Vergiftetes Weihwasser in Notre-Dame?

© Bild: picture alliance / Gavin Hellier/Robert Harding
Nachdem Besucher der Pariser Kathedrale Notre-Dame über Schmerzen klagten, geriet als Grund schnell das Weihwasser in Verdacht. Tatsächlich stellte man einen üblen Geruch des Wassers fest. Wurde es vergiftet?

katholisch.de

Nach Beschwerden von Touristen über Kopfschmerzen und Kribbeln ist in der Pariser Kathedrale Notre-Dame das Weihwasser ausgetauscht worden. Die herbeigerufene Polizei habe aber keine Anzeichen für eine Vergiftung des Wassers feststellen können, berichteten französische Medien (Wochenende). Ein Priester wird mit den Worten zitiert, das Wasser habe „sehr schlecht gerochen“; es müsse sich um eine vorsätzliche Tat handeln. Als Vorsichtsmaßnahme habe man die Weihwasserbecken entleert und mit Bleiche gereinigt, hieß es.

weiterlesen

Advertisements

Twitter will Verschwörungstheoretiker nicht sperren

foto: apa/afp/justin tallis Twitter-Chef Jack Dorsey findet, dass eine Sperre zwar kurzfristig Nutzer erfreuen würde, auf Dauer aber nur schädlich ist.
Im Netz wird diskutiert, inwiefern freie Meinungsäußerung erlaubt sein darf

Muzayen Al-Youssef | derStandard.at

Das Pentagon habe Chemikalien, genannt die „Schwulenbombe“, in das US-Wasserversorgungssystem entweichen lassen, sodass nun sogar die „verdammten Frösche schwul sind“. Millionen illegale Migranten hätten an der US-Präsidentschaftswahl 2016 teilgenommen. Und ein Amoklauf in einer Volksschule in Connecticut im Jahr 2012, bei dem 28 Menschen, darunter 20 Kinder, starben, sei eigentlich nur vorgespielt gewesen. Die Opfer seien angeblich Kinderschauspieler, die Intention dahinter sei, das US-Waffenrecht einzuschränken: Es sind Verschwörungstheorien wie diese, die den Radiomoderator Alex Jones und seine Sendung Infowars im Netz berüchtigt machten.

Gewaltverherrlichend

Vor allem in der US-amerikanischen Alt-Right-Szene konnte er sich über die Jahre als eine Ikone etablieren, die ihre Fans regelmäßig mit Videos, Texten und Radiosendungen versorgte. Nun drehten ihm die meisten seiner bevorzugten Distributionskanäle, Youtube, Facebook, Spotify, iTunes und sogar Pornoseiten, den Hahn ab. Jones’ Inhalte seien, so die Begründung, gewaltverherrlichend und menschenverachtend.

weiterlesen

Verfassungsschutz entwaffnet Hunderte «Reichsbürger»

Verfassungsschutz-Präsident Hans-Georg Maaßen sieht Erfolge im Kampf gegen «Reichsbürger». Foto: Michael Kappeler © dpa-infocom GmbH
«Reichsbürger» und «Selbstverwalter» lehnen die Bundesrepublik vehement ab. Verfassungsschutzpräsident Maaßen sieht Fortschritte im Kampf gegen die Waffennarren unter ihnen – ihre Zahl ist unter 1000 gefallen. Grund für Entwarnung gibt es nicht.

stern.de

Im Kampf gegen rechtsextremistische «Reichsbürger» und «Selbstverwalter» sieht der Verfassungsschutz Erfolge bei deren Entwaffnung, aber keinen Grund zur Entwarnung.

Die Zahl der als Inhaber einer Erlaubnis zum Führen von Jagd-, Sport– oder anderen Schusswaffen bekannten Szenemitglieder hat laut Bundesamt für Verfassungsschutz (BfV) deutlich die 1000er-Marke unterschritten. «Nichtsdestotrotz ist der Grad der Bewaffnung der Szene weiterhin hoch», wird zugleich gewarnt.

«Bei der Entziehung waffenrechtlicher Erlaubnisse werden Erfolge sichtbar», sagte BfV-Präsident Hans-Georg Maaßen der Deutschen Presse-Agentur in Berlin. «Dennoch müssen wir diese Szene weiterhin genauestens im Blick behalten.»

weiterlesen

Organische Christus Generation – Schluss mit Gehorsam: Wie Abigail nach 17 Jahren religiöser Sekte entkam

In dem Buch «Erziehe mit Vision!» beschreibt Ivo Sasek die Prinzipien der von ihm propagierten Kindererziehung. Sasek ist Gründer der Sekte «Organische Christus Generation». dpa
Fast ihre ganze Kindheit verbringt Abigail in einer Sekte. Dann schafft die junge Frau den Ausstieg. Ihre Geschichte zeigt, wie sich ein Mensch aus einem mentalen Gefängnis befreien kann. Und sie bietet Einblicke in ein wenig bekanntes Netzwerk.

