Forscher fordern „Biologisierung“ der Wirtschaft

Bioökonomie – APA/EXPA/JOHANN GRODER

Die Umstellung des Systems auf biologische Grundlagen gilt als unumgänglich.

Die Presse.com

Die Welt steht vor vielen Problemen: Die wachsende Bevölkerung und der steigende Güterverbrauch erfordern immer mehr Ressourcen und produzieren immer mehr Abfälle, die Umweltbedingungen verschlechtern sich, obendrein führt unser Wirtschaftssystem zu einer Klimaerwärmung.

Ein möglicher Ausweg kann die Bioökonomie sein – eine auf biogenen (anstatt fossilen) Rohstoffen beruhende Wirtschaftsweise. „Bioökonomie ist ein Schlüssel für das Erreichen der Nachhaltigen Entwicklungsziele der UNO“, betonte der deutsche Vordenker Joachim von Braun bei den Technologiegesprächen. Er plädierte für eine sehr umfassende Sichtweise: Es gehe nicht nur darum, Biomasse als Rohstoff zu nutzen, sondern um die Umsetzung von Prinzipien der Biologie in allen Bereichen. „Bioökonomie ist kein eigener Wirtschaftssektor, sondern soll, wie die Digitalisierung, alle Bereiche durchdringen“, sagte von Braun. Daraus würde ein dezentrales Wirtschaftssystem mit neuen Wertschöpfungsketten und -netzen hervorgehen.

weiterlesen

Blutjunger Stern wartet mit weiterer Attraktion auf

Hypothetische Innenansicht des Sternsystems Beta Pictoris: Im Vordergrund der neuentdeckte Riesenplanet, daneben sein kaum kleinerer, aber weiter entfernter Nachbar. Im Hintergrund wabern die Gas- und Staubschlieren der protoplanetaren Scheibe um den Stern.
Illustration: P Rubini / AM Lagrang

Beta Pictoris ist nur so alt wie die ersten Menschenaffen – und wird laut einer neuen Studie von mindestens zwei riesigen Planeten umkreist

DERSTANDARD

63 Lichtjahre von uns entfernt im Sternbild des Malers (Pictor) zieht der Stern Beta Pictoris seine Bahn. Dieser massereiche Stern bietet Astronomen schon seit Jahrzehnten immer wieder neue Messwerte, die zum Staunen anregen.

Zum einen ist er nach kosmischen Maßstäben unglaublich jung: Beta Pictoris dürfte vor etwa 20 bis 23 Millionen Jahren gezündet haben – das ist ein so kurzer Zeitraum, dass er sich schon mit dem menschlichen Stammbaum abgleichen lässt: Als Beta Pictoris geboren wurde, begann auf der Erde gerade das Miozän, in dem sich die sogenannten Menschenartigen (Menschenaffen, Gibbons und unsere direkten Vorfahren) vom Rest der Primaten abtrennten.

Protoplanetare Scheibe mit ersten Abkömmlingen

Jung, wie er ist, umgibt den Stern immer noch eine protoplanetare Scheibe, aus der sich mit der Zeit Planeten entwickeln können. Damit schrieb Beta Pictoris Astronomiegeschichte: In den 1980er-Jahren gelang es nämlich erstmals, Aufnahmen anzufertigen, mit denen sich eine solche Scheibe nachweisen ließ. Inzwischen wurden tausende Exoplaneten und auch eine ganze Reihe protoplanetarer Scheiben entdeckt. Damals jedoch war dies ein Meilenstein.

weiterlesen

Quantenverschränkung über 150 Millionen Kilometer

Forscher haben erstmals Photonen von der Sonne mit Photonen aus einem irdischen Labor verschränkt und zur Quanteninterferenz gebracht. © C.-Y. Lu and L.-C. Peng/HFNL

Kosmische Kopplung: Physiker haben erstmals Photonen aus der Sonne mit Photonen aus dem Labor verschränkt – über 150 Millionen Kilometer hinweg. Trotz ihrer extrem unterschiedlichen Herkunft zeigten die Lichtteilchen im Experiment eine typische Quanteninterferenz und ein verschränktes Verhalten. Dies eröffne ganz neue Möglichkeiten für quantenoptische Experimente im astronomischen Maßstab, so die Forscher im Fachmagazin „Physical Review Letters“.

