Das Goldene Brett vorm Kopf: Die Kandidaten

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Der selbsternannte Heiler Ryke Geerd Hamer, der österreichische Kabarettist Roland Düringer und das Krebszentrum Brüggen stehen auf der Shortlist für den Negativpreis für den größten antiwissenschaftlichen Unfug des Jahres. Das „Goldene Brett fürs Lebenswerk“ erhält die Website Zentrum-der-Gesundheit.de.
 

GWUP

Am 11. Oktober 2016 verleiht die GWUP e. V. in diesem Jahr Das Goldene Brett vorm Kopf. Zahlreiche Nutzer nominierten in den letzten beiden Wochen mehr als 200 Personen und Institutionen, die mit wissenschaftlich widerlegten Behauptungen Medienpräsenz anstreben, Angst machen oder Geld verdienen wollen. Nun hat die Jury drei Finalisten ausgewählt: Den Wunderheiler Ryke Geerd Hamer, den österreichischen Kabarettisten und Politiker Roland Düringer und das Krebszentrum Brüggen-Bracht, eine pseudomedizinische Krebsklinik.

Die Laudatoren sind:
Lorenz Meyer (Sheng Fui)
Mai-Thi Nguyen-Kim (The Secret Life of Scientists)
Stefan Niggemeier (Bildblog, Übermedien)

Erstmals findet die öffentliche Verleihungsfeier für „Das Goldene Brett vorm Kopf“ in Deutschland statt, und zwar am 11. Oktober 2016 um 20 Uhr im Uebel & Gefährlich (Feldstraße 66) in Hamburg. Zeitgleich werden die diesjährigen Gewinner auch auf einer Parallelveranstaltung in Wien (Urania, Uraniastr. 1) bekanntgegeben, wo der Negativpreis bereits zum sechsten Mal vergeben wird.

Zusätzlich zum „Goldenen Brett“ für einen der drei Finalisten wird auch noch das „Goldene Brett fürs Lebenswerk“ vergeben, und zwar an das „Zentrum der Gesundheit“.

Ryke Geerd Hamer – antisemitischer AIDS-Leugner.

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Die absurde Geschichte einer „Hellseherin“, die für viel Geld eine Ehe vermittelt

Bild: svz.de
Bild: svz.de
Kann spirituelle Energie bei der Anbahnung einer Ehe helfen? Eine Schweizerin glaubt fest daran und zahlt einer Hellseherin ein kleines Vermögen. Doch dann testet sie die Heiratswilligkeit des Liebsten selbst.

stern.de

Am Ende ging dann doch alles ohne Beweiserhebung im Amtsgericht Hamburg-St.-Georg über die Bühne. Zum Glück, sollte man wohl sagen. Wie will man auch für spirituelle Energiefelder Beweise finden? Aber gut, dazu gleich mehr. Die angeklagte – selbst ernannte – Hellseherin ist jedenfalls nicht erschienen. Also auch keine Beweiserhebung.

Die 53-Jährige soll gerade einen Nervenzusammenbruch erlitten haben und unter Schmerzen im Nacken und in der Hand leiden. Ihr Anwalt Uwe Kirsch gibt dann aber gleich mal zu, dass seine Mandantin gewerbsmäßigen betrogen hat. Die Frau habe für sogenanntes Lifecoaching insgesamt 322.000 Euro von einer Kundin aus der Schweiz kassiert. Aber das habe sie ganz ordnungsgemäß versteuert, betont Kirsch.

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Schamane will ehemaliges KZ „heilen“ – mit Hakenkreuzen

 Sphärische Musik, verschiedenfarbige Sandtöne, stilisierte Swastika: Mit dem
Sphärische Musik, verschiedenfarbige Sandtöne, stilisierte Swastika: Mit dem „Ritual“ auf früherem KZ-Grund können sich nicht alle anfreunden. (Foto: Danny Gross/oh)
  • Der Esoteriker Danny Gross glaubt, Orte „schamanisch heilen“ zu können – das wollte er nun auch beim ehemaligen Konzentrationslager Hersbruck versuchen.
  • Dazu malte er Mandalas mit Hakenkreuzen auf den Boden.
  • Der Bügermeister von Herbruck zeigt sich damit „absolut nicht einverstanden“.