FOCUS ONLINE

Abigail ist 21 Jahre alt, als sie ihr erstes Leben beendet. Von einem Tag auf den anderen lässt sie alles zurück. Raus aus der alten, rein in eine neue, fremde Welt. „Es ist, als wäre ich auf einem neuen Planeten gelandet“, sagt sie.

Die junge Frau mit den blonden Haaren und den blauen Augen wirkt selbstbewusst, fröhlich. Nichts deutet darauf hin, dass sie fast ihr gesamtes Leben in einer als abgeschottet und eng empfundenen Gemeinschaft verbracht hat. In einem Café in Düsseldorf erzählt sie davon, wie sich ihr Leben plötzlich in ein Vorher und Nachher teilte.

Als Abigail vier Jahre alt ist, treffen ihre Eltern die Entscheidung, in eine Gemeinschaft einzutreten, deren Namen nur wenige kennen: Organische Christus Generation – kurz OCG. So nennt sich die Sekte mit Zentrum in der Schweiz, die auch in Deutschland und Österreich Anhänger hat. Abigail und ihre vier Geschwister werden damit zu „OCGern“. Wenn sie von dieser Zeit erzählt, verschwindet das Lachen plötzlich aus ihrem Gesicht. Etwas Ernstes, Verletzliches schimmert durch.

weiterlesen

Wo gehts hier zur Erfüllung, bitte?

Die Digitalisierung weckt die Sehnsucht, dass da mehr ist als nur die profane Wirklichkeit: Der Mensch von heute ist empfänglich für ­Übersinnlicheswie selten. Foto: Greg Rakozy
Christentum war gestern. Heute bastelt man sich seine Religion selbst. Etwas Yoga, ab und zu eine Aromatherapie und zur Hochzeit in die Kirche. Wird man so selig?

Lucie Machac | Der Bund.ch

Christina von Dreien ist der neue Stern der spirituellen Szene. Die 17-jährige St. Gallerin hat bereits zwei Bestseller publiziert, ihre Seminare zum Thema «Bewusstsein schafft Frieden» sind bis November ausgebucht. Christina sagt von sich, dass sie «mit einer multi­dimensionalen Wahrnehmung ­gesegnet» sei und dass sie zu «einer neuen Generation von evolutio­nären Denkern» gehöre, die unsere Existenz als «eine ­Komplexität von Quantenphysik, Neuropsychologie und Spiritualität wahrnehmen».

Hoppla. Spirituellsein ist heute offenbar eine Art interdisziplinäre Hochbegabung, die so gar nichts mehr mit dem dubiosen Image von Kartenlegern und Löffelbiegern zu tun haben will. Es wird kein Zufall sein, dass sich Christinas Kurzbeschrieb liest, als wäre sie eine Visionärin aus dem Silicon Valley, die unsere Welt zu einer besseren machen wird.

weiterlesen

Elfenbeauftragte“ will Unfallserie auf der A2 stoppen

Eine „Elfenbeauftragte“ will die Unfallserie auf der A2 mit spirituellen Kräften beenden. Sie habe dort Strecken „energetisch versiegelt“. sagt sie. Unterstützt wurde sie von der Straßenbaubehörde.

Hannoversche Allgemeine

Wenn Melanie Rüter ihr Tätigkeitsfeld beschreibt, braucht sie nicht viele Worte: „Elfenbeauftragte nehmen Kontakt zu Naturgeistern, Elementar- und Erdwesen auf“, sagt sie. Es sei nämlich so, dass wir Menschen mit den Elfen, Zwergen und Trollen durchaus im Einklang leben könnten, wenn wir ihnen nur genug Platz ließen. Die selbsternannte Elfenexpertin, die nach eigenem Bekunden noch feinste Schwingungen wahrnehmen kann, hat sich mit ihren spirituellen Kräften jetzt einem ernsten Problem zugewandt: den zahlreichen Unfällen auf der A2.

Weiterlesen

Gesetzliche Krankenkassen: Geld für Globuli, aber nicht für Brillen

Kügelchen fürs Wohlbefinden. Im Wettbewerb erstatten viele Kassen auch Kosten für fragwürdige Medizin.Foto: Frank Rumpenhorst dpa
Die Krankenkassen geben immer mehr Geld für Werbung und medizinisch fragwürdige Leistungen aus. Das Gesundheitsministerium findet Beschränkungen aber „nicht sachgerecht“.

