Wie zwei Männer mithilfe der Bibel einen Massenmord in der Arktis entfachten

Bild: VICE.com
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Der Winter 1941 war eine schwierige Zeit für die kanadischen Belcherinseln – und das war, bevor neun Menschen in einer Teufelspanik ihr Leben ließen

Von Seth Ferranti | VICE.com

Die Jagderträge waren dürftig im Winter 1941. Außerdem hatte ein Meteoritenschauer einige Inuit auf den Belcherinseln glauben lassen, dass die Welt bald untergeht. Etwa zu dieser Zeit geschah es, dass der 27-jährige Schamane Charlie Ouyerack sich selbst zu Jesus Christus und seinen Freund, Peter Sala, zu Gott ernannte.

Der erste heilige Akt des Duos bestand darin, die Schlittenhunde töten zu lassen. Damit war ein Entkommen für Gläubige und Skeptiker gleichermaßen schwer.

Eine Teenagerin, Sara Apawkok, stellte die selbsternannten Religionsführer öffentlich in Frage und wurde prompt zur Teufelin erklärt. Eifrige Konvertiten nahmen sich der Sache an und schlugen ihr mit einem Gewehrkolben den Kopf ein. Weitere Morde folgten.

Die Belcherinseln sind ziemlich abgelegen, aber sie befinden sich auch nicht im Nirgendwo. Sie bestehen aus einer Ansammlung von 1.500 Felsen in den turbulenten Ostgewässern der Hudson Bay. Heftige Winde, Gletschergeröll, Granitkiesel und das eiskalte Meer bestimmen das Bild der Inselgruppe.

In seinem neuen Buch, At the End of the World: A True Story of Murder in the Arctic, setzt Lawrence Millman die Belcherinsel-Morde unserem modernen Bildschirmleben gegenüber. Für ihn ist unsere Besessenheit mit der digitalen Welt selbst zu einer Religion geworden, die das Ende einer bestimmten Art zu leben einläutet. Das mutet vielleicht wie das Gemecker eines verbohrten Fortschrittsskeptikers an – VICE sprach mit Millman, der noch nicht mal ein Handy besitzt, übrigens per Festnetz – , aber nur wenige westliche Autoren sind so erfahren darin, sich ernst und gründlich mit anderen Kulturen – insbesondere den Inuit – zu befassen.

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Einblick in die alte Götterwelt des Voodoo

foto: gänsler Am Strand von Ouidah feiern tausende Menschen den Voodoo-Tag. Manche sehr, manche weniger bunter gekleidet.
foto: gänsler Am Strand von Ouidah feiern tausende Menschen den Voodoo-Tag. Manche sehr, manche weniger bunter gekleidet.
In keinem anderen Land wird Voodoo so sehr gefeiert wie in Benin. Dort gibt es sogar einen eigenen Feiertag, der seltene Einblicke ermöglicht

Von Katrin Gänsler | derStandard.at

Lucien Houngan strahlt und reckt den rechten Arm in die Höhe. „Die Stimmung hier ist super“, brüllt er gegen den Lautsprecher an. Er dreht sich nach rechts und links um. Die Augen des jungen Mannes bleiben an einer Gruppe von Frauen kleben, die alle ganz in Weiß gekleidet und aufwendig geschminkt sind. Vor der Porte du Non Retour am Strand von Ouidah tanzen sie sich in Ekstase. Houngan genießt es, ihnen dabei zuzuschauen. „Wir feiern hier schließlich unsere Kultur.“

Das machen im westafrikanischen Benin jedes Jahr am 10. Jänner tausende Menschen. Seit 1998 ist der Voodoo-Tag ein offizieller Feiertag. Besonders beliebt ist das Fest rund um das Sklavendenkmal Porte du Non Retour. Ouidah – eine Autostunde westlich der Wirtschaftsmetropole Cotonou gelegen – ist nicht nur Voodoo-Hauptstadt. Von hier aus sind auch Millionen Menschen versklavt worden. Ihre Religion haben sie mitgenommen. So ist sie neben Benin unter anderem auch in Haiti offiziell anerkannt.

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Impfgegner sind wissenschaftsfeindliche Egoisten

Guten Schutz bietet nur die Impfung
Guten Schutz bietet nur die Impfung
Der künftige US-Präsident Donald Trump besetzt eine Impfkommission mit einem Verschwörungstheoretiker. So macht er einen Bock zum Gärtner und Impfgegnerschaft damit leider gesellschaftsfähig, meint Fabian Schmidt.