Von Olaf Przybilla | Süddeutsche.de

Die Szenerie auf dem ehemaligen Reichsparteitagsgelände in Nürnberg ist gut dokumentiert, im Internet kann sie jederzeit abgerufen werden. In der sogenannten Ehrenhalle, an der während der NS-Parteitage SA und SS aufmarschierten, formen Menschen in weiter Kleidung hakenkreuzartige Figuren auf den Boden, es entsteht ein großflächiges Gebilde. Unterlegt ist die Szene mit sphärischer Musik. „Heilungsritual“ ist das Filmchen ebenso überschrieben wie jenes, das kürzlich auf dem Gelände des früheren KZ-Außenlagers Hersbruck entstanden ist. Auch dort sieht man auf dem Doku-Filmchen mehrere Personen bei der Arbeit, wie sie aus Sand ein Bild auf dem Boden entstehen lassen. Wieder sieht man Kreise und Ecken und wieder verformte Hakenkreuze.

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Wie Wissenschaftler Verschwörungstheorien entzaubern

foto: picturedesk / ashley cooper Kondensstreifen am Himmel sind wissenschaftlich bestens untersucht und schnell erklärt, doch Verschwörungstheoretiker sehen sich dadurch erst recht bestätigt.
foto: picturedesk / ashley cooper Kondensstreifen am Himmel sind wissenschaftlich bestens untersucht und schnell erklärt, doch Verschwörungstheoretiker sehen sich dadurch erst recht bestätigt.
Die Angst vor einer unüberschaubaren Welt lässt Verschwörungstheorien blühen

Von Johannes Lau | derStandard.at

Was die Welt im Innersten zusammenhält, weiß ganz genau, wer an Verschwörungstheorien glaubt: Die Gemeinschaft der Illuminaten kontrolliert die internationale Politik, die Mondlandungen haben nur im Filmstudio stattgefunden, und die Kondensstreifen von Flugzeugen am Himmel sind Spuren der organisierten Massenvergiftung der Menschheit durch Chemikalien. Man könnte solche Ideen als bizarre Privatmeinungen abtun, würden Verschwörungstheorien nicht immer häufiger auch politisch eine Rolle spielen.

Wenn Donald Trump etwa anzweifelt, dass der amtierende US-Präsident Barrack Obama in den USA geboren und damit überhaupt rechtmäßig gewählt ist, bedient er die gleiche Angst wie der österreichische Präsidentschaftskandidat Norbert Hofer, der mehrere parlamentarische Anfragen zu Chemtrails einbrachte: Eine mächtige, konspirative Elite lenkt die Welt hinter dem Rücken der kleinen Leute.

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Vatikan regelt Anerkennung von Wundern neu

Archivbild: Papst Franziskus bei der Heiligsprechung von Mutter Teresa - REUTERS
Archivbild: Papst Franziskus bei der Heiligsprechung von Mutter Teresa – REUTERS
Die vatikanische Kongregation für Selig- und Heiligsprechungen regelt die Anerkennung von Wundern neu. Das entsprechende Regelwerk wurde an diesem Freitag vom Vatikan veröffentlicht. Es verschärft die bisherigen Bestimmungen; so kann ein mögliches Wunder nicht mehr als dreimal zur Untersuchung vorgelegt werden, danach gilt es als nicht anerkannt. Bei Selig- und Heiligsprechungen ist in der Regel die Anerkennung eines Wunders eine Voraussetzung.
 

