Wie die Tigermücke nach Europa kam

Die Asiatische Tigermücke kommt längst nicht mehr nur in ihrer einstigen Heimat vor. © James Gathany/ CDC

Exotischer Eindringling: Die eigentlich in Asien heimische Tigermücke ist längst auch bei uns Dauergast. Genanalysen enthüllen nun, wie der Blutsauger einst nach Europa kamen. Demnach wurden die Mücken mehrmals unabhängig voneinander aus unterschiedlichen Regionen eingeschleppt, unter anderem aus China und den USA. Zur rasanten Verbreitung der potenziellen Krankheitsüberträger hat dabei maßgeblich der Mensch beigetragen.

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Mit dem milder werdenden Klima etablieren sich zunehmend exotische Stechmücken in Europa. Das wohl bekannteste Beispiel ist die Asiatische Tigermücke (Aedes albopictus): Dieser Blutsauger stammt ursprünglich aus den tropischen und subtropischen Region Süd- und Südostasiens, hat sich inzwischen jedoch fast weltweit verbreitet.

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Bestände um 40 Prozent eingebrochen: Handel mit gefährdeten Giraffen soll eingeschränkt werden

Ein Giraffenweibchen stillt ihr Junges in einem Zoo im australischen Queensland. Die Verschiffung der Tiere an Zoos soll künftig zum Schutz der wildlebenden Populationen eingeschränkt werden. (Bild: Darren England / EPA)

Weil die Jagd und die Zerstörung ihres Lebensraums der Giraffenpopulation in Afrika stark zusetzt, soll die Art besser geschützt werden. Doch in den Ländern im südlichen Afrika regt sich Widerstand.

Neue Zürcher Zeitung

Die durch Jagd und Verlust ihres Lebensraums stark dezimierten Giraffen sollen besser geschützt werden. Der internationale Handel mit Fleisch, Leder und Jagdtrophäen oder die Verschiffung der Tiere an Zoos und Zirkusse soll künftig nur noch möglich sein, wenn das Exportland nachweist, dass die Bestände dadurch nicht weiter gefährdet werden. Das beschlossen Vertreter der 183 Vertragsstaaten des Washingtoner Artenschutzabkommens (Cites) am Donnerstag in Genf gegen den Protest von Ländern im südlichen Afrika. 106 Länder waren dafür, 21 dagegen. Der Beschluss muss zum Ende der Konferenz kommende Woche im Plenum noch bestätigt werden.

Die Giraffen-Bestände sind nach Schätzungen in den vergangenen 30 Jahren um bis zu 40 Prozent auf rund 100 000 Tiere eingebrochen. Länder im südlichen Afrika sagen aber, ihre Bestände seien stabil.

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Pubertierende wüten so ähnlich wie Affen

Der Übermut erfüllt wichtige Zwecke. – (c) Imago

Nicht nur Menschen mangelt es in der Jugend an Selbstkontrolle. Aber der Übermut erfüllt wichtige Zwecke.

Karl Gaulhofer | Die Presse

Ach, diese Jugend von heute! Solche Stoßseufzer sind wohl schon so alt wie die Menschheit. Wer in die Pubertät gerät, handelt oft impulsiv, unbedacht, riskiert womöglich gar Leib und Leben auf der ständigen Suche nach einem starken Erlebnis – auf dem Moped, mit Drogen, bei Mutproben oder im Sport. In dieser Phase lernt man selten aus Fehlern und plant seine Handlungen kaum voraus. Aber dieses Verhalten ist nicht auf Menschen beschränkt. Junge Affen – genauer Makaken – wüten ganz ähnlich, wie eine Überblicksstudie der US-Forscher Beatriz Luna und Christos Constantinidis zeigt (in: Trends in Neuroscience, 20. 8.).

Doch wie lässt es sich erklären? Die hemmenden und kontrollierenden Instanzen im Gehirn, die sich im Prinzip schon bei Kleinkindern ausbilden, sind zuweilen nicht aktiviert, wie ausgeschaltet. Das lässt sich gut mit einem Test nachweisen, der Augenbewegungen misst. Man bittet Probanden, einen Punkt zu fixieren, und, wenn links oder rechts davon ein Reiz auftaucht, statt spontan dorthin bewusst in die entgegengesetzte Richtung zu schauen – dem Reflex trotzend. Diese einfache Form von Selbstkontrolle schaffen Pubertierende oft nicht, übrigens ebenso wenig wie viele Erwachsene, die an Schizophrenie, Parkinson oder Alzheimer leiden. Oder eben wie junge Makaken, die man durch Belohnungen zum Blick in die Gegenrichtung dressieren will.

