Ein- und Ansichten eines Vernunftmenschen und eines Forschers aus Leidenschaft

Richard Dawkins, Screengrab
Rezension zu Richard Dawkins: Forscher aus Leidenschaft – Gedanken eines Vernunftmenschen

Von Uwe Lehnert | Richard-Dawkins-Foundation

Die Rede ist von Richard Dawkins – Evolutionsbiologe, Aufklärer und Religionskritiker. In seinem 1976 erschienenen Buch »Das egoistische Gen« vertrat er die provozierende These, dass wir allein von unseren von Generation zu Generation weitergegebenen Genen gesteuert werden und dass alle biologischen Organismen vor allem dem Überleben und der Unsterblichkeit der Erbanlagen dienen. Dawkins klärte uns aber darüber auf, dass wir aufgrund der inzwischen gewonnenen Einsichten in den naturgesteuerten Ablauf diesem Gen-Schicksal dennoch nicht hilflos ausgeliefert seien. Spätestens mit dem Erscheinen seines weltweit verbreiteten Buches »Der Gotteswahn« wurde er auch einer großen Öffentlichkeit als vehementer Religionskritiker bekannt. »Der Gotteswahn« ist eine leidenschaftliche Streitschrift gegen das Irrationale, Fortschrittsfeindliche und Zerstörerische der Religionen. Dawkins gilt seither als einer der bekanntesten Vertreter des sog. Neuen Atheismus.

Man darf gewiss ohne Übertreibung sagen, dass Richard Dawkins einer der einflussreichsten gegenwärtigen Intellektuellen ist. Nach einer sehr fruchtbaren Phase als Wissenschaftler und Forscher, die 1967 in Berkeley/USA begann, übernahm er 1995 an der Universität Oxford eine »Professur für die Förderung des Wissenschaftsverständnisses in der Öffentlichkeit« (Professor of the Public Understanding of Science). Eine wohl einmalige Einrichtung in der internationalen Wissenschaftslandschaft, die die Informationsdefizite in der Gesellschaft in Bezug auf wissenschaftliche Erkenntnisse beseitigen helfen soll. Diese Kluft an Einsichten besteht zwischen dem wissenschaftlichen und aufgeklärten Denken einer gesellschaftlichen Minderheit und dem durch Unwissen, Aberglauben und kompromissloses Festhalten an religiösen »Wahrheiten« gekennzeichneten Verhalten einer großen Mehrheit. Im Jahr 2008 zog sich Dawkins aus Altersgründen aus dem akademischen Betrieb zurück. Als Vortragender und Autor zu wissenschaftlichen, speziell evolutionsbiologischen, aufklärerischen, religionskritischen sowie politischen Themen ist er dennoch bis heute aktiv geblieben.

Das nachfolgend zu würdigende Buch umfasst 41 Aufsätze und Vorträge aus 40 Jahren wissenschaftlicher und publizistischer Tätigkeit, meist mit aktualisierenden Nachworten versehen, wobei die neueren Texte überwiegen. Die Herausgeberin Gillian Somerscales hat zusammen mit Dawkins die Texte ausgewählt, thematisch gruppiert und jeweils einleitend mit klugen und hilfreichen Kommentierungen versehen.

Teil I ist überschrieben mit: »Wert(e) der Wissenschaft«. Im Beitrag »Die Werte der Wissenschaft und die Wissenschaft der Werte« meint Dawkins mit Blick auf die Wissenschaftler: »Grundlage ihres Berufes ist die Überzeugung, dass es so etwas wie eine objektive Wahrheit gibt, die über kulturelle Unterschiede hinausgeht; wenn demnach zwei Wissenschaftler die gleiche Frage stellen, gelangen sie unabhängig von ihren vorgegebenen Überzeugungen, ihrer kulturellen Herkunft und innerhalb gewisser Grenzen auch ihrer Fähigkeiten zu der gleichen Antwort.« (S. 31f)

Während Teil I davon handelt, was Wissenschaft ist, befasst sich Teil II: »All ihre gnadenlose Pracht« damit, wie Wissenschaft betrieben wird. Es folgen ausführliche, gut verständliche Betrachtungen zur Wirkungsweise der Evolution, wobei übliche Missverständnisse geduldig geklärt werden. Es schließt sich eine Würdigung des Beitrags von Alfred Russel Wallace, eines Zeitgenossen Darwins, zur Entwicklung der Evolutionstheorie an. Erwähnt wird, dass Darwin und Wallace trotz der brisanten Konkurrenzsituation eine freundschaftliche Beziehung entwickelten. Bei aller Schönheit der Ergebnisse der Evolution macht Dawkins – wie schon in Teil I – darauf aufmerksam, dass Evolution eine höchst »blutige Angelegenheit« ist. »Die läuferische Eleganz von Geparden und Gazellen wurde auf beiden Seiten mit einem gewaltigen Blutzoll und dem Leiden unzähliger Vorfahren erkauft.« (S. 44) Neues und angepassteres Leben baut auf dem Töten und Fressen der weniger angepassten und damit unterlegenen Individuen auf. Zahllose Vorläufer beispielsweise von Antilopen oder Gazellen mussten sterben, um heutige Antilopen und Gazellen sich entwickeln zu lassen, die genügend schnell sind, um eine Überlebenschance zu haben, wenn sie von den fleischfressenden Geparden oder Löwen gejagt werden.

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Malaria auf die drastische Art bekämpfen

Verschiedene Arten von Anopheles-Mücken (im Bild A. quadrimaculatus) können Malaria übertragen. (Bild: Keystone / Science Photo Library / Dennis Kunkel Microscopy)
Gene-Drives sind gentechnische Veränderungen, die sich rasend schnell in Populationen ausbreiten und ganze Arten zum Aussterben bringen könnten. Zur Bekämpfung von Krankheiten birgt das grosses Potenzial. Aber man sollte wissen, was man tut.

Stephanie Kusma | Neue Zürcher Zeitung

Sie werden bisweilen als die gefährlichsten Tiere der Welt bezeichnet: Stechmücken. Tatsächlich gibt es nicht viel, was die Mitglieder dieser etwa 4500 Arten umfassenden Insektenfamilie sympathisch macht, und dafür umso mehr, was ein schlechtes Licht auf sie wirft. Zum schwerwiegendsten Problem gehört ihre Rolle in der Übertragung von Krankheiten, insbesondere der Malaria. Allein im Jahr 2016 starben laut der Weltgesundheitsorganisation WHO 445 000 Personen, unter ihnen 285 000 Kinder unter fünf Jahren, an dieser Krankheit; 216 Millionen Personen erkrankten.