scinexx

Albert Einstein bezeichnete dieses Phänomen als „spukhafte Fernwirkung“: Bei der quantenphysikalischen Verschränkung sind zwei Teilchen so miteinander gekoppelt, dass der Zustandswechsel des einen automatisch den des Partners verursacht. Dies geschieht instantan und unabhängig von der Entfernung. Damit ermöglicht die Verschränkung die schnelle Kommunikation über Netzwerke, zwischen Quantencomputern oder sogar aus dem Orbit.

weiterlesen

Plastikersatz aus Bioabfällen

Kunststoff aus Bioabfällen könnte sich als Ersatz für das PET in Plastikflaschen und Co eignen. © matteodestefano/ istock

Ersatz für PET und Co? Forscher haben ein neues Verfahren zur Herstellung biobasierter Plastik-Alternativen entwickelt. Mit ihrer Methode lassen sich zum Beispiel aus Lebensmittelabfällen gewonnene Substanzen in Verbindungen überführen, die sich als Kunststoff-Bausteine eignen. Für diesen Prozess sind im Wesentlichen nur Licht und Sauerstoff nötig – sowie spezielle Nanostäbchen als Katalysatoren.

scinexx

Kunststoffe wie Polyethylen (PET), Polypropylen (PP) oder Styropor stecken gefühlt in jedem zweiten Alltagsprodukt – von Verpackungen, über Kleidung bis hin zu Kosmetik. Doch diese Omnipräsenz des Plastiks ist längst zum Umweltproblem geworden: Tonnenweise Plastik schwimmt in großen Müllstrudeln im Meer herum und sogar unser Körper ist belastet. Aus diesem Grund suchen Wissenschaftler inzwischen nach umweltfreundlichen Alternativen zu PET und Co. Sie sollen genauso leicht und widerstandsfähig sein wie das Original, aber gleichzeitig biologisch abbaubar.

weiterlesen

Darwin Was a Slacker and You Should Be Too

Photocollages by Hannah K. Lee

Many famous scientists have something in common—they didn’t work long hours.

By Alex Soojung-Kim Pang | NAUTILUS

When you examine the lives of history’s most creative figures, you are immediately confronted with a paradox: They organize their lives around their work, but not their days.

Figures as different as Charles Dickens, Henri Poincaré, and Ingmar Bergman, working in disparate fields in different times, all shared a passion for their work, a terrific ambition to succeed, and an almost superhuman capacity to focus. Yet when you look closely at their daily lives, they only spent a few hours a day doing what we would recognize as their most important work. The rest of the time, they were hiking mountains, taking naps, going on walks with friends, or just sitting and thinking. Their creativity and productivity, in other words, were not the result of endless hours of toil. Their towering creative achievements result from modest “working” hours.

How did they manage to be so accomplished? Can a generation raised to believe that 80-hour workweeks are necessary for success learn something from the lives of the people who laid the foundations of chaos theory and topology or wrote Great Expectations?

I think we can. If some of history’s greatest figures didn’t put in immensely long hours, maybe the key to unlocking the secret of their creativity lies in understanding not just how they labored but how they rested, and how the two relate.

read more

Bald tragbare Elektronik aus Nylon?

Nylon könnte in Zukunft einen wichtigen Baustein für flexible und transparente elektronische Schaltungen bilden. © MPI-P

Nach 40 Jahren endlich geschafft: Forscher haben erstmals ultradünne Nylonschichten mit elektronisch nutzbaren Eigenschaften erzeugt – sogenanntes ferroelektrisches Nylon. Diese nur wenige hundert Nanometer dicken Polymerschichten ermöglichen dünne, transparente Elektronik wie Transistoren, Dioden oder Mikrokondensatoren. Das neue Herstellungsverfahren für solche Nylon-Elektronik eröffnet nun konkrete Anwendungsmöglichkeiten.

scinexx

Der Trend geht zur tragbaren, flexiblen Elektronik – sei es in Form von biegsamen Displays, dehnbaren Solarzellen oder in Kleidung eingewebten Leuchtdioden. Auch flexible, als Pflaster tragbare Sensoren haben Forscher schon in verschiedenen Varianten entwickelt. Die meisten dieser elektronischen Helfer basieren auf Komponenten aus klassischen Materialien wie Metallelektroden, die zu extrem feinen Drähten verarbeitet sind.

weiterlesen

Fruchtbarkeitsbehandlung außerhalb Deutschlands: Die soziale Kühltruhe

In-vitro-Fertilisation (IVF) unterm Mikroskop.Foto: imago/epd

Im Ausland sind Fruchtbarkeitsbehandlungen bereits Firmenstrategie: Man übernimmt die hohen Kosten fürs Einfrieren von Eizellen, um Personal zu werben.