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Auf jeden Menschen kommen etwa 57 Milliarden Fadenwürmer

So sieht der weltweit verbreitetste tierische Körperbauplan aus.Foto: Foto: Senckenberg

Klein, aber oho: Die winzigen Würmer bringen es in ihrer Gesamtheit auf 300 Millionen Tonnen Biomasse

DERSTANDARD

Deutsche Forscher haben sich die Verbreitung von Fadenwürmern (Nematoden) angesehen und daraus hochzurechnen versucht, wie groß deren Gesamtzahl ist. Das beeindruckende Ergebnis: Auf jeden Menschen kommen demnach 57 Milliarden Fadenwürmer, berichtet das Senckenberg-Forschungsinstitut.

Schon früher gab es ähnliche Schätzungen: Würde man alle Tiere auf Erden Individuum neben Individuum aufreihen, wären acht von zehn Fadenwürmer. Was zwar nicht heißt, dass „der Fadenwurm“ das häufigste Tier der Welt ist – immerhin handelt es sich um einen ganzen Tierstamm mit über 20.000 bereits identifizierten Arten (und geschätzt doppelt so vielen insgesamt). In ihrer Gesamtmenge sind sie aber nicht ein nicht zu unterschätzender Faktor.

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Warum wir es heute mit Kojoten und nicht mit Säbelzahntigern zu tun haben

Jagdszenen in La Brea: Im Vordergrund haben zwei Säbelzahnkatzen einen Tapir erbeutet, im Hintergrund hetzen großgewachsene Wölfe der Spezies Canis dirus eine Herde Bisons. Dazwischen, ganz klein und unauffällig, spitzt ein Kojote auf die Chance, dass dabei auch etwas für ihn abfällt.Illustration: Mauricio Antón

US-Forscherin untersuchte die heute unvorstellbare Fülle an Raubtieren im eiszeitlichen Nordamerika

DERSTANDARD

Unmengen von Zähnen hat die Paläontologin Larisa DeSantis von der Vanderbilt University in Nashville analysiert, um die Antwort auf eine Frage der jüngeren Evolutionsgeschichte zu finden: nämlich warum man es heute in Nordamerika „mit Kojoten zu tun hat, die sich über Mülltonnen hermachen, und nicht mit Säbelzahnkatzen, die uns die Arme ausreißen“, wie es ihre Universität formuliert.

Versunkene Naturgeschichte

Die buchstäbliche Fundgrube für ihre Untersuchung waren die legendären La Brea Tar Pits, eine der wichtigsten Fossilienlagerstätten, die man je entdeckt hat. Heute mitten im Ballungsgebiet von Los Angeles gelegen, handelt es sich dabei um Gruben voller natürlichem Asphalt, die für unzählige Tiere zur tödlichen Falle wurden.

Millionen von Fossilien wurden dort seit den 1910er Jahren ausgegraben, darunter die von 60 Säugetierarten: Räuber wie Wölfe, Säbelzahnkatzen oder der gewaltige Kurznasenbär ebenso wie Mammuts, Bisons, Kamele oder ein Riesenfaultier – und natürlich jede Menge kleinere Arten. Die Asphaltgruben haben praktisch ein ganzes Ökosystem konserviert und geben Forschern damit einen Einblick in die Zeit vor 50.000 bis 10.000 Jahren.

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Vanderbilt University

Was für eine Bromance unter Affen Voraussetzung ist

Zwei männliche Assam-Makaken hüten ein Baby.Foto: Piya Saaisawatikul

Forscher untersuchten äffische Männerfreundschaften und wie diese zustande kommen

DERSTANDARD

Wer Sprichwörter für Kondensate tiefer Einsichten und über lange Zeit hinweg gesammelter Erfahrungen hält, der vergisst, dass es zu vielen dieser „Weisheiten“ auch solche gibt, die das schiere Gegenteil besagen. Die US-amerikanische New-Wave-Band Algebra Suicide hat daraus den Song „(A Proverbial Explanation For) Why No Action Is Taken“ gestrickt, der ausschließlich aus einander widersprechenden Sprichwörtern besteht.

