Theologe vermisst Erbe Luthers – Antisemitismus?

Der Theologe Benjamin Hasselhorn fordert 500 Jahre nach der Reformation eine Rückbesinnung auf den Kern des Luthertums. „Ich habe den Eindruck, viel von Luther ist nicht mehr übrig in der evangelischen Kirche“, sagte der 30 Jahre alte Theologe am Freitag auf der Leipziger Buchmesse.

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Das Reformationsjubiläum 2017 sei eine Chance zu fragen, was vom Erbe des Reformators Martin Luther (1483-1546) „in die Zukunft trägt“. Hasselhorn ist wissenschaftlicher Mitarbeiter der Stiftung Luthergedenkstätten in Sachsen-Anhalt, Kurator der Nationalen Sonderausstellung 2017 in Wittenberg und Autor des Buches „Das Ende des Luthertums?“

Seine große Sorge sei, dass die Zahl der Kirchenbesucher weiter sinke, fügte Hasselhorn hinzu: „Ich kenne niemanden in meiner Generation, der ernsthaft in der Kirche engagiert ist.“ Der Grund für diese Krise sei nicht das Versagen einzelner Personen, sondern er liege in der Geschichte des Protestantismus begründet.

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„Allah schickt dich in die Hölle“: Prediger will Muslime bekehren

Die Missionare verteilen Bibeln an Passanten. (Symbolbild) dpa/S. Widmann
In der Stuttgarter Innenstadt sorgt ein selbsternannter christlicher Prediger für Unruhe. Er will Muslime missionieren, indem er Bibeln in arabischer Sprache verteilt und den Islam in seinen Reden verteufelt. Die Aktion schürt Konflikte, Polizei und Kultusministerium sind alarmiert.

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„Allah schickt dich in die Hölle“ – solche und ähnliche Sätze fallen laut einem Bericht der „Stuttgarter Zeitung“ in den Predigten des Mannes, der sich „Johannes“ nenne. Seinen richtigen Namen will er nicht preisgeben, auch Fotos dulde er nicht, heißt es weiter.

Seit einer Woche stehen „Johannes“ und einige seiner Glaubensbrüder in der Stuttgarter Innenstadt. Vorher waren sie schon in Duisburg und in Hannover, weitere Großstädte stehen auf dem Plan.

Kirchenasyl: Ermittlungen gegen Pfarrerin eingestellt

Die Staatsanwaltschaft Bamberg hat die Ermittlungen gegen die evangelische Pfarrerin Doris Otminghaus aus dem fränkischen Haßfurt eingestellt.

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Die Behörde hatte gegen die Theologin wegen „Beihilfe zum unerlaubten Aufenthalt“ in neun Fällen ermittelt, weil sie in ihrer Kirchengemeinde Kirchenasyl gewährt hatte und noch immer gewährt.

Die Staatsanwaltschaft teilte am Freitag mit, dass man nach Prüfung des Falles, „insbesondere der genauen Umstände des Handelns der Pfarrerin und ihrer Motivation“, von einer weiteren Strafverfolgung absehe – „trotz der bestehenden Strafbarkeit des Verhaltens der Pfarrerin“. Die Schuld sei im vorliegenden Fall als gering anzusehen, deswegen bestehe kein öffentliches Interesse an der Strafverfolgung.

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Dutzmann: Kirchliche Stimme wird in der Politik gehört

Der christliche Glaube spielt nach Einschätzung von Prälat Martin Dutzmann eine wichtige Rolle im politischen Alltag in Deutschland. „Was ich wahrnehme ist, dass die kirchliche Stimme gehört wird“, sagte der Bevollmächtigte des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) bei der Bundesrepublik Deutschland und der EU am Donnerstagabend in Wuppertal.

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Diese kirchliche Stimme müsse im politischen Alltag aber „anschlussfähig“ sein. Schließlich gehe es bei den Entscheidungen auch um Menschen, die nicht dem christlichen Glauben angehörten.

Auf einer Veranstaltung zum Thema „Gelebte Reformation“ warb Dutzmann dafür, mehr in der Bibel zu lesen: „Es ist ein Schatz, den wir da haben.“ Die zehn Gebote seien für ihn wie ein beständiger „Stachel im Fleisch“, um die eigene Lebensweise zu überdenken. Dazu gehöre auch die Erkenntnis, dass die westliche Lebensweise mitverantwortlich dafür sei, dass Menschen in anderen Teilen der Welt sterben. Die Beschäftigung mit den zehn Geboten sei ein Aufruf dazu, diesen Missstand zu ändern.

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Bundestag beschließt Endlager-Gesetz

Bild: GNS Gorleben
Die Suche nach einem geeigneten Ort für radioaktiven Müll soll bis 2031 abgeschlossen sein. Bereits jetzt ist klar: Das Suchverfahren wird anstrengend und heikel.

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Der Bundestag hat am Donnerstag mit den Stimmen von CDU/CSU, SPD und Grünen das Gesetz zur Suche nach einem Standort für radioaktiven Müll beschlossen. Die Linksfraktion lehnte die Vorlage ab. Die meisten Abgeordneten bekräftigten das Verfahren der „weißen Landkarte“. Dass der umstrittene Standort Gorleben nicht ausgenommen wurde, stieß jedoch auf scharfe Kritik.

Bundesumweltministerin Barbara Hendricks (SPD) hatte zum Auftakt der Debatte im Bundestag die Bedeutung des Gesetzes betont. „Es ist meine tiefe Überzeugung, dass nur mit festen Regeln und mit absoluter Transparenz eine ergebnisoffene und bundesweite Suche nach einem Endlagerstandort gelingen kann“, sagte Hendricks.

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Heiner Bielefeldt: „Populisten greifen Menschenrechte an“

Heiner Bielefeldt, Podium, 2011. Bild: brightsblog
Populistische Bewegungen in Europa greifen den gesellschaftlichen Konsens über Menschenrechte an. Das beobachtet der Theologe, Philosoph und Historiker Heiner Bielefeldt. Der Deutsche, der zwischen Juni 2010 bis Oktober 2016 Sonderberichterstatter für Religions- und Weltanschauungsfreiheit des UN-Menschenrechtsrats war, ist in diesen Tagen anlässlich einer Konferenz zu Menschenrechten und Katholischer Kirche in Rom.

Radio Vatikan

Im Gespräch mit Radio Vatikan sagte der Inhaber des Lehrstuhls für Menschenrechte und Menschenrechtspolitik der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg an diesem Mittwoch:

„Neu ist, dass die Menschenrechtsidee selber zerfleddert, zerpflückt und direkt attackiert wird durch populistische Regime, durch populistische Bewegungen, in vielen Teilen der Welt, aber eben auch in Europa. Lange Zeit, hat man den Eindruck in Europa, im Westen überhaupt, sind die Menschenrechte einigermaßen klar gewesen, Anfragen dazu kamen ,von außen‘. Mittlerweile kommen die Anfragen von allen Seiten her! Manche populistische Regime – etwa in Ungarn – berufen sich auch auf die Demokratie, spielen aber Demokratie gegen Menschenrechte aus. Sie spielen beispielsweise ein Wir-Gefühl, das manchmal auch etwas vordergründig mit christlichem Abendland unterlegt wird, gegen menschenrechtliche Solidarität mit Flüchtlingen aus. Das ist schon eine Konstellation, die auch sehr neue Züge hat und die sehr klare Antworten verlangt.“

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Rundfunkbeitrag: Staatskirchenrundfunk im Sozialismus

Themenbild
Der Rundfunk Berlin-Brandenburg (rbb) berichtet umfassend und multimedial vom 36. Evangelischen Kirchentag in Berlin und Wittenberg (24. bis 28. Mai 2017).

Pressemitteilung rbb

Täglich melden sich Reporterinnen und Reporter vom Kirchentag und stellen die wichtigsten Veranstaltungen, Aktionen und Diskussionen vor. Bereits im Vorfeld gibt es Dokumentationen, Hintergrundberichte und Gespräche in Fernsehen, Hörfunk und online, die auf die Veranstaltung hinweisen.

Live und in Farbe: Der Kirchentag im rbb Fernsehen Das rbb Fernsehen zeigt in der Reportage „Betten, Bläser, Biojoghurt“, wie ein Kirchentag entsteht (20. Mai, 18.00 Uhr, aktualisierte Fassung am 25. Mai, 9.00 Uhr). Der Film blickt hinter die Kulissen des 36. Kirchentages, der vor allem eine logistische Herausforderung ist: von der Programmplanung bis zum Einstudieren der Bläserstücke, vom Besuch bei Brandenburger Biobauern bis zur Erstellung des nachhaltigen Caterings und auch bei der groß angelegten Bettenkampagne, die um Berliner Gastgeberinnen und Gastgeber für die rund 140.000 Anreisenden wirbt.

Am 24. Mai überträgt das rbb Fernsehen den Eröffnungsgottesdienst zum Kirchentag vor dem Reichstag live ab 18.00 Uhr. Anschließend sendet „rbb aktuell“ vom Brandenburger Tor live und fängt die Stimmung am „Abend der Begegnung“ ein (21.45 Uhr).

Zum Ende des Kirchentages in Berlin am 27. Mai meldet sich Friederike Sittler, Leiterin der Abteilung Gesellschaft Religion Osteuropa, mit einem „Himmel und Erde extra“ direkt vom Kirchentag (18.00 Uhr).

Die „Abendschau“, „Brandenburg aktuell“, „zibb“ und „rbb aktuell“ berichten von den Veranstaltungen.

Der rbb für Das Erste

Das Feature „Wie viel Religion verträgt Deutschland?“ fragt, ob und inwieweit Religion dem Gemeinwohl und der Demokratie dienen kann (22. Mai, 23.30 Uhr, Das Erste). Denn auch 500 Jahre nach Luther erregt Religion die Gemüter: ob der Islam zu Deutschland gehört, die öffentliche Hand Kirchentage und Reformationsjubiläum mit finanzieren sollte oder die Kirchensteuer rechtens ist. Die Kirchen haben in Deutschland Privilegien wie in kaum einem anderen Land, obwohl ihnen die Mitglieder davonlaufen.

Den Gottesdienst zu Christi Himmelfahrt am 25. Mai überträgt der rbb live für Das Erste von der Bühne am Breitscheidplatz (10.00 Uhr).

Am Sonntag, 28. Mai, findet der große Festgottesdienst in Wittenberg statt (12.00 Uhr im Ersten). „Gott und die Welt“ berichtet vor Ort live für Das Erste (17.30 Uhr, Moderation: Friederike Sittler).

Der Kirchentag im Radio

Die Radioprogramme des rbb beteiligen sich umfangreich mit Live-Schalten, Porträts, Kommentaren und Gesprächen an der Berichterstattung zum Kirchentag.

Im Kulturradio beschäftigt sich der „Kulturtermin Religion und Gesellschaft“ mit dem Kirchentag (26. Mai, 19.04 Uhr). Am 27. Mai überträgt Kulturradio ab 10.00 Uhr den Gottesdienst zu Christi Himmelfahrt live von der Bühne auf dem Breitscheidplatz und sendet ab 17.04 Uhr aus der Westfalenhalle auf dem Berliner Messegelände. In „Gott und die Welt“ geht es nach Wittenberg. Die Sendung fragt, wie sich die Stadt durch die Feierlichkeiten zur Reformation verändert (28. Mai, 9.04 Uhr).

Inforadio fasst den Kirchentag in „Religion und Gesellschaft“ am Sonntag, 28. Mai, zusammen (7.44 Uhr, 17.24 Uhr) und begleitet den Abschlusstag und -gottesdienst aus Wittenberg mit Liveberichten.

Der Kirchentag mulitimedial

Das multimediale Nachrichtenportal rbb|24 begleitet den Kirchentag online und in den sozialen Netzwerken mit Beiträgen, Dossiers und Hintergrundberichten: www.rbb24.de/kirchentag.

Das Radioprogramm Fritz und „hochkant“, der Snapchat-Newskanal vom rbb für funk, berichten beim Kirchentag über besondere Ereignisse für Jugendliche und sprechen mit jungen Teilnehmern der Veranstaltungen.

Pressekontakt:

Anke Fallböhmer
Tel 030 / 97 99 3 - 12 104
anke.fallboehmer@rbb-online.de

Pro und Contra: Müssen Christen Vegetarier sein?

Frei nach Da Vinci, Quelle: BadA$$Mood
Sollten Christen vegetarisch leben? Eine Pro-Contra-Diskussion zum Fleischessen.

Von Sarah Salin, Hanno Terbuyken | evangelisch.de

Pro: Die Liebe gilt der ganzen Schöpfung

Laut Statistik sind Vegetarier in Deutschland deutlich in der Minderheit – auch unter Christen. Die Bibel scheint mir hier als Verbündete zunächst auch nicht weiterzuhelfen: An vielen Stellen wird beschrieben, dass Tiere geopfert werden, einige Jünger waren Fischer und Jesus hat auch Tiere gegessen. Das war in seiner Zeit schließlich üblich. Vegetarismus kommt in der Bibel nicht vor.

Allerdings ist die Bibel auch voller Verweise, die zu einem verantwortungsbewussten Umgang mit allen Geschöpfen auffordern – sogar Impulse enthalten, die zu einer vegetarischen Lebensweise ermutigen. Zum Beispiel: „Der Gerechte erbarmt sich der Tiere; denn nur das Herz der Gottlosen ist den Tieren gegenüber unbarmherzig“ (Sprüche 12,10). Die Bibel gibt uns darüber hinaus einen Denkanstoß, wenn sie selbst Tiere in der Schöpfungsgeschichte utopisch als Vegetarier zeichnet (Gen 1,30) oder im zukünftigen Friedensreich keine Raubtiere mehr kennt (Jes 65,25).

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Marx: Auch viele Katholiken wollen Abschottung Europas

Quelle: http://www.bgland24.de

COMECE-Präsident fordert „langfristige politische Lösungen“ auf europäischer Ebene angesichts der großen Migrationsbewegungen

kath.net

Der Münchner Kardinal Reinhard Marx beklagt, auch Katholiken in Europa seien für eine Abschottung gegenüber Flüchtlingen. Die Spaltungen über den Umgang mit Migranten beträfen nicht nur die Politik, sondern auch die Gesellschaften der europäischen Staaten, sagte Marx in einem Interview der italienischen katholischen Nachrichtenagentur SIR (Mittwoch). „Auch die Kirche hat erfahren müssen, dass es in den verschiedenen Ländern auseinandergehende Meinungen über die Aufnahme von Flüchtlingen gibt“, so der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz. Dies sei umso schmerzhafter, „als die Haltung des Papstes in dieser Frage vollkommen eindeutig ist“.

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Vermarktung Luthers in Berliner Ausstellung zu sehen

Bild: mdr.de

Die kommerzielle Vermarktung und politische Instrumentalisierung des Reformators Martin Luthers (1483-1546) steht im Mittelpunkt einer Sonderausstellung des Berliner Museums Nikolaikirche.

evangelisch.de

Die Exponate zeugten vom Bedeutungs- und Wertewandel einer ganzen Epoche und der glühenden Verehrung, mit der Luther zur Kultfigur verklärt wurde, teilten die Evangelische Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz und die Stiftung Stadtmuseum Berlin am Mittwoch mit. Die Ausstellung steht unter dem Motto „Sankt Luther – Reformator zwischen Inszenierung und Marketing“ und ist vom 1. April bis 28. Mai 2017 im ältesten Kirchenbauwerk Berlins zu sehen.

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Frankreich: Bischöfe verweigern TV-Debatte zu Missbrauch

Wegen Nichtanzeige von Missbrauch angezeigt: Kardinal Philippe Barbarin. APA/AFP/Eric Cabanis
Die französische Bischofskonferenz nimmt nicht an einer Fernsehdebatte zum Thema Missbrauch am Dienstagabend teil. Grund für die Verweigerung seien die Interviewmethoden der Journalisten.

religion.ORF.at

Die Journalisten respektierten ethische Standards nicht und die Sendung beschäftige sich mehr mit Anschuldigungen als dem Willen zur Erklärung, heißt es in einer Pressemitteilung der Bischofskonferenz. Vor einem Jahr hatten sich in Frankreich mehrere Menschen zu Wort gemeldet, die Mitglieder der Kirche beschuldigten, sie sexuell missbraucht zu haben.

Erzbischof angezeigt

Der Erzbischof von Lyon, Kardinal Philippe Barbarin, wurde wegen Nichtanzeige sexueller Übergriffe in seinem Verantwortungsbereich angezeigt. Die Staatsanwaltschaft stellte die Ermittlungen gegen ihn jedoch im August ein. Es habe keine Hinweise auf eine Straftat gegeben, hieß es.

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Gotteswahn: ‚Satan lässt nichts unversucht, um den Menschen von Gott zu trennen’

Image: Matt Anderson/Friendly Atheist

Der Teufel ist eine Person, die ähnlich wie wir denken, entscheiden und handeln kann. Hilfe gegen die Versuchungen des Bösen gibt es nur bei Gott, schreibt der evangelikale Prediger Billy Graham.

kath.net

Der Teufel existiert. Er ist die Wurzel allen Übels und er lässt nichts unversucht, um die Menschen von Gott zu trennen. Das schreibt der bekannte evangelikale Prediger Billy Graham in einer Kolumne für die Internetseite der „Billy Graham Evangelistic Association“.

Der Teufel sei nicht nur eine vage, unpersönliche Kraft, sondern eine Person. Er könne daher denken, entscheiden und handeln, ähnlich wie die Menschen. Ein wesentlicher Unterschied bestehe darin, dass alles Tun des Teufels auf das Böse ausgerichtet sei.

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Glaube und Identität in Frankreich

Marianne-Büste mit phrygischer Mütze in einer französischen Schule. Bild: PD

Die nationale Identität steht im Zentrum des französischen Wahlkampfes, auch wenn die zahlreichen Ermittlungen der Justiz zu angeblichen Verfehlungen der verschiedenen Kandidaten davon ablenken. Diese Diagnose wird über die Parteigrenzen geteilt.

Von Markus Wertz | Die Tagespost

Für den konservativen Publizisten Charles Beigbeder ist die „kulturelle Frage das Hauptthema des Jahres 2017“. Der Erfolg von François Fillon im Vorwahlkampf der Republikaner wäre ohne seine Kritik am „islamischen Totalitarismus“ und seiner Verteidigung der „französischen Werte“ nicht denkbar. Marine Le Pen sieht sich als Gegenkandidatin der „Patrioten“ gegen die Vertreter des Systems der globalisierten Eliten. Unter den Künstlern stellt die junge Regisseurin Cheyenne Carron, die durch ihren Film „L’Apôtre“ (Apostel) über die Bekehrung eines jungen Muslims zum Katholizismus bekannt wurde, die Frage nach dem Zusammenhang zwischen französischer Identität und Katholizismus. In ihrem jüngsten Werk „La morsure des Dieux“ (Der Biss der Götter) lässt sie einen jungen baskischen Bauern, der den heidnischen Bräuchen seiner Vorfahren anhängt, und den gleichaltrigen katholischen Ortspfarrer aufeinandertreffen. Der Bauer wirft dem Pfarrer vor, dass das Christentum die ursprüngliche heidnische Identität überlagert und ausgelöscht hätte, indem es Bräuche, Feste und Orte christianisierte. Eine solche frontale Gegenüberstellung von Christentum und nationaler Identität ist sowohl unter den Vertretern der Nouvelle Droite als auch unter den progressiven Linkskatholiken verbreitet. Beide Extrempositionen bestreiten einen produktiven Zusammenhang von authentischem Katholizismus und nationaler Identität.

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500 Jahre Reformation – Ach, Martin!

Bild: mdr.de

Die Evangelische Kirche fragt sich: Welchen Luther soll man feiern, und wie? Und was machen wir mit den wissenschaftlichen Spaßbremsen?

Von Jürgen Kaube | Frankfurter Allgemeine

Wir wollen ein großes Fest feiern. Was wollt ihr denn feiern? Wir wollen Martin Luther feiern. Wie, den alten Grobian, den Kirchenspalter und Bauernverächter, den Judenbeschimpfer und Weltuntergangsdenker, den wollt ihr ernsthaft feiern? Nein, den doch nicht, feiern wollen wir den Bibelübersetzer und Hochdeutschbringer, den Kämpfer für das Selberlesen und für Heiratendürfen der Gottesleute, den Kämpfer gegen das römische Autoritätsgetue und gegen die Korruption des Glaubens.

Schön, aber das war doch derselbe, oder? Na ja, dann erwähnen wir bei der Feier eben immer mit, was wir nicht an ihm feiern wollen. Das wirkt bestimmt sehr spontan. Halt, viel besser noch, wir feiern gar nicht ihn, sondern: die Reformation. Gut, aber ihr wisst schon, dass „die Reformation“ wie eine Schulstunde klingt und nicht wie eine Feier? Gott bewahre, eine Schulstunde soll es auf keinen Fall werden, die Leute sollen sich doch freuen. Hab ich „freuen“ gehört, freuen über die Heilsweitentfernung, die Gottunerforschlichmachung, die alle Ungewissheit eurer Seele aufgebürdet hat, und selbst deren Frömmigkeit werde euch nichts nützen, wenn Gott euch nicht will, nur weil er euch einfach nicht will, und das sollt ihr auch noch gerecht finden – wer soll sich denn darüber freuen?

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Weltkirchenrat fordert multireligiösen Irak

Der Weltkirchenrat hat dazu aufgerufen, den Irak wieder zur Heimat vieler Religionen zu machen. Nach einem Sieg über die Terrormilz „Islamischer Staat“ müssten die Regierung und die Weltgemeinschaft dafür sorgen, dass Angehörige verschiedener Glaubensrichtungen sicher und frei im Irak leben könnten, verlangte der Generalsekretär des Ökumenischen Rates der Kirchen, Olav Fykse Tveit, am Dienstag in Genf.

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Tveit betonte, dass Christen und andere religiöse Minderheiten im Irak Opfer von Verfolgung geworden seien. Nach ÖRK-Angaben wurden in den vergangenen Jahren Hunderttausende Christen aus dem Land vertrieben, viele seien von der Terrorgruppe „Islamischer Staat“ und anderen Extremisten getötet worden. Tveit hatte auf einer Podiumsdiskussion am Rande der 34. Sitzung des UN-Menschenrechtsrates gesprochen.

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Erschreckend: Missbrauch trifft immer mehr auch Neugeborene

Unermüdlicher Kämpfer gegen Pädophilie: Don Fortunato Di Noto – RV
Erschreckende Zahlen zum Kindesmissbrauch kommen an diesem Montag von der Kinderschutz-Vereinigung METER. Die vom sizilianischen Priester Don Fortunato Di Noto gegründete Vereinigung gibt jedes Jahr einen Bericht heraus, in dem das Phänomen des Kindesmissbrauchs und insbesondere die rasant im Wachsen begriffene und via Web verbreitete Pädopornographie in penibler Kleinarbeit weltweit dokumentiert wird.

Radio Vatikan

Erschreckend: Insbesondere im Darknet, also in gesicherten und nur schwer zu knackenden Chatgruppen und passwortgeschützten Seiten, ist eine erhöhte Aktivität festzustellen. Besonders grausam: Der Missbrauch an Neugeborenen hat enorm zugenommen, berichtet uns im Gespräch Don Di Noto, der den Bericht an diesem Montag vorgestellt hat.

„Es gibt wirklich einen immens hohen Prozentsatz an Neugeborenen. Das geht so weit, dass sogar ein Portal eingerichtet worden ist, das Neugeborenen gewidmet ist und in dem Material hochgeladen wird, das abscheulichste Missbrauchsvergehen zeigt. Dieses Material stammt aus der ganzen Welt, das ist also nicht ein Problem, das sich örtlich auf eine Nation oder einen Platz einschränken lässt.“

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Wie umgehen mit Luthers Judenhass?

Ursula Rudnick, Kirchenbeauftragte für das Judentum und Pastorin Hanna Kreisel-Liebermann verbinden der Luther-Statue in Hannover die Augen. Die Aktion am 9.11.2016 sollte die „Blindheit“ Martin Luthers gegenüber dem Judentum symbolisieren. (picture-alliance / dpa / Julian Stratenschulte)
Der junge Martin Luther wollte die Integration von Juden. Der alte Luther wollte Juden vertreiben und Synagogen niederbrennen. Wie sollen Protestanten heute mit diesem Erbe umgehen? Wie zentral ist die Judenfeindschaft in Luthers Lehre? Fragen, die im Reformationsjubiläum gestellt werden. Auch von Juden, die Luther – trotz allem – Positives abgewinnen können.

Von Christian Röther | Deutschlandfunk

Am Hauptsitz der Evangelischen Kirche in Deutschland wehen die Luther-Fahnen. In dreifacher Ausführung blickt der Reformator auf Herrenhausen herab, einen Stadtteil von Hannover. „Luther 2017“ steht groß auf den Fahnen – und etwas kleiner: „500 Jahre Reformation“. Martin Luther ist das Gesicht der EKD-Kampagne zum Reformationsjubiläum. Der Mann, der die Bibel ins Deutsche übersetzt hat, der die Reformation ins Rollen brachte – und der Juden vertreiben wollte und Synagogen niederbrennen.

„Dass man ihre Synagoge oder Schule mit Feuer anstecke und das, was nicht verbrennen will, mit Erden überhäufe und beschütte, dass kein Mensch ein Stein oder Schlacke davon sehe ewiglich. Und solches soll man tun unserm Herrn und der Christenheit zu Ehren, damit Gott sehe, dass wir Christen seien.“

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Unterschiedlicher Umgang mit sexuellem Missbrauch in Religionsgemeinschaften

Nach den Missbrauchs-Skandalen in der Katholischen Kirche in Irland und den USA wurden seit 2010 auch in Deutschland Sexualdelikte in katholischen Einrichtungen in größerem Umfang bekannt. Im Unterschied zu den Vereinigten Staaten oder Irland ging der Anstoß für eine gesamtgesellschaftliche Debatte über Missbrauchsfälle in der römisch-katholischen Kirche in Deutschland jedoch von dem Leiter einer kirchlichen Institution aus, dem Jesuiten Klaus Mertes, bis 2011 Rektor des Berliner Canisius-Kollegs.

Von Dr. Michael Utsch | EZW

Als eine Folge der Aufarbeitung dunkler Seiten ihrer Geschichte hat die Deutsche Bischofskonferenz 2015 eine Arbeitsgruppe für Fragen des Kinder- und Jugendschutzes eingerichtet. Zudem wurde eine externe Experten-Kommission mit der wissenschaftlichen Erforschung dieser Verbrechen beauftragt. In Einzelgesprächen mit 150 Opfern und 70 Tätern sowie durch die Sichtung ausgewählter kirchlicher Personalakten wollen die Forscher herausfinden, wie es zu Missbrauchsfällen durch Geistliche und andere kirchliche Mitarbeiter kommen konnte. Das Projekt kostet die Bischofskonferenz knapp eine Million Euro, die Ergebnisse sollen Ende dieses Jahres vorliegen.

2016 wurde darüber hinaus eine Vereinbarung mit dem Unabhängigen Beauftragten für Fragen des sexuellen Kindesmissbrauchs der Bundesregierung geschlossen, um Opfer angemessen zu entschädigen und Kinder und Jugendliche in der Kirche wirksamer vor sexualisierter Gewalt zu schützen. Dazu wurden in den Diözesen Stabsstellen für Prävention eingerichtet und die kirchlichen Richtlinien gegen Missbrauch und Gewalt überarbeitet. Künftig müssen alle Mitarbeiter eine Verpflichtungserklärung unterschreiben, mit der sie ihre Mitverantwortung für ein gewaltfreies Miteinander in der Kirche dokumentieren. Auch die Priesterausbildung wird weltweit überarbeitet. Schon seit einigen Jahren durchläuft jeder Priesteramtsanwärter ein psychologisches Auswahlverfahren, bei dem seine Eignung für ein zölibatäres Leben überprüft wird.

Bisherige Studien über sexuellen Missbrauch in Religionsgemeinschaften zeigen, dass streng hierarchische Machtstrukturen das Ausleben von Machtgefühlen von Tätern begünstigen. Die Strukturen und Dynamiken einer geschlossenen Gruppe bieten darüber hinaus einen Schutzraum, der relativ leicht auszunutzen ist. Die Religionsgemeinschaft Jehovas Zeugen hat seit Jahren mit Vorwürfen zu kämpfen, Missbrauchsvorfälle in ihren Reihen zu vertuschen. Besonders gravierend scheinen lange zurück liegende Ereignisse bei Jehovas Zeugen in Australien zu sein.

Auch dort arbeiten staatliche Behörden seit einigen Jahren an der Aufarbeitung der Missbrauchsskandale in Religionsgemeinschaften. Vor dem staatlichen Untersuchungsausschuss zur Aufklärung des Umgangs mit Missbrauchsfällen hat ein Vertreter der Zeugen Jehovas in Australien die systematische Vernichtung von Dokumenten über den sexuellen Missbrauch Minderjähriger eingeräumt. Andere Fälle sind nur intern behandelt worden, ohne die mutmaßlichen Täter bei der Polizei anzuzeigen.

Durch die Kommission sind viele Skandale innerhalb dieser und anderer Religionsgemeinschaften aus früheren Zeiten ans Licht gekommen. Die katholischen Bischöfe Australiens räumten dabei ein katastrophales Versagen im Umgang mit Verdachtsfällen ein und haben ein umfangreiches Maßnahmenpaket zur Verbesserung auf den Weg gebracht.

Dagegen haben Jehovas Zeugen zwar einige Empfehlungen angenommen, um eine größere Transparenz zu gewährleisten. An der sog. „Zwei-Zeugen-Regel“ wollen sie allerdings weiter festhalten, wie ein Sprecher der Gemeinschaft kürzlich vor der Kommission bestätigte. Diese Regel stammt aus der internen Ethikrichtlinie und sieht vor, dass einem Fehlverhalten, das den Ältesten der Gemeinschaft angezeigt wird, nur dann nachgegangen wird, wenn zwei Zeugen dies belegen können. Auch ein Missbrauchsvorwurf wird also nur dann überprüft, wenn zwei Zeugen dabei waren und dies bestätigen.

Die australischen Richter sind erschüttert darüber, dass die Organisation realitätsfremd an ihren Richtlinien festhält, auch wenn es um Kindesmissbrauch geht, der in der Regel versteckt verübt werde. Sie halten die Richtlinien der Zeugen Jehovas für den Umgang mit sexuellem Missbrauch für völlig unangemessen und unpassend. Die Beibehaltung überholter Richtlinien zeigt, wie wenig Verständnis und Sensibilität bei Jehovas Zeugen für das Wesen dieser zerstörerischen Straftat besteht.

Anglikanischer Bischof: Vorsicht bei ‚Die Schöne und das Biest’

Eltern hätten die Aufgabe, ihren Kindern bei der Auswahl ihrer Unterhaltungsprogramme Orientierung zu geben. Das gelte besonders in einer sich schnell wandelnden Zeit, schreibt Bischof Rennis Ponniah.

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Rennis Ponniah, der anglikanische Bischof von Singapur, hat die Priester seines Bistums aufgefordert, ihre Gemeinden auf die homosexuellen Inhalte des Disney-Films „Die Schöne und das Biest“ hinzuweisen.

Der Film kommt im März in die Kinos des südostasiatischen Stadtstaates. Disney-Filme würden in der Regel gute Werte vermitteln, doch die Zeiten änderten sich grundsätzlich, schreibt der Bischof in einem offenen Brief an seinen Klerus. In der Neuverfilmung von „Die Schöne und das Biest“ werde eine Person als homosexuell dargestellt, deren gleichgeschlechtliche Beziehung in einer Nebenhandlung gezeigt werde.

Reformation avanciert zum Top-Thema der Leipziger Buchmesse

Bücher zum 500. Reformationsjubiläum dominieren laut Renate Nolte von der Vereinigung Evangelischer Buchhändler und Verleger die diesjährige Leipziger Buchmesse.

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„Es gibt sicher kein Thema, das in diesem Jahr stärker vertreten ist“, sagte die Geschäftsführerin der Vereinigung dem Evangelischen Pressedienst (epd). Zur Leipziger Buchmesse werden von Donnerstag bis Sonntag Zehntausende Besucher erwartet. Literatur zum Reformator Martin Luther und zum Jubiläumsjahr gebe es in allen Gattungen, sagte Nolte weiter. Neben theologischen Fachbüchern fänden sich Inhalte zur Reformation auch in Kinder- und Hörbüchern, Graphic Novels, humoristischen Publikationen und in der Belletristik.

„Mir fällt fast kein Lebensbereich ein, der nicht mit Luther konfrontiert ist“, resümierte Nolte: „Das ist schon ein sehr breites Spektrum.“ Auch Fernsehsender wie 3sat und Arte oder die ARD hätten bereits angekündigt, Luther und das Reformationsjubiläum als wichtiges Thema der Buchmesse aufzugreifen.

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