Säugetiere: Erfolg durch Schrumpfen?

Rekonstruktion des Säugetier-Vorläufers Morganucodon – er war nur vier bis sechs Zentimeter groß. © Bob Nicholls/ Paleocreations.com
Rätselhafter Umbau: Die Evolution unserer frühen Säugetier-Vorfahren könnte erst durch eine Miniaturisierung möglich geworden sein. Denn nur die geringe Körpergröße verringerte die Kaubelastung ihrer Kiefer genügend, um diese quasi „im laufenden Betrieb“ umzubauen, wie die Forscher im Fachmagazin „Nature“ berichten. Aus dem vielteiligen Reptilienkiefer wurden so vor rund 200 Millionen Jahren die Gehörknöchelchen und der nur noch einteilige Säugetier-Unterkiefer.

scinexx

Vor rund 200 Millionen Jahren bahnte sich eine umwälzende Veränderung bei den Vorläufern der ersten Säugetiere an: Die Knochen ihrer bis zu siebenteiligen Reptilien-Unterkiefer verlagerten sich und verschmolzen. Im Laufe von rund 100 Millionen Jahren entstanden so der typische Unterkiefer und die Gehörknöchelchen der Säugetiere. Dabei bildete sich ein neues Kiefergelenk, das alte Reptiliengelenk verschwand und ein Teil der alten Kieferknochen wurden zu Hammer, Amboss und Steigbügel – zu den entscheidenden Komponenten unseres Gehörs.

weiterlesen

Der Dichter als Evoluzzer

Raoul Schrott, geboren 1964 in Landeck, TirolFoto: Peter-Andreas Hassiepen/Hanser
Internatioales Literaturfestival Berlin: Raoul Schrott untersucht die naturgeschichtliche Entwicklung des Menschen.

Von Ulrike Baureithel | DER TAGESSPIEGEL

Die Naturwissenschaften haben dem Menschen schon viele narzisstische Kränkungen beigebracht – angefangen mit Charles Darwin, der die göttliche Krone der Schöpfung mit seiner Evolutionstheorie wieder ins Tierreich einsortierte, über die Fruchtfliege Drosophila, jenen Modellorganismus, der ihn über seine eigenen genetischen Geheimnisse aufklärt, bis hin zu den Memen, den soziokulturell vererbten Codes des menschlichen Verhaltens. 95 Prozent dieser Codes, erklärt der Schriftsteller Raoul Schrott derzeit täglich seinem Publikum beim Internationalen Literaturfestival, laufen völlig unbewusst ab und blamieren Descartes’ Annahme, dass der Mensch ist, wo er denkt.

weiterlesen

Gene „aus dem Nichts“

Wie entstehen neue Gene? © Ktsimage/ thinkstock
Plötzlich da: In unserem Erbgut entstehen ständig neue Gene spontan und quasi aus dem Nichts. Wie Forscher jetzt herausgefunden haben, bilden sich die Kandidaten für solche proteinkodierenden DNA-Abschnitte permanent aus der sogenannten Juni-Dna. Ein Großteil dieser Genvorläufer verschwindet allerdings schnell wieder. Nur aus einigen wenigen gehen wirklich funktionstüchtige Gene hervor – Code-Abschnitte, die einem Organismus grundlegend neue Eigenschaften bescheren können.

scinexx

Kopieren und schrittweise verändern ist einfacher, als etwas völlig Neues zu entwickeln: Lange Zeit dachten Forscher, dieses Prinzip gelte auch für die Evolution von Genen. Demnach entstehen neue proteinkodierende Abschnitte der DNA durch die Vervielfältigung und punktuelle Veränderung bereits bestehender Gene. Dass vollständig neue Gene und damit neue Eigenschaften quasi aus dem Nichts auftauchen, galt dagegen jahrzehntelang als undenkbar.

weiterlesen

In Turkey, Darwin is being removed from textbooks

A copy of Darwin’s „Origin of Species“ in front of a stone bust of Charles Darwin at London’s Natural History Museum. Soon, references to the pioneering biologist and his theory of evolution will be removed from Turkish textbooks (SHAUN CURRY/AFP/Getty Image
Science education is being attacked in several countries at the same time, including right here in the good ol‘ U. S. of A.

By Brandon A. Weber | big think

The latest? The country of Turkey has banned the teaching of evolution and even the mention of natural selection and Charles Darwin from the biology textbooks of secondary school children. The law was passed to make such changes soon after an attempted political coup in 2016. Since that move, the country’s government has moved toward a much more authoritarian model—one that regards religious fundamentalism above science and schools. Erdogan’s government is also creating a massive refugee crisis as those who do not wish to live under sharia law escape the country, mainly to Greece.

Read more

„Duft der Frauen“ enträtselt

Unabängig von individuellen Vorlieben wirkt der Körpergeruch einiger Frauen auf Männer attraktiver. Warum, haben Forscher nun herausgefunden. © puhha/ iStock
Verführerischer Duft: Dass der individuelle Körpergeruch auch bei der Partnerwahl eine Rolle spielt, ist nicht neu. Jetzt aber enthüllt ein Experiment, dass einige Frauen für Männer grundsätzlich anziehender duften als andere – unabhängig von den persönlichen Präferenzen oder Merkmalen der Schnuppernden. Der Grund sind die Geschlechtshormone: Frauen mit hohem Östrogenspiegel und wenig Progesteron sind besonders fruchtbar – und das verrät ihr Körpergeruch.

scinexx

Sowohl im Tierreich als auch beim Menschen spielt der Geruch für Partnerwahl und Sozialverhalten eine wichtige Rolle. Die individuelle Duftnote verrät unter anderem unser Alter, unseren Gemütszustand und die Konfiguration unseres Immunsystems. Bei Frauen sorgen die im Verlauf ihres Zyklus schwankenden Hormone dafür, dass sie für Männer während ihrer fruchtbaren Tage am anziehendsten duftet.

weiterlesen

Die Blattlaus ist ökologisch wichtiger als der Hirsch

Insekten wie diese Gartenhummel sind Teil eines intakten Wiesen-Ökosystems. (Bild: Imago)
Ohne grössere Tiere wie Hirsch oder Murmeltier kommt das Ökosystem von Wiesen ganz gut zurecht. Aber ohne kleine, wirbellose Tiere wie Insekten wird das System sehr instabil, wie eine Studie der Forschungsanstalt WSL zeigt.

Neue Zürcher Zeitung

Wenn Tiere aussterben, verschwinden zuerst die grösseren und zum Schluss die kleinsten. Diesen Umstand hat ein Experiment der Eidgenössischen Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft (WSL) im Schweizerischen Nationalpark nachgestellt. Ziel war es, herauszufinden, welche Rolle die Tiere verschiedener Grösse für das Funktionieren des Ökosystems Wiese spielen.

Von 2009 bis 2013 stellten die Forscher um Anita Risch in dem Gebiet Zäune auf, um Tiere der Grösse nach von der Wiese auszuschliessen, wie die WSL am Montag mitteilte: Ganz aussen stand der weitmaschigste Zaun, der nur die grossen Säugetiere wie Hirsche fernhielt. Weiter innen wurden die Zäune immer engmaschiger und hielten auch kleinere Säuger wie Murmeltiere, Hasen und Mäuse zurück. Ganz innen kamen auch wirbellose Tiere wie Schnecken, Heuschrecken und Blattläuse nicht mehr durch.

weiterlesen

Zufall oder Zwang: Der Streit um das Wesen der Evolution

Dem Einschlag eines Asteroiden wird nicht nur die Verantwortung für das Ende der Dinosaurier zugeschrieben, er formte auch den 180 Kilometer weiten Chicxulub-Krater (imago / Leemage)
Es ist eine der größten Fragen der Biologie: Ist das Auftreten des Menschen ein unwahrscheinlicher Zufall in der Evolution? Oder musste es auf die eine oder andere Weise zwangsläufig auf die Entwicklung der menschlichen Spezies hinauslaufen?

Von Dagmar Röhrlich | Deutschlandfunk

Harry Whittington war fassungslos. Der Cambridge-Forscher hatte 1972 in einem Vortrag ein Fossil aus einer berühmten Fundstätte in den kanadischen Rocky Mountains vorgestellt, den Burgess-Shales. Die Schiefer sind mehr als 500 Millionen Jahre alt und stammen aus der Zeit der Kambrischen Explosion. Damals tauchten große Tiere scheinbar aus dem Nichts auf. Und eines war Opabinia, dessen Rekonstruktion das Publikum gerade mit einem Lachkrampf bedacht hatte. Denn Opabinia hatte fünf Augen auf dem Kopf und einen Rüssel mit Greifzange an der Spitze.

„Als in den 70er- und 80er-Jahren die ersten Rekonstruktionen der Fossilien aus den Burgess-Shales vorgestellt wurden, schienen die Körperpläne der Tiere vollkommen anders zu sein als alles, was wir kennen.“

Die Tiere erschienen fremdartig, erinnert sich Simon Conway Morris von der University of Cambridge. Und auch er war der Überzeugung, dass es von ihnen keinerlei Nachfahren gebe. Und dieser Gedanke war der Grundstein für eine wissenschaftliche Auseinandersetzung, die bis heute nachhallt:

„Stephen Jay Gould hat aus dieser Überzeugung dann die berühmte Frage entwickelt: Wenn wir zur Lebenswelt der Burgess Shales zurückkehrten und von da an das Band des Lebens neu abspielen könnten: Würde es sich zu den Formen entwickeln, die wir heute sehen? Würde es Menschen geben? Für ihn – und damals auch für mich – lautete die Antwort: Nein. Der Mensch wäre sozusagen ein Unfall in der Geschichte.“

weiterlesen

Biodiversität: Parallele Evolution bei Buntbarschen

Amphilophus citrinellus, eine der sieben untersuchten Buntbarsch-Arten (Bild: Claudius Kratochwil)
Allein in der Familie der Buntbarsche gibt es halb so viele Arten wie in der Klasse der Säugetiere insgesamt. Biologische Vielfalt ist im Tierreich sehr unterschiedlich verteilt. Aber warum? Dieser Frage geht der Evolutionsbiologe Axel Meyer mit seiner Arbeitsgruppe bei Buntbarschen in mehreren Kraterseen Nicaraguas nach.

Gespräch Lennart Pyritz | Deutschlandfunk Kultur

Lennart Pyritz: Nicht nur das Leben, auch die Forschung selbst hat sich seit den 1980er Jahren weiter entwickelt. Und damit auch die wissenschaftliche Diskussion, inwieweit die Evolution vorhersagbar ist. Inzwischen haben Studien im Freiland und im Labor neue Einblicke in die Fragen eröffnet, die Simon Conway Morris und Stephen Jay Gould einst aufgeworfen haben. Einer, der selbst in der freien Natur dazu forscht, ist der Biologe Axel Meyer von der Universität Konstanz. Ich habe ihn vor der Sendung gesprochen und zuerst gefragt, auf welcher Seite er steht: Simon Conway Morris und funktionale Zwänge, die die Evolution prägen, oder Stephen Jay Gould und der Zufall?

Axel Meyer: Das ist nicht ganz einfach. Ich glaube, dass unsere eigene Forschung eher auf der Seite von Simon Conway Morris ist, aber die bezieht sich auf kürzere evolutionäre Zeiträume von ein paar Millionen Jahren. Aber ich glaube, dass ich von meiner Einschätzung der Situation eher auf der Stephen-Jay-Gould-Seite bin, dass es also viele eingefrorene Zufälle gibt und dass Dinge mal im Kambrium eingefroren sind, und seitdem spielt die Evolution wie ein Bastler damit rum.

weiterlesen

„Der Mensch ist das Tier, das keines sein will“

Auguste Rodins Skulptur „Der Denker“ (Detail): Sinnesorgan, das wir trainieren sollten. (Godong)
Die Würde des Menschen entspringt der Fähigkeit, über sich selbst nachzudenken. Davon ist der Philosoph Markus Gabriel überzeugt: Das Denken sei ein „sechster Sinn“, den wir trainieren sollten – auch, um Vertrauen in die Demokratie zu stärken.

Markus Gabriel im Gespräch mit Stephanie Rohde | Deutschlandfunk Kultur

Wir werden die Welt und den Menschen völlig neu denken müssen, das legt Markus Gabriel in seinem neuen Buch „Der Sinn des Denkens“ nah. Jahrhundertelang seien Philosophen dem fundamentalen Irrtum aufgesessen, „es gäbe einen kategorialen Unterschied zwischen Subjekt und Objekt“. Immanuel Kant zum Beispiel habe „völlig falsch gelegen“, als er behauptete, dass wir nicht „Dinge an sich“ erkennen können, sondern dass die Wirklichkeit uns immer nur indirekt zugänglich sei: gefiltert durch vorgegebene Kategorien unserer Wahrnehmung.

Denken als Sinnesorgan

Gabriel, der an der Universität Bonn Erkenntnistheorie lehrt, hält das Denkvermögen dagegen für „ein Sinnesorgan“ wie Auge und Ohr: So wie wir Farben wahrnehmen, indem wir sehen, und Töne, indem wir hören, gebe es andere Aspekte der Wirklichkeit, die wir als Denkende erfassen: zum Beispiel die Anzahl von Gegenständen, die wir vor uns haben, oder die Tatsache, dass diese sich nach bekannten Naturgesetzen verhalten, indem sie etwa von oben nach unten fallen und nicht umgekehrt. Im Namen eines „Neuen Realismus“ betrachtet Gabriel Gedanken daher ebenso als Teil der wirklichen Welt wie Komponisten, Elementarteilchen oder wilde Tiere:

„Der neue Realismus sagt: Stopp! Warum sollte denn das Denken weniger wirklich sein als Fermionen und Bosonen? Warum sind meine Gedanken über Beethoven weniger wirklich als Beethoven? Das leuchtet mir nicht ein, und deswegen beginnt der Neue Realismus damit, ein Konzept von Wirklichkeit zu entwickeln, das dem einfachen Umstand Rechnung trägt, dass bewusstes geistiges Leben in keinem Sinne ein verdächtigerer Einwohner des Universums ist als Fermionen oder Löwen.“

weiterlesen

Auch Belugas und Narwale haben Wechseljahre

Belugaweibchen mit ihren Jungen. Diese Walart gehört zu den wenigen Säugetierer, bei denen die Weibchen noch nach den Wechseljahren weiterleben. © Tony Fox/ CC-by-sa 3.0
Nützliche „Omas“: Auch Belugas und Nawal-Weibchen durchleben die Wechseljahre. Sie gehören damit neben dem Menschen und zwei weiteren Walarten zu den einzigen Säugetieren, von denen eine Menopause bekannt ist. Der Grund für das vorzeitige Ende der Fruchtbarkeit bei uns und diesen Walen könnte im „Oma-Effekt“ liegen: Ältere, nicht mehr fortpflanzungsfähige Weibchen haben mehr Zeit und Energie, um sich um den Nachwuchs ihrer engen Verwandten zu kümmern.

scinexx

Bei fast allen bekannten Tierarten pflanzen sich die Weibchen bis an ihr Lebensende fort – Wechseljahre gibt es bei ihnen nicht. Evolutionär gesehen hat dies auch seinen Sinn: Es geht darum, seine Gene weiterzugeben. Ist ein Tier nicht mehr fortpflanzungsfähig, hat es seine Aufgabe erfüllt und ist sozusagen überflüssig. Insofern sind menschliche Frauen echte Sonderlinge der Evolution. Denn sie gehören zu den wenigen Säugetieren, die noch Jahrzehnte nach der Menopause weiterleben.

weiterlesen

Auch Papageien denken ökonomisch

Kluge Vögel: Papageien, hier ein Blaukopfara, erkennen sehr genau, wann es sich lohnt zu warten. © DickDaniels (http://carolinabirds.org/)/ CC-by-sa 4.0
Wer wartet, profitiert: Dieses oft gültige ökonomische Prinzip begreifen auch Papageien, wie nun Experimente belegen. Wenn sie die Wahl zwischen einem schlechten Futterstück jetzt und einer Leckerei später haben, entscheiden sie sich für später. Diese Fähigkeit der Impulskontrolle und der vorausschauenden Entscheidung galt lange als rein menschliche Domäne, inzwischen aber haben Affen und mehrere Vogelarten dies als Irrtum entlarvt – darunter nun auch die Papageien.

scinexx

An dieser Hürde scheitern vierjährige Kinder regelmäßig: Wenn sie auf den sofortigen Genuss einer Leckerei verzichten sollen, um später die doppelte Portion zu bekommen, greifen die meisten Kleinkinder trotzdem zu. Sie verstehen noch nicht, dass es lohnender ist, zu warten. Denn dafür müssten sie sich in zukünftige Situationen versetzen und unmittelbare Bedürfnisse zugunsten des langfristigen Ziels zurückstellen – doch diese Fähigkeit entwickeln wir erst beim Heranwachsen.

weiterlesen

Frühmenschenkind „Denisova 11“ – Neandertaler paarten sich mit Denisovanern

Dieses Knochenfragment („Denisova 11“) wurde 2012 von russischen Archäologen in der Denisova-Höhle in Russland gefunden und repräsentiert die Tochter einer Neandertaler-Mutter und eines Denisovan-Vaters. (Foto: Thomas Higham, University of Oxford Foto: Ian.R.Cartwright 2015/dpa
Von einem jahrtausendealten Mädchen überdauert nur ein einziges Knochenfragment die Zeit – Forscher geben ihm den Namen „Denisova 11“. Es ist das Zeugnis einer Paarung, die wahrlich Brücken schlug: Multi-Kulti in der Frühzeit.

Anja Garms | n-tv

Das kleine Knochenfragment, das russische Archäologen 2012 in der Denisova-Höhle entdeckten, hat es in sich: Erbgutanalysen zeigen, dass es von einem Mädchen stammt, dessen Mutter Neandertalerin und dessen Vater Denisovaner war. Die Untersuchung zeige unter anderem, dass die beiden Gruppen von Frühmenschen sich häufiger miteinander vermehrten als bislang angenommen, berichtet ein internationales Forscherteam unter Leitung des Max-Planck-Instituts für evolutionäre Anthropologie (MPI-EVA) in Leipzig im Fachblatt „Nature“.

„Neandertaler und Denisovaner hatten vielleicht nicht viele Gelegenheiten, einander zu treffen. Aber wenn sie aufeinandergetroffen sind, müssen sie relativ häufig Kinder miteinander gezeugt haben – viel öfter als wir bisher dachten“, kommentiert Studienleiter Svante Pääbo.

Bis vor etwa 40.000 Jahren lebten sowohl Neandertaler als auch Denisova-Menschen in Eurasien. Die Neandertaler bevölkerten vor allem den westlichen Raum, Denisovaner den östlichen. Überreste von letzteren fanden sich bisher ausschließlich in der Denisova-Höhle im russischen Altai-Gebirge, wo auch Spuren von Neandertaler gefunden worden sind.

weiterlesen

Darwins Motten

(Foto: mauritius images/Prisma/Schwab Lukas)
Eines der berühmtesten Beispiele für die Evolution – der sogenannte Industriemelanismus – wird immer wieder angezweifelt. Britische Forscher haben jetzt herausgefunden: Die Kritiker der Evolutionstheorie liegen falsch.

Von Tina Baier | Süddeutsche Zeitung

Diese unscheinbaren Nachtfalter sind eines der berühmtesten und zugleich umstrittensten Beispiele für das Wirken der Evolution in der Natur. Ursprünglich sind Birkenspanner hell gefärbt (links) und so für ihre Feinde kaum sichtbar, wenn sie auf der weißen Rinde von Birken sitzen. Diese Tarnung versagte plötzlich, als sich im 19. Jahrhundert die Stämme wegen der starken Luftverschmutzung in englischen Industriegebieten dunkel verfärbten.

weiterlesen

Daniel Dennett – Der Geist kommt nicht von oben

Ob hier ein ganz besonders Bewusstsein zuhause war? Eine Ausstellung zeigt Teile von Albert Einsteins Gehirn. Bild: dpa
Vom Gen zum Mem zum Intellekt: Daniel Dennett knöpft sich Fragen zur Entstehung des Bewusstseins vor. Hat der Geist eine geistlose Entwicklung hinter sich?

Von Helmut Mayer | Frankfurter Allgemeine Zeitung

„Bewusstsein“ ist ein Wort, dessen alltäglichem Gebrauch man kaum die Verwirrungen ansehen kann, die es abseits von ihm hervorbringt. Verliert einer das Bewusstsein, ist er nicht mehr ansprechbar. Tun wir etwas ganz bewusst, dann achten wir darauf und können davon mehr erzählen, als wenn wir es unachtsam tun. Genauso wie dann, wenn wir uns irgendeines Sachverhalts bewusst sind, nämlich ausdrücklich auf ihn achten. Oder auch auf eine eigene Tätigkeit achten, die wir ebenso gut ohne unser explizites Aufmerken ablaufen lassen könnten – sie also bewusst ausüben.

Aber kaum ist der Boden solcher alltäglichen Verwendungen verlassen, zeigt die Rede vom Bewusstsein ihre metaphysischen Mucken. Abgründige Probleme und Rätsel tun sich auf. Wir stellen uns etwa vor, dass jeder von uns sein eigenes inneres Bewusstseinskämmerchen hat, über dessen Inhalt nur er oder sie Bescheid weiß. Nie werden deshalb andere erfahren, wie meine Erfahrung der Farbe Rot sich für mich ausnimmt. Und überhaupt: Dieses innere Anfühlen der Welt und unserer Erfahrung von ihr in unserem Geist, wie soll es durch das wissenschaftliche Aufdröseln neuronaler Verarbeitungsmechanismen jemals erklärt werden?

weiterlesen

Zu viele Ameisen verderben den Tunnelbau

Ameisen kommen auch bei Platznot gut aneinander vorbei. (Bild: Getty)
Die Arbeitsteilung von Feuerameisen beim Graben von Tunnels könnte der Steuerung von autonomen Robotern als Vorbild dienen. Die Tiere arbeiten effizient und ohne sich gegenseitig zu blockieren.

Philipp Hummel | Neue Zürcher Zeitung

Schon seit längerem arbeiten Wissenschafter und Ingenieure an maschinellen Systemen, die sich selbstbestimmt in schwer zu navigierenden Umgebungen bewegen können. Ein Beispiel sind Roboterschwärme, die nach einer Katastrophe Schutt beseitigen; ein anderes Nanoroboter, die, in den menschlichen Blutkreislauf eingeschleust, Medikamente an bestimmte Stellen des Körpers liefern sollen. Doch bei solchen Systemen aus individuellen, aktiven Objekten kann es zu unerwünschten Staus kommen. Schon wenige Räumroboter können sich gegenseitig blockieren und so den Fluss des gesamten Systems bremsen oder gar zum Erliegen bringen.

Untätigkeit ist nützlich

Forscher um Jeffrey Aguilar und Daria Monaenkova vom Georgia Institute of Technology in Atlanta, USA, haben nun in Experimenten mit Feuerameisen untersucht, wie die Tiere beim Tunnelbau das Risiko für Staus verringern.1 Ihre Erkenntnisse überprüften sie anhand von Computersimulationen und Experimenten mit Robotern. Die Forscher fanden heraus, dass das Staurisiko sinkt, wenn das Arbeitsaufkommen ungleich verteilt wird; das heisst, einige der Akteure leisten mehr Arbeit als andere. Ausserdem stellten sie fest, dass bestimmte Strategien die Ameisen davor schützten, sich gegenseitig zu behindern: In manchen Situationen bleiben sie gänzlich untätig, oder sie ziehen sich zum Ausgang eines bereits besetzten Tunnels zurück, ohne dabei Material zu transportieren.

weiterlesen

Spektakulärer Fund eines Flugsauriers

Rekonstruierter Schädel des Pterosauriers Bild: BYU
Amerikanische Forscher haben einen erstaunlichen Fund gemacht: Sie entdeckten in Utah fossile Überreste eines schätzungsweise 200 Millionen Jahre alten Flugdrachen. Die Knochen sind erstaunlich gut erhalten.

Frankfurter Allgemeine Zeitung

Im Nordwesten des amerikanischen Bundesstaats Utah haben amerikanische Wissenschaftler ein besonders gut erhaltenes Skelett eines Flugsauriers entdeckt. Die fossilen Knochen sind älter als  200 Millionen Jahre und  gehörten einer Pterosaurier-Art, die die Paläontologen von der Brigham Young University in Utah Caelestiventus hanseni getauft haben.  Wie Brooks Britt und seine Kollegen in der Zeitschrift „Nature Ecology & Evolution“ schreiben, hatte das Tier eine Flügelspannweite von schätzungsweise anderthalb Metern sowie 112 Zähne. Es flog nur bei der Nahrungssuche und bewegte sich ansonsten mit seinen vier Füßen auf dem Boden, so die Forscher.

Flugsaurier leben von der späten Trias vor 215 Millionen Jahren bis zu ihrem Aussterben am Ende der Kreidezeit  vor 66 Millionen Jahren.  „Es gibt nur wenige Fossilien von Flugsauriern aus dem Trias und  diese wurden überwiegend in Europa gefunden“, sagte der Erstautor der Veröffentlichung, Brooks Britt.

weiterlesen

Genial daneben: das irreparable Design des Linsenauges

Bild: zdf

Kreationistische Irrtümer über die Qualität der Netzhaut

AG Evolutionsbiologie

Das Planmäßigkeits-Argument besagt, dass biologische Merkmale aufgrund ihrer Beschaffenheit den Eindruck erwecken, als seien sie gezielt erschaffen worden („intelligentes Design“). Wegen ihrer Zweckmäßigkeit und Zielgerichtetheit sei der Schluss auf einen Schöpfer naheliegend, ja sogar die einfachste Erklärung. Diese Argumentation hat mehrere Haken. Einer davon ist die Erkenntnis, dass, sobald man ins Detail geht, die meisten organischen Strukturen, so auch die Netzhaut des Linsenauges, konstruktive Mängel aufweisen, unzweckmäßig arrangiert sind und so in der Gesamtschau den Schluss auf eine zielgerichtete, intelligente Entstehungsursache vereiteln. Gegen diese Einsicht wehren sich Evolutionsgegner mit Händen und Füßen. Zum Beispiel sollen bestimmte retinale Ganglienzellen (sog. MÜLLER-Zellen) in der Netzhaut belegen, dass das Linsenauge optimal für seine Funktion gestaltet wurde. Im vorliegenden Diskussionsbeitrag wird die Argumentation im Detail diskutiert.

 Downloadpdf-Dokument [ca. 343 kB]

Aus dem Inhalt

– Einleitung 

– Das Problem der teleologischen Argumentation 

– Ein Vergleich mit der Technik 

– Die Struktur der Netzhaut: Ein Argument für Evolution! 

– Kreationistische Missverständnisse und retinale MÜLLER-Zellen: Ein Merkmal, das alles verändert? 

– Inwieweit sind Netzhaut und MÜLLER-Zellen optimal für scharfes Sehen? 

– Gibt es „gute Gründe“ für eine inverse Retina? Ja, und die Evolutionstheorie kann sie sogar erklären! 

– Zusammenfassung / Literatur 

Zusammenfassung und Ausblick

Seit Bestehen der Evolutionstheorie wird über den Ursprung des menschlichen Auges gestritten wie über die Entstehung keines anderen Organs. Nach Ansicht der Kreationisten sei das Auge optimal und zweckmäßig für seine Funktion „gebaut“ und deute somit auf ein intelligentes Design hin. Dagegen ist nach Auffassung der Evolutionsbiologen das Auge aufgrund seiner konstruktiven Mängel genau so gebaut, wie man es von einem nicht zielgerichteten Optimierungsprozess erwarten würde: Die Existenz der „verkehrt“ im Augenbecher liegenden (inversen) Netzhaut ist die Konsequenz von Entwicklungszwängen, die sich historisch bis zu den Vorfahren der Wirbeltiere zurückverfolgen lassen. Nur die Evolutionstheorie  kann diesen Befund differenziert (ohne unprüfbare Ad-hoc-Annahmen, quasi-theologische Deutungen zu bemühen) erklären.

Nachdem vor einigen Jahren entdeckt wurde, dass die sog. „MÜLLER-Zellen“ der Netzhaut den Sehvorgang optimieren, da sie wie Lichtleiter wirken, kam noch einmal Bewegung in die Diskussion. Die Kreationisten sehen ihre Position bestätigt, dass das Auge keine Mängel aufweise. Dabei wird übersehen, dass die zweckwidrigen Merkmale nach wie vor existieren. Die MÜLLER-Zellen sind nur eine Behelfslösung, um die Unzulänglichkeiten der ursprünglichen Strukturen so gut wie möglich abzumildern. Die Addition neuer Merkmale zum Beheben konstruktiver Mängel ist ein Kennzeichen evolutionärer Optimierung. Intelligent Design kann insbesondere diese Strukturen des Auges nicht erklären.

Quelle

www.ag-evolutionsbiologie.net/pdf/2011/Design-Linsenauge-Netzhaut.pdf

Download

Autoren: Martin Neukamm / Andreas Beyer

Das Geheimnis der Feuerwürmer

Leuchtender Bermuda-Feuerwurm © James B. Wood
Grünliches Lichtspiel: Zur Paarungszeit leuchten Bermuda-Feuerwürmer an der Meeresoberfläche um die Wette. Das Geheimnis hinter ihrer Biolumineszenz haben Forscher nun entschlüsselt. Demnach sind für das Leuchten der Würmer bestimmte Enzyme verantwortlich. Ein ähnliches Prinzip ist unter anderem von Glühwürmchen bekannt – die nun entdeckten Enzyme unterscheiden sich jedoch deutlich von den bereits bei anderen Tieren gefundenen Stoffen. Damit könnten sie für die biomedizinische Forschung nützlich sein.

scinexx

Worüber sich Erfinder wie Thomas Edison noch im 19. Jahrhundert den Kopf zerbrachen, hat die Natur bereits seit mehreren Millionen Jahren für sich patentiert: die Erzeugung von Licht. Das Phänomen der Biolumineszenz ist im Tierreich weit verbreitet – Forscher haben das Leuchten bereits bei Insekten, Spinnen, Pilzen und auch bei Meereswürmern beobachtet.

weiterlesen

Daniel Dennett: „Von den Bakterien zu Bach – und zurück – „Blick des Philosophen auf die Evolution des Geistes

Daniel Dennett beschreibt in seinem neuen Sachbuch, warum auch der menschliche Geist ein Ergebnis der Evolution ist. (Suhrkamp / imago / Collage: Deutschlandradio)
Körper und Geist, Natur und Kultur – dazwischen besteht kein grundlegender Unterschied. Vielmehr ist alles ein Ergebnis der Evolution. Diese These vertritt der US-amerikanische Philosoph Daniel Dennett. Anschaulich und mit Sprachwitz legt er sie dar in seinem neuen Buch „Von den Bakterien zu Bach – und zurück. Die Evolution des Geistes“.

Von Tomma Schröder | Deutschlandfunk

Daniel Dennett hält nicht viel von Übernatürlichem. Er glaube „nicht an Geister, nicht an Elfen, nicht an den Osterhasen und auch nicht an Gott“, schrieb der amerikanische Star-Philosoph mal in der „New York Times“. In seinem neuen Buch „Von den Bakterien zu Bach – und zurück“ wandelt er daher strikt auf den naturwissenschaftlichen Pfaden.

„Wenn wir die Reparaturmechanismen in Bakterien, die Atmung bei Kaulquappen und die Verdauung von Elefanten erklären können, warum sollte dann nicht auch das bewusste Denken des Homo sapiens seine Geheimnisse diesem sich immer weiter optimierenden Moloch Wissenschaft offenbaren?“

Dualismus von Materiellem und Immateriellem

Spätestens seit Descartes den Dualismus von Materiellem und Immateriellem in eine philosophische Theorie gegossen hat, gilt die Kluft zwischen Körper und Geist, zwischen Natur- und Geisteswissenschaften vielen als unüberwindbar. Die kartesische Wunde nennt Dennett dies – und er will sie heilen. Denn dem Philosophen zufolge, und er weiß viele Wissenschaftler an seiner Seite, existiert diese Wunde gar nicht. Für Dennett gibt es nichts Immaterielles, nichts Mirakulöses, das außerhalb der Reichweite der Naturwissenschaften verbleibt. Vom Bakterium bis zu Bach – und seinem Geist – ist alles ein Ergebnis der Evolution – auch wenn viele das nicht wahrhaben wollen.

weiterlesen

Alter „Feind“ schützt Koalas vor Viren

Unter den Koalas in Australien gehen Krankheiten um, die von Retroviren übertragen werden. © Oversnap/ istock
Unerwartete Hilfe: Ein ehemaliger Feind hilft Koalas offenbar beim Kampf gegen krankmachende Retroviren. Wie eine Studie zeigt, schleusen sich uralte, im Genom der Tiere enthaltene Virus-Schnipsel in das Erbgut dieser Erreger ein. Auf diese Weise werden die normalerweise hoch infektiösen Retroviren unschädlich – und können sich nicht mehr vermehren. Dieser Mechanismus könnte auch die Entstehung einiger Junk-DNA-Elemente im menschlichen Genom erklären.

scinexx

Das menschliche Genom enthält eine Reihe von Sequenzen, die dort eigentlich nichts zu suchen haben: retrovirale DNA. Sie ist in unserem Erbgut enthalten, weil unsere Vorfahren irgendwann einmal von Retroviren infiziert wurden. Solche Erreger schreiben ihr RNA-Erbgut in DNA um und fügen es dann in das Genom ihres Wirts ein. Auf diese Weise können sie dessen Zellmaschinerie nutzen, um sich zu vermehren.

weiterlesen