Archiv der Kategorie: Christentum

Erstmals Referendum in Europa: Mehrheit der Iren stimmt für die Homo-Ehe

cartoon-herzDas Land ist erzkatholisch, die Chancen des Referendums wurden skeptisch gesehen. Jetzt ist die Freude umso größer: Ganz klar hat sich die Bevölkerung Irlands für die Legalisierung der Homo-Ehe ausgesprochen. Die Gegner räumen bereits ihre Niederlage ein.


SpON

“Die Boxen mit den Stimmzetteln sind geöffnet, es ist ein Ja”, jubelt der für Gleichstellung zuständige irische Staatssekretär Aodhán Ó Ríordáin im Kurznachrichtendienst Twitter.

Er sei heute so stolz, Ire zu sein, schreibt er. Der Tweet ist mit einer pinkfarbenen Blümchentapete hinterlegt. “Ich glaube, die Abstimmung ist gewonnen”, sagte er der Nachrichtenagentur Reuters in der Wahlzentrale in Dublin.Die Iren haben über die Einführung der Homo-Ehe abgestimmt, politischen Beobachtern beider Seiten zufolge dürften die Befürworter deutlich siegen. Regierungsvertreter rechneten am Samstagvormittag mit einer Wahlbeteiligung von mehr als 65 Prozent. Vor allem junge Wähler waren teilweise aus dem Ausland in ihre irische Heimat zurückgereist, um von ihrem Wahlrecht Gebrauch zu machen.

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Säkularisierung muss nicht sein

Foto: brightsblog

Foto: brightsblog

Religion und Moderne passen nicht zusammen. Modernisierung führt unweigerlich dazu, dass die Bedeutung von Religion in einer Gesellschaft abnimmt. Das besagt die Säkularisierungstheorie. Doch ganz so einfach ist es nicht – sagt eine neue Studie.


Von Monika Konigorski|Deutschlandfunk

“Religionen müssten die Frage an sich stellen: Wo ist unser Mehrwert, sodass wir das vorhandene Angebot bereichern, ergänzen? Sonst bestünde die Möglichkeit, wie die Studie auch zeigt, dass Religionen zum Teil als Verlierer herauskommen und weniger attraktiv für Menschen werden”, sagt der islamische Theologe Mouhanad Khorchide bei der Vorstellung der neuen Studie.

Rückblick: Deutschland im Jahr 1945. Nach der Katastrophe des Nationalsozialismus und des Krieges sind die Kirchen voll. Sie bieten Hilfe in der Not, moralische Orientierung und weisen den politischen Weg.

Wenige Jahre später dann wendet sich das Blatt. Man ist nicht mehr angewiesen auf die Kirche. Die Not ist dem Wohlstand gewichen, die Sozialsysteme funktionieren. Die Kirche wird nun vor allem als autoritäre Institution gesehen, sie gilt als geldgierig und machtversessen. Seitdem sinkt von Jahr zu Jahr die Zahl der Kirchenmitglieder, nimmt die Bedeutung der Kirchen beständig ab.

Die Religionssoziologen haben dazu eine Theorie entwickelt, die sogenannte Säkularisierungstheorie. Die besagt, dass Religion und Moderne nicht zusammenpassen und Modernisierung unweigerlich dazu führt, dass die Bedeutung von Religion in einer Gesellschaft abnimmt, die Gesellschaft sich also säkularisiert.

Kritiker dieser Theorie verweisen auf Entwicklungen wie in Südkorea: Während sich das asiatische Land modernisiert, während Wohlstand und Bildungsniveau wachsen, gewinnt auch die Religion beständig an Bedeutung. Woche für Woche strömen Hunderttausende in riesige Gebetstempel.

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Russischer Patriarch hetzt gegen Conchita Wurst. “Wenn wir gewinnen, kommt der ESC mit seinen bärtigen Sängerinnen 2016 zu uns”

patriarch_darthDer russische Patriarch Kirill wünscht der russischen Popsängerin Polina Gagarina, die im Vorfeld als eine der Favoritinnen beim diesjährigen Eurovision Song Contest gehandelt wird, kein Glück für ihren heutigen Auftritt in Wien.

Von Christoph Löbel|The Huffington Post

“Wenn Gagarina gewinnt, kommt der ESC 2016 gemeinsam mit all diesen bärtigen Sängerinnen nach Russland”, erklärte das Oberhaupt der russisch-orthodoxen Kirche.

Conchita Wurst, das “Ende von Europa”

Kirill spielt damit auf den Sieg von Conchita Wurst vom vergangenen Jahr.