Von Fabian Schmidt | Deutsche Welle

In dieser Woche erklärte der Jurist und Umweltaktivist Robert F. Kennedy Jr., dass Donald Trump ihn beauftragt habe, eine Kommission zur Sicherheit von Impfungen in seiner neuen Regierung zu leiten.

Diese Ernennung ist ein Skandal! Denn Kennedy – ein Enkel des einstigen US-Präsidenten John F. Kennedy – ist Anhänger einer Verschwörungstheorie, die sich gegen die US-Gesundheitsbehörde CDC (Center for Disease Control and Prevention) richtet.

Er unterstellt dem CDC, dass es Forschungen unterdrückt, die zeigen sollen, dass ein Kombinationsimpfstoff gegen Masern, Mumps und Röteln (MMR) Autismus hervorrufen kann.

Fake-News gegen verifizierbare Forschungsergebnisse

Diese vermeintlichen Forschungsergebnisse wurden allerdings längst als Fälschungen entlarvt und es gibt auch keinen wissenschaftlich haltbaren Beweis für eine Verbindung zwischen Autismus und dem MMR-Impfstoff.

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Aberglaube oder Fakt? Ist Freitag, der 13., wirklich ein Unglückstag?

 Mythos
Mythos „Freitag, der 13.“: Viele Menschen fürchten sich vor Unfällen und anderen Unglücken am „schwarzen Freitag“. Zu Recht? © Marc Müller/DPA
Mythos „Freitag, der 13.“: Jedes Jahr hat mindestens einen dieser Freitage, die bei vielen Menschen schwarz im Kalender stehen. Die Angst vor dem angeblichen Unglückstag hat sogar einen eigenen Namen. Aber wie gefährlich ist der „schwarze Freitag“ wirklich?

stern.de

„Paraskavedekatriaphobie“ nennt man die irrationale Furcht vor einem Freitag, den 13., die Menschen dazu bringt sich im Haus zu verschanzen und sogar Urlaube abzusagen. Der Aberglaube, dass es sich bei diesem Tag um einen Unglückstag handelt, sitzt bei vielen Menschen tief. Dabei ist der „schwarze Freitag“ ungefähr so gefährlich wie die schwarze Katze, die die Straße überquert. Statistiken zufolge passieren am Freitag den 13. nicht mehr Unglücke und Unfälle als an anderen Tagen, wie eine aktuelle Untersuchung der Zurich-Versicherung zeigt. Die Auswertung zeigt deutlich, dass im Schnitt sogar eher weniger Schäden passieren.

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Verschwörungstheorien zum Breitscheidplatz nach Absurdität geordnet

Wer war’s? Die USA? Die Juden? Oder waren alle sowieso nur Schauspieler?

Von Stefan Lauer | VICE.com

An Verschwörungstheorien zu glauben, muss unglaublich unterhaltsam sein. Plötzlich bist du kein gelangweilter Industriemechaniker mehr, der im Arbeitszimmer der Mietwohnung YouTube-Videos anschaut und wütende Kommentare unter Facebook-Posts schreibt, sondern ein bisschen wie James Bond. Die Welt ist nicht mehr komplex und schwer verständlich, sondern einfach. Du brauchst vor allem keine langweiligen Zeitungsartikel: Es reicht, ein paar Blogs zu lesen und ein paar Videos anzuschauen, und schon bist du Experte in Außen-, Finanz- und Innenpolitik. Genau wie der Fußballfan, der immer der bessere Trainer ist, bist du der bessere Polizist, Politiker oder Geheimdienstler. Und nicht nur das, du bist auch der einsame Kämpfer für die Wahrheit, und dass du schon wieder keine Gehaltserhöhung bekommen hast und das extraweiche Klopapier bei Lidl ausverkauft war, ist damit schon wieder halb so schlimm.

Die Absolventen der YouTube-Universität wissen natürlich auch alles über den Terroranschlag am Breitscheidplatz und vor allem wissen sie, dass die Realität ganz anders aussieht, als die Medien und Ermittlungsbehörden sie darstellen. Diese „Theorien“ sind auf den ersten Blick skurril. Auf den zweiten Blick aber unangenehm und perfide. Opfer und ihre Familien werden verhöhnt und natürlich ist es nur ein kleiner Schritt (bei einigen ist keiner nötig), bis die selbstgezimmerten Gedankenkonstrukte zu übelstem Antisemitismus und Rassismus werden. Wir verlinken deshalb auch nicht auf die entsprechenden Verschwörungsseiten.