Von Rainer Woratschka | DER TAGESSPIEGEL

Warum dürfen gesetzliche Krankenkassen ihren Kunden medizinisch fragwürdige Leistungen wie Homöopathie oder Säuglings-Osteopathie bezahlen, ihnen aber beim Kauf von Brillen oder Zahnersatz nicht stärker unter die Arme greifen? Weshalb ist es ihnen erlaubt, immer höhere Millionenbeträge für Werbung auszugeben? Ist es in einem solidarischen System hinnehmbar, dass sich die Versicherer mit ihren freiwilligen Leistungen vor allem an den Bedürfnissen von jungen, gutverdienenden Kunden orientieren und fast gar nicht am Bedarf von Älteren und sozial Benachteiligten? Und müssten Versicherte nicht auch besser über Qualitätsunterschiede der Kassen informiert werden?

Mit diesen Fragen hat sich jetzt nicht nur die Linkspartei ans Gesundheitsministerium gewandt. Sie standen bereits im Zentrum einer kritischen Bestandsaufnahme durch das Bundesversicherungsamt (BVA). Beim Wettbewerb der Kassen stehe oft nicht eine bessere Versorgung der Versicherten im Vordergrund, sondern „Marktbehauptung“, schrieb BVA-Präsident Frank Plate im April dieses Jahres.

weiterlesen

Wie Verschwörungs-Skeptiker auf Wikipedia Fake News bekämpfen

Wikipedia-Artikel werden von einer Community von Freiwilligen erstellt – mitunter kommt es auch zu internen Diskussionen. Foto: dpa-Zentralbild/Jens Büttner
Eine Gruppe Freiwilliger hat es sich zum Ziel gemacht, Falschinformationen gezielt zu bekämpfen

derStandard.de

In Zeiten von Fake News sind Verschwörungstheorien im Netz längst Gang und Gäbe. Zugleich wird kaum eine Plattform so aktiv zur Informationsbeschaffung genutzt wie Wikipedia. Plattformen wie Youtube und Facebook haben sich in der Vergangenheit mehrfach zu der Online-Enzyklopädie gewandt, um falsche Informationen und Verschwörungstheorien zu bekämpfen. Während die Website zwar auch zeitweise zum Opfer von falschen Informationen sein kann, hat sie sich in der Vergangenheit immer wieder als besonders resistent bewährt.

Gruppe Freiwilliger

Der Grund dafür liegt bei der sehr aktiven Community, die sich aktiv für Recherche und einen wissenschaftlichen Zugang bei Artikeln einsetzt. Ein Beispiel dafür ist die Gruppierung „Guerrilla Skepticism on Wikipedia“, die es sich zum Ziel gemacht hat, pseudo- und parawissenschaftliche Themen kritisch zu beäugen.

weiterlesen

Heilpraktiker angeklagt: 61-Jährige soll gegen das Arzneimittelgesetz verstoßen haben

Justitia Skulptur (CC-by-nc-sa/3.0 by Luc Viatour)

Ein Heilpraktiker aus dem niederrheinischen Brüggen muss sich wegen des Todes von drei Krebspatienten vor dem Landgericht in Krefeld verantworten.

Von Sara Pichireddu | Kölner Stadt-Anzeiger

In seinem „Biologischen Krebszentrum“ hatte er sogenannte alternative Behandlungsmethoden für Krebspatienten angeboten, die sich keiner Chemotherapie unterziehen wollten.

Das Gericht habe die Anklage der Staatsanwaltschaft wegen fahrlässiger Tötung geprüft und zur Verhandlung zugelassen, sagte ein Gerichtssprecher am Dienstag. Termine stünden noch nicht fest.

Der 61 Jahre alte Angeklagte muss sich darüber hinaus wegen Verstoßes gegen das Arzneimittelgesetz verantworten. Der Heilpraktiker hatte den schwerkranken Patienten laut Anklage eine erheblich überdosierte Infusionslösung verabreicht, weil er für die Herstellung eine Waage benutzt habe, die für solche Kleinstmengen ungeeignet gewesen sei. Dadurch habe er den Wirkstoff um das Drei- bis Sechsfache zu hoch dosiert. Zwei Frauen und ein Mann starben.

weiterlesen

Tibetische Medizin enthält viel Quecksilber

Ausschnitt aus einem alten tibetischen Medizin-Lehrbild. Wie sich jetzt zeigt,enthalten traditionelle tibetische Arzneimittel viel Quecksilber und andere Schwermetalle. © Desi Sangye Gyatso/ gemeinfrei
Von wegen gesund und natürlich: Die Präparate der traditionellen tibetischen Medizin enthalten mehr Quecksilber als fast jedes andere bekannte Lebens- oder Arzneimittel. Wer sie einnimmt, konsumiert das hundert- bis tausendfache der normalen Belastung mit diesem Schwermetall, wie eine Studie enthüllt. Selbst Menschen in Quecksilber-Abbaugebieten sind demnach weniger stark kontaminiert als viele Tibeter. Auch andere giftige Schwermetalle wie Arsen und Blei waren in den Präparaten erhöht.

