Die Kirche ist kein Koalitionär

Mit den Konfessionen ist in der modernen Demokratie kein Staat mehr zu machen – gottlob. Trotzdem haben die Kirchen ihre Wünsche, was die Politik heute tun sollte.

Von Manfred Rekowski | RP ONLINE

Der jüngst verstorbene Heiner Geißler war ein streitbarer Mensch. Er hatte etwas zu sagen, zuweilen mit Schärfe gewürzt, und war auch reich an Lebenserfahrungen. Er erzählt in seinem Buch „Was müsste Luther heute sagen?“, wie er im Wahlkampf 1965 mit seiner evangelisch getauften Frau zu punkten hoffte. Eine andere große Volkspartei hatte ihn mit dem Hinweis auf seine katholische Herkunft bei der mehrheitlich evangelischen Wählerschaft schlecht aussehen lassen wollen. Geißler gewann in der protestantischen Hochburg rund um Tübingen das Bundestags-Direktmandat.

Mit den Konfessionen ist in der Demokratie längst kein Staat mehr zu machen. Und „heilige“ Allianzen gehören der Vergangenheit an. Gott sei es gedankt. Denn Politik ist für das Zusammenleben aller Menschen verantwortlich, unabhängig von Glaubensüberzeugungen und anderen Haltungen. Der Staat hat „für Recht und Frieden zu sorgen“, wie evangelische Christen 1934 in der Barmer Theologischen Erklärung ganz im Sinne Luthers formulierten. Diese Erklärung war eine Absage evangelischer Kreise an die Deutschen Christen, jenes Sammelbecken nationalsozialistischer Kirchenmitglieder, die die Nazi-Ideologie auch in der Kirche durchsetzen wollten und vom Hitler-Regime als „Vollendung der deutschen Reformation im Geiste Martin Luthers“ sprachen. Luther dürfte sich im Grabe umgedreht haben.

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Dodo Käßmann, Bundestagswahl und Jesus

Die evangelische Theologin Margot Käßmann hat den beendeten Bundestagswahlkampf als lahm und zäh kritisiert.

evangelisch.de

„Jesus würde wohl kaum verstehen, dass jemand meint, mich mit Gummibärchen oder Kugelschreibern von seiner Partei überzeugen zu können“, schrieb die Reformationsbotschafterin der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) in der „Bild am Sonntag“. „Diese lähmende Zähigkeit, die über der Wahl liegt, würde ihn befremden.“

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Vatikan: Gendarmerie hat Obdachlose „mit Respekt“ behandelt

Headquarter des Konzerns.

Eine plötzliche Kehrtwende im Vatikan? Viele Medien – auch im deutschsprachigen Raum – haben über die Räumung auf und um den römischen Petersplatz von Freitagmorgen berichtet und behauptet, dass die vatikanische Gendarmerie die Obdachlosen grundlos weggeschickt habe.

Radio Vatikan

Einige Berichterstattungen haben immerhin auch die Vatikan-Erklärung gebracht, in der erläutert wurde, dass die vatikanische Sicherheitsbehörde es für angebracht hielt, wenn morgens und tagsüber keine Obdachlose – vor allem bei den Säulengängen rund um den Petersplatz – campieren. Radio Vatikan hat darüber mit dem Hauptverantwortlichen der Gendarmerie gesprochen. Kommandant Domenico Giani erläutert uns, dass es drei Gründe gab, weshalb „seine Männer“ die Obdachlosen beim Petersplatz am Freitag „wegschickten“.

„Am Petersplatz gab es zwei Probleme, und zwar sowohl ein Sicherheitsproblem als auch ein Ansehensproblem. Was die Sicherheit betrifft: Der Vatikan ist nun mal ein Ort voller Symbole und deshalb eine Zielscheibe. Wohlgemerkt, derzeit haben wir keine konkreten Androhungen, aber die Gefahr ist dennoch da.“

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Ist religiöse Erziehung eine sanfte Art der Indoktrination?