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Pegida-Ableger: Legida macht nur noch Kabarett

Das weltoffene Dresden gewinnt die Oberhand, die Pegida-Wutbürger finden nicht mehr genug Ordner für ihre Umzüge. Foto: imago/Rainer Weisflog
Das weltoffene Dresden gewinnt die Oberhand, die Pegida-Wutbürger finden nicht mehr genug Ordner für ihre Umzüge. Foto: imago/Rainer Weisflog
Dem fremdenfeindlichen Bündnis Legida geht die Luft aus – sowohl in Leipzig als auch in der sächsischen Landeshauptstadt Dresden.

Von Bernhard Honnigfort | Frankfurter Rundschau

Leipzig ist sie erst mal los: Anfang der Woche hat Legida kapituliert. „Wir werden uns hier auf der Straße zukünftig zurücknehmen“, verkündete Arndt Hohnstädter, einer der Anführer des fremdenfeindlichen Bündnisses in der sächsischen Messestadt. Seine Begründung: Angesichts der Sicherheitslage in Deutschland könne Legida mit seinen Kundgebungen keinen Anspruch auf Polizeischutz erheben. Polizisten bräuchten auch einmal Feierabend.

Klingt nett, doch tatsächlich ist Legida schlicht und einfach am Ende. Gerade noch 400 Leute brachten die Abendlandsretter in dieser Woche auf die Beine, 1700 protestierten dagegen. Legida war in Leipzig von Anfang an chancenlos. Die breite Ablehnung durch die Leipziger hat den von Hooligans und Neonazis dominierten kleinen Bruder von Pegida-Dresden zermürbt. Zukünftig will sich Legida mehr im Internet umtun und Kabarettabende veranstalten. Jürgen Kasek, Landeschef der Grünen: „Durch kontinuierlichen Gegenprotest haben die irgendwann einfach die Lust verloren.“

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Idiotie: Die Geschichte hinter zehn Globuli im Ohr einer Vierjährigen

 Fremdkörper im Ohr finden HNO-Ärzte relativ häufig, so Dr. Christian Lübbers. Globuli sind jedoch eher ungewöhnlich Quelle: picture alliance / blickwinkel; Getty Images
Fremdkörper im Ohr finden HNO-Ärzte relativ häufig, so Dr. Christian Lübbers. Globuli sind jedoch eher ungewöhnlich Quelle: picture alliance / blickwinkel; Getty Images
„Total tapfer“ erduldete ein kleines Mädchen mit Mittelohrentzündung den Besuch beim HNO-Arzt. Der Mediziner staunt nicht schlecht, als er in ihrem Ohr vom Heilpraktiker verordnete Zuckerkügelchen findet.

Von Marie von der Tann | DIE WELT

Ohrenschmerzen und Fieber – für HNO-Arzt Dr. Christian Lübbers aus dem oberbayerischen Weilheim im Grunde Tagesgeschäft. Als Eltern mit ihrem vierjährigen Kind sein Behandlungszimmer betraten, dachte er an nichts Außergewöhnliches. Kuriose Fälle muten anders an.

Und dann wurde es doch noch schräg: Bei genauerer Inspektion des Gehörgangs des Kindes entdeckte er zehn runde weiße Kügelchen – teilweise bereits aufgelöst „in einer ziemlich ekligen Pampe“, wie der behandelnde Arzt der „Welt“ erzählt. Nach Rücksprache mit den Eltern stellte sich heraus: Es sind die Reste einer Vorbehandlung, die im klassischen Sinne gut gemeint, aber nicht gut gemacht war und auf einem gravierenden Missverständnis beruhte. Im Ohr befanden sich Globuli-Perlen.

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Wie in Polen jungen Menschen der Teufel ausgetrieben wird

Bild: VICE.com
Foto: Wikimedia Commons | Onenna59 | CC BY-SA Bild: VICE.com
„Ich habe lange überlegt, ob ich lieber zum Psychologen gehen sollte. Doch der Exorzist meinte, die würden mich nur mit Pillen vollstopfen.“

Von Nadine Wojcik | VICE.com

Die Journalistin Nadine Wojcik recherchierte mehrere Monate lang in Polen zu Exorzismus, sprach mit Priestern, „Besessenen“ und Psychologen. Denn dort dürfen mittlerweile offiziell 130 Exorzisten den Gläubigen den Teufel austreiben. Besonders junge Frauen sind betroffen. Die vollständige Reportage Wo der Teufel wohnt ist als Buch und E-Book beim Verlag mikrotext erschienen.