scinexx

Die traditionelle asiatische Medizin gilt gemeinhin als besonders natürlich und schonend – besteht sie doch meist nur aus Kräutern, Pilzen und mineralischen Bestandteilen. Doch das bedeutet nicht, dass diese Arzneimittel ungefährlich sind – im Gegenteil. Forscher haben unter anderem nachgewiesen, dass eine in der chinesischen Medizin oft eingesetzte Heilpflanzen den Herzrhythmus stört, eine andere kann Leberkrebs auslösen.

weiterlesen

Missing Link: Verschwörungstheorien, Karl Popper und die politische Diskussion

Mittlerweile ein Klassiker der Verschwörungstheorie: Die Aliens, die in der „Area 51“, einem militärischen Sperrgebiet der US AIr Force, untersucht werden. (Bild: mdherren, gemeinfrei )
26.7.1948: der Philosoph Karl Popper führt „conspiracy theory of society“ ein. Start der wissenschaftlichen Karriere eines Begriffs der politischen Diskussion

Ralf Bülow | heise online

Verschwörungen gab es eigentlich schon immer. Die Römer konspirierten, um wahnsinnige Cäsaren loszuwerden, die Schweizer schworen den Rütlischwur gegen den bösen Landvogt Gessler. 1605 gelang es den Schießpulver-Plottern um Guy Fawkes beinahe, das englische Parlament plus König in die Luft zu jagen. Die Verschwörer des 20. Juli versuchten 1944 vergeblich, die Nazi-Herrschaft zu Fall zu bringen.

Der Glaube an imaginäre Verschwörungen ist ebenfalls alt. Finstere Pläne wurden seit dem Mittelalter den Juden zugeschrieben, später traf es Freimaurer und Katholiken. Telegraphie-Pionier Samuel Morse malte 1835 eine „Foreign Conspiracy“ gegen die Freiheiten der USA aus, sprich die Infiltration durch katholische Einwanderer. Sein Vater, der Pastor Jedidiah Morse, hatte schon 1798 über die teuflischen Illuminaten gepredigt.

In den 1890er Jahren stand die politische „conspiracy theory“ in amerikanischen und englischen Zeitschriften, wie der Debunker Mick West herausfand. Eine Suche mit Google Books erbringt weitere Belege für die erste Hälfte des 20. Jahrhunderts. In den akademischen Diskurs drang der Begriff vor 70 Jahren ein, genauer gesagt, am 26. Juli 1948. An diesem Tag sprach Karl Popper auf einer Gelehrtentagung in Oxford über rationale Theorien der Tradition.

weiterlesen

Meister, Gurus und Heilige – über Autorität und Anleitung im Glauben

Die Evangelische Akademie zu Berlin und das Berliner Forum der Religionen hatten sich für den Abend des 3. Juli einiges vorgenommen. Die Einladung der beiden Veranstalter kündigte an, die Facetten einer Meister-Schüler-Beziehung zu beleuchten und zudem mögliche Machtausübungen oder gar Unterdrückungen in einer Meister-Schüler-Beziehung mit einem interreligiös besetzten Podium zu diskutieren.

Hanna Fülling | EZW

In der Durchführung zeigte sich, dass sich damit ein hoher Anspruch verbindet, der nur teilweise eingelöst werden konnte. So nahm die, in einem solchen Rahmen natürlich grundsätzlich notwendige, Vorstellung und Verständigung über das jeweilige Verständnis der Meister-Schüler-Beziehung so viel Raum ein, dass mögliche Konflikte, die aus einer hierarchisch strukturierten Bindung des Schülers an einen Meister resultieren können, in der Diskussion leider eher zu kurz kamen.

Die Veranstaltung, zu der sich rund 80 Personen in der Französischen Friedrichstadtkirche am Berliner Gendarmenmarkt versammelten, wurde durch einen Impulsvortrag von der Religionswissenschaftlerin Almut-Barbara Renger eröffnet. Sie entwickelte Überlegungen zur Begriffs- und Ideengeschichte der Meister-Schüler-Beziehung. Dabei erläuterte sie, dass sich das deutsche Wort „Meister“ vom Lateinischen „magister“ ableitet und über das Adverb „magis“ (mehr, stärker) auf das Adjektiv „magnus“ (groß, weit) zurückgeht. Ein Meister wird von seiner Begriffsgeschichte her somit als jemand verstanden, der mehr und größer ist. Unter Rückgriff auf den Soziologen Max Weber deutete Renger dieses „mehr“ als eine außeralltägliche Befähigung, die Weber als Charisma beschreibt.