Foto: pixabay.com
Der Glaube an höhere Mächte ist vermutlich fast so alt wie die Menschheit. Er diente unseren Vorfahren primär dazu, Naturkatastrophen und unverständliche Phänomene erklären zu können.

Von Hugo Stamm | Richard-Dawkins-Foundation

Heute liefern uns Wissenschaft und Technik schlüssige Antworten auf viele Fragen, die früher mit übersinnlichen oder paranormalen Argumenten begründet wurden.Trotzdem glaubt die Mehrheit der Menschen immer noch an einen Gott oder an Götter.

Der Grund ist meist einfach: Der Glaube ist anerzogen. Kinder sind bekanntlich ahnungslos bezüglich Religionen, Heilslehren, Gott und einem Leben nach dem Tod.

In der abendländischen Kultur werden die meisten Kinder in den christlichen Glauben eingeführt. Für sie werden Gott, Jesus und der Heilige Geist lebendige Figuren, so real wie Vater und Mutter. Kein Kind kommt auf die Idee, dass der christliche Gott möglicherweise eine Fiktion ist und Jesus womöglich nicht der Sohn Gottes, wie ihm die Eltern erklären. Sie können auch die Aussage nicht hinterfragen, dass Maria Jesus unbefleckt empfangen haben soll.

Kinder müssen glauben, was ihnen ihre Eltern erklären

Kinder haben keine andere Wahl, als alles, was ihnen ihre Eltern erklären, für wahr zu halten. Zweifel in kognitiven Belangen kennen sie nicht. Das abstrakte Denken ist noch nicht ausgebildet, übersinnliche oder transzendentale Konzepte übersteigen ihr Vorstellungsvermögen.

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Veruntreuungsprozess im Vatikan wirft neue Fragen auf

Bild: tilly
Vatikan-Staatsanwaltschaft wirft Ex-Präsidenten der Stiftung „Bambino Gesu“ Veruntreuung von rund 420.000 Euro zwecks Umbau der Wohnung von Kardinal Bertone vor

kath.net

Nach einer Zeugenaussage in einem Veruntreuungsprozess im Vatikan stehen neue Fragen im Raum. Möglicherweise fanden bisher nur von Medien berichtete Doppelzahlungen bei der umstrittenen Renovierung einer Wohnung für Kardinal Tarcisio Bertone tatsächlich statt. Das ergab am Freitag die Befragung des Ingenieurs Marco Bargellini in dem Verfahren, das Geldflüsse der Stiftung des vatikanischen Kinderkrankenhauses „Bambino Gesu“ für die Renovierungsarbeiten der Wohnung von Kardinal Tarcisio Bertone klären soll.

Bargellini, im Governatorat des Vatikanstaats für Bausanierung zuständig, sagte, das Governatorat habe für die Renovierung gezahlt. Das Geld sei für den Kardinal vorgestreckt worden, der die Übernahme der Kosten per Brief zugesagt hatte. Ob die ausgelegten Beträge von Bertone erstattet wurden, wurde nicht bekannt. Dass möglicherweise auch die Stiftung des vatikanischen Kinderkrankenhauses „Bambino Gesu“ für die Renovierungsarbeiten der Wohnung aufkam, habe er nicht gewusst, so Bargellini.

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Abrechnung mit der Kirche

Olivier Ndjimbi-Tshiende hatte 2016 Morddrohungen erhalten. (Foto: Christian Endt)
Olivier Ndjimbi-Tshiende? Richtig: Das ist der frühere katholische Pfarrer von Zorneding, der aus dem Kongo stammt und rassistisch angefeindet worden ist. Der Fall erregte im vergangenen Jahr international Aufsehen, und auch wenn der Priester auf das alles lieber verzichtet hätte, der Konflikt hat ihn bekannt gemacht.

