Chinesischer Roboter besteht weltweit erstmals Zulassungsprüfung für Mediziner

Roboter Xiaoyi. Bild: iFlytek
Der mit viel Wissen gefütterte Roboter soll ab nächstem Jahr bei der Diagnose und der Ausbildung von Ärzten helfen

Von Florian Rötzer | TELEPOLIS

Vor einigen Tagen meldete China Daily, dass ein chinesischer Roboter weltweit als erster die nationale Medizinprüfung bestanden habe. Das ist ein wichtiger Test, der bestanden werden muss, um in China als Arzt anerkannt zu werden. Die Fragen ändern sich jährlich.

Der Roboter mit dem Namen Xiaoyi wurde von der chinesischen KI-Firma iFlyTek, die zunächst auf Stimmerkennung und digitale Assistenten spezialisiert war, entwickelt und mit einem KI-System ausgestattet. Den schriftlichen Test absolvierte der Roboter mit 456 Punkten, 96 Punkte mehr als erforderlich. Dazu hatten die Wissenschaftler den Roboter mit den Inhalten von 53 medizinischen Lehrbüchern, 2 Millionen medizinischen Aufzeichnungen und 400.000 medizinischen Texten und Berichten gefüttert.

Er soll aber nicht nur theoretisches Wissen besitzen und medizinische Fragen beantworten können, sondern soll auch klinische Erfahrungen und Falldiagnosen von Medizinexperten gelernt haben. Eingesetzt werden soll er, um automatisch Daten eines Patienten zu erfassen und auszuwerten, um eine erste Diagnose zu machen. Er soll so Ärzten helfen, effizienter zu arbeiten und Risiken zu vermeiden, indem sie Vorschläge angeboten bekommen.

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Das Hirn bleibt ein verzauberter Webstuhl

Graphic courtesy of Vimeo, Human Brain Project
Intelligenz ist Flexibilität: Das betont jetzt auch eine Forscherschule namens Network Neuroscience

Von Thomas Kramar | Die Presse.com

Was ist Intelligenz? Es gibt bis heute keine Definition. Am ehesten können sich die Psychologen auf eine operative Festlegung einigen: Intelligenz ist das, was ein Intelligenztest misst. (So wie Zeit das ist, was eine Uhr misst – wer kennt eine bessere Definition?)

Ein Problem damit: Wenn wir einen Computer so programmieren, dass er gängige IQ-Tests perfekt löst, müssen wir ihm – oder dem Programm – dann nicht hohe Intelligenz zuschreiben? Viele Verfechter der künstlichen Intelligenz beantworten diese Frage – auch wenn sie das vielleicht nicht zugeben – mit Ja. Doch das ist unbefriedigend. Zu unserem Verständnis von Intelligenz gehört Flexibilität. Wer nur gewohnte Aufgaben lösen kann, den sehen wir eher nicht als intelligent an.

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Interstellares Objekt überrascht Astronomen

Zurzeit rast ein Brocken aus dem interstellaren Raum durch das Sonnensystem © NASA
Verblüffend vertraut: Zurzeit rast ein unbekanntes interstellares Objekt durch unser Sonnensystem. Jetzt haben Astronomen die ersten Erkenntnisse über diesen fremden „Besucher“ gewonnen. Beobachtungen mit Teleskopen enthüllten, dass das Objekt unseren heimischen Asteroiden erstaunlich ähnlich ist. Möglicherweise gehörte dieser Brocken einst zu einem fremden Planetensystem und wurde aus ihm herausgeschleudert.

scinexx

Typischerweise stammen nahezu alle bekannten Objekte in unserer nahen kosmischen Umgebung aus unserem eigenen Sonnensystem. Doch am 19. Oktober 2017 entdeckte das Pan-STARRS-Teleskop auf Hawaii einen Brocken, für den dies nicht galt: Die Flugbahn und das hohe Tempo des A/2017 U1 getauften Objekts sprachen dafür, dass dieser Brocken aus dem interstellaren Raum stammte.

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Einsteins Optimismus und dessen mögliche Grenzen

An der Goethe-Universität Frankfurt werden miteinander verschmelzende Neutronensterne simuliert. © Universität Frankfurt/Luciano Rezolla
Die Gravitationswellenastronomie ermöglicht neue Tests der Allgemeinen Relativitätstheorie. Wird das Studium der Physik bei starken Gravitationsfeldern Hinweise auf neue Theorien liefern?