Ein solches Paar: „Gleich und Gleich gesellt sich gern“ versus „Gegensätze ziehen sich an“. Dieses Paar bildete die Forschungsfrage für eine Gruppe deutscher Wissenschafter, die sich dem Verhalten in unserer Primatenverwandtschaft widmeten. Konkret gingen die Verhaltensbiologen und Psychologen vom Deutschen Primatenzentrum der Frage nach, was die Voraussetzung für das Entstehen einer Männerfreundschaft unter Affen ist: Gegensätzlichkeit oder Gleichheit.

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Höhlenbären: Vom Menschen ausgerottet?

Schädel eines Höhlenbären (Ursus spelaeus) – dieser eiszeitliche Bär starb vor 25.000 Jahren aus. © R. Kowalczyk

Von unseren Vorfahren ausgerottet: Nicht das Klima führte zum Aussterben der eiszeitlichen Höhlenbären, sondern höchstwahrscheinlich der Mensch. Denn als sich der Homo sapiens vor rund 40.000 Jahren in Europa ausbreitete, begann auch der drastische Rückgang der großen Eiszeit-Bären, wie DNA-Analysen enthüllen. Offenbar trug die Jagd und Konkurrenz durch unsere Vorfahren entscheidend dazu bei, dass diese Tiere vor 25.000 Jahren endgültig verschwanden, wie die Forscher im Fachmagazin „Scientific Reports“ berichten.

scinexx

Wie Mammut, Wollnashorn und Säbelzahnkatze gehörte der Höhlenbär (Ursus spelaeus) zur Megafauna des Eiszeitalters – und wie sie ist dieser eiszeitliche Bär heute ausgestorben. Warum die einst über ganz Europa verbreiteten Höhlenbären vor rund 25.000 Jahren endgültig verschwanden, ist allerdings strittig. Einige Forscher halten den unflexiblen, rein pflanzlichen Speiseplan dieser Bären für den Grund, andere sehen in der starken Abkühlung des Klimas auf dem Höhepunkt der letzten Kaltzeit die Hauptursache.

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Schnelle Evolution: Neue Erkenntnisse zu ihren molekularen Mechanismen

Die Midas-Buntbarsche in den Kraterseen Nicaraguas zählen zu den bekanntesten Beispielen für sympatrische Artbildung. Aus einer gemeinsamen Population heraus entwickelten sie sich innerhalb von weniger als 22.000 Jahren zu einer Vielzahl eigenständiger Arten weiter.

Konstanzer Evolutionsbiologen analysieren die Rolle von microRNAs in der Entstehung neuer Arten

Julia Wandt Stabsstelle Kommunikation und Marketing
Universität Konstanz

Die Entstehung neuer Arten ist noch immer nicht vollständig verstanden. Welche evolutionären Prozesse führen dazu, dass sich aus einer Tierart heraus eine neue Spezies bildet? In der Evolutionsbiologie wurde klassischerweise davon ausgegangen, dass die geographische Trennung einer Tierpopulation ein entscheidender Faktor ist (allopatrische Artbildung): Eine Tierart wird in zwei oder mehrere vollständig voneinander abgeschottete Teilpopulationen separiert, so dass es keinen genetischen Austausch zwischen den abgespalteten Gruppen mehr gibt. Die Teilpopulationen passen sich an ihren jeweiligen Lebensraum an und entwickeln sich in der Folge zu eigenständigen Arten mit voneinander abweichenden Merkmalen weiter. Der Konstanzer Evolutionsbiologe Prof. Dr. Axel Meyer konnte in den vergangenen Jahren jedoch nachweisen, dass die Entstehung einer neuen Art im gemeinsamen Lebensraum mit ihrer Ursprungspopulation und unter genetischem Austausch mit ihr (sympatrische Artbildung) nicht nur vorkommt, sondern sogar überraschend häufig auftritt. Seine Arbeitsgruppe erforscht die ökologischen und genetischen Mechanismen, die hinter der sympatrischen Artbildung stehen. In einer aktuellen Veröffentlichung im Wissenschaftsmagazin „Molecular Biology and Evolution“ weisen Axel Meyer und seine Mitarbeiter Dr. Paolo Franchini, Peiwen Xiong, Carmelo Fruciano, Ralf Schneider, Joost Woltering und Darrin Hulsey die maßgebliche Rolle der Ribonukleinsäure microRNA in der sympatrischen Artbildung nach.