Radio Vatikan

„Es ist historisch gesichert, dass Wunder immer ein entscheidendes Argument für eine Heiligsprechung eines Dieners Gottes waren.“ Das schreibt der Sekretär der Heiligen-Kongregation, Erzbischof Marcello Bartolucci, in einer Erläuterung des neuen Règlements. Wunder seien so etwas wie der „Fingerzeig Gottes, der sozusagen das menschliche Urteil über die Heiligkeit eines Menschen ratifiziert“. Damit ist das Wunder – neben der Anerkennung von heroischen Tugenden bzw. eines Martyriums – gemeinhin die entscheidende Klippe, bevor jemand ins Buch der Seligen oder Heiligen eingetragen werden kann.

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Artenschutz: Machtlos gegen Gier, Gauner und das große Geld

 Mit Elfenbein lassen sich immense Gewinne erzielen, etwa im Südsudan. (Foto: Brent Stirton/dpa)
Mit Elfenbein lassen sich immense Gewinne erzielen, etwa im Südsudan. (Foto: Brent Stirton/dpa)
Die Organisierte Kriminalität verschiebt weltweit Elfenbein, Nashornpulver und andere Schätze der Natur. Der Ausverkauf bedrohter Arten hat erst begonnen.

Von Michael Bauchmüller | Süddeutsche.de

Dem Aasgeier geht es schlecht, richtig schlecht. Binnen drei Geier-Generationen, so fanden Forscher der Universität York heraus, schrumpfte ihr Bestand in Afrikas Savannen um 80 Prozent, mancherorts verschwanden die Aasfresser ganz. Die meisten wurden vergiftet. Sie störten bei der Arbeit.

Einem Elefanten die Stoßzähne herauszuhacken, ist eine mühselige, blutige, eine brachiale Angelegenheit. Die Wilderer klettern auf das tote Tier, mit der Axt hacken sie den Kiefer auf. Sie zertrümmern so lange die umliegenden Knochen, bis sich der Stoßzahn endlich lockert. Was das mit Aasgeiern zu tun hat? Sie verraten die Wilderer, rufen Ranger auf den Plan – denn in der Zwischenzeit haben die Geier längst begonnen, über dem Kadaver zu kreisen. Deshalb müssen sie sterben. Die Wilderer legen Kadaver aus, vergiftet mit Cyanid. Daran verenden die Geier. So geht es zu im Geschäft mit den Schätzen der Natur.

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Werbefalle Chia-Samen

 Zusammen mit Flüssigkeit quellen Chia-Samen zu einer schleimigen Masse auf. Die schwarzen Körner sind eine beliebte Zutat in Smoothies und Puddings. (Foto: imago/Westend61)
Zusammen mit Flüssigkeit quellen Chia-Samen zu einer schleimigen Masse auf. Die schwarzen Körner sind eine beliebte Zutat in Smoothies und Puddings. (Foto: imago/Westend61)
Angeblich helfen Chia-Samen gegen fast alles: Sodbrennen, Bluthochdruck und den zu dicken Bauch. Bewiesen ist das bisher nicht.
 

Von Bianca Hofmann | Süddeutsche.de

Sie sind inzwischen überall: Chia-Samen gibt es nicht nur in Bioläden und Reformhäusern, sondern auch in Supermärkten, ab etwa zehn Euro pro Kilo. Frauenmagazine sind voll von ausgefallenen Chia-Rezepten und immer neue Kochbücher zu dem Thema kommen auf den Markt.

Die kleinen schwarzen Körner aus Südamerika, die auf den ersten Blick aussehen wie Mohn, sollen außergewöhnlich viele Nährstoffe enthalten und werden daher als „Superfood“ gefeiert. Gesundheitsportale im Internet preisen Chia-Samen als Wundermittel gegen fast alles: Sie sollen den Blutdruck senken, den Blutzuckerspiegel regulieren, gegen Sodbrennen helfen, Gelenkschmerzen lindern und und und.

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Bullshistic: Ist am Ende die Hölle leer?

