Archiv der Kategorie: Esoterik

Kindsmisshandlung im Namen der Religion

Was wiegt schwerer: Das Wohl von Kindern oder die Religionsfreiheit? Die Antwort sollte klar sein, müsste man meinen. Ein Fall in Deutschland zeigt aber einmal mehr, dass die Glaubensfreiheit eine der letzten heiligen Kühe ist.


Von Hugo Stamm|blog.derbund.ch

Eine Esoterikerin zieht mit ihrem zwölfjährigen Sohn zu ihrem Lebenspartner, der als «Guru von Lonnerstadt» bekannt ist und in Erlangen-Höchstadt, Mittelfranken, lebt. Der Knabe leidet unter der unheilbaren Stoffwechselkrankheit Mukoviszidose, bei der Schleim die Lunge verstopft. Er bräuchte dringend medizinische Betreuung und Medikamente. Der Guru verspricht dem Knaben Heilung durch Diät und Meditation. Oft muss er morgens um vier Uhr aufstehen und meditieren. Doch er magert um fast die Hälfte ab, die Lunge wird geschädigt.

Nach drei Jahren flüchtet der Knabe zu seinem leiblichen Vater. Dank medizinischer Betreuung erholt er sich allmählich. Später klagt er seine Mutter und den Guru, der sich als «Lehrer der zeitlosen Weisheit» bezeichnet, an.

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Säurenheiliger Pio kommt nach Rom

Ganzkörperreliquie Pater Pios. Bild: wikimedia.org/PD
Urnenreliquie des populären Heiligen wird auf Wunsch von Papst Franziskus im Februar 2016 im Petersdom zur Verehrung ausgestellt


kathweb

Die Gebeine des italienischen Heiligen Pater Pio (1887-1968) werden zum Aschermittwoch 2016 aus dem süditalienischen San Giovanni Rotondo in den Petersdom nach Rom gebracht. Dort soll der gläserne Sarg mit den sterblichen Überresten des Kapuzinerpaters auf ausdrücklichen Wunsch von Papst Franziskus vom 8. bis zum 14. Februar ausgestellt werden, wie der Konvent der Kapuziner von San Giovanni Rotondo auf seiner Internetseite mitteilt.

Die Gegenwart der Gebeine von Pater Pio sei ein “wertvolles Zeichen” für alle Missionare und Priester, zitiert der Konvent aus einem Brief von Kurienerzbischof Rino Fisichella, dem Organisator des Heiligen Jahrs. Pater Pio sei ein authentischer Zeuge der Barmherzigkeit Gottes, so der Erzbischof. Barmherzigkeit ist das zentrale Thema des Heiligen Jahrs der katholischen Kirche, das am 8. Dezember beginnt und am 20. November 2016 endet.

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Bundestag gibt UFO-Akten frei

UFO
UFO
Unheimlicher Rechtsstreit der Dritten Art am Bundesverwaltungsgericht


Von Markus Kompa|TELEPOLIS

Nach vier Jahren Prozessdauer hat es das Portal fragdenstaat.de endlich geschafft, die Veröffentlichung der UFO-Akten zu erwirken. Der Wissenschaftliche Dienst des Bundestags hatte 2009 zum Thema „Die Suche nach außerirdischem Leben und die Umsetzung der UN-Resolution zur Beobachtung unidentifizierter Flugobjekte und extraterrestrischer Lebensformen“ recherchiert. Anlass war die Anfrage des besorgten Abgeordneten der GRÜNEN Peter Hettlich, der sich nach der Wahrscheinlichkeit erkundigt hatte, dass Außerirdische auf dem Territorium der Bundesrepublik Deutschland landen.

Zuvor hatte auch der FDP-Abgeordnete Hartfrid Wolff Interesse am Thema geäußert. Ob die FDP dabei möglicherweise auf Kontakt mit Ferengi spekulierte, ist unbekannt. Die Bundesregierung dementierte damals entsprechende Erkenntnisse. Die nun vorliegende Begutachtung fiel eher knapp und oberflächlich aus. So wertete der Wissenschaftliche Dienst nur offene Quellen wie bekannte Literatur oder Wissenschaftssendungen des Bayrischen Rundfunks aus. Der BND und Erich von Däniken waren offenbar nicht involviert.