Rasante Evolution von Buntbarschen


Die Forscher um Axel Meyer fanden in Midas-Buntbarschen aus den vulkanischen Kraterseen Nicaraguas das perfekte Beispiel für ihre Analysen. Diese Buntbarsche sind bekannt für ihre außergewöhnlich schnelle evolutionäre Anpassung und Artbildung. Die Fische stammen ursprünglich aus einer gemeinsamen Population aus den großen Seen Nicaraguas, passten sich aber nach ihrer Umsiedlung in die vergleichsweise jungen Kraterseen an neue ökologische Nischen an, bildeten neue Merkmale aus (z. B. eine schlankere Körperform oder ein neues Gebiss) und entwickelten sich innerhalb von weniger als 22.000 Jahren zu einer Vielzahl eigenständiger Arten weiter. Eine Besonderheit ist, dass sich diese Midas-Buntbarsche teils wiederholt in derselben Population zu unterschiedlichen Arten weiterentwickelten, indem sie sich im gemeinsamen Lebensraum auf unterschiedliche ökologische Nischen spezialisierten. Die Midas-Buntbarsche Nicaraguas zählen zu den bekanntesten Beispielen für sympatrische Artbildung.

microRNA


Die Konstanzer Biologen führten Genanalysen an fünf Arten der Midas-Buntbarsche aus den Kraterseen Apoyo und Xiloá durch. Sie untersuchten dabei speziell die Aufgabe der sogenannten microRNA – einer Ribonukleinsäure, die eine steuernde Wirkung im Prozess der Genexpression innehat und selbst nicht in ein Protein übersetzt wird. Die Forscher stellten eine erhöhte Aktivität von microRNA einen Tag nach dem Schlüpfen von Jungfischen fest – in einer Phase, in der sich die Körperformen der Fische heranbilden. Sie analysierten das Zusammenspiel zwischen microRNA und der Genexpression und identifizierten konkrete Paare aus microRNA und Genen, die aufeinander einwirken. Die microRNA unterdrückt dabei die Ausprägung der jeweiligen Gene und hat somit eine steuernde Wirkung: Je stärker eine bestimmte microRNA aktiv ist, desto nachdrücklicher wird das zugehörige Gen unterdrückt oder „abgeschaltet“. „Unsere Ergebnisse deuten stark darauf hin, dass die extrem schnell erfolgende Regulation von microRNA zur rasanten sympatrischen Artbildung der Midas-Buntbarsche beiträgt“, schildert Paolo Franchini.

Faktenübersicht:

– Konstanzer Evolutionsbiologen analysieren die Rolle der Ribonukleinsäure microRNA bei der rasanten sympatrischen Artbildung von Midas-Buntbarschen – der Bildung einer neuen Art im selben Lebensraum wie die Ursprungspopulation und unter Genfluss.

– Originalveröffentlichung: Paolo Franchini, Peiwen Xiong, Carmelo Fruciano, Ralf F Schneider, Joost M Woltering, C Darrin Hulsey, Axel Meyer, MicroRNA gene regulation in extremely young and parallel adaptive radiations of crater lake cichlid fish, Molecular Biology and Evolution, msz168
Link: https://academic.oup.com/mbe/advance-article/doi/10.1093/molbev/msz168/5545549

– Genanalysen an fünf Arten der Midas-Buntbarsche aus den Kraterseen Apoyo und Xiloá, die sich in weit weniger als 22.000 aus einer gemeinsamen Ursprungspopulation zu neuen Arten weiterentwickelten.

– Analyse des Zusammenspiels zwischen der microRNA und Genen. Hierbei wurden konkrete Paare aus microRNA und Genen identifiziert, die miteinander interagieren. Die microRNA unterdrückt dabei die Ausprägung der zugehörigen Gene.

– Dieses Projekt wurde vom Europäischen Forschungsrat (ERC) durch den ERC Advanced Grant „Comparative genomics of parallel evolution in repeated adaptive radiations“ (GenAdap 293700) an Axel Meyer unterstützt. Weitere Förderung erfolgte durch die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG).

Maden können mithilfe einer ausgefeilten Technik grosse Sprünge machen

Zeitrafferaufnahmen einer springenden Gallmücken-Larve. (Bild: Reproduziert/adaptiert mit Erlaubnis des Journal of Experimental Biology; Farley, G. M., Wise, M. J., Harrison, J. S., Sutton, G. P., Kuo, C. und Patek, S. N., 2019, Journal of Experimental Biology, Volume 222, doi:10.1242/jeb.201129)

Obwohl sie keine Beine haben, können manche Maden – etwa wenn Gefahr droht – etwa das 36-Fache ihrer Körperlänge weit durch die Luft springen und dabei im Vergleich zum Kriechen auch noch Energie sparen.