Andrea Dernbach | DER TAGESSPIEGEL

Als die Internetriesen Apple und Facebook vor fünf Jahren öffentlich machten, dass sie die Kosten des sogenannten „Social Freezing“ für ihre Angestellten übernehmen wollten – also das Einfrieren von Eizellen, damit Frauen ihren Kinderwunsch auch nach dem 40. Lebensjahr noch erfüllen können –, folgte ein weltweites Echo.

„Deutsches Embryonenschutzgesetz in die Jahre gekommen“

Inzwischen, so ist im aktuellen „Economist“ zu lesen, hat das Beispiel Schule gemacht. Kürzlich entschied auch die Kaffeekette Starbucks, allen Frauen und Männern Fruchtbarkeitsbehandlungen zu bezahlen, die mindestens 20 Stunden pro Woche an ihren Kaffeetheken arbeiten. Von vier großen US-Konzernen bezahle mindestens einer solche Behandlungen, schreibt der „Economist“ – einige hätten damit auch die Negativschlagzeilen wegen sexueller Belästigung ausbalancieren wollen. Das Geld fließt wohl auch, weil in den USA Mutterschutz, Erziehungszeiten und finanzielle Hilfen per Gesetz auf niedrigstem Niveau sind. Zudem bietet das Silicon Valley, für weibliche Techies ohnehin quasi Sperrgebiet, kaum familienfreundliche Arbeitsplätze.

weiterlesen

Auf dem Mauna Kea in Hawaii kommen sich Astronomie und Religion ins Gehege

Eine Visualisierung des geplanten Thirty Meter Telescopes. (Bild: TMT Observatory)

In Hawaii soll ein Teleskop der Superlative gebaut werden. Einheimische wollen das verhindern, weil sie darin einen Angriff auf ihre Kultur und ihre Religion sehen. Die Wurzeln des Konflikts reichen allerdings viel weiter zurück.

Christian Speicher | Neue Zürcher Zeitung

Der 4200 Meter hohe Mauna Kea in Hawaii ist ein Berg mit mythischer Bedeutung. Unter den Einheimischen gilt der Gipfel des Berges als heiliger Ort, an dem sie Kontakt zu ihren Ahnen aufnehmen können. Der Mauna Kea ist aber auch ein Hotspot der Astronomie. 13 Teleskope stehen hier, denn es gibt nur wenige Orte auf der Welt, die so exzellente Beobachtungsbedingungen bieten. Die Pläne von Astronomen, ein Teleskop der Superlative mit einem Spiegeldurchmesser von 30 Metern auf dem Berg zu bauen, hatten schon 2015 zu Protesten der einheimischen Bevölkerung geführt. In den letzten Wochen ist die Auseinandersetzung eskaliert. Nicht nur verhinderten Demonstranten durch Strassenblockaden den Baubeginn des Thirty Meter Telescope (kurz TMT). Zum Verdruss der Astronomen legten sie auch den Betrieb der bereits bestehenden Teleskope lahm.

Astronomie als Wirtschaftsmotor

Die Erschliessung des Mauna Kea für die Astronomie begann bereits in den 1960er Jahren. Schon damals regte sich in einigen Kreisen Widerstand. Aber die wissenschaftlichen Argumente und die Aussicht, die Wirtschaft anzukurbeln, wogen schwerer als die kulturellen und religiösen Bedenken. Mit den Jahren kamen immer weitere Teleskope hinzu. Heute beherbergt der Mauna Kea mit dem Keck-Observatorium und dem japanischen Subaru-Teleskop einige der leistungsstärksten Teleskope der Welt.

weiterlesen

Erster Ring nur aus Kohlenstoff

Ein Ring aus reinem Kohlenstoff: Diese Formvariante haben Chemiker nun erstmals erzeugt. © IBM Research