Bild: Hans Memling, ca. 1470 (Public Domain)
Bild: Hans Memling, ca. 1470 (Public Domain)
Zwei evangelische Theologen im Pro und Kontra (idea) über die Frage, ob es keine ewige Verdammnis mehr gibt, sondern eine Allversöhnung.
 

kath.net

Gottes Liebe ist ewig und grenzenlos, und seine Gnade werde sogar die Hölle „leer lieben“. Diese These vertrat die evangelische Theologin Christina Brudereck bei einer Tagung des „Emergent Forums“ in Eschborn-Niederhöchstadt bei Frankfurt am Main. Doch wie passt das zu den biblischen Aussagen über das Jüngste Gericht? Gibt es danach keine ewige Verdammnis mehr, sondern eine Allversöhnung?

Eher PRO
Über kaum eine Frage wurde und wird in der Christenheit wohl mehr spekuliert. Und dabei waren sich Christen immer schon uneins, ob Gottes Barmherzigkeit das letzte Wort hat oder doch Menschen sich für immer der Liebe Gottes verschließen können.

Biblische Belege gibt es für beide Seiten, und während der Kirchenvater Origenes († 254) davon ausging, dass am Ende Gott das letzte Wort hat und alle Menschen gerettet werden, geht Augustinus († 430) davon aus, dass es eine Scheidung der Menschheit gibt und die einen das ewige Leben und die anderen die ewige Verdammnis sehen werden.

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Volkswagen erhält Anti-Nobelpreis für Abgasaffäre

 Ausgerechnet für den Abgasskandal erhält Volkswagen einen
Ausgerechnet für den Abgasskandal erhält Volkswagen einen „Ig-Nobelpreis“, in der Kategorie „Chemie“. (Foto: dpa)
Forschung zu „pseudo-profundem Bullshit“ und der Persönlichkeit von Steinen: In Harvard werden die „Ig-Nobelpreise“ verliehen. Volkswagen gewinnt in der Kategorie „Chemie“.

Von Christoph Behrens | Süddeutsche.de

Für die meisten Forscher ist die Auszeichnung mit einem „Ig-Nobelpreis“ ein großer Spaß: Bei der schrillen Zeremonie in einer noblen Aula der Harvard University gibt es unter anderem zehn Billionen Dollar zu gewinnen. Zimbabwe-Dollar versteht sich. „Ig-Nobel“ ist ein Wortspiel, das Adjektiv „ignoble“ bedeutet so viel wie „unwürdig“. Der Preis versteht sich als scherzhafte Auszeichnung für Forschung, die es üblicherweise nicht in die Schlagzeilen schafft – überreicht wird er aber von echten Nobelpreisträgern.

Bei Volkswagen dürfte die Freude verhaltener ausfallen – der Autohersteller wurde vergangene Nacht in Boston für die Abgasaffäre in der Kategorie „Chemie“ ausgezeichnet. VW sei es gelungen, so die Jury, „exzessive Automobil-Schadstoffemissionen“ zu senken – wenn ein Auto gerade getestet wird. Als „Referenz“ fügen die Organisatoren die Originalmeldung der US-Umweltbehörde bei, die den Betrug öffentlich machte.

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Pseudowissenschaft: Ein bisschen Jungfrau bleibt

 Marienstatue auf einer Fronleichnamsprozession in München. (Foto: Alessandra Schellnegger)
Marienstatue auf einer Fronleichnamsprozession in München. (Foto: Alessandra Schellnegger)
  • Fünf Dutzend Wissenschaftler haben zehn Jahre lang für die katholische Kirche an einer neuen Übersetzung der Bibel gearbeitet.
  • In der neuen Textversion sind Frauen stärker repräsentiert – trotzdem ist sie näher an der Urfassung der Heiligen Schrift der Christen.
  • Die zentralen Positionen der Auslegung bleiben davon aber unberührt: Maria ist auch nach der Empfängnis Jesu eine Jungfrau.

Von Matthias Drobinski | Süddeutsche.de

Um gleich jene Katholiken zu beruhigen, denen die Tradition viel bedeutet: Ein bisschen Jungfrau bleibt. Ein bisschen Verunsicherung allerdings hält die neue Einheitsübersetzung der Bibel schon bereit, jenes 1500-Seiten-Werk, das vom Nikolaustag an die offizielle Übertragung von Gottes Wort im deutschsprachigen katholischen Raum sein wird. Denn in der alten Version heißt es beim Propheten Jesaia: „Seht, die Jungfrau wird ein Kind empfangen“.