Übertragen werden die Malaria-Erreger von einigen Arten der weiblichen Stechmücken der Gattung Anopheles. Diese Mücken zu bekämpfen und sie am Stechen zu hindern, gehört denn auch zu den essenziellen Bestandteilen der Malaria-Bekämpfung.

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Pregnancy Changes Perception of Odors and Tastes

Image: Credit: © MPI of Neurobiology/ Friedrich/NAUTILUS
The perception and reactions to odors and tastes can change in pregnancy, sometimes dramatically. This is also true for flies. The mechanisms, however, that trigger these changes are not understood in either mammals or insects.

By Max Planck Institute of Neurobiology | NAUTILUS

Scientists from the Max Planck Institute of Neurobiology in Martinsried now succeeded in demonstrating that the concentration of a certain receptor increases in the sensory organs of gravid fruit fly females. As a result, the taste and odor of important nutrients, called polyamines, are processed differently in the brain: Pregnant flies favor nutrition that is rich in polyamines and increase their reproductive success in this way.

A pregnancy represents a huge challenge for the mother’s body. To provide optimal nutrition for the developing offspring, her nutrition must be adapted to the altered requirements. “We wanted to find out whether and how expectant mothers can sense the nutrients they need,” explains Ilona Grunwald Kadow, Research Group Leader at the Max Planck Institute of Neurobiology.

Polyamines are nutrients that can be produced by both the body itself and by intestinal bacteria. However, some of the polyamines needed must be obtained from food. With advancing age, the consumption of polyamines through food increases in importance, as the body’s own production declines. Polyamines play a role in numerous cell processes and a polyamine deficiency can have a negative impact on health, cognition, reproduction, and life expectancy.

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Südamerika: Steinzeitliche Überraschungen

Ausgrabungen in der Höhle Lapa do Santo in Brasilien – hier wurden mehrere Skelette aus der Zeit vor rund 10.000 Jahren gefunden. © André Strauss
Verworrene Wurzeln: Die Frühgeschichte Südamerikas ist komplexer als bisher angenommen. Denn nach der ersten Besiedlung folgten mindestens zwei weitere, zuvor unbekannte Einwanderungswellen, wie DNA-Analysen enthüllen. Überraschend auch: Der genetische Einfluss der nordamerikanischen Clovis-Kultur reichte entgegen bisherigen Annahmen bis weit nach Südamerika hinein, wie Forscher in gleich zwei Fachartikeln in „Science“ und „Cell“ berichten. Sie liefern auch Neues über die Herkunft der rätselhaften „Paläoamerikaner“.

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Die Besiedlung des amerikanischen Kontinents wirft bis heute Fragen auf. Klar scheint, dass die ersten Menschen vor 20.000 bis 15.000 Jahren aus Asien über die Beringstraße ins arktische Nordamerika kamen. Doch ob diese Einwanderung einmalig oder in mehreren Wellen geschah und auf welcher Route diese ersten Indianer weiter nach Süden zogen, ist umstritten. Rätselhaft ist auch, warum einige prähistorische Tote eher europäisch aussehen, andere dagegen eher Südseebewohnern oder Aborigines ähneln. Schon in der Frühgeschichte Nordamerikas klaffen große Wissenslücken, doch die Entwicklung im Süden des Kontinents lag bisher fast völlig im Dunkeln.

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Älteste Tierspuren des Grand Canyon entdeckt

Diese 310 Millionen Jahre alten Fußabdrücke auf einem Felsblock aus dem Grand Canyon stammen von einem Urzeit-Reptil. © Stephen Rowland
Spektakulärer Zufallsfund: Bei einer Wanderung hat ein Geologe die ältesten Tierpuren des Grand Canyon entdeckt. Die 28 versteinerten Echsen-Fußabdrücke sind 310 Millionen Jahre alt und gehören damit zu den ältesten bekannten Abdrücken von Reptilien überhaupt. Welche Urzeitechse diese Spuren hinterlassen hat, ist allerdings noch offen. Forscher schließen aber nicht aus, dass sie von einer noch unbekannten Reptilienart stammen.

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Wie die Lebenswelt der Urzeit aussah, verraten nicht nur Fossilien, sondern oft auch Fußabdrücke. Dinosaurier-Fußabdrücke in Alaska beispielsweise zeigen, dass die Urzeit-Echsen einst selbst im hohen Norden und in ungewöhnlichen Artenkombinationen vorkamen. In Schottland hinterließen riesenhafte Pflanzenfresser ihre Spuren und in Deutschland wanderte ein Raubsaurier mit seinem Jungtier den Strand entlang.

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Paläontologen entdecken eine neue Dinosaurier-Art in Argentinien

Rebbachisaurid sauropod Lavocatisaurus agrioensis gen. et sp. nov. from Agrio del Medio (Argentina), Aptian–lower Albian. A. MOZ-Pv1232, axis in lateral view (A1, photograph; A2, drawing); eight cervical vertebrae in lateral view view (A3, photograph; A4, drawing, ); anterior caudal vertebra in lateral view (A5); middle caudal vertebra in lateral view (A6); posterior caudal vertebra in lateral view (A7); posteriormost caudal vertebra in lateral view (A8); left tibia in lateral view (A9). B. MOZ-Pv 1255, left scapula from a juvenile specimen, in lateral view. C. Skeletal reconstruction based on the holotype and paratype specimens. Scale bars 10 cm. Bild: wikipedia.org/CC BY-SA 4.0 – José I. Canudo, José L. Carballido, Alberto Garrido, and Leonardo Salgado
Eine bisher unbekannte Dinosaurier-Art haben Forscher im Süden Argentiniens entdeckt. Die Paläontologen aus Spanien und Argentinien fanden in der Nähe der Anden die Knochenreste eines zwölf Meter langen Tieres und zweier kleinerer Exemplare.

Neue Zürcher Zeitung

Die Pflanzenfresser lebten vor 110 Millionen Jahren in einem Wüstengebiet in der heutigen Provinz Neuquén. Die neu entdeckte Art erhielt den Namen Lavocatisaurus agrioensis.

«Wir haben den grössten Teil der Schädelknochen gefunden und eine grosse Zahl von Zähnen, wodurch wir eine ziemlich vollständige Rekonstruktion erstellen konnten», sagte José Luis Carballido vom Museum Egidio Feruglio in der Stadt Trelew in Patagonien. Auch Knochen des Halses, des Rückens und des Schwanzes fanden die Forscher.

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Skurril: Schaben wehren sich mit Karate-Kick

Die Juwelswespe hat ihr Opfer bereits im Visier – doch dieses Hinterbein könnte ihr ziemlich gefährlich werden. © Catania Lab
Wehrhafte Kakerlaken: Auch Schaben beherrschen offenbar Karate-Tricks. Wie ein Forscher beobachtet hat, wehren sich die Insekten mit gezielten „Kampfsport-Tritten“ gegen Angriffe feindlicher Wespen. Damit schaffen sie es erstaunlich oft, einem grauenvollen Schicksal zu entgehen. Denn schlägt die Wespe erfolgreich zu, werden die Schaben zu fremdgesteuerten Wesen – und enden als Larvenfutter.

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Die Juwelwespe könnte ohne weiteres der Protagonist eines schlechten Horrorstreifens sein. Denn dieses parasitisch lebende Insekt hat wahrhaft furchteinflößende Eigenschaften. Wann immer die Eiablage bevorsteht, schleicht sich das gerade einmal 20 Millimeter große Tier an etwa doppelt so große, ahnungslose Schaben heran. Dann geht alles ganz schnell: Ein Stich in die Brust, einer ins Gehirn – und das Opfer wird zum willenlosen Zombie.

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Neandertaler hatten starke Lungen

Diese Aufnahme aus der 3D-Rekonstruktion zeigt, wie beim Neandertaler die Rippen mit der Wirbelsäule verknüpft waren. © Gomez-Olivencia et al.
Thorax im Blick: Forscher haben rekonstruiert, wie der Brustkorb der Neandertaler ausgesehen haben könnte. Ihre Modellierung auf Basis von Knochenfunden zeigt: Der Thorax unserer Steinzeit-Cousins war im unteren Bereich deutlich breiter als bei modernen Menschen. Demnach verließen sich die Frühmenschen beim Atmen wahrscheinlich auf ein besonders großes Zwerchfell – und hatten womöglich eine größere Lungenkapazität als wir.

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Als die ersten modernen Menschen in Europa auftauchten, lebten die Neandertaler dort schon seit über hunderttausend Jahren. Diese Steinzeit-Cousins des Homo sapiens waren mitnichten primitive Höhlenmenschen – das ist längst bekannt. Dank etlicher Funde können wir uns inzwischen ein ziemlich genaues Bild über den Alltag, aber auch das Aussehen unserer Vettern machen. Trotzdem liegen viele Details noch immer im Dunkeln.

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Und Evolution wiederholt sich doch: Wie die Evolution Streifen kommen und gehen lässt

Zwei verblüffend ähnliche Fischarten mit ihren charakteristischen horizontalen Streifen, die allerdings nur sehr fern miteinander verwand sind und daher ein schönes Beispiel für die sich wiederholende (konvergente) Evolution sind: Julidochromis ornatus (Tanganyikasee, links) und Melanochromis auratus (Malawis, rechts).
©Claudius Kratochwil
Konstanzer Evolutionsbiologen um Prof. Dr. Axel Meyer entdecken die genetische Basis der Evolution von Farbmustern. Die neuen Erkenntnisse über die Streifen der besonders artenreichen ostafrikanischen Buntbarsche erklären, wie sich Evolution in Weltrekordtempo wiederholen kann. Die Studie wird am 26. Oktober im Magazin „Science“ veröffentlicht.
Julia Wandt Stabsstelle Kommunikation und Marketing
Universität Konstanz

Warum wiederholt sich die Evolution? Und was passiert genetisch, wenn sich Evolution wiederholt? Sind dieselben oder andere Gene und Mechanismen verantwortlich, um ähnlich aussehende Organismen zu produzieren? Die Antwort auf diese ebenso alte wie wichtige evolutionsbiologische Frage sind Konstanzer Biologen ein Stück nähergekommen und die Antwort ist verblüffend. Sie untersuchten ein besonderes Farbmuster, das in der Tierwelt oft und bei den unterschiedlichsten Arten vorkommt: horizontale Streifen. Sie konnten die Basis der wiederholten Evolution dieser Streifen mit modernen genomischen und molekularbiologischen Methoden, wie CRISPR-Cas, identifizieren.

Buntbarsche, von denen über 1200 Arten in den großen afrikanischen Seen, Malawi, Victoria und Tanganjika vorkommen, sind wie ihr Name schon sagt, besonders bunt und farbenprächtig. Aber, sie sind nicht nur farblich vielfältig, sondern haben auch zahlreiche Musterungen wie längs oder quer verlaufende Streifen. „Doch nicht nur das“ erklärt Prof. Dr. Axel Meyer, „Buntbarsche sind Paradefälle der Evolution. Sie sind im Hinblick auf Sozialverhalten, Körperformen, Farbmuster und viele andere biologische Aspekte extrem divers, aber gleichzeitig wiederholen sich bestimmte Themen, unabhängig voneinander in verschiedenen Seen“. Dieses Prinzip der sich wiederholenden Evolution — der Biologe spricht hier von ‚Konvergenz‘ — verleiht den Buntbarschen eine tragende Rolle für die Erforschung der genetischen Basis solcher Phänomene. Denn wenn in mehreren evolutionären Linien unabhängig voneinander ähnliche Farb- und Körperformen entstanden sind, bedeutet das, dass die Evolution auf ähnliche Umweltbedingungen die gleiche Antwort gefunden hat. Die Frage, die sich dann stellt: Wenn Evolution sich wiederholt, wie macht sie das genetisch?

Wie genau die Streifen der Buntbarsche während der Evolution gemacht werden kommen und gehen, und welches durch welches Gen und welcher genetische Mechanismus dafür verantwortlich ist, konnten die Wissenschaftler nun durch Genomanalysen, Züchtungen und Experimente, auch mit der Genschere CRISPR-Cas im Labor detailliert nachvollziehen. „Es lässt sich durch Züchtungsexperimente exakt bestimmen“, erläutert Dr. Claudius Kratochwil, Nachwuchswissenschaftler in Professor Meyers Arbeitsgruppe und Erstautor der Studie in Science, „auf welchem der 22 Chromosomen der Fische, genauer auf welchem Bereich dieses Chromosoms, die für die Streifen ursächliche genetische Region verortet ist.“ Das verantwortliche Gen auf diesem Chromosomenstück heißt agrp2. Dieses „Streifengen“ und deren Ursprung und Vorkommen in anderen afrikanischen Seen wurde durch vergleichende molekulare Arbeiten beschrieben. Die Streifen der Buntbarsche sind evolutionär betrachtet recht labil. Im Laufe von wenigen Millionen Jahren sind sie in den Afrikanischen Seen häufig verlorengegangen und neu entstanden. Da diese Arten (mit und ohne Streifen) so jung sind kann man sie auch mit einander kreuzen. Die im Labor mögliche Kreuzung und gleichzeitige Untersuchung von Buntbarschen mit und ohne Streifen zeigt, dass alle Buntbarsche das „Streifen-Gen“ haben. Allerdings unterscheiden sich die Schalter (regulatorische Elemente) des Streifengens in Buntbarscharten mit und ohne Streifen. „Der entscheidende Trick dieses genetischen Schalters ist, dass er bewirkt, dass das Gen bei Arten ohne Streifen stärker angeschaltet ist, also viel Protein entsteht. Das Streifengen agrp2 funktioniert demnach als „Streifen-Hemmer“: denn bei höherer Genproduktion werden die Streifen unterdrückt, bei geringer Genproduktion bleiben sie. Dies konnte durch moderne genetische Methoden gezeigt werden. „Wenn das Gen im Genom einer Art ohne Streifen mit Hilfe der Genschwere CRISPR-Cas entfernt wird“, erläutert Kratochwil weiter, „dann entwickelt selbst ein „streifenloser“ Fisch plötzlich Streifen, was zeigt, dass das Streifengen der entscheidende genetische Faktor ist“.

Die neuen Erkenntnisse zu diesem genetischen Mechanismus, dem An- und Ausschalten von Streifen durch das „Streifen-Gens“ wurden in der aktuell Ausgabe von „Science“ veröffentlicht. Interessanterweise ist das agrp2 Gen des Buntbarsches eine Kopie des agouti Gens bei Säugetieren, dass auch für Farbvarianten bei Katzen, Hunden, Pferden und gestreiften Vogelküken verantwortlich ist. „Vielleicht wäre die Tierwelt ohne die Existenz der agouti Gen Familie wesentlich weniger farbenfroh“ spekuliert Dr. Claudius Kratochwil. Was der Mechanismus des „Streifen-Gens“ bei Buntbarschen eindeutig ermöglicht, ist die Option der wiederholten Evolution in vergleichsweise kürzester Zeit. Gehen in der Evolution Merkmale verloren, so ist dieser Verlust meist endgültig, wie der belgische Paläontologe Louis Dollo schon vor genau 125 Jahren erkannt hat. 1893 formulierte er sein nach ihm benanntes „Gesetz“. Eine Besonderheit des Streifen Gens agrp2 ist, dass es die evolutionäre wiederholte Evolution eines Merkmals auf relativ einfache Weise erlaubt. Verliert ein Buntbarsch einmal seine Streifen, heißt das somit nicht, dass sie nicht wiederkehren können -und umgekehrt. So zeigen diese modernen molekularbiologischen Arbeiten auch, dass paläontologische Regeln und evolutionäre Gesetzmäßigkeiten neu hinterfragt werden müssen.

Faktenübersicht:
• Konstanzer Evolutionsbiologen entdecken die genetische Basis von Streifen bei verschiedenen Arten des Buntbarsches in afrikanischen Seen nach.
• Die neuen Erkenntnisse über das Auftreten von Streifen erklären sich durch genetische Steuerung evolutionärer Konvergenz, der unabhängigen Evolution gleicher Merkmale. Wie in diesem Fall mehrere Dutzend Male innerhalb von nur wenigen tausend Jahren Streifen entstanden und verloren gegangen sind.
• Das Gen agrp2 ist für das Kommen und Gehen der Streifen in Buntbarschen verantwortlich. Im Labor konnte gezeigt werden, dass die starke Produktion des Gens die Streifenbildung hemmt.
• Dieser Mechanismus des An- und Ausschaltens von Streifen funktioniert gleich bei unterschiedlichen, entfernt verwandten Arten des Buntbarsches und erklärt damit „Konvergenz“, die parallele Evolution von Ähnlichkeiten zwischen evolutionär entfernt verwandten Arten.
• Die neuen Erkenntnisse über die Bedeutung abwesender Streifen und das Gen agrp2 wurden aktuell im renommierten Magazin „Science“ veröffentlicht.

Originalpublikation: Agouti-related peptide 2 facilitates convergent evolution of stripe patterns across cichlid fish radiations
Manuskriptnr.: science.aao6809
Weiterführende Links: https://www.evolutionsbiologie-uni-konstanz.com

 

Neue Archaeopteryx-Art identifiziert

Fossil des sogenannten Daiting-Exemplars des Archaeopteryx – dieses hat sich nun als eigene Art entpuppt. © H. Raab/ CC-by-sa 3.0
Urvogel-Sippe bekommt Zuwachs: Paläontologen haben eine neue Art des berühmten Archaeopteryx identifiziert. Das lange unzugängliche, in Bayern gefundene „Daiting“-Exemplar des Urvogels gehört demnach zur neugeschaffenen Art Archaeopteryx albersdoerferi. Diese Spezies des Urvogels lebte rund 400.000 Jahre später als der Rest der Gattung und war anatomisch schon vogelähnlicher, wie die Forscher berichten.

scinexx

Der Archaeopteryx ist eines der berühmtesten Fossilien der Welt und eine Ikone der Evolution. Denn die bisher zwölf bekannten Exemplare zeigen ein Tier, dass sowohl Merkmale von Vögeln wie von Dinosauriern besitzt – ein Bindeglied der Evolution. Der 150 Millionen Jahre alte Archaeopteryx konnte demnach schon fliegen, wenn auch unklar ist, wie gut. Gleichzeitig besaß er aber noch Zähne, Klauen und einen dinosauriertypischen langen Schwanz.

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Die Evolution lässt einem gebärenden Becken womöglich doch mehr Spielraum

Durch diese Öffnung muss das Neugeborene hindurch. (Bild: Imago)
Die Form des Geburtskanals ist von Frau zu Frau verschieden. Zudem gibt es viel grössere geografische Unterschiede als etwa bei anderen Körperteilen. Das widerspricht der These, dass entgegengesetzte Kräfte der Evolution die Form des Beckens stark eingrenzen.

Lena Stallmach | Neue Zürcher Zeitung

Jede Frau, die einmal geboren hat, hat das «Geburtsdilemma» am eigenen Leib erfahren: Ein riesiger Kopf muss durch eine sehr schmale Öffnung gepresst werden. Für Evolutionsbiologen beginnt das Problem aber viel früher – vor vier bis fünf Millionen Jahren, als unsere Vorfahren sich dazu entschieden haben, aufrecht durchs Leben zu gehen. Weil eine grosse Beckenöffnung beim aufrechten Gang hinderlich ist, wurde das Becken im Laufe der Jahrtausende immer enger.

Kritisch wurde es, als im Laufe der Evolution von Homo sapiens die Gehirne und damit auch die Köpfe der Neugeborenen immer grösser wurden. Es kam zu dem Dilemma, dass die Evolution zwei entgegengesetzte Prozesse begünstigte, einen engen Geburtskanal und grosse Köpfe, so dass es heute kaum mehr Spielraum gibt.

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Rasantes Insektensterben auch im Regenwaldschutzgebieten

Regenwald El Yunque. Bild: Sajyasingh/CC BY-SA-4.0
Für den dramatischen Rückgang von Arthropoden und deren Fressfeinden in Regenwäldern machen Biologen die Klimaerwärmung verantwortlich.

Florian Rötzer | TELEPOLIS

Seit Jahrzehnten kann erneut ein Massenaussterben beobachtet werden. Das erste Massenaussterben wurde bereits von Lebewesen im Präkambrium verursacht. Cyanobakterien reicherten erstmals die Atmosphäre mit Sauerstoff an, was zum Aussterben des Großteils des anaeroben Lebens, aber durch den Abbau von Methan auch zu einer Eiszeit führte. Man könnte auch von einer ersten kreativen Zerstörung sprechen, denn dadurch konnte sich neue Lebensformen entwickeln. Durch Eis- und Warmzeiten kam es immer wieder zu Massenaussterben, verursacht oft durch Vulkanismus oder auch einen Asteroideneinschlag wie dies für das Massenaussterben an der Kreide-Paläogen-Grenze vor 66 Millionen Jahren vermutet wird. Das Massenaussterben jetzt geht jedoch völlig auf den Menschen zurück, der mit großer Geschwindigkeit und einem explosiven Bevölkerungswachstum die Erdoberfläche umgestaltet.

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Das grösste und älteste Lebewesen der Welt droht zu sterben

Die Bäume von Pando sind unterirdisch alle miteinander verbunden und genetisch identisch. (Bild: pd)
Es ist kein Wal, nicht einmal ein Tier. Das grösste und älteste Lebewesen ist eine Baum-Kolonie, die wegen einer Besonderheit als einzelnes Lebewesen gilt. Doch es geht ihr nicht gut.

Neue Zürcher Zeitung

Das grösste und gleichzeitig älteste Lebewesen der Welt, ist ein Verbund von Zitterpappeln namens Pando. Dieser ist ernsthaft gefährdet. Pando besteht laut Forschenden aus 47 000 Bäumen identischen Erbguts, die unterirdisch durch Wurzeln verbunden sind. Deshalb wird er als ein einzelnes Lebewesen angesehen, das sich auf 30 Hektar ausbreitet. «Pando existiert wahrscheinlich schon seit Tausenden von Jahren, genau können wir das Alter nicht bestimmen – aber jetzt kollabiert er vor unseren Augen», sagt der Wissenschafter Paul Rogers von der Utah State University.

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Ein egoistisches Gen macht Mäuse zu Migranten

Bild: 4ever.eu
Hausmäuse, die ein bestimmtes egoistisches Supergen in sich tragen, wechseln deutlich häufiger die Population als ihre Artgenossen. Dieses Ergebnis einer Studie der Universität Zürich zeigt somit erstmals, dass ein solches Gen das Migrationsverhalten von Tieren beeinflusst. Das Resultat könnte dabei helfen, invasive Mäuseplagen in den Griff zu bekommen.
Rita Ziegler Kommunikation
Universität Zürich

Normalerweise sorgt die Kooperation von Genen dafür, dass ein Organismus wachsen und gedeihen kann. Doch es gibt auch Gene, die ein anderes Ziel verfolgen: Sie wollen sich selbst weiterverbreiten und verdrängen hierfür andere Gene. Ein solches egoistisches Supergen ist der sogenannte t-Haplotyp – ein Komplex aus mehreren gemeinsam vererbten Genen, der natürlicherweise in Hausmäusen vorkommt. «Dieses Supergen verschafft sich gegenüber anderen Genen einen unfairen Vorteil bei der Vererbung», erklärt Jan-Niklas Runge, Erstautor der Studie und Doktorand der Evolutionsbiologie an der Universität Zürich. Eigentlich hat jedes Gen eine 50-Prozent-Chance an einen Nachkommen übertragen zu werden. Doch Spermien, die das Supergen tragen, vergiften konkurrenzierende Spermien desselben Tieres und erhöhen ihre Befruchtungschance dadurch auf 90 Prozent. Ähnliche Mechanismen finden sich auch in anderen Organismen, etwa in Fruchtfliegen oder in Mais.

Supergen-Träger wandern aus

In einer Langzeitstudie haben die Forschenden nun untersucht, wie sich dieses Supergen auf das Migrationsverhalten von Hausmäusen auswirkt. Hierzu führten sie acht Jahre lang genau Buch über das Kommen und Gehen in vier Gruppen von wilden freilebenden Hausmäusen in einer Scheune in der Nähe von Zürich. Mit Hilfe von Genanalysen, Funksendern und regelmässigen Zählaktionen konnten sie dabei nachweisen, dass Träger des t-Haplotyps vermehrt zwischen den Gruppen wechselten oder die Scheune ganz verliessen. Die Wahrscheinlichkeit für eine solche Migration war dabei gegenüber normalen Tieren um fast 50-Prozent erhöht. Die Studie konzentrierte sich auf Jungtiere, welche bei Hausmäusen die typische Altersgruppe für Migration darstellen.

Das eigene Überleben sichern

Die Wissenschaftler glauben, dass das Supergen das Verhalten der Mäuse auf diese Weise manipuliert, um sich selbst immer weiter auszubreiten. Eine solche Migration sichert zudem wahrscheinlich auch den Erhalt des t-Haplotyps im Genpool der Hausmäuse: Nimmt das Supergen nämlich in einer Population überhand, dann kann dies dazu führen, dass es sich selbst auslöscht. So sind beispielsweise Mäuse, die zwei Kopien des Supergens (von der Mutter und vom Vater) erhalten, nicht mehr lebensfähig. Ausserdem können sich Supergen-Spermien schlecht gegen normale Spermien durchsetzen, wenn sich ein Weibchen im gleichen Ei-Zyklus mit mehreren Männchen paart. «Grosse Populationen mit viel Konkurrenz um paarungsbereite Weibchen sowie Populationen mit einem hohen Anteil an Trägern des t-Haplotyps sind also eher schlecht für das Supergen», erklärt Runge. «Die Träger des Supergens wandern deshalb wahrscheinlich aus und schliessen sich Populationen an, in denen die Chancen auf Verbreitung besser sind.» Diese Vermutung wird durch das Resultat der Studie belegt: Je grösser die Population, desto ausgeprägter war das beobachtete Migrationsverhalten. So lässt sich auch erklären, wie es das Supergen trotz aller Nachteile geschafft hat, etwa zwei Millionen Jahre lang im Erbgut der Mäuse zu überleben. Die UZH-Forschenden arbeiten nun daran, diese Hypothese mit Computersimulationen und weiteren Experimenten zu überprüfen.

Eindämmung von Invasionen

Schon jetzt planen Biologen aus anderen Forschungsgruppen den Einsatz dieses Supergens für die Kontrolle von invasiven Hausmäusen. Vermehren sich diese nämlich unkontrolliert an Orten, an denen sie nicht einheimisch sind, so kann dies das gesamte Ökosystem aus dem Gleichgewicht bringen. Deshalb wollen die Forschenden das Erbgut so manipulieren, dass die Mäuse unfruchtbar werden. Das Supergen soll dann dabei helfen, diese Modifikation möglichst schnell in der Mäusepopulation zu verbreiten. «Unsere Erkenntnisse sind dafür von grosser Bedeutung und können dazu beitragen, eine sichere und verlässliche Methode zur Bekämpfung solcher Invasionen zu entwickeln», hofft Runge.


Wissenschaftliche Ansprechpartner:

Jan-Niklas Runge
Institut für Evolutionsbiologie und Umweltwissenschaften
Universität Zürich
Tel. +41 44 635 52 77
E-Mail: jan-niklas.runge@ieu.uzh.ch

Dem Ursprung des Lebens auf der Spur

Membranfreie Mikrotröpfchen (Koazervate) unter dem Mikroskop. Die grüne Fluoreszenz dient als Nachweis für die enzymatische Aktivität der eingeschlossenen RNA. Drobot und Tang / MPI-CBG
Membranfreie Mikrotröpfchen als idealer Ort für die Anreicherung und Aktivität von RNA, um Leben zu ermöglichen

Katrin Boes Presse und Öffentlichkeitsarbeit
Max-Planck-Institut für molekulare Zellbiologie und Genetik

Wie das Leben aus unbelebten Stoffen vor mehr als 3,5 Milliarden Jahren auf der Erde entstand, ist eine der grundlegendsten und noch unbeantworteten wissenschaftlichen Fragen. Eine der existierenden Hypothesen, die RNA-Welt-Hypothese, geht davon aus, dass RNA-Biomoleküle zu der Zeit als das Leben begann eine Schlüsselrolle gespielt haben, da sie genetische Informationen enthalten und als Enzyme wirken. Eine Voraussetzung für die RNA-Aktivität ist jedoch, dass sich eine bestimmte Anzahl von Molekülen in unmittelbarer Nähe zueinander befindet. Die nötige RNA Anreicherung könnte in abgegrenzten Räumen (Kompartimente) stattgefunden haben. Membranfreie Mikrotröpfchen, sogenannte Koazervate, bieten ideale Bedingungen dafür, da Biomoleküle wie RNA barrierefrei aufgenommen werden können. Jedoch fehlte bislang der experimentelle Nachweis für die enzymatische Aktivität von RNA in solchen Mikrotröpfchen. Forscher des Max-Planck-Instituts für molekulare Zellbiologie und Genetik (MPI-CBG) in Dresden und des Max-Planck-Instituts für Biochemie (MPIB) in Martinsried haben erstmals gezeigt, dass einfache RNA in membranfreien Mikrotröpfchen aktiv ist und diese damit eine geeignete Umgebung für den Ursprung des Lebens sind. Die Forscher veröffentlichten ihre Ergebnisse in der Fachzeitschrift Nature Communications.

Die RNA-Welt-Hypothese geht davon aus, dass das Leben aus sich selbst reproduzierenden RNA-Molekülen entsteht, einem Biomolekül, das vor der Evolution von DNA und Proteinen existierte. Dieser Hypothese folgend, gehen die Forscher davon aus, dass auf der frühen Erde die Konzentration von RNA und ihren Bausteinen möglicherweise zu gering war, als dass eine Reaktion stattfinden könnte. Die verstreuten RNA-Moleküle mussten also einen Weg zueinander finden, um miteinander reagieren zu können und damit Leben zu erzeugen. Geeignete Orte für die Anreicherung von RNA könnten Kompartimente sein. Diese existieren entweder mit einer Membran, wie bei einer Zelle, oder ohne Membran. Membranfreie Kompartimente können durch Phasentrennung von entgegengesetzt geladenen Molekülen gebildet werden, ein Prozess, der der Trennung von Öltropfen in Wasser ähnlich ist.

In ihrer Studie zeigten die Forscher erstmals, dass RNA in membranfreien Mikrotröpfchen aktiv ist, was die bisherige Hypothese unterstützt, dass solche Koazervate eine Art Protozelle darstellen und somit ein Vorläufer der heutigen Zellen sein könnten. Die Fähigkeit von Koazervaten, RNA anzureichern, könnte auch das Verdünnungsproblem von Biomolekülen gelöst haben. Darüber hinaus ermöglichen diese membranfreien Tröpfchen den barrierefreien Austausch von RNA. Dr. Björn Drobot, der Erstautor dieser Studie, erklärt: „Eines der wirklich spannenden Ergebnisse ist, dass Koazervate wie ein kontrolliertes genetisches Transfersystem wirken, in dem kürzere RNA-Stücke zwischen Tröpfchen pendeln können, während längere RNA-Moleküle in ihren Mikrotröpfchen eingeschlossen sind. Auf diese Weise haben diese Protozellen die Fähigkeit, genetische Informationen auszutauschen, was ein wichtiges Kriterium für den Beginn des Lebens ist.“

Diese Ergebnisse zeigen, dass membranfreie Mikrotröpfchen für eine gezielte Anreicherung von RNA förderlich sind. Dr. Dora Tang, die das Projekt leitete, weist darauf hin: „In den 1920er Jahren wurde von dem russischen Wissenschaftler Oparin angenommen, dass Koazervate die ersten Kompartimente auf der Erde gewesen sein könnten und bereits existierten, bevor sich Zellen mit einer Membran herausbildeten. Sie bieten Biomolekülen die Möglichkeit, sich anzureichern und so Leben auf der Erde zu schaffen. Unsere Studie ergänzt eine Reihe von Arbeiten aus meinem und anderen Laboren, die immer mehr Belege dafür liefern, dass Koazervate potentielle Kandidaten für die Kompartimentbildung während der Entstehung des Lebens sein könnten. Zusätzlich sind Sie interessante Reaktionsräume für die moderne und synthetische Biologie.“


Wissenschaftliche Ansprechpartner:

Dora Tang
+49 (0) 351 210 2560
tang@mpi-cbg.de


Originalpublikation:

Björn Drobot, Juan M. Iglesias-Artola, Kristian Le Vay, Viktoria Mayr, Mrityunjoy Kar, Moritz Kreysing, Hannes Mutschler & T-Y Dora Tang
Compartmentalised RNA catalysis in membrane-free coacervate protocells
Nature Communications, September 7, 2018.


Über 100 Riesenschildkröten auf Galapagos-Inseln gestohlen

Auch im Zoo in Zürich gibt es ab und zu Nachwuchs bei den Galapagos- Riesenschildkröten. Der Zoo Zürich ist der einzige europäische Zoo, dem die Zucht der Galapagos-Riesenschildkröten bisher gelang. Die Jungtiere von Nigrita und Jumbo leben deshalb weit verstreut in Zoos und Institutionen in ganz Europa. (Bild: Adrian Baer / NZZ Photographen-Team)
Den Tätern drohten bis zu zehn Jahre Haft. Die Riesenschildkröten werden auf einigen Inseln in Aufzuchtstationen grossgezogen, um ihr Überleben zu sichern. 2012 war eine Spezies ausgestorben.

Neue Zürcher Zeitung

Unbekannte haben auf den Galapagos-Inseln 123 junge Riesenschildkröten gestohlen. Die Tiere der Spezies Chelonoidis vicina und Chelonoidis guntheri seien aus einer Aufzuchtstation auf der Isla Isabela entwendet worden, teilte das Umweltministerium am Freitag mit.

Die Staatsanwaltschaft leitete demnach Ermittlungen ein. Den Tätern drohten bis zu zehn Jahre Haft.

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Ist Kriegführen menschlich?

Das 20. Jahrhundert wird als eines der kriegerischsten in die Geschichte der Menschheit eingehen. Und doch ist es nur eine blutige Fortsetzung von 14.600 kriegerischen Konflikten in den letzten 5.600 Jahren. Sind Kriege „normaler“ als Frieden?

Geseko von Lüpke | BR24

Krieg ist etwas, das wir in Deutschland gegenwärtig zum Glück nur aus dem Fernsehen kennen. Schließlich leben wir seit vier Generationen im Frieden. Vielleicht nehmen wir ihn deshalb als viel zu selbstverständlich – „normal“?

Tatsächlich markieren Zerstörung, Gewalt und Kriege alle Wendepunkte der Geschichte. Krieg bestimmt die Denkmuster von Aristoteles Logik der Gegensätze, Darwins natürlicher Auslese, Karl Marx’ Klassenkampf und Siegmund Freuds Unterdrückung des Es durch das Ich und das Über-Ich.

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Neandertaler-Gene schützen vor Viren

Wir Europäer tragen Gene vom Neandertaler in uns. © Thinkstock, AquilaGib/ CC-by-sa 3.0
Schützendes Erbe: Gene des Neandertalers helfen uns bis heute bei der Virenabwehr. Eine Studie zeigt, dass etliche von unseren Steinzeit-Cousins geerbte DNA-Sequenzen mit viralen Krankheitserregern wie Influenza und Hepatitis interagieren. Die Übernahme dieser Gene könnte für unsere Vorfahren einen entscheidenden Selektionsvorteil bedeutet haben: Sie schützten die Neuankömmlinge aus Afrika vor Pathogenen, gegen die ihr Körper noch nicht gewappnet war.

scinexx

Die Neandertaler sind vor rund 40.000 Jahren ausgestorben – doch ein Teil von ihnen lebt in uns weiter: Die Frühmenschen haben im Erbgut moderner Menschen ihre Spuren hinterlassen. Dieses Erbe zeugt davon, dass sich einige unserer Vorfahren nach ihrer Ankunft in Europa und Asien mit ihren dort lebenden Verwandten paarten und Kinder zeugten.

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Fruchtfliegen kontern Klimawandel durch Stoffwechselumstellung

Fruchtfliegen können als Reaktion auf eine heißere Umgebung ihren Stoffwechsel komplett und evolutionär gesehen schnell umstellen. PopGen/Vetmeduni Vienna

Evolutionäre Auswirkungen durch den Klimawandel sind derzeit ein „hot topic“ der Evolutionsforschung. So bewirkt bei der Fruchtfliege eine heißere Umgebung unter anderem eine komplette Umstellung des Stoffwechsels-und das mit Änderungen in ganz wenigen Genen. Forschende der Vetmeduni Vienna zeigten in Genome Biology dass evolutionäre Anpassungsprozesse schon in wenigen Generationen die Anpassung an eine neue, heiße Umwelt bewirkt haben. Dabei setzen sich Varianten zweier Gene durch, die auf einen essentiellen Regulator des Energiehaushalts einwirken. Fruchtfliegen machen sich somit statt mit vielen kleinen Veränderungen mit einer „einflussreichen“ Gen-Minderheit für heißere Zeiten fit.

Mag.rer.nat. Georg Mair Öffentlichkeitsarbeit und Kommunikation
Veterinärmedizinische Universität Wien

Das Wohlbefinden der meisten Tiere und Pflanzen wird stark von der Temperatur beeinflusst. Der derzeitig stattfindende Klimawandel stellt für viele Organismen somit eine große Herausforderung dar. Sie müssen sich an die veränderten Temperaturen anpassen, oder ihr Überleben ist stark gefährdet. Dass diese Anpassung auf genetischer Ebene gesteuert wird, ist seit längerem bekannt. Dass sie jedoch auch sehr schnell, innerhalb weniger Generationen, passieren kann, dagegen nicht. Erst in den letzten Jahren gelang der Nachweis wie rasch sich die die genetische Zusammensetzung von Populationen ändern kann.
Umstritten ist dabei aber, ob nur wenige, einflussreiche oder viele Gene mit geringem Einfluss für diese raschen Veränderungen verantwortlich sind. Forschende vom Institut für Populationsgenetik der Vetmeduni Vienna um Francois Mallard und Christian Schlötterer haben Anpassung an neue Klimaverhältnisse im Labor experimentell getestet: frisch gefangenen Fruchtfliegen wurden einer heißen Umwelt ausgesetzt und die überlebenden Fliegen wurden nach weniger als 60 Generationen untersucht. Dabei gelang der Nachweis, dass der gesamte Stoffwechsel durch wenige Genvarianten umprogrammiert wurde.

Schnelle Anpassungen sind möglich, doch nur bei ausreichender genetischer Diversität

Aufgrund mehrerer, mit Nobelpreisen ausgezeichneter Forschungsleistungen ist die Fruchtfliege der Öffentlichkeit mittlerweile zwar als „Haustier“ der Genforschung bekannt. Ihr Potential in der Umweltforschung ist jedoch erst vor kurzem erkannt worden. Die Kombination von Ökologie und Genetik stellt ein bisher kaum genutztes Potential dar, um Anpassungsprozesse im Kontext der globalen Klimaveränderungen zu verstehen. Der Schlüssel zu einer erfolgreichen Anpassungsstrategie ist ein ausreichender Genpool, in dem die genetischen Varianten für neue Umweltbedingungen auf „Vorrat“ gehalten werden.
Mallard und seine ForschungskollegInnen suchten dabei nach der sprichwörtlichen Nadel im Heuhaufen. Mit einer sogenannten Evolve and Resequence Studie suchten sie aus mehreren Millionen Varianten im Erbgut, diejenigen heraus, die den Fruchtfliegen einen Fitnessvorteil in heißer Umwelt bieten. Die Forschenden führten die Experimente dazu zwar im Labor, „doch der Vergleich unserer Ergebnisse mit natürlichen Populationen aus heißen Gegenden wie etwa Florida zeigte, dass die gleichen Anpassungsmechanismen auch in der freien Natur zur Anwendung kommen“ erklärt der Erstautor.

Simple genetische Basis löst komplexe Umstellung des Stoffwechsels aus

Bei ihren Analysen stellte das Forschungsteam fest, dass die genetische Anpassung sich direkt auf einen essentiellen Regulator des Stoffwechsels, den Enzymkomplex AMPK, auswirkte. Die daraus resultierende Stoffwechselumstellung wurde jedoch nicht, wie hauptsächlich angenommen von vielen Veränderungen mit geringem Einfluss, sondern wenigen einflussreichen Genen ausgelöst. „Nicht nur in Fruchtfliegen spielt der Enzymkomplex AMPK eine zentrale Rolle im Stoffwechsel, in diesem Fall, ob Fett in einer Zelle auf- oder abgebaut wird.Hier sorgt AMPK für die ausreichende Menge an ATP, einem wesentlichen Energieträger der Zelle. Wir waren überrascht, dass zwei der stärksten Anpassungssignale die Gene Sestrin und SNF4Aγ betroffen haben, die beide mit der AMPK interagieren“ so Mallard. „Doch damit erklärt sich, wieso die Fliegen es schaffen sich so schnell an veränderte Klimabedingungen anzupassen. Momentan untersuchen wir, ob die gleichen Prinzipien bei der Anpassung an Sommer und Herbsttemperaturen eine Rolle spielen.“

Effizient und wissenschaftlich erfolgreich auf der Spur der Evolution seit 10 Jahren

Das Institut für Populationsgenetik und das dort beheimatete Doktoratskolleg „Populationsgenetik“ feierte am 7. September 2018 ihr zehnjähriges Jubiläum. Über 120 Publikationen von PhD-Studierenden in renommierten Fachjournalen, drei ERC Preise, ein FWF Starter Preis sowie zahlreiche andere Auszeichnungen dokumentieren eindrucksvoll, dass sich Wien und speziell die Vetmeduni Vienna erfolgreich als international ausgewiesenes Zentrum der Populationsgenetik etabliert hat. Jedes Jahr bewerben sich eine Vielzahl motivierter Doktoranden, die die Kombination aus mathematischer Modellierung, Bioinformatik und experimenteller Genetik anzieht.

Über die Veterinärmedizinische Universität Wien
Die Veterinärmedizinische Universität Wien (Vetmeduni Vienna) ist eine der führenden veterinärmedizinischen, akademischen Bildungs- und Forschungsstätten Europas. Ihr Hauptaugenmerk gilt den Forschungsbereichen Tiergesundheit, Lebensmittelsicherheit, Tierhaltung und Tierschutz sowie den biomedizinischen Grundlagen. Die Vetmeduni Vienna beschäftigt 1.300 MitarbeiterInnen und bildet zurzeit 2.300 Studierende aus. Der Campus in Wien Floridsdorf verfügt über fünf Universitätskliniken und zahlreiche Forschungseinrichtungen. Zwei Forschungsinstitute am Wiener Wilhelminenberg sowie ein Lehr- und Forschungsgut in Niederösterreich gehören ebenfalls zur Vetmeduni Vienna. Die Vetmeduni Vienna spielt in der globalen Top-Liga mit: 2018 belegt sie den exzellenten Platz 6 im weltweiten Shanghai-Hochschulranking im Fach „Veterinary Science“. http://www.vetmeduni.ac.at

Aussender:
Mag.rer.nat. Georg Mair
Wissenschaftskommunikation / Öffentlichkeitsarbeit und Kommunikation
Veterinärmedizinische Universität Wien (Vetmeduni Vienna)
T +43 1 25077-1165
georg.mair@vetmeduni.ac.at


Hunde: Von wegen Ausnahme-Genies

Wie ungewöhnlich sind die kognitiven Fähigkeiten von Hunden wirklich? ©Dorottya Mathe, thinkstock
So intelligent wie kein Zweiter? Die kognitiven Fähigkeiten von Hunden sind im Tierreich wohl doch keine Ausnahmeerscheinung. Denn anders als oft dargestellt, können viele andere Spezies in Sachen Intelligenz durchaus mit den Vierbeinern mithalten, wie Forscher berichten. Ihre Meta-Analyse zeigt: Hunde werden als unsere sprichwörtlich besten Freunde häufig zu Unrecht auf ein überhöhtes Podest gestellt – einen Gefallen tun wir ihnen damit nicht.

scinexx

Hunde gelten gemeinhin als beste Freunde des Menschen – kein Wunder also, dass sich auch Wissenschaftler immer wieder gerne mit diesen Haustieren beschäftigen. In vielen Tests haben sie in der Vergangenheit bewiesen, dass die Vierbeiner zu erstaunlichen kognitiven Leistungen fähig sind. So können sie zum Beispiel unsere Sprache lesen, sind zur Perspektivübernahme fähig und beherrschen sogar das Zählen.

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