Als Agnieszka an die Reihe kommt, ist sie bereits zerstört. Wartend hatte sie sich auf die Bank in der Ecke des Flures verkrochen, den Kopf auf die Unterarme abgestützt. Nun bleibt sie an der Türschwelle des Exorzistenzimmers stehen, geht zaghaft zwei Schritte zurück, als ob ihre Füße bestimmen, wo es lang geht. Hält der Teufel sie zurück? Oder die quälende Erfahrung? Agnieszka ist 15 Jahre alt, als ihr ein dummer Spruch rausrutscht. In der Pause steht sie mit Freunden und dem Religionslehrer, einem Pfarrer, auf dem Gang. „Ich hasse sie“, sagt Agnieszka plötzlich, als eine Nonne in schwarzer Tracht, die ebenfalls Religion unterrichtet, vorbeirauscht. Das war’s. Mehr nicht. Zur Erinnerung: Agnieszka ist ein Teenager. Sie steht mit Freunden im Schulflur. Mit 15 sagt man so manches, um Jungs zu gefallen, um als mutig zu gelten, als provozierend, witzig, als respektlos gegenüber Erwachsenen.

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Sektenführer wegen Bildung einer kriminellen Vereinigung verurteilt

Sektenbosse von Colonia Dignidad haben Kinder missbraucht und Regimegegner gefoltert und umgebracht.

Von Hugo Stamm | watson.ch

Radikale Glaubensgemeinschaften und Sekten sind politisch häufig am rechten Rand angesiedelt oder haben faschistoide Haltungen und Tendenzen. Das ist keine Überraschung, sondern ist eine logische Konsequenz ihrer Heilslehre und Strukturen. Denn autoritäre Systeme laufen stets Gefahr, rechtsradikale Züge zu entwickeln.

Konkret: Sie werden in der Regel von machtbesessenen Führern oder Gurus gegründet und sind rückwärts gewandt, weil sie ihre reaktionären Ideen konservieren wollen. Der Scientology-Gründer Ron Hubbard zum Beispiel wollte in seinem Machtrausch die ganze Welt scientologisch machen und die Demokratie abschaffen.

Das Phänomen ist auch beim Opus Dei, einer Art Geheimloge, auszumachen. Die reaktionäre katholische Bewegung im Rang eines Bistums möchte das Rad der Zeit zurückdrehen. Auch die Zeugen Jehovas sind eine autoritäre Freikirche, die den geistigen Spielraum ihrer Gläubigen einengt.

Weiter vertreten viele esoterische Gruppen und Bewegungen ein reaktionäres Gedankengut, das teilweise aus der Wiedergeburt- und Karmatheorie resultiert. Nicht von ungefähr sprechen Fachleute von der „braunen Esoterik“.

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Nikola Tesla: Der Erfinder des 20. Jahrhunderts

Nikola Tesla war ein Erfinder mit vielen Gesichtern.© wikimedia
Nikola Tesla war ein Erfinder mit vielen Gesichtern.© wikimedia

Nikola Tesla war ein Pionier der Energieübertragung – dennoch gilt er nur in New-Age-Kreisen als Prophet.

Von Edwin Baumgartner | Wiener Zeitung

Tippt man „Tesla“ ins Google-Suchfeld, kommen „ungefähr 189 Millionen Ergebnisse“. Bis zur sechsten Seite betreffen die Meldungen nur das Elektroauto. Erst auf Seite sieben erfährt man erstmals, dass es auch einen Mann dieses Namens gegeben hat. Sein Vorname war Nikola: Offenbar ein wichtiger Erfinder. Das bekannteste Foto zeigt ein Gesicht, das durch den Oberlippenbart kaum altert. Die Haare sind schwarz, die Züge südländisch, die Augen forschen. Der Fotografierte wirkt hochmütig, er weiß um sein gutes Aussehen. Einen jungen Adeligen könnte man sich so vorstellen, eine Figur bei Stefan Zweig oder Thomas Mann.

In Wahrheit ist dieser Nikola Tesla Genie und Scharlatan zugleich. Tesla entdeckte den Wechselstrom und erfand Übertragungsmöglichkeiten. Ein Großteil unserer heutigen Alltagsstromversorgung basiert auf seinen Patenten. Auch der Funk beruht auf Teslas Erkenntnissen zur drahtlosen Energieübertragung: Tesla – der Erfinder, der die Gegenwart ermöglichte.