Künftig aber wird dort stehen: „Seht, die Jungfrau hat empfangen“. Ist die Frau also erst Jungfrau und wird dann schwanger – auf welchem Weg auch immer? Im hebräischen Original steht ohnehin „junge Frau“, merken die Übersetzer an. Herrje – was wird aus dem katholischen Dogma, dass Maria, die Mutter Jesu, immer Jungfrau blieb?

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Porentiefer Blödsinn

Beauty treatment - Foto: Getty Images/iStockphoto/Voyagerix/iSTockphoto Beauty treatment - Foto: Getty Images/iStockphoto/Voyagerix/iSTockphoto
Beauty treatment – Foto: Getty Images/iStockphoto/Voyagerix/iSTockphoto Beauty treatment
Die Kosmetikindustrie wirbt mit esoterischen Versprechungen, die sie nicht halten kann. Billige Hautcremes genügen völlig, teure Produkte zu kaufen lohnt sich nicht.

Von Florian Aigner | futurezone.at

Falten im Gesicht müssen aus irgendeinem Grund etwas schrecklich Lebensbedrohendes sein, sonst würde man nicht derart erbittert gegen sie kämpfen. Erwachsene Haut soll sich anfühlen wie ein Babypopo – das redet uns die Werbung ein. Dabei ist ein Babypopo ansonsten nicht unbedingt ein Körperteil, an dem man sich ein Beispiel nehmen sollte.

Erstaunlich ist, welche merkwürdigen Inhaltsstoffe heute in atemberaubend teure Tiegelchen gefüllt werden. Wer die Aufschriften auf Kosmetikprodukten liest, könnte meinen, er habe sich in die Bibliothek eines Biochemie-Instituts verirrt: Von Coenzymen ist da die Rede, von Pro-Retinol, von Phytomeren und Vitamin-Komplexen. Doch wenn diese Wundermittel unter kontrollierten Bedingungen getestet werden, etwa von unabhängigen Konsumentenschutz-Vereinen, dann zeigt sich immer wieder: Viele Kosmetikprodukte halten nicht was sie versprechen, die superteure Luxuscreme kann meistens auch nicht mehr als das Billigprodukt in der Großpackung. Oft ist Kosmetik nichts als Schönheits-Esoterik, ein Placeboprodukt im hübschen Döschen.

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Michael Frensch über Anthroposophie „Als Anhänger verlieren Sie Ihre Freiheit“

Rudolf Steiner (Bild: public domain)
Rudolf Steiner (Bild: public domain)

Verleger Michael Frensch wurde in den 1968ern vom Atheisten zum Anthroposophen. Inzwischen hat er sich mit ihnen überworfen: wegen eines estnischen Mystikers

Das Interview führte Petra Schellen | taz.de

taz: Herr Frensch, sind Sie Anthroposoph oder Christ?

Michael Frensch: Es gibt keinen grundlegenden Unterschied zwischen Anthroposophie und Christentum. Anthroposophie-Begründer Rudolf Steiner legte Wert darauf, dass sich seine Lehre auf das Christentum gründet. Ich selbst bin erst durch die Anthroposophie wieder zum Christentum gekommen.

Wie kam das?

Da muss ich etwas ausholen. Ich bin ein echter 1968er. Habe an der Uni Frankfurt und dann in München studiert und war bald überzeugt von Feuerbachs Thesen über Religion und Christentum. Wurde dadurch Atheist und betrachtete Religion als Opium fürs Volk. Bis ich, 28-jährig, der Lehre Steiners begegnete. Ich war sofort angesprochen.

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Lange Nacht der Religionen in Berlin: Was glaubst du denn?!

