Archiv der Kategorie: Christentum

Gott, die Kirche und das Wahlrecht

Vom passiven Wahlrecht ausgeschlossen: Therapeut Uwe Schenke Foto: Hans-Gerd Öfinger

In Thüringen darf ein langjähriger Mitarbeitervertreter nicht wieder kandidieren – letztlich aus weltanschaulichen Gründen
Weil Uwe Schenke keiner Kirche oder Religionsgemeinschaft angehört, soll er in einer diakonischen Einrichtung nicht wieder zum Mitarbeitervertreter gewählt werden können. Ein Bericht aus Thüringen.

Von Hans-Gerd ÖfingerND

Wenn in der kommenden Woche in Einrichtungen der Evangelischen Kirche die Amtszeit der Mitarbeitervertretungen (MAV) endet und die neu gewählten Gremien ihr Mandat antreten, dann muss mit Uwe Schenke ein langjähriger engagierter Interessenvertreter draußen bleiben. Seit 1998 arbeitet Schenke als Ergotherapeut beim Ökumenischen Hainich Klinikum gGmbH im thüringischen Mühlhausen, einer diakonischen Einrichtung mit über 1100 Beschäftigten. Lange Jahre war er auch Mitarbeitervertreter, eine erneute Kandidatur blieb ihm letztlich aus weltanschaulichen Gründen verwehrt.

weiterlesen

Nationalsozialismus: Das Schweigen der Bischöfe

Bundesgerichtshof. Bild: Deutsches Bundesarchiv Lizenz: CC-BY-SA-3.0

Volksgerichtshof.
Bild: Deutsches Bundesarchiv Lizenz: CC-BY-SA-3.0

Ein aktueller Wikipedia-Eintrag zu Kilian Kirchhoff (1892-1944) ist schlecht belegt und begünstigt noch 70 Jahre nach Hinrichtung des Franziskaners die kirchenpolitische Mythenbildung

Von Peter BürgerTELEPOLIS

Historische Forschungsergebnisse über das Totalversagen der deutschen Bischofskonferenz im Nationalsozialismus nähren bei manchen Zeitgenossen den Verdacht, Nachrichten über Christenverfolgung und katholischen Widerstand im “Dritten Reich” seien vielleicht doch nicht viel mehr als bloße Mythen. In diesen Fällen bewirkt die Feigheit fast aller staatlich dotierten Oberhirten aus der NS-Zeit, dass das Gedächtnis mutiger Regime-Gegner aus den unteren Etagen der Kirche geschmälert wird. Damit kann ich mich als Katholik, der besonders auch in regionalen Kontexten den Spuren des Faschismus nachgeht, nur schwer abfinden.

Mein Eindruck bei der Spurensuche: Es gab im kirchlichen Bereich mehr Mitläufer, mehr Kollaborateure und – allerdings – auch mehr couragierte Nein-Sager, als es das öffentliche Geschichtsgedächtnis der Nachkriegszeit vermittelt hat. An Opfer und Nein-Sager wollte man sich nach 1945 nicht so gerne erinnern, weil dies unweigerlich ein Nachdenken über die je eigene Rolle nach sich gezogen hätte. Das katholische Milieu verfolgte zudem die Tendenz, die gravierenden Unterschiede im Verhalten seiner Mitglieder zu verwischen. Mitunter ließ man sich deshalb auch viel Zeit damit, an wirkliche Vorbilder aus der Nähe zu erinnern.

weiterlesen

Gräberrücken im Vatikan

Juliusgrabmal, Gesamtansicht des Grabes. Bild: wikimedia.org

Verborgen hinter einem dicken Pfeiler und nur durch eine schmale Wendeltreppe zu erreichen, liegt sie unter dem Steinboden des Petersdoms: die Gruft der Päpste, die sogenannten Vatikanischen Grotten. 20 Kirchenoberhäupter liegen hier begraben.

kath.net

Auch Johannes Paul II. (1978-2005) und Johannes XXIII. (1958-1963), die am Sonntag heiliggesprochen werden, hatten hier ihre vermeintlich letzte Ruhestätte gefunden. Doch mit ihrer Seligsprechung wurden sie in den Petersdom selbst umgebettet – auch im Zentrum der katholischen Christenheit ist Grab nicht gleich Grab.

In der Basilika scheint es, als ob sich die Päpste (oder deren Nachfolger) bei der Ausgestaltung der Gräber und Monumente überbieten wollten. Oft thronen sie als überlebensgroße Marmorfiguren über ihren Särgen. So auch Papst Gregor XIII. (1572-1585), der in seinem Pontifikat den heute gültigen und nach ihm benannten Kalender einführte. Aus seinem Sarg ragt ein Drache, das Wappentier seiner Familie, mit aufgerissenem Maul.

weiterlesen

Bochumer Atheisten droht Bußgeld für „Brian“-Vorführung

Bochumer Atheisten führten „Das Leben des Brian“ am Karfreitag vor. Die Stadt kündigt ein Bußgeldverfahren an.Foto: Verleih

Bereits 2013 hatten die Bochumer Atheisten an Karfreitag dem Monty-Python-Film “Das Leben des Brian” gezeigt. Auch in diesem Jahr kam es zu einer Vorführung der Filmsatire. Den Verantwortlichen der Initiative erwartet nun erneut ein Bußgeldverfahren. Ob es anders ausgeht als 2013?

Von Jürgen StahlWAZ

Am Karfreitag hatten die Bochumer Atheisten den Monty-Python-Film im Sozialen Zentrum an der Josephstraße gezeigt. „Mit 150 Besuchern waren doppelt so viele Menschen da wie im Vorjahr“, so Sprecher Martin Budich. Wichtiger als „Brian“ sei es vielen Gästen gewesen, Solidarität zu dokumentieren.

weiterlesen

Georgia erlaubt Waffen in Schulen, Bars und Kirchen

Bild: mdr.de

In Georgia dürfen künftig überall Waffen getragen werden: Der Gouverneur des US-Staates hat ein neues Gesetz unterzeichnet, das selbst Schulen und Kirchen nicht verschont. Die Lobby frohlockt, Eltern und Priester fürchten einen Freischein für tödlichen Extremismus.

FOCUS ONLINE

Georgias Gouverneur Nathan Deal hat am Mittwoch ein weitreichendes Waffengesetz unterzeichnet, das Kritiker verzweifell lässt. Befürworter dagegen freuen sich über die Umsetzung der Gesetzesinitiative, die explizit die Orten nennt, an denen Waffen getragen werden dürfen. Hierzu gehören künftig Bars, Kirchen, Schulen, Regierungsgebäude und auch bestimmte Bereiche von Flughäfen.

weiterlesen

US-Atheisten klagen erfolgreich gegen Gebete im Stadtrat

Screenshot bb

Screenshot bb

Es gilt die Trennung zwischen Kirche und Staat – auch im Stadtrat von Pismo Beach in Kalifornien.

Deutschlandradio Kultur

Wie die “Washington Post” berichtet, darf die Bürgervertretung vor ihren Sitzungen künftig nicht mehr beten. Der Pastor, der dafür normalerweise einbestellt worden sei, werde ab sofort nicht mehr eingeladen. Dem Bericht zufolge hatten zwei Vereinigungen gegen die Gebete geklagt, die Organisation “Freedom From Religion Foundation” aus Wisconsin und “Atheists United” aus San Luis Obispo. Daraufhin lenkte die Stadtverwaltung ein – weil sie der Kommune nach eigenen Angaben einen langwierigen und teuren Rechtsstreit ersparen wollte.

51% der US-Amerikaner zweifeln am Urknall

Fotomontage: brightsblog

Fotomontage: brightsblog

“Werte übertrumpfen Wissenschaft.” Eine Umfrage bestätigt das Primat der politischen und religiösen Anschauung bei der öffentlichen Einschätzung von Wissenschaft.

Von Thomas PanyTELEPOLIS

Von ExxonMobil und den Milliardärsbrüdern Koch, lange Zeit identifizierbare Geldgeber für Studien, die Skeptikern der anthropogenen globalen Erwärmung Argumente lieferten, erfuhr man Ende letzten Jahres, dass sie weniger sichtbare Mittel für sogenannte “Countermovement Organisationen” bereitstellen. Dafür sollen sich “Klimaskeptiker-Finanzhilfen” aus Organisationen mit obskuren Namen wie Donors Trust oder Donors Capital erheblich erhöht haben. Deren Geldgeber sind schwer oder gar nicht zu ermitteln.

weiterlesen

Lombardi: Entscheidungen von Heiligen sind nicht immer perfekt

Foto: Jan Egesborg/Surrend Johannes Paul II. und die Sexualmoral der katholischen Kirche stehen hier in der Kritik. Das Werk ist eine Auftragsarbeit für das Karikatur-Museum in Kassel

Foto: Jan Egesborg/Surrend Johannes Paul II. und die Sexualmoral der katholischen Kirche stehen hier in der Kritik. Das Werk ist eine Auftragsarbeit für das Karikatur-Museum in Kassel

Vatikansprecher äußerte sich u.a. zur Frage nach Wissensstand von Johannes Paul II. über Missbrauchsskandale

kath.net

Die Frage nach dem Wissensstand von Papst Johannes Paul II. über die Missbrauchsskandale des Gründers der Legionäre Christi, Marcial Maciel Degollado, den der Papst sehr gefördert hatte, war am Dienstag eines der Themen, zu denen sich Vatikansprecher P. Federico Lombardi auf Journalistenfragen hin äußerte. Viele der Opfer Maciels beschuldigen einen inneren Kreis rund um Johannes Paul II., eine Aufklärung der Causa blockiert zu haben.

Bei der Pressekonferenz zur Doppelheiligsprechung sagte Lombardi auf die Frage, wie denn überhaupt die Bilanz des Pontifikats polnischen Papstes bei der Missbrauchsaufarbeitung zu bewerten sei, diese Frage gehe am Punkt vorbei. Heiligkeit sei nicht die Auswertung einer Bilanz über ein Pontifikat und auch nicht ein Urteil über die Vollkommenheit eines persönlichen Lebens. Johannes Paul II. (1978-2005) wird am kommenden Sonntag gemeinsam mit Papst Johannes XXIII. (1958-1963) in Rom heiliggesprochen.

weiterlesen

“Glaube und Evolution” : Onlinebefragung über die Einstellung zur Evolutionstheorie

evolvefishlogo.gifDie Doktorandin Anna Beniermann beschäftigt sich am Institut für Biologiedidaktik der Universität Gießen mit dem Thema “Glaube und Evolution”.

jesus.de

Dafür hat sie eine Umfrage erstellt, die etwa 15-20 Minuten Zeit in Anspruch nimmt und sich mit den unterschiedlichen Meinungen zu dem Thema „Glaube und Evolution“ beschäftigt. Die Untersuchung findet im Rahmen einer Promotion statt und die Ergebnisse werden vollkommen anonym zu Forschungszwecken verwendet. Es gibt sogar die Möglichkeit, am Ende eine E-mail-Adresse zu hinterlegen um über die Ergebnisse der Studie informiert zu werden. Darüber hinaus gibt es die Möglichkeit, Anmerkungen oder Kommentare abzugeben.

Hier geht’s zu der Umfrage: https://opinio.hrz.uni-giessen.de/limesurvey/index.php?sid=41987&lang=de 

“The Principle”: Wenn sich die Sonne um die Erde dreht

Bild: de.wallpaperpics.net

Ist die Erde der göttlich bestimmte Fixpunkt des Universums? Ein Dokumentarfilm aus den USA befeuert die längst widerlegte Theorie. Hinter dem Film stecken dubiose Gestalten, Mitwirkende distanzieren sich schon vor dem Start.

Von Marc PitzkeSpON

Kate Mulgrew ist eine Science-Fiction-Ikone. Von 1995 bis 2001 spielte sie Captain Kathryn Janeway in der TV-Kultserie “Star Trek: Raumschiff Voyager”. Als dessen Kommandeurin legte sie 70.000 Lichtjahre zurück und traf Aliens und Asteroiden. Seither hat die US-Schauspielerin zwar viele andere, anspruchsvollere Rollen gemeistert, zurzeit etwa in der Netflix-Hitshow “Orange Is the New Black”. Doch bis heute identifizieren die Fans sie mit “Voyager” – als Autorität für interstellare Belange, fiktive wie reale.

weiterlesen

UN-Verhör des Vatikan zu Folter: Thema Missbrauch Streitpunkt

missbrauch_katholUS-Opferschutzorganisation “Survivors’ Network of those Abused by Priests” (SNAP) ging in Offensive und stellte “Shadow Report” zusammen

kathweb

Das Antifolterkomitee der Vereinten Nationen nimmt den Vatikanstaat im Rahmen seiner turnusmäßigen Überprüfungen von Unterzeichnerstaaten der Antifolterkonvention ins Visier. Die Untersuchung durch zehn unabhängige Experten findet am 5. und 6. Mai in Genf statt, wie das Hohe Kommissariat für Menschenrechte am Dienstag mitteilte.

Es ist das erste Mal seit dem Beitritt des Heiligen Stuhls zu der Konvention 2002, dass sich der Vatikan dieser Prüfung unterzieht. Der Abschlussbericht des UN-Komitees soll am 23. Mai veröffentlicht werden.

weiterlesen

Atheistische Aktion in Düsseldorf: Wenige verlassen die Kirche

Bild: wdr.de

34 traten am Gründonnerstag aus: 18 Personen aus der katholischen Kirche, 15 aus der evangelischen Kirche und eine Person aus dem Judentum – 21 ließen sich die Austrittsgebühr erstatten.

kath.net

Der Aufruf der atheistischen Initiative „Düsseldorfer Aufklärungsdienst“ zum kollektiven Kirchenaustritt am Gründonnerstag (17. April) ist auf geringe Resonanz gestoßen. Der stellvertretende Pressesprecher am Amtsgericht Düsseldorf, Richter Marcel Dué, sagte der Evangelischen Nachrichtenagentur idea: „Die Aktion hat sich auf jeden Fall nicht wahnsinnig ausgewirkt.“ Es habe an dem Tag 34 Austritte gegeben – 18 aus der katholischen und 15 aus der evangelischen Kirche sowie einen Austritt aus dem Judentum.

weiterlesen

Päpste sollten nicht heilig gesprochen werden

Papst Franziskus (Bild: AP)

Papst Franziskus (Bild: AP)

Die Päpste Johannes XXIII. und Johannes Paul II. sollen heilig gesprochen werden – wegen „heroischer Tugendübung“. Da diese aber zur Beschreibung des päpstlichen Jobs gehört, zeigt die Kirche vor allem eines: Kanonisierung ist Willkür.

Von Alexander KisslerCicero

Am Sonntag wird Rom aus allen Nähten platzen. Eine Million Pilger oder mehr wollen einer doppelten Heiligsprechung beiwohnen. Papst Franziskus wird seine Vorgänger Johannes XXIII. und Johannes Paul II. zur „Ehre der Altäre“ erheben. Dann können die beiden 1963 und 2005 gestorbenen Männer weltweit, wie es im Katechismus heißt, als „Vorbilder und Fürsprecher“ öffentlich verehrt und im Gebet angerufen werden. Der amtierende Papst wird zu diesem Zweck bestätigen, dass Angelo Giuseppe Roncalli und Karol Wojtyła „durch heroische Tugendübung ein hervorragendes Zeugnis für das Himmelreich“ abgelegt haben.

weiterlesen

Di Fabio warnt vor Erosion der Kirchen

Der Katholik Di Fabio leitet den wissenschaftlichen Beirat für das Reformationsjubiläum 2017 Foto: pro

Der ehemalige Bundesverfassungsrichter Udo Di Fabio betrachtet das Erbe der Reformation als Grundlage der heutigen Religionsfreiheit. In der Frankfurter Allgemeinen Zeitung (FAZ) warnt er vor einer Erosion des Religiösen.

pro Medienmagazin

Heute präsentiere mancher den Reformator Martin Luther als „Vordenker des Holocaust und Ahnherrn eines religiös motivierten Terrorismus“, schreibt der Katholik Di Fabio. Der Professor für öffentliches Recht ist seit Februar Vorsitzender des wissenschaftlichen Beirats des Kuratoriums zur Vorbereitung des Reformationsjubiläums 2017. Er warnt in der FAZ vor einem allzu negativen Blick auf die Reformation: „Jedes Land für sich und der Westen als Kompass für die Welt ist gerade deswegen auf große Erzählungen seiner Herkunft und die Sichtbarmachung seiner Leitideen angewiesen, um nicht vor lauter indifferenter Offenheit und ökonomischem Pragmatismus die eigene Identität zu verlieren.“

weiterlesen

Paralleljustiz in Bayern: Im Schatten der Rechtsordnung

Bild: Die Presse.com

Bayern kämpft schon seit mehr als zwei Jahren gegen die Paralleljustiz. Und versucht, an mehr Informationen zu kommen. Die Unkenntnis der Betroffenen und gesetzliche Regelungen machen es „Friedensrichtern“ leicht.

Von Eckart LohseFrankfurter Allgemeine

Es ist ein typischer Fall, der sich im Jahr 2010 vor einem Münchner Gericht abspielte. Eine Geschichte aus der serbokroatischen Sinti- und Roma-Szene. Ein Geschädigter hatte zunächst der Polizei gesagt, dass er von einem Mann mit einer Bierflasche auf den Hinterkopf geschlagen worden sei. Das Opfer bestand auf einem Strafantrag. Doch als es zur Gerichtsverhandlung kam, teilte das Opfer mit, es habe keinerlei Interesse mehr an einer Strafverfolgung. In einer Verhandlungspause machte ein Gerücht die Runde. Zwischen der Tat und dem Prozess sei es zu einer gütlichen Einigung der beiden Familienclans gekommen. Das Gericht wusste davon nichts.

weiterlesen