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Kutschera und die Gender-Ideologen

Bild: FB
Bild: FB

Ich war am 19. Dezember bei einem Vortrag des Biologen Ulrich Kutschera in Hamburg, der von der örtlichen Regionalgruppe der Giordano Bruno Stiftung und von der Richard Dawkins Foundation veranstaltet wurde und danach war ich mit den Leuten essen. Jetzt habe ich Zeit, ein paar Kommentare zur Veranstaltung nachzutragen. Insbesondere soll es um die Gender-Ideologie gehen und ob sie wirklich auf John Money zurückgeführt werden kann.

Von Andreas Müller | Richard-Dawkins-Foundation

Zunächst einmal: Ich finde es insgesamt gut, was Herr Kutschera macht und wie er den Gender-Ideologen auf die Nerven geht. Das habe ich ihm auch gesagt. Gender Studies ist keine Wissenschaft, sondern eine linksradikale politische Ideologie. Gender-„Forscherinnen“ (so gut wie nie männliche Forscher) sind marxistische Ideologen mit politischer Macht, gesellschaftlichem Einfluss und Steuergeldern, die auf ihre Lehrtätigkeiten verteilt werden, wobei sie überhaupt nichts davon durch ihre Leistungen auch nur im Ansatz verdient haben.

Herrn Kutschera wird gerne vorgeworfen, dass er von den Gender Studies nicht viel verstehe und seine Kritik recht eindimensional ausfalle. Er scheint die Gender-Ideologie vor allem auf ein Experiment des US-Psycho-Erziehers John Money zurückzuführen, das mit dem Selbstmord eines Mannes endete, der als Kind zu einer Frau „umoperiert“ worden war. Die Gender-Ideologen halten demnach an den Annahmen von John Money fest (denen die Feministen Alice Schwarzer und Judith Butler auch explizit zustimmten), dass das Geschlecht von Menschen größtenteils sozial konstruiert sei. Obwohl er widerlegt wurde.

John Money mag wohl auch eine wichtige legitimierende Rolle für den modernen Feminismus gespielt und einige konkrete Ideen geliefert haben, aber die grundlegende Ideologie und Motivation der Feministen hat gar nichts mit Wissenschaft zu tun. Noch nicht einmal zu dem Grade, dass die Gender-Ideologen an widerlegten Theorien festhalten. Im Gegensatz zu dem Vorwurf, Kutschera wäre unfair gegenüber den Gender-Ideologen, finde ich, dass er noch viel zu wohlwollend ist. In sein stark naturwissenschaftlich geprägtes Weltbild lassen sich quasi-religiöse Politideologen nur sehr schwer einordnen. Seine Darstellung geht grundsätzlich davon aus, dass die Gender-Ideologen an der Wahrheit interessiert sind, dass ihnen wissenschaftliche Studien wichtig sind. Das sind sie überhaupt nicht. Wissenschaftliche Studien sind für sie nur Mittel zum Zweck, gegenüber der Öffentlichkeit für ihre irrationale und durch gar nichts fundierte Ideologie zu werben.

Und diese Ideologie gibt es schon sehr viel länger als John Money und seine Thesen. Die wichtigsten modernen (beginnend mit dem 19. Jahrhundert) feministischen Vordenkerinnen, die an den „Konstruktionen“ von Mann und Frau rüttelten, waren praktisch ausnahmslos Marxisten. Das ist kein Zufall. Die Ideologie, die schon seit über 100 Jahren die bürgerliche Gesellschaft („Bourgeoisie“) und darunter explizit die Familie zerstören will, wurde von praktisch allen feministischen Vordenkerinnen geteilt. Das ist die essenzielle Erklärung für den Gender-Wahn: Das alte Bestreben von Linksradikalen, die traditionelle Familie zu zerstören. Moderne Strategien wie Gender Mainstreaming sind nur ein Methode, dieses Ziel zu erreichen, aber nicht konstitutiv. Hier ein Überblick über die Ideologie einiger der wichtigsten Feministinnen des 19. und 20. Jahrhunderts, größtenteils zitiert aus Wikipedia und der Rest ist ebenso einfach nachzuprüfen:

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Ein Bayer deutet dem Kaiser von China die Sterne

1720 ernannte Kaiser Kangxi den Landsberger Jesuitenpater Ignaz Kögler (Zeichnung) zu seinem Hofastronomen.
1720 ernannte Kaiser Kangxi den Landsberger Jesuitenpater Ignaz Kögler (Zeichnung) zu seinem Hofastronomen.
Im Jahre 1716 macht sich Ignaz Kögler auf den Weg nach China. Der dortige Herrscher Kangxi schätzt den aus Landsberg stammenden Missionar. Nur der Papst machte ihm das Leben schwer.