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Splatter-Ritual: Blutreliquie für Gedenkstätte in Österreich

Die als Gottscheer-Gedenkstätte genutzte St. Ulrichs Kirche beim Klagenfurter Schloss Krastowitz erhält eine Blutreliquie des heiligen Papstes Johannes Paul II. Die Einsetzung der Reliquie am 2. August bildet den Höhepunkt der diesjährigen 50. Wallfahrt und Kulturwoche der Gottscheer.


kathweb

blutreliquie
Blutreliquie. Themenbild

Seit 1963 befindet sich in der mittelalterlichen Kirche die Gottscheer Gedächtnisstätte, die für die im Zuge des Zweiten Weltkriegs aus ihrer ursprünglichen Heimat in Gottschee/Kocevje (Slowenien) Vertriebenen ein geistliches Zentrum ist. Den Jubiläumsfestgottesdienst mit Einsetzung der Blutreliquie feiert der Heiligekreuzer Altabt Gregor Henckel-Donnersmarck gemeinsam mit dem Wiener Militärerzdekan Harald Tripp, auf dessen Initiative die Reliquie nach Kärnten kommt.

Johannes Paul II. sei es gelungen, Grenzen in Europa zu überwinden und Versöhnung zwischen den Völker zu stiften. Dem Wirken des polnischen Papstes verdankten letztlich auch die Gottscheer die Möglichkeit, wieder ihre alte Heimat im heutigen Slowenien ungehindert besuchen zu dürfen, erläuterte Tripp gegenüber “Kathpress”, der auch als Geschäftsführer der Gottscheer Landsmannschaft in Klagenfurt fungiert. Mit der Einsetzung der Reliquie kommt auch die Innengestaltung der Kirche zum Abschluss, wo im letzten Jahr Altar und Ambo fertiggestellt wurden.

Der Wallfahrt vorgelagert ist eine Kulturwoche. Sie beginnt am 27. Juli mit einer zweitägigen Fahrt in die ursprüngliche Heimat im heutigen Slowenien rund 60 Kilometer südlich von Ljubljana/Laibach direkt an der kroatischen Grenze. Ein kleines Jubiläum feiert heuer auch die 1955 gegründete “Gottscheer Zeitung”. Seit 60 Jahren ist sie für viele zum geistigen Heimatersatz geworden, die monatlich an Bezieher in 16 Staaten der Welt versendet wird.

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Leipziger Esoterik um 1900: Vegetarier, Okkultisten, Theosophen und Magie

Christin Tölle-Beruf, Ron Ritter: Deviantes Leipzig. Foto: Ralf Julke
Der Titel “Deviantes Leipzig” führt ein bisschen in die Irre. Auch wenn er so schön geheimnisvoll klingt. Aber Devianz ist nur ein Begriff aus der Soziologie, der versucht, alle Arten von gesellschaftlicher Abweichung zu erfassen. Nur hätten jene Leute, die vor 100 Jahren in Leipzig als Okkultisten, Theosophen, Vegetaristen, Sexualmagiker unterwegs waren, wohl nicht von sich behauptet, sie würden abweichen.


Von Ralf Julke|Leipziger Internet Zeitung

Mit dem Buch macht der Leipziger bookra Verlag wieder etwas, was auf dem Buchmarkt nach wie vor selten ist: Er macht Arbeiten, die im Rahmen des Studiums entstanden sind und sonst eher in den Archiven verschwunden wären, in einer bezahlbaren Ausgabe zugänglich. Entstanden sind die Texte vor allem im Bereich der Religions- und der Geschichtswissenschaften an der Uni Leipzig. Und die kleine Ergänzung ist notwendig: Es geht um religiöse Devianz.

Eigentlich ein zentrales Thema, wenn es um das Leipzig der Jahrhundertwende geht. Um Deutschland sowieso. Kein Thema ging damals in den intellektuellen Debatten Europas so um wie das „Unbehagen an der Kultur“. Der Kontinent feierte zwar immer neue technische Wunderwerke, die Naturwissenschaften entfachten ein ganzes Feuerwerk an Entdeckungen. Reihenweise wurden liebgewordene Welt-Bilder auf den Kopf gestellt. Doch tatsächlich steckte der Kontinent in veralteten politischen Systemen fest und neben der Feier der Moderne entwickelte sich – wie ein Schattenbild – eine Bewegung, die der nüchternen Gegenwart die Faszination des Okkulten entgegen setzte. Ein Phänomen, das man so schon aus der Zeit der Aufklärung kannte.