Neue Zürcher Zeitung

Drei Jahre lang beobachteten amerikanische Forscher kleine Mückenlarven der Gruppe Asphondylia mit speziellen Kameras und Mikroskopen, um deren Springvermögen auf den Grund zu kommen. Was sie herausfanden, erklärt Jacob Harrison von der Duke University in Durham in North Carolina, einer der Autoren, so: «Sie pflanzen ein Ende ihres Körpers auf den Boden und rutschen das andere Ende heran, bis sich die beiden Enden treffen.» An beiden Enden der Maden entdeckten die Forscher winzige Härchen, wie sie in der Fachzeitschrift «Journal of Experimental Biology» berichten. Diese könnten dazu dienen, dass die beiden Körperenden vorübergehend aneinander befestigt werden, schreiben die Wissenschafter.

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Älteste Hochgebirgssiedlung entdeckt

Heute sind die Bale Mountains in Äthiopien gletscherfrei – doch vor 40.000 Jahren war das anders. © Götz Ossendorf

Extremer Lebensraum: Forscher haben in Äthiopien die bislang ältesten Spuren einer Hochgebirgssiedlung entdeckt. Funde aus einem Felsunterstand in fast 3.500 Meter Höhe belegen, dass Menschen dort schon vor rund 40.000 Jahren dauerhaft lebten. An das Leben in dieser extremen Lage hatten sich unsere Vorfahren offenbar erstaunlich gut angepasst: Sie nutzten Schmelzwasser der Gletscher, jagten Riesenratten und bauten Obsidian im Gebirge ab.

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Dünne Luft, starke UV-Belastung, extreme Temperaturschwankungen und unwirtliches Gelände: Das Leben im Hochgebirge bedeutet ein Leben unter Extrembedingungen. Trotzdem hat sich der Mensch auch diesen Lebensraum im Laufe der Zeit erobert. Doch wann begannen unsere Vorfahren erstmals in Höhen von 2.500 Metern oder mehr aufzusteigen und sich dort niederzulassen?

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Das Leben begann mit einem tödlichen Gift

Blick auf die Erde – REUTERS

Ein berühmtes Experiment wies 1953 das Entstehen von Lebewesen nach. Aber es verwendete Energie, die es in der Uratmosphäre nicht gab. Nun zeigt eine Simulation: Blausäure und heißes Wasser tun es auch.

Von Karl Gaulhofer | Die Presse

Es ist eines der berühmtesten Experimente der Chemiegeschichte: Vor 66 Jahren zeigten Stanley Miller und Harold Urey, wie das Leben entstanden sein könnte. Sie füllten einen Kolben mit einfachen Stoffen, die es schon vor knapp vier Milliarden Jahren auf der Erde gab: Wasser, Methan, Ammoniak und Wasserstoff. Die Moleküle reagierten miteinander und formten sich in zwei Schritten zu Aminosäuren, den Bausteinen für Proteine – und dies sind die Grundstoffe des Lebens.

Doch hatte das Miller-Urey-Experiment einen gravierenden Schönheitsfehler: Die Reaktionen kamen nur mithilfe von Energie zustande, durch elektrische Funken, die Blitze simulieren sollten. Inzwischen weiß man aber: Die urzeitliche, fast sauerstofflose Erdatmosphäre war so dunstig, dass sie energiereiche Photonen von Blitzen oder ultravioletten Strahlen nicht auf die Erdoberfläche durchließ (wie beim Titan, dem größten Mond des Saturn). Damit ist weiterhin nicht wirklich geklärt, wie Leben unter den damaligen Bedingungen entstehen konnte. Vielleicht war ja das Meerwasser, das damals fast kochend heiß war, die treibende Kraft?

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Ernst Haeckel – der deutsche Darwin

Ernst Haeckel, Bild:Phyletisches Museum. barb.:bb

Zoologe, Künstler, Philosoph, Freidenker: Ernst Haeckel ermöglichte Einblicke in die Kunstfertigkeit der Natur, verbreitete Darwins Evolutionstheorie und entwickelte daraus eine eigene Philosophie. Er vertrat Theorien, die die Nazis aufgriffen – und andere, die ihn zum „Vater der Ökologie“ machten.