Von Hans Holzhaider | Süddeutsche.de

Von Kanton nach Peking sind es 2100 Kilometer; mit der Metrobahn schafft man das heute in knapp 16 Stunden. Im Jahre 1716, als Ignaz Kögler aus Landsberg am Lech und seine Gefährten Karel Slavíček aus Böhmen und Nicolo Gianpriamo aus Neapel sich auf den Weg machten, war es eine Reise, für die man gut und gern acht Wochen veranschlagen musste, auch wenn man, wie die drei Jesuitenpatres, mit kaiserlichem Geleitschutz unterwegs war.

Die schnellste Verbindung von Kanton nach Peking wäre die mit dem Schiff entlang der Küste nach Norden gewesen, aber dort lauerten Piraten. Deshalb nahm man die „Gesandtschaftsroute“: von Kanton auf dem Fluss Beijiang stromaufwärts bis Nanxiong, von dort über den Pflaumenbaum-Pass nach Nangang, dann wieder mit dem Schiff auf dem Ganjiang-Fluss bis Nanchang. „Nachdem wir allda zwei Tag zugebracht, haben wir unsere reis zu Landt fortgesetzt, weil sowohl die widerwertige wind, alss die harte winterskälte uns die längere schiffarth nit gestatten wollten“, schrieb Ignaz Kögler an seinen Bruder Andreas daheim in Landsberg.

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Die Sprache der „besorgten Bürger“

Bild. heise.de/tp
Bild. heise.de/tp
Im Ventil Verlag erscheint im Dezember ein „Wörterbuch des besorgten Bürgers“, dazu gibt es auch den Blog Sprachlos. Die Sprache dieser besorgten Bürger ist ambivalent, was sich in einem speziellen Sprachverständnis des besorgten Bürgers zeigt. Es werden eigene Wörter geprägt oder bestehende Wörter umgedeutet. Das ist ziemlich alltäglich, wenn man eine lebendige Sprache beobachtet. Der Inhalt jedoch macht klar: Hinter den Wörtern steckt eine intolerante Sicht gegenüber Fremden.

Von Dominik Irtenkauf | TELEPOLIS

Zunächst ist es noch eine abstrakte Furcht. Wenig später werden die Feinde identifiziert. Die Wörter beschwören einen Notstand. Durch die häufige Verwendung in den sozialen Medien und in Hashtags tendieren die Wörter zu Schlagbegriffen. Die Insider-Gruppe wie auch die Außenwelt sollen sofort erkennen, um was es geht. Manche der Wörter wirken harmlos, doch unter der Oberfläche stößt man auf gefährliches Unterholz.

Tobias Prüwer, einer der vier Herausgeber, geht im Interview auf die Besonderheiten des Bürgerwortschatzes ein. Prüwer studierte Philosophie und Geschichte in Leipzig und Aberdeen. Seit 2009 ist er Theaterredakteur beim kreuzer Magazin.

Das „Wörterbuch des besorgten Bürgers“ führt den Wortschatz der besorgten Bürger auf. Was kann man sich unter einem „besorgten Bürger“ vorstellen?
Tobias Prüwer: Der Begriff „besorgte Bürger“ ist selbstredend doppelbödig. Es ist die – zumindest – anfängliche Selbstcharakterisierung jener Menschen, die bei Pegida demonstrieren oder AfD wählen à la: Wir sind nicht rechts, wir sind besorgte Bürger. Die Medien griffen das beschönigende Etikett auf, bis sie differenzierter berichteten. Kurzum: Der Begriff ist ein Behelfsbehälter für all jene Positionen und Aussagen, die seit einigen Jahren mit Autoren wie Thilo Sarrazin und Akif Pirinçci, Pegida und AfD salonfähig wurden, aber auch woanders herumspuken, etwa wenn Wolfgang Schäuble entmenschlichend von „Flüchtlingslawine“ spricht.

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Riesenasteroid, Nazi-Bunker, Alien-Station oder was?