Nach mehr als 50 Jahren endlich geglückt: Chemiker haben erstmals einen Ring nur aus Kohlenstoffatomen erzeugt – ein lange gesuchtes Molekül. Denn diese Cyclocarbone ließen sich bisher nie untersuchen oder gar herstellen. Ihre Struktur blieb daher rätselhaft. Der nun erzeugte Ring aus 18 Kohlenstoffatomen löst dieses Rätsel, denn er enthüllt, dass die Atome im Ring durch abwechselnde Einfach- und Dreifachbindungen miteinander verknüpft sind, wie die Forscher im Fachmagazin „Science“ berichten.

scinexx

Kohlenstoff ist ein extrem vielseitiges Element. Denn er ist nicht nur Bestandteil aller organischen Moleküle vom Methangas bis zur DNA, sondern kann selbst in Reinform viele verschiedene Strukturen bilden. Die Spanne reicht von Graphit und dem einschichtigen „Wundermaterial“ Graphen über den Diamant bis hin zu komplexen Fullerenen – fußballähnlichen Molekülen aus 60 Kohlenstoffatomen. Letztere kommen sogar im Weltall vor.

weiterlesen

„Strahlen-Tsunami“ – Jetzt formiert sich der Widerstand gegen 5G

Brüssel: Die Stadt hat weltweit mit die strengsten Vorschriften für Handystrahlung Quelle: Getty Images/N.BELLEGARDE

Mit jedem 5G-Mast, der errichtet wird, wächst der Protest gegen das superschnelle, mobile Netz: In Deutschland, Österreich und der Schweiz. Die Gegner haben eine attraktive Erzählung. Und die spielt ausgerechnet in der EU-Hauptstadt.

Hannelore Crolly | WELT

Selten gelingt es einer regionalen Umweltministerin mit einem einzigen Satz, in der ganzen Welt Schlagzeilen zu schreiben. Die Belgierin Céline Fremault, bis vor Kurzem in der Regionalregierung der Stadt Brüssel zuständig für Lebensqualität und Ökologie, schaffte das Ende März. Eine Anmerkung der 45-jährigen Juristin sauste wie ein Blitz durch ganz Europa, ja sogar bis Übersee: „Die Brüsseler sind keine Versuchskaninchen, deren Gesundheit ich für den Profit verkaufen kann“, hatte Fremault gesagt.

Zwar war das wohl nicht ganz so drastisch gemeint, wie es aus dem Zusammenhang gerissen klang. Dennoch wird Fremault bis heute oft und hartnäckig zitiert, selbst wenn sie nicht mehr im Amt ist, nachdem in Belgien Wahlen waren. Aber ihre Aussage kommt all jenen bestens zupass, die vor dem neuen Mobilfunkstandard 5G als Teufelszeug warnen.

weiterlesen

Neue Genschere kann Zellen besonders effizient umprogrammieren

Bis zu Hunderte Gene gleichzeitig lassen sich mithilfe der neuen Technik verändern, die an der ETH Zürich entwickelt wurde.

Neue Zürcher Zeitung

Die «Genschere» Crispr-Cas hat die Grundlagenforschung, die Zucht von Nutztieren und -pflanzen sowie medizinische Anwendungen umgekrempelt. Forschende von der ETH Zürich stellen nun eine neue Variante vor, mit der sich Dutzende bis Hunderte Gene gleichzeitig verändern lassen.

Mit der Methode Crispr-Cas lassen sich Gene im Erbgut präzise und relativ einfach umschreiben. Das Prinzip dahinter ähnelt der Funktion «Suchen und Ersetzen» bei der Bearbeitung von Texten. Präzise funktionierte das bisher vor allem, wenn sich das Umschreiben auf einzelne Stellen im Erbgut fokussierte. Weil jedoch viele Zellprozesse, aber auch beispielsweise Risiken für Krankheiten auf dem Wechselspiel Dutzender verschiedener Gene beruhen, suchen Forschende nach Möglichkeiten, eine noch leistungsfähigere Version der Genschere zu entwickeln.

weiterlesen

Impfung gegen Chlamydien in Sicht?