Berliner Dom, Bild: bb
Berliner Dom, Bild: bb
“Was glaubst du denn?“ – Unter diesem Motto kann man heute in Berlin mit Buddhisten, Heiden, Hindus, Alewiten, Muslime, Juden und Christen ins Gespräch kommen. Zur Langen Nacht der Religionen präsentieren sich fast 90 Glaubensgemeinschaften. Der Eintritt ist überall frei.

Märkische Allgemeine

Fast 90 Glaubensgemeinschaften präsentieren sich heute zur Langen Nacht der Religionen in Berlin. Bis in die Nacht sind dafür Dutzende Gottesdienste, Andachten und Meditationen sowie Vorträge und Führungen geplant. Der Eintritt ist überall frei.

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Exorzist Amorth vom Teufel geholt?

Bild: Bill Flavell, FB
Bild: Bill Flavell, FB
P. Gabriele Amorth, der vielleicht berühmteste Exorzist der Welt, ist tot. Dies berichten italienische Medien.

kath.net

Amorth wurde im Jahre 1986 zum Exorzisten der Diözese Rom ernannt. Laut eigenen Aussagen hatte er etwa 70.000 Exorzismen durchgeführt. In zahlreichen Büchern hat er auch immer wieder vor dem Bösen gewarnt. „Das Böse existiert, aber es fürchtet unseren Herrn“, sagt Amorth bei Vorträgen. Glaube und Gebet seien daher ebenso wie der regelmäßige Empfang der Sakramente eine wirksamer Schutz gegen den Einfluss dämonischer Kräfte. Demut, ein Leben nach dem Evangelium, Nächstenliebe und Vergebung seien weitere Haltungen zum Schutz der Seele.

Happy Holi: Vom Hindu-Fest zum Partytrend

Menschen werfen beim Holi-Festival im südafrikanischen Johannesburg mit Farben um sich. Das Festival soll vor allem Zusammenhalt und einen
Menschen werfen beim Holi-Festival im südafrikanischen Johannesburg mit Farben um sich. Das Festival soll vor allem Zusammenhalt und einen „bunten Alltag“ fördern. (picture alliance / dpa / Kevin Sutherland)
Die Holi-Festival-Saison geht zu Ende. Den ganzen Sommer lang haben sich überall in Deutschland junge Menschen versammelt, um zu feiern – inspiriert vom indischen Holi. Dieses Fest, das religiöse Ursprünge hat, ist eines der ältesten Feste Indiens. An diesem Tag scheinen alle Schranken aufgehoben. Man besprengt und bewirft sich gegenseitig mit gefärbtem Wasser und Pulver.

Von Anna Marie Goretzki | Deutschlandfunk

„Holi, nehmt mal alle die Arme hoch!“

Partystimmung auf dem Vorplatz des Bruno-Plache-Stadions in Leipzig. Meist junge Menschen zwischen 17 und 24 tanzen zu Elektro und House Beats. Unter dem Motto „Feel the jungle“ feiern sie das „Holi Festival of Colours“.  Die Sonne steht im Zenit, Bässe dröhnen, der Alkohol fließt. Die Sommerparty ist ausverkauft.

„Wir kommen zu unserem ersten Countdown. Alle Farben hoch! Haltet alle Farben hoch. Ich will alle Farben in der Luft sehen. Einige von euch brauchen noch Zeit. Ist okay! Sind alle Farben oben?“ Die Menge antwortet leise: „Jaaaa!“ „Holi! Ich fragte: sind alle Farben oben?“ Die Menge antwortet lauter: „Jaaaa!“ „Dann zählt mit mir! Zehn, neun, acht, sieben, sechs, fünf, vier, drei, zwei“. Jubel ertönt.

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Die Verschwö­rungs­theorien der „Klima­wan­delskep­tiker“

Der Klimawandel ist eine wissenschaftliche Tatsache. Das hat jahrzehntelange Forschung von tausenden Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern ergeben. Rechtspopulisten interessieren sich nicht dafür und streiten den Klimawandel ab. Stattdessen raunt man lieber von einer Weltverschwörung.