Von Sibylle Anderl | Frankfurter Allgemeine

Als Einstein vor mehr als hundert Jahren seine Allgemeine Relativitätstheorie vorstellte – eine Erweiterung des Newtonschen Gravitationsgesetzes, die den Einfluss von Massen auf die Krümmung der vierdimensionalen Raumzeit beschreibt –, erschien die Möglichkeit vielfältiger empirischer Tests noch fern. Die Lichtablenkung von Sternlicht im Gravitationsfeld der Sonne konnte Einsteins Theorie schon 1919 bestätigen. Einstein selbst wird allerdings mit einem gewissen Desinteresse an experimenteller Überprüfung zitiert. Danach befragt, wie er reagiert hätte, wenn seine Theorie am empirischen Test gescheitert wäre, soll er geantwortet haben: „Da könnt mir halt der liebe Gott leid tun. Die Theorie stimmt doch.“ Bis heute hat Einstein mit seinem Selbstbewusstsein recht behalten. Die Allgemeine Relativitätstheorie hat nach ihren Anfangserfolgen in der Vorhersage der gravitativen Lichtablenkung und der Periheldrehung des Merkurs mittlerweile eine große Zahl von Präzisionstests mit Bravour bestanden.

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Durchbruch der Gentherapie von Menschen mit der Hilfe von Genscheren?

Grafik: TP
In den USA wurde erstmals ein Patient mit Morbus Hunter einer Therapie unterzogen, bei der mit Genscheren an einem bestimmte Stelle der DNA von Leberzellen ein korrigiertes Gen eingeschleust wird

Von Florian Rötzer | TELEPOLIS

Erstmals wurde in den USA eine neue Gentherapiemethode mit der Hilfe von Zinkfingerproteinen als Genschere an einem Menschen im UCSF Benioff Children’s Hospital Oakland ausprobiert, wie AP und das Biotech-Unternehmen Sangama Therapeutics berichten. Am Montag erhielt der 44-jährige Brian Madeux, der an einer milden Form der seltenen, fast ausschließlich bei Männern auftretenden Erbkrankheit Morbus Hunter (Mukopolysaccharidose Typ II – MPS II) leidet, aber bereits zahlreiche Operationen hinter sich hat, eine Infusion mit Milliarden von Ersatzgenen und genetischen Instruktionen zur Bildung von zwei Zinkfingerproteinen , um die Gene genau an der Stelle auszuwechseln, wo das die Krankheit verursachende Gen sitzt.

MPS II wird durch die Mutation des Gens I2S verursacht, wodurch zu wenig Iduronat-2-Sulfatase (I2S), ein lysosomales Enzym, erzeugt wird. Das Enzym baut Glykosaminoglykane (GAG) ab. Durch einen Mangel des Enzyms reichern sich diese Stoffwechselprodukte in den Zellen an. Dadurch können viele Organe geschädigt werden und auch neurologische Schädigungen entstehen.

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Forscher „zippen“ DNA

Die Erbsubstanz wird für den Transport in die Zelle wie eine Computerdatei komprimiert und in der Zelle entpackt. © Bara Krautz
Gezippte DNA: Forscher haben eine Methode entwickelt, mit der sich große Mengen genetischer Informationen komprimieren und in Zellen wieder dekomprimieren lassen. Ihr Verfahren funktioniert dabei im Prinzip wie das Zippen einer digitalen Datei. Dieser Ansatz eröffnet neue Möglichkeiten im Bereich der Biotechnologie und könnte künftig beispielsweise dabei helfen, genauere Diagnosemethoden für Krebs zu entwickeln.

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Was tun, wenn sich ein umfangreiches Dokument oder ein hochauflösendes Bild nicht per E-Mail verschicken lässt? Man zippt es mit einer geeigneten Software auf handliche Größe. „Anstelle der Information ‚weiß-weiß-weiß–weiß-…‘ für jeden einzelnen Pixel einer weißen Linie, wird nur noch die Botschaft ‚tausendmal weiß‘ übermittelt“, erklärt Kobi Benenson von der Eidgenössischen Technischen Hochschule Zürich. Beim Empfänger angekommen, lässt sich die Information dann wieder auf die ursprüngliche Größe aufblasen.