Die österreichische Drag Queen musste nach ihrem Erfolg in Kopenhagen wüste Beschimpfungen aus Russland über sich ergehen lassen, so hatte ein Politiker sie gar als “das Ende von Europa” bezeichnet. Außerdem verspotteten russische Musiker Conchita Wurst mit absurden Songs wie diesem hier:

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Papst stoppt geplanten Investmentfonds der Vatikanbank

Bild: tilly

Bild: tilly

Papst Franziskus hat einem Medienbericht zufolge die geplante Einrichtung eines Investmentfonds der Vatikanbank (IOR) gestoppt. Laut dem italienischen Internetportal “Vatican Insider” untersagte er die vom Aufsichtsrat unter Leitung von Präsident Jean-Baptiste de Franssu gewünschte Institution des Fonds in Luxemburg.


kathweb

Zuvor habe sich auch die Kardinalskommission des IOR, der auch der Wiener Kardinal Christoph Schönborn angehört, gegen das Vorhaben ausgesprochen und den Plan umgehend an Franziskus weitergeleitet, berichtete das Portal am Wochenende. In den Fonds sollten demnach Teile des IOR-Kapitals zu Profitzwecken überführt werden.

Gemäß den Vorgaben des Papstes soll das “Institut für die religiösen Werke” künftig vor allem als Finanzdienstleister für Orden und kirchliche Einrichtungen dienen. Selbstständige Investitionen auf den Finanzmärkten sind nicht vorgesehen. Beobachter gehen davon aus, dass das IOR nach dem zurückliegenden Reformprozess in diesem Jahr seine endgültige Gestalt erhält.

Islamismus: Alice Schwarzer gegen „falsche Toleranz“

Alice Schwarzer Foto: dpa

Gegenüber der konsequent betriebenen „islamistischen Unterwanderung auch des Westens“ dürfe es keine „falsche Toleranz“ geben, sagte die deutsche Feministin Alice Schwarzer am Donnerstag beim „Pfingstdialog“.


religion.ORF.at

Das würde letztlich im Widerspruch zu den hart erkämpften Menschenrechten und Freiheiten Europas stehen, so Schwarzer beim „Pfingstdialog“ im Rahmen der Reihe „Geist & Gegenwart“ im kirchlichen Bildungszentrum Schloss Seggau (Steiermark).

Islamisten „Faschisten“ der Gegenwart

Gewaltbereite muslimische Extremisten und „selbst ernannte Gotteskrieger“ bezeichnete Schwarzer am Donnerstag als „Faschisten“ der Gegenwart. Sie betrieben die Verbindung von Fundamentalismus mit Rassismus und Sexismus. Die Publizistin sagte, sie enthalte sich jeder Bewertung des Islam, wende sich aber gegen den zunehmenden Einfluss des Islamismus in europäischen Medien, auf den Universitäten und auch im Rechtswesen.

Die streitbare Galionsfigur des deutschen Feminismus und Herausgeberin der Zeitschrift „Emma“ referierte bei der Tagung unter dem Titel „Europa.wertvoll“ über ihre seit der iranischen Revolution von 1979 zurückreichenden Erfahrungen und Recherchen über jene Formen des politisch missbrauchten Islam, die westlichen Werten wie Pluralismus und Toleranz feindlich gegenüberstehen. Den Anstoß zu ihrer langjährigen Beschäftigung mit dem Thema gab laut Schwarzer ein Hilferuf von Iranerinnen, die kurz zuvor noch gegen das Schah-Regime gekämpft hätten und bald danach von den Revolutionswächtern Khomeinis systematisch aus dem öffentlichen Leben in die Rechtlosigkeit getrieben worden seien.

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Apostel von Sitten: Unglaubwürdiges Dementi

Jean-Marie Lovey

Der Bischof von Sitten in der Schweiz, Jean-Marie Lovey, hat Interviewäußerungen zu Homosexualität präzisiert. Seine «schlechte Wortwahl» sei zum Teil falsch aufgefasst worden, sagte er der Walliser Zeitung «Le Nouvelliste» (Donnerstag). Homosexualität sei definitiv «keine Krankheit».


kath.net

Die Bezeichnung «Heilung» habe er von einem homosexuellen Freund erhalten, der ihm erklärt habe, er sei «geheilt» worden, so Lovey. Außerhalb dieses Kontextes sei das Wort «sicher ungeschickt gewählt» gewesen. Er sehe aber das Gebet nach wie vor als einen möglichen Weg an, der zu einer «Heilung» führen könne.

Der Bischof hatte mit seiner Aussage, Homosexualität sei eine «Schwäche der Natur» heftige Proteste ausgelöst. Äußerungen wie jene des Bischofs stifteten zu Ablehnung und Ausgrenzung an, kritisierte die Lesbenorganisation Schweiz am Mittwoch auf ihrer Internetseite. Die Erklärung könne nur als «Beleidigung und Provokation» gegen viele Lesben und Schwule verstanden werden, «die in einem Land leben, in dem es von nun an zum guten Ton gehört zu behaupten, dass sie krank seien».

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Luther würde heute im Knast sitzen

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Das reformatorische Erbe verpflichte Christen dazu, die Entwicklung der digitalen Technologien zu begleiten und sich kritisch damit auseinanderzusetzen. Dafür hat die Theologin Johanna Haberer am Donnerstag bei der Eröffnung des „Medienkonzils 2015“ in Nürnberg plädiert.


pro Medienmagazin

Die Reformation vor 500 Jahren sei ein Medienereignis gewesen und habe die menschliche Kommunikation sowie die Beziehung zwischen Gott und Mensch völlig verändert. Johanna Haberer, Professorin für Christliche Publizistik an der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU), sieht eine direkte Verbindung zwischen dem von Luther beschriebenen „Priestertum aller Getauften“ und der Entstehung von Öffentlichkeit, die der Buchdruck mit beweglichen Lettern mit ermöglichte. Plötzlich sei der Laie dazu in der Lage gewesen, seine Meinung öffentlich kund zu tun, sich unabhängig von der Kirche zu informieren und zu bilden. Die Druckmaschinen von damals vergleicht die Theologin mit den Servern von heute. „Luther würde heute twittern“, ist sie überzeugt.

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Österreich: Caritas und Diakonie warnen vor Budgetkürzungen im Sozialbereich

Bild: tilly

Bild: tilly

Mit Sorge verfolgen Caritas, Diakonie, Hilfswerk, Rotes Kreuz, und Volkshilfe die im jetzt verabschiedeten Budgetrahmengesetz veranschlagten Ermessensausgaben-Kürzungen im Sozialbereich. “Kürzungen bei den sogenannten Ermessensausgaben treffen Beratungsstellen für Menschen in Not, Hilfe für pflegende Angehörige, Demenzberatung und Integrationsmaßnahmen”, warnte Michael Chalupka, Direktor der Diakonie Österreich, einer Aussendung am Freitag: “Das betrifft die Wärmestube, die dem Wohnungslosen bei Minusgraden zur Verfügung steht oder das Lernprogramm, mit dessen Hilfe Jugendliche ihren Pflichtschulabschluss schaffen.” All diese und viele weitere Angebote würden zumindest zum Teil aus öffentlichen Mitteln gefördert, die nicht fix in Budgets verplant, sondern Ermessensausgaben sind.


kathweb

Ermessensausgaben machten oft erst Innovationen in der Sozialpolitik möglich, hielten die Hilfsorganisationen fest. Die zivilgesellschaftlichen Organisationen seien Spezialisten für kleine Zielgruppen: “Nahe am Menschen, kennen wir seine Bedürfnisse und entwickeln neue, wirksame Lösungen”, so Michael Opriesnig vom Roten Kreuz. Viele dieser Modelle würden dann von der öffentlichen Hand als Standardanbieter für große Zielgruppen übernommen. Auf der Basis dieser Logik seien zahlreiche heute selbstverständliche Dienstleistungen entstanden: etwa die mobile Pflege und Betreuung, neue Wohnformen für pflegebedürftige Menschen oder Hospizangebote.

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Faith Healing Kills Children

Sick children need doctors and medicine, not faith and prayer. Photo by djedzura/Shutterstock

As preventable diseases like measles and whooping cough are reappearing in the United States, many anti-vaxxers are re-evaluating their opposition to immunization, and others are questioning nonmedical exemptions from vaccine requirements. The California state Senate, for instance, just overruled a long-standing law that permitted parents with religious and philosophical reservations to send their children to public and private schools without their shots.


By Jerry A. Coyne|Slate

This is a sound decision: Vaccinations are safe and essential for the health of our society. We cannot allow philosophy or faith to trump public health. But denying children potentially life-saving vaccines is just one part of the problem; I’d like to eliminate even more exemptions: those now enshrined in many laws permitting religious parents to withhold scientific medical care from their children in favor of faith healing.

Forty-eight states—all except West Virginia and Mississippi—allow religious exemptions from vaccination. (California would be the third exception if its bill becomes law.) A similar deference to religion applies to all medical care for children. As the National District Attorneys Association reports, 43 states give some kind of criminal or civil immunity to parents who injure their children by withholding medical care on religious grounds.

If your faith mandates spiritual healing and your child dies because you offer prayer instead of insulin or antibiotics, your chances of being charged with a crime are slim. There are religious exemptions for child neglect and abuse, negligent homicide, involuntary manslaughter. Several states allow parents to use a religious defense against charges of murder of their child—and in some places they can’t be charged with murder at all. And even when parents are prosecuted, acquiescence to religious belief often leads to their being acquitted or given light sentences, including unsupervised parole. None of this, of course, applies to parents who refuse medical care on nonreligious grounds; those individuals get no immunity from prosecution.

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Gepflegte katholische Homophobie – das christliche Menschenbild ist Scheiße

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Psychologin riet in westfälischem Regionalblatt, Kinder nicht zur Homo-„Hochzeit“ mitzunehmen. Nach Shitstorm gibt Redaktion dem öffentlichen Druck der Anpassung nach. Wo bleiben Meinungs- und Pressefreiheit?


Von Peter Winnemöller|kath.net

Mit der Kampfparole „Ich bin wohl homophob. Und das ist auch gut so“ polarisierte Matthias Matussek vor einigen Monaten in einem Essay in der Welt. Abgesehen von der Tatsache, dass knackige Formulierungen immer gut polarisieren, sind sie in der Regel zu grobkörnig für ein klares Bild. Dennoch kann die Polarisierung nötig sein, um einen Sachverhalt ins rechte Licht zu rücken. Die Homophobie, so die Grobthese von Matthias Matussek, hat den Antisemitismus als schlimmste ideologische Sünde abgelöst.

Eine These, die – so sollte man auf den ersten Blick denken – schlicht unhaltbar ist. Homosexuelle Männer und Frauen können in unserem Land Karriere machen, Partnerschaften eingehen, werden weder strafrechtlich verfolgt noch in irgendeiner Weise öffentlich zurückgesetzt. Der Popanz der Diskriminierung von Homosexuellen und sein fieser Bruder, der Popanz der Homophobie, sind also im Grunde nichts als Schattenbilder einer Lobby, die ihr politisches Spiel mit der persönlichen sexuellen Orientierung betreibt.

Wer sich also den öffentlichen Vorwurf der Homophobie zuzieht, ist in der veröffentlichten Meinung ein Vogelfreier, ein Geächteter unserer Tage und er darf beliebig von jedem Freien abgeschossen werden. Ein solcher Abschuss wird von Klaus Kelle hier nüchtern dokumentiert.

Eine Psychologin in der Rolle einer Briefkastentante einer ostwestfälischen Regionalzeitung rät einem Vater, seine kleinen Töchter nicht zu einer „Hochzeit” seines homosexuellen Bruders mitzunehmen. Der Vater legt seine Sorgen dar, dass die Kinder dadurch seelischen Schaden leiden könnten und die Ratgeberin stimmt ihm darin zu.

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Theologe: Loyalität zum Arbeitgeber ist keine Frage des Glaubens

Bild: fis-kirchenrecht.de

Bild: fis-kirchenrecht.de

Die Lockerung des katholischen Arbeitsrechts geht dem evangelischen Theologen und Diakoniemanager Dierk Starnitzke nicht weit genug.


evangelisch.de

Nach einem Beschluss der Bischöfe von Ende April sollen das Bekenntnis zu einer homosexuellen Beziehung oder die Wiederheirat nach einer Scheidung künftig nicht mehr automatisch zu einer Entlassung führen. Kirchliche Arbeitgeber sollen nun stets den Einzelfall prüfen. Starnitzke, der im westfälischen Bad Oeynhausen eine große evangelische Behinderteneinrichtung leitet, hält dies jedoch für kaum praktikabel. Auch der evangelischen Kirche empfiehlt er eine Reform ihrer Loyalitätsrichtlinie, die die Loyalitätsansprüche an die Beschäftigten neu festlegt.

Für Starnitzke ist die von den katholischen Bischöfen beschlossene Liberalisierung des Arbeitsrechts insoweit konsequent, als die Gesellschaft das Abstrafen bestimmter Lebensformen durch katholische Arbeitgeber kaum noch akzeptiere. Hinzu kommt laut Starnitzke, dass “sich daraus für viele der 650.000 Beschäftigten in der katholischen Kirche und ihrer Caritas eine enorme Spannung ergibt, die sowohl für die betroffenen Mitarbeitenden als auch für die zuständigen Leitungen manchmal kaum noch erträglich ist”. Die Mehrzahl der Bischöfe habe deshalb zurecht eine Reform des kirchlichen Arbeitsrechts für überfällig gehalten.

Debatte geht anders

cc bycc by sa “Thinker” von “Martin Fisch” lizensiert unter “CC-BY-SA”

Weil Debatten niemals enden, endet auch diese nicht. Noch einmal zum Thema Orient und Okzident, wer hat wem was zu verdanken?


Von Heiko Heinisch|The European

The European definiert sich schon im Untertitel ausdrücklich als Debattenmagazin, und so ist es zu begrüßen, dass Muhammad Sameer Murtaza auf meinen Einwand gegen seinen Artikel mit einer Erwiderung reagiert. Eine Debatte zeichnet sich dadurch aus, dass verschiedene Seiten ihre Argumente vortragen und versuchen, die des Gegners zu widerlegen, um Leserinnen und Leser – eventuell auch den Gegner – von den eigenen Thesen zu überzeugen. Aber anstatt in diesem Sinne auf die vorgetragenen Argumente einzugehen, verlegt sich Murtaza leider darauf, mir Aussagen zu unterstellen und andere sinnentstellend aus dem Zusammenhang zu reißen, nur um diese dann widerlegen zu können. Ganz nebenbei nimmt er seine bereits kritisierte Apologetik von Neuem auf. Debatte geht anders.

Leere Behauptungen sind keine konstruktive Kritik

Schon im ersten Satz unterstellt Murtaza, mein Artikel wolle eine Minderwertigkeit des Islam festschreiben, würde ich doch behaupten, die „seit mehr als 1000 Jahren andauernde Anwesenheit der Muslime in Europa habe überhaupt keine Rolle auf dessen Entwicklung gehabt“. Ewas weiter unten schreibt er, ich würde den Einfluss muslimischer Religionsgelehrter und Philosophen unterschlagen und den Muslimen lediglich den Transfer griechischer Schriften und griechischen Wissens zugestehen. Dass er diese Behauptungen nicht durch entsprechende Zitate untermauern kann, liegt daran, dass sich derlei Ausführungen in meinem Text nicht finden lassen. An keiner Stelle leugne ich die Leistungen arabischer und persischer Denker, Philosophen und Wissenschaftler, und an keiner Stelle schreibe ich, diese hätten nur Wissen transferiert. Im Gegenteil.

Die Rolle ibn Rushds als maßgeblicher Kommentator der Werke Aristoteles’, seinen Einfluss auf die Scholastik und damit auf die Aufklärung hebe ich dezidiert hervor. Man könnte noch präzisieren, dass ibn Rushd von den Scholastikern meist in Anlehnung an die Bezeichnung der Philosoph für Aristoteles schlicht der Kommentator genannt, also mit größter Hochachtung bedacht wurde.

Murtaza weiß auch, dass die muslimischen Eroberungen von mir nicht erwähnt wurden, um von den Kreuzzügen abzulenken, sondern einzig, weil er die Kreuzzüge zum ersten „weniger friedlichen Wissenstransfer“ zwischen Christen und Muslimen erklärt – womit er die Jahrhunderte islamischer Eroberungen, die ihnen vorausgingen, einfach unterschlägt.

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Katholische Kirche will Religionsunterricht im Internet

Will beim Religionsunterricht neue Wege gehen: Bischof Neymeyr

Die Katholische Kirche will den Religionsunterricht in Thüringen künftig via Internet und als Fernstudium anbieten. Erfurts Bischof Ulrich Neymeyr stellte das bundesweit einmalige Konzept am Freitag bei einem Treffen von katholischen und evangelischen Bischöfen mit der Landesregierung in der Erfurter Staatskanzlei vor.


MDR Thüringen

Online-Fernstudium statt Unterricht in Klassen

Die Katholische Kirche reagiert damit auf Probleme vor allem im Süden und Osten des Landes genügend Schüler für Lerngruppen zusammenzubekommen. Vorgesehen sei, zunächst Gymnasiasten der Oberstufe nach dem Modell zu unterrichten. Über eine Online-Plattform erhalten sie Lehrmaterial und Arbeitsaufträge, die sie wie bei einem Fernstudium selbstständig abarbeiten. Zudem sind regelmäßige gemeinsame Tagesveranstaltungen mit Präsenzpflicht vorgesehen. Das Land muss dem Modell noch zustimmen, damit es als ordentlicher Unterricht anerkannt ist und die Note auf dem Zeugnis erscheinen kann. Wie der Leiter des Katholischen Büros Erfurt, Winfried Weinrich, erklärte, bewertete die Landesregierung das Modell aber bereits als “zukunftsweisend”. Nun wollten Bistum und Bildungsministerium die Möglichkeiten einer praktischen Umsetzung prüfen.

Kirchen drängen auf stetig steigende Finanzierung Freier Schulen

Weiteres Thema auf dem jährlichen Treffen war die künftige staatliche Förderung Freier Schulen. Ministerpräsident Bodo Ramelow (Linke) erklärte dabei nach Weinrichs Angaben seine Bereitschaft, ein neues Finanzierungssystem zu vereinbaren. Die Kirchen forderten, die Zuschüsse an die Tarifentwicklung bei den staatlichen Lehrern zu binden, statt sie jährlich neu zu verhandeln.

Ramelow verteidigt Kirchen-Asyl

Außerdem debattierten die Teilnehmer über Flüchtlingshilfe. Ramelow dankte den Kirchen, die “helfen, Asylbewerbern zu helfen” und verteidigte noch einmal das Kirchenasyl. Diese stehe nicht zur Disposition. Um das Kirchenasyl hatte es in diesem Jahr Streit mit Bundesinnenminister de Maizière gegeben, der den Kirchen vorgeworfen hatte, geltendes Recht zu unterlaufen.

An dem Treffen nahmen neben Ramelow und Neymeyr der stellvertretende Landesbischof der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland, Diethard Kamm, der Bischof der Evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck, Martin Hein, und der Generalvikar des Bistums Dresden-Meißen, Andreas Kutschke, teil.

Zeche Zollverein schließt schwule und lesbische Jugendliche aus

Luftballons in Herzform steigen lassen? Das könnte andere Besucher stören, befand die Zeche Zollverein. – Foto: picture-alliance/dpa

Die Zeche Zollverein gehört zum Weltkulturerbe und ist stolz auf ihr “vielfältiges” kulturelles Angebot. Doch schwulen und lesbischen Jugendlichen wurde am Tag gegen Homophobie der Zutritt verweigert – andere Besucher könnten sich gestört fühlen.


Von Tilmann Warnecke|DER TAGESSPIEGEL

Die Zeche Zollverein in Essen war einst die größte Steinkohlenzeche der Welt. Heute steht das denkmalgeschützte Ensemble für den Übergang des Ruhrgebiets vom Kohlen- zum Kulturstandort, wurden dort doch nach der Schließung Museen und Messen angesiedelt, finden dort kulturelle Aufführungen wie private Feste statt. Stolz ist man in Essen nicht nur darauf, seit 2001 zum Unesco-Weltkulturerbe zu gehören, sondern auch, „die größte Eventlocation des Ruhrgebiets“ zu sein, wie es auf der Webseite des Zollvereins steht. „Wo früher die Bergleute und Koker ‚malochten’ und heute viele Menschen neue Ideen, Kunst und Kultur produzieren, spiegelt sich der Wandel einer ganzen Region wieder“, wirbt der Zollverein für sich, und weiter: „Ein hochkarätiges und vielfältiges Angebot erwartet sie!“

Jugendliche wollen Ballons steigen lassen – zu politisch

Mit der Vielfalt scheint es allerdings aufzuhören, wenn lesbische und schwule Jugendliche als Zeichen gegen Homophobie auf dem Gelände Luftballons in Herzform steigen lassen wollen. Genau das plante der Verein „SVLS“, eine LGBT-Beratungsinitiative in Nordrhein-Westfalen, anlässlich des Internationalen Aktionstags gegen Homo- und Transphobie am vergangenen Sonntag. Doch der Zollverein lehnte das Ansinnen zur großen Überraschung von SVLS ab.

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Lieber Fanatiker: Erzieht Religion zum blinden Gehorsam?

Bild: Frankfurter Rundschau

Diese Gefahr ist wohl kaum von der Hand zu weisen, wenn es als vorbildlich gilt, eine grausame Handlung zu begehen, nur weil sie von einer Autorität gefordert wird.


Von Markus Tiedemann|Frankfurter Rundschau

Lieber Fanatiker!

In den heiligen Schriften finden sich viele schlimme Geschichten über blinden Gehorsam. Besonders erschreckend ist die Erzählung von Abraham und Isaak (Ibraim und Ismael), die für Juden, Christen und Muslime eine große Rolle spielt: Gott fordert von Abraham, seinen eigenen Sohn zu opfern. Traurig, aber ohne ein Widerwort, ohne Bitten oder Flehen bricht Abraham auf, um in den Bergen seinen Sohn zu töten und zu verbrennen.

Erst im letzten Moment wird das Schlimmste verhindert: Ein Engel erklärt, dass alles nur ein Test war. Isaak darf weiter leben und statt seiner wird ein Schafbock geopfert. Ob damit wirklich alles wieder gut ist, darf allerdings bezweifelt werden.

Es stellen sich einige unangenehme Fragen: Was ist das für ein Vater, der nicht einmal eine Erklärung verlangt, wenn er ein unschuldiges Kind töten soll? In dem Film von Fatih Akin „Auf der anderen Seite“, erklärt ein Vater, dass er sich lieber Gott selbst zum Feind gemacht hätte, als diesen Befehl auszuführen. Ist diese Haltung nicht ebenso mutig wie sympathisch? Was ist das für ein Gott, der solche Forderungen stellt?

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USA bestätigen Tod von Kindern bei Luftangriff

Foto: dpa US-Kampfjets über dem nördlichen Irak: Bei Angriffen der USA in Syrien kamen im vergangenen November zwei Kinder ums Leben, wie das Pentagon nun einräumte

Die USA haben zugegeben, in Syrien für den Tod von Zivilisten verantwortlich zu sein. Der IS nimmt auch den letzten Grenzübergang zwischen Syrien und Irak ein. Obama bleibt trotzdem optimistisch.


DIE WELT

Bei einem US-Luftangriff auf Extremisten in Syrien sind womöglich zwei Kinder getötet worden. Das geht aus einem am Donnerstag vom Pentagon veröffentlichten Untersuchungsbericht hervor.

Demnach wurden zudem zwei erwachsene Zivilisten bei den Attacken vom 4. und 5. November 2014 verletzt. Das US-Zentralkommando drückte sein Bedauern über die mutmaßlichen Todesfälle auf, betonte aber zugleich, dass bei dem militärischen Vorgehen alle Regeln befolgt worden seien.

Es handelte sich um die erste von vier laufenden Militärermittlungen zu zivilen Opfern durch US-geführte Luftschläge gegen die Terrormiliz Islamischer Staat und andere Extremistengruppen im Irak und Syrien. Anlass sind Vorwürfe von Menschenrechtlern, wonach weitaus mehr unschuldige Bürger durch die Offensiven ums Leben kamen als bisher bekannt. Gegen den IS im Irak gehen die USA seit August vergangenen Jahres militärisch, seit September auch in Syrien.

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‘Kölner Kirchenzeitung': ‘Ist das ZdK verzichtbar?’

zdkDas ZdK erzeuge „einen gewaltigen Nebel mit wohlfeilen und den Ohren schmeichelnden Formulierungen“, „um zu verschleiern, dass man anscheinend eine andere Kirche will“ – Es gehe dem ZdK nicht um Glaubensweitergabe


kath.net

„Auffallend ist, dass das ZdK für seine Forderungen immer wieder Papst Franziskus als Zeuge bemüht. Doch wer genau liest, stellt schnell fest, dass das ZdK einen gewaltigen Nebel mit wohlfeilen und den Ohren schmeichelnden Formulierungen erzeugt, um zu verschleiern, dass man anscheinend eine andere Kirche will. Es geht dem ZdK nicht darum, den Glauben weiterzugeben oder gar aus dem Glauben zu leben, um damit Politik und Gesellschaft zu gestalten. Geschickt wird auch die Lehre der Kirche gegen das Lehramt des Papstes ausgespielt“. Dies schreibt Siegbert Klein in seinem Kommentar „Ist da ZdK verzichtbar“ in der „Kölner Kirchenzeitung“ (KiZ). Die „Kölner Kirchenzeitung“ ist die offizielle Kirchenzeitung des Erzbistums Köln.

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Religiotie: “Christlicher Bildungsnotstand” – Staat soll christliche Bildung vermitteln

Michelangelos “Jüngstes Gericht”. Der Christensoftporno ist auch ohne weitere Kenntnisse zu verstehen. Foto: Michelangelo | gemeinfrei

In Europa gerät eine der wichtigsten kulturellen Quellen in Vergessenheit: das Christentum. Das hat der ehemalige Leiter von Radio Vatican, Eberhard von Gemmingen, erklärt. Wo die Kirchen scheitern, könnte der Staat christliche Bildung vermitteln, schlägt er vor.


pro Medienmagazin

Die Zehn Gebote, die Bergpredigt sowie die Berichte des Alten und Neuen Testamentes sind als „wesentliche Quellen“ der europäischen Kultur in Vergessenheit geraten. Das stellt der Jesuit Eberhard von Gemmingen in der aktuellen Ausgabe der Wochenzeitung Die Zeit fest. Dabei habe „der gekreuzigte Mann aus Nazareth durch sein Leben und seine Lehre eine neue Generation von Menschen und eine neue Art des Denkens hervorgebracht“, schreibt er.

Seiner Auffassung nach ist Jesus von Nazareth die „kulturell wichtigste Persönlichkeit der europäischen Geschichte“. „Wir haben einen christlichen Bildungsnotstand“, erklärt er. Europa sei kulturell „keineswegs religionsneutral“, zu seinen Quellen gehörten das Alte und das Neue Testament. Ohne Kenntnisse über das Christentum seien Kulturwerke von Bach, Michelangelo, Dürer und Thomas Mann nicht zu verstehen. Deshalb fordert er vom Staat, „Grundinformationen über das Christentum als Kulturgut zu vermitteln“. Den Kirchen gelinge dies nicht mehr.

Christlicher Glaube ist heilbar

Bischof Jean-Marie Lovey beim Händeschütteln im Schweizer Kanton Wallis Bild: Diocèse de Sion

Für Jean-Marie Lovey, katholischer Bischof von Sitten, ist Homosexualität eine “Schwäche der Natur”.


QUEER.DE

Erst vor wenigen Wochen hatte Jean-Marie Lovey, der katholische Bischof von Sitten in der französischsprachigen Schweiz, es als “teuflisch” bezeichnet, wenn Lesben und Schwule für ihre Rechte zum CSD auf die Straße gehen (queer.de berichtete). Nun legte er in einem Interview mit der Walliser Zeitung “Nouvelliste” noch einmal nach.

Homosexualität sei “heilbar”, erklärte der Bischof in dem am Dienstag veröffentlichten Gespräch. Der 64-Jährige sprach konkret von “psychologischen Heilmethoden”. Seine Begründung: “Von Natur aus ist der Mensch männlich oder weiblich sexuell differenziert. Und er ist nur dann ganz Mensch, wenn er diese gegenseitige Ergänzung lebt.” Auf die Rückfrage der Zeitung, ob er Homosexualität als Krankheit bezeichne, meinte Lovey: “Nein, es ist eine Schwäche der Natur.”

Als “Beweis” für seine These führte der Bischof aus, dass eine Personen, die in Homosexualität lebe, darunter “leiden” würde, ebenso wie ihr Umfeld. Aber auch eine homosexuelle Person habe Würde, schob Lovey nach.

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Die Jesus-Revolution

Dieses Buch wird aufwühlen und spalten. Shane Claiborne und Tony Campolo, Repräsentanten zweier verschiedener Generationen der amerikanischen linksevangelikalen Szene, der sogenannten „red letter christians“, veröffentlichen im Rahmen eines Dialogs eine Art christliches Manifest und nehmen Stellung zu wichtigen Themen, die gerade auch evangelikale Christen hierzulande beschäftigen.


jesus.de

Wichtiges Anliegen der „red letter christians“ ist es hierbei, typische evangelikale Einstellungen anhand dessen zu beurteilen, was Jesus gesagt und getan hat (die Worte von Jesus werden insbesondere in englischsprachigen Bibeln gerne rot geschrieben, daher auch der Name der Bewegung).

Viele heiße Eisen werden dabei angepackt: Hölle, Islam, Abtreibung, Rolle der Frau, Homosexualität oder Nahostkonflikt, nur um einige zu nennen. Die Autoren kommen dabei zu überraschenden Einsichten und Ergebnissen, die im evangelikalen Spektrum nicht immer vorherrschend sind. Oftmals hat man dabei gewisse Aha-Erlebnisse und stellt erschrocken fest, wie weit sich diese Szene eigentlich von dem entfernt hat, was Jesus gesagt und getan hat. Viele evangelikale Mittelstandsgemeinden haben oft nur wenig mit den vielen unterschiedlichen Menschen zu tun, die damals mit Jesus gegangen sind und die überproportional aus den unteren Schichten kamen.

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