Von Manuel Kaiser | Geschichte der Gegenwart

Der Klima­wandel – oder besser gesagt: der angeblich ausblei­bende Klima­wandel gehört zu den Lieblings­themen rechts­kon­ser­va­tiver und rechts­po­pu­lis­ti­scher Kreise. Man könnte beliebig viele Beispiele von Politikern aufführen, die insbe­sondere in den sozialen Netzwerken, den Klima­wandel und seine Folgen relati­vieren, verharm­losen oder ganz abstreiten.

Dabei verwechselt Donald Trump ab und an schon einmal „Wetter“ mit „Klima“, wenn er einen kühlen New Yorker Julitag als Beweis für den ausblei­benden Klima­wandel anführt. Der fleissige Twitter–User und SVP-Nationalrat Claudio Zanetti wiederum spottet nicht nur regel­mässig über „Klima­hys­te­riker“, sondern verlinkt immer wieder Texte, die auf angeb­liche Wider­sprüche der Klima­for­schung hinweisen.

Das sind keineswegs verstreute Einzel­mei­nungen von besonders extremen Exponenten. Die rechten Parteien haben sich die „Klima­wan­delskepsis“ auch in ihre Programme geschrieben: Die Alter­native für Deutschland streitet in ihrem kürzlich verab­schie­deten Grund­satz­pro­gramm die Existenz des Klima­wandels grund­sätzlich ab. Beklagt wird hingegen eine „Dekar­bo­ni­sierung“.

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Dalai Lama: Moral wichtiger als Religion

Dalai Lama in Hamburg, 1998. Foto: Jens NagelsEr ist wohl einer der in Deutschland beliebtesten religiösen Führer: der Dalai Lama. Das könnte auch an seiner differenzierten Sicht auf den eigenen Glauben liegen. Am Donnerstag schlug er vor, für die Moral nicht-religiöse Grundlagen zu suchen.

evangelisch.de

Der Dalai Lama hat bei einem Europa-Besuch für nicht-religiöse moralische Grundsätze geworben. Er selbst sei an einem Projekt beteiligt, das im kommenden Jahr ein Curriculum über moralische Prinzipien vorstellen wolle, „ohne irgendeine Religion zu berühren“, kündigte der Friedensnobelpreisträger vor dem Europarat in Straßburg an. Sich selbst wiederholt durch Lachen und heitere Bemerkungen unterbrechend, rief der buddhistische Mönch zu einem neuen Bildungssystem auf, das sich stärker inneren Werten widme.

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Leah Remini – wie ich Hollywood und Scientology überlebte

Bild: HuffPo
Bild: HuffPo
30 Jahre lang war Schauspielerin Leah Remini (47, „King of Queens“) Mitglied bei Scientology. Doch im Jahr 2013 verließ sie die Glaubensrichtung und überwarf sich offenbar mit ihr. Ab 12. September ist ihr Enthüllungsbuch „Troublemaker: Wie ich Hollywood und Scientology überlebte“ (mvg Verlag, 280 Seiten, 19,99 Euro) in Deutschland erhältlich. Darin berichtet sie über ihr Leben mit Scientology. Und was der Ausstieg für sie bedeutete. Allein ihre Widmung spricht Bände. Sie widmet das Buch ihrer Familie und Freunden – „Und auch jedem anderen Nonkonformisten oder ‚Troublemaker‘, auf dass ihr auch weiterhin stets die Wahrheit sagen mögt.“

The Huffington Post

Auf einer weiteren Seite steht der Satz: „In einer Zeit der universellen Täuschung ist es ein revolutionärer Akt, die Wahrheit zu sagen.“ Bereits im Vorwort stellt Remini klar, dass sie eine Abtrünnige sei, und Dinge getan habe, auf die sie nicht stolz sei. Sie gesteht intimste Geheimnisse aus ihrem Leben und dem ihres Mannes und ihrer Eltern. Warum macht sie das? „Wenn die Church of Scientology dieses Buch in ihre Finger bekommt, kann es gut sein, dass sie viel Geld in die Hand nimmt, um Anzeigen zu schalten, Websites zu erstellen und Prominente mit öffentlichen Erklärungen vorzuschicken, die behaupten, ihre religiösen Überzeugungen würden angegriffen – alles in dem Versuch, mich zu diskreditieren, indem sie mich und alle in meinem Umfeld in Misskredit bringt“, schreibt die 47-Jährige.