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Polen: Zehntausende Gläubige feiern mit „Exorzisten-Prediger“

Der als „Exorzistenprediger“ bekannt gewordenen John Baptist Bashobora feiert das „Jesusfest“. APA/EPA/MARCIN OBARA
Rund 55.000 Menschen haben sich am Samstag im Nationalstadion in Warschau zu einem „Jesusfest“ des als „Exorzistenprediger“ bekannt gewordenen John Baptist Bashobora versammelt.


religion.ORF.at

„Vater Bashobora hat ein einzigartiges Charisma und bietet uns ein außergewöhnliches Erlebnis, das man in einer gewöhnlichen Messe nicht bekommt. Gerade weil wir uns hier in so großer Zahl versammeln, um ihm zuzuhören“, sagte eine junge Teilnehmerin dem Nachrichtensender TVN24.

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Der Verzehr der Plazenta – ein neuer Trend?

© Picture-Alliance Eine schwangere Frau: Fragen der werdenden Mütter regten die Studie von Crystal Clark an
Eine amerikanische Psychiaterin horchte auf: Einige ihrer schwangeren Patientinnen berichteten, dass sie planten, ihren Mutterkuchen zu essen – zum Beispiel in Kapselform. Nun legt die Ärztin eine beunruhigende Studie vor.


Von Christina Hucklenbroich|Frankfurter Allgemeine

Crystal Clark ist Psychiaterin an der Northwestern University in Chicago, wo sie ein klar umrissenes Gebiet erforscht: Clark hat sich auf Stimmungsstörungen bei Schwangeren und jungen Müttern spezialisiert. Ihre bisherigen Studien kreisten etwa darum, ob eine Schmerzblockade während der Geburt möglicherweise postpartale Depressionen verhindern kann. Doch dann überraschten einige Patientinnen Clark mit einer unerwarteten Frage: Die Schwangeren erkundigten sich, ob es in Ordnung sei, wenn sie ihre Plazenta nach der Geburt essen würden – oder ob Wechselwirkungen mit ihren Antidepressiva zu befürchten wären.

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Sektenbericht: Jihadisten, neue Rechte und die Tochter der Taiga

Steirischer ESO-Jahresbericht sieht Erstarken von radikalem Islamismus, Rechtsextremismus und Regionalismus-Verschwörern


Von Colette M. Schmidt|derStandard.at

Bild: svz.de
Bild: svz.de

Antisemitismus, Ablehnung von Demokratie und Toleranz und die Bildung von oft skurrilsten Mythen: Das sind die prägnanten Eigenschaften, die Jihadisten und Rechtsextreme heute gemeinsam haben, sagt Robert Schweidlenka, Sektenexperte und Leiter der Servicestelle für Jugendliche des Landes Steiermark “Logo-ESO-Info” (ESO steht für Esoterik, Sekten, Okkultismus).

Er präsentierte am Mittwoch gemeinsam mit der neuen Jugendlandesrätin Ursula Lackner (SPÖ) den ESO-Jahresbericht über die Entwicklung radikaler religiöser und politischer Bewegungen in Österreich. Titel des Berichts: “Sie nagen an den Wurzeln unserer Demokratie.” Entwarnung kann leider nirgendwo gegeben werden. Im Gegenteil: Sowohl Möchtegern-Gotteskrieger als auch neue Rechte, die vor allem in der Identitärenbewegung, die ihr Zentrum in Österreich in Graz habe, vermehren sich. Sie nutzen dabei beide weiter die Möglichkeiten des Internets für ihre “Heilslehren”.