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Bevormundung ist barbarisch

Roger Bacon, ein früher Verfechter empirischer Wissenschaft. (Bild pd)

Der abendländische Humanismus gehört der ganzen Welt – ein paar Anregungen zur laufenden Debatte

Von Hans Widmer | Neue Zürcher Zeitung

Der Humanismus hat die Entwicklung der menschlichen Fähigkeiten in allen Dimensionen, intellektuell, ethisch, emotional, und in ihrer ganzen Tiefe zum Gegenstand. Dieser Blick auf den Menschen hat sich im Westen entwickelt. Deshalb stehen westliche Akteure oft vor der Frage, ob die humanistischen Werte, die ihr Handeln bestimmen, tatsächlich universell seien – andere Kulturen hätten doch auch ihre Geschichte und Würde.

Nun, der Humanismus hätte sich ebenso gut in andern Epochen und in andern Weltengegenden entwickeln können. Er entfaltet sich, wenn Menschen in Freiraum und Rechtssicherheit interagieren – er lässt sich weder herbeireden noch dekretieren, wie René Scheu richtig geschrieben hat (NZZ 28. 10. 17). Wohl haben die meisten Philosophen ihre Meinungen dazu kundgetan. Doch ist daraus kein Kanon geworden, einmal, da es sich um persönliche Einsichten und Befindlichkeiten handelt, und zweitens, da die verwendeten Begriffe unterschiedlich gedeutet werden. So lässt sich mit «progressiv», «konservativ», «reaktionär» und dergleichen beliebig Schaum schlagen, wie dies Dieter Thomä in seiner Replik auf immerhin unterhaltsame Weise tat (NZZ 3. 11. 17). Hingegen gibt es einen gewordenen, gelebten abendländischen Humanismus mit einsehbarer Herkunft und klaren Umrissen.

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Naher Erdzwilling entdeckt

Der Exoplanet Ross 128 b umkreist einen erstaunlich ruhigen Roten Zwerg – und könnte lebensfreundlich sein. © ESO/ M. Kornmesser
Erdähnlicher Nachbar: Astronomen haben einen möglicherweise lebensfreundlichen Exoplaneten in unserer unmittelbaren kosmischen Nachbarschaft entdeckt. Der erdgroße Himmelskörper Ross 128 b umkreist in nur elf Lichtjahren Entfernung einen Roten Zwergstern – vermutlich in der habitablen Zone. Damit ist er nach Proxima Centauri b der uns zweitnächste bekannte Planet mit einem gemäßigten Klima, wie die Forscher im Fachmagazin „Astronomy & Astrophysics“ berichten.

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Lange blieb unsere unmittelbare kosmische Nachbarschaft bei den Planetenjägern außen vor: Exoplaneten wurden vor allem in größeren Entfernungen entdeckt. Doch inzwischen hat sich das Bild gewandelt. So haben Astronomen inzwischen gleich sieben Erdzwillinge um den 40 Lichtjahre entfernten Stern TRAPPIST-1 aufgespürt, außerdem eine nur 14 Lichtjahre entfernte Supererde und sogar einen Erdzwilling um unseren Nachbarstern Proxima Centauri: Mit nur vier Lichtjahren Entfernung ist Proxima Centauri b der uns am nächsten gelegene bekannte erdähnliche Planet.

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Watch This Plasma Ring Float in Open Air

The plasma ring was created using a stream of water that was less than the width of a human hair and moving as fast as a bullet.

By Daniel Oberhaus | MOTHERBOARD

Plasma sounds like the stuff of science fiction, but you probably encounter the fourth state of matter on a daily basis. Any time you see a neon sign, a fluorescent lightbulb, a flash of lightning, or stare at the sun to feed on its energy, you’re encountering plasma in all its glory.

Plasma is technically an ionized gas, which means that it has a number of properties that make it behave like a cohesive unit, such as being able to conduct electricity and interact with magnetic fields. Plasma is super useful stuff, but it comes with a major downside: like a regular gas, it can be tough to harness without a special container. For human applications, such as a fusion reactor, plasma is usually contained using electromagnetic fields that force the plasma into a desired shape.

But now a team of physicists at Caltech have managed to create a plasma ring in the open air for the first time.