Auf Grundlage dieser Definition diskutierten Feride Funda G.- Gençaslan (Vorsitzende bei Der Wahre Mensch e.V., Das Sufi-Zentrum Rabbaniyya), Schwester Hannelore Husemann (Franziskanerin und Leiterin des Hospizdienstes TAUWerk) sowie Gerald Seifert (von der japanisch-buddhistischen Organisation Soka Gakkai International-Deutschland) das Meister-Schüler-Verhältnis mit den Moderatoren Eva Harasta und Michael Bäumer sowie mit Frau Renger und dem Publikum. Als eine Gemeinsamkeit der drei Religionsrepräsentanten kristallisierte sich zu Beginn der Diskussion ihr Selbstverständnis als „Schüler“ heraus. Wesentliche Unterschiede wurden jedoch beim Verständnis des Meisters deutlich.

Schwester Hannelore Husemann erläutert, dass sie Jesus Christus als den einzigen Meister betrachtet und versuche, diesen Glauben in ihrem Alltag lebendig zu machen. Gehorsam versteht sie als das genaue Hinhören, um zu erkennen, wo ihr Einsatz gefragt ist. „Charisma“ möchte Schwester Hannelore Husemann nicht als exklusives Merkmal ihres Meisters verstanden wissen, sondern als eine Eigenschaft in jedem Menschen, die zur Geltung gebracht werden müsse.

Feride Funda G.- Gençaslan hebt hingegen hervor, wie wichtig die physische Präsenz des Meisters für ihre Spiritualität ist, da sie durch Spiegelung zu Selbsterkenntnissen gelangen kann. Theologisch grenzt sie den Meister, von Gott und dem Prophetentum ab und erläutert, dass mit dem Ende des Prophetentums durch Mohammed die Zeit der Meister begonnen habe.

Für Gerald Seifert erweist sich die Nähe zum Meister als bedeutend, weil der Meister nicht zweifle bzw. verstehe, seinen Zweifel produktiv zu nutzen. Der Meister bewege sich vornehmlich in Wahrheit und Mitgefühl und ermutige seine Schüler, ihm auf diesem Weg zu folgen. Seifert betrachtet das Meister-Schüler-Verhältnis nicht als ein hierarchisches, da sich Meister und Schüler auf Augenhöhe begegneten.

Almut-Barbara Renger bilanziert, dass sich im religiösen Feld weniger eine Säkularisierung, sondern vielmehr eine Individualisierung von Religion und Spiritualität ereigne. Diese komme auch dadurch zum Ausdruck, dass Meister immer häufiger als Coach, als Berater und Dienstleister betrachtet würden. Diese religionssoziologische Deutung evoziert unter den Diskutanten die Frage nach dem „Guruhopping“, also dem Wechsel der Meister. Mit diesem Begriff kann sich jedoch keiner der Diskutanten identifizieren. Feride Funda G.- Gençaslan erzählt, dass sie bereits mit 14 Jahren ihren Meister gefunden und seither nie an ihrer Zugehörigkeit zu ihm gezweifelt habe. Gerald Seifert schildert, dass er zunächst große Vorbehalte gehabt habe, sich einem Meister anzuschließen und zwar, weil er fürchtete, dies könne ihn einschränken. Er habe aber für sich erkannt, dass sein Meister darum bemüht sei, seine Schüler fordernd zu schützen und sich in ihren Dienst zu stellen.

Die starke Verbindung zum Meister wurde in der Veranstaltung durch die Frage herausgefordert, wie Schüler mit Fehlern und Verfehlungen ihrer Meister umgehen. Schwester Hannelore Husemann bezieht sich in ihrer Antwort nicht auf Jesus, sondern auf Franziskus, der selbst um seine Zweifel und seien Gebrochenheit gewusst habe und keine Perfektion für sich beanspruche. Er habe in seiner Gebrochenheit versucht, sein Leben in die Liebe Gottes zu stellen. Diesem Vorbild folgt auch die Franziskanerin in dem Bewusstsein, dass jeder Mensch Anteile von einem Heiligen, aber auch von einem Sünder in sich trage.

Diese Auffassung findet sich zudem bei Feride Funda G.- Gençaslan. Sie erläutert, dass auch ein Meister kein perfekter Mensch sei. Heil und Unheil seien jedoch beides Aspekte der einen göttlichen Einheit. Vor diesem Hintergrund können Fehler innerhalb des göttlichen Plans als Wegweiser zu mehr Weisheit interpretiert werden.

Gerald Seifert weist hingegen darauf hin, dass zwar auch ein Meister alle Lebenszustände erfahre, die ein Mensch haben kann, dass er sich aber primär in Mitgefühl und Wahrheit bewege. Bei schweren Fehlern oder gar dem Missbrauch eines Meisters verliere dieser die Meisterschaft. Ein Meister müsse an seinen Handlungen gemessen werden. Allerdings müssten solche Fehler oder Missbräuche eindeutig bewiesen werden.