Von Jakob Wetzel | Süddeutsche.de

Pfarrer Ndjimbi-Tshiende war den flüchtlingsfeindlichen Tiraden der damaligen CSU-Ortsvorsitzenden Sylvia Boher entgegengetreten, ein CSU-Lokalpolitiker beschimpfte ihn daraufhin als „Neger“, der Postbote brachte Morddrohungen. Im März 2016 warf der Pfarrer hin, die Angst war zu groß. Er verließ Zorneding, zog sich zurück und trat schließlich eine Stelle an der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt an. Jetzt meldet er sich zurück.

Olivier Ndjimbi-Tshiende hat ein Buch geschrieben, in dem er die Geschehnisse auf seine Weise verarbeitet, es erscheint an diesem Montag. „Und wenn Gott schwarz wäre … Mein Glaube ist bunt!“ heißt es, und die Fallhöhe ist enorm. Gleich die ersten, einleitenden Worte bemühen die Menschenrechtserklärung der Vereinten Nationen: Alle seien frei und gleich an Würde und Rechten geboren, alle hätten Anspruch auf die Menschenrechte, ohne Unterschied etwa nach Rasse oder Hautfarbe. „Doch wie oft klaffen auch hier Theorie und Praxis auseinander.“ Was in Zorneding passiert sei, das sei zwar einzigartig, aber letztlich doch nur ein Beispiel für diese Lücke.

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Fantasialand

Dass Deutschland ein Land bleibt, „in dem wir gut und gerne leben“, ist längst nicht sicher / picture alliance
Eine vierte Amtszeit von Angela Merkel senkt sich unvermeidbar auf das Land. Vor den ernsten Problemen duckt sich die Politik weg und fabuliert lieber von multikulturellen Gesellschaftsfantasien. Doch die Zeichen in der Welt stehen auf Sturm

Von Alexander Grau | Cicero

Es hat etwas Unwirkliches. Morgen wird das vierte Kabinett Merkel gewählt werden. So oder so. Es ist wie in einem Traum. Surreal und wirklichkeitsenthoben. Wie Zuckerwatte senkt sich das Unvermeidbare auf das Land, flauschig und süß, verführerisch und klebrig.

Wie genau die neue Regierung aussehen wird, ob Schwarz-Rot oder doch in den Farben von Jamaika, ist dabei vollkommen gleichgültig. Weil die neue Regierungschefin die alte sein wird, weil die Differenzen zwischen den Parteien sich fast nur noch im Symbolischen erschöpfen und weil die deutsche Politik sich ängstlich vor den ernsten Problemen wegduckt und lieber in Wohlfühlthemen à la frühkindlicher Bildung, Digitalisierung und Glasfaserausbau planscht. „Zukunftsthemen“ nennt man das dann. Dabei haben diese Politplacebos mit der Zukunft ungefähr so viel zu tun, wie die wirklichkeitsfremde „Parallelaktion“ in Robert Musils Roman „Mann ohne Eigenschaften“.

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Reformationstag als neuer Feiertag für Niedersachsen

Stephan Weil, 2013 (Pressefoto). Bild: wikimedia.org/CC-BY-SA 4.0

Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) will den Reformationstag am 31. Oktober als festen Feiertag in seinem Bundesland einrichten. „Ich kann mir gut vorstellen, den Reformationstag auch in Niedersachsen dauerhaft zum Feiertag zu machen“, sagte Weil dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND, Samstag).

evangelisch.de

„Er sollte als Tag des Brückenschlags zwischen den Religionen und als Tag der interreligiösen Zusammenarbeit gefeiert werden“, erklärte der Ministerpräsident kurz vor der Bundestagswahl. In Niedersachsen stehen am 15. Oktober Landtagswahlen an. Über einen neuen arbeitsfreien Feiertag in Niedersachsen wird bereits seit Jahren immer wieder diskutiert, vor allem auf Betreiben der CDU. Niedersachsen hat bisher wie Bremen, Berlin, Hamburg und Schleswig-Holstein neun gesetzliche Feiertage. Bayern dagegen hat 13 Feiertage, Baden-Württemberg und das Saarland haben zwölf.