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US-Gesundheitsbehörde genehmigt erste digitale Pille

Die Zulassungsbehörde FDA. (Foto: AP)
  • Die neu zugelassene Pille besteht aus einem bekannten Wirkstoff und einem Sender.
  • Das Medikament zersetzt sich durch die Magensäure und sendet so Signale an ein Smartphone.
  • Damit soll es möglich sein zu überprüfen, ob Patienten ihre Medikamente wie vorgeschrieben einnehmen.

Von Felix Hütten | Süddeutsche Zeitung

Die US-amerikanische Gesundheitsbehörde FDA hat die erste Pille mit eingebautem Smartphone-Sender zugelassen. Die Pille mit dem Namen Abilify MyCite enthält neben dem Neuroleptikum Aripiprazol einen Sensor.

Das Medikament ist für Patienten mit bipolaren Störungen und Schizophrenie zugelassen. Die neue Funktion soll Patienten – oder ihren Betreuungspersonen – helfen, zu überprüfen, ob es regelmäßig eingenommen wird. Besonders Patienten mit psychischen Leiden verweigern oder vergessen häufig die Einnahme von Medikamenten – ein enormes Problem in der Therapie. Abilify MyCite will hier Abhilfe schaffen.

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This Space Plane Is One Step Closer to Cargo Runs to the Space Station

Image: MOTHERBOARD
Sierra Nevada Corporation’s flashy vehicle is designed to resupply the International Space Station.

By Becky Ferreira | MOTHERBOARD

The Dream Chaser, a sleek space plane developed by the Sierra Nevada Corporation (SNC), lived up to its name on Saturday by successfully landing at California’s Edwards Air Force Base after a free-flight test.

The uncrewed spacecraft was dropped out of a helicopter flying at an altitude of 12,324 feet over the Mojave Desert. The Dream Chaser descended for 60 seconds, reaching speeds of 330 miles per hour, before touching down on the runway to come to a controlled stop, in contrast to its sketchier 2013 flight test, which ended with it skidding off the tarmac.

Measuring about 30 feet (nine meters) in length, the space plane looks like a miniature version of NASA’s retired Space Shuttles, and follows the same basic spaceflight logic. To get to space, the vehicle will be attached to a heavy-lift rocket and launched vertically, but on its return trip to Earth, it will land horizontally on a runway, ideally intact and ready to be reused on future missions.

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CRISPR Can Now Edit Genes Using Nanoparticles Instead of Viruses

Image: MOTHERBOARD
The new delivery mechanism completely turned off a gene responsible for high cholesterol in mice.

By Daniel Oberhaus | MOTHERBOARD

Since its was first harnessed by scientists in 2013, the natural gene-editing technology known as CRISPR has sparked a designer baby controversy, dreams of ending hereditary diseases, and fears of sophisticated biological terrorism. Yet for all of CRISPR’s peril and promise, figuring out a way to effectively deliver the system to the target DNA has remained a significant technical hurdle.

 Usually, a CRISPR system—which consists of an enzyme called Cas9 that cuts out a portion of a target DNA strand, as well as a short strand of RNA that guides the enzyme to its target—catches a ride through the body in a virus. This is a less than ideal solution because patients receiving a CRISPR treatment can quickly develop, or may already possess, antibodies that would destroy it.

As detailed today in Nature Biotechnology, a team of researchers at MIT has created a highly effective, non-viral solution: a nanoparticle system that can deliver CRISPR to target genes. Moreover, the nanoparticle CRISPR-delivery system was able to completely turn off a gene responsible for high cholesterol level when administered to mice.

The group was led by MIT research scientist Hao Yin and associate professor of chemical engineering Daniel Anderson, both of whom have made ground-breaking discoveries in the science of gene editing in recent years.

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Licht legt in Flüssigkeiten immer dieselbe Strecke zurück

In transparenten Flüssigkeiten sind Lichtpfade geradlinig – in trüben Flüssigkeiten werden sie durch Streuung komplizierter. © TU Wien
Trotz Streuung: Egal wie klar oder trüb eine Flüssigkeit ist – das Licht legt darin immer dieselbe Wegstrecke zurück. Diese scheinbar widersinnige These haben Forscher nun experimentell bestätigt. Sie zeigen: Partikel in trüben Flüssigkeiten wie Milch streuen das Licht zwar und zwingen es zu Umwegen auf seinem Weg durch das Medium. Gleichzeitig werden viele Teilchen jedoch direkt nach dem Eindringen wieder nach draußen gelenkt. Als Folge werden manche Pfade des Lichts kürzer, andere länger – ein Effekt, der sich im Mittel offenbar immer ausgleicht.