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Brasilien: Gläubige mit Steinen gegen andere Gläubige

Religiöse Intoleranz kann viele Gesichter haben. Im multireligiösen Brasilien versucht jetzt der Staat eine Kultur der gegenseitigen Akzeptanz zu fördern


Von Andreas Behn|evangelisch.de

Candomblé. Bild: wwworixas.blogspot.de

Es war schon dunkel, als Katia Coelho, ihre Enkelin Kaillane Campos und vielleicht sechs weitere Personen von einem afrobrasilianischen Gottesdienst nach Hause gingen. Alle waren weiß gekleidet, die Farbe, die die Anhänger des Candomblé bei ihren Zeremonien tragen. Nur wenige Hundert Meter von ihrer Kultstätte – in Brasilien Terreiro genannt – entfernt hörten sie plötzlich Pöbeleien. “Abfällige, rassistische Bemerkungen. Wir würden doch nur den Teufel anbeten. Das Übliche”, erinnert sich die Candomblé-Priesterin Coelho später. Dann wirft einer der Männer einen Stein, der die 11-jährige Kaillane am Kopf trifft. Die beiden flüchteten unerkannt in einen Nahverkehrsbus. Kaillane wurde mit einer blutenden Platzwunde ins Krankenhaus gebracht.

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Die unsichtbare Superdiktatur

Warum es die von vielen Verschwörungstheoretikern vorgestellte, im geheimen agierende und fast allmächtige Diktatur nicht geben kann


Von Houssam Hamade|TELEPOLIS

Bild: heise.de

Verschwörungstheorien können töten. In Deutschland sterben immer wieder Kinder, weil sie auf der Grundlage einer Verschwörungstheorie nicht gegen Masern geimpft werden. Und ohne beides gleichsetzen zu wollen: Der mörderische Hass der Nazis loderte auch darum so hell, weil diese von einer umfassende Verschwörung des weltweiten Judentums überzeugt waren.

Und doch lässt sich die Welt nicht ohne konspirative Vorgänge verstehen: Von der Verteidigungslüge der Deutschen im Blitzkrieg gegen Polen, bis zur Selbstverständlichkeit, dass sich reiche Eliten verbünden, um ihr Interesse (auch im Geheimen) durchzusetzen, wie es beispielsweise Björn Wendt in seinem Buch Die Bilderberg-Gruppe recht genau nachzeichnet.

Wie lassen sich also sinnvolle von gefährlichen und dummen Verschwörungstheorien unterscheiden?

Zu viele dieser Theorien laufen letztendlich darauf heraus, dass die Weltgeschichte von einer kleinen Gruppe Superreicher hinter den Kulissen gelenkt wird. Beispielsweise meinte der Hauptorganisator der “Montagsmahnwachen für den Frieden”, wenn man nur genau hinschaue, würde man erkennen, dass alle Kriege der letzten hundert Jahre (also wohl auch der zweite Weltkrieg mitsamt seiner Mördereien) von den Bankern der amerikanischen “Federal Reserve” organisiert worden seien.

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Detroit: Teufelsanbeter stellen Satans-Statue auf

Die Satans-Statue reckt die Finger in die Höhe, zwei Kinder schauen zu dem Wesen mit Ziegenkopf und Flügeln. (Foto: The Satanic Temple Detroit/Facebook)
Christen sind entsetzt: In Detroit, mitten im Stadtzentrum, möchte eine Satanismus-Bewegung eine Teufels-Statue aufstellen. Die Figur ist überlebensgroß und wiegt eine Tonne.


N24

Trotz heftiger Proteste soll im Zentrum von Detroit noch in diesem Monat eine Satans-Statue enthüllt werden. Das plant die Bewegung “The Satanic Temple”. Ursprünglich war geplant, die Statue am 25. Juli am “Bert’s Warehouse” aufzustellen. Doch der Eigentümer zog sein Einverständnis zum Aufstellen zurück, nachdem sich Kunden des Restaurants wenig begeistert gezeigt hatten.

Wo genau nun die Statue von “Baphomet” aufgestellt werden soll, ist noch unklar. Die Gruppe des Satanischen Tempels, sie bezeichnet sich als nicht-göttliche Religionsgemeinschaft, macht daraus ein großes Geheimnis, nimmt nur schriftliche Anmeldungen für die Enthüllung entgegen.

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In Tanzania, Where Albino Children Are Targeted by Witch Doctors, One School is Keeping Them Safe

Image. Friendly Atheist
In an overcrowded school in northern Tanzania, hundreds of albino children have found a safe haven from a culture that perceives them as demons or ghosts.