In der Diskussion über geistliche Autorität und Anleitung in verschiedenen religiösen Traditionen wurde somit versucht, die Komplexität und die Ambivalenzen von Meister-Schüler-Beziehungen interreligiös zu beleuchten und auch die Anfälligkeit für „Machtausübung oder gar Unterdrückung“ zu thematisieren – wie es in der Einladung hieß. Dass dies jedoch nur teilweise gelang und vor allem der letzte Punkt in der Diskussion recht kurz und oberflächlich abgehandelt wurde, kann auf das Veranstaltungsformat selbst zurückgeführt werden. Denn es scheint die Möglichkeiten einer anderthalbstündigen Abendveranstaltung zu überschreiten, ein solch komplexes Phänomen wie die Meister-Schüler-Beziehung sowohl interreligiös vergleichend auszuleuchten als auch kritisch zu erörtern.

Wird eine solche Veranstaltungen aber als Möglichkeit des interreligiösen Austauschs und der Verständigung zwischen Vertretern verschiedener religiöser und spiritueller Traditionen betrachtet, erfüllen sie eine wichtige Funktion für das gesellschaftliche Zusammenleben und zeigen zugleich, dass der interreligiöse Dialog auch in einer Stadt wie Berlin eine wichtige Stimme in der Zivilgesellschaft ist. Eine nächste Gelegenheit diese Stimme zu vernehmen und an dem interreligiösen Austausch zu partizipieren, bietet das zweite Interreligiöse Abendforum, das am 18. September stattfindet und sich Friedensbegriffen aus verschiedenen religiösen Traditionen (Baptismus, Hinduismus, Baha’i) widmet.

Konflikte innerhalb der Deutschen Buddhistischen Union

Bild: ariva.de

Die Quartalschrift „Buddhismus aktuell“ gilt als das profilierteste buddhistische deutschsprachige Magazin und wird von der Deutschen Buddhistischen Union (DBU) herausgegeben. In der aktuellen Ausgabe 3/2018 kommen interne Konflikte innerhalb der Glaubensgemeinschaft offen zur Sprache.

Dr. Michael Utsch | EZW

Ein Aufsatz plädiert leidenschaftlich für mehr Toleranz und Mitgefühl im Umgang mit Fremden. Als Negativbeispiel wird namentlich ein deutschsprachiger Dharma-Lehrer genannt, der auf einer Tagung zur „Wehrhaftigkeit gegen den Islam“ aufgerufen habe. Ein anderer Bericht informiert darüber, dass dem Gründer und Leiter einer weiteren großen buddhistischen Gemeinschaft – Shambhala unterhält weltweit mehr als 200 Meditationszentren und ist damit eine der größten buddhistischen Organisationen des Westens – sexueller Missbrauch vorgeworfen werde. Anders als in früheren Fällen informiert die Gruppe und auch die Zeitschrift in dieser Ausgabe zeitnah darüber, dass der Leiter und der Leitungskreis zurücktreten werde und sich die Gemeinschaft neu orientieren müsse. Shambhala hat sofort Konsequenzen gezogen, und auch der Dachverband geht mit diesem aktuellen Vorfall selbstkritischer und transparenter um als mit dem ähnlich gelagerten Rigpa-Skandal im vergangenen Jahr.

Interessant ist in diesem Zusammenhang auch eine Annonce im Anzeigenteil dieser Zeitschrift. Ein Unterstützerkreis wirbt um Spenden für einen buddhistischen Mönch, der seit Jahren kritisch über Missstände, Fehlentwicklungen und sektiererische Tendenzen im Buddhismus auf Webseiten und Blogs informiert. Ein DBU-Mitgliedsverband habe diesem Mönch über einen Anwalt eine Reihe von Abmahnungen zugestellt, um offensichtlich eine unliebsame Stimme durch finanziellen Druck zum Schweigen zu bringen. Weil nun mit Kosten von etwa 20.000 Euro zu rechnen sei, wirbt die Annonce für Spender, die die Aufklärungsarbeit des Mönchs unterstützen.

Die Konflikte zwischen unterschiedlichen buddhistischen Strömungen innerhalb der DBU sind unübersehbar. Vor diesem Hintergrund ist auch eine redaktionelle Notiz besser zu verstehen. Darin werden die Leser darüber informiert, dass nicht wie sonst die Inhalte und Beschlüsse der jährlichen Mitgliederversammlung der DBU in der Zeitschrift veröffentlicht werden, die Ende Mai im Allgäu stattgefunden hat. Als Gründe werden sehr kontroverse Debatten darüber genannt, in welchem Ausmaß in einzelnen DBU-Mitgliedsgemeinschaften Rechtspopulismus, Rassismus und sexuelle Gewalt vorkomme, und wie damit umzugehen sei. Die Mitgliederversammlung solle einen geschützten Raum für Diskussionen bieten, wo niemand befürchten müsse, für einen Wortbeitrag im Nachhinein juristisch belangt werden zu können.