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Wenn Licht in ein Glas mit Wasser fällt, durchdringt es die Flüssigkeit geradlinig und verlässt sie auf der gegenüberliegenden Seite. In einer Flüssigkeit wie Milch ist die Route dagegen komplizierter. Denn das Licht wird auf seinem Weg an winzigen Partikeln in der Flüssigkeit mehrfach gestreut: Es muss das Glas auf zackigen Bahnen durchqueren, wenn es an das gegenüberliegende Ende des Gefäßes gelangen soll. Dieser Effekt ist für die weiße Farbe der Milch verantwortlich.

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Was Brücken in Schwingung versetzt

Geriet bei der Eröffnung im Jahr 2000 ganz schön ins Schwanken: die Millenium Bridge in London © Johan Mouchet/ gemeinfrei
Wackelnde Angelegenheit: Mit ihren Schritten können Fußgänger Brücken gefährlich zum Schwingen anregen. Ein mathematisches Modell zeigt nun, welche Rolle die Zahl der Personen dabei spielt. Das Ergebnis: Anders als gedacht nimmt die Schwingung nicht linear mit der Größe der Menschenmenge zu. Stattdessen verstärkt sie sich ab einem kritischen Schwellenwert abrupt. Künftig könnten die Ergebnisse bei der Bauplanung von Brücken und anderen Bauwerken helfen, schreiben die Forscher.

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Fast wäre es ein gewaltiger Reinfall geworden: Im Jahr 2000 wurde nach über hundert Jahren erstmals wieder eine neue Brücke über die Themse in London eingeweiht. Doch als am Eröffnungstag Heerscharen von Besuchern auf die Millenium Bridge strömten, geriet das moderne Bauwerk heftig ins Schwanken. Erst nach einer zweijährigen Sperrung und aufwändigen Nachbesserungen, die noch einmal ein Drittel der ursprünglichen Baukosten verschlangen, konnte das Problem gelöst werden.

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Schriftsteller Elsberg über CRISPR/Cas9: Was, wenn Gott sich geirrt hat?

Marc Elsberg, geboren 1967 in Wien, heißt eigentlich Marcus Rafelsberger. Sein literarisches Debüt erfolgte 2000 mit dem satirischen Roman Saubermann. Foto: Lukas Ilgner
In der postfaktischen Debatte über Gentechnik werden Dinge vermengt, die man auseinanderhalten sollte

Von Marc Elsberg | derStandard.at

Riesenbuchstaben an einer Wand im Wintergarten des Instituts für Molekularbiologie Austria (IMBA), eine Arbeit des Künstlers Lukas Troberg, stellen diese provokante Frage: „What if God was wrong?“ Damit trifft sie für viele ins Herz einer Diskussion, die seit Jahrzehnten so erbittert wie wenige andere geführt wird.

Die Debatte um Gentechnik und gentechnisch veränderte Organismen (GVOs) war vielleicht die erste „postfaktische“ überhaupt. Seit Jahrzehnten beflegeln sich Gegner und Befürworter höchst emotional mit übelsten Beschimpfungen und Unterstellungen, hantieren mit „alternativen Fakten“ und „Fake-News“ – lange vor Erfindung dieser Neusprechbegriffe für Lügen. „Frankenfood“ oder „Gen-Scheiß“, brüllen die einen, „hunderttausendfachen Mord“, gar einen „stillen Holocaust“ werfen dagegen etwa Befürworter von Golden Rice den Anbaugegnern vor – die gentechnisch veränderte Sorte soll Vitamin-A-Mangel in Entwicklungsgebieten beheben. Auf beiden Seiten werden Studien gefälscht oder falsch zitiert, Argumente verdreht oder ignoriert, Inhalte auf Slogans und Parolen reduziert.

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Intersexualität: Was das dritte Geschlecht für den Sport bedeutet

Die 800-Meter-Weltmeisterin Caster Semenya hat sich immer als Frau gefühlt. (Foto: Getty Images for IAAF)
Soll es künftig drei Weltmeister pro Disziplin geben? Einer Weltklasseläuferin wie Caster Semenya wäre damit nicht geholfen. Der Sport muss neu denken, wie er mit körperlichen Unterschieden umgeht.