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Expect the Inquisition

Pool photo by Alberto Pizzoli
In the Catholic Church of Pope Francis, it is dangerous to be too conservative. Professor Josef Seifert, a distinguished Catholic philosopher from Austria, discovered this recently, when he was dismissed from his position at the University of Granada in Spain by the local archbishop.

By Ross Douthat | New York Times

Seifert’s sin was to have raised questions about “Amoris Laetitia,” the controversial papal exhortation on marriage, whose ambiguous statements on divorce and remarriage the philosopher described as a potential “theological atom bomb” for Catholic moral teaching. Such stark criticism of a sitting pope “damages the communion of the church,” Granada’s archbishop wrote, while retiring the professor from his academic post.

Meanwhile, in the Catholic Church of Pope Francis it is also dangerous to be too liberal. Father James Martin, a famous American Jesuit author, discovered this last weekend, when he was disinvited from a talk at the Theological College of the Catholic University of America, and had another talk in London rescheduled, after an internet campaign by traditionalist priests and laypeople.

Father Martin is the author of a new book, “Building a Bridge,” urging dialogue and reconciliation between the Catholic Church and gay people, and his critics charge him with effectively denying church teaching on sexuality (a charge that he denies). The institutions did not endorse the charge; they simply decided to duck the controversy.

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Papst mit kognitiven Dissonanzen?

Verehrungswürdige Puppe. Themenbild
Strafverteidiger des von Papst Franziskus 2014 teilweise begnadigten geistlichen Missbrauchstäters widersprachen der Darstellung des Papstes, wonach ihr Mandant nach 2014 rückfällig gworden war – Papst sei hier „schlecht informiert“

kath.net

Die Strafverteidiger des von Papst Franziskus 2014 zunächst teilweise begnadigten geistlichen Missbrauchstäters widersprachen unterdessen am Freitag der Darstellung des Papstes, wonach ihr Mandant nach seiner kirchlichen Teilbegnadigung 2014 rückfällig geworden und dies der Grund für die erneute kirchliche Bestrafung gewesen sei. Der Lokalzeitung „Cremona Oggi“ (Onlineausgabe) sagten die Anwälte Nerio Dioda und Corrado Limentani, der mittlerweile aus dem Priesterstand entlassene Mauro Inzoli habe damals keine neuen Straftaten begangen. Hier sei der Papst offenbar „schlecht informiert“.

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Gendarmerie des Vatikan vertreibt Obdachlose vom Petersplatz

Auf dem Petersplatz im Vatikan sind tagsüber keine Obdachlose mehr erwünscht.© dpa
Die Gendarmerie des Vatikan hat Obdachlose aufgefordert, sich tagsüber vom Petersplatz fern zu halten. In den vergangenen Tagen begann die Gendarmerie daher, die Wohnungslosen zu vertreiben.

HNA

Die Gendarmerie des Vatikan hat Obdachlose aufgefordert, sich tagsüber vom Petersplatz fern zu halten. Die Anordnung gelte nur tagsüber und sei vor allem aus Sicherheitsgründen erfolgt, sagte Vatikansprecher Greg Burke der Nachrichtenagentur AFP am Donnerstag. Demnach hatten die Sicherheitskräfte Bedenken wegen der Zelte, aus Karton gebauten Unterkünfte und großen Säcke der zahlreichen Menschen.

In den vergangenen Tagen begann die Gendarmerie daher, die Wohnungslosen zu vertreiben, die sich unter den berühmten Säulengängen niedergelassen hatten. Nachts dürften sie aber weiter dort schlafen, sagte Burke.

Unter Papst Franziskus wurden öffentliche Duschen für die Obdachlosen eingerichtet, sie können sich kostenlos die Haare schneiden lassen und erhalten Schlafsäcke, Regenschirme und zu essen.