Es ist der DBU zu wünschen, dass sie diesen internen Klärungsprozess entschlossen weiter vorantreibt und sich alle Mitgliedsorganisationen eindeutig von menschenrechtsfeindlichen Positionen distanzieren.

„Weihrauch ist keine Droge“

© Bild: KNA
Der Theologe Michael Pfeifer ist Weihrauch-Experte. Ihn freut, dass es in der Liturgie eine Renaissance des Räucherwerks gibt – und zwar nicht unbedingt in der Messe. Denn Weihrauch stehe gar nicht für Feierlichkeit, sagt er im Interview.

Agathe Lukassek | katholisch.de

Schon seit seiner Zeit als Ministrant ist Michael Pfeifer fasziniert vom Weihrauch. Später schrieb er seine Doktorarbeit und ein Buch über den Stoff. Gegenüber katholisch.de verriet er, warum er Feuer fing und was einen guten Weihrauch ausmacht.

Frage: Herr Pfeifer, was fasziniert Sie seit Jahrzehnten an dem Thema Weihrauch?

Pfeifer: Ich habe die klassische Karriere eines langjährigen Ministranten durchlaufen, der mit dem Weihrauch umzugehen hat. Nachdem unser Pfarrer gestorben war und der Weihrauch zur Neige ging, haben wir im Kreis der Ministranten ein „Weihrauchseminar“ veranstaltet. Wir haben verschiedene Sorten ausprobiert, um die beste Qualität für unsere Gemeinde bestellen zu können. Da ich derjenige war, der Theologie studieren wollte, habe ich mir den biblisch-liturgischen Hintergrund angelesen. Mein Oberministranten-Kollege übernahm den medizinisch-chemischen Teil. So kam ich 1986 zu dem Thema und fing sozusagen Feuer. Schließlich habe ich auch meine Diplomarbeit über den Weihrauch geschrieben und sie 1997 zu einem ersten Buch verarbeitet.

Offizieller Plan: Das machen die Schotten, sollten sie das Loch-Ness-Ungeheuer fangen

Sagenumwobenes Gewässer: Loch Ness im schottischen Hochland © Yui Mok/ Picture Alliance
Seit Jahrzehnten ranken sich die Mythen um das Ungeheuer von Loch Ness. Auch in diesem Jahr machten sich wieder Forscher auf, um Proben aus dem Gewässer zu nehmen. Und wer hätte es gedacht: Die Schotten haben tatsächlich einen offiziellen Plan, sollten sie das Monster jemals finden.

stern.de

Es ist eines der sagenumwobensten Gewässer der Welt: Loch Ness im schottischen Hochland. Seit Jahrhunderten munkelt man, dass der Süßwassersee ein riesiges Ungeheuer beherbergen soll – von den Einheimischen liebevoll „Nessie“ getauft.

Was nur wenige wissen: Tatsächlich gibt es einen offiziellen Plan zum Vorgehen, sollte die Existenz des Loch Ness Monsters jemals bestätigt werden. Bereits im Jahre 2001 entwarf die „Scottish Natural Heritage“ (kurz: SNH), eine staatlich geförderte Behörde, ein Papier, in dem die einzelnen Schritte niedergeschrieben sind. Der Plan sei „halb lustig, halb ernst“ gemeint, sagte man damals.

weiterlesen

Junge Spanierin mit Säugling aus Sekte befreit

Foto: AFP
Die peruanische Polizei hat eine seit mehr als einem Jahr vermisste 19-jährige Spanierin in einem abgelegenen Dschungelgebiet aus den Händen einer Weltuntergangssekte befreit.

Kölner Stadt-Anzeiger

Patricia Aguilar sowie zwei weitere Frauen und fünf Kinder wurden in einer Hütte in San Martín de Pangoa im Zentrum des Landes entdeckt, wie die Polizei am Donnerstag (Ortszeit) mitteilte.

Der Sektenführer Félix Steven Manrique wurde festgenommen. Bei der 19-Jährigen fanden die Polizisten einen Säugling, nach ersten Ermittlungen ihren Sohn. Nach Angaben des Chefs der Anti-Menschenhandel-Polizeieinheit, José Antonio Capa, hielt sich der Sektenführer für einen Gesandten Gottes und ließ sich „Prinz von Gurdjeff“ nennen.

weiterlesen

Von wegen Detox-Wunder! Warum Sie schwarze Lebensmittel besser meiden sollten

Burger mit Aktivkohle © Lilechka75 Getty Images
Schwarze Burger, schwarze Croissants – und sogar schwarzes Eis: Lebensmittel mit Aktivkohle sind im Trend. Sie sollen Schadstoffe binden. Doch Experten warnen: Sie schaden mehr als sie nutzen.

stern.de

Zugegeben: Schwarze Lebensmittel sind ein Hingucker. Brötchen, die früher im schnöden Einheitsbeige daherkamen, verleiht der schwarze Anstrich etwas Stylisches. Kein Wunder also, dass immer mehr Gastronomen auf die Wirkung schwarzer Lebensmittel setzen. Selbst vor Eistheken hat der Trend nicht Halt gemacht: In Berlin verkauft ein Geschäft schwarzes Vanille-Eis. Der passende Name? „Black poodle“.