Von Barbara Klimke | Süddeutsche Zeitung

Erniedrigend fand die Diskuswerferin Liesel Westermann, was sie 1966 bei ihrem ersten internationalen Wettkampf erlebte. Unakzeptabel, ungeheuerlich. „Wir hatten uns auszuziehen“, berichtete die spätere Weltrekordlerin in ihrer Autobiografie. Dann mussten die Athletinnen mit einer Startnummer in der Hand splitternackt auf- und abmarschieren. Liesel Westermann kam sich vor, als sei sie auf dem Viehmarkt: „Es war wie bei der Trichinenschau. Nur bekamen wir den Stempel nicht auf den Hintern, sondern auf eine Karteikarte.“

Das Prozedere, Sex-Test genannt, hatten sich die Leichtathletik-Funktionäre damals vor der EM in Budapest ausgedacht, als Gerüchte um auffällig männlich aussehende Athletinnen aus dem Ostblock die Runde machten. Von da an nahmen sich Verbandsärzte das Recht, Frauen aus genetischen Gründen vom Wettbewerb auszuschließen. Bei Olympischen Spielen wurde die Fleischbeschau nach Protesten durch eine humanere Lösung ersetzt: per Wattestäbchen und per Zählung der X-Chromosomen aus der Mundschleimhaut.

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Die Erfindung der „Zauberwatte“ gegen Ölkatastrophen

foto: europäisches patentamt Ein Kilogramm der durch eine Panne entdeckten Wachswolle saugt sechs Liter Öl, aber kein Wasser auf.
Jahr für Jahr verpesten Ölunfälle Flüsse und Meere. Ein deutsches Unternehmen hat eine neue Möglichkeit zur Bekämpfung der Ölfilme gefunden

Von Alois Pumhösel | derStandard.at

Im September 2017 traf es die Küsten von Salamis und Piräus. Der griechische Tanker Agia Zoni II, beladen mit über 2500 Tonnen Rohöl und Treibstoff, sank und verursachte eine Ölpest im Saronischen Golf nahe Griechenlands Hauptstadt Athen. Es ist der neueste Vorfall der langen Liste an Ölunfällen, die sich beinahe jedes Jahr erweitert. Namen wie Exxon Valdez, jener Tanker, der 1989 vor Alaska sank, klingen noch im Ohr. Andere Vorfälle wie etwa ein Pipelineschaden, der 2010 das Nigerdelta verpestete, wird weniger öffentliche Aufmerksamkeit zuteil – auch wenn der Schaden für Ökosystem und Bevölkerung vor Ort enorm ist.

Die Aufräumarbeiten in Griechenland sollen vier Monate dauern. In anderen Fällen braucht es Jahrzehnte, bis der ursprüngliche Zustand wiederhergestellt ist. Eine UN-Studie kam 2011 etwa zum Ergebnis, dass es 30 Jahre dauern würde, um die 1000 Quadratkilometer große Nigerdelta-Region zu reinigen.

Zu den möglichen Ölbindemitteln, die bei derartigen Unfällen eingesetzt werden können, hat sich in den vergangenen Jahren ein weiteres dazugesellt; ein Mittel, das sowohl im großen Stil mit speziellen Schiffen als auch im kleinen Rahmen von den Betroffenen vor Ort eingesetzt werden kann.

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Eines der ersten Boulevardblattopfer Österreichs: Darwin

(c) APA (IAN NICHOLSON/PA)
Banale Interpretationen österreichischer Massenblätter rissen die Theorie des britischen Naturforschers ungewollt in den Kulturkampf.

Die Presse.com

In Österreich gab es gerade gesellschaftliche und politische Umbrüche, als Charles Darwin die Evolutionstheorie formulierte. Das veränderte auch die Medienwelt, sagt der Kommunikationswissenschafter Josef Seethaler. So wurde seine Lehre zwar zunächst nüchtern betrachtet, bald aber für diverse Zwecke missbraucht, bis er starb – und verherrlicht wurde.