Gibt es demnächst eine Impfung gegen Chlamydien? © Marian Vecjcik/ istock

Wichtiger Schritt im Kampf gegen Geschlechtskrankheiten: Forscher haben erstmals einen Impfstoff gegen Chlamydien erfolgreich in einer sogenannten Phase-1-Studie getestet. Im Versuch mit gesunden Studienteilnehmerinnen zeigte sich, dass das Vakzin das Immunsystem aktiviert und offenbar gut verträglich ist. Weitere Studien müssen nun jedoch noch überprüfen, ob der Wirkstoff tatsächlich einen ausreichenden Impfschutz gegen die weit verbreitete bakterielle Infektion aufbauen kann.

scinexx

Infektionen mit Chlamydien gehören zu den häufigsten sexuell übertragbaren Krankheiten (STIs) weltweit – auch in Europa sind die Erreger weit verbreitet. Werden sie rechtzeitig erkannt, können Chlamydien mithilfe von Antibiotika gut behandelt werden. Das Tückische aber: Bei Dreiviertel der Infektionen zeigen sich keine Symptome, sodass die Erkrankung unbemerkt bleibt – und genau das macht sie so problematisch.

weiterlesen

Forscher erschaffen künstliches Leben

Das Bakterium Caulobacter crescentus diente den Forschern als Modellorganismus. Es kommt auch im ­Zürichsee vor. Martin Öggerli/ Science Photo Library / Keystone 

In der Biologie vollzieht sich die nächste Revolution: Wissenschafter verändern das Erbgut nicht mehr nur, sondern bauen es von Grund auf neu. So erschaffen sie Organismen, die es in der Natur nicht gibt.

Juliette Irmer | NZZamSonntag

Dem Gentechnikpionier Craig Venter war 2010 gelungen, was zuvor nur in Science-Fiction-Romanen möglich schien: einen lebenden Organismus allein von Menschenhand zu erschaffen.

Die Forscher um Venter hatten die rund eine Million DNA-Bausteine des Bakteriums zunächst entschlüsselt, das Genom anschliessend aus einzelnen, synthetisch hergestellten DNA-Stücken wieder zusammengesetzt und es in eine Zelle eingeschleust, deren eigene DNA zuvor entfernt worden war. Die neu erschaffene Zelle «Syn1.0» lebte und teilte sich auch unter der Regie der nachgebauten DNA-Kopie.

Heute interessiert sich niemand mehr für den simplen Nachbau eines Bakterien-Genoms. Wissenschafter verändern oder erweitern inzwischen den genetischen Code, sie entfernen unnötige Gene und andere DNA-Abschnitte und versuchen auf diese Weise, Minimalgenome zu erschaffen. Also eine Zelle, die nur jene Gene enthält, die zum Überleben wirklich notwendig sind.

weiterlesen

Skeptiker versus Progressive: Was die (richtig verstandene) Aufklärung uns gerade heute zu sagen hat

Beide Typen berufen sich auf die Aufklärung, aber beide haben einen anderen Begriff von ihr: die Avantgardisten des Fortschritts und die Praktiker der Skepsis. Erstere haben zurzeit die Nase vorn – aber bringt deren Engagement die Menschheit wirklich weiter? Der junge Voltaire und Diderot hätten da wohl ihre Zweifel.

Hans Ulrich Gumbrecht | Neue Zürcher Zeitung

Kein Tag vergeht mehr ohne öffentliche Scharmützel über die politische Korrektheit, in denen sich ihre Kritiker und Befürworter beleidigen – und immer weiter voneinander entfernen. Nach der neuen Lehre, die längst nicht mehr allein an den Universitäten herrscht, sondern inzwischen selbst in Verwaltung und Privatwirtschaft Einzug gehalten hat, lassen sich ethische Probleme grundsätzlich in zutreffende (oder eben «korrekte») Antworten und folglich in bindende, mit Zwang durchzusetzende Handlungsanweisungen überführen. Man hat tolerant zu sein und divers, egalitär und öko-etatistisch.

Zum Konsens-Repertoire der auf dieser Grundlage vertretenen starken Werte gehören die Betonung kultureller wie geschlechtlicher Identitäten und die Forderung nach ihrer sozialen Anerkennung; ein weitreichender, an Idealen der Gleichheit ausgerichteter Anspruch auf Umverteilung, also die Egalisierung von finanziellem wie kulturellem Kapital; und schliesslich eine Reihe von ökologisch begründeten, meist im Gestus der Selbstbestrafung für zurückliegende Sünden verkörperten Abstinenzregeln, die angeblich das Überleben der Menschheit auf dem Planeten Erde gegen vielerlei Bedrohungen garantieren.

weiterlesen

Ernst Haeckel – der deutsche Darwin

Ernst Haeckel, Bild:Phyletisches Museum. barb.:bb

Zoologe, Künstler, Philosoph, Freidenker: Ernst Haeckel ermöglichte Einblicke in die Kunstfertigkeit der Natur, verbreitete Darwins Evolutionstheorie und entwickelte daraus eine eigene Philosophie. Er vertrat Theorien, die die Nazis aufgriffen – und andere, die ihn zum „Vater der Ökologie“ machten.

