Wurzelsymbiose: Brüchige Zweisamkeit

Erbsen gehören zu den Pflanzen, die eine Symbiose mit stickstoffbindenden Knöllchenbakterien eingehen. © Piviso/ pixabay
Die Symbiose mit stickstofffixierenden Bakterien kann Pflanzen einen ökologischen Vorteil verschaffen. Trotzdem ging die Fähigkeit zu dieser Partnerschaft im Laufe der Evolution überraschender Weise mehrfach wieder verloren, wie genetische Analysen zeigen. Auch Vorfahren von heutigen Kulturpflanzen wie Erdbeeren, Brombeeren oder Äpfeln büßten demnach die Fähigkeit zur Symbiose ein. Aber warum?

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Alle Pflanzen benötigen für ihr Wachstum eine ausreichende Versorgung mit Nährstoffen wie Stickstoff. Eine Symbiose mit stickstofffixierenden Bakterien kann ihnen daher einen ökologischen Vorteil verschaffen: Die Bakterien werden von den Pflanzen in speziellen Wurzelknöllchen beherbergt und mit Kohlenstoffquellen versorgt. Dafür gewinnen sie den begehrten Stickstoff aus der Luft und stellen ihn den Pflanzen zur Verfügung.

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Wie Bienen zu Vegetariern wurden

Bienen ernähren sich vorwiegend vegetarisch. © Pexels/ pixabay
Ernährungsumstellung: Bienen stammen von fleischfressenden Wespen ab. Doch wie konnte es passieren, dass aus einem räuberischen Insekt ein vegetarisch lebendes Tier entstand? Genetische Analysen zeigen: Die Nahrung selbst könnte verantwortlich gewesen sein. Demnach gehen heutige Bienen auf Ahnen einer Gruppe von Grabwespen zurück – Tiere, die ihre Larven mit blütenbesuchenden Insekten füttern. Mit der Beute könnte somit einst auch Pollen ins Nest gelangt sein und die Bienenvorfahren auf den Geschmack gebracht haben.

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Bienen unterscheiden sich nicht nur optisch deutlich von den mit ihnen verwandten Wespen – sondern auch in Sachen Ernährung. Während Wild- und Honigbienen in der Regel von Pflanzennektar und Pollen leben, ernähren sich Wespen alles andere als vegetarisch. Sie machen auch Jagd auf tierische Beute und füttern ihre Larven sogar hauptsächlich mit Fleisch von toten oder erbeuteten Tieren.

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Phasentrennung in der Ursuppe?

Das Phänomen der Phasentrennung könnte die Bildung der ersten Lebensbausteine ermöglicht haben. © Andreas Battenberg/ TUM
Schützende Tröpfchen: Ein überraschend alltägliches Phänomen könnte die Bildung der ersten Lebensbausteine ermöglicht haben. Denn sie wären in der Ursuppe eigentlich schnell wieder zerfallen. Doch ein Experiment zeigt, dass das nicht sein muss: Der Mechanismus der Phasentrennung könnte den Molekülen den nötigen Schutz geboten haben – solange, bis die ersten Zellen diese Funktion übernahmen.

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Wie entstand das erste Leben auf der Erde? Und wo bildeten sich die ersten Lebensbausteine? Bisher gibt es auf diese Fragen keine eindeutigen Antworten. Einer der Gründe dafür: Viele komplexeren Biomoleküle sind chemisch instabil. Sie bleiben nur dann bestehen, wenn Energie zugeführt wird oder ihre Konzentration künstlich niedrig gehalten wird. In lebenden Organismen sorgt schützende Zellumgebung dafür.

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Vorurteile werden erst hergestellt

Chris Buck, „Let’s talk about race“, 2017. Foto: Chris Buck
Das Deutsche Hygiene-Museum in Dresden zeigt „Rassismus – Die Erfindung von Menschenrassen“ und denkt über die Gründe der Ausgrenzung nach.

Von Arno Widmann | Frankfurter Rundschau

Es ist eine gar nicht so große Ausstellung und ihre zentrale Botschaft hat man schnell verstanden. Sie steht schon im Untertitel: „Die Erfindung von Menschenrassen“. Rassen sind also nicht einfach da. Sie werden geschaffen. Sie werden gezüchtet. Wer einen Wachhund möchte, der kann sich Hunde kaufen, die exakt dafür gezüchtet wurden. Wer ein Schoßhündchen möchte, kann es haben. Seit Tausenden von Jahren werden Hunde nach den unterschiedlichen Bedürfnissen der Menschen gezüchtet. Mal mit großem, mal mit weniger großem Erfolg.

Die Idee, dass das bei Menschen nicht viel anders sein könnte, liegt nahe. Schließlich gibt es sehr unterschiedliche Menschentypen. Es gibt die großen Schlanken, es gibt Pykniker und es gibt die Athleten. Es gibt die Glatthaarigen und die Kraushaarigen, die Langnasen und die mit den flachen Gesichtern. Es gibt Weiße und Schwarze. Und es gibt die „natürliche Zuchtwahl“. Jedenfalls sah das Charles Darwin so. Er erklärte: „Die Erhaltung günstiger individueller Verschiedenheiten und Abänderungen und die Zerstörung jener, welche nachteilig sind, ist es, was ich natürliche Zuchtwahl nenne oder Überleben des Passendsten.“

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Homo naledi: Verblüffend modernes Gehirn

So könnte der Homo naledi ausgesehen haben, doch wo er im Stambaum des Menschen stand, ist bis heute unbekannt. © Cicero Moraes (Arc-Team) et al / CC-by-sa 4.0
Klein, aber oho: Der Frühmensch Homo naledi hatte zwar ein extrem kleines Gehirn, trotzdem war dieses erstaunlich weit entwickelt, wie nun Hirnabdrücke in Schädelfragmenten enthüllen. Die vor rund 250.000 Jahren lebende Menschenart besaß demnach bereits Hirnstrukturen, die mit Sprache, Werkzeugnutzung und sozialem Lernen verknüpft sind. Homo naledi könnte daher trotz seines rätselhaft geringen Hirnvolumen durchaus fortgeschrittene Fähigkeiten besessen haben, so die Forscher.

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Der Homo naledi gibt bis heute Rätsel auf. Denn die 2013 in einer Höhle in Südafrika entdeckten Überreste dieser Frühmenschenart bilden ein merkwürdiges Mosaik primitiver und fortgeschrittener Merkmale.

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Schimpansen-Betten sind sauberer als unsere

Eine Forscherin nimmt einen Abstrich in einem Schimpansen-Schlafnest. (Bild: Fiona Stewart)
Frische Bettwäsche, regelmässig aufgeschüttelte Duvets und Kissen, neue Pyjamas, fleissiges Lüften – wir unternehmen viel, um unsere Schlafstätten sauber und frisch zu halten. Trotzdem sind diejenigen von Schimpansen irgendwie reinlicher.

Stephanie Kusma | Neue Zürcher Zeitung

Ein Zuhause ist nicht einfach ein Zuhause, es ist ein ganzes Ökosystem, und noch dazu ein recht spezielles. Mikroben, Insekten, Milben und alles mögliche Weitere an Getier und Mikroorganismen finden in menschlichen Behausungen ihren Lebensraum oder sind gar, wie etwa Bettwanzen, darauf spezialisiert.

«Staubsaugen» im Schimpansennest

Megan Thoemmes von der North Carolina State University und ihre Kollegen haben nun untersucht, wie sich das bei unserer Verwandtschaft verhält. Sie nahmen hierfür von 41 Schimpansen-Schlafnestern in Tansania Abstriche, um deren mikrobielle Besiedelung zu analysieren. Bei 15 der Nester sammelten sie zudem mit einer Art kleinem «Staubsauger» für Insekten die dort lebenden Gliedertierchen ab. Beide Sammlungen verglichen sie dann mit Proben aus der Umwelt, wie sie in der Fachzeitschrift «Royal Society Open Science» beschreiben.

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Spektakuläre Steinzeit-Funde in Ostafrika

Fundstücke der Höhle Panga ya Saidi: Die Schmuck-Perlen 5-9 sind aus Straußeneierschalen gemacht, die Perlen 10-13 bestehen aus Muscheln. Ansonsten zu sehen: Steinzeitliche Werkzeuge und Artefakte Bild: Francesco d’Errico and Africa Pitarch Marti
Lange bildete die Küstenregion Ostafrikas einen dunklen Fleck der Geschichte der Steinzeit. Bis zu 78.000 Jahre alte Ausgrabungen bringen nun neue Erkenntnisse über den Lebenswandel des Homo sapiens in dieser Zeit ans Licht.

Von Lea-Melissa Vehling | Frankfurter Allgemeine Zeitung

Viele Archäologen glaubten in den vergangenen Jahren, dass durch den Ausbruch des Vulkans Toba auf Sumatra vor 74.000 Jahren nahezu die gesamte Population des Homo sapiens, die zur Steinzeit in Afrika lebte, ausgelöscht wurde. Nach Funden in der Höhle Panga ya Saidi, unweit von der kenianischen Küste, müssen die Wissenschaftler  nun umdenken. Die Ausgrabungen einer internationalen Forschergruppe unter der Leitung von Wissenschaftlern des Max-Planck-Instituts für Menschheitsgeschichte in Jena verweisen sogar auf eine stärkere Besiedelung der Höhle vor 60.000 Jahren – ein Indiz für einen Anstieg in der Gesamtpopulation des Gebietes.

Kulturelle Revolution unwahrscheinlich

Doch die Theorie des Toba-Vulkans ist nicht die einzige Annahme, die durch die archäologische Entdeckung in Kenia in Frage gestellt wird. Auch die Hypothese, dass vor etwa 70.000 Jahren eine „kulturellen Revolution“ unserer Spezies stattgefunden habe, wie viele Archäologen bisher meinten, darf nach den Ausgrabungen bezweifelt werden.

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Die Genetik trennt keine Menschenrassen

Die Hautfarbe ist kein geeignetes Merkmal, um eine «Rasse» zu definieren. (Bild: Mauritius Images)
Menschen aus verschiedenen Weltgegenden sehen unterschiedlich aus. Dies liegt teilweise an den Genen. Dennoch lassen sich anhand der Genetik keine Rassen definieren.

Stephanie Lahrtz | Neue Zürcher Zeitung

Über 1,90 Meter gross, hellhäutig und rothaarig. Die zwei Europäer stechen in der U-Bahn in Peking in jeder Hinsicht heraus. Keine Frage, Menschen aus verschiedenen Weltregionen sehen unterschiedlich aus. Es liegt nahe, zu vermuten, dass die Genetik hierbei eine Rolle spielt, und so flammt auch die Diskussion über die Existenz verschiedener Menschenrassen regelmässig auf. Kürzlich hat der Genetiker David Reich von der Harvard University in einem Artikel in der «New York Times» die Debatte wieder losgetreten (siehe Kasten). Doch kann man eine «Rasse» wirklich über ihre Genetik definieren?

Das Problem beginnt damit, dass es keine eindeutige Definition von Rasse gibt. Während der deutsche Begriff primär für vom Menschen gezüchtete Haustiere verwendet wird, ist das englische «race» anders gefasst. Es werden damit auch Menschengruppen bezeichnet, die sich sozial oder physisch von anderen abgrenzen lassen. Eine genetische Abgrenzung ist laut den meisten Forschern dagegen nicht möglich.

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Misteln: „Unmögliche“ Atmung

Die Mistel verblüfft durch eine scheinbar unmögliche Zellatmung. © Hans-Peter Braun/ Leibniz Universität Hannover
Schon im Altertum schrieben Menschen der Mistel (Viscum album) besondere Fähigkeiten zu. Die selbst im Winter grüne Pflanze galt als potentes Heilmittel, spielte in der Mythologie eine wichtige Rolle und wurde von keltischen Druiden bei vielen Zeremonien genutzt. Heute weiß man, dass die Mistel tatsächlich heilsame Inhaltsstoffe enthält. Sie werden unter anderem bei Krebstherapien eingesetzt.

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Wo sind die Gene hin?

Doch die Mistel hat noch eine entscheidende Besonderheit: Sie ist ein Halbparasit. Obwohl die Mistel selbst Fotosynthese betreibt, zehrt sie auch von ihren Wirtspflanzen. Von ihnen bezieht sie Wasser und Mineralien. „An Parasiten und Halbparasiten kann man viel lernen, da sie nicht alle Lebensprozesse selbst ausführen müssen“, erläutert Hans-Peter Braun von der Leibniz Universität Hannover.

In dieser Hinsicht allerdings gibt die Mistel Rätsel auf. Denn frühere Genanalysen deuteten darauf hin, dass in den Mitochondrien der Mistelpflanze einige wichtige Gene fehlen. Diese kodieren normalerweise Teile eines Enzymkomplexes, der für die Energieproduktion der Zellen entscheidend ist. Erst die Reaktionen der Atmungskette ermöglichen den höheren Zellen die Bildung der energiereichen Verbindung Adenosintriphosphat (ATP).

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Wenn «Gefallsucht» in den Tod führt

Selbst als Skelett noch beeindruckend: der Irische Riesenhirsch. (Bild: Rob Hurson / http://www.flickr.com (CC BY-SA 2.0))
Die sexuelle Selektion lässt vor allem männliche Tiere zu Höchstleistungen auflaufen – mit teils überlebensfeindlichen Folgen. Doch kann das Buhlen um die Weibchen tatsächlich ganze Spezies in den Artentod führen?

Kurt de Swaaf | Neue Zürcher Zeitung

Imposanter hätten sie kaum sein können: Zwei Meter hoch an der Schulter, mehr als eine halbe Tonne schwer und Geweihe, die Spannweiten bis zu 3,60 Meter erreichten und locker über 30 Kilogramm wogen. Auf den urzeitlichen Steppen dürften die Tiere unübersehbar gewesen sein. Heute indes lassen sich ihre Überreste nur noch in Museen bestaunen. Die Letzten ihrer Art lebten vor knapp 7000 Jahren in Sibirien. Danach verschwand die Spezies. Die Rede ist vom «Irischen» Riesenhirsch, zoologisch Megaloceros giganteus.

Über die Hintergründe seines Aussterbens liefern sich Wissenschafter noch immer ausführliche Debatten. Lange galten die ausladenden Geweihe als Ursache ihres Verschwindens. Die enormen Gebilde hätten die männlichen Tiere zu viel Kraft gekostet, hiess es. Und dass es so weit hätte kommen können, wäre einer tückischen Triebfeder der Evolution geschuldet: der sexuellen Selektion. Die stolzen Riesenhirsche hätten sich praktisch zu Tode gerüstet – nur, um Erfolg beim anderen Geschlecht zu haben: je grösser die Kopftracht, desto besser. Bis zum bitteren Ende.

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Pferde erinnern sich an unsere Mimik

Pferde erinnern sich an unsere Mimik – und reagieren bei einer späteren Begegnung dementsprechend. © Pixabay
Gedächtnis für Emotionen: Pferde können nicht nur erkennen, ob wir sie freundlich oder böse anschauen – sie prägen sich solche Erlebnisse auch ein. Das belegt nun erstmals ein Experiment britischer Forscher. Demnach reagieren die Tiere spürbar negativ auf eine Person, wenn sie diese zuvor mit grimmiger Mimik auf einem Foto gesehen haben. Dank dieser Fähigkeit könnten die Tiere im Alltag zum Beispiel Begegnungen mit potenziell aggressiven Individuen aus dem Weg gehen, wie das Team berichtet.

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Pferde begleiten uns Menschen nun schon seit mindestens 5.000 Jahren. Damals entdeckten unsere Vorfahren die galoppierenden Vierbeiner für sich und domestizierten sie – der Beginn einer Erfolgsgeschichte. Ob als Transportmittel, Arbeits- und Sporttier oder als tierischer Freund: Die Beziehung zwischen Mensch und Pferd ist im Laufe unserer gemeinsamen Geschichte immer enger geworden.

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Im 23. Jahrhundert ist die Kuh das größte Landtier der Welt

foto: ap/ben sellon/google So könnte in naher Zukunft die Thronerbin des Afrikanischen Elefanten als größtes Landtier seiner Zeit aussehen.
US-Forscher erhoben die Durchschnittsmasse von Säugetieren einst und jetzt: Vergleich zeigt dramatischen Trend

derStandard.at

Bis auf Afrika und den indischen Subkontinent haben alle größeren Landmassen der Erde fast ihre gesamte Megafauna eingebüßt. Und der Prozess setzte stets dann ein, wenn sich die ersten Menschen auf diesen Landmassen ausbreiteten: auf Inseln wie Neuseeland oder Madagaskar also viel später als auf den Kontinenten. Und obwohl diese zeitlichen Parallelitäten schwer wegzudiskutieren sind, wogt in der Wissenschaft seit langem ein Grundsatzstreit darüber, ob wirklich der Mensch die Ursache war oder nicht vielleicht doch Klima- und andere Umweltfaktoren.

Ein Team um Felisa Smith von der University of New Mexico rückt nun ganz klar den Menschen als Auslöser des globalen Megafauna-Sterbens in den Fokus. Für die in „Science“ veröffentlichte Studie wurde ein etwas anderer Ansatz als üblich gewählt und das Verschwinden der großen Landtiere von der statistischen Seite her aufgezogen: Die Forscher besahen sich, wie sich das Durchschnittsgewicht der Landfauna im Lauf der vergangenen 125.000 Jahre verändert hat.

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Was Wale vor der Taucherkrankheit schützt

Wale können unter Wasser in extreme Tiefen vordringen – warum bekommen sie beim Auftauchen nicht die Taucherkrankheit? © Baptiste Le Bouil/ istock
Ans Tauchen angepasst: Anders als der Mensch bekommen Meeressäuger äußerst selten die Taucherkrankheit. Forscher haben nun neue Erkenntnisse darüber erlangt, wie Wale und Co dies bewerkstelligen. Ihrer Hypothese zufolge kollabiert die Lunge der Tiere entgegen bisheriger Vorstellungen beim Tauchen nicht vollständig. Stattdessen fällt nur ein Teil des Atemorgans zusammen. Der andere bleibt mit Luft gefüllt, wird aber nur wenig durchblutet.

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Jeder Taucher kennt sie ganz genau – die Dekompressionskrankheit. Sie entsteht, wenn man sich am Ende eines Tauchgangs zu schnell in Richtung Wasseroberfläche bewegt. Der Grund: Beim Tauchen ist der Körper hohem Druck ausgesetzt, wodurch sich viel Stickstoff im Blut löst und auch ins Gewebe gelangt. Beim schnellen Auftauchen nimmt die Löslichkeit dieses Gases aufgrund des schwindenden Drucks plötzlich ab. Dadurch bilden sich Stickstoffblasen. Dieser Effekt ist für den Organismus fatal und kann zu Schäden bis hin zum Tod führen.

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«Rasse» in der Genetik – «Vor bestimmten Resultaten hätte ich zu viel Angst»

Bild: 4ever.eu
«Rasse» ist ein heikler Begriff im Zusammenhang mit Menschen. Heute herrscht Konsens: «Rasse» ist ein soziales Konstrukt, der Begriff biologisch nicht haltbar. Unter menschlichen Populationen gibt es keine so grossen Unterschiede, dass man von Rassen sprechen könnte.

Interview Sarah Herwig | SRF

An diesem Dogma rüttelt der US-amerikanische Genetiker David Reich in einem Artikel in der New York Times, Link öffnet in einem neuen Fenster: In den letzten 20 Jahren, so Reich, habe die Forschung gezeigt, dass genetische Unterschiede zwischen verschiedenen Menschengruppen doch grösser seien als angenommen. Sie bestimmten nicht nur die Hautfarbe, sondern beispielsweise auch die Körpergrösse oder die Anfälligkeit für bestimmte Krankheiten.

Das Festhalten an diesem Dogma und das Schweigen über genetische Unterschiede biete Raum für pseudowissenschaftliche Stimmen, schreibt Reich. In den USA hat dies einen Aufschrei und eine Debatte ausgelöst.

Diese Debatte sei eine gute Reaktion auf den Artikel, sagt Evolutionsbiologe Claus Wedekind von der Universität Lausanne.

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Über die Entstehung der Schönheit

Die Federpracht männlicher Pfaue bereitete Charles Darwin Kopfzerbrechen: Wie lässt sich die Entwicklung dieses imposanten Schmucks, dank dessen die Tiere kaum laufen können, mit der Evolutionstheorie erklären? Foto: dpa / Boris Roessler
Wie sich sexuelle Anziehung und ein Sinn für Schönheit in der Evolution entwickelt haben, legt der Verhaltensforscher Michael Ryan in seiner Neuerscheinung dar.

derStandard.de

Die Farben von Schmetterlingen und Fischen, die Gesänge von Insekten und Vögeln, die Düfte von Motten und Säugetieren – im Tierreich gibt es eine ganze Reihe einmaliger Eigenschaften, die der Partner-Anbahnung dienen. Woher die verschiedenen Ausprägungen von sexueller Schönheit kommen und was sie bringen, diesen Fragen geht der US-Verhaltensbiologe Michael Ryan in seiner Neuerscheinung „A Taste for the Beautiful“ nach.

Der Anblick der prächtigen Federn eines Pfaues mache ihn „krank“, sagte der Schöpfer der Evolutionstheorie Charles Darwin einmal. Denn wie sich so ein für das tägliche Leben dermaßen unpraktikables Federkleid im Laufe der Evolution durchsetzen konnte, war mit dem Credo des „survival of the fittest“ nicht zu erklären.

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Evolutionäre Fressfalle: Was Kartoffelchips im Gehirn anrichten

Wer kann sich da beherrschen? Bild: Picture-Alliance
Wer einmal anfängt, hört oft erst auf, wenn die Tüte leer ist. Forscher wollen wissen, was Chips und andere Snacks so verführerisch macht – und sind auf eine optimale Formel gestoßen.

Frankfurter Allgemeine Zeitung

Das Abendessen war lecker und satt ist man eigentlich auch. Und trotzdem ist die Tüte Chips nach dem „Tatort“ leer. Bei manchen Snacks können wir einfach nicht mehr aufhören, wenn wir einmal angefangen haben. Doch warum ist das so? Wissenschaftler aus Erlangen beschäftigen sich schon seit einer ganzen Weile mit diesem Phänomen der „hedonischen Hyperphagie“. Im Versuch mit Ratten wollen sie eine Art Naschformel herausgefunden haben – ein bestimmtes Verhältnis aus Fett und Kohlenhydraten, das Lebensmittel besonders attraktiv macht.

Nun haben die Forscher eine Folgestudie mit Menschen gemacht. Ein Ergebnis: Je höher der sogenannte Body Mass Index (BMI) – also je dicker jemand ist –, desto stärker wird beim Chips-Essen sein Belohnungszentrum im Gehirn aktiviert.

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Das Artensterben ist mindestens so gefährlich wie der Klimawandel

Jedes Tier, auch die Schnecke, hat eine Funktion in der Natur. (Foto: dpa-tmn)
Alle reden vom Insektensterben. Doch das ist nur ein kleiner Teil einer viel größeren biologischen Katastrophe.

Von Tina Baier | Süddeutsche Zeitung

Das Insektensterben, über das viel geredet wird, seit es kürzlich wissenschaftlich nachgewiesen wurde, ist schlimm. Die schlechte Nachricht ist, dass dieses Phänomen wahrscheinlich nur ein kleiner Ausschnitt einer viel größeren Krise ist. Überall auf dem Planeten geht derzeit ein gigantisches Artensterben vor sich.

Es ist nicht auf einzelne Brennpunkte wie etwa das Great Barrier Reef vor Australien beschränkt, von dem diese Woche bekannt wurde, dass dort im Jahr 2016 ein Drittel aller Korallen gestorben sind. Es findet auf allen Erdteilen statt, sowohl in den Meeren als auch auf dem Land. Es betrifft Arten quer durch den Stammbaum des Lebens und auch viele, von denen die meisten Menschen nicht einmal wissen, dass es sie gibt. Geschätzt verschwinden jedes Jahr 20 000 bis 25 000 Spezies für immer von der Erdoberfläche.

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Wieso Menschen und Delphine intelligente Wesen sind

Was Delphine mit Menschen gemeinsame haben, klärt ein neues Buch von Jonathan B. Losos. Bild: dpa
Evolution im Experiment: Der Biologe Jonathan B. Losos untersucht, welche Rolle Zufall und Notwendigkeit in der Entwicklung von Lebensformen spielen.

Von Thomas Weber | Frankfurter Allgemeine Zeitung

Vor gut zwei Jahrzehnten erregte eine Debatte zwischen Stephen Jay Gould und Simon Conway Morris die Gemüter in der Evolutionsbiologie. Gould sah die Geschichte des Lebens als vom Zufall bestimmt. Deterministische Signale wie evolutionärer Fortschritt und schrittweises Auffüllen ökologischer Nischen seien im Rauschen der Kontingenz kaum wahrzunehmen. Auch der Mensch sei nichts anderes als ein außerordentlich unwahrscheinliches evolutives Ereignis im unermesslichen Reich der Möglichkeiten.

Simon Conway Morris trat dagegen als Advokat der Notwendigkeit auf. Sein Schlagwort war „Konvergenz“, das heißt die Evolution von ähnlichen morphologischen und physiologischen Eigenschaften in nicht verwandten Organismen. Die ökologischen Bedingungen, so das Argument, erlaubten immer nur eine begrenzte und ziemlich gut bekannte Anzahl von „Designs“, von Bauplänen. Ein schnell schwimmender Meeresbewohner muss eben etwa so wie ein Delphin geformt sein, ein Raubtier oft wie ein Tiger aussehen, ob Säuge- oder Beuteltier. Selbst wenn man die Entwicklung des Lebens noch einmal in der tiefen Vergangenheit starten könnte, würde uns das Ergebnis schließlich doch irgendwie bekannt vorkommen.

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Der Genetiker David Reich löst in den USA einen Intellektuellen-Streit über Erbgut und Rassen aus

Die südafrikanischen Stan sind eines der wenigen Urvölker, die sich nicht genetisch durchmischten. (Bild: Three Lions/Getty Images)
Neue wissenschaftliche Erkenntnisse rütteln an der These, dass es zwischen menschlichen Populationen keine allzu grossen Unterschiede gäbe. Womöglich ist «Rasse» doch mehr als eine soziale Konstruktion?

Markus Schär | Neue Zürcher Zeitung

Wir alle sind auch Abkömmlinge der Neandertaler: Wir tragen zu rund zwei Prozent das Erbgut unserer Verwandten in uns, die seit ihrer Entdeckung 1856 als primitive Vormenschen galten. Zu dieser Erkenntnis kamen die Genetiker in den letzten zehn Jahren. Sie schlossen aus den Spuren, die sich in unserem Erbgut finden, dass die kleine Gruppe von Homo sapiens, die aus Afrika auszog, vor 50 000 Jahren im Nahen Osten mit Neandertalern Kontakte pflegte, auch sexuelle. Deshalb geben die modernen Menschen auf allen Kontinenten die Gene der verachteten Verwandten weiter – ausser in Afrika, wo sich Homo sapiens in seiner unvermischten Form durchsetzte.

Angenommen, es wäre umgekehrt: Die Europäer, die Asiaten und die Amerikaner würden den modernen Menschen in seiner reinen Gestalt verkörpern, nur die Afrikaner das primitive Erbe der als minderwertig angesehenen Neandertaler weitergeben. Liesse sich ein solcher Befund in einem akademischen Klima veröffentlichen, das die Erkenntnis ängstlich der politischen Korrektheit opfert? Über solchen Fragen tobt derzeit in den USA ein Streit unter Intellektuellen.

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Explodierende Ameisen

Auf Borneo ist eine neue Ameisenart entdeckt worden. Da es keine Bilder gibt, bedienen wir uns an einem Symbolbild. (imago stock&people)
Auf Borneo haben Wissenschaftler eine neue Ameisenart entdeckt, die zu Verteidigungszwecken explodiert.

Dlf24

Wie ein internationales Forscherteam im Fachjournal ZooKeys schreibt, nehmen die Tiere zwar den eigenen Tod in Kauf, besprühen ihre Feinde aber auch mit einer klebrigen Gift-Flüssigkeit, die die Angreifer tötet oder zumindest aufhält. Die Ameisenart hat auf der Insel bereits den Spitznamen Yellow Goo, also „Gelbes klebriges Zeug“.

Die erste Ameisenart mit der eigenwilligen Verteidigungsstrategie war schon vor hundert Jahren beschrieben worden. Danach wurden aber kaum andere derartige Ameisenarten mehr entdeckt. Unter anderem weil es schwierig sei, den Tieren ihr explosives Temperament nachzuweisen, erklären die Wissenschaftler.

Je nach Aufgabe haben die Individuen dieser Art weitere besondere Fähigkeiten. Während Arbeiterinnen, die außerhalb des Nests unterwegs sind, explodieren können, blockieren sogenannte Türsteher mit ihren Pfropfen-förmigen Köpfen bei Gefahr die Eingänge des Nests.