Seethaler hat untersucht, wie die damaligen österreichischen Zeitungen über Darwin schrieben. Sein erstes großes Werk „Über die Entstehung der Arten“ erschien 1859 in einer Phase repressiver Pressepolitik. Bald darauf gab es im Habsburgerreich aber die Pressefreiheit – und die Medienlandschaft explodierte gleichsam. All dies schlug sich in der Darwin-Berichterstattung nieder, erklärt er. Im Rahmen der Veranstaltung mit dem Titel „Darwin in Zentraleuropa“ referieren Forscher über die wissenschaftliche, weltanschauliche und populäre Rezeption der Evolutionstheorie im 19. und frühen 20. Jahrhundert.

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Menschliche Mini-Gehirne in Tiergehirne verpflanzt

Von Wissenschaftlern des UCLA Broad Stem Cell Research Center mit einer verbesserten Methode entwickeltes zerebrales Organoid, das geschichtetes neuronales Gewebe und verschiedene Gruppen neuronaler Stammzellen (blau, rot, magenta) zeigt, aus denen sich Nervenzellen (grün) bilden. Bild: UCLA Broad Stem Cell Research Center/Cell Reports
Im Labor aus induzierten pluripotenten Stammzellen gezüchtete „zerebrale Organoide“ verbanden sich mit den Tiergehirnen. Gibt es hier ethische Probleme?

Von Florian Rötzer | TELEPOLIS

Vor vier Jahren berichteten Wissenschaftler um den Molekularbiologen Jürgen Knoblichvom Institut für Molekulare Biotechnologie, dass sie menschliche Minigehirne entwickelt haben. Diese zerebralen Organoide, die aus induzierten pluripotenten Stammzellen (iPS) entstehen und unterschiedliche Hirnareale bilden können, leben in Nährlösungen und haben als dreidimensionale Zellhaufen gerade einmal einen Durchmesser von 4 Millimetern.

Hintergrund der Forschung ist, damit ein In-vitro-Modell der Gehirnentwicklung zur Verfügung zu haben, an dem sich Erkrankungen studieren, Fehlbildungen erklären und Therapien erkunden lassen. Gerade in der Medikamentenforschung, beispielsweise gegen den Zika-Virus, wird viel mit In-Vitro-Modellen von Organen oder physiologischen Systemen gearbeitet. Versuche an Tieren, so genannte Tiermodelle von Schädigungen oder Erkrankungen des menschlichen Gehirns reichen dafür oft nicht aus. Zudem sind zerbebrale Organoide im Prinzip auch eine Möglichkeit, auf Tierversuche zu verzichten.

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Was ist Intersexualität? Sechs Antworten zum dritten Geschlecht

Neben «männlich» und «weiblich» muss künftig ein dritter Eintrag im Geburtenregister möglich sein. (Bild: Peter Steffen / Keystone / DPA)
Das deutsche Bundesverfassungsgericht verlangt vom Gesetzgeber, ein drittes Geschlecht im Geburtenregister einzuführen. Was bedeutet eigentlich Intersexualität? Und in welchen Ländern ist ein drittes Geschlecht bereits anerkannt?

Von Lucien Baumgartner | Neue Zürcher Zeitung

1. Was ist Intersexualität?

Intersexuelle können nicht eindeutig dem weiblichen oder männlichen Geschlecht zugeordnet werden. Chromosomenanomalien und angeborene Geschlechtsdeformationen können dazu führen, dass das Geschlecht genetisch unklar bleibt, die Geschlechtsorgane sich nicht vollständig ausbilden oder die Hormonbildung gestört wird. Diese Anomalien werden üblicherweise unter dem Begriff der «disorders or differences of sex development syndrome» (DSD-Syndrom) zusammengefasst und sind eine medizinische Diagnose.

Der deutsche Ethikrat betonte in seiner Stellungnahme zur Intersexualität die Notwendigkeit der rechtlichen Anerkennung. Im Unterschied zu Transgendern, die sich mit dem üblichen Geschlechtsbild von Mann und Frau in ihrer sexuellen Identität ungenügend beschrieben fühlen und ein anderes soziales Geschlecht («gender») beanspruchen, haben Intersexuelle gemäss dem Ethikrat ein anderes biologisches Geschlecht («sex»). Deshalb fühlen sich Intersexuelle nicht als Mann oder Frau, sondern bilden eine eigene Genderidentität.

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