Von Andrea Westhoff | Deutschlandfunk

Es waren nicht die großen, bekannten Tiere, die das Interesse des Zoologen Ernst Haeckel weckten, sondern winzige Strahlentierchen, sogenannte „Radiolarien“, Kalkschwämme, Korallen – mit bloßen Auge oft kaum zu sehen, oder „Medusen“, buntschillernde Quallen, mit Worten schwer zu beschreiben.

„Denkt Euch einen zierlichen schlanken Blumenstock, dessen Blätter und bunte Blüten durchsichtig wie Glas sind, und der sich in den zierlichsten und lebhaftesten Bewegungen durch das Wasser schlängelt, einzelne Individuen einer Art, welche die Gestalt eines reich verzierten Ritterhelmes besitzt.“

Glücklicherweise besaß Ernst Haeckel auch großes künstlerisches Talent. Er fertigte Hunderte von prachtvollen Zeichnungen und Aquarellen dieser geheimnisvollen Tiefseeschönheiten an und machte damit wiederum die Biologie „populär“: Seine Sammlung „Kunstformen der Natur“ fehlte im letzten Jahrhundert in kaum einem bildungsbürgerlichen Haushalt; und sie hat eine ganze Kunstrichtung geprägt, den Jugendstil.

weiterlesen

Hat eine 50-jährige Nobelpreisträgerin eher Anrecht auf eine lebensrettende Behandlung als ein 75-jähriger Mörder? Nein, sagt der Ethiker

Die neuen Gen- und Zelltherapien sind effizient, aber exorbitant teuer – und damit eine gewaltige Herausforderung für das Gesundheitssystem. Der Rechtsprofessor und Ethiker Bernhard Rütsche erklärt, warum das heutige System der Preisfestsetzung nicht mehr taugt.

Simon Hehli | Neue Zürcher Zeitung

Novartis hat eine Gentherapie auf den Markt gebracht, die Kinder von Leukämie und Lymphdrüsenkrebs heilen soll – aber 370 000 Franken pro Patient kostet. Ist dieser Preis legitim?

Bernhard Rütsche: Auf den ersten Blick scheint ein solcher Preis unangemessen hoch. Aber wenn es sich um eine hocheffiziente, nebenwirkungsarme Therapie handelt, die in einer einmaligen Anwendung Leben retten oder erheblich verlängern kann, und wenn zudem sehr hohe Entwicklungskosten dahinterstehen: Dann kann ein Preis in dieser Grössenordnung begründet sein.

Bekommen 1000 Patienten die Therapie, sprechen wir schon von Kosten von fast 400 Millionen Franken.

Die neuen Gen- und Zelltherapien stellen die Gesundheitsversorgung vor grosse Herausforderungen. Patienten sollen möglichst schnell Zugang zu bahnbrechenden Therapien haben. Gleichzeitig muss aber das solidarisch finanzierte System bezahlbar bleiben.

Teure Medikamente können sich dann lohnen, wenn sie langfristig Behandlungskosten einsparen helfen.

Durchaus, und dann ist es auch legitim, dies bei der Festsetzung des Preises zu berücksichtigen.

weiterlesen

Neue Diskussion um Mensch-Tier-Mischwesen

Zwei Forschergruppen wollen Mensch-Tier-Mischwesen herstellen, indem sie menschliche Stammzellen in frühe Embryos von Schweinen oder Affen injizieren. © wildpixel/ iStock

Ethisch vertretbar oder bedenklich? Aktuell haben gleich zwei Forscherteams die Diskussion um Mensch-Tier-Mischwesen neu entzündet. Denn beide Teams wollen solche Chimären in bisher nie dagewesener Form erzeugen. Ein japanisches Team will langfristig menschliche Organe in Schweinen züchten, ein spanisch-chinesisches Team hat menschliche Stammzellen in Affen-Embryonen eingeschleust.

scinexx

Chimären sind Mischwesen, die aus Zellen und Geweben von zwei verschiedenen Arten bestehen. Dabei können die „fremden“ Zellen willkürlich verstreut sein oder sich in Form bestimmter Organe konzentrieren. So wurde schon 1984 die erste Chimäre aus Schaf und Ziege im Labor erzeugt, wenig später produzierten Forscher die ersten Mäuse mit menschlichem Immunsystem – eine in der Forschung seither viel genutzte Chimärenvariante. Auch Chimären aus verschiedenen Affenarten gibt es bereits.

weiterlesen

Permafrost liefert 14.000 Jahre alte RNA

Im Gegensatz zur DNA ist die RNA eher kurzlebig und bleibt daher selten in Fossilien oder Kadavern erhalten. Doch es gibt Ausnahmen, wie nun ein 14.000 Jahre im Permafrost konservierter Wolf belegt. © Christoph Burgstedt

Spannender Durchbruch: Forscher haben erstmals 14.000 Jahre alte RNA aus einem fossilen Lebewesen isoliert und sequenziert. Lieferant dieser normalerweise kurzlebigen Erbgutvariante war ein Steinzeit-Wolf, der jahrtausendelang im sibirischen Permafrost konserviert lag. Seine RNA ist nun die älteste je ausgelesene RNA – und der Beleg dafür, dass dieser „Übersetzer“ zwischen Genen und Proteinen länger erhalten bleiben kann, als man es bisher für möglich hielt.

scinexx

Die Möglichkeit, selbst aus lange gestorbenen Tieren oder Menschen noch Erbgut zu isolieren, hat die Paläontologie und Archäologie revolutioniert. Denn der Blick ins Genom verrät die Herkunft und Verwandtschaft früher Menschenformen und kann sogar das Aussehen einiger unserer Vorfahren rekonstruieren helfen. Alte DNA kann aber auch die Geschichte domestizierter Tierarten wie der Pferde oder Hunde aufklären helfen.

weiterlesen

Transplantation ohne Immunsuppressiva?

In Zukunft könnten zumindest einige Organempfänger möglicherweise auf die lebenslange Einnahme von Immunsuppressiva verzichten. © sturti / iStock

Abstoßung verhindert: Wer ein Organ transplantiert bekommt, muss künftig vielleicht keine Immunsuppressiva mehr einnehmen. Denn Forscher haben einen Weg gefunden, Immunreaktionen gegen fremdes Gewebe auch ohne solche Medikamente zu unterbinden. Demnach lässt sich das Immunsystem durch Infusionen mit speziell behandelten Blutzellen des Spenders darauf trainieren, das Transplantat als körpereigen wahrzunehmen. Bei Tests mit Rhesusaffen hat das schon funktioniert.

scinexx

Für Menschen mit akutem Organversagen oder einer schweren chronischen Erkrankung ist eine Organtransplantation oftmals die letzte Hoffnung auf Heilung. Doch das Leben mit fremdem Organ bedeutet auch ein Risiko. Denn damit der Körper den Eindringling akzeptiert, müssen Patienten ein Leben lang Immunsuppressiva einnehmen – Medikamente, die das Immunsystem unterdrücken.

weiterlesen

Neue Struktur des Goldes entdeckt

Gold wird bei schneller Kompression bis auf extremen Hochdruck erst raumzentriert und dann flüssig, wie nun ein Expiermet belegt. © Para827/ iStock

Überraschender Wandel: Wenn Gold sehr schnell komprimiert wird, verhält es sich völlig anders als erwartet. Denn das Edelmetall wird nicht dichter, sondern lockert seine Kristallstruktur, wie Forscher bei Hochdruck-Experimenten entdeckt haben. Ab 220 Gigapascal entsteht so eine kubisch-raumzentrierte Struktur – für Gold etwas völlig Neues. Ungewöhnlich auch: Erhöht man den Druck weiter, wird das Gold sogar flüssig.

scinexx

Gold ist nicht nur ein begehrtes Edelmetall, es ist auch in chemischer und physikalischer Hinsicht ziemlich ungewöhnlich – und sorgt bis heute für Überraschungen. Denn das gelbglänzende Metall ist außergewöhnlich reaktionsträge und beständig und hat einen einzigartigen Glanz. Zudem werden Goldpartikel im Nanomaßstab zu einem extrem effektiven „Strahlenschlucker“ und reagiert in überraschender Weise auf elektrische Felder.

weiterlesen