Bild: NASA/heise.de
Bild: NASA/heise.de
Die geheimnisvolle Gravitationsanomalie in der Antarktis ist seit vielen Jahren bekannt. Nun macht sie wieder von sich reden.

Von Andreas Stiller | heise.de

In der schweizerischen Polarnews stands schon vor acht Jahren, jetzt wurde zu Weihnachten wohl nicht ganz zufällig kurz vor der Amtsübernahme von Donald Trump das alte NASA-Material auf Youtube unter dem Titel „Satellite Detects MASSIVE Object Under Antarctica 12/27/16“ erneut hübsch in Szene gesetzt, versehen mit allerlei Verschwörungs- und anderen Theorien. Das hat binnen kurzem über eine Million Aufrufe produziert. Vielleicht wollte die NASA oder einige ihr nahestehende Wissenschaftler aus dem UFO-Lager vom „UFO hunting crew Secure Team 10“ noch mal unter Beweis stellen, dass die Erdbeobachtung per Satellit weit mehr zutage fördert als nur Material zum Klimawandel.

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Erdogan sieht Türkei in „neuem Unabhängigkeitskrieg“

erdoganNationale Einheit, territoriale Integrität, Institutionen, Wirtschaft, und Außenpolitik der Türkei würden scharf angegriffen, sagt Präsident Erdogan in seiner Neujahrsbotschaft.

Die Presse.com

93 Jahre nach der Gründung der türkischen Republik sieht Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan sein Land einem „neuen Unabhängigkeitskrieg“ ausgesetzt. „Die nationale Einheit, territoriale Integrität, Institutionen, Wirtschaft, Außenpolitik, kurz alle unsere Elemente, die uns als Staat aufrecht erhalten, werden scharf angegriffen“, erklärte Erdogan in seiner Neujahrsbotschaft am Samstag.

„Terrororganisationen sind nur die sichtbaren Gesichter und Werkzeuge dieses Kampfes. Wir kämpfen im Wesentlichen gegen die Mächte hinter diesen Organisationen.“ Der Präsident machte keine Angaben dazu, um welche Mächte es sich dabei handeln könnte.

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Glockenexperte: Läuten zu Silvester hat keine kirchlichen Wurzeln

Wenn in der Silvesternacht die Kirchenglocken das neue Jahr einläuten, hat das nach Ansicht des Experten Andreas Philipp keine christlichen Wurzeln. „Wie beim Böllern klingt dabei ein bisschen das Vertreiben von Geistern und dunklen Mächten mit“, sagte der Glocken-Sachverständige der hannoverschen Landeskirche dem Evangelischen Pressedienst (epd). Inschriften auf Glocken deuteten noch auf die mittelalterliche Überzeugung hin, mit dem Glockenklang verbreite sich Segen. „Streng liturgisch besteht für die Kirchen dagegen kein Anlass zu läuten. Das Kirchenjahr beginnt ja schon am 1. Advent.“

evangelisch.de

Im Mittelalter habe der Beginn des weltlichen neuen Jahres für die Kirche wohl keine große Rolle gespielt, sagte Philipp. Zudem hätten die Glocken per Hand geläutet werden müssen. „Man musste die Leute dafür bezahlen. Da wird es ein großes Geläut nur an hohen kirchlichen Feiertagen gegeben haben.“

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„Heiliger Teufel“: Wie Rasputin zum Mythos wurde

Rasputin im Jahr 1869 / Bild: (c) imago/United Archives Internatio (imago stock&people)
Rasputin im Jahr 1869 / Bild: (c) imago/United Archives Internatio (imago stock&people)
Vor 100 Jahren wurde der russische Wanderprediger und Zarenberater Rasputin ermordet. Ihm wurden Wunderheilungen ebenso zugeschrieben wie wilde Orgien.

Von Maria Kronbichler | Die Presse.com

Er habe in die Zukunft gesehen, exzessiv gesoffen, die Geschicke Russlands gelenkt, wilde Orgien gefeiert, unheilbar Kranke geheilt, die Zarin verführt, Gift und Kopfschüsse überlebt: Unzählige Mythen ranken sich um Grigorij Rasputin – auch noch 100 Jahre nach seinem Tod. Am 30. Dezember 1916 wurde der Wanderprediger und Zarenberater von einer Verschwörergruppe ermordet. Wie war es dem Bauernsohn aus Sibirien gelungen, zur umstrittensten Figur des Zarenreiches aufzusteigen?