By Sarah Rasher|Friendly Atheist

Albinism is a genetic condition that affects only one in 20,000 people worldwide, but it is far more common in Tanzania, where the rate rises to about 1 in 1,400. People with albinism do not produce pigment in their skin, hair, or eyes, which gives them a distinctive physical appearance, makes them sensitive to the sun, and in some cases results in visual impairment. Martin Haule, the head of educational projects at Under the Same Sun, a Canadian charity that aids albinos, explains that their marginalization runs deep in Tanzanian culture:

Even people who have albinism do not understand that it’s just about the skin. They too believe they are somehow not fully human.

According to a feature in The Telegraph, parents of albinos often abandon their children, fearing for their kids’ lives as well as their own. Practitioners of traditional medicine — which other Tanzanians refer to derisively as “witch doctors” — believe that albinos’ bodies have magical powers. A full set of albino body parts can fetch $75,000 on the black market.

Murders and maimings of albinos are so frequent in Tanzania that administrators at facilities like Buhangija, the school spotlighted in the Telegraph article, worry about the immense street value of the children who live there. Buhangija, which was originally designed as a school for blind and deaf children, now houses almost 300 albino children and young adults.

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Dalai Lama: Pekings Furcht vor einem Halbgott

Der Dalai Lama wird 80. Peking schenkt sich alle Glückwünsche. Dort wartet man schon auf seine Wiedergeburt und will einen neuen Dalai Lama unter Chinas Fittiche nehmen


Von Johnny Erling|derStandard.at

Dalai Lama in Hamburg, 1998. Foto: Jens NagelsIm zweiten Stock des Pekinger Außenministeriums, wo Pressekonferenzen abgehalten werden, liegen im Vorraum Broschüren zum Mitnehmen aus. Darunter passt ein in mehrere Sprachen übersetztes Buch nicht recht ins politische Sortiment. Unter dem Titel “Die Reinkarnation des Dalai Lama” erklärt der Tibetologe Chen Qingying die religiösen Rituale, nach denen seit 500 Jahren die Wiedergeburt des geistlichen Oberhaupts der Buddhisten in Tibet vonstattenging. Er nennt 14 Reinkarnationen bis zum heutigen, 14. Dalai Lama und Friedensnobelpreisträger. Am 6. Juli wird dieser 80 Jahre alt.

Das Buch ist wichtig, weil Chen herausfand, dass die Zentralregierung schon bei der Wiedergeburt des fünften Dalai Lama (1617 bis 1682) die Genehmigungsaufsicht führte. Der Kaiserhof erteilte seinen Segen. In Erbfolge meldete nun ausgerechnet Chinas atheistische Partei ihren Anspruch an, bei Reinkarnationen das letzte Wort zu haben.

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John Gray: Steven Pinker is wrong about violence and war

Rubens’ The Massacre of the Innocents. Photograph: National Gallery, London
A new orthodoxy, led by Pinker, holds that war and violence in the developed world are declining. The stats are misleading, argues Gray – and the idea of moral progress is wishful thinking and plain wrong


By John Gray|TheGuardian

For an influential group of advanced thinkers, violence is a type of backwardness. In the most modern parts of the world, these thinkers tell us, war has practically disappeared. The world’s great powers are neither internally divided nor inclined to go to war with one another, and with the spread of democracy, the increase of wealth and the diffusion of enlightened values these states preside over an era of improvement the like of which has never been known. For those who lived through it, the last century may have seemed peculiarly violent, but that, it is argued, is mere subjective experience and not much more than anecdote. Scientifically assessed, the number of those killed in violent conflicts was steadily dropping. The numbers are still falling, and there is reason to think they will fall further. A shift is under way, not strictly inevitable but enormously powerful. After millennia of slaughter, humankind is entering the Long Peace.

This has proved to be a popular message. The Harvard psychologist and linguist Steven Pinker’s The Better Angels of Our Nature: a history of violence and humanity (2011) has not only been an international bestseller – more than a thousand pages long and containing a formidable array of graphs and statistics, the book has established something akin to a contemporary orthodoxy. It is now not uncommon to find it stated, as though it were a matter of fact, that human beings are becoming less violent and more altruistic. Ranging freely from human pre-history to the present day, Pinker presents his case with voluminous erudition. Part of his argument consists in showing that the past was more violent than we tend to imagine. Tribal peoples that have been praised by anthropologists for their peaceful ways, such as the Kalahari !Kung and the Arctic Inuit, in fact have rates of death by violence not unlike those of contemporary Detroit; while the risk of violent death in Europe is a fraction of what it was five centuries ago. Not only have violent deaths declined in number. Barbaric practices such as human sacrifice and execution by torture have been abolished, while cruelty towards women, children and animals is, Pinker claims, in steady decline. This “civilising process” – a term Pinker borrows from the sociologist Norbert Elias – has come about largely as a result of the increasing power of the state, which in the most advanced countries has secured a near-monopoly of force. Other causes of the decline in violence include the invention of printing, the empowerment of women, enhanced powers of reasoning and expanding capacities for empathy in modern populations, and the growing influence of Enlightenment ideals.

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BKA-Fahnder fassen deutschen Sektengründer in Uruguay

Ein deutscher Sektengründer soll ein Mädchen als “Sexsklavin” gehalten haben. Um einem Prozess zu entgehen, war er seit acht Jahren auf der Flucht. Diese endete jetzt in Südamerika.


SpON

Bild: svz.de
Bild: svz.de

Fahnder des Bundeskriminalamtes (BKA) haben in Uruguay einen Sektengründer gefasst, dem schwerer Kindesmissbrauch vorgeworfen wird. Der 60-Jährige soll sich 1994 insgesamt neun Mal an der 13-jährigen Tochter von zwei Sektenmitgliedern vergangen haben.

Bereits Mitte Juni wurde der Gründer der Sekte “Lichtoase” zusammen mit einer 59 Jahre alten Frau von BKA-Zielfahndern und der einheimischen Polizei festgenommen, teilte das BKA mit.

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Hunderte Buddhisten protestieren in England gegen den Dalai Lama

Konflikt mit Shugden-Gemeinde sorgt seit Jahren für Streit


DIE WELT

Statue von Dorje Shugden, Bild: wikimedia.org/CC-BY-3.0/JoeMabel

Mehrere hundert Buddhisten haben am Montag im südenglischen Aldershot gegen den Dalai Lama protestiert. Die Anhänger der Shugden-Gemeinde warfen dem geistlichen Oberhaupt der Tibeter religiöse Verfolgung vor. “Dalai Lama, hör auf zu lügen!”, riefen sie, als der Tibeter eintraf, um das erste buddhistische Gemeindezentrum in Großbritannien einzuweihen. Die Anhänger des Dalai Lama hielten eine Gegendemonstration ab.

Vorstellung der Wiedergeburt schwächt christlichen Auferstehungsglauben

Image: scholemanfriends.com
Papst Franziskus hat die Christen aufgerufen, fest auf die Auferstehung und das ewige Leben zu vertrauen. “Das ganze Evangelium ist im Licht dieses Glaubens geschrieben: Jesus ist auferstanden, hat den Tod besiegt und durch diesen Sieg werden auch wir auferstehen”, sagte er am Sonntag bei seinem Angelus-Gebet auf dem Petersplatz.


kathweb
“Wir alle hier auf dem Platz werden uns im Haus des Herrn wiederbegegnen”, so Franziskus vor mehreren Zehntausend Pilgern und Besuchern. Wer wirklich an Jesus und die Auferstehung glaube, werde von ihm aufgenommen, erlange Vergebung und das ewige Leben. Auferstehung darf nach Franziskus’ Worten aber nicht mit Wiedergeburt verwechselt werden, wie es einige täten. Diese Anschauung trübe und schwäche den christlichen Glauben, betont er.

Der Papst bezog sich mit seinen Ausführungen auf den Bericht im fünften Kapitel des Markusevangeliums. Darin erweckt Jesus ein zwölfjähriges, kurz zuvor verstorbenes Mädchen wieder zum Leben, indem er dessen Hand nimmt. Eine Frau, die wegen dauernder Blutungen als unrein aus der Gesellschaft ausgestoßen wurde, wird durch die Berührung von Jesu Gewand von ihrem Leiden geheilt. In dem Kapitel bezeichnet Jesus den festen Glauben an Gottes Kraft als die Bedingung für die Überwindung von Krankheit und Tod.

Schweiz: Politik nimmt Scientology ins Visier

Die SP und SVP intervenieren mit einem Vorstoss im Parlament. Der Psychosekte soll das Missionieren schwerer gemacht werden, denn die Anwohner leiden bereits darunter.


Von Markus Vogt|Basler Zeitung

Scientology-Kreuz Irreführendes Kreuz: Das Symbol soll von der Fassade der Scientology-Filiale entfernt werden, weil es fälschlicherweise einen Bezug zur Religion suggeriere.
Scientology-Kreuz Irreführendes Kreuz: Das Symbol soll von der Fassade der Scientology-Filiale entfernt werden, weil es fälschlicherweise einen Bezug zur Religion suggeriere.

Die Organisation Scientology kommt mit ihrer im April bezogenen Liegenschaft an der Burgfelderstrasse, der sogenannten Flag Org, ihrer grössten Filiale in der Schweiz, bei verschiedenen Parteien nicht gut an. Schlecht goutiert wird auch, dass das Amt für Wirtschaft und Arbeit (AWA) den Verein Scientology als «religiöse Gemeinschaft» anerkannt hat.

SVP-Grossrat Michel Rusterholtz und SP-Grossrätin Sarah Wyss fordern in einem Vorstoss, das Übertretungsstrafgesetz so anzupassen, «dass die Polizei restriktiver und nachhaltiger vorgehen kann gegen Anwerbungen von Scientology (oder Dritten)». Für nicht belehrbare Wiederholungstäter sollen nicht nur Ordnungsbussen verhängt werden können – diese sollen vielmehr an die Staatsanwaltschaft verzeigt werden, fordern die beiden Politiker. Für die Staatsanwaltschaft seien die Voraussetzungen für die Aussprache von wirkungsvollen Strafen zu schaffen.

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Die Bedeutung des Bösen im Buddhismus und Christentum

Ein hilfreicher Fingerzeig für Christen: Der Schlüssel der Achtsamkeit aus dem Buddhismus (dpa / picture alliance / Gero Breloer)
Während das Christentum einen Dualismus von Gut und Böse kennt, aus dem letztlich nur ein überirdischer Erlöser erretten kann, gibt es eine solche Vorstellung im Buddhismus nicht. Hier kann der Mensch in seinem Ich-Wahn sich selbst durch Achtsamkeit im Kreislauf von Scheitern und Gelingen weiter entwickeln.


Von Burkhard Schäfers|Deutschlandfunk

Wenn ein gehörntes Wesen auftritt und es nach Schwefel riecht, wissen Buddhisten: Mit meiner Religion hat das nichts zu tun. Der Buddhismus kennt den Begriff des Bösen nicht, erklärt der Philosoph Karl-Heinz Brodbeck:

“Die schwächste Übersetzung: akula. Das heißt, das ist das Ungeeignete, das wenig Handhabbare. Also das Böse ist das, was mir oder anderen einen Schaden zufügt. Und um diesen Schaden zu verhindern, sind bestimmte Handlungsweisen und vor allem Denkformen notwendig in der buddhistischen Vorstellung. Und die sind dann heilsam. Das ist dann eher das Gute. Und das, was an negativen Konsequenzen daraus hervorgeht, ist das Unerwünschte. Aber nicht eine Entität: Das Böse, das gibt es nicht.”

Die drei Wurzeln des Bösen im Buddhismus

Nach buddhistischem Verständnis lebt der Mensch in einer bestimmten Situation, die er vorfindet. Er ist von allen möglichen Dingen abhängig. Viele erkennen diese Abhängigkeiten nicht, sie betrachten sich selbst als Mittelpunkt, als unabhängiges Ich. Aus diesem Egozentrismus heraus benennt der Buddhismus drei Wurzeln des Bösen.

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Die Lady mit dem Lampenschirm

Nazi Concentration Camps – Ohrdruf


Von Hans Schmid|TELEPOLIS

Geschichte eines Entlastungsmythos

A sort of walking miracle, my skin
Bright as a Nazi lampshade,
My right foot

A paperweight,
My face a featureless, fine
Jew linen.

(Sylvia Plath, “Lady Lazarus”)

Wer sich für kulturgeschichtliche Zusammenhänge interessiert, hat besser keine Berührungsängste. Ein seltsames Konglomerat liegt hier vor mir: Der Buchenwald-Report; A Foreign Affair von Billy Wilder; Photos von Schrumpfköpfen und tätowierter Menschenhaut; Werke von Jorge Semprùn, Träger des Friedenspreises des Deutschen Buchhandels; Bilder von jungen Frauen in Unterwäsche und Bikini; ein Porno namens Prisoner of Paradise; Eisenhowers Erinnerungen an den Zweiten Weltkrieg; der Film Der Vorleser, für den Kate Winslet einen Oscar bekam; die Urteilsbegründung des Augsburger Landgerichts von 1951; eine von der famosen Bundesprüfstelle indizierte Liebhaberausgabe der Ilsa-Trilogie (streng limitiert und durchnummeriert); Eugen Kogons Der SS-Staat; Joseph Comos “erotischer Roman” The Bitch of Buchenwald, der ursprünglich zwei Dollar gekostet hat und jetzt zu Phantasiepreisen gehandelt wird. Was all das verbindet? Die Antwort: Ilse Koch, die einmal als die schlimmste Frau der Welt galt. Oft geht sie verschlungene Wege, die Auseinandersetzung mit der Vergangenheit. Versuchen wir, einem davon zu folgen.

Gebaut, um zu bleiben

“Erlauben Sie mir, Ihnen zu erzählen, was Sie gesehen und gehört hätten, wenn Sie mich am Donnerstag begleitet hätten”, sagt die Stimme des Reporters, der noch immer Mühe hat, seine Wut zu unterdrücken, obwohl seitdem drei Tage vergangen sind. “Es wird kein angenehmes Zuhören sein. Wenn Sie beim Mittagessen sitzen, oder wenn Sie kein Verlangen danach haben zu hören, was Deutsche getan haben, dann ist jetzt ein guter Moment, das Radio auszuschalten, denn ich habe vor, Ihnen von Buchenwald zu erzählen. Es liegt auf einem kleinen Berg, ungefähr vier Meilen außerhalb von Weimar, und es war eines der größten Konzentrationslager in Deutschland, und es wurde gebaut, um zu bleiben.”

Die Stimme, die man da hören konnte, wenn man am 15. April 1945 den Sender CBS eingeschaltet hatte, war die des Reporters Edward R. Murrow (Held von George Clooneys McCarthyismus-Film Good Night, and Good Luck und Vorbild für die von Joel McCrea gespielte Titelfigur in Hitchcocks Foreign Correspondent), der aus London berichtet hatte, als dort noch deutsche Bomben einschlugen, dann selbst in Bombern (der Alliierten) gesessen hatte und inzwischen mit der U.S. Army in Deutschland unterwegs war, um über den Untergang des Dritten Reichs zu berichten. Am 11. April hatten die Amerikaner das KZ Buchenwald erreicht. Dort hatten sie Not und Elend vorgefunden, tote und halb verhungerte Menschen, Beweise für unsägliche Grausamkeiten, aber auch: 21.000 Häftlinge, die überlebt hatten. Buchenwald wurde damals zum Synonym für die Verbrechen des Nationalsozialismus wie später Auschwitz, das erst in das öffentliche Bewusstsein drang, als es Fritz Bauer gelang, wenigstens einige der Täter doch noch vor Gericht zu bringen (der Frankfurter Auschwitzprozess begann 1963).

Murrow war ein Star unter den Radioreportern, und dies zu einer Zeit, als das Radio für sehr viele Menschen noch die wichtigste Informationsquelle war. Was er sagte, hatte Gewicht und fand große Verbreitung. An diesem Sonntag also, dem 15. April, versuchte er zu beschreiben, was er am Donnerstag davor, dem 12., erlebt hatte. Man hört, dass ihm das nicht leicht fiel. Es klingt nicht nur wegen der schlechten Tonqualität, als sende er Nachrichten aus der Hölle. Ed Murrow berichtet vom unerträglichen Gestank in diesem Lager; von kleinen Kindern (offenbar solchen, die man beim Vorrücken der Roten Armee von Auschwitz nach Buchenwald geschafft hatte), die ihm die eintätowierte Nummer auf ihrem Unterarm gezeigt haben; von “lebenden Toten”, abgemagert zu Skeletten, von denen viele noch an den Folgen der Unterernährung und der menschenunwürdigen Behandlung sterben werden, weil für sie jede Hilfe zu spät kommt; von Leichen, die aufgestapelt sind “wie Holzscheite”; von Kindern, die seine Hand umklammert und ihn nur angestarrt haben.

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