Von Andrea Westhoff | Deutschlandfunk

Es waren nicht die großen, bekannten Tiere, die das Interesse des Zoologen Ernst Haeckel weckten, sondern winzige Strahlentierchen, sogenannte „Radiolarien“, Kalkschwämme, Korallen – mit bloßen Auge oft kaum zu sehen, oder „Medusen“, buntschillernde Quallen, mit Worten schwer zu beschreiben.

„Denkt Euch einen zierlichen schlanken Blumenstock, dessen Blätter und bunte Blüten durchsichtig wie Glas sind, und der sich in den zierlichsten und lebhaftesten Bewegungen durch das Wasser schlängelt, einzelne Individuen einer Art, welche die Gestalt eines reich verzierten Ritterhelmes besitzt.“

Glücklicherweise besaß Ernst Haeckel auch großes künstlerisches Talent. Er fertigte Hunderte von prachtvollen Zeichnungen und Aquarellen dieser geheimnisvollen Tiefseeschönheiten an und machte damit wiederum die Biologie „populär“: Seine Sammlung „Kunstformen der Natur“ fehlte im letzten Jahrhundert in kaum einem bildungsbürgerlichen Haushalt; und sie hat eine ganze Kunstrichtung geprägt, den Jugendstil.

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Wie Haie grün leuchten

Grün leuchtender Katzenhai © David Gruber/ iScience

Faszinierendes Leuchten: Viele Katzenhaie leuchten grün – aber nur für ihre Artgenossen. Denn für uns ist dieses Farbenspiel unsichtbar. Das Geheimnis hinter diesem Leuchten haben nun Forscher aufgedeckt. Demnach sorgen kleine Moleküle in der Haut der Fische für ihre Biofluoreszenz. Das Spannende: Es handelt sich um eine bisher völlig unbekannte Gruppe von Fluoreszenzmolekülen, die die Haie sogar vor mikrobiellen Infektionen schützen könnte.

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Von grün, über rot bis hin zu orange: Viele Organismen senden unter bestimmten Bedingungen ein geisterhaftes Leuchten aus. Die Spanne reicht von Chamäleons über Gleithörnchen bis hin zu vielen Pflanzen. Aber auch etliche marine Lebewesen besitzen die Fähigkeit zur Biofluoreszenz. Trifft blaues Licht im Wasser auf ihre Haut, regt es dort Moleküle an, die das Licht dann in anderen Wellenlängen zurückstrahlen – zum Beispiel im grünen oder roten Spektrum.

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Existierten Viren schon vor 290 Millionen Jahren?

Diese verwachsenen Wirbel legen nahe: Schon in der Permzeit könnten virale Erreger umgegangen sein. © Yara Haridy/ Museum für Naturkunde Berlin

Spannender Fund: Forscher haben den bislang frühesten Hinweis auf die Existenz von Viren entdeckt. In 289 Millionen Jahre alten Wirbeln eines eidechsenähnlichen Tiers stießen sie auf Anzeichen einer Knochenerkrankung, die stark der sogenannten Paget-Krankheit ähnelt. Dieses Leiden wird gängiger Annahme nach von viralen Erregern verursacht – der Fund ist damit der älteste indirekte Beleg für Viren in der Erdgeschichte.

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Ob Aids, Pocken oder Ebola: Viele der großen Seuchen und tödlichsten Krankheiten wurden und werden von Viren verursacht. Diese winzigen Lebensformen existieren seit Menschengedenken und befielen möglicherweise sogar schon die Dinosaurier. Doch wann sich die ersten Viren genau auf unserem Planeten entwickelten, ist bis heute unklar.

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Forscher entdecken größten Papagei der Welt

Gegen ihn wirken die kleinen Spatzenvögel zu seinen Füßen wie Ameisen: So könnte der neuentdeckte Riesen-Papagei Heracles inexpectatus zu Lebzeiten ausgesehen haben. © Brian Choo/ Flinders University

Spektakulärer Fund: Paläontologen haben in Neuseeland den bisher einzigen und größten Riesen-Papagei der Welt entdeckt – als Fossil. Der rund einen Meter große Vogel lebte demnach vor 16 bis 19 Millionen Jahren und war doppelt so schwer wie der größte heute lebende Papagei, wie die Forscher im Fachmagazin „Biology Letters“ berichten. Mit seinem mächtigen Schnabel könnte der Heracles inexpectatus getaufte Riesen-Papagei vielleicht sogar andere Vögel getötet und gefressen haben.

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Als die ersten Maori vor gut tausend Jahren Neuseeland erreichten, begegneten sie gewaltigen, zweieinhalb Meter großen Laufvögeln – den Moas. Diese heute ausgerotteten Riesenvögel sind ähnlich wie die Dodos auf Mauritius klassische Beispiele für den Insel-Gigantismus der Vögel: Sie entwickelten dort ungewöhnliche große Formen, weil wegen der Isolation der Inseln große Raubtiere fehlten. Auf Neuseeland existierte vor allem im frühen Miozän, vor 16 bis 19 Millionen Jahren, eine ganze Schar verschiedener Riesenvögel, wie Fossilfunde belegen.

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Kreationismus — von astronomischer Dummheit

Die Astrophysikerin Sarah Salviander kontert den «Infinite Monkey Theorem» mit einer astronomischen Rechnung. Die ehemalige Atheistin, die inzwischen Christin wurde, stellt damit eine Theorie auf den Prüfstand, welche Atheisten-Papst Richard Dawkins verwendet, um die Evolutions-Theorie zu untermauern.

jesus.ch

«Nach vier Wochen haben sie nicht nur kein einziges Wort der englischen Sprache produziert, sondern sie haben sich auch gelangweilt und angefangen, sich an den Tastaturen zu entleeren.» So lautet die Zusammenfassung eines Tests aus dem Jahr 2003 zur «Infinite Monkey Theorem». Sechs Affen hatten einen Monat Zeit, auf einer Computer-Tastatur-Texte zu schreiben. Das Endergebnis waren rund fünf Seiten, die überwiegend aus dem Buchstaben «s» bestanden. Ausserdem hatten die Affen mit einem Stein auf die Tastatur geschlagen und sich auf ihr entleert.

Diese Theorie, ein Favorit des atheistischen Autors Richard Dawkins, versucht zu erklären, wie ein unglaublich fein abgestimmtes Universum, wie das unsere, spontan aus dem Nichts durch einen ungeführten Prozess entstanden sein könnte. Dawkins hat sich auf die Theorie in Büchern und bei Auftritten auf der Bühne bezogen.

«Warum Materialisten aufhören müssen …»

Dieser Lehrsatz besagt, dass ein Affe – andere Varianten des Theorems sprechen von unendlich vielen Affen –, der unendlich lange auf einer Schreibmaschine herumtippt, fast sicher irgendwann alle Bücher der «Bibliothèque nationale de France» schreiben wird. In englischsprachigen Ländern wird kolportiert, dass irgendwann die Werke von William Shakespare auf diese Weise entstehen werden.

Die Astrophysikerin Sarah Salviander stört sich daran, dass diese Theorie immer noch als Allegorie für die Evolutionstheorie herangezogen wird. Deshalb verfasste die einstige Atheistin, die selbst zur Christin wurde, eine Reihe von Tweets zum Thema. Sie beginnt mit: «Warum Materialisten aufhören müssen, die Affen-auf-Schreibmaschinenanalogie zu benutzen und Christen aufhören müssen, sich Sorgen zu machen», beginnt sie ihre Reihe.

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Evolution im Eiltempo

Ausgerechnet Städte, künstliche Orte voller Lärm, Autos und Beton, sind der perfekte Lebensraum für viele Tiere und Pflanzen. Dort steigt sogar die Artenvielfalt, während sie im Umland sinkt. Warum das so ist, erklärt der Evolutionsbiologe Menno Schilthuizen von der Universität Leiden in seinem faszinierenden Buch.

Petra Wiemann | wissenschaft.de

Auf dem Land geht immer mehr Lebensraum verloren. Anders in der Stadt: Sie enthält unzählige Nischen für anpassungsfähige Lebewesen. So sind Fahlstirnschwalben in Nebraska dank ihrer verkürzten Flügel wendig genug, um den Autos im Straßenverkehr auszuweichen. Flusswelse, die sich normalerweise von Kleinfischen ernähren, kann man in der französischen Stadt Albi bei der Jagd auf Tauben am Flussufer beobachten. Und Barbados-Gimpelfinken haben gelernt, aus Zuckertütchen zu naschen. Ihre Neugier und ihren Wagemut geben sie an die nächsten Generationen weiter.

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Neuseelands Vogelwelt würde Millionen Jahre brauchen, um sich vom bisherigen Artensterben zu erholen

Per Computersimulation bildeten Forscher in Berlin die Entstehung der neuseeländischen Vogelwelt nach. Dazu nutzten sie auch genetische und fossile Daten ausgestorbener und lebender Vögel.

Neue Zürcher Zeitung

Seit seiner Ankunft hat der Mensch die Vogelwelt in Neuseeland so stark dezimiert, dass die Wiederherstellung der einstigen Vielfalt etwa 50 Millionen Jahre dauern würde. Bis die Evolution wieder eine so artenreiche Vogelwelt entwickeln könnte, würde es somit bei weitem länger dauern, als der Mensch überhaupt existiert, wie ein internationales Forscherteam in der Fachzeitschrift «Current Biology» berichtet.

Nach der Ankunft in Neuseeland vor etwa 700 Jahren verursachten der Mensch und die von ihm mitgebrachten Tiere in der Vogelwelt eine verheerende Aussterbewelle. Mehr als 70 Vogelarten verschwanden, wie das Naturkundemuseum Berlin mitteilte, wo der Mitautor Luis Valente forscht. Trotz den heutigen Anstrengungen beim Vogelschutz gelten laut der Studie 30 Prozent der noch vorhandenen Arten als vom Aussterben bedroht.

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Bäume verschaffen „Leichnam“ ein Leben nach dem Tod

Lebend, tot, untot? Dieser Baumstumpf passt in keine Kategorie.Foto: Sebastian Leuzinger / iScience

Zwei Forscher stießen bei Wanderung auf einen Baumstumpf, der von seinen Nachbarn künstlich am Leben gehalten wird

DERSTANDARD

Bei einer Wanderung nahe der neuseeländischen Metropole Auckland stießen zwei Forscher auf einen ungewöhnlichen Fall: Im dortigen Wald ragte der Stumpf eines Kauri-Baums aus dem Boden. Und obwohl ein ast- und blattloser Stumpf definitionsgemäß der abgestorbene Überrest eines Baums sein müsste, war dieser immer noch am Leben.

Martin Bader und Sebastian Leuzinger von der Auckland University of Technology nahmen die untote Pflanze daraufhin etwas genauer unter die Lupe und stellten die Ergebnisse ihrer Untersuchung im Magazin „iScience“ vor. Sie stellten fest, dass die Wurzeln des Stumpfs mit denen der benachbarten Bäume verwachsen sind und dass der Stumpf von seinen Nachbarn auf diese Weise mit Wasser und Nährstoffen versorgt wird. Eine starke negative Korrelation zwischen der Bewegung des Wassers in den lebenden Bäumen und im Stumpf belegte den Zusammenhang– mit anderen Worten: Das Wasser strömte aus den lebenden Bäumen in ihren untoten Nachbarn.

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Südamerikanisches Äffchen war nur so groß wie ein Hamster

Die Sedimentschichten an den Ufern des Río Alto Madre des Dios strotzen vor Fossilien. Unter anderem wurden dort die Überreste ausgestorbener Nagetiere und Fledermäuse gefunden.
Foto: Wout Salenbien, Duke University

Der winzige Parvimico materdei ist der kleinste fossile Affe, den man je gefunden hat

DERSTANDARD

Wissenschaftliches Arbeiten erfordert Geduld und ein gutes Auge – davon kann ein Team peruanischer und US-amerikanischer Forscher ein Lied singen, dessen jüngste Arbeit nahe an der sprichwörtlichen Suche nach der Nadel im Heuhaufen lag. Konkret durchsiebten sie eine Tonne Sediment von einem peruanischen Flussufer, um schließlich einen einzelnen Zahn zu finden, der gerade einmal doppelt so groß wie der Kopf einer Stecknadel war.

Dieser Zahn ist allerdings aufschlussreich. Er ist 17 bis 19 Millionen Jahre alt und muss als einer der oberen Backenzähne im Gebiss eines Affen gesessen haben, der nur so groß wie ein Hamster gewesen sein kann. Die bislang unbekannte Spezies erhielt die Bezeichnung Parvimico materdei, was in etwa „winziger Affe aus dem Muttergottesfluss“ bedeutet, da der Fund aus dem Río Alto Madre des Dios im Südosten Perus stammt.

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