1869 im Dorf Pokrowskoje geboren, gilt Rasputin schon als Kind einerseits als „Tunichtgut“, andererseits als Besitzer übersinnlicher Fähigkeiten. Im Alter von 28 macht er sich zu einer Pilgerwanderung auf. Im russischen Adel ist Mystik zu dieser Zeit in Mode. Als Rasputin nach St. Petersburg kommt, wird er als angeblicher Hellseher und Wunderheiler durch die Salons gereicht. „Er war wie ein exotisches Tier“, beschreibt Rasputin-Biograph Douglas Smith („Rasputin: Faith, Power, and the Twilight of the Romanovs“) die Faszination für den zottelbärtigen Bauernsohn.

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Größter Hindu-Tempel Deutschlands in Berlin

Baut mit Freiwilligen schon seit neun Jahren am zukünftigen Tempel: Vilwanathan Krishnamurthy Foto: Christian Mang
Baut mit Freiwilligen schon seit neun Jahren am zukünftigen Tempel: Vilwanathan Krishnamurthy Foto: Christian Mang
Vilwanathan Krishnamurthy baut in Berlin-Neukölln einen Hindu-Tempel, den größten Deutschlands. Nun ist das Eingangsportal fast fertig.

Von Waltraud Schwab | taz.de

Dieser Königsturm, an dem in Berlin seit neun Jahren gebaut wird, 17 Meter hoch und mit 180 Göttern verziert, dieser Turm also, noch eingerüstet, doch bereits beleuchtet wie jedes Gotteshaus von Größe, stellt die Füße eines liegenden Buddha dar. Vilwanathan Krishnamurthy demonstriert das, indem er seine Arme ausstreckt und seine Hände nach oben knickt, als wären die Hände die zum Himmel zeigenden Füße.

In der Nähe des Hermannplatzes, neben Spielhalle, Bowlingbahn und der historischen Konzerthalle „Neue Welt“, steht der Turm. Auf dem Platz dahinter wird irgendwann der größte hinduistische Tempel Deutschlands und zweitgrößte Europas stehen, 864 Quadratmeter groß. Nur bei London ist ein größerer. Krishnamurthy, der in Südindien aufgewachsene Schweißer, hat vergessen, wie der Stadtteil genau heißt, wo der steht.

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Warum wir für Verschwörungstheorien so anfällig sind

Bilder einer Überwachsungskamera zeigen Anis Amri am 23. Dezember im Hauptbahnhof von Mailand.Foto: dpa
Bilder einer Überwachsungskamera zeigen Anis Amri am 23. Dezember im Hauptbahnhof von Mailand.Foto: dpa
Nach dem Anschlag von Berlin blühen die Verschwörungstheorien rund um den Täter. Sie lassen sich aber ganz leicht widerlegen. Ein Gastkommentar.

Von Ahmad Mansour | DER TAGESSPIEGEL

Kurz vor Weihnachten hat der islamistische Terror Deutschland erreicht, das Zentrum der Hauptstadt Berlin. Ähnlich wie in Nizza drang ein Mann am Steuer eines Lastwagens in eine Menschenmenge ein. Sein Attentat tötete zwölf und verletzte fast fünfzig weitere Besucher eines Weihnachtsmarktes. Wie in Nizza, wie bei den Anschlägen in Paris, gab ein am Tatort gefundener Ausweis die Identität des mutmaßlichen Täters preis. Er hieß Anis Amri, inzwischen, wie wir wissen, lebt er nicht mehr.

Klar ist: Sein Ausweis im Fahrzeug brachte die  Behörden auf die entscheidende Spur. Wie eine Visitenkarte hatten die mutmaßlichen Mörder ihre Papiere in den Fahrzeugen hinterlassen. Es scheint, als ob sie alle Welt wissen lassen wollten: Ich war das. Doch genau wie nach den Bluttaten von Nizza und Paris kursieren jetzt in den sozialen Medien Videos und Texte mit Verschwörungstheorien, die diese wichtige Tatsache in Zweifel ziehen. Wieso, liest man, hört man, sollte ein Terrorist seinen Ausweis dabei haben, wenn er das Haus verlässt, um einen Anschlag zu begehen? Wie kann es sein, dass gleich mehrere Terroristen so dämlich sind, ihre Papiere am Tatort zu „vergessen“? Da muss etwas faul sein! Die Lügenpresse will uns hinters Licht führen! Die Behörden machen uns etwas vor! Das Ganze ist inszeniert! Wer glaubt das denn noch?!

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