Für die Farbe sorgt nicht etwa – wie einige Menschen glauben könnten – die Tinte von Tintenfischen. Es handelt sich dabei um Aktivkohle, das in Pulverform unter die Lebensmittel gemischt wird.

weiterlesen

Mystische Praktiken: Tote elfköpfige Familie gibt Rätsel auf

In Neu Delhi ist eine elfköpfige Familie aufgefunden worden. Foto: AP
Die in Indiens Hauptstadt Neu Delhi tot aufgefundene elfköpfige Familie hat nach Polizeiangaben vor ihrem Tod offenbar „spirituelle, mystische Praktiken“ vollzogen. „Während der Durchsuchung des Hauses wurden handschriftliche Notizen gefunden, die auf bestimmte spirituelle, mystische Praktiken der ganzen Familie hindeuten“, teilte die Polizei am Sonntag mit.

Berliner Zeitung

Die Aufzeichnungen wiesen Ähnlichkeiten mit der Art und Weise auf, wie die Münder und Augen der Toten „verbunden“ gewesen seien. Zehn der elf Familienmitglieder waren zuvor erhängt aufgefunden worden. Eine über 70 Jahre alte Frau wurde zudem tot auf dem Boden entdeckt. Unter den Toten waren zudem zwei Brüder, ihre Frauen und fünf Minderjährige. Die jüngsten Opfer waren laut Polizei zwei 15 Jahre alte Brüder.

weiterlesen

Philosoph: Atheistische Spiritualität boomt

© Bild: Henry Czauderna/Fotolia.com
Spiritualität für Atheisten? Laut Philosoph Eberhard Tiefensee bezeichnen sich immer mehr Ungläubige als spirituell. Ein Trend, der besonders in der Medizin Folgen hat.

katholisch.de

Spiritualität rückt nach Ansicht des Religionsphilosophen Eberhard Tiefensee auch im atheistischen Umfeld immer stärker in den Fokus. Besonders im Erziehungs- und Gesundheitswesen stellten sich dahingehend „neuerdings dringlicher werdende Anforderungen“, sagte der Priester bei seiner Abschiedsvorlesung am Freitagabend an der katholisch-theologischen Fakultät der Universität Erfurt. Vor allem in der Palliativmedizin gebe es ein wachsendes Interesse an „Spiritual Care“, also spiritueller Versorgung.

Studien zeigten, dass Spiritualität auch jenseits von religiösen Vorstellungen Einfluss auf die Lebenqualität habe, erläuterte Tiefensee. So fordere auch die Weltgesundheitsorganisation (WHO) Menschen als ganzheitliche Wesen mit eben auch spirituellen Bedürfnissen wahrzunehmen.

weiterlesen

Scientology unterwandert Wirtschaft – „Verdecktes Marketing“

Scientology in Los Angeles (Bild: PictorialEvidence, CC-BY-Sa 3.0)
Sie ist umstritten und versucht laut nordrhein-westfälischem Verfassungsschutz, die Wirtschaft zu unterwandern und so ihre Einflussmöglichkeiten zu vergrößern. Die Rede ist von der Organisation Scientology.

DOMRADIO.DE

Scientology nähere sich durch „geschicktes und verdecktes Marketing“ besonders kleineren und mittleren Unternehmen, heißt es in dem am Freitag veröffentlichten aktuellen NRW-Verfassungsschutzbericht. Zur Unterwanderung der Wirtschaft habe die Scientology-Organisation (SO) den eigenen Wirtschaftsverband „World Institute of Scientology Enterprises“ (WISE) gegründet. Dort würden Organisations- und Managementstrategien entwickelt, um „sukzessive bei der Infiltration der Wirtschaft voranzuschreiten“.

Als Gefahr für die Demokratie eingestuft

Bundesweit zählt die SO nach den Abgaben 3.500 Mitglieder, davon etwa 420 in NRW. Die Organisation finanziere sich über die Veranstaltung kostenpflichtiger Kurse und den Vertrieb von Kursmaterialien mit Scientology-Ideologie. Zudem wird den Sicherheitsbehörden zufolge „Druck auf Mitglieder ausgeübt“, aus ihrem Privatvermögen an Scientology zu spenden.

weiterlesen