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Sektenland Schweiz: Die Welt der Heilsversprechen

Von den andern abgeschottet, hin zum Angebeteten. Gottesdienst der Pfingstler in Santiago de Chile. (Bild: Heiner Heine / Imagebroker / Mauritius)
Von den andern abgeschottet, hin zum Angebeteten. Gottesdienst der Pfingstler in Santiago de Chile. (Bild: Heiner Heine / Imagebroker / Mauritius)
Früher lockten Sekten mit dem Ausstieg aus der Leistungsgesellschaft, heute versprechen sie Selbstoptimierung. Sie wollen für einen Lifestyle stehen – was den Einstieg erleichtert.

Von Katrin Schregenberger | Neue Zürcher Zeitung

«7. November 2010: Es ist so weit – habe meine Zugehörigkeit zur Religionsgemeinschaft auch offiziell beendet», schreibt S. W. an diesem Tag in sein Austritts-Protokoll. Er ist nun kein Zeuge Jehovas mehr. Er sieht eine neue Welt. «Es ist, wie wenn man an einem kalten, regnerischen Tag aus dem Bett steigen und die Fensterläden öffnen muss», erinnert sich der Aargauer fünf Jahre später. Im Bett zu bleiben, wäre gemütlicher. Aber im Bett verpasst man das Leben.

In der Schweiz gibt es rund 19 000 Zeugen Jehovas. Wie viele Mitglieder die zweite grosse Sekte der Schweiz, Scientology, hat, ist unklar. Fachleute gehen von rund 800 aktiven Mitgliedern aus. Die beiden Gruppierungen haben an Dominanz aber eingebüsst: Mittlerweile gibt es in der Schweiz unzählige kleine Gruppierungen mit sektenhaften Zügen. «In den letzten 20 Jahren hat sich der Markt pulverisiert», sagt Susanne Schaaf von der Beratungsstelle Infosekta. Dies einerseits zugunsten der Esoterik-Szene: Schamanistische Behandlung, Lebenshilfeangebote, Persönlichkeitsseminare, Jenseitskontakte und Fernheiler seien verbreitet.

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Billy Graham: Den Teufel gibt es wirklich – see a Doctor

Image: Matt Anderson/Friendly Atheist
Image: Matt Anderson/Friendly Atheist

US-Evangelist: Hauptziel Satans ist es, Menschen von Christus zu entfremden – Jedoch sei es einer der erfolgreichsten Tricks des Teufels, die Menschen davon zu überzeugen, dass es ihn gar nicht wirklich gebe.

kath.net

Der Teufel ist real. Dieser Ansicht ist der US-amerikanische Evangelist Billy Graham (Montreat/Bundesstaat Nord Carolina). In einer Kolumne auf der Internetseite der von ihm gegründeten Billy-Graham-Gesellschaft warnt der 97-jährige Evangelist davor, Satan lediglich für einen Mythos zu halten. Er sei heute „ebenso am Werk wie vor Jahrzehnten“.

Jedoch sei es einer der erfolgreichsten Tricks des Teufels, die Menschen davon zu überzeugen, dass es ihn gar nicht wirklich gebe. Er versuche, Gottes Pläne zu durchkreuzen, wo er nur könne. Manchmal seien die Angriffe des Teufels sehr offensichtlich, oft hingegen subtil und versteckt. Eines seiner Hauptziele sei es, Menschen von Christus zu entfremden. Graham ermutigte Christen dazu, täglich in der Bibel zu lesen, im Gebet das Gespräch mit Jesus zu suchen sowie Gemeinschaft mit anderen Christen zu haben. Auf diese Weise könnten sie den Angriffen des Teufels trotzen.

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