Vernachlässigte Religionspolitik

Das sogenannte Religionsverfassungsrecht habe derzeit eine christlich-großkirchliche Schlagseite, sagt Politikwissenschaftlers Ulrich Willems. Sein Zeugnis für die Religionspolitik der vergangenen Jahrzehnte.

evangelisch.de

Die Parteien in Deutschland haben die Religionspolitik nach Ansicht des Münsteraner Politikwissenschaftlers Ulrich Willems in den vergangenen Jahren vernachlässigt. „Man darf nicht vergessen, dass sich in den letzten 20, 25 Jahren die religiöse Landschaft in Deutschland dramatisch verändert hat“, sagte Willems am Freitag im Deutschlandfunk. „Das generiert jetzt aber eine Reihe von Problemen, die dringend gelöst werden müssten.“ In vielen anderen Ländern sei es zu großen Debatten gekommen, „in der Bundesrepublik hinkt man da etwas hinterher.“

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Der Aufstieg der AfD gehört zum politischen Erbe Angela Merkels

(c) REUTERS
Am Ende des langweiligsten deutschen Wahlkampfs seit 1949 steht rechts von der Union keine Wand mehr, sondern eine irritierende populistische Kraft.

Von Christian Ultsch | Die Presse.com

In der Endphase von Wahlkämpfen verfallen manche Politiker in eine autosuggestive Trance. Sie reden sich unablässig ein, noch gewinnen zu können. Ziel der Selbsthypnose ist es, zunächst sich und dann die Wähler zu überzeugen. Der Trick kann funktionieren, wie der damalige deutsche Kanzler Gerhard Schröder bei seiner beinahe erfolgsgekrönten Aufholjagd 2005 gezeigt hat. Aber wenn die „Alles wird gut“-Pose weiter von der Realität entfernt ist als der Zauberer von Oz, wirkt sie einfach nur noch lächerlich.

Und das ist bei Martin Schulz der Fall. Unlängst hat der SPD-Kandidat von der traurigen Gestalt seiner Konkurrentin, Angela Merkel, fröhlich ausgerichtet, sie könne gern in sein Kabinett kommen, allerdings nur als Vizekanzlerin. So enorm kann der gute Mann sein Bewusstsein gar nicht erweitert haben, als dass er diese Konstellation nach der Bundestagswahl am Sonntag für möglich hält: Seine SPD krebst in Umfragen bei 22 Prozent herum und liegt zwölf bis 14 Punkte hinter Merkels Union.

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Papst gesteht eigenen Fehler bei Umgang mit Missbrauchstäter ein

Papst bei Begegnung mit Mitgliedern der vatikanischen Kinderschutzkommission: „Habe von Opfern gelernt“ und „verstanden, dass Pädophilie schreckliche Krankheit ist“

kath.net

Papst Franziskus hat eingeräumt, dass er sich zu Beginn seiner Amtszeit bei der Begnadigung eines Priesters nach sexuellem Missbrauch geirrt habe. Das werde er nie wieder tun, sagte der Papst laut einem Bericht der italienischen Tageszeitung „L’Avvenire“ vom Freitag.

Die Äußerungen des Papstes fielen am Vortag bei einer Begegnung mit Mitgliedern der vatikanischen Kinderschutzkommission unter Leitung des Bostoner Kardinals Sean O’Malley. Sie wurden von den offiziellen vatikanischen Medien zunächst nicht veröffentlicht. Die Zeitung „L’Osservatore Romano“ berichtete am Freitag lediglich, der Papst habe den Anwesenden zusätzlich zu einem offiziell verbreiteten Redetext auch „einige Überlegungen ohne Manuskript vorgetragen“.

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Vorurteile gegenüber Roma in evangelischer Kirche tief verwurzelt

Kirche © Sebastian Rittau @ flickr.com (CC 2.0), bearb. MiG
Auch in der evangelischen Kirche sitzen Vorurteile gegenüber Sinti und Roma teilweise bis heute tief, wie eine Studie darlegt. Sie zeigt auch, dass sich die Kirche in der NS-Zeit an der Minderheit schuldig gemacht hat.

MiGAZIN

Vorurteile gegenüber Sinti und Roma sind einer Studie zufolge auch innerhalb der evangelischen Kirche tief verwurzelt und bis heute kaum aufgearbeitet. Laut einem am Mittwoch auf einer Tagung der Evangelischen Akademie in Berlin vorgestellten Gutachten der Heidelberger Historikerin Verena Meier über „Protestantismus und Antiziganismus“ gibt es zahlreiche Belege kirchlichen Versagens bis in die Gegenwart. Bis heute fehle es an einer systematische Forschung zu diesem Thema, sagte Meier und appellierte an die Kirche, sie müsse aus dem „Erinnerungsschatten“ heraustreten. Auftraggeber der Studie war der Zentralrat der Sinti und Roma.

Zementiert wurden die Vorurteile laut Meier bereits vom Reformator Martin Luther (1483-1546), der die Feindschaft gegen Sinti und Roma theologisch rechtfertigt habe. Die anhaltende Diskriminierung der Minderheit über die Jahrhunderte sei bei den Protestanten deshalb auf Desinteresse gestoßen, oder sie hätten sich aktiv daran beteiligt.

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Papst: ‚Unwiderruflich Null Toleranz‘ für Kindesmissbrauch

Verehrungswürdige Puppe. Themenbild
Franziskus bei Treffen mit päpstlicher Kinderschutzkommission: „Missbrauch ist schreckliche Sünde, die völlig im Gegensatz zur Lehre Jesu Christi steht“

kath.net

Papst Franziskus hat angekündigt, den Einsatz gegen sexuellen Missbrauch in der Kirche konsequent fortzusetzen. Bei einem Treffen am Donnerstagvormittag mit der päpstlichen Kinderschutzkommission ließ er sich über ihre bisherige Arbeit informieren, wie der Vatikan mitteilte. In einer frei gehaltenen Rede bekräftigte Franziskus dabei, es gebe für sexuellen Missbrauch an Minderjährigen „unwiderruflich und weltweit Null Toleranz“. Die Kirche empfinde großen Scham darüber, was vielerorts geschehen und verschwiegen worden sei – was ihm auch seine eigenen Gespräche mit Opfern von Missbrauch deutlich gemacht hätten, wie Franziskus erzählte.

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Die Kirchen und das liebe Geld

Bild: tilly
In Deutschland sind Staat und Kirche eng verknüpft. Das zeigt sich auch daran, dass der Staat die Kirchensteuer einzieht. An diesem deutschen Sonderweg wollen fast alle Parteien festhalten. An anderen Punkten sehen sie Reformbedarf. Religion und Finanzen – das ist ein heißes Eisen.

Von Burkhard Schäfers | Deutschlandfunk

Finanzen und Steuern – darüber streiten die Parteien gern in Bundestagswahlkämpfen. Wenn es indes ums Thema Geld und Kirche geht, so herrscht ungewohnte Einigkeit: Die meisten Parteien wollen das derzeitige Modell der Kirchensteuer beibehalten. Nur die Linke fordert, die Kirchen sollten ihre Mitgliedsbeiträge selbst erheben. Ist die Hilfe durch den Staat noch zeitgemäß, oder bevorzugt er die Kirchen gegenüber anderen Religionsgemeinschaften? Kerstin Griese von der SPD erklärt den Hintergrund:

„Meistens wissen die Menschen nicht, dass das kein Privileg der Kirchen ist, sondern ein Recht, das das Grundgesetz allen Religionsgemeinschaften einräumt. Und was auch wenig bekannt ist, ist, dass die Kirchen den Staat dafür bezahlen, mit zwei bis vier Prozent des von ihm erhobenen Steueraufkommens. Das ist also eine Win-Win-Situation für beide Seiten. Insofern ist die Trennung von Staat und Kirche gewahrt.“

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Religiöse Armutshilfe: Opium des Volkes, Anwalt für die Armen

foto: andy urban Karitative Initiativen wie die kostenlose Essensausgabe – im Bild eine Ausspeisung bei der Wiener Friedensbrücke durch den Canisibus der Caritas – stehen vor der Herausforderung, dass sie das nachhaltige Ziel verfolgen, sich selbst wieder in diesem Bereich abzuschaffen.
Glaubensbasierte Organisationen wie Caritas oder Diakonie in ambivalenter Rolle

Von Tanja Traxler | derStandard.at

Die großen Religionen der Welt haben eine jahrhundertealte Tradition, das Leid der Armen zu lindern. In der modernen Gesellschaft von heute spielen säkulare NGOs dabei ebenfalls eine wichtige Rolle. Doch weiterhin sind sogenannte glaubensbasierte Organisationen – im Englischen werden sie „faith-based organizations“, kurz FBOs, genannt – wie die katholische Caritas oder die evangelische Diakonie von zentraler Bedeutung für die Armutsbekämpfung. Im vergangenen Jahrzehnt sind FBOs sogar noch wichtiger geworden, sagt Emma Tomalin, Professorin an der Universität Leeds in Großbritannien und Direktorin des dortigen Centre for Religion and Public Life. In welchem Spannungsfeld sie sich in der Armutsbekämpfung bewegen, ist einer der Schwerpunkte, die diese Woche bei einer Konferenz an der Uni Salzburg zu Armutsforschung diskutiert werden.

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Marianne Birthler: Kirche muss politisch sein

Marianne Birthler, 2015. Bild: wikimedia.org/CC BY-SA 2.0 – Stephan Röhl

Das Evangelium habe für Birthler „ganz klar eine politische Dimension“, schreibt sie in einem Beitrag für die Berliner Wochenzeitung „Die Kirche“.

EKD

Die ehemalige Bundesbeauftragte für die Stasi-Unterlagen, Marianne Birthler, hält nichts von einer unpolitischen Kirche. Das Evangelium habe für sie „ganz klar eine politische Dimension“, schreibt die ausgebildete Katechetin und frühere Grünen-Landesministerin in einem Beitrag für die Berliner Wochenzeitung „Die Kirche“ (Ausgabe 24. September).

Kirchen hätten schon immer hochwirksam auf Notsituationen der Gesellschaft reagiert, indem sie Schulen gründeten, wenn es nötig war, Krankenhäuser und Altenheime eröffneten, weil Menschen Not litten. Genauso hätten in den 1980er Jahren die Gemeinden in der DDR auf einen Notstand reagiert, indem sie mitten in einer Diktatur angstfreie Räume für Information, Diskurs und gegenseitige Ermutigung bereitstellten. „Man kann es auch politische Diakonie nennen“, erklärt Birthler.

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Kirchenpräsident schaut sich IT-Firmen an

Volker Jung (2013), Foto: Rolf Oeser. Bild: wikimedia.org/CC0

Kirchenpräsident Volker Jung war bei Facebook und Google zu Gast und sieht einige Parallelen zwischen Kirche und Internetkonzernen – aber auch wichtige Unterschiede.

Von Peter Hanack | Frankfurter Rundschau

Wie sieht es aus bei Facebook, Google und Co.? Was bewegt die Menschen, die dort arbeiten? Kirchenpräsident Volker Jung war auf Stippvisite in Kalifornien und hat einige überraschende Gemeinsamkeiten zwischen den dortigen Unternehmen und seiner Kirche gefunden – und große Unterschiede. Immerhin: Verkünder einer frohen Botschaft gibt es hier wie dort. Und den Glauben, die Welt verbessern zu können.

Herr Jung, haben Sie den Geist entdeckt, den Spirit, der die Menschen bei Facebook und Co. antreibt?  
Was zu spüren war, ist eine ausgesprochen positive Haltung zur eigenen Arbeit. Die Grundüberzeugung dort ist: Wir tun etwas Gutes.

Die Menschen dort glauben an das, was sie tun? 
Ja. Wir sind bei Google zum Beispiel einem Manager mit der für uns etwas seltsamen Berufsbezeichnung Chief Evangelist begegnet. Er war wie viele andere davon überzeugt, für eine Firma zu arbeiten, die die Welt verbessert. Das ist schon ein hoher Anspruch.

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