer wird immer wieder die Kirchensteuer genannt. Aber taugt die tatsächlich als Vorbild? Damit hat sich Carsten Frerk beschäftigt. Er ist Politologe, Journalist, Kirchenkritiker, und seine Erkenntnisse hat er unter anderem zusammengefasst im „Violettbuch Kirchenfinanzen“. Carsten Frerk ist an diesem Samstag zu Gast in „Studio 9“. Guten Morgen!

Carsten Frerk: Guten Morgen!

Welty: Halten Sie es für eine gute Idee, islamische Gemeinden nach dem Vorbild der christlichen Kirchen finanzieren zu wollen?

Frerk: Es ist, auf die deutsche Situation bezogen – ich sag es mal einfach so, es ist ja früher Morgen – eine Schnapsidee. Das ganze deutsche Kirchensteuersystem beruht auf einer jahrhundertelangen Entwicklung von Staat und Kirche in Deutschland, und ich denke, der Islam ist gegen diese Idee einer Körperschaft des öffentlichen Rechts, was ja Voraussetzung wäre für so eine Art Steuer absolut renitent.

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Die Einbahnstraße des Fortschritts

Grafik: TP
Fortschritt – das war mehr Effizienz beim Töten

Karl Kollmann | TELEPOLIS

Mit dem Anbrechen der Aufklärung ist auch die Idee des Fortschritts in die Welt gekommen. Wirtschaftliches Wachstum und Fortschritt zivilisatorischer (etwa Kant: Gebrauche Deinen eigenen Verstand, Lasse Dich nicht von anderen missbrauchen, Behandle Andere so, wie Du behandelt werden willst) sowie wissenschaftlicher und technischer Art werden die Welt besser machen. Es geht stetig aufwärts, jedoch vielfach mit Umwegen, wie Hegel meinte, oder eben ziemlich zwangsläufig und geradlinig, wie Karl Marx sich das vorstellte.

Wachstum und Fortschritt sind heute noch, knapp zwei Jahrhunderte später, die zentralen Vorstellungen in unseren Gesellschaften, wobei allerdings kaum jemand mehr weiß, was dabei das Ziel sein soll. Besonders im linken Spektrum, momentan wäre das der multikulturelle Teil der Bevölkerung, aber ebenso bei neoliberalen Marktradikalen, ist man infiltriert von einer Art von kontinuierlichem Fortschrittsdenken, während es bei den Traditionalisten, also dem mittigen und rechten Spektrum, durchaus andere Grundvorstellungen vom Gang der